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Full text of "Geschichte des Illuminaten-ordens"

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Alle  Rechte  vorbehalten. 


Vorbemerkung, 


j^ 


rxas  vorliegende  Werk  wolle  der  geehrte  Leser  nicht  als  das  Ergebnis 

einer  einseitigen   Arbeit  ansehen,  welche  die  Geschichte   eines 

ihm   vielleicht   gar    nicht  bekannten,    interesselosen  Ordens    enthält, 

sondern  als  die  Darstellung  eines  Stückes  Kulturgeschichte,  die  das 

Aufblühen  und  den  Werdegang  geistiger  Freiheit  in  einem  besonderen 

Kreise  in  sich   trägt.     Die  Wurzeln  eines  FreiheitsbaumeSj   in  dessen 

Schatten   die  jetzigen  Generationen  Ruhe   und   gedeihliches  Entfalten 

—fanden,  die  Entstehung  der  ersten  entwickeln ngsfähigen  Samenkörner 

^rur   Volksrecht   und   Volksvertretung,  ja   selbst    die   Bedingung  zum 

Erhalt  der  Königskrone  Bayerns,  alles  das  reicht  viel  weiter  zurück  als 

gewöhnlich  geglaubt  wird  und  wurde  durch  die  llluminatenbewegung 

seiner  Zeit  nicht  wenig  beeinflusst, 

r  Diese  wenig  bekannte  Tatsache  ist  hier  ohne  alle  Übertreibung, 
im  strikten  Nachweis  der  erreichbaren  Urkunden,  dargestellt,  so  dass 
der  Leser  imstande  ist,  sich  selbst  ein  Bild  jener  Zeit  zu  entwerfen, 
die  für  die  damals  Lebenden  einen  Misserfolg  zu  enthalten  schien,  in 
Wahrheit  jedoch  einen  beachtenswerten  Grundstein  jetziger  Zustände 
in  sich  schüesst. 

Um  auch  in  äusserer  Form  den  Wandel  der  Zeit  vor  Augen  zu 
führen,  sind  die  Urkunden  und  vielfachen  schriftlichen  Aufzeichnungen 


in  ihrer  Schreibweise  stets  beibehalten  worden.  Der  Leser  wundere 
sich  daher  nicht,  wenn  er  alle  möglichen  Stilarten,  Schreibformen  von 
Worten,  sowie  merkwürdige  Interpunktionen  vorfindet,  sondern  beachte 
gütigst  die  Stellen,  die  als  Citate  eingefügt  wurden,  um  nicht  den 
Autor  scheinbarer  Fehler  für  schuldig  zu  halten. 


Blasewitz  b.  Dresden,  im  Oktober  1906. 
Deutsche  Kaiser- Allee  18. 


Leopold  Engel. 


Einleitung 

Einiges  vom  neuen  rHuminstenordeu  S,  2.  —  Kluckhohn:  Die 
Illuminaten  und  die  Aufklärung  in  Bayern  unter  Karl  Theodor  S.  4, 

—  Zwei  Briefe  des  Papales  Pius  VI  S.  13, 

Die  Universität  zu  Ingolstadt 16 

Johann  Adam  Ickslall  S.  18,  —  Icksialls  Streit  mit  der  theologischen 
Fakultät  S,  20.  —  Eckhers  Anklagen  8.21.  —  Ickstatts  Sieg  S.  21/22. 

Weishaupts  geistige  Ausbildung  und  Charakterent- 
wickelung bis  zur  Ordensgründung  *....,  22 
•  Weishaupts  Vater  S.  22.  —  Weishaupls  Jugendzeit  S.  23.  —  Bitte  von 
Weishaupts  Mutter  S.  24*  —  Weishaupls  Ernennung  xum  Doktor 
der  Rechte  S.  25.  —  Auf  lieh  ung  des  Jesuitenordens?  S.  28*  —  Brief 
Schiitenbergs  mit  Anklagen  gegen  Weishaupt  S.  29.  —  Angriffe  gegen 
Ickstatt  Weishaupts  wegen  S.  3L  —  Briefe  Ickstatts  und  Weishaupts 
an  Lori  S,  32 — 34.  —  Angriffe  der  Exjesuiten  S.  35.  —  Weishau pl 
deckt  die  Schäden  an  der  Universität  auf  S.  3fi — 41.  —  Ickstalt 
wendet  sich  gegen  Weishaupt  S.  42,  —  Weishaupl  reist  nach  Mün- 
chen S.  44.  —  Der  Erfolg  dieser  Reise  S.  46—48,  —  Das  Gehölt 
Weishaupts  S.  49.  —  Benedict  Stattler»  Professor  und  Exjesuit  in 
Ingolstadt  S.  50,  —  Weishaupls  Stellung  zu  ihm  S.  &1.  —  Der  Stu- 
dent Christoph  Henninger  und  sein  consilium  abeundi  S.  52, 

I>ie  Gründung  des  Ordens  , 64 

Weishaupls  Erklärungen   bezüglich  der  Ordensgründung  S.  54  u.  f, 

—  Seine  Erwartungen  von  der  Freimauerei  S.  59.  —  Professor 
Feders  Einfluss  S.  61.  —  Abts  Eintlass  S.  65,  —  Oev  Ordensname 
S.  67,  —  WVishaupls  Urteil  über  sich  selbst  S,  68.  —  Die  bei 
Zwackh  gefundenen  Originalschriften  des  Uluminatenordens  S,  70. 

—  Briefe  Weishaupls  an  Massenhausen  S.  70/73.  —  Briefe  Weis- 
haupts an  Zwackh  S.  74  u,  f.  --  Die  ersten  Olumtnaten  S.  74,  — 
Weishaupts  erstes  System  S.  75.  —  Spionage  des  Ordens  S.  77.  — 
Des  Kurfürsten  Landesliebe  S,77.  — Die  Wahl  des  Ordensnamens  S.78. 


-    VI 


( 


Die   Ordensbegründung    nach    der   Darstellung    des 
F.  X.  V.  Zwackh 

Der  Nachlass  Zwack hs  S*  79.  —  Seine  Ordensgeschichte  S*  80,  — 
Ordensverbreiiung  S.  83.  —  Ein  Beschluss  des  Areopags  S.  83.  — 
Wie  die  Areopagiten  arbeiteten  S.  84.  —  Weistiaupts  Herrschsucht 
richtig  gestellt  S  86*  —  Fortsetzung  von  i^wackhs  Ordensgeschichte 
S.  86*  —  Verbindung  des  Ordens  mit  der  Freimaurerei  S.  89. 

I>as  System  des  I  Uunninatenürdens  bis  zum  Jy  hre  1781  m 
Die  ersten  Ordensstatuten  S.  DO.  —  Durch  Baader  verbesserte  Statuten 
S.  91  u,  f.  —  Die  dritte  Lesart  der  Satzung  S.  97.  —  Allgemeine 
OrdenS'Stattilen  S.  97.  —  Vergleich  der  Satzungen  S,  103,  —  Ab- 
sich ter»  des  Ordens  mit  der  Freimaurerei  S.  UM.  —  Die  Ordens- 
aufnähme  S,  105*  —  Die  Minervaleri  S.  107.  —  GemeinschafUicber 
Schluss  des  Areopagus  über  den  Zweck,  die  Mittel  und  Einrichtung 
der  Gesellschaa  S.  108, 

Freiherr  V.  Knigge  und  sein  Einfluss  auf  die  Ordens- 

entwickelung   .     ,     , 114 

Allgemeines  über  Knigge  S,  114.  ^  Zwackh  über  Knigge  S.  115,  — 
niuminaten  Freimaurer  S.  116.  —  Der  neue  Ordensplan  S.  117.  — 
Der  lllurainatensaal  in  Ingolstadt  S.  118.  —  Briefwechsel  zwischen 
Weishaupt,  Knigge  und  Zwackh  S,  120.  —  Neue  Ordensgrade  S>  123. 
Ausbrechender  Streit  zwischen  Weishaupt  und  Knigge  S.  124, 

Die  letzten  Ordensgrade  und  Philos  Austritt  .  .  .  126 
Der  Priester-  und  Regentengrad  S,  127.  —  Weishaupts  Urteil  über 
Knigge  S,  128,  —  Knigge  an  Zwackh  über  seinen  Ordensbeitritt 
und  Tätigkeit  S.  129.  —  Endgültiger  Bruch  zwischen  Weishaupt  und 
Knigge  S,  134.  —  Knigges  Brief  an  die  Areopagiten  S.  136.  —  Knigge 
schildert,  wie  er  Bode  aufgenommen  S.  138,  den  Herzog  von  Gotha 
S»  139,  den  Prinzen  Carl  von  Hessen  S.  140,  —  St.  Germains  Ge- 
heimnisse S.  14L  —  Zwei  Briefe  des  Herzogs  von  Gotha  S.  143,  — 
Brief  des  l^rinzen  von  Hessen  S.  144.  —  Die  Häupter  des  Iliumi- 
natjcnordens  nach  Zwackh  S,  146  und  deren  Verfolger  S.  148,  — 
Der  Inhalt  des  Priestergrades  S.  149—158.  —  Knigges  Grab  S.  159. 

Die  Ordensverfolgurig  in  Bayern ,    .     iri 

Die  drei  Verbote  des  Kurfürsten  S.  161—165.  —  Zschokke  als  Ge- 
schichlsfälscher  S,  166.  —  Graf  Constanzo  und  Utzschneider  S,  166. 
—  Friedrich  der  Grosse  und  die  Herzogin  Maria  Anna  S.  166/167. 
Der  zukünftige  König  von  Burgund  S.  168.  —  Eii\  nicht  aufzufinden- 
der Brief  des  Ministers  Herzberg  S,  168,  —  Briefwechsel  der  Her- 
zogin Maria  Anna  mit  Friedrich  dem  Grossen  und  mit  Freiherrn 
V.  Schwarzenau  S,  169.  —  Berichte  des  Preussischen  Gesandten 
V.  Schwarzenau  an  König  Friedrich  S.  171—174,  —  Der  berüchtigte 
Landertausch  und  der  Furstenbund  S.  174—176.  —  Ein  alarmieren- 
der Bericht  des  Gesandten  v.  Schwarzenau  S.  176.  —  Des  Königs 
ÜHeil  S.  177.  —  v.  Schwarzenaus  Antwort  S,  178.  —  König  Friedrichs 
bisher  behaupteter  Anteil  an  der  Blum  in  aten  Verfolgung  eine  Le- 
gende S.  179,  —  Constanzos  Ausweisung  aus  Berlin  S  179.  —  Die 
Gründe  der  Ausweisung  S.  179/180.   —    Bericht  der  Französischen 


Yll 


6«Ue 


GesandUchftf!.  S.  181.  —  Brief  des  Ministera  HerUbergs  an  Herzogin 
Maria  Anna,  die  Hluminalen  betreffend  S.  182,  —  Eine  Anklage« 
schrifl  gegen  die  llIuminaLen  im  Pariser  Arcliiv  S.  183.  —  Wer  ist 
der  Verfasser  dieser  Sclirift?  S.  187.  —  Ghalgrins  Darsleilung  einer 
Unteri*ediing  zwiscfien  Baader  und  der  Herzogin  Mai'ia  Anna  S.  180. 

—  UUschoeider  kein  Verräter  S.  ItM).  ~  Der  Geheimsekretär  Andri'e, 
lieimlicher  Gälte  der  Herzogin  S.  190.  —  Verwendung  des  Ordens 
um  Andröe  S.  19L  —  Der  Grund  einer  Antipathie  der  Herzogin 
geigen  den  Orden  S.  191.  —  Die  Zorriesursaclie  des  KurfürsLen  gegen 
den  Orden  S>  192, 

lie    (Jrdensbeziehungeii    zur    österreichischen    Re- 
gierung ..,.....,. 192 

Die  Freimaurer  in  Wien,  Ordensaussichten  daselbst  S.  192/193.  — 
'Graf  Kolowrat  S.  194.  —  Wie  Weishaupt  über  politische  Umtriebe 
denkt  S.  196.  —  Seine  ünzulViedenheit  mit  Arrian  S.  195/196.  — 
Eine  österreichische  offizielle  Erläuterung  der  Geschichte  und  des 
Ursprungs  der  Illuminaten  S.  197.  —  Was  der  österreichische  Ge- 
sandte V.  Borrie  nach  Wien   über  die  Illuminaten  berichtet  S.  203. 

—  Was  ihm  geantwortet  wurde  S.  204.  ^  Graf  Riedesel,  preussischer 
Gesandtor  in  Wien  S.  205. 

lÄassregehing  und  weiteres  Schicksal  des  Professor 
Weishnupt 206 

Nochmals  die  Papstbriefe  S.  207.  —  Grund  der  EnUassung  Weis- 
hauplÄ  S.  207.  —  Kurfürstliche  VerfQgungen  bezüglich  der  Eni- 
lassung  S.  208—210.  —  Weishaupt  flieht  aus  Ingolstadt  S.  211.  — 
Wohlwollender  Brief  des  Herzogs  von  Golha  S.  212.  —  Priester 
I,8nz  wird  vom  BHlz  erschlagen  S.  213.  —  Die  erste  IHuminaten- 
liste  bei  der  Leiche  gefunden  S.  213.  —  Arreslbefehl  gegen  Weis- 
baupt  S.  214.  —  Der  Tod  von  Weishaupts  ersten  Frau  S.  215.  — 
Eine  delikate  Angelegenheit  hinsichtlich  seiner  zweiten  Frau 
S.  216— 221.  —  Weishaupts  Dispensation^  seine  Schwfigerin  heiraten 
2U  dßrfen,  trifft  ein;  seine  Heirat  8.221—225.  —  Weishaupts  ällester 
Sohn  Wilhelm    S.  22ö.  —  Schillers  Urteil  über  Weishaupt    S.  227. 

—  Weishaupt  in  Hegensburg  S»  228.  —  Seine  Haftnahme  wird  he* 
absichtigt;  Weishaupt  in  Wien  S.  228.  —  Herzog  Ernst  von  Gotha 
schützt  seinen  Hofral  Weishaupt  S.  330*  —  Die  beabsichtigte  Er- 
nennung Weishaupts  zum  Gesandtschaftsbeamten  S..330.  ^  Kurfürst 
Carl  Theodor  verlangt  die  Auslieferung  W^eishaupts  S.  123,  —  Der 
Rat  von  Regensburg  wegen  Weishaupt  in  Ängsten  S.  232/33.  —  Die 
Lage  W^eishaupts  spitzt  sich  zu  S,  236.  —  Weishaupt  flüchtet  nach 
Golha  S.  236.  —  Konllikt  des  Herzogs  mit  dem  Kurfürsten  wegen 
Weishaupt  S.  237—239. 

ie  Wurzeln  der  111  uminotenverfolgung 240 

Die  ersten  Fehdeschriften  S.  240.  —  Jesuilen  als  Rosenkreuzer 
S,  242.  —  Ein  Brief  von  Pater  Frank  als  Rosenkreuzer  S,  243,  — 
Ein  Brief  von  Dr.  Oelrichs,  enthaltend  die  Kopie  eines  Briefes 
vom  späteren    König   Friedrich   Willielm    von   Preussen    S.  245.  — 

Letzterer    in    Rosen kreuzerhänden    S.   245.   —    Des    Königs    Brief 


-     VIII     ^ 

die  llluminaten  betrefTend  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen  S,  247, 
Wie  sich  diese  Angelegenheit  erledigt  S.  248,  —  Hosenkreuzer- 
Übermut  und  Baaders  Entgegnung  S.  249—251. 

Die  Massregelung  Zwacklis    . 

Zwackhs  Werdegang  S.  252.  —  Zwackh  wird  als  Uluminal  ver- 
dächtigt S.  263.  —  Haussuchung  bei  ihm  in  Landshut;  amiliches 
Protokoll  hierüber  S.  254,  —  Eckartshausens  Tätigkeit  als  Archivar 
in  IHuminalenangelcgenheil-en  befohlen  S.  257,  —  Wie  Eckarts- 
hausen Archivar  wurde  S,  258.  —  Verzeichnis  der  bei  Zwackh  ge- 
fundenen Papiere  8.259—261.—  Ein  Paket  an  Paler  Frank  S.  2ß2. 

—  Wie  die  Kommission  arbeitete  S.262,  —  Zwackh  Hiehl  5.263.— 
Versuche  zu  seiner  Rechtfertigung  S.  2G4,  —  Brief  von  und  an 
V.  Belderbusch  S.  2(i4— 269,  —  Berichte  des  französischen  Gesandten 
über  die  lUuminaten  und  Zwackh  S.  270—272. 

Verfolgung  des  Baron  Bassos 

Wie  der  Baron  Hin  min  at  wurde  S.  273.  —  Zwackh  sein  Ober* 
Btlminislrator  S.  273,  —  Zwackhs  unterschlagener  llhef  an  den  Ver- 
walter Meyer  S,  273.  —  Chalgrins  Angaben  S.  274-  —  Die  Herzogin 
Maria  Anna  sagt  über  Zwackh  aus  S.  274.  —  Befehl  des  Kurfürsten 
zur  Visitation  zu  Sandersdorf;  Gründe  hierzu  S.  276,  —  Neue  111  u- 
minatenschriften  werden  gefunden  S,  276.  ^  Wie  Bassus  diese 
Schriften  erhielt  S.  276.  —  Das  ninminalennest  Sandersdorf  S,  277. 
Bassus  wird  verhört  S.  27K  —  Er  unterschreibt  einen  Revers  S.  279. 
Das  totgeschwiegene  vierte  Verbot  mit  angedrohter  Todesstrafe  für 
den  Ordenswerber  S.  280.  —  Wie  sich  der  Kurfürst  über  gericht- 
liches, gesetzliches  Verfahren  hinwegsetzt  S.  281. 

Die  Loge  Theodor  vom  guten  Rat.  Die  Aussagen 
zweier  Priester 

.\udienz  des  Grafen  Seeau  S.  282.  —  Memorial  der  Loge,  dem  Kur* 
forsten  überreicht  S.  283.  —  Prediger  hetzen  gegen  die  niuminalen 
S.  283  (Fussnote).  —  Zirkular  des  Ordens  nach  dem  ersten  Verbot 
S,  284  (Fussnotej.  —  Echtes  und  unechtes  Maurer-^ystera  S.  286.  — 
Der  Kurfürst  selbst  Freimaurer  S.  287  (Fussnote).  —  Lesegeselb 
schaflen  der  IHuminaten  S.  290.  —  Bericht  von  Sulpitius  Cosandey 
S.29I.— Bericht  \onVilusUennerS.21ia  —  EinellluminatcnlisteS,3()3. 

Weitere  \>rnrdnungen  des  Kurfürsten  und  Ver- 
folgungen       

Erlass  des  Kurfürsten  für  das  Mililär  S.  306.  —  Freiherr  v.  Meggen- 
hofen  zur  Besserung  ins  Kloster  gesteckt  S  306.  —  Seine  Erleb- 
nisse, von  ihm  selbst  erzählt  S>  307-316.  —  v.  Meggenhofens  Tod 
S.  315.  —  Das  dritte  kurfürstliche  Verbot  S.316.  —  Ein  satyrischer 
Brief  Borns  an  Betderbuscii  S.  318.  —  Wie  Paler  Fast  die  Ver- 
folgung  zu  nützen  weiss  S.  321.  —  Stadtoberrichtcr  Fischers  Amis- 
entsetzung  S.  322.  —    v.  Dellings  Verhör  und  Verurteilung   S,  322. 

—  Graf  Savioli  und  Constanze  werden  entlassen  S.  323,  —  v.  Moni- 
gelas  des  Ordenssiegels  wegen  in  Verhör  genommen  S.  323.  —  Das 
niuminatensiegel  S,  324.  —  Weitere  Amisentlassungen  S.  324.  —  Wie 
viele  niuminalen  sich  an  der  Universität  Ingolstadt  befanden  S.  325. 


^em 


251 


272 


282 


1 

304^ 


Giftrezepte   der   Illuminnten    und    ein    l>erüclitigtes 

I  Protokoll  . 325 
Massenhausen  als  GiRmisrlicr  S,  326.  —  Seine  Verliafluiig  S.  32ß. 
—  Sein  Verhöp  und  seine  Schuld  S.  327.  —  Massen hausens  FhicliL 
S.  5128,  sein  Steckbrief  S.  329.  —  Dr  Munt*?r  verlangt  Einsieht  in 
die  konfiszierten  Papiere  S.  329.  —  Baron  Mänd!  und  seine  un- 
glaublichen Aussagen  S.  331— 334.  —  Die  llhiminatenkasse  nach 
Mandls  Aussagen  S»  335.  —  Mändla  Behauptungen»  dass  die  lllu- 
minaten  Gift  gebrauchen  S,  337-339. 

Die  Ordenskasse.     Geistliche  oIs  Illuminoten    ...     340 

L Kanonikus  Hcrtcl  eingesperrt  S.  34(1  —  licrtels  Aussagen  über 
Verbleib  der  Ordenskasso  S.  340.  —  Die  Einnahmen  des  Ordens 
S.  34K  —  Die  Ausgaben  des  Ordens  S.  343.  —  Hertels  Enllnssung 
S.  344.  —  Verbot  des  Fürstbischofs  von  Freysingen  S.  344— 346.  — 
Grönde,  die  die  GeisÜichen  veranlassten  Illuminalen  zu  werden 
S.  347.  —  Anerkennungsschreiben  des  Kurfürsten  an  den  Forste 
bisehof  zu  Regensburg  S.  348, 

A tisbr-eitung  des  Ordens 349 

Die  NaliünabDii*eklions-Tabelle  von  Deutschland  S,  3ii0.  —  Staacks 
Angaben  S.  STjI.  —  Knigges  und  Weishaupts  Ansichten  über  die 
Ordensausbreilung  S.  352,  —  FürsHichc  Mitglieder  des  Ordens  S.  353, 
^  War  Goethe  Illiiminal?  S,  356.  —  War  Scliiller  Illuminat?  S,  356. 

luminntismus  und  Freimauierei 357 

Die  Freimaurerei  zur  Zeil  der  Ordensgründung,  Freiherr  v,  Hund 
S.  357/358.  —  Knigges  Absichter»;  das  von  ihm  verfasste  Consti- 
tution sbueh  S.  359.  —  Instruktion  in  Ansehung  der  Frcymäurer 
l.ogen  S.  359.  —  Ein  Schotten -Revers  S.  362.  —  Ritter  Eid  S.  3B4.  — 
Die  unbekannten  Oberen  S.  366.  —  Der  Nimbus  der  Echtheit  des 
Freimaurer-Systems  S.  3fn.  —  Befeindung  der  Hosenkreuzer  S.  368. 

s  Ende  des  Ordens     .............     369 

Der  Fall  Pechmann  S.  369.  —  Der  Huf  von  Zweibrür-ken  schützt 
die  Illuminaten  S.  370.  —  Das  geheime  Inquisitions  Kabinett  S.  370. 
—  Ein  Katalog  der  ntuminaten  von  1791  S.  371-373.  —  Einige  Be- 
richte Montezans  über  Fater  Frank  S.  374.  —  Graf  Pappen  heim 
verbannt  S.  375.  —  Kluckhohns  Artikel  über  Blumi na ten Verfolgungen 
S.  375.  —  Wie  Illuminaten  Denunzierte  behandelt  wurden  S.  377.  — 
Interesse  für  die  Schulen  war  verdächtig  S.  378.  --  Des  Kurfürsten 
Tod  S.  378.  —  Graf  Montge!as,  der  Retter  Bayerns  a  378/79.^  Zwackh 
zurückberufen  S,  379.    —    Geheime  Gesell  seh  öRen  verboten  S.  379. 


eishaupts  letzte  Jolire  und  seine  Familie.  .  .  . 
Weishaupt  in  Gotha  S,  380.  —  Weishaupts  endliche  Erklärung  Im 
Reicbsanzeiger  S.  381. —  Ein  Brief  Weishnupts  an  Montgelas  S.  384. 
Weishaupt  wird  zum  Mitgliede  der  Königlichen  Akademie  der 
Wissenschaften  in  München  ernannt  S,3H6.  —  Zschokkes  AngriflT  auf 
Weishaupl  S,  386.  —  Weishaupts  Söhne  S.387.  —  Ein  Brief  von  Ernst 
Weist  ja  upt  aus  dem  Jatjre  1818  S.  389,  —  Professor  FUd  verteidigt 


380 


Weishaupt  gegen  Zschokke  S.  390.  —  Die  Karriere  von  VVeishaupls 
Söhnen  S.391.  —  Zwei  Briefe  Weishaupta  an  Utzschneider  S.393— 395. 

—  WeishaupU  Tod  und  Grabschrin  S.  396*  —  Major  Karl  Weis- 
haupt schreibt  an  Bölliger  über  seinen  Vater  S.  398.  —  llluminaten* 
papiere  in  Gotha,  der  dortigen  Freimaurerloge  gehörig  S.  40L  — 
Die  Gräber  der  zweiten  Frau  Weishaupts  und  ihrer  Töchter  S.  402. 

—  Die  Familie  Weishaupt  ausgestorben  S.  402. 

Beschuldigungen,  die  dem  Orden  wurden  ..... 
Der  Orden  als  Beförderer  der  französischen  Revolution  S.  404.  — 
MIrabeau,  Illuminat  S.  404  und  Mauvillon.  —  Die  Lage  der  Frei- 
maurerei in  Frankreich  zur  Revolutionszeit  S.  405,i'406.  —  Der  Herzog 
von  Orleans,  Egalilö  S.  4ÜB.  —  Die  Abgesandten  des  Ordens:  Bode 
und  Busche  S.  406,  —  Die  Entstehung  der  Jacobiner-Clubbs  S.  408. 

—  Jacobinismus  und  Illuminatismus  S.  409.  —  Die  Reise  Bodes 
nach  Paris  und  ihre  Gründe,  von  ihm  selbst  erzählt  S,  410.  —  Seine 
Erfahrungen  über  den  tierischen  Magnetisnaus  S,  413.  —  Schillers 
Zeugnis  über  den  Erfolg  von  Bodes  Reise  S.  415.  —  Bode  als  Nach- 
folger Weishatipts  S.416.  —  Die  französischen  Gesandlschansberichtc 
zur  Revolutionszeit  S.  416.  —  Was  diese  von  den  niuminaten  wissen 
S,  417—419.  —  Die  Illumin^^s  sind  nicht  niuminaten  S.  420,  -^  Ca- 
gliostro  als  niuminat  S.  421,  — Seine  Lügen  über  den  Orden  S.  422. 

—  Was  ist  Wahres  an  Cagliostros  Behauptungen?  S.  423.  —  Peter 
von  Leonijardi  und  Knigge  S,  424. 

Der  Fortbestund  des  Ordens  und  die  Furclit  vor  ihm 
Die  allgemeine  lUuminatenfurcht  S.  425,  —  Die  liluminatcn  in 
Berlin  S.  426.  —  Nicolai»  Gedike  und  Biester  S.  426/427.  —  Die 
deutsche  Dnion  S,  429.  —  Die  österreichische  Regierung  sendet 
Armbruster  als  Agent  aus  S.  429.  —  Sein  Bericht  S.  430.  —  Die 
niuminaten  nach  Armhruster  S.  430— 436.  —  Die  Patrioten,  Ulz 
schrieider  Haupt  derselben  S-  43ti— 443.  —  Fourniers  Meinung  über 
diesen  Bericht  S.  443 — 445.  —  Preussische  Schrift  über  den  Tugend- 
bund  im  Sächsischen  Staatsarchiv  S.  446.  —  Extrait  d'un  Memoire 
sur  les  niumiuL'Ä  et  TAllemagne,  Dokument  im  Pariser  Archiv 
S.  447—461.  —  Napoleons  niumiiiatenfurcht  S.  46l  —  Der  Atlon- 
liler  Staps  S.  462.  —  Das  wirkliche  Ende  des  Ordens  S.  463. 

Der  neue  Illuminatenorden 

Allgemeine  Angaben  über  die  Begründung  de*  neuen  Orden»  und 
d  esse  n  f^  en  rga  n  i  sn  I  o  r , 


BtiU 


42 


46^ 


-^M^'"^^ 


D 


Einleitang. 

8  grosse  Piiblikiini  Ijat  gewöhnlich  füi'  einzelne  Vorgfinge  in 

*lej'  Ciescliiclite,  wenn  sie  nicht  eine  durch  Bhit  und  Kriegs- 

yeschrei  herv^orrogende  Epoche  dorstellen,  wenig  Interesse,  selbst 

'donn  niclit,  wenn  die  Ereignisse  in  das  soziale  Leben  einslens  stark 

i eingegriffen  haben  und  als  einen  Au??gangspunkt  für  manche  Er- 
rungenschaften der  Neuzeit  betraclitet  werden  müssen.    Dem  Ge- 
fechichtsforscher  jedoch,  der  die  Geschicke  der  Völker  nicht  nur 
recht  oft  durch  Zufälligkeiten,  sondern  setir  oft  durch  ganz  unvor- 
hei'gesehene,  in  ilu'cr  Wirkung  auf  die  Menschheit  unfongs  unter- 
schätzte Ereignisse,  beeinflusst  sieht,  hohen  gerade  Geschichts- 
voi-gange    besonderes    Interesse,    die    die    Grundlagen    s|tätereT' 
^-EntwickUing  in  sich  tragen.    Ohne  der  Gi^ündung  und  Verfi>lgung 
Hdes    Illuminatenordens    nun   eine   übertriebene   Bedeutung   bei- 
messen zu  wollen,  ist  doch  erwiesen,  dass  in  dem  Kampfe,  den 
^wdie  Zopfzeit  mit  der  erwachenden,  modernen  Kulturepoche  aus- 
Hfeufechlen  luitte,  die  seinei^  Zeit  in  Bayern  in  ihrem  Gesamtbilde 
recht  uneifreuliche  Verfolgung  der  Illuminaten  eine  Rolle  spielte, 

ilie  von  dei"  Geschiclite  bleibend  aufgezeichnet  ist  als  ein  Mark- 
stein für  den  Beginn  der-  lu'schütterung  des  absoluten  Herrscher- 
Regiments,  des  Niederganges  einer  Zeit,  in  der  das  stolze  Wort: 
,Regis  voluntas  suprema  lex"  noch  unumschränkte,  selbst  das 


leclit  beugende  GewaU  besnss. 

Weil  aber  jene  Zeit  dei'  Erschütterung  des  willkürlichen 
Regimen les  als  ein  solcher  Markstein  in  der  weiteren  Zeiten- 
folge bezeichnet  wurde,  sr»  konnte  sich  die  Beschuldigung,  „der 
Jlluminaten-Orden  liabe  diese  von  vornherein  beabsicijtigt,  er  sei 

egründet  worden,  um  die  Fürsten  von  den  Thronen  zu  stürzen, 
habe    die    französische   Revolution    verschuldet,    sei   in    seinen 

ehren    höchst    Staats-    und    religionsgefahi'lich,    vernichte    die 

Engel,  Qe*olilebtc  de*  ILlumiDalenarduDs.  | 


Moral  des  einzelnen  und  des  \  olkes,  und  dergleichen  Unsinn 
mehr  (Beschuldigungen,  die  lieutzuUige  den  Freinuiurern  noch 
vielfach  nochgesagt  werden)''  sehr  lange  erholten,  während  in 
Walniieit  nichts  von  alledem  nnchzuweisen  ist.  Die  Begründung 
des  Illuminatenordens  durcli  den  Professor  Adnni  Weisluiupt 
hatte  bezüglich  ihrer  späteren  Wirkungen  gänzlich  un- 
beabsichtigte  Erfolge;  nieinols  hat  er  daran  gedacht,  politisch 
tätig  sein  zu  wollen,  wold  aber  liatte  er  beabsichtigt,  der  Geistes- 
entwicklung des  Einzelnen  im  Orden  eine  feste  Buig  zu  schaffen; 
nie  hatte  er  geglaubt,  dass  sein  Orden  jemals  einei*  \'eift>lgung 
ausgesetzt  sein  könnte.  Wenn  letzteres  dennoch  eintrat,  so 
lagen  die  Fäden  denn  docli  auf  anderer  Seite,  als  vielfach  ver- 
mutet wurde*  Es  kommen  vei-scliiedene  Dinge  zusammen, 
welche  eine  Verfolgung  veranlassten,  und  würden  diejenigen 
Personen,  die  eine  Wühlarbeit  im  Interesse  der  Unterdrückung 
des  allgemeinen,  freien  Geisteslichtes  verrichteten,  heute  über- 
blicken können,  was  aus  diesei*  in  Ba\ern  und  Deulscidnnd 
allerdings  viel  liirm  vei'ursaclienden  Verfolgung  entstanden  ist, 
zum  Wohle  der  Allgenicinheit,  sie  würden  entsetzt  erkennen, 
wie  das  Wort  Mephistos  auch  auf  sie  passt: 

Ich  bin  ein  Teil  von  jener  Kraft, 

Die  stets  das  Böse  will  und  sleLs  das  Gute  schafft. 

Wir  werden  uns  im  weiteren  damit  zu  beschäftigen  Imben, 
die  Fäden  blosszulegen.  Sie  sind  im  Laufe  der  Zeit  kein  Ge- 
heimnis gehlieben,  und  deswegen  sind  auch  Bescliönigungs- 
versuche  mancher  Art  vorgenommen  worden,  die  infolge  ihrer 
Tendenz,  zwar  nicht  schroff,  so  doch  deutlich  durchblicken 
liessen,  dass  Weishaupt  ein  mindestens  zweifelhafter,  moralisch 
nicht  reiner  Charakter  gewesen  sei,  der  Illuminatenorden  staots- 
gefährliclie  Umtriebe,  böse,  nur  den  geheimen  tibern  bekannte 
Absichlen  \erfülgt  liühe  und  dass  deswegen  die  Verfolgung  immer- 
liin  gerechlfertigt  gewesen.  —  Im  Laufe  unserer  Auseinarjder- 
setzungen  werden  wir  an  der  Hand  teils  nticb  gänzlich  un- 
bekannter, teils  bisher  in  ihrem  Wortlaute  noch  nicht  ver- 
öffentlichter   Dukiunente    nochweisen,   was   davon    übiig   bleibt. 

Wir  gesteheu  en  dicvser  Stelle  ofTcn  ein,  dass  der  jetzige 
llhnuiuatenoiTlen,  eingetragener  Verein  zu  Dresden,  in  der  un- 
aiil'echtbaren,  geschichtlichen  Dai-stcllung  seiner  Voifahren,  auch 
das  beste  Verteidiguiigswerk  für  Angi*itfe  auf  seine  jetzige  Ten* 
denz  erblickt,  SmIcJic  Angriffe  erlaultt  man  sich  bereits  in  un- 
zweideutigste!'    Form,   unter    Benutzung    alter   Werke   aus   den 


3     — 


Jaliren  1784 — 1788    Man  stellt  aus  diesen  sehr  leiclitein  verzerrles 
Bild  des  damoligen  (h'dens  zusammen;  durch  Aneinanderreihen 

«glichst  schroffer  Stellen,  die  aus  ihrem  Zusammenhange  ge- 
sen  werden,  und  dadurch  ganz  anderen^  unbeabsichtigten 
Sinn  ergeben,  wii'd  es  immer  spollleichl,  sein,  alles  zu  beweisen, 
was  man  bewiesen  hoben  wilL  Dieses  altbekannte  Rezept 
findet  sich  z.  B.  in  einem  allerneuesten  Gebräu*)  literarischer 
Taschenspielerkunst  vortrelilich  angewandt,  segelt  unter  dem 
edlen  Voi^eben  der  Volksaufklorung  in  die  Welt  hinaus,  und  der 
oder  die  Verfasser  sind  sicher,  dass  naivere  und  urteilslose  Leser, 
angegrault  von  den  Veiführnagskünsten  und  dem  angeblicl» 
schändlichen  Ti'eiben  des  nlten  Ordens,  den  neuen  Orden  eben- 
fciUs  nicht  anders  beurteilen  werden.  Der  neue  Orden  ist  leider 
juridische  Person  und  dCnfle  offenkundige  Verdrehungen  als 
Verleumdungen  zu  strofen  wissen  —  folglich  greift  man  am 
sichersten  für  das  eigene  Heil  den  historischen  Orden  an,  indem 

En  sicher  ist,  dass  von  allen  diesen  Verleumdungen  am 
igen  auch  etwas  kleben  bleiben  wird. 
Dem  heutigen  lllumirmtenorden,  der  seine  Existenz  doch 
1  einmal  aus  den  Restbestünden  alter  Zeit  nicht  ableugnen 
in,  dazu  auch  gar  keine  Ursache  bot,  könnte  es  im  Grunde 
genommen  höchst  gleichgültig  sein,  ob  die  längst  verth>ssene 
historische  Periode  vorwurfsfrei  gewesen  oder  nicht,  er  hat  ledig- 
Jich  fui-  sich  selbst  einzustehen  und  darauf  zu  achten,  dass  er 
jetzt  vorwuifsfrei  ist;  aber  es  verlangt  das  Interesse  an  dem 
Ursprung,  sowie  die  rierechtigkeit,  dass  l)esteliendes  Falsches 
ausgeschieden  und  die  Wahrheit  festgestellt  wird,  falls  dieses 
möglich  ist.  Und  das  ist  möglich,  wenn  das  Geheime  Staats- 
archiv, sowie  das  Geheime  Hnusarchiv  in  München,  sowie 
andere  Staats-  und  Privatarchive  vorurteilsfrei  hei'angezogen 
werden.     In   diesen   Archiven  (Berlin,   Dresden,    Wien,   Gotha, 

»ris)  befinden  sich  diejenigen  Urkunden,  Briefe,  Schriften  und 
otokolle,  welche,  wenn  nicht  einseitig  beui'teilt  und  ausgelegt, 
recht  wohl  imstande  sind,  ein  klares  Bild  zu  geben.  Leider 
wurde  bisher  nicht  völlig  ein\Aandsfrei  diese  Arbeit  geleistet, 
entweder  waren  es  Teilarbeiten  oder  Nichtkenntnis  mancher 
vergrabener  Licht  gebender  Urkunde  oder  uucli  Rücksichten, 
welche    die     Verfasser    zwangen,    gewisse    Dinge    mit    einem 


♦)  „Volksöufklärung'v  kleine  Handhibliolhek  zur  Lehr  und  Wehr  für 
lundc  der  Wahrhell  Nr.  4D/50*  Der  niuminaten  Orden  v.  Dr.  jwr.  Kruecke- 
fei\     Verlag  von  A,  Opitz  in  Warnsdori;  Böhmen, 

1* 


Mönlelchen  zu  beluiiigeri,  wodurcli  \N>lle  Kkii-heit  über  diese 
Zeitperittde  bis  heuligon  Tapes  nicht  gepebeii  ist.  Wir  wollen 
versuchen,  olme  alle  Beschönigung,  aber  auch  ohne  olle  Be- 
denken, eine  Darstellung  der  Dinge  zu  geben  und  suchen  zunächst 
noch  einem  ntlen  Leitfaden»  der  uns  auf  den  vielfach  ver- 
worrenen Irrwegen  zum  Führer  dienen  kann,  —  Wo  ist  dieser 
Leitfaden  zu  finden? 

In  den  üblichen  Anklagen  heisst  es,  weil  der  (Jrden  staals- 
und  religiousfeindtich  gewesen  sei,  liabe  Staat  und  Kirche  ein 
Interesse  gehabt,  ihn  zu  vernichten.  Wir  werden  uns  folglich 
zum  näheren  Verständnis  zuerst  umsehen  müssen,  ob  diese 
beiden  notgedrungen  Gegner  werden  mussten  bezw.  waren,  und 
warum  sie  es  waren.  Wollen  wIj'  jedoch  richtig  urteilen,  so 
müssen  wir  uns  über  die  Zustande  in  Bayern  zuerst  orientieren, 
wie  das  Land  zur  Zeit  der  Gründung  des  Ordens  aussah;  wir 
wei'den  uns  in  die  Denkweise  jener  Zeit  zu  versetzen  haben, 
die  jedenfalls  der  unseren  nicht  gleich  gewesen  ist,  andernfalls 
würden  wir  falsche  Schlüsse  ziehen > 

Damit  nun  niemand  glauben  kann,  diese  vom  heutigen 
( h'den  begutachtete  Schrift  sei  tendenziös  zugestutzt,  möge 
ein  Nichtilluminat,  der  Professor  August  Kluckhotm  zur  Sprache 
kommen,  der  1874  in  der  Allgemeinen  Zeitung  längere  Aufsatze 
über:  Die  Itluminalen  und  die  Aufklarung  in  Bayern  unter 
Karl  Theodor  veröffenthchte  und  in  der  Einleitung  über  die  Zu- 
stande in  Bayern  folgendes  sagt: 

vKuT'fürst  Maximilian  HL,  gewöhnlich  Max  Joseph  genannt, 
welclier  am  vorletzten  Tage  des  Jahres  1777  starb,  wurde  als 
einer  der  besten  Fürsten  Bayerns  lang  und  aufriclitig  betrauert. 
Dankbar  erkannte  man  seine  Hei*zensgütc,  seine  Liebe  zu  dem 
Volke  und  seine  ernste  Sorge  für  dessen  Wohlfaljrt  an.  Die 
Denkenden  und  Weiterljlickenden  wussten  no(^h  Besseres  von 
ihm  zu  i*ülirncn.  Sie  priesen  es  als  ein  bleibendes  Verdienst 
des  aulgeklärten  Fürsten,  dass  das  geistige  Leben  Bayerns 
noch  langer  Verkümmerung  und  Vei'sumpfung  einen  neuen 
Aufschwung  genommen,  dass  die  Übermacht  des  Filerus  ein- 
geschränkt, das  entartete  Mönchtum  in  seinen  Auswüchsen  be- 
schnitten und  eine  bessere  Erziehung  des  siHlich  verwahrlosten, 
in  Aherglauben  und  Unwissenheit  dahinlebenden  X'olkes, 
wenigstens  angebahnt  war.  Hatten  ja  scIhmi  vor*  der  Aufhellung 
des  nu'iclitigen  und  gefürchteten  Hixlens  der  Jesuiten,  welcher 
seil  zwei  Jalirhunderten  jeden  frischen  Geistestrieb   im  Keime 


—    (J    — 


zu  ersticken  und  Bayern  gegen  jede  Berührung  mit  dem 
protestantischen  Deutschland  abzuspeiren  gewusst  halte, 
\Aaekere  Miinner  es  unter-nommcn,  ci-st  in  der  Stille,  donn  laut 
und  öftenllicli  mit  Wort  und  Schritt  gegen  Priesterdruck  und 
Möncheswahn  zu  streiten.  Die  den  Jesuiten  zum  Trotz  in  der 
Hauptsladt  des  Landes  1759  gegründete  Akademie  der  Wissen- 
schaften bildete  den  Vereinigungs]Hmkt  für  die  Vorkampfer 
einer  vernünfligen  Aufklärung.  Heilsame  Anjcgungen  gingen 
von  hier  aus  auf  weitere  Kreise  über.  Die  sclilummernden 
Geister  wurden  geweckt,  und  die  frischen,  kräftigen  Tj'iebe, 
welche  dem  bayrischen  Volksslamme  entkeimten,  belehrten 
!iuch  die  Zweifler^  dass  jahrhundertelanger  Di-uck,  bei  Mangel 
nn  I^uft  und  Liclil»  wohl  jenen  gebeugt  und  im  Woehstum  ge- 
liemnil,  niclit  aber,  dank  seiner  unveiwüstlichen  Kraft,  ihn  ge- 
brochen und  der  Verdorrung  preisgegelien  halie. 

Was  die  Hofi'nung  der  Freunde  des  Volkes  befestigte, 
war  namentlieli  die  \'erbesserung  des  ünterricljlswesens,  wo- 
ran Mannei*  wie  Ickstatt,  Bi'aun  und  andere  mit  ausdauern- 
dem Mut  und  liebevoller  Hingebung  arbeiteten.  Hatten  die 
Jesuiten  einst  schon  im  IG.  Jahrhundert  das  in  seinen  Anlangen 
bestandene  Volksschuhvesen  systematisch  uniergraben ,  so 
wurde  jetzt,  nameathcli  unter  Brauns  täliger  Teilnalime,  die 
Neubegründung  desselben  versuclit,  und  die  niclit  minder  not- 
wendige Hetbrni  des  fiymnasinlunterriclrles,  der  den  Jesuileii 
nur  als  Mittel,  die  Geister  zu  knecliten,  gedient  hatte,  wenig- 
stens seit  der  Zeit  mit  Aussicht  auf  Erlblg  in  Angriff  genommen, 
als  durch  dos  Brevc  des  Papstes  Clemens  XIV.  vom  21.  Juli 
1773  die  Auflösung  des  l  M'dens  Jesu  ausgesprochen  war.  Das 
sehr  bedeutende  \'ermögen  der  Gesellschaft,  von  der  kurfürst- 
lichen Regierung  jetzt  ganz  für  Bildungszwecke  bestimmt^ 
schien  hinlängliche  Mittel  fui'  einen  systematischen,  nllen  Be- 
dürfnissen genügenden  Neuhau  des  Unlerrichlswesens  iiu  bieten. 
Der  greise  Ickstatl  vor  alten  ging  dabei  von  den  höchsten 
Gesichtspunkten  aus.  Grosse  Pläne  wui-den  entworfen,  Gut- 
achten über  Gutacliten  eingeholl,  bis  im  Jahre  1774  auch  glück- 
licli  eine  Schuhndnuiig  zustande  kam,  von  der  man  das  beste 
hatte  envarten  können,  wenn  sie  tatki'äflig,  nller  Hindernisse 
ungeactitet,  wäre  durcligcCührt  worden.  Die  Hindei'nisse 
freilich,  ^\ eiche  einer  tiefgi eilenden  Untej'richtsloi'm  sich  ent- 
gegenstelllcn,  waren  belangreich  genug.  Es  fehlte  für  die 
mittleren  wie  für  die   niederen  Schulen  an  allen   mich  nur  not* 


—     7     — 

dürftig  vorbereiteten  Lehrern,  so  dass  man,  was  doch  ein  gar 
bedenkliches  Auskunftsmiltel  war,    für  die  Gymnasien,    um  sie 

I  nicht  verwaist  zu  lassen,  wieder  zu  den  Mitgliedern  des  auf- 
gelösten (Jrdens  greifen  musste.  Es  fehlte  ferner  der  Regierung 
nn  eifrigen,  pflichtlreuen  und  einsichtigen  Verwaltungsorganen, 
um  die  Durchführung  der  Schuleinrichtungen,  dem  Widerstand 

[des  bildungsfeindlichen  Klerus  und  der  trägen,  vorurteilsvollen 


"V 


J^ 


Kurfürst  Kar  t    Ilieudor. 


Masse  des  Volkes  zum  Trotz,  zu  erzwingen.  —  Es  fehlte  endlich 
nn  den  leitenden  Kreisen,  auch  unter  den  Männern,  welche  das 
Gute  wollten^  vielfach  die  ernste  Ausdauer  und  noch  mehr  die 
wÖnschens\\'erte  Einlrncht.  Jeder  wollte  neue  Pläne  entwerfen, 
neue  Theorien  aufstellen;  Erinnerungen  und  Gegencrinnernngen, 
heimliclie    Einflüsterungen    und   oflene    Streitigkeiten    hinderten 

'ein  gemeinsames  und  nachhaltiges  Wirken.  Schon  1777  ging 
aus  zahlreichen  Vorsehlägen  und  Gegenvorsch lagen,  nicht  ohne 
Hücksicht  auf  die  durch  die  Fiimnznot  des  Staates  gebotene  Spar- 

tsamkeit,    eine    neue    UnterricIUsordnung    für    die   Lyceen    und 


—    8     - 


Gymnasien  hervor  Ehe  dieselbe  jedoch  praktische  Bedeutung 
gewinnen  könnte,  starb  der  wackere  Fürst,  welcher,  wenn  auch 
ohne  grosse  Tatkraft ,  dnch  das  Gute  gewollt  und  gefördert 
hatte* 

So  lögen  in  Bayern  die  Dinge,  als  an  die  Stelle  Max 
Josephs  IIL,  mit  dem  die  ältere  Linie  des  Wittelsbech'schen 
Hauses  ausstarb,  der  Kuifürsl  von  der  Pfalz  und  Herzog  in 
Jülich  und  Berg  Karl  Theodor  ti-ot  Der  überlieferte  Zustand 
war  erschüttert,  die  Stagnation  einer  heilsamen  Gärung  gewichen, 
aber  mit  nichten  ein  neuer  Geist  schon  zum  Durchbruch  ge- 
kommen. Him  zum  Siege  zu  verhelfen,  beduifte  es  eines  Herr- 
schers, der  klaren  Blickes  und  festen  Sinnes  einen  langen  und 
schweren  Kampf  gegen  Trägheil,  Dummheit  und  Aberglauben 
nicht  scheute.    War  Max  Jctsephs  Erbe  dieser  Mann? 

Schon  seit  dem  Jaln-e  1742  hotte  Karl  Theudor  bei  seinem 
Regierungsantritt,  26  Jahre  alt,  am  Rhein  mit  dem  Ruhm  eines 
aufgekläi'ten,  Kunst  und  Wissenschaft  liebenden  Füi'sten  gew^altet. 
In  Mannheim  hatte  er  eine  Akademie  der  Wissenschaft 
gegründet,  Bibliotheken  und  Kuiistseliätzo  in  der  Pfalz  wie  in 
Düsseldoif  vermehi'l  und  mit  Vorliebe  das  deutsche  Schauspiel 
gepflegt.  Bekannt  ist,  dass  bei  der  Einrichtung  des  Moiniheimer 
Theaters  die  Ralschlage  keines  Gcringei'cn  als  Lessing  in 
Anspruch  genommen  wurden ,  und  dass  Schillers  erste 
Dramen  unter  den  Auspizien  des  Kurfürsten  zur  Aufführung 
gelangten. 

Fi^eilich  zeigte  Kai'I  Theodors  Regiment  auch  in  der  Pfalz 
schon  neben  öusserlichern  Glanz  bedenkliche  Schattenseiten. 
Weiber  und  F^ricstei'  übten  früfi  bösen  Einfluss.  Eine  Kamai-ilhi 
von  Jesuiten,  Favoritinnen  und  natürlichen  Kindern  schränkte  die 
liberalen  Neigungen  immer  mehr  ein  und  liess  Schlimmeres  füi' 
die  Zukunft  fürchten.  Hätte  die  wackere  Pfälzerin  Elisabeth 
Charlotte  v»ni  Orleans  bis  in  die  zweite  Hälfte  des  vorigen  Jahr- 
hunderts gelebt,  so  würde  sie  von  Karl  Theodor  vielleicht  das- 
selbe gesagt  haben,  was  sie  einmal  über  dessen  Voiigänger  Karl 
Piiilipp  in  einem  Brief  geäussert  hat:  »Hätf  mein  Leben  nicht 
gedachl,  dass  Kurpfalz  sich  den  Pfafien  so  unterweifen  wüixle; 
hat  ja  vor  saisonebel  passiert,  nur  sich  durch  Pfaffen  regieren 
lassen,  ist  gar  nicht  raisonabel.* 

Allerdings  sagt  auch  sclion  dieselbe  Elisabeth  Charlotte: 
tLeute,  die  in  ihrer  Jugend  nicht  gar  ordentlich  gelebt  haben 
und  alt  werden,  denen  machen  die  Pfaffen  die  Hölle  lieiss«,  aber 


sich  die  HÖlIc  lieiss  macheu  zu  lossen,  liebte  Karl  Theodor  tiieht, 
r  liebte  das  Leben  zu  geniessen»  und  wer  bestimmenden  Einfluss 
ber  ihn  gewinnen  wollle,  musste  den  sinnlichen  Neigungen 
echnung  tragen.  Der  jesuitische  Beichtvater  Frank  sieht  in 
em  Rufe,  dass  er  es  verslanden,  durch  fromme  und  kluge  Be- 
dsamkeit  etwaige  Gewissensskrupel  seines  Herrn  zu  besänftigen 

und   niclit  rnindei'  ihrn  sieh  dadurch  teuer  zu  machen^  dass  er 

idie  zarlhchc  Fürsor^^e  des  Fürslen  für  seine  nütüdiclien  Kinder 
^—  eheHche  hatte  ei'  nicht  =—  hegte  und  stützte.  War  aber 
P.  Frank  sclion  den  Pfalzern  ein  Anstoss,  so  sollte  er  den 
Bayern  ein  Gegenstand  des  Schreckens  und  des  Abscheues 
werden. 


Doeh  niclil  sogleich  nach  seiner  Ankunft  in  München  ent- 

ttullte    Kar!    Theodor   die    schliminen   Seiten    seines  Regiments. 

Iwar  nvusste  es  die  patriotischen  Kreise  schmerzlich  berühren» 

lass  der  neue  Landesherr  so  sehr  bereit  war^  mit  einem  grossen 

Teile  des  ihm  zugefallenen  Staates  die  VergrÖsserungssucht  des 

fstlichen  Nachbors  zu  befriedigen,*)  und  wer  auf  gute  Sitte  hielt, 
unnte  imi-  mit  Bedauern  die  strengere  und  vei-ständige  Riclitung, 
ie  Max  Josef  so   würdig  vertreten   hatte,   vermissen.    Aber  in 
lanchen  Beziehungen  zeigte  die  neue  Regierung  offenbar  Sinn 
ir  das  Gute,     So  gab  sich  anlVichtige  Sorge  für  die  X'ulkswohh 
fahrt  in  verscliiedenen  \^'irtschafllichen   Massregeln  kund.     Auch 
HjKir    künstlerische     und     wissenschaftliche    Bildung    legte    Karl 
^iljeodor  insofern  Interesse  an  den  Tag.  als  er  die  Kunstschätze 
„Münchens  und  die  kurfürstliclic  Bibliothek  vermehrte. 

Sogar  das  Volksschulwesen  schien  unter  dem  neuen  Regi- 

lent    kräftig    gedeihen    zu    solleiL     In    einer    der   Oberlandes- 

"regierung  gegebenen    Instr-uklion    wird   die   gute  Erziehung   dei* 

Jugend  und  die  Einrichtung  tüchtiger,  mit  geschicklen  Lehrern 

ptersehenen    Schulen    als   ein    Gegenstand   bezeichnet,    der  dem 

Landesvater  vorzüglich    am   Herzen    liege,   wie    denn    aucli   die 

Glückseligkeit  des  ganzen  Staates  darauf  grösstenteils  ruhe. 

Diese  gesunde  Auffassung  kumnit  auch  später  nocli  wieder- 
holt zum  Ausdruck,  *da  Seine  kurfürstliche  Durchlauchtt,  heisst 
^8  in  dem  Reskript  vom  15.  Dezember  1779,  »mittlerweile  nicht 
mr   von    dem    elenden  Zustnnde,    worin    das  Sctiulwesen    sich 


*)  Karl  Theodor  Lrat  drei  Tage  nach  seinem  Hefjriei'tJiiKsaiarUt  am  3.  Januar 
1778  den  grössleii  Teil  AlÜjayeins  an  Österreich  ab.  14  Tage  danach  wurde 
ganz  Niederbayern,  ein  Teil  der  Oberpfalz,  von  Osler rcirhi sehen  Truppen  besetxl 


—     10     — 


durchaus,  insonderheit  aber  auf  dem  Lande  verluUt,  sonden 
auch  von  dem  Übel  sieh  über-zeugt  Inibe,  welches  aus  dessen 
Vei-säumnis  bisher  entstondeu  nnd  zum  äussersten  Nochteil 
der  gemeinen  SicherliBit  immer  mehr  zuzuuelimen  scheine,  so 
wii*d  befohh^n,  nicht  nur  auf  die  Eri'iciitang  xmi  genügenden 
Schulen  und  Sehulleln'er-Seniiunrieu,  sondern  auch  auf  die 
Bildung   eines   nnsreiclienden    Schnlfonds   ei*nstlich  Bedacht   zu 


i 


In   letzterer  Bezieljung  \\'ird  es  überrasclien ,  zu 


ver- 


lUMunein. 

uehinen,  dass  eine  kurinrslliche  \>rordnung  in  erfreulichem 
Gegensatz  gegen  die  damals  wie  spaiei*  lierrscliendeu  An- 
schüuuugeri  luid  Ci^^wulinheilen  für  einen  Vnlksschnllehi'er  kein 
geringeres  Jo!u*eseiukonunen  als  300  Gulden  in  Aussichl  nirnmU 
Es  schien  also  nicht  allein  jene  Sclndordnung,  die  Heinrich 
Broun  noch  in  den  letzten  Tagen  Max  Josephs  für  die  niederen 
Schulcji  neu  bearbeitet  hatte  und  die  von  Karl  Theodor  im 
Jahre  1778  snnktioniert  wurde,  jetzt  wirklich  ins  Leben  ein- 
geführt werden  zu  sollen,  sondern  es  stand  zu  liolfen,  dass 
weitere  zidiunftsreiche  Reformen  auf  diesem  wichtigen  Gebiete 
folgen  würden. 

Nicht  minder  wird,  angesielits  des  mönchisclieu  Cluiraktei^,: 
den  die  Regierung  des  Kurfürsten  später  so  grell  als  möglich 
kennzeichnet,  die  Tatsache  Verwnndennig  eri'egen,  dass  Karl 
Thettdor  in  den  ersten  Jahi^en  sogar  einen  Anlauf  nahm,  fiber- 
gläubisclic  Bräuclie  durch  Polizei  massrege  hi  abzustellen  und 
goltesdienstliche  Handlungen,  inshes<nider(i  die  öflentliclien 
Prozessir*nen»  von  jenen  ungeheuerliehen  Zutalen  zu  reinigen^ 
w^clche  Dejdcenden  schon  lange  lun^  zum  Ärgernis  oder  zum 
Gespött  gedient  habeiL  So  wurde  der  in  Obei'bayern  allgemeiu 
hei-rschende  Uidug  des  Wetterläutens  und  Wetterseh iessens 
mit  Strafen  bedroht,  der  sogenoimtc  Polmesel  von  den  Strassen 
verscheucht  nnd  die  Früideichnamsprozession,  die  unter  den, 
Hfiuden  der  Jesuiten  zu  einer  so  abgeschmackten  Maskei*ade 
ausgeartet  wai-,  dass  sie  selbst  nach  der  Meinung  des  geist* 
liehen  Rots  der  Würde  und  Heiligkeit  der  Religion  offen  Hohn 
sprach,  wenigstens  von  den  anstössigsten  Mnmmereien  ge- 
sauber-t,  indem  man  die  phantastisch  zugestutzten  Reilerscharen, 
die  Triumphwagen  und  Tragbahren  mit  lebenden  Bildern,  die 
sieberd<öptigen  Drachen  usw.  preisgab.  Dazu  stimmte  es,  dass 
die  Regieiimg  aucli  jener  verdeiblichen  Flut  vorj  Mönchsscbriften, 
die  unter  dem  Titel  von  Andachlsbücbeiii  dein  krassesten  Aber- 
und  Wunderglauben   dienten,    Einhalt    zu   tun  sich    anschickte, 


I 


—    11    — 


Nur  scluidi:*,  dos^^  dorartige  Besd-pboiigeii  uiclit  die  Konse- 
[ueuzeti  eines  testeü  Hegieruiig.ssysH^nis,  sondiM*n  zufölligo 
Jiichvvirkungen  der  unter  Mnx  Joseph  eingeschlagenen  Richtung 
Svnren,  und  dnss  um  dieselbe  Zeil,  da  man  einer  vernüol'figen 
Aufkiüruug  noch  das  eine  und  andere  Zugeständnis  machte. 
Dinge  geschahen,  die  einen  vullstöndigen  Bruch  mit  jener 
Fiichtung  ankündigten  und  die  bis  dahin  ausgestreuten  Keime 
einer  besseren  (ieisteskuUur  geradezu  mit  Vernichtung  bediTthten. 
Wer   sollte    es    für    mögh'ch    lialten,    dass    die    ehemaligen 


lesuitengüter,  mü'  welchen  der  Bestand  der  Gymnasien  und 
Lyceen  bei-uhle,  iediglicti  im  Interesse  der  bequemen  Versorgung 
i"ijn    Günstlingen,    vor    nHem    dei-   notürhchen  Kinder   des 


I 

^^•ijn  Günstlingen,  vor  nHem  dei-  notürhchen  Kinder  des  Kui 
forsten,  zur  Dotierung  einer  neugegründelen  Zunge  des  Mal- 
theser  Or^dens  verwendet,  die  miltleren  Studienanstnlten  aber 
den  Klostergeistlichen,  unter  Obhut  der  Piiilnten  des  Landes, 
ubeiigeben  wurden?  Wolii  W7ir  ein  so  verdei'bliche!*  \'orschlag 
fcuch  in  Max  Josephs  Tagen  schon  zur  Sprache  gekommen,  aber 
sofort  auf  dos  lebhafteste  bekäni]>f"t  worden,  indem  man  mit 
Bchlagenden  Gi'ünden  geltend  moclite,  dass  nie  und  nimmer 
Eur  Erziehung  künftiger  Stantsdiener  die  Mönche  brauchbar 
Hen*  Jetzt  hörte  man  darauf  nicht,  und  schon  im  Jahre  1779 
mrde  die  verliangnisvolle  Massregel  getroften,  welche  die 
Lrbeit  eines  MensclienaUers  vernichtete.  — 

Wo  solclie  Tendenzen  zum  Durchbruch  kamen,  lioben 
&elbslverstiindlicli  jeiu^  finsteren  Mächte,  welche  sie'h  nurgn^llend 
jine  kurze  Zeitlang  dem  Willen  des  Staates  gebeugt  hatten, 
iron  neuem  und  kecker  als  je  ihr  Haupt. 

Die  Exjesuiten  str'itteii  mit  den  Kapuzinern,  Franziskanern 

und    den  Scharen    andei'cr  Mönche    um   die  Herrschaft;   nur  in 

der  Verfolgung   denkender   Männer    und   bei   dei*  Jagd    auf  ver- 

dächlige   Bücher   boten   sie   treulich    sich    die   Hand,     Und   wie 

Lviel    sie    am    Hofe   selbst    gegenüber   den    besten    MänruM^n    ver- 

lochten,    halte    unter    anderen    der   w^eit    über  Biiyern    hinaus 

nachtete  Dichter  Zaubser  zu  emj>[iuden.     Gegen  die  hiquisition, 

"deren  Einfülirung  famitische  Mönche   zu   (Vu-dern  wagten,    hatte 

I Zaubser  eine  nril  Beifnll  aufgenommene  >t)dc€  verötTentlicht, 
\ind  zw'ar  mit  Genehmigung  der  kurfürsUiclien  Zensnrheborde, 
►  Dem  Zensurk(d!egium  ging  deshalb  nebst  einem  scharfen 
Verweis  der  Befehl  zu,  jer^e  Schrift  zu  unterdrücken.  Dem  Ver- 
fasser aber,  welcher  die  Stelle  eines  Hr^fkriegsi-atssekrelars  be- 
kleidete, wurde  autgegeben,   ibei  gesessenem  Pleno  sein  christ- 


—     12 


I 


katliolisehes  GlaubeiisbekeiHitnis  abzulegen,  wonocli  ihm  < 
zuschaifer»,  dass  er  in  Zukunft  bei  Venneiduiig  auderweilen 
schweren  Einsehens  in  dorn  religioiis-  und  tlieologischen  Fäche| 
heimlich  oder  on'ontlich  zu  sclireibeu,  sicij  um  so  weniger  unter- 
fangen solle,  ols  er  weder  den  Beruf,  noch  aus  Mangel  der 
erforderlichen  Wissenschaft  und  Prudenz  die  geringste  Anlage 
du  für  habe«,  —  »wie  denn  auch  lieute  dem  Hofkriegsrats- 
direktorio  der  Aufti^og  bescheben  isl,  erwähnten  Secretarium 
Zaubser  mit  der  Konzleiarbeit  sa  weit  zu  besclififtigten,  damit 
ihm  zu  tlieologischen  nnd  anderen  ausschweifenden  Sclireibe- 
i'eien  keine  Zeit  übrig  bleibe.«  So  geschehen  München,  am 
11.  Oktober  1780. 

Um  diese  Zeit  war  es,  wo  ein  geheimer,  anfangs  nur  in 
engem  Kreise  tatiger  <h'den,  durch  wellÜche  und  geistliche  Mit- 
glieder vnn  einflussr'cichcr  Stellung  verstärkt,  zu  einer  öffent- 
lichen Macht  aiigewaciisen,  begann,  stai*k  genug,  wie  man 
wähnte,  dem  Heei-e  der  Priestei*  und  Mönche  mit  ihrem  ge- 
samten Anhang  die  Spitze  zu  bieten  und  einer  energischen  Auf- 
klöi'ung  allen  1^'instei'hngen  zum  Ti^otz  zu  einem  vollständigen 
Siege  zu  verhelfen.  Ich  meine  den  Geheimbund  dei^  lüuminaten, 
iiev  auch  nacli  seinem  Sturze  noch  Jahre  lortg  die  Geisler  in 
und  ausserlnilb  Bayerns  teils  in  Liebe,  teils  in  Hass  beschäftigte 
und  selbst  in  der  Literatur  der  Gegenwart  die  widers[>rechendsten 
Urleile  über  sich  ergelien  lassen  musste. 

Nicht  minder  als  Geist  und  Tendenz  des  Ordens  gehen 
die  Ansichten  über  den  Stifter  Adoni  Weishaupt  auseinander. 
Von  den  einen  als  ein  begeisterter  Ai»ostel  der  Aufklarung  und 
Hnmonitut  gefeiei-l,  gilt  er  den  anderen  als  Heuchler  und  Böse- 
wicht. Wir  wallen  \ersuchen,  ihn  an  der  Hand  dei"  Geschichte, 
zunächst  seiner  eigenen  Geschichte,  kennen  und  würdigen  zu 
lernen.* 

Soweit  Khickhohn.  Wir  ahnen  aus  diesen  Worten  bereits, 
dass  der  Hauplquel!  der  \'erf(tlgungen  auf  kircldicher  Seite  zu 
suctien  sein  dürfte,  welche  sich  der  Staatsmacht  bediente,  und 
wir  werden  den  roten  Faden  gefunden  hoben,  an  dem  sich  Er- 
eignis an  Ereignis  reihen  Itisst,  wenn  wir  dem  Entwicklungs- 
gang voi*greifend  zwei  Briefe  des  Papstes  Plus  VL  an  den  Bischof 
von  Freising  verölTentltchen.  Die  Or-iginole,  lateinisch  ge- 
schrieben, liegen  im  Münchener  Staalsarchiv  und  lauten  in  der 
Übersetzung'*'): 

•)  Die  beglaubigleAbscIlrinderläleinischen  Briefe  im  Oi'detisarchiv  zu  Dresden. 


13     ^ 


Pias  P.  P.  VI. 

Verelirungs würdiger  Bj'uclcr! 
Gruss  und  apostolisclien  Segen! 

Unserem  allergi*össten  Leidwesen  haben  Wir  aus  Deinen 
Zeilen  vom  IL  MmI  ersehen,  doss  die  Sekte  der  Freimaurer, 
welche  gegenwärtig  einen  neuen  Aufsetiwnng  zu  neinnen  scheint» 

jhren  Sitz  in  der  Hauptstodt  Münclien  aufgeschlagen  liot  und 
lass  sie,  was  Uns  noch  mehr  beunnilrigt  und  auch  von  Deinem 
Nuntius  selbst  bezeugt  wird,  in  der  jüngsten  Zeit  sicli  weiter 
ausbreitet  und  im  geheimen  iliren  Ansteckungsstofl"  fsisl  durch 
die  ganze  Welt  verLi-eitet.  Und  doch  kann  es  durchaus  nicht 
bezweifelt  werden,  wie  verderblich  für  die  Menschheit  die  Be- 
rülu'ung  rnit  jenei*  l*est  ist,  wie  sein-  dieselbe  die  Religion 
und  die  königliche  Mncht  schädigt;  und  wenn  die  Gesetze  und 
lie  Anschauungen  derselben  auch  nur  teilweise  an  die  Öffent- 
lichkeit gedrungen  sind,  so  ist  doch  mehr  als  hinreichend  über 

MÜeselben  bekainit  geworden,  um  zu  wissen,  dass  Geseltschaften 
der  Art  von  Tag  zu  Tag  fluclnvürdiger  erscheinen.  Dies  gewinnt 
loch  an  Deutliclikeit  durcli  die  Dokumente,  welelie  Du  Deinem 

■Schreiben   beigelegt  hast.     So    nehmen   Wir   derm,    verelirungs- 

^würdiger  Bruder,  in  nocli  versiäi'kteni  Masse  Deinen  Fleiss  in 
mspruch,  dass  Du  alles  sammehi  luid  Uns  und  dem  apostoli' 
sehen  Stuhle  einsenden  mögest,  was  für  die  katholische  Religion 
von  NutzcTi  ist  und  Unsere  obei^liiilliche  Sorge  und  Wachsanr- 
keit  weckt,  indem  Du  dabei  der  Sitte  der  Vater  und 
Bischöfe  folgst,  die  schon  seit  den  ersten  Jahrhunderten 
bestanden  hat,  alle  wichtigen  Vorgänge,  wo  sie  sieh 
auch  immer  begeben  mögen,  der  römischen  Kirche,  aller 
Kirchen  Muttei'  und  Lehrerin,  zu  vermelden  und  von  dort  im 
Falle   von  Schwierigkeiten   Hilfe   und  Trost  zu  erhilten.     Neben 

pDeinem  Uns  hocherfreulichen    Bemühen   und  Deinem  Uns  mit- 

geteilten    bischöflichen    Eifer    waren    für   Uns    in    Un.serer    Be* 

kümniernis  ein  ansehnlicher  Ti'ost  die  Dekrete  Unseres  demütigen, 

geliebtesten  Sohnes   in  Christo,  des  Herzogs  Karl  Tlieodrjr  von 

Bayern    und  Grafen    von    der   Pfalz,    die    im    allgemeinen   gegen 

■derai^tigc  geheime  Bruderschaften  und  Versammlungen,  speziell 

Hftber  gegen   die  Fi-eimauj-ei"  gerichtet  sind,  deieii  Gesellschjdten 

Hpr  strengstens  unterdrückt  und  ächteL    Dieses  weise  und  günstige 

^V erholten  desselben  fügt  zu  seinen  übrigen  Tugenden  noch  eine 

Mehi^ung  seines   wahren   Lnbes    und    Glanzes.     Nunmelir,    ein*- 


ui 

I 

de 


me^ 


14 


würdiger  Bruder,  ist  es  Unsere  Aufgabe,  zu  ermittelu»  was  ge- 
schehen muss  um  diejenigen  Mittel  zu  finden,  durch  welche 
die  verborgenen  und  docli  überrill  vei*breiteten  Anschlage  der 
Feinde  ans  Licht  gebmclit  werden  können.  Hierin  weiTlen  Wir, 
Noweit  es  an  Uns  liegt,  aufs  beste  danach  schauen,  dass  etwas 
geschiebt  und  sich  als  heilsam  erweist.  Und  wenn  Wir  Unsere 
Arbeit  als  dieser  sehr  grossen  Schwierigkeit  zu  widmend  an- 
sehen, so  dürfen  Wir,  wie  Du  selber  leicht  begreifen  wirst, 
dennoch  von  solcher  Sorge  und  solchem  Unterfangen  Uns  nicht 
zurückziehen  und  Unseren  Sinn  nicht  davon  enllasten,  in  Hin- 
sicht auf  den  göttliclien  Beistand,  den  zu  erflehen  Wii-  nichl 
müde  werden;  und  Wir  erbitten  von  Dir  selbst,  dass  Du  Dein 
Fh^beii  mit  dem  Unserigen  vereinigen  mögest  und  mit  Deinen 
durch  solchen  Beistand  machtigen  Kräflei*  l'nsere  Unzulänglich- 
keit iiusgleichen  möchtest.  Dir  dies  zu  schreiben,  ehrwürdiger 
Brndeiv,  benutzen  Wir  nun  eine  passende  Gelegenlieit  und 
si>ornen  Deinen  Uns  bekannten  Eifer  für  die  Sache  aufs  neue 
an.  In  Unsere  Hände  kam  ein  Druckblatt,  welches  sieben  Vor- 
schläge enthält.  Es  entstammt  der  Bnc!idi*uckerei  dei*  heiligen 
Fakultät  der  Sorbonne  vom  Jahre  1785.  Dass  es  von  Dir  der 
Fällen  hat  der  Sorbonne  zugestellt  worden  ist,  gilt  nls  sicher  und 
sollst  Du  vun  jener  ein  Outachten  über  die  Vorschläge  erhalten 
haben.  Welche  Antwort  Dir  von  jenem  Kollegium  zu  teil  ge- 
wrjrden  ist,  wissen  Wir  nicht.  Wij*  bitten  Dich  also.  Uns  über 
<liese  Angelegenheit  si>bald  wie  möglich  Bericht  zu  erstalten 
und  Uns  das  Urteil  über  jeden  einzchien  Vorschlag  mit  Deinem 
gewohnten  Fleisse  mitzuteilen.  Dir,  ehrwüi'diger  Bruder,  Unseren 
a[>ostolischen  Segen,  als  Pfand  Unserer  ausgezeichneten  Liebe 
und  Wertschätzung,  und  Unsei^e  dauernde  Fürbitte  für  alle 
Deiner  geistlichen  Hut  Anvertraute! 

Gegeben  zu  Rum  hei  St.  Peter,  unter  beigedrucktem  Siegel 
des  Fischerrings,  am  18.  Juni  1785,  dem  elften  .lahre  Unseres 
Pontifikats. 

An  den  Ehrwürdigen  Bi-uder  Eudwig  Josef,  Bischof  von 
Freising. 

Pins  P.  P  VI, 

Ehrwürdigster  Bruder,  Gruss  und  apostolischen  Segen! 

Sofort  nach  erlblgtem  Schlüsse  der  Herbstfeiien  beantworten 
Wir  Deinen  letzten  Brief,  worin  Du,  ehrwürdiger  Bruder,  Dich 
über  das   äusserst,  was  Uns  zumeist  am  Herzen    liegt.     Einen 


^    Trost  io  Widerwäi'ligkeileii  bereiteten  Vns  Deine  so  wunderbur 
H^rossen  Verdienslc  uni  Uns  und  erhöhen   diese  Dein  Lob.    All- 
^fiberfill  wird  der   orllirnhixe  Cdnube    iingefeindet  und    denselben 
jjucli    in   Deinem   Sprengel  bedroht   glaubend,    musstesL  Du    bei 
Deinem  Eifer  für  die  Snchc  der  Religion  heftig  erschüttert  werden 
durcli   dos,   wqs  Du  aus    der   von  Grund  aus   entarteten  Ingol- 
städter  Universität  erfuhi'est.     So  gingst  Du   unvei^züglich   nach 
.     München  zum  Kurfürsten  seihst  und  stelltest   ihm  mit  dem  ge- 
Hpieldeten  Eifer  den  Ernst  des  Übels  dar.    Die  Tugend  des  Kur- 
^ifürsten    verdient    nllcs  Lob,     Denn    sofoi-t   ging   von    jenem    ein 
■     Dekret  aus,  welches  so  geeignet  wie  niöghch  und  denkbru*  wirk- 
^kamst   ist,    nm    die  von  fjüttlosen    nn  jener  Universität  herbei- 
H^eführten    Schaden    auszurotteu    und   dieselbe    wieder   zu    ihrer 
^Binstigen  Zienle,   die  vorzüglich   auf  der  Heinheit  des  (iltiuhcns 
^beruht,  zurückzuführen.     Es  ist  schier  ungln üblich,  elrrwürdiger* 
Bruder,   wie  sehr  Dein  Ertass  Unsere  Seele  gelröstet  hat  und 
weiche  Freude  Wir  emptinden.  und  so  erwerben  Wir  Uns  den 
Düiik    üllei*  geretteten    Guten    unter    Gottes  IlilfV\     Ein    anderes 
kurfürstliches  Dekret    fügst   Du    noch    bei,    welches   speziell    für 
Militfirjiersonen  beslinimt    ist    und  welches  irn   höchsten  Grode 
den  Zeitverhaltnissen   angemessen  ei-scheint.     Eine  gleiche  Ver- 
fügung ist,  wie  Du  schreibst,  für'  die  Beamtenschaft  erschienen. 
Durch  so  viele  ausgezeichnete  Tatsachen  und  Anzeichen  für  des 
nKurfürsten  Frömmigkeit  untl  herv<uTagende  Tugend  erhöhl  sich 
^Hessen    Lob,    erhölit    sich    aber   auch   Unsere   Hochachtung  \or 
Deiner  Uns  schon  bekonnten  bischöflichen  Treue,  Wachsamkeit 
Hiiud  Verdiensllichkeit.    Wiewnlil  Wii*  nicht  dar-an  zweifeln,  doss 
Hpeine   letztzeitigen   Demühungen    für   die  Religion   unter   Gottes 
^Beistand  einen  rülrndichen  Ausgang  hal>en  werden,  so  sind  doch 
^■ene  ersten  der  fünf  gottgleichen  Vorschläge  des  Peter  Hartmann 
^baldmöglichst  zum  ervvünschteji   Ende  zu  führen,  und  würde  es 
Uns  sehr  erfreuen,  nach  dei'  Drucklegung  in   der  Sorbonne  das 
H|L7rleil   und    die   ganze    von  Dir  glücklich    \ollendete    Serie,   von 
^■rgeml  jemand  üt>er'setzl,  in  einem  J\xem]jlai"  enlgegen  zu  nehmen, 
^pür  Dich  vom  nllgütigen  und  allmächtigen  Gott  als  Frucht  Deinei* 
Hfeemühungen  und  Arbeiten  reichen  Segen  erflehend,  senden  Wir 
Dir   Unseren    apostolischen    Segen    als    immerwährendes  Pfand 

■Utiseres  ausgezeichneten  väterlichen  Wohlwollens. 
'         Gegeben  zu  Rum  bei   St.  Moria  Major-ins,  unter  Beidruck 
des  Siegels  des  Fischerringes,  am  12.  Ni^vember  1785,  dem  elften 
ihre  unseres  I^»ntifikatea 


—     IG     — 

An    den    Ehrwürdigen    Bruder  Ludwig  Josef,    Bischof 
Freising.  — 

Diese  Briefe  sind  an  sich  so  klar,  dass  sie  eines  Kommei 
fares  kaum   bedürfen,   wir  werden   im   Laufe   der  Auseinander 
Setzungen  auf  diese  zurückzukommen  haben,  zunächst  sind  si< 
ein  unumstössliches  Dokument,  dass,  der  Sitte  der  Väter  un( 
Bischöfe  folgend,  wie  es  im  ersten  Schreiben   heisst,   recht  vieP 
schon  vor  dem  Johi-e  1785  noch   Rom  berichtet  sein  muss,   und 
dass  die  angeblich  entartete  Ingolstadter  Universität  {wir  werdeij 
erkennen,    dass    damit  die    Tätigkeit   Weishaupts   gemeint    isl) 
schon  lange  ein  sclimerzender  Dorn   im  Fleische  gewesen   seil 
muss.  —  Gleichzeitig  dürfte  aber  erlaubt  sein,  darauf  hinzuweisen] 
dass  die  angegebene   Sitte   der  Väter  und  Bischöfe  auch    nocli 
heute  Gellniig  hat  und  dass  der  unversöhnliche  Feind  aller  Frei-l 
inonrer,    llluininaten   und    ahnlicher  (iesellschaften    sich   in  deaj 
Kreisen  befindet,  die  naher  zu  bezeichnen  überflüssig  sein  dürflej 


Die  Unirersitlit  zu  Ingolstadt. 

Von  Ingolstadt  ging  die  Begründung  des  Ordens  aus,  do 
war  Adam  Weishau]>t  geboren,  erzogen,  Besucher  der  l'niversilat 
und  schliesslich  Pn)fessor  derselben  geworden.  Wir  werden  also 
um  die  inneren  Gründe  der  Ordensentslehung  richtig  würdigen 
zu  können,  bemüht  sein  müssen,  auch  den  Grund  und  Boden 
genauer  keimen  zu  lernen,  auf  dem  die  ganze  Bewegung  ge- 
wachsen und  gediehen  ist. 

Bei  Darstellung  der  Zustände  der  Universität  Ingolstadt 
fussen  wir  auf  die  ausgezeichneten  Studien  des  schon  genannten 
Professor-  Kluekhohn,  welciier  mit  rülnnenswertem  Eifer  nament 
lieh  die  Zeiten  erforschte,  in  welchei-  der  Freiherr  von  Ickstatt 
an  der  Universität  wii-kte  inid  rliese  reorganisierte.  Ickstatt  war 
der  Pate  des  jungen  Weishaupl,  und  er  war  es  nanientlicti,  der 
dem  jungen  Gelehrten  die  Wege  ebnete;  seinem  Einfluss  muss 
man  den  bedeutendsten  Anteil  an  der  Entwicklnng  desselben 
einräumen,  selbst  in  Anbetracht  des  Umstandes,  dass  diese 
späler  eine  Richtung  aimalnn,  die  jedenfalls  von  dem  Paten 
weder  gewollt  noch  gebilhgl  werden  konntcv 


—    18    — 

Wir  eutiiehmen  dem  Vuilrage  des  damals  Di\  Kluckhohn, 
dej]  derselbe  in  der  offentlicheii  Sitzung  der  königlichen  Akademie 
der  Wissenschaften  zu  München  am  25.  Juli  1868  gehnlten  haL 
folgende  Angaben. 

,,.luhann  Adam  Ick^^tatt  ist  am  G.  Januar  1702  zu  Vocken- 
hausen  als  der  Sohn  eines  Hammerschmieds  geboren  und  sollte 
das  Gewerbe  seines  Vaters  fortsetzen.  Er  zeigte  jedoch  wenig 
Lust  hierzu,  sodass  er  dem  Unwillen  seines  Vaters  hierüber,  der 
sich  durch  körperliche  Züchtigungen  oftmals  aussprach,  entfloh 
und  in  Mainz  zu  den  gelehrten  Schulen  Zutritt  suchte  und  er- 
hielt Er  ging  als  Jüngling  UGch  Paris  und  trat  im  18.  Jahre 
als  Soldat  zuerst  in  französische,  darm  in  österi^eiehische  Dienste. 
Bald  jedoch  kehrte  er  zu  den  verlassenen  Studien  zui'ück  untl 
hielt  sich  in  Hnlland,  in  Londoii,  dann  in  Irhmd  und  SchoHland 
auf.  Er  kehrte  nach  Deutschland  zurück,  um  eigcnt liehe  Fach- 
studien zu  betreiben  und  widmete  sich  der  Jurisprudenz  mit 
solchem  Eifolge,  dass  er  in  Mainz  durch  eine  staatsrechtliche 
Abhandlung  sich  den  juristischen  D(»ktorgrad  erwarb.  Im  Alter 
von  29  Jahren  wan-de  er  mit  dem  Titel  eines  HotVates  an  die 
Universität  Würzburg  berufen,  wo  er  das  deutsche  Staatsrecht, 
das  Natur-  und  Völkerrecht  öffentlich  zu  lehren  übernahm.  Aus 
dieser  Periode  seiner  Wirksamkeit  in  Würzburg  ist  wichtig  zu 
wissen,  dass  Ickstatt  von  dem  Philosophen  Brucker  aus  Augs- 
burg als  ein  Mann  gerühmt  wird,  den  die  göttliche  Vorsehung 
ausersehen  hohe,  die  Wahrheit  fortzupflanzen,  das  Studium  in 
einen  besseren  Stand  zu  setzen,  die  Vorurteile  zu  bekriegen  und 
den  wahren  Grund  der  Erkenntnis  sowohl  der  gelehrten  Well 
als  der  studierenden  Jugend  aufzudecken.  Damals  hatte  er  je- 
doch erst  die  Hälfte  seiner  Laufbahn  hinter  sich  und  sollte  den 
tatenreichsten  undglänzeridsten  Teil  derselben  noch  durchmessen. 
Er  wurde  1741,  39  Jahre  alt,  nach  München  berufen  als  Instruktor 
des  Prinzen  Maximilian  Joseph,  des  nachmaligen  Kurfürsten, 
und  es  gelang  ihm,  trotz  des  gefährlichen  Einflusses,  den  der 
Beichtvater  des  Kurfürsten  und  des  Prinzen,  der  Pater  Stadler 
ausübte,  welcher  bemüht  w^ar,  den  künftigen  Herrscher  m*cht 
dem  Kreise  überiiefeiler  Anschauungen  zu  enlreissen,  in  Maxi- 
milian dennoch  jene  Neigung  zu  Reformen  zu  entwickeln,  die 
dessen  Regierung  für  Bayern  so  segensreich  gemacht  hat.  — 
Ate  Maximilian  zur  Regierung  [gelangte,  hinterliess  der  Vater 
ihm  ein  zerrüttetes,  von  Feindesmacht  besetztes  Land,  er  behielt 
seinen  Lehrer  als  Ratgeber  in  der  Nahe,  erhob  ihn  in  den  Reichs- 


-     19 


freiherrnstand  und  überliess  ihm  die  Aiisarbeilung  und  Aus- 
führung mancher  inneren  Reform.  Vergeblich  suchte  man  den 
gewählten  Mann  aus  der  Gunst  des  Kurfürsten  zu  verdrängen, 
gelang  nicht,  \ielmehr  wurde  er  mit  dem  Range  eines  wirk- 
^chen  Geheimen  Rates  und  unter  gleichzeitiger  Beförderung 
nun  Administrator  des  freien  Landgerichtes  Hirschberg  und  Vize- 
)räsidenten  <]e^  kurfürstlichen  Rates  zu  Ingolstadt  mit  dem  Amt 
Mnes  Direktors  der  Universität  und  mit  der  Professur  für  deutsches 
Staatsrecht,  für  Natur-  und  Völkerrecht,  sowie  für  Kamerolwissen- 

t Schaft  betraut.  Die  alte  bayrische  Landesuniversitat,  welche  im 
■Zeitalter  dei*  Reformation  als  Pflanzstätte  Iheologisclier  Gelehrsam- 
keit galt,  entsprach  schon  lange  nicht  mehr  ihrem  alten  Ruhme. — 
Während  anrlere  Hochschulen  Deutschlands  sich  bei  Eintritt 
j-des  18.  Jahi'hunderts  aus  der  überlieferten  Barbarei  emporrangen, 
var  Ingolstadt  von  keiner  Neuerung  berührt  worden.  Maximilian 
Joseph  erkannte  die  Notwendigkeit  an,  die,  wie  er  selbst  sagte, 
►durch  eingefallene  schwere  Kriegsti'ubel  und  andere  Zufälle  von 
Ihrem  ehemaligen  Flor  weit  abgekommene  Universität  pro  bono 
nibliro  wieder  empor  zu  bringen«  und  ernannte  zu  diesem  Zweck 
Sni  Sommer  1746  Irkstatt  zum  Direktor  der  Hochschule  und  zum 
srsten  Professor  in  der  juristischen  Fakultät. 

Ickstatt  hatte  nicht  nur  die  Aufgabe,  mit  Rektor  und  Senat 
iuf  die  bestmögli<dien  Vorkehrungen  zur  Hebung  der  Univer- 
■iitäl  bedacht  zu  sein,  sondern  aucli  den  misslichen,  bestimmt 
formulierten  Auftrag,  die  Professoren  zur  genauen  Befolgung 
der  kurturslliclien  Verordnungen  anzuhalten  und  nötigenfalls 
zur  Verantwortung  zu  zieheih 

Mit  seiner  Lehiiatigkeit  als  Professor  des  Natur-  und 
Völkerrechtes,  der  Polizei  und  Fiiianzwirtschaft  betrat  Ickstatt 
ein    bisher  in  Ingolstadt   ganzlich,  unbebautes  Feld,   zu  dessen 

t Bearbeitung  Ernennungen  notwendig  wui^den.  Infolgedessen 
Mjrde  auch  Weisliaupts  \'iite!'  als  Professor  der  juristischen 
•^akultät  aus  Wüi'zburg  nach  Ingolstadt  berufen. 

War  durcii  diese  Neuerungen  die  juristische  Fakultät  aller- 

Idings  verjüngt,  so  blieb  die  Professur'  des  kanonischen  Rechtes 
pedoch  in  den  alten  Händen,  die  der  landesherrlichen  Ein- 
[^•irkung  so  ziemlich  entzogen  war.  Diese,  \v\q  die  ganze  tlico- 
logische  und  philosophische  Fakultät  befand  sich  im  Allein- 
besitz des  Ordens,  welcher  seil  zw^i  Jahrhunderten  die  Univer^sität 
beherrschte.  Neben  den  Mitgliedern  der  Gesellschaft  Jesu 
konnten   die  paar  unglücklichen  Mediziner,  welche,  unbekannt 


Wfpi^ 


20 


mit  den  Fortscliritten  ihrer  Wissenschaft,  ols  vierte  Fokültär 
kläglich  figurierten,  ebensowenig  in  Betrnclit  kommen»  als  vor 
Ickstött   die  paar  weltliclieii  Mitglieder  der-  JurislenrakiUtaU'  — 

Ickstült  liotte  gründliclien  Widerstand  zu  überwinden,  Neid, 
Eifersucht,  Unzufriedenheit  über  dos  bisher  unbekannte  Amt 
eines  alles  überwachenden  Inspektoi's,  der  die  altgewohnten  und 
bequemen  Zustände  in  energiscfier  Weise  störte,  regten  sich 
bald.  Diese  Erscheinung  konnte  nicht  überraschen,  sie  findet 
sich  überall  ein,  wo  ähnliche  Zustände  herrschen.  Hier  aber 
kam  ein  Konflikt  von  ganz  besonderer  Bedeutung  hinzu,  den 
wir  beleuelüen  müssen,  um  den  Grund  der  späteren  Entlassung 
Adam  Weishaupts  von  der  Universität  verstehen  zu  können. 

Kluckhohn  sagt  hierüber  wörtlich:  >Es  war  ein  seit  lange 
geübtes  Heclit  der  theologisclicn  Fakultät,  durch  strenge  Hand- 
habung der  Zensur  jedes  akatholisclic  Bucli  von  Ingolstadt  fern 
zu  halten.  Auch  die  Jurisprudenz,  von  der  Philosophie  ver* 
stand  es  sich  von  selbst,  blieb  in  die  engsten  konfessionellen 
Schranken  gebannt.  Da  zeigte  plötzlicli  das  von  Ickstatt  publi- 
zierte Programm  der  juristischen  Vorlesungen,  dass  bei  'den 
meisten  derselben  Kompendien  akotholischer  Autoren  zugrunde 
gelegt  wurden.  Bei  Institutionen  und  Pandekten  hätte  das  noch 
hingehen  mögen,  bei  dem  Staatsrecht,  das  nach  iMascows  prin- 
cipia  juris  publici  angekündigt  wurde,  w^ar  es  eine  nicht  zu 
duldende  Neuerung.  Und  Ickstatt  blieb  auch  dabei  nicht  stehen. 
Er  wollte  Mascows  und,  wie  man  sagte,  soger  Ludwigs  publi- 
zistische Arbeiten  Studierenden  in  die  Hände  geben,  und  als 
der  Nachdruck  von  Mascows  deutschem  Staatsrecht  in  Ingol- 
stadt von  der  Zensur  beanstandet  wurde,  bezog  Ickstatt  die 
nötigen  Exemplare  aus  Leipzig.-! 

Es  entstand  ein  gewaltiger  Streit,  in  dem  namentlich  Eck- 
her, welcher  an  der  Spitze  der  theologischen  Fakultät  stand, 
hervortrat.  Dieser  entdeckte  als  geistlicher  Zensor,  sogar  in 
dem  Heft  über  Naturrecht,  das  Ickstatt  früher  dem  Kurprinzen 
vorgetragen  und  das  dci'selhe  für  seine  jetzigen  Zuhörer  drucken 
lassen  wollte,  eine  Beihe  verdächtiger  Positionen,  nötigte  den 
Verfasser  zu  allerhand  Korrekturen,  bis  Ickstatt  im  höchsten 
Zorne  auf  den  Druck  vorläufig  verzichtete. 

Vom  Kurfürsten  wurde  verlangt,  dass  an  der  Universität 
nur  katholische  Autoren  zugelassen  würden,  oder  doch  solche 
akatholische,  von  deren  Ungefährlichkeit  die  theologische  Fakul- 
tät sich  vorher  überzeugt   habe.     Eine  si>lche  begehrte   Verord- 


21 


lg  wurde  nicht  bewilligt,  noclidem  Ickstatt  am  22-  Januar  1747 
»ei^ichligte,  dass  die  beanstandeten  Autoren  au  den  Universitälen 
pu  Mainz,  Würzburg,  Bamberg  und  Fulda,  ohne  jede  Einsprache, 
Itelesen  würden.  — 

Selbstredend  war  damit  der  Frieden  nicht  hei'gestellt,  son- 
lern  die  Anfeindungen  in  Gestalt  allerhand  Klagen  bestanden 
ireiter  Namentlich  wai*en  es  in  späteren  Jahren  immer  wieder 
(ie  Anschuldigungen,  dass  verdächtige  Druckwerke  eioge- 
schmuggelt  und  enqilbhlen  wurden,  die  als  kirchengefährlich  zu 
bezeichnen  wären.  Schhesslich  wurde  behauptet,  dass  in  der 
Umgebung  des  Direktors   und   in  dem  engsten  Freundeskreise 

Iki rohe ngefahrl ich e  Tischgespräche    gehallen  würden. 
I  Bezüglicli   dieser  Tischgespräclie    ist  darauf  hinzuweisen, 

pass    die  Professoren,    teils    um    ihre   Einkünfte   zu  verbessern, 
teils  wohl  auch  um  einen  Privateinfluss  auszuüben,  den  Studie- 
^renden   gegen    Entgelt   Miltagstisch    boten,   eine   Sitte,   die   all- 
jmein  üblich  war.     Diese  Tischgespräche   im  Hause   des  Pro- 
pessors  sind  gemeint,  welche  derartig  verleumdet  wurden,  dass 
;>gar  1752  Eckher   auf  der  Kanzel    in  leidenschaftlicher  Weise 
m  die  gelehrten  Beförderer  des  Luthertums  predigte.     Zwei 
indere  Pfarrer  folgten  diesem  Beginnen,   dadurch  hiess  es  als* 
>ald  in  Ingolstadt,  dass  die  aUkatholische  Universität  im  Glau- 
ben wanke. 
B         Ickstatl     forderte    Genugtuung,    der    Inhalt    der-    Pi-edigt 
Eckhers    wurde    protokollarisch    festgestellt,     die    theologische 
Fakultät    dagegen  richtete  an  den  Kurfürsten    eine  Vorstellung, 
die  alle  Beschwerden  gegen  die  verdächtigen  Juristen  zusammen- 
Bfasste.  —  Letztere   siegte   anscheinend  anfangs,   indem  Ickstatt 
^aufgefordert   wui-de,    sich   zu  verantworten   und  die  Entfernung 
protestantischer  Bücher,  sowie  strengere  Handhabung  der  Zen- 
sur gewährt  werden  sollte.    Nachdem  jedoch  Ickstatt  am  9.  August 
^1752  eine  umfangreiche  Denkschrift  eingereicht  hatte,  in  der  er 
^knit  kräftigen  Worten    unverblümt    alle  Anklagen    niederschlug, 
Hteowie  persönlich  in  München  seine  Sache  führte,  entschied  der 
^Kurfürst    den    Streit    endgültig    im    liberalen    Sinne.      Eckher 
musste  vor  versammeltem  Senat  Abbitte  leisten,   der  Gebrauch 
okatholischer    Bücher     über    Jurisprudenz     und    Staatswissen* 
Hschaften  wurde,  so  lange  die  Professoren  nicht  eigene  Kompeu- 
^dien  veifasst  hotten,  gestattet,  die  Ausübung  der  Zensur  in  der 
, herkömmlichen  rigoi'osen  Weise  als  nicht  mehr  zeitgemäss  be- 
teiclinel.  — 


—     22     - 


Damit  war  der  Streit  beigelegt  und  Ickstalt  setzte  iiocli 
dreizehn  Jahre  seine  Lehrtätigkeit  fort,  bis  jüngere  Kräfte,  die 
zum  Teil  unter  seiner  Führung  herangewachsen  wai*en,  darunter 
später  auch  Adam  Weishaupt,  an  seine  Stelle  treten  konnten. 
Ickstatt  war  dann  nicht  immer  in  Ingolstadt  anwesend,  oft  nur 
vorübergehend,  behielt  jedoch  das  Direktorium  der  Universität 
nach  wie  vor  in  der  Hand^  auch  als  der  Kurfürst  ihn  wegen 
staatsmannischer  Geschäfte  in  seine  Nähe  berief. 

So  lagen  die  Verhältnisse  in  Ingulstodt,  als  Adam  Weis- 
haupt den  ersten  Schulunterricht  erhielt  und  als  Jüngling  die 
Universität  bezog. 


Welshaupts    geistige    Ausbildung    und    Charakter- 
en tiricklung  bis  zur  Ordensbegrunduiig. 

Weishaupts  Vater,  Johann  Georg  Weishaupt,  ist  geboren 
1717  zu  Brilon  im  preussischen  Regierungsbezirk  Arnsberg  in 
Westfalen.  Er  wurde  durch  Dekret  vom  14,  Oktober  1746  als 
Professor  der  kaiserHchen  Institutionen  und  des  Kriminalrechtes 
durch  Ickstatt  nach  Ingolstadt  berufen,  und  ebendaselbst  wurde 
Adam  Weisliau])t  am  6.  Febj'uor  1748  geboren  und  von  Adam 
Ickstatt  über  dem  Taufbecken  geiialten.  Der  Knabe  verlor 
seinen  Vater  sehr  bald,  bereits  1753  im  September  starb  der^ 
selbe  während  eines  Ferienaufenthaltes  in  Heihgenlhal  bei 
Würzburg  im  Alter  von  36  Jahren. 

Wie  bereits  gesagt,  war  das  gesamte  Gymnasialwesen  in 
Bayern  seit  zwei  Jahrhunderten  in  den  Händen  der  Jesuiten, 
welche  die  Jugenderziehung  völlig  nach  ihren  Grundsätzen  leiteten 
Diese  konnten  jedoch  dem  aufgeweckten  Knaben,  dem  es  selbst- 
redend nicht  mögüch  war,  sich  diesem  Einflüsse  zu  entziehen,  wenig 
zusagen.  —  Widerstrebend  muss  der  Knabe  ihrem  Lehi-gange 
gefolgt  sein  und  sichertich  ist  die  Abneigung  gegen  diese  Art 
der  Belehrung,  der  später  der  heftige  Drang  nach  Beseitigung 
solcher  üebelstande  fr>lgte,  schon  sehr  früh  dem  Gemüle  des- 
selben eingepflanzt  worden. 

Weishaupt  schreibt  über  diese  Jugendzeit  im  Nachtrag  zur 
»Rechtfertigung  meiner  Absichten«: 


—     23     — 

»Ir.h  kMm  ids  ein  Knab  von  achthalb  Jahren  das  erstemöl 
in  die  Schule.  Es  ist  wahr,  wir  mussten  unaufhörlich  beichten 
'und  dem  ausserlicheri  Gottesdienste  beiwohnen  und  ^orzüglieh 
die  Andöcliten  zu  ihren  (der  Jesuiten)  Heiligen  verrichten. 
Aber  dies  war  auch  alles:  Sie  %volIten  sich  auf  diese  Art,  nicht 
durch  Gründe,  sondern  durch  den  äussej^lichen  Glanz,  durch 
Gewohnheit  und  Fertigkeiten  des  jungen  Kopfes  so  sehr  be- 
metstern,  doss  er  dereinst  bei  reiferen  Jahren  gar  kein  Bedürf- 
nis nach  liöheren  Gründen  haben  sollte.  Unser  einziger  Unter- 
triebt  war  jeden  Fr-eitag,  wo  wir  ein  Stück  aus  unserm  Canisius 
auswendig  daherplappern  mussten.'-')  Wenn  gegen  Ende  des 
Jahres  die  Prämien  verteilt  wurden,  so  ward  eine  dei^gleichen 
Belohnung  auch  demjenigen  zugedacht,  welcher  bei  der  vor- 
genommenen Prüfung  die  besten  Beweise  seines  Unterrichtes 
im  Christentum  gegeben  hatte.  Und  nun  höre  die  Welt  diese 
KBeweise  und  sie  sage,  ob  ich  unrecht  habe?  —  Wir  mussten 
^der  Reihe  nach,  meistens  nach  alphabetischer  Ordnung,  an  der 
Tüi-  des  Zimmei^,  in  welcliem  sich  drei  von  unsei'en  Gloubens- 
Richtern  versammelt  batteji,  warten,  der  erste  nacii  gegebenem 

i deichen  eintreten  und  nicht  eine  Glanbensfrage,  sondern  ein 
Balsel  aus  dem  Canisius  auflösen,  z.  B.  wir  sollten  das  Vater- 
(Unser  rückwärts  oline  Anstand  auswendig  hersagen.  Wir  sollten 
^gen,  wie  oft  et,  in  oder  cum  in  dem  ersten  Plauptstück  stehen, 
teder  es  wuitlen  uns  zwei  oder  drei  Worte  aufgegeben,  wo  wir 
Sogleich  fortfahren  mussten  und  dies  so  oft,  als  diese  Worte  in 
diesem  Hauptstücke  enthalten  waren.  Wenn  einer  nach  dem 
andern  diese  Fragen  vor  diesem  geheimen  Heligiousgericht  be* 
antwortet  hatte,  so  kam  der  Präfckt  an  die  Türe  und  verlas  die 


•)  Die  Studienordriun^  der  GeeeliBChaft  Jesu  von  1599  schrieb  den  Pro- 
Jiessoren  der  niederen  Klassen  vor:    »Die  Jünglinge,   die  man  der  Gesenscliafl 

^esu  zur  Erziehung  aoverlraul  hat»  unterrichte  der  Lehrer  so,  dass  sie 
rugleich  mit  den  Wissonschönen  besonders  die  eines  Christen  wurdiijen  Sitten 
lewinoen.  Er  wache  darübei",  dass  alle  der  Messe  und  Predigt  beiwohnen; 
ind  zwar  der  Messe  täglich,  der  Pr-edifrt  aber  an  den  Festtagen Der  Christ* 

Jiche  Unterricht  soll  besonders  in  den  Klassen  der  Grammatik  und,  wennnötig, 
luch  in  andern  Freitags  und  Sonnabends  auswendig  gelernt  und  hergesagt 
ireiNien.  ...  Er  baUe  auch  Freitags  oder  Sonnabends  eine  halbstündige  fromme 
^xhorte  oder  Erklärung  des  Katechismus;  er  dringe  vorzuglich  auf  tägliches 
ebet,  besonders  auch  zur  täglichen  Abbelung  des  Rosenkranzes  oder  der  Tag- 
eilen  Maria»  ...  Er  empfehle  sehr  die  geistige  Lesung,  besonders  aus  dem 
Leben   der  Heiligen,   er  bemOhe  sieh,   dass  niemand  die  monatliche  Beichte 

'unterlasse.«  Pachaer  I  c.  II,  B79— 381. 


—     24     — 


Namou  derjenigen,  welche  die  Frage  erraten  hatten.  Diese 
bliebeil  sodann  und  fingen  unter  sich  iliren  Wettstreit  aus  der 
Religion  auf  das  neue  an,  bis  ein  einziger  Sieger  blieb,  und 
dieser  allein  wurde  gekrönt,  —  Nun  sage  alle  Welt,  was  sie 
von  diesem  Religionsunterricht  hält?  Diesen  und  keinen  andern 
rnlerrielit  (deiui  iln*e  Predigten  waren  nicht  viel  besser)  erhielt 
ich  bis  in  das  15.  Jahr  meines  Lebens,  wo  ich  das  Gymnasiiuii 
verliess  and  mit  dem  akademischen  Kursus  den  Anfang  machte. 
Ich  bin  auf  diese  Art,  ich  darf  sogen,  20  Jahre  alt  gewoi^den, 
«ihiie  dass  icli  für  die  Wahrheit  meiner  Religion  einen  andern 
Beweis  nnfübren  konnlCj  als:  so  bin  ich  gelehrt  worden;  so  sagt 
die  Kirche;  dieses  Reclit  der  Kirclie  ist  in  der  heiligen  Schrift 
gegründet,  und  die  Kirche  hat  das  Recht,  den  zweifelhatlen 
Sinn  der  Schrift  zu  bestimmen. 

Was  s<^ll  aus  eiirem  solchen  Menschen  werden,  wenn  er 
hinter  andere  Bücher  gerat,  wenn  ei'  mit  Vernünftigen  einen 
Umgang  pflegt,  wenn  er  ous  der  Schule  mit  einer  so  schwachen 
Gegenwehr  und  Voi-bei'eitung  in  die  Welt  ti^itt?€  — 

Ickstalt  soll  nach  der  bisherigen  Auffassung  sich  der  Sorge 
für  den  verwriisten  Knaben  ganz  besonders  angenommen  haben. 
Ist  es  auch  zweifellos,  dass  in  späteren  Jahren  Ickstatt  Weis- 
houpt  protegierte,  so  dürfte  jedoch  seine  Unterstützung  zu 
Wcishaupts  letzten  Studienjahren  sehr  überschätzt  worden  sein, 
andei-nfalls  ist  ein  Brief  von  Weishaupts  Mutter  vom  12.  Dezem- 
ber 170L>  nicht  erklärbar.  Diese  schreibt  unter  angegebenem 
Datum  an  den  Geheimi'at  Lippert:*) 


Wohigeborener  Hoclizufererentej*  Herr  Gebeimraht. 

Euer  w^ohlgeboren  nemen  mier  nicht  für  ungnod,  dass  i 
inen  schreiwe  und  meine  not  Klage,  es  isi  mier  von  der  Hof- 
kammer, dass  stihendium  das  mein  söhn  von  der  Universitet 
gehabt  genomcn  worden,  nun  weiss  ich  mier  nicht  zu  helfen 
was  ich  anfangen  sohl  damit  er  doch  seine  Studien  absolvieren 
und  Jura  docentihi'en  Könnte,  wir  seintvon  der  gansen  wehR 
{ganzen  WeR)  verlassen.  Kein  Mensch  will  sich  unser  an- 
nemen,  so  bitte  Euer  wohlgeboren  sie  mögten  ihm  docfi  mit 
einen  rath  oder  recommantation  an  die  Haut  gehen,  er  wirdt 
gewisHcb  gutt  belonen,  ich  bin  ja  schon  14  Jalire  wüttib  (Witwe) 


eil    I 


*)  Ofigiadl  im  Archiv  des  Hielorischen  Vereins  zu  München,  unter  den 
IJppertsehen  Akten. 


—     25     — 

.und    muss    mit    800  W.  le^\'en,    ich  Kau    im  wedci-  bücliei'    nocli 
mderes  schaffen  und  er  hat  doch  ein  Talent,  dass  man  ihn  ge- 
K%ieslich  brauchen  Kon(e,  es  diit  mir  das  Herz  wehe  dos  ich  im 
|ht  hoifen  kann  —  —  usw. 

Dieser  Hilferuf  aus  niülterhchem  Herzen  ist  jedenfalls  von 
LHbIg  gewesen,  denn  der  junge  Weishnupl  wurde  in  den  Stand 
3set2i,  seine  Studien  zu  vollenden  und  zwei  Jahre  spätoi*  sein 


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Weishaupts  Doctordiplom. 


DoktiH'PXamen  abzulegen.  Es  geht  aber  auch  aus  diesem  Briefe 
Jiei'vor,  doss  Mutter  und  Sohn,  die  von  der  ganzen  Welt  ver- 
issen  waren,  und  deren  sich  kein  Mensch  annehmen  wollte, 
ilso  auch  nicht  Ickstatl,  gegen  diesen  keine  besonders  tiefe 
Jrsache  der  Dankbarkeil  haben  konnten,  wie  hi^!M*r  behauptet 
rurde, 

Dass  Weishaupt  entschieden  ein  sehr  befähigter  Kopf  ge- 
»n  ist  und  sich  bemühte,  dös  damalige  Wissen  für  seinen 
Bpäteren  Beruf  gründlichst  in  sich  aufzunehmen,  bezeugt  der 
Wortlaut    seines    Doktoi^diploms    vom    Jahre    1768.      Dasselbe 


26     — 


wurde  auf  Veranlassung  des  Neffen  Adam  von  Ickstatts,  Peter 
von  Ickstatt,  ausgefertigt,  welcher^  nachdem  er  in  Mninz  und 
Jena  die  Rechtswissenschaft  studiert  hatte  und  in  Ingolstadt 
mit  ausserordenthchem  Beifall  promoviert  worden  w^ar,  im  Jahre 
1764  auf  Ickstatts  Wunsch  zuerst  zum  Extrafjrdiuurius  erriüimt 
wurde,  um  an  Stelle  des  Direktors  die  Vortrage  über  deutsches 
Staatsrecht  zu  überneluiien.  1765,  als  Adam  von  Ickstatt  siel» 
ganz  zurückzog,  wurde  der  Neffe  zum  ordentlichen  Professor 
und  spater  zum  Hofrat  befördert,  ki'änkelte  jedoch  früh  und 
starb  schon  im  Jahre  177 L 

Das  in  lateinisclier  Sprache  abgefasste  umfaagreiclie,  höchst 
inleressante  Dokument  auf  Pergament  gesctiriebeo,  welches  im 
Archiv  des  Illuminatenordens  zu  Dresden  jetzt  bewahrt  uird, 
lautet  in  der  Übersetzung: 

Im  Namen  der  heiligen  und  persönlichen  Dreieinigkeit,  Amen. 

Wir  Peter  von  IcksLaU,  DocLor  der  Rechte,  des  madigsten  und  mSchtigsien 
Churfürsten,  Herzogs  von  Ober-  und  Niederbayern  etc.  etc.  wirklicher  Hofratb, 
an  der  ehrwürdigen,  catholisehen  und  churfürstlichen  Universität  Ingolstadt, 
Professor  Ordinarius  des  Nalurrechts  und  des  öffentlichen  gemeinen  Rechtes» 
auch  der  kaiserlichen  InsUtylionen,  auch  zur  Zeit  der  berühmten  juristischen 
Facullät  Decafius:  auch  die  übrigen  Docloren  derselben  Facultäl,  die  actueüen 
churfürstlichen  Hofräthe  und  Proressoren  entbieten  allen,  welche  diese  Urkunde 
anschauen  werden,  ihren  Gruss  und  Frieden  in  dem  Herrn. 

Recht  und  pd  ich  (gemäss  glauben  wir  zu  bandelu,  wenn  wir  nicht  un* 
würdige,  sondern  durch  GeJehrsamkeit  ausgezeichnete  und  erprobte  Männer  zu 
den  hftehslen  Ehren  und  WDrden  zulassen.  Denn  wie  wir  es  für  ungerecht, 
inhuman  und  jeder  Gleichheit  der  verteilenden  Gerech ligkeit  fremd  hallen, 
jene  zuzulassen»  diese  ober  abzuweisen  und  um  die  schuldigen  Ehrentitel  und 
Prämien  zu  bringen,  so  ist  der  auserlesenen  und  berühmlesten  Zahl,  wegen 
der  empfehlendslen  und  ausgezeichnetsten  Verdienste,  einzureihen,  der  sehr 
berühmte  Herr  Adam  Weishaubt  von  Ingolstadt  (Beyern),  bis  jetzt  öffent- 
licher Hepetitor  der  Rechte  an  unsrer  Hochschule,  welcher  unsej'em  AÜienaeum 
drei  Jahre  hindurch  nicht  allein  unermüdlichen  Fleiss  durch  vortreffliche  Proben 
bekundet,  sondern  auch  zwei  Jahre  hindurch  die  Collegi^i  über  die  Inatitu* 
tionen  Julians,  das  Natur-  und  öffentliche  gemeine  Recht  sowie  das  Privat- 
recht  ein  Jahr  lang  mit  dem  Lobe  ausdauernden  Fleisses  gehört  hat  und  sich 
durch  die  hier  erworbenen  Früchte  auszeichnend,  hat  er  sich  alle  diese 
Jahre  hindurch  durch  eminente  und  männliche  Bescheidenheit  bei  vielen  Ge- 
legenheiten, vornemlich  bei  privaten  Anreden  als  einen  in  der  ganzen  Literatur 
und  den  humanioren  Studien,  besonders  auch  verschiedener  Sprachen  höchst 
bewanderter  Mann  bewährt.  Und  wie  er  an  dieser  unsrer  Universität  ausser 
dem  Feudal-,  Natur-,  allgemeinen  und  Völkerrecht,  desgleichen  das  öffentliche 
deutsche  Fiechl  in  PHvatcoUegien  in  ununterbrochener  Reihenfolge  wiederholt 
gehört  bat  und  mit  ganzer  Seele  dabei  (ganz  Ohr)  war,  so  zeigte  er  sich,  nachdem 
er  Früchte   hieraus  geschöpft   und   eminente  Fortschritte  gemacht,   als  einen 


-^     27     — 


'dorch  viele  Beweise  der  besten  Censur  und  Hott'nung  wQrdigen  und  gelehr- 
testen Candideten  der  Rechte  höchst  lobeiiswerth;  ebenso  hörte  er  öffentliche 
und  private  Collegia,    welche  den  Maximiliauischen  Codex  zu  erklären  pflegen 

Iiwei  Jahre  mit  eifrigstem  Fleisse  und  gab  von  den  Fortschritten»  welche  er  da- 
durch erlangt  wiederholt  offen tlicho  Beweise,  zugleich  aber  auch  von  dem  Ur- 
|len  seiner   absonderlichen    AufTasBiingsgabe.     Hierüber    besuchte   er  häufig  in 
iden&elben  zwei  Jahren  die  Collegia,  Öffentliche  wie  private,  über  den  Bayrischen 
'Bechts-    und  Criminal-Codex    mit   dem   lobenswertesten  Fleisse    und   unermud- 
lichem  Eifer  besonderer  Anwendung,  welcher  sich  öfTenllich  herrlich  bewährt 
hat.     Da  er  ferner  mit  dieser   ausserordentlichen    Gelehrsamkeit,    die  in  jeder 
^^Hinsicht  rühmlichsten  Sitten  verbindet,  so  ist  kein  Zweifel,  dass  er  zu  seiner 
^Ks^it  zu  seiner  und  seines  vornehmen  Standes  Ehren  und  Buhme  ein  erwOnschtes 
^^Rust/eug  unsres  Vaterlandes  werden  wird.     Da  er  es  nun  für  nützlich»  ehren- 
voll und  seiner  Absicht  entsprechend  hielt,  so  richtete  er  das  Gesuch  an  uns, 
wir  möchten  ihm  durch  unsre  Autorität  und  Censur  bestätigen,  was  für  Kennt- 
nisse er  durch  die  verkosteten  Studien   beider  Rechte   erlangt  habe,    und  ihm 
den  Doctorgrad    beider  Rechte    verleihen:   so  wollten  wir  diesem  gerechtesten 
Gesuche    gern    willfahrend     ihn    seines    wohlvej'dicnten    Wunsches     teilhaftig • 
machen.    Deshalb  haben  wir  früher  nach  dem  Brauche  und  der  alten  Gewolin- 
heit  unsj^er  Facultat    über   dessen  Fortschritt   in  dem  uft  erwähnten  doppelten 
^^Becht   in    unserm   CoUegium   am   1.  Juli    dieses  1768  sIen  Jahres   ein  privates 
^■l'en tarnen    abgehalten    und   da   er  in  diesem   die  glänzendsten    und  aussser- 
^Bordentlichsten  Beweise  seiner  Gelehrsamkeit  gegeben  hat,  haben  wir  ihn  bald 
^B^m  öffentlichen  oder  strengen  (rigorosen)  Examen  zulassen  müssen,  in  welchem, 
^■^a  er  am  4*^"  Tage  des  benannten  Monates    und  Jahres  alles  was  er  sich  ein- 
^B  geprägt  hat,  an  bezeichnetem  Orte  und  Stunde  auf  das  geschickteste  und  geist- 
vollste  wiedergegeben«   auch    auf  die  schwierigsten  Fragen  auf  das  trefflichste 
■und  gediegenste  geantwortet  und  somit  unsre  Meinung,   die  wir  vorher  schon 
von  ihm  uns  gebildet,  völlig  entsprochen  hat,  ist  er  mit  allgemeiner  Einstimmig- 
keit würdig  erklärt  worden,  dass  ihm  der  höchste  Lorbeerkranz  oder  das  Doc- 
lorat  beider  Rechte  zuerkannt  und  übertragen  werden  könne  und  müsse.    Nach- 
dem   er   also   am  5^^°  Tage    des  genannten  Juli   den  Grad  als  Licentiat  beider 
^■Hechte  unter  den  ßblichen  Förmlichkeiten  erhalten  hat,  ist  am  heutigen  unten 
^^verzeichneten  Tage  nach  vorhergeleisteten  üblichen  Eidschwuren  in  Gegenwart 
vornehmlich  des  Bector  Magniflcus  dieser  ehrwürdigen  Universität,  desgleichen 
aller  Professoren  unsi-er  Faeultät  und  aber  den  hochzuverehrenden,  vornehmen, 
berühmten  und  ausgezeichneten  Herren  Doctoren  und  Professoren  der  meisten 
I  andern  Fakultäten,  genannter  edler  und  berühmter  Herr  Adam    Weishau  bt, 
1  Licentiat  t>eider  Rechte,   zuletzt   (schliesslich)    in  demselben  doppelten  Rechte 
joder    Doctorgrade   durch    den    sehr    berühmten    Magniflcus    und    erfahrensten 
FXlann,    Herrn  Johann  Paul  Sutor  Doctor    der  Beeilte,    wirklichen    Hofrath  des 
[gn&digsten  und  mächtigsten  Churfüislen  beider  Bayern,    Herzogs  etc.  etc.  und 
k Professor  p.  o.  (öffentlich er  ordentlicher)  der  Pandecten  an  unsrer  werten  Uni- 
iversitit,  unsern  hochgeehrten  Collegen  legitime  und  Öffentlich  erklärt  und  ge- 
iBchaffen,  auch  in  die  Zahl  unsrer  Doctoralen  Öüentlich  cooptirt,  nicht  minder 
Imit  allen  und  einzelnen  Rechten  zu  lehren,  zu  erklären,  zu  schreiben  und  wo 
pn  aller  Well    über  diese  Rechtswissenschaft   öffentlich   und  privatim  zu  corre- 
ipondiren    und    anderen    Privilegien,    Freiheiten   und  Vorrechten,   welche  den 
[wahren  und  legitim  ernannten  oder  nach  l^echt  und  Sitte  unsrer  werten  Hoch- 


28 


schule  uiHJ  (Jen  befiondei*en  Vergünstigungen  unsi*es  juridischen  Collegü  xu- 
kommen,  oder  auf  welche  Art  solche  zu  erlangen  sind,  mit  Vergnügen  be- 
schenkt worden.  Zur  BesLäligung,  Beglaubigung  und  zum  ewigen  Andenken 
und  für  Alle  als  geeignetes  Zeugnis  haben  wir  demselben  vornehmen»  be- 
rühmten und  exceilenten  Herrn  Adam  Weishaubt,  dem  legitim  ernannton  Doctor 
der  Hechte  diese  Urkunde  ausfertigen  und  von  dem  Kaiserlichen  und  Universitäts- 
Notar  unterschreiben;  auch  mil  dem  grossen  Insiege!  unsr es  juridischen  Collegii 
versehen  lassen. 

Ingo  Isla  dt,  d.  9,  August  1768. 

Diese  Urkunde  ist  unterzeichnet  von  Ferdinandus  Müriii, 
Mendel,  Universitöts-Nutar;  das  in  einer  Buchsbiiumköpsel  ge- 
IVisste  ongehöngte  rote  Wachssiegel  der  Universität  ist  un- 
\erietzt. 

Die  Schreibweise  des  Namens  Weishaupt  ist  hier  noch 
W'eishaubt,  entsprechend  der  Orthogrnpliie  Jener  Zeit,  es  wurde 
nach  z.B.  das  Wort  überhaupt:  überhaulit  geschrieben,  einige 
Jahre  später  schreibt  Weisbanpt  seinen  Namen  in  Briefen,  wie 
noch  jetzt  üblich  mit  p. 

Aus  dieser  Ui^kundc  leuchtet  deutlich  hervor,  dass  Weis- 
haupt sicli  bereits  in  jungen  Jahren,  er  war  20  Jahre,  eines 
Wissens  rühmen  konnte,  das,  unabhängig  von  oller  Pro- 
tektion, ihn  ganz  sicher  zu  der  Stehung  berechtigte,  die  er 
bald  an  der  Universität  einnahm. 

Es    ist   bereits  gesagt   worden,    dass    die   Universität   von 
[ngolstadt    gänzlirli     in     den     Händen     der    Jesuiten     seit    ca. 
200  Jahren   stand,    welche   die   Lehrstühle    mit    ihren   Ordens- 
angehörigen besetzten,  es  wäre  demnach  zu  envarten  gewesen. 
dass  das  Werk  Icksiatls,  welclier  sicIi  bemühte,  die  Universität 
aus    diesen    l^esseln    zu    befreien,    dui-ch    die    Authebung    des 
Jesuitenordens    am    2L  Juli    im    Jahre    1773    bedeutende    Fort- 
scliritte  erziehe.     Das  war  jedocli  nicht  der  Falk     Bezüglich  der 
Aufhebung  des  Jesuitenordens  weisen  wir  biei-  nur  darauf  hin, 
dass   Papst   (Jlemens  XIV.,   dem    Drange   der   Umstände   nach- 
gebend, die  dos  Treiben  der  Jesuiten  verursacht  hatte,  das  Ver- 
bot des  Ordens,  durch  die  Regierungen  von  PortugaU  Sfmnien 
und  Frankreich,    über   die   ganze    kntholisclie  Christenheit    aus* 
deijnte.     Die  Bulle  Dmninus   ac  Bedemptor   noster   enthält   fol- 
genden charakteristischen  Sntz:  >In  Erwägung,  dass  die  genannte 
Ge^elischalt   die    Frucht,    wozu    sie   gestiftet  war,    nicht    mehr 
bringen  kann,  ......  ja,  dass  es  kaum  mehr  möglich  ist,  dass 

so  lange  sie  besteht,  der  wahre  und  dauerhafte  Fiiede  in  der 
Kirche    wiederhei^eslelU    werden    kann,    bebe    ich    mit 


—     29     — 


I 
I 

I 


reifer  Überlegung,  niis  gewisser  Erkenntnis  und  aus  der  Fülle 
apostolischer  Macht  die  erwähnte  Gesellsclinft  auf,  unterdrück*' 
sie,  lösche  sie  aus,  schofle  sie  nh.-^  — 

Mon  mag  nun  über  die  Jesuiten  denken  wie  mau  wolle, 
eines  wird  man  ihnen  nicht  abstreiten  können,  nämlich,  dass 
sie  zu  jeder  Zeit  über  tüchtige  Lehrkräfte  verfügten,  die  im- 
stande waren,  wenn  auch  in  ihrem  Sinne,  ihren  Platz  auszu- 
füllen, weil  sie  dös  Wissen  ihrer  Zeit  beherrschten.  In  einem 
Lande  wie  das  damalige  Bayern,  in  dem  das  Schulwesen  un- 
glaublich danieder  lag,  in  dem  es  an  Lehrkiiiften  allenthalben 
fehlte»  war  man  dadurch  gezwungen,  den  jesuitischen  Professoren 
die  Lehrstühle  wieder  zu' überlassen,  falls  ,man  die  Universität 
nicht  aus  Mangel  an  Lehrkräften  scldiessen  wollte.  Durch  diese 
Toleranz,  erzwungen  von  der  Notwendiglceit,  wurden  selbstver- 
ständlich Zustände  geschafien,  die  den  Boden  gaben  für  aller- 
hand Intriguen,  Streitereien  und  Verleumdungen,  deren  Weis- 
haupt nach  seinen  Angaben  sich  ganz  besonders  erfreuen  durfte 
Dass  das  richtig  ist  und  keinesfalls  der  Begründung  entbehrt, 
beweisen  die  Briefe  desselben,  sowie  die  seines  Protektoi'S  Ick- 
stott,  welche  beide  an  den  Gelieinu-at  Lori  (ein  Schüler  Ickstatts 
und  neben  ihm  Mitdirektor  der  Universität)  richteten  und  im 
Konigl.  Boyr  Geheimen  Staatsarchiv  aufbewahrt  werden. 

Bevor  wir  auf  diese  Briefe  näher  eingelicn,  verötTentlichen 
wir  einen  Brief  aus  den  Lippertschen  Akten,  der  geeignet  ist, 
ein  klares  Licht  auf  die  Universitätszustönde  zu  weifen,  auf  das 
Verhalten  Ickstatts,  Weishaupt  gegenüber,  und  der  Gründe, 
weshalb  Professorenstellen  erbeten  wurden. 


N 


No.  82  der  Lippert-Akten. 

Hochedl  gebohrener,  liochgelehrt, 
Sonders  Hochgeetirtester  Herr! 

Nach  dem  mich  von  Einei*  kleinen  Unbässüchkeit  Erhellet, 
so  komme  ich  meine  Danksagung  vor  alte  mir  in  München  Ei*- 
wissenen  Höflichkeiten  zu  machen,  und  mich  umh  dero  beider 
zeitigen  Wohlstand  zu  Erkundigen,  die  ich  dann  hofle  solche 
zum  bessten  seyn,  betaure  auch  sehr,  dass  Herr  von  Abendoifer 
mit  seynem  Gesuch  nit  reussirt  hat,  welches  ihm  und  mir  vei 
treglich  wahre. 

in  München  geht  Es  arthig  zu,  mir  sagte  man  Es  würd 
keine  Professur  nit  aufgestellt,  weillen  ohne  das  umb  Einer  zu 
vill,  und  da  ich  nachher  nach  Hause  komme,  Vernimm  ich  das 


wehrend  Zeit  da  ich  umb  die  Rathsslelle  anhalte,  der  Herr 
weisshaubt  alss  extra  ordinari  Professor  durch  Pntrocinaiiz  des 
Herrn  B.  v.  Ickstott  ist  aiigesteilt  worden  mit  der  Erlaubung 
auch  allen  privata  zu  geben,  und  die  Attestala  zu  Ertheillen, 
welches  den  Juristen  gar  recht  seyu  würd  und  ihnen  das  übriche 
Geld  zur  regreatioo  dougeu.  Dann  der  Herr  weisshaubt  wüttl 
ihnen  gar  gern  Voi*  Einem  Bayrischen  tholler  aus  allen  die 
atlestatta  geben,  w^illen  Er  ansonsten  nichts  hat,  und  wie  man 
sagt  solle  Er  eine  Euchstatlerin  (Eichstatt)  heurathen  so  auch 
keinen  Bazen  hat,  ander  \vellen  auch  behaupten  das  Er  in 
denen  Pfingstferien  schon  copolirt  ^\'orden  seyn  in  Enchstalt 
über  welches  der  Herr  Baron  von  Ickstott  heftig  Erzürnet  ist, 
mit  Vermelden  das  wann  disses  ist  so  solte  der  weisshaupt  nil 
mehr  in  seyn  Hauss  komen.  die  Ursach  wahre,  w^eillen  sie  ihm 
Ein  Junge  weinbnchin  zur  Ehe  geben  wollen,  mithin  siebet  sich 
der  Ickstatt  betrogen,  indessen  hat  sich  disser  junge  und  nethe 
(nette)  mensch  bey  allen  Professoribus  Verieindet  gemacht,  und 
solche  \>rtrisslichkeiten  auf  anbötzung  angestcllet,  das  Es  zu- 
gegangen  wie  in  dem  bolnischen  Krieg,  dann  diesser  weishaubt 
lasse  sich  zu  alleTi  gebrauchen.  Er  hat  alle  juridische  Herrn 
Professores  bis  auf  den  von  weinbach  Verachtet,  und  gedrohet 
wie  Er  und  w^einboch  zusammenhelfen  und  denen  übrigen  Ver- 
truss  genug  macheu  w^oUen,  wo  sodann  ein  consilium  gehalten 
und  ihme  seyn  Uni-echtduhn  auf  das  scherfeste  Verwissen 
w^orden,  ohnerachtet  dessen  duhet  er  ihnen  vast  deglich  Neue 
rii*obheilen  an,  ob  wollen  vost  keiner  hier,  so  ihm  nit  zeit  seynes 
Studierens  mit  geld  zur  kost,  oder  mit  Kleidung  an  band  ge- 
gangen, w^e  ich  hni-e,  so  sollen  sich  die  Herren  Professores 
wider  diesen  Jungen  Menschen  so  sich  von  dem  Ickstatt  haus 
zu  allen  gebrauchen  lasset,  bey  Höchster  stelle  Verkloget  haben, 
mithin  allen  bevorstelienden  Q!>el  vor  zu  kommen,  kann  wohl 
geschehen,  das  dieser  nethe  mensch  nit  zum  ordinori  Professor 
gelanget,  w^ohalben  dann  hiervon  verschiedenen  gutten  Freunden 
bin  animiret  w^orden.  bey  dieser  beschafTenheit,  Vor  meinen 
Sohn  um  die  Professur  anzuhalten  damit  docli  Einer  früher 
zu  Einem  Einkommen  gelanget  und  doch  das  Hauss 
welches  unser  nieistes  Vermögen  ist  nit  umb  einer  Notb  Ver* 
kaufen,  oder  durch  hiesig  schlechte  zinsleith  (Zinsleute)  müssen 
ruiniren  lassen ,  denn  wann  ich  dissmabi  nichts  Erlialte  oder 
doch  wenigstens  Eine  expectoranz  Erhalte,  so  habe  ich  villen 
Jahren   keine   Hoffnung  mehr   indem    schon   wiederumben    ein 


—     31     — 


Junger    Ickstiilt    und    ein   Junger  weinbach    auf   der  anwiirth, 

I welche  beede  die  Juro  hören  und  Frotessores  werden  w^olleii. 
Desshalben  dann  Eure  Hochedelgebohren  liöffiiclist  Ersuche 
dieselben  wollen  docli  die  gnad  haben,  und  bey  Ein  und  andern 
Herrn  Minister  sich  Erkundigen  was  die  hiesigen  Herrn  Pro- 
fessores  auf  ihre  beschwerde  Vor  eine  gutte  rcsolution  be- 
kommen, oder  ob  ihnen  der  weisshaupt  zu  zweiten  last  auf- 
^getmngen  würd,  dann  sie  sagen,  sie  können  die  Erste  Lost  des 
■  Bar.  von  lekstntt  nit  mehr  Ertragen,  bitte  demnach  Höflichst 
gehen  sye  mir,  wie  alle  Zeit  mit  dero  güttigen  Rath  an  die 
Hand,    wie    und   was  ich  diihn  soHe,    in   dero  gnad  mich  dann 

Isambt  denen   meinigen   bestens  recommandire  und  mit  meiner 
gehorsamsten  Empfehlung  geharre  ich  jeder  Zeit  zu  seyn 
1        1  .    1.    1       ..    T      *  .^r,^  gehorsamster  Diener 


Ingolstadt  den  15.  Joni  1772. 


M.  J.  scliiltenberg. 


Dieser  ßi-ief  zeigt,    dass  lekslaft   sein  Patenkind   zu   einer 

I Heirat   zwingen  wollte,    die   ihm  zuwider  war.    Weishaupt  hei- 
ratete jedoch  am  IL  Juli  1773  die  hier  angegebene  Eiclistätterin, 
luimens  Afra    Sausenhofer,   ohne    dass   Ickstatt  ihm    das    Haus 
verbot.     Letzterer  brauchte    den  jungen  Professor  gar  zu  notig, 
dessen  Kenntnisse  und  Befähigungen,  bei  dem  ansgesprocljenen 
Mangel  an  tüchtigen  Lehrkräften,  nicht  zu  entbehren  waren. 
Bezüglich  der  Verhetzungen  und  \'erfeindungen»  die  Weis- 
»haupt  von  Schiitenberg   vingeworfen   w^erden,    ersieht    man    die 
Gründe  bei  PrantI*)  sehr  genau. 
Derselbe  schreibt  folgendes  Seite  572: 
Irn   Jahre  1772    aber   erhob   sich,    nanientlicli    seit  der  Er- 
nennung Weisbanpls  des  Jüngeren,  wieder  eine  scharfe  Oppo- 
sition gegen  Ickstatt,  w^elche  ihren  hauptsächliciien  Sitz  in  der 
juristischen  Fakultät    hatte,   aber   auch    vom  Theologen  Leitnei* 
Unterstützt  wurde.**)     Wahrend   Ickstatt  sich  beschw erdend  an 
den  Kurfürsten    wandte,  —  —  schlugen    auch  Siardi,   Schmidt 
Hund  Pruggei"  ihrerseits  den  gleichen  Weg  ein,  um  in  schärfster 
K^orm   ihre  Klagen  gegen    Ickstatt  und  Weislmupt  zur  Geltung 
Hb:u  bringen;    sie  lieben   hervor,  dnss  Weishaupt   überhaupt  nur 
als  »Godl«-   (d,  h,  Patenkind)    Ickstatts  Professor  geworden    sei, 

•)  Geschichte  der  Liidwig-MaximHians  Universität  in  Inp-olsladt,  Lands^ 
'liut,  Mönchen.  Zur  Fesifeler  ihres  400jahngen  Bestehens  im  Auarage  des 
AIcsdemischen  Senates  verfasst  von  Dr,  Carl  PrantI,  München  1872. 

**)  Archiv  der  Universität  C,  l.  15.  Mai  1772  findet  sich  ein  wirkJich  gtfl- 
wollenes  Zirkular  des  Rektors  Leittier  über  Ickstatts  Benehmen  im  Senate* 


32     — 

sowie    dass   Weishaupt    mit    Ickstatts   Nefleii   Weinbach    eine 
»Ickstätlisehe  Factionc  bilde.  —  — 

Seite  597  heisst  es: 

Derselbe  (Weishaupt)  wurde  im  Jnhre  1772  zunächst  nur 
zur  Ergänzung  der  sehwacheu  Lehrkraft  Siitors  eruoniit  und 
sollte  weder  au  den  Emolumeuten  noch  an  den  Sitzungen  teil- 
nehmen; nach  ein  parn^  Monaton  ober  erlangte  er  nicht  nur  die 
Befugnis,  überhaupt  ordentliche  Vorlesungen  zu  halten,  sondern 
auch  Sitz  und  Stimme  in  der  Fakultät  und  beratendes  Votum 
im  Senate.  Hierüber  aber  erhob  sich  seitens  der  Fakultät 
jener  schon  oben  erwähnte  Sturm,  welcher  eigenllicb  personlicii 
gegen  Ickstatt  gericlitet  war.  denn  was  man  gegen  Weishaupt 
aus  der  \'orrede  einer  Druckschrift  desselben  vorbrachte,  konntefl 
wahrlich  nielit  zu  einer  Anklage  hinreichen,  sondern  allenfall:^ 
nur  zum  Beweise,  dass  Weishaupt  in  wormei"  und  schöner 
Sprache  seine  Begeisterung  für  die  naturrech tüchen  Grundsätze 
des  Hugo  Grotius,  Leibniz  und  Wolf  aussprach  und  die  über- 
mässige Betonung  des  jus  patrium  als  einen  Fehlgriff  bezeichnete. 

Ickstatt  schreibt  nun  über  Weishaupts  Einführung  an  Lori 
folgendes: 

Wohlgeborener»  Sonders  geehrtester  Herr  Geheimer  Bath. 

Eure  Excellenz  erstatte  meine  Danksagung  für  den  dem 
Professor  Weishaupt  geleisteten  Sorgfältigen  Beystand.  Vor- 
gestern arn  Freytag  ist  ev  ad  Consilium  Academicum  introdu- 
ciret  worden,  sein  piuncipio  Solenne  so  er  in  gesclnvindigkeit 
Verfasst,  lege  hier  bey.  Es  hat  gewaltigen  Lärmen  erregt  bey 
Jenen,  so  sich  getroften  Zu  seyn  geglaubt  liaben,  inssondei'e  dem 
Professor  Siarchi,  welcher  ihnen  auch  auf  das  gi'öbste  begegnet; 
künftigen  Dienstag  wird  er  ad  facultatum  admittiret.  Die  Ftede 
ist  freylicli  etwas  bissig;  allein  da  er  das  Jus  commune  zu  dn* 
ciren,  decretirt  ist,  wird  Jeder  nothwendig  dessen  (deren?)  Nutzen 
gegen  jene,  so  als  Nestor  ihren  denen  Andituribus  beständig 
Vorschwazen,  behaupten  müssen.  Empfehle  mich  zu  alt,  gut 
Freundschaft  in  Sccuia  SeculorunL 

Euer  Exccllenz 

gehtU'samster  Diener 
Freyherr  \%  Ikslatt 

Unser  Jubiläum  ist  so  ziemlich 

feyerlich  begangen  worden, 

giens  soll  Weishaupt  die  Hede  drucken  lassen. 


I 


Ingolstadt,  d.  26.  July  1772. 


SS    — 


Ickslatl   erfüllte   durch   seine  Protektion    nur-  die   ihm   ge- 
stellte Aufgabe,  die  Universität  zu  heben. 

Bereits  gegen  Ende  des  Jahres  1773,  also  sehr  bald  nach 
Aufhebung  des  Jesuiten-Ordens,  wurde  infolgedessen  Weishaupt 
^die  ProfessLir  des  Kirchenrechtes,  die  bis  dahin  nur  Jesuiten  inne 
1  hatten,  übertragen,  dadurch  diesen  eine  Zielscheibe  werdend 
Hiur  Angriffe  aller  Art,  um  den  jungen  25jährigen  Professor 
Hmöglichst  zu  stürzen  oder  ihn  seines  Amtes  überdrüssig  zu 
"fnachen.  —  Auf  letztere  Absicht  z.  B.  ist  es  jedenfalls  zurück- 
zufüliren,  wenn  Weishaupt  seinen  Gehalt  nicht  erhalten  konnte, 
■bo  doss  er  genötigt  war,  folgenden  dem  heutigen  Verständnis 
^recht  verworren  klingenden  Brief  an  den  Geheimrat  Lori  nach 
München  zu  senden: 

^m       Ihre  Excellenz.     Hochwohlgeborener  Herr  (ieheimrath. 
^m  Hoch  Verehrdei*  Gönner. 

^»  Nachdem  so  Villes  schreiben,  Memoria lei*ei  und  Inständiges 
bitten  um  erhaltung  wegen  meiner  Von  drey  Vierte!  Jahren 
rückständigen  Besoldung  so  ViM  Verm<>gt  haben,  das  ich  nicht 
dlein  keine  anweisung  an  allhisige  Hohe  schul  erhalten,  son- 
lern  sogar,  da  alle  übrigen  Professores  dieser  Tage  Ihre  Be- 
soldungen bekommen.  Ich  alleinig  nicht  nur  bey  der  Hohen 
schul  sondern  auch  bey  dem  albertino  Proteriat  Orden,  so  kann 
ich  nichts  anderes  schliessen,  als  dass  man  meiner  Dienste 
überdrüssig  und  dadurch  all  rechtslage  um  Betreibung  des 
meinigen  angegangen  und  doch  nichts  beytreiben  können,  so 
sehe  ich  nur  dieses  einzige  Mittel  Übrig,  mit  meinen  V^or- 
lesungen  so  lange  ein  zu  halten,  bis  ich  entw^eder  gänzlich 
öinorirt  oder  die  meinige  erhalten  w^erde,  ich  kann  Euer  Ex- 
eellenz   Versichern,    dass   mir   dieser   Schritt   keine  Verachtung 

i nadigster  Befehle,    sondern   die   äusserste   nothwendigkeit   ab- 
öttgt. 
Ich  bin  übrigens  mit  aller  Hochachtung 
K  Euer  Kxcellenz 

"     1        I  .    1.    1   r*   1"      .r,«.  Geliorsamst  Ergebenster 

Ingolstadt  d.  2.  Jan.  1774.  Weishaupt. 


Dieser  Brief  erhält   eine  weitere  Beleuchtung  durch  einen 
.Brief  Ickstatts  vom  folgenden  Tage,  dem  ii.  Januar  1774,  in  dem 
Jerselbe  an  Lori  schreibt: 

Sog«*,  6«tc]ilclile  dei  riltunJnikteiionletM.  0 


—     34     — 


Der  geschickte  und  Vor  andern  (Icissige  Herr  Professor 
Weishaupl  muss  doch  nilerley  Fatalitäten  erfahren*  V'oi-geslern 
hebe  Herr  Proeu rot r»r  und  Interims  \'er\v*dtei'  im  Albertinischeii 
Collcgio  heimgesuchl  und  unter  andern  betragt.  Db,  da  nun- 
mehi'  die  Besoldungen  hier  angewiesen  wären,  Herr  Professor 
Weisliaupt  sein  Quartal  schon  erhalten  ....... 

(Ickslatt  erhält  die  AuskuntT:  nein,  denn  es  sei  zweifelhaft, 
welche  Kasse  auszuzahlen  habe,  ob  die  üniversitätskasse  rjder 
das  Aibertinuui,  ein  Jesuitisches  Seminar,  dessen  Kinkünfte  nach 
Aufliebnng  des  Jesuitenordens  für  Universita tsausgaben  benutzt 
\AurdeiL  Aus  diesen  Einnahmen  wurden  die  Exjesuitiseheu 
Pi'ofessoren  möglichst  zuerst  befi'iedigt.)  .....  Ebenso  korabt 
Hr.  r^rofessor  theolog.  Moraly.  Schmitt  Zu  mir  und  referrirt  mir 
dass  dem  Vernehmen  nach  die  Pensirmisten  und  Exjesuiler 
Professores  ihre  Gebor  sämintlich  erhalten,  aber  Schollinger 
und  andere  Professores  noch  nichts  emplongen.  So  ist  des 
Complotirens  kein  Ende.  Jene  suchen  auf  alle  Art  die  Ein-- 
künfte  des  Albertini  Vorzüglich  auf  ihre  Rente  zu  verw^enden, 
Sie  stecken  sich  olle  hinter'  die  Grafen  Püiysing,  diese  müssen 
die  halbe  Stadt  mit  Verunglimpfung  der  Weidlich  und  einige 
geistüclicn  Professores  ausposaunen,  den  Till.  Professor  Weis- 
haupt sti'euen  sie  als  einen  Freygeist  aus,  weil  er  über  den 
Rautenstrouch  liesst,  wider  Professor  Schmitt  streuen  sie  aller- 
lei Historikas  ins  publicum.  Mich  getrauen  sie  öflFentlich  nicht 
anzutasten,  heimlich  aber  wünschen  Sie  mich  gewiss  zum 
TeufeL  ~  —  — 


Dieser  Brief  enüialt  in  der  Nachschiifl: 

Stolz  und  die  Viele  Umtriebe,  die  man  dem  Hn  Professorl 
Weishaupt  erweiset,  haben  ihn  bewogen  Selbst  auf  einige  Tage 
nachher  München   zu   reissen.     Euer  Excellenz    haben   die  gute 
und  Protegiren  den  bessten  Von  allen  unsern  Professoren, 
und  befördern  ihn  Vergnügt  wieder  herunter. 

Diese    angedeutete    Heise    nach    München    hat    Weishaupt 

unternommen    und   zwar    muss   der   Erfolg  derselben    ihn    mit 
Lori    auf  bedeutend   intimeren  Fuss  gestellt  haben,    weil  seine 
w*eitcren  Briefe  an  diesen  einen  verlrauiicheren  Clnirakter  nun- 
mehr  aufw^eisen    und    rückhaltlos   die  Schaden   der   Universität  ■ 
aufdecken.   —   Weilerhin    ist    diese    Reise    naclt    München    für 


—     35     — 


Weishüupt  von  Bedeulung  geueseu,  weil  iiitoIgB  derselben  der 
Gedanke  der  Oi'densbegi'ündung  festere  Gestalt  onnohnn.  Er 
schreibt   im    dritten  Abschnitt   des  Pythogoras,   den    wir  ^später 

'"gänzlich  imführeii  müssen,  dass  während  dieser  Anwesenheit 
auf  Ansfitten  seines  Vorfahrers,  alsu  eines  Josuitenprofessors, 
er  eine  bei  Hole  gegen  ihn  angezettelte  \^erleumdnng  glücklich 
vernichten  k^»nnte.  Dieser  Umsland  zeigte  ihm  die  Notwendig- 
keit eines  Hücklialtes  und  Unterstützung,  welcher  er  entbehrte, 
denn  auch  Ickstutt  entzog  ihm  alsbald  noch  im  Frühjahr  des 
Jahres  1775  seine  Freundschaft,  die  schliesslich   in  Feindscliaft 

Lausartete. 

Zur  w^eileren  Charakteristik  der  Zustände  der  Ingolstädter 
Iniversität  mögen  noch  zwei  Auszüge  aus  Briefen  des  Professor 

^Schollinger  dienen,   der  ebenfalls,   wie  aus  dem  Briefe  Ickstatts 

^ersichtlich,   unter  den  jesuitischen  Umtrieben   zu    leiden  hatte. 
>erselbe  schreibt  am  4.  August  1774  an  Lori; 

Was    haben    die  Exjesuiten   nicht  für  Unruhen  durch  aus- 
gestreute  Lästerungen    und  Verlaumdungen    aller  Orten    verur- 
icht?    Ist    nur   ein    einziger   fremder  Professor   unangefochten 
[geblieben?     Und   so  wird    es  immer  sein,   so  lange  man  ihnen 
loch  Lehr  und  Beictilstühle  lässt  und  sie  beisammen  in  Städten, 
wolil  gar  am  Hofe  wohnen  dürfen.  — 

Am  19.  September  1774  klagt  er  gegen  Lori: 

Soll  denn  kein  Mittel  mehi-  übrig  sein,  diese  Leute  zu  de* 
mutigen  und  zur  Erkenntnis  ihrer  selbst  zu  bringen?  Ich  glaube 
die  Erbsünde  des  jesuitischen  Insiiiuts  kann  durch  keine  Taufe 
abgewaschen  und  vei-tilgt  werden.  Nehme  man  ihnen  die  Stühle: 
Lehr,   Predigt  und  Beiclitstühle,   so  w-erden  sie  gewiss  weniger 

Ich  ade  n  können. 
Es    muss   unter   solchen  Umständen    nicht    leicht  gewesen 
0111 1    an    der   Ingolstädtei-   Universität    eine   Professuj*    zu    be- 
leiden,   denn    es    ist    augenscheinlich,    dass    Parteisjialtungen 
unter  den  Professoren  einti-eten  mussten.   Alier  auch  diejenigen» 
die   der  Jesuitischen   Partei    nicht    angehörten,    spalteten    sich 
^wiederum    in    Parteien,    hervor-ge rufen    durch    das   Proteklions- 
kvesen  Ickstatts, 

Weishaupt,   der   selbst   seine  Stellung  der  Protektion  Ick- 
itatts,   Loris   und   der  Fürsprache   des   Professors   von  Leitner 

3* 


—    36    — 

verdankte  (lelzterei-  empHelilt  ihn  an  Lori  in  einem  Briefe  vom 
19.  Oktober  1771  wärmstens),  war  jedoch  keinesfalls  einver- 
standen, ihm  unfähig  sclieinendc  Leute  durch  den  Protektions- 
weg mit  weiteren  Priilessuren  bedacht  zu  sehen,  zurna!  nach 
seinem  Urteile  schon  genügend  träge  und  minderwertige  Pro* 
fessoren,  deren  Arbeit  er  schliesslicti  übernehmen  musste,  vor- 
handen waren.  —  Wir  kommen  hier  zu  einem  Kapitel,  dn^ 
na  hei'  l)eleuchtel  werden  muss,  weil  von  neueren  Schriftstellern 
ganz  besonders  die  Undankbarkeit  Weishaupts  gegen  Ickstatl 
als  Kennzeichen  seines  mindei'wertigen  Charakters  liervor- 
gehüben  wird,  sowie  seine  Sucht,  Amter  an  sich  zu  reissen. 
An  der  Hand  der  (-)riginalbiiefe  wird  jiun  Vieles  recht  anders 
erscheinen. 

Weishaupt  schreibt  an  Lori  am  7.  Janum^  1775  von  Ingol* 
Stadt  aus: 

—  Im  Übrigen  aber  tinde  ich  Vor  gut  Euer  Kxcellenz 

in  secreto  einige  Mangel  so  wohl  bey  dem  Wesen  L^niversitatis» 
als  auch  bey  unserer  Facultät  anzuzeigen  damit  Euer  Excellenz 
seinerzeit  einmahl  davon  gebrauch  machen  konnten,  ich  schreibe 
nichts,  was  ich  mir  nicht  zu  erproben  getraue,  und  wo  Von  nicht 
das  ganze  hisige  Publicum  hin  länglich  berichtet  ist, 

1.  Besteht  unsere  Facultät  in  Professoribus  am  elendsten. 
Professor  Brugger,  Sutor  und  Weinbach  sind  gänzlich  unactif 
und  Domini  Commodi  und  können  nicht,  kurz  sie  sind  gai*  nicht 
Modern;  unterdessen  ist  es  aber-  doch  noch  ein  Glück,  dass  wir 
sie  haben,  sonst  Musten  alle  response  liegen  bleiben.  Professor 
Schmid  et  Siardi  sind  emsige  Leute,  wollten  gei^n  und  können 
nicht,  im  Dociren  sind  sie  aber  doch  nicht  glücklich  und  finden 
gar  keinen  Beifall  Sutor  und  Weinbnch  beschweren  die  Facultät 
am  meisten,  der  eine  durch  sein  nun  waclisendes  alter,  Krsterer 
aber  durch  seine  ausserordentliche  Comoditat  und  wird  auch 
Von  den  Academicern  besonders  ausländer  erstaunlich  durch- 
gelassen, welche  sich  alle  beschweren,  dass  sie  sich  in  deren 
Plan  durch  die  Pandecten  als  Ihren  Haubtstudio  hintergangen 
linden,  ich  habe  auch  auf  ungestüm  und  Verhalten  der  Stu- 
deuten  mich  bey  ihm  crbotten,  statt  seiner  die  Pandecten  zu 
lesen,  er  wollte  sich  aber  noch  nicht  dazu  Verstellen  Vermuth* 
lieh  weill  ihn  das  Geld  reuen  wird  und  änderst  wird  es  wohl 
nicht  thunlich  seyn,  denn  die  Auslander  wollten  mich  durchaus 
haben,    weill    sie    auf  alle    übrigen   geringes   Vertrauen    sezen. 


A ^ 


—     37     — 


önic    es    denn    iiiclil  möglich   .sovn.    dus  küiittiges  J^hr  uiisei'e 


guttat   durch 


Hedr 


?lioinei 


ich 


(en    activ 

keinen  besseren  kenne  als  Herrn  Kanzler  Thomosini.  sollte 
dieses  nicid  sein  können,  so  will  ich  nächstes  Jahr  die  Kirchen 

tHi^tnrin  fahren  lassen  und  ein  drittes  Vor  die  ausländer  not- 
vendiges  Collngiuni  Paodecten  oder  Jus  Publicum  über  nucU 
lushören,  deini  \\\  diesen  beyden  glaube  ich  sollten  die  bessten 

'I.ent  angestellt  werden»  weill  sie  die  ansiander  Am  meisten 
iUzieluL     Kurz    unsere    Fncnltät    ist    in    Docenda    die    sclilech- 


Zu  diesem  Bi-iel"  ist  die  Erklärung  zu  geben,  da ss  Professor 
Weinbücli  ein  Vcrwandlei-  Adam  v;  Ickstntts  war.  Noch  vor 
icni  Tode  des  ki*anklichen  Petei*s  v,  Ickstatt  —  letzterer  fungierte, 
'wie  wir  sehnn  angaben,  ids  Veilreler  des  Direktoi's  —  wurde 
Weinbacli  zur  Unterstützung  desselben  mit  den  Vorlesungen 
über  Institutionen,  Natur-  unrl  \'ölker'recht  betr-iiut,  um  als 
Ordinarius  später  die  Erbschaft  des  Verstorbenen  anzutreten. 
Weinbach  hatte  als  Verwandter  einen  starken  Rückhalt  an  Adam 
v.  Ickstatt  und  suchte  ihm  ergebene  Leute  als  Professoren  an- 
fcuslelleiK  Namentlich  wio^  es  ein  gewisser  Rliormüllei',  der*  von 
Ihm  f>n>tegiei't  wurde,  jodneh  Weishauj>t  mal  anderen  Prtifessoren 
jar  nicht  genchia  war.  Hierüber  entbrannte  eiti  lieftiger  Kamjjf, 
|ei%  wie  aus  den  m\  Münchener  Archiv  bewahrten  Brief  ersieh«- 
ich,  scldiesslich  eine  solche  Schärfe  erhielt,  dass  ein  Bruch 
\isclien  Wcishaupt  und  Ickstatt  die  Folge  wai\ 

Dieser  Br-iefweclisel  wird  von  Gegnern  Weishaupts  ganz 
[besonders  gern  als  ein  Beweis  seiner  Verleurndungssucht  und 
lerrschsncht  nngezngen,  wer  jedoch  \ia"!u1pilslns  deren  Inhalt 
lest,  die  sämtlichen  Umstände,  namentlich  das  unerquickliche 
rerhältnis  unter  den  Professoren  berücksichtigt,  wird  aus  dem 
Pon  der  Briefe  bald  ander^ei'  Meinung  \vei"den.  Auch  ist  ganz 
l>e*innders  schai'f  zu  betorjen,  tlass  Weishaupt  im  März  1775  zum 
>ekan  seiner  I"'aknltät  gewühlt  werden  wai*  und  als  solcher 
verpflichtet  war,  dem  Mildirektur  Lori  die  Schaden  der  Uni- 
Hcrersität  aufzudeckeih  Der  Dekan  wird  rioch  lieute  von  den 
H[>rdeiitliclicn  Professuren  jeder  einzelnen  Fakultät  als  deren 
^wertreter  envablt;  die  so  envählten  Dekane  bilden  mit  dem 
^Wector  Magniticus  zusammen  den  kleinen  Senat.  Selbstver- 
"Slnndlich  bildet  der  Zustand  der  Universität  den  riegenstand 
ihrer  Sorge. 


—    38     — 

Es  ktiiiH  doiiei'  nicht  Ijesoiiders  vei^wuiHleriK  wenn  Weis- 
haupt,  dei'  sich  als  Professor  bei'cits  gegen  die  Anstellung  des 
schon  genannten  Rhormüller,  den  er  für  ganzlich  unfähig  hall 
eine  Zierde  der  Universität  zu  sein,  aussprach,  in  seiner  Kigen- 
schaff  als  Deknn  sich  noch  sclmrfer  ausspriclil,  nicht  nui"  über 
diesen,  sondern  auch  übei-  den  ihn  protegierenden  Weinbach* 
durch  dessen  Kern modi tat  ei'  sich  gezwungen  sah,  immer  mehr 
Arbeit  auf  seine  Schultern  zu  nehmen. 

Nachdem  Weishaupt  am  19.  März  1775  in  einem  Brief 
namens  dei*  Fakultät  zuerst  Lori  bittet,  sich  nicht  zur  Anstellung 
des  Rhormüllei'  überreden  zu  hissen,  welcliei"  Vorschlag  de< 
Professor  Weinbach  gegen  den  Wunsch  des  gesamten  Kolle- 
giums geschehen  sei,  weswegen  auch  die  Fakultät  und  die 
übrigen  weltlichen  Professoren  auf  das  Höchste  gegen  ihn  auf- 
gebracht seien,  sagt  er  dann  wöhHcIj  ^\'eitei': 


—  wii-  hätten  nicht  geghiubt,  dass  unsere  Nachsicht  den 
Streich  verdient  hätte^  den  er  uns  heimlicher  weis  spielen  will. 
Wir  wollen  alle  Quellen  entdecken,  aus  welcher  bey  diesei*  Sach 
gehandelt  wird,  ich  will  Ihre  Excellenz  zum  \'oHierein  aver- 
tiren,  dass  Interesse  urni  weitere  Inti-iguen  mit  unterlnufleih 
ich  trug  Bedenken  unsern  bericht  gegenwärtig  schon  hinaufzu- 
schicken, so  lange  der  alte  Herr  von  Ickstatt  noch  in  München 
ist,  ich  bitte  nur  inständig  Eure  Excellenz  wollen  \'erhinderjK 
dass  der  von  ihm  voi-gesch lagen e  RhormüUer  nielil  angenelunigt 
werde. 

1.  Glaubt  die  Fakultät  Verdient  zu  haben,  dass  er*)  es  zum 
wonigsten    Vorher  einem  der  Fakultät  angebotten  hätte, 

2.  Hätte  er  diesen  Menschen  nicht  in  consulta  facultatis**) 
Vorschlagen  sollen,  wobei  uns  dadurch  Tnrt  geschehen  kann. 

3.  Will  dieser  RhormüUer,  der  ein  sehr  Mitlelmässiger 
Mensch  und  ehemaliger  Famulus  der  Pi^ofessor  Sclunied  ist 
hierdurch  uns  zur-  Professui-  seyn. 

•i.  folglicli  Übernihmt  ei^  die  Instituten  gratis,  wo  er  einen 
andern  bezahlen  müsste, 

5,  Hat  selber  sich  ongebotten  eine  Schwester  Von  dem 
Herrn  Weinbach  zu  h curat hen. 


•)  Weliibach, 
♦♦)  Als  durcti  BesclilQase  der  Fakultät 


—    39     — 

6.  ist  der  alte  Herr  von  Ickslatt  durch  die  Frau  Heppen- 
stein*)  dazu  beredet  worden. 

7.  erfordert  der  Zustand  unserer  Facultät  da ss -auf  Abgang 
eines  Professoris  ein  sehr  excellentes  Individuum  hergesetzt 
werde,  sonst  ist  es  mit  uns  geschehen. 

Am  26.  März  1775  schreibt  Weishaupt: 

Ich  habe  in  meinem  letzten  Brief  die  gnad  gehabt  Eure 
Excellenz  die  Verlegenheit  anzuzeigen,  in  welche  unsere  Facultät 
durch  das  Betragen  des  Herrn  Professor  Weinbach  gesetzt 
worden ,  da  wir  nun  aber  durch  sicheren  beweis  Vernehmen, 
dass  es  an  sich  schon  so  weit  gekommen  sey,  dass  Herr  Rhor- 
müller  durch  Titl.  Herrn  Baron  Ickstatt**)  nach  München  ab- 
gerufen worden,  so  bleibt  uns  kein  anderer  Trost  in  unserer 
Verlassenheit  Übrig,  als  uns  dessentwegen  noch  einmahl  an 
Eure  Excellenz  zu  wenden  als  \'on  dero  bekanntem  Patriotis- 
mus Lieb  zu  dero  Wissenschaften  und  abgeneigtheit  gegen  alle 
Interessierten  absiebten,  wir  noch  allein  hoffen  können,  dass 
unsere  billigst  Bedenken  envogen  und  der  circulus  Juris  con- 
sultorum  Von  welchem  Hochdieselben  selbst  ehmahlen  ein  Mit- 
glied waren,  nicht  auf  eine  so  erbärmliche  art  herunter  gesezt 
werden  möge.    Wir  können  uns  also: 

1.  Mit  sichern  Grund  darauf  berufen,  dass  Herr  von  Wein- 
bach dieses  Jahr  sein  officium  sehr  nachlässig  vertretten;  dass 
er  dessentwegen  mehreremahlen  die  empfindlichste  Ahndungen 
von  Serenissimo  erhalten  und  sollte  ich  als  Deputatus  facultatis 
Juridico  in  München  erscheinen,  so  werde  ich  zur  Rechtfertigung 
unserere  Ehre  die  Intriguen  aufdecken,  welche  er,  solche  gnä- 
digste Befehle  zu  Eludiren***)  mehrmalen  getrachtet. 

2.  Kann  ich  würklich  behaubten,  dass  in  dieser  ganzen 
sach,  ubi  de  Jure  tertii  agitur,  alles  ohne  Vorwissen  der  Facultät 
geschehen  und  wo  noch  Professures  Vorhanden  wären  die 
facultas  publici  legendi  ad  extrarum  dociret  werden. 

3.  Müssen  Sie  dabey  auf  den  Gedanken  Verfallen,  dass  es 
folglich  dem  Herrn  von  Weinbach  darum  zu  thun  sey,  wie  er 
tausend  Gulden  besoldung  erhalten  und  doch  nichts  zu  thun 
haben  möge,     in  dieser  Absicht 

•)  Dieselbe  war  Ickstatls  Nichte. 

*•)  Weishaupt  war  also  überzeugt,  dass  dieser  Hhorrnüller  ebenfalls  pro- 
tegiert, weswegen  sein  Unwille  auch  gegen  den  Paten  gereizt  wurde. 
••*)  Auszuweichen. 


—     40     — 


4.  Konnte  er  tiuf  Niemanden  andern  uis  Heirn  Hbormüüer 
verfallen.  Von  welchem  er  Verniiatiien  konnte,  dass  er  seine 
Instituten  gratis  übernehmen  würde,  indem  derselbe  Ehrgeizig 
all  Weg  und  Mittel  ergreift  sich  den  Weg  znr  Professur  xu 
bahnen,  welches  umso  sichtbarer  ist,  als  er  sich  schon  durch 
Verschiedene  Heuraths  Vorschläge  dazu  empor  sclnvingen  wollte. 
Wie  wir  denn  nicht  untersuchen  wollen,  ob  nicht  auch  gegen- 
wärtig eine  'solclje  absieht  mit  unterlautTe.  ob  durch  solche 
Wege  der  gesunkene  Credit  und  ansehen  unserer  Facultät  kami 
hei-gestellt  werden  und  ob  Wir  nicht  Vielmehr  nicht  nur  singuli 
sondern  de  toto  auf  das  ärgste  herunter*  gesetzt  werden,  können 
Eure  Excellenz  daraus  entnehmen,  als 

5.  Hen^  r^i'ofessor  Weinbach  auch  facta  cessione  in  den 
Pandecten  doch  noch  rernissive  fj:elien  will. 

6.  dieser  zu  substituirende  HhormüUer,  be>  dem  Herrn 
Professor  Schmid  wirklich  als  famulus  zu  Tiscli  dient  den 
heurigen  Kostgängern  alldort  die  Teller  wectiselt  auch  mit  30 
urlei'  40  Studenten  Tuzbruder  ist, 

anbei  7.  mehrei*ennile  erhörl  woi"den,  döss  ein  Simplex 
IJcentiatus  Juris  bey  uns  facultatem  de  superiore  Cathedra  in 
auditoria  publica  legendi  erhalten   habe,     so  übei-dies 

8.  zu  beforehten  sieht,  dass  unter  den  academicis  besonders 
ausländem  eine  gälnnuig  entstehe,  als  welche  V'orschüzen  schon 
einen  l^epetitorem  zu  haben. 

Bey  so  bewandten  Umständen  erlasse  ich  tni'  Eure  Excellenz 
tiefstei'  Einsicht,  ob  nicht  hiesige  Universität  eine  selir  Üble 
nachrede  zu  envarten  haben,  w^enn  die  ailliier  stüdiereridea 
ausländer  solche  anstnlten  und  nachrichten  ausser  lands  Ver- 
breiten. 

Wir  können  dabey  Eure  Excellenz  aufs  Theuei*ste  Ver- 
sichern,  dass  v(m  unserer  Seite  wedei'  Privathass  nocli  Vortheil 
mit  nnterlautTen,  Wir  wünschen  Vielmehr,  dass  unsere  Facultät 
nocIi  mit  einenj  herühmlen  arbeitsamen,  erhihrenen  und  Philo- 
sophen Eectoi*  vermehrt  werde,  welche  gaben  dem  Herrn  Rhoi^- 
müller  ganz  gewis  Mangeln  und  da  lln-o  Cliurfürstl  Durcldauchl 
in  der*!  Weitem  lande  nur  6  Jui'isten  Professores  zählen 
und  diese  zum  Unterricht  Junger  leut  sehr  wichtige  Professoi-en 
sind,  so  sind  wir  allerdings  der  Meinung  dass  hierzu  niclit  der 
nächst  beste  genolnuen,  sondeiTi  eine  strenge  answahl  getroffen 
werde.  Die  gnade  mit  welcher  Eure  Exceilenz  die  Bi-iefe  an- 
derer Professoren    beehren    lassen    uns  Verlioffen,    dass  unsere 


—     41     — 


'Fdcultät  einer  boldigen  gnädigen  erklärung  ^ewürdi^et  werde  in 
der  Hoftnuiig  dass  miserm  gewiss  billifren  gesucli  willfahren 
werde  verharre  ich 

hEure  Exeellenz 
Unterthänig  gehorsamster* 
Weishaupt  Decanua 
%v1r  gobeii    hier  den  ganxen  Binef  wieder,  damit  aus  dem 
Tone  desselben  jeder  klar  erkennen  kann,  dass  aus  diesem  ge* 
iss    nicht   ii-gend   welche  Absicht,   Amter   on   sich    zu  reissen, 
lesen  werden  kann,  sondern  klar  hervorgeht,  dass  sieti  Weis- 
ftupt   verdientei-   Männer   nicht  entgegenzustellen    beabsichligU 
Die  Gründe   seiner  Abneigung  gegen  Hbtirmüller  sind  klar-  an- 
legeben, sie  müssen  auch  Lori  einleuchtende  gewesen  sein,  so 
dass  er  zu  Schritten   im  Sinne  Weishaupts  geneigt  war,  sonst 
würde  Weinbacli  nm   15.  April  1775  nicht  an   L.ori  sehreiben: 


Whft 


I 


—  Eure  Excellenz  recfmimandii*en   Einigkeit,  ich  tÜi- 

leinen  part  hüte  mich  gewiss  ein  Ruhestörer  zu  seyn»  mögteu 
nur  Andei^e  ebenso  denken,  dass  in  unserm  Decatms  Pr.  W — pt 
unser  bisheriges  System  Verwirrt  und  auf  einmal  a  de|>il  den 
Mönchen  den  prf.  Stadler  das  pnmcancellariat  zuschanzen 
mögte,  auch  mit  der  Stadlerisehen  Cohoile  calludiret  und  grciss 
confussion  und  Chieane  macht  ward  Euer  Excellenz  bekamit  seyn. 
ich  hielte  mich  dagegen  auf,  aiusste  aber  bald  eine  Chieane  er- 
fahren, indem  er  den  Rhormüller  VcrschwärzI  und  ich  akten- 
mässig   zeigen  kann,   dass  er  wieder  Rhoi-müller  nichts  einzu- 

tr'enden  habe,  sondern  nur  mir  eine  Chieane  spielen  wolle. 
Diese  Ansicht  des  Schikanespielens  allein  wird  man  nicht 
ut  teilen  können  nach  dem  Briefe  Weishaupls,  der  vielmehr 
erarlig  klingt,  als  wolle  er  wirklich  das  Ansehen  der  Univer- 
itat  wahi-en.  Gliorakteristisch  jedoch  ist  die  Hartnückigkeit 
Weinbaehs,  mit  der  er  in  demselben  Brief  Eori  voi-schlägt: 


■  wie  wäre  es  denn,  wenji  Hhurmüller  auf  seine  Kosten  nach 

(lötlingen  ginge  und  alsdann  bey  nächster  Vacatitur  als  i*ni('essor 
aufgestellt  würde? 


f         Es  ist  klar,  dass  zwei  Mäiuier,  die  mit  gleicher  Hartnäckig- 
keit  ihre  entgegengesetzten   Ziele  verfolgen,  sich  unversöhnlich 


—     42     — 

befeinden    rnussteiK  gleiclniel  zunächst ,    niis  \vek*hen  Gründen 
sie  es  tnteiL 

Dnss  Lori  auf  selten  Weishaupts  stand  geht  weiterhin  aus 
oineni  Brief  lekstatts  hervor,  den  letzterer  nm  25.  Api-it  1775  an 
Lnri  riclitele.  Aus  diesem  Schreihen  ist  nnvb  mehi^  als  klar  er- 
sichtlich, dass  die  Freundschaft  zwischen  ihm  und  Weishaupt 
gSnzlirli  in  die  BriVclie  ging.     Ickstatt  schreibt: 


Aus  Eurer  ExceÜenz  Werthe  Zuschrift  nelniie  fast  ab.  dass 
dieselbe  dem  Boshaften  und  Undankbaren  Professor  Weishaupt 
allzu  geneigtes  gehör  gegeben;  nui-  dessenlhatben  hatte  er  so 
dieses  nicht  Verdient,  weil  ersieh  ofl'enbahrZu  der  Sten  Pmihev 
hält.  Wenn  diesem  Menschen  kein  Gebiss  angelegt  wird,  und 
nicht  anbefohlen  wird  meVir  Besclieideaheit  gegen  mich  zu  ge- 
brauchen; so  Tliue  keinen  Schritt  mehr  in  Universitäts  Sachen 
und  mag  gleicliwohl  das  Universitäts  Directoriat  Hieimit  Vacant 
werden,  was  ich  Sr  ChurturstL  Durchlaucht  einherichtet,  ist  die 
Wahrlieit  und  er  Verdient  einen  Verweis;  dieser  Mensch,  den 
ich  aus  Schlamm  nad  Koih  herausgezogen,  lässl  übei'aü  so  gar 
bey  den  Studenten  seine  böse  Zunge  gegen  midi  zu  weit 
heraus. 

Da  ich  in  meiuei'  Zuseluift  an  Eure  FlxccUenz  letzUiin  des 
Bhoi»müller  gedacht,  habe  ausdrücklich  hinzugesetzt,  dass  man 
demselben  wegen  dem  Su|»|>liren  keine  Hoffnung  zu  einer 
ProfessiU'  Stelle,  ja  nicht  einmal  zu  dem  Titl  eine  Hofl'nung 
nau'lien  solle.  Weil  man  Bedacht  muss  seyn  die  Facnllät  mit 
berülmiten  Professores  zu  besetzen.  Weishaupt  ist  so  wenig 
als  Bhormiiller  jemahl  ans  Bayei'u  gekommen,  ersterer  kann 
ein  geschickter  Professor  werden,  allein  ein  Si>  abscheulicher 
Charakter  eines  undankbaren  hochmüthigen  und  unruhigen 
Menschen  muss  er  nicht  so  Strafe  binden  lassen? 

Der  Professor  Juris  Civilis  auf  welchen  icli  meinen  Ge- 
danken gerichtet  dociil  zu  Maynz,  ist  eine  Götlingsche  Zucht 
und  sehr  berühmt. 

Die  übrigen  Punkten  beantworte  ich  Moigen;  sezen  Sie 
mich  indess  gegen  die  Impertinenzen  des  Weishaupt  in  Huhe, 
sonst  lasse  ich  alles  liegen. 

Verbleibe  indessen  einmahl  allezeit 
Ihm  Kxcellenz 

tiehorsamster  Diener 

J.  A.  Frhi-.  V.  Ickstatt. 


43     — 


Bedauerlich  ist  es,  dass  diesei"  iiBclii^tlfigige  Brief,  auf  den 
hingewiesen  ist,  sich  im  Archiv  nicht  vnrfindeL  Von  Gegnern 
Weishaupts  wird  obiger  Brief  Ickstatts    namentlich   angezogen 

iols  ein  Beweis  für  dessen  minderwertigen  Charakter,  fthne  dass 
aber  diesen  der-  Gedanke  kommt  zu  untersuchen,  weswegen 
Weishaupt  seinen  Gormer  angegriffen  hat.  Es  wird  von  ilinen 
^  priori  angenommen,  dass  Ickstatt  keinerlei  Grund  gegeben 
tiabe,  folglieli  ist  Weisliaupt  zn  verurteilen. 
Wii-  sind  genötigt,  in  der  DarsleUung  diesei'  Dinge  setir 
gründlich  vorzugehen,  um  den  Leser  in  den  Stand  zu  setzen, 
durch  unverkürzten  Abdruck  doi*  Br-iefe  sich  selbst  ein  Urteil 
über  den  Charakter  Weishau]jts  zu  bilden,  dei-  un[)arteiisch  s(>> 

Iwobl  in  seinen  Schwäclien  als  Vorzügen  bisher  nocli  nicht  un- 
"verschleiert  daig:estellt  worden  ist,  sondern  immer  durch  die 
gefärbte  Brille  besonderer  Voi-urleile  betrachtet  wurde,  I^r- 
scheinen  daher  dem  Lesei-  die  bisherigen  sowie  tVdgenden 
Auseinandersetzungen  etwas  weitläufig,  so  wolle  er  bedeidcen, 
dass  es  sich  liier  um  eine  beweiskräftige,  endgültige  und  dadurch 
gründliche  Darlegung  aller  Umstände  handelt,  die  nicht  in  ge- 
drängter Kürze  klargestellt  wei^dcn  können. 
^fc  Bevor  wir  die  Gründe,   welche  die  Handlungsweise  Weis- 

^fiöupts  leiteten,  weiterhin  genau  nntei-suclien,  wobei  wir  uns 
der  Schwierigkeit,  diese  noch  Verlauf  von  über  125  Jahren  noch 
'eststeUen  zu  wollen,  klar  bewusst  sind,  ist  es  notwendig,  zur 
weiteren  Cliarakteristik    der   Sachlage    einen   Brief  Weishaupts 

t'     i  vom  14.  April  1775  auch  bekannt  zn  geben. 
ßrselbe  lautet: 
Hochwohlgeborener  geheimer  Rath 
Hochgebietender  Herr-  Gcheimrath. 

Plure  Excelenz  soll  ich  im  Namen  Meiner  Facultat  den 
schuldigen  gehorsamsten  Dank  erstatten,  wir  hoben  es  lioch- 
demselben  zu  Verdanken^  dass  wir  von  unserm  grossen  Übel  befreit 
weixlen  und  dafür*  stehen  aber  auch  Eure  Excellenz  in  unserm 
Facultäts  Buch  Vei^ewigt  eingeschrieben,  Herr  von  Ickstatt  ist 
höchstens  gegen  mich  iiufgebracht;  er  hat  mich  Versichern 
lassen,  dass  ich  sein  Haus  nicht  mehr  betretten  solle,  ich 
tröste  mich  dabey.  dass  icli  mir  keine  Vorwürfe  zu  machen  habe 
und  dass  icli  in  dieser  Sache  wie  ein  ehrlicher  Decanus  für 
meine  Facullät  gehandelt   habe.     Überhaupt  wünschte   ich   mit 


—     44     — 

Kuer  Excellenz  luir  einige  Zeit  sprechen  zu  können,  aber  dn^ 
gegenwärtige  Kindbett  meiner  Frnn  hindert  mich  noch  Münchnrs 
diese  Ferien  zu  kommen,  so  Viel  kann  ich  Eure  Excellenz  Ver 
sichern,  dnss  sehr  Villc  schon  bemäntelte  Inlrigueri  gespielt 
werden,  wo  von  ich  alle  Ti'iebfedern  kenne.  Jesuiten  eigenrmz. 
Mönch  eigennuz  und  Nepoten  eigennuz  sind  wirklich  die  von 
unserer  Univei^sitäl.  Wenn  es  keine  frechheit  wäre,  so  wollte 
ich  Eure  ExccUenz  unlerthtinigst  rathen,  gegen  tille  begehren 
die  Von  hier  in  München  gestellt  werden,  Mistraui^jch  zu  seiji. 
nnd  abzuwarten,  ob  nichteine  vmi  diesen  dreyen  dahinterstecke» 
Man    weiss,   dnss  ich  nlie  drey  lieohaehte  und  doi*um  habe  ich 

sein'   Vilie    Freunde. (Zum   Schluss    heisst   es):    Mit 

Euer  Excellenz  schreiben  an  mich  Muss  mir  ein  Tort  gespiell 
worden  seyn.  Man  ver*sichert  mich  HeiT  v.  Ickstatt  habe  solches 
abschriftlich  und  ausser  den  Pi-ofessoren  Brugger,  Sutor,  Siardi 
und  Steigenberger  liat  es  doch  Keiner  zu  gesiebt  bekommen, 
ich  denke  noch  Itinter  die  Wahrheit  zu  kommen.  Ich  bin 
IMjrigens 

Euer  Excellenz  Gehorsamster  Ergebenster 
A.  Weishaupt,  Prof.  et  Decanus, 

Es  muss  für  Weishaupl  sehr  wiclitig  gewesen  sein,  trotz 
der  zu  erwartenden  Niederkunft  seiner  Frau,  mit  Lori  persönlich 
in  München  zu  sprechen,  sonst  hätte  er  sicli  siclierlich  nicht 
wiederum  auf  den  Weg  i^emaelit  und  zwar  in  einer  Weise,  die 
unter  seinen  Gegnern  \'erbluflung  hervorrief.  Er  schloss  ein- 
fach seine  Vorlesungen  früfier,  als  die  eintretenden  Osterferieii 
gestatteten,  und  schlug  nn  die  Universitätstafel  einen  Zettel  mit 
der  Bemerkung,  dass  er  die  Kollegien  am  24.  April  wieder  auf* 
nelnnen  werde.  Du  de*^  letzte  Brief  an  Lori  vom  14.  April 
datiert  ist,  ein  Bjief  Weinbachs  und  Ickstatts  an  Lori,  in  denen 
der  angegebene  VcnfHll  bemerkt  wii^d,  beide  vom  22.  April  1775, 
so  dürfte  die  Heise  kurz  nach  Absendung  seines  Schreibens 
von  ihm  angetreten  worden  sein. 

Der  Brief  Weiidiachs  vom  22.  April  1775  lautet  in  den  uns 
hipi'  interessiei'onden  Stellen: 


Dass  Professor  Weishaupt  nachhero  München  abgereist  ist, 
inconsultn*)  rectore  et  Directore  geschehen,   wenn   er  Vorgiebl. 


•)  Ohne  Bespf^churiK  mit  dem  Roktor  und  Dii^klor. 


—    46    — 

dass  er  nomine  Facultatis  gekommen,  so  ist  dieses  grundfalsch, 
indem  ich,  prof.  Schmid,  Brugger  und  Vielleicht  andere  gar 
nichts  davon  wissen:  die  ruhe  der  facultät  und  Universität  wird 
hergestellt,  wenn  Eure  Excellenz,  dann  andere  höhere  Ministores 
diesen  berüchtigen  Chicaneur  kein  Gehör  mehr  geben  werden: 
er  Verdient  einen  Verweis,  indem  er  während  Collegienzeit  fort- 
gereisst  inconsulto  Facultate  et  universitate  und  noch  überdiess 
ursach  ist,  dass  kein  Professor  der  Juristen  Facultät  mehr  im 
Collegio  fortfahren  könne,  indem  sich  die  Auditorii  auf  Prof.- 
Weishaupt  und  sein  Zettel  |:  welchen  er  an  das  Auditorio  an- 
geschlagen mit  bedeuten  des  24.  Apr.  erst  fortfahren  zu  wollen:! 
ausreden  und  deswegen  auch  in  keine  andere  Collegii  erscheinen 
wollen.  Doch  bitte,  weil  ich  als  Collega  mit  diesem  Ruhestörer 
leben  muss,  bey  etwaig  Vorwerfung  meines  Nahmens  zu  Ver- 
schweigen. 

Euer  Excellenz  unterth.  gehors. 

J.  Weinbach,  professor  Rector. 

Fasst  man  die  wiedei-gegebenen  Briefe  zusammen  und  ver- 
gleicht sie  mit  den  weiteren  Briefen  Weishaupts  an  Lori,  so 
ei^bt  sich,  dass  jetzt  in  allen  ihren  Einzelheiten  zwar  nicht 
mehr  ergründbare  wichtige  Ursachen  Weishaupt  veranlassten, 
einen  kräftigen  Schlag  in  der  Zeit  vom  15. — 24.  April  auszuführen, 
der  die  bisherige  feindliche  Stimmung  gegen  ihn  ganz  besonders 
gesteigert  haben  muss.  Ickstatt,  welcher  am  22.  April  (Weis- 
haupt war  noch  nicht  zurückgekehrt  aus  München)  an  Lori 
dessen  Zettel-Anschlag  mitteilt,  sagt  von  ihm  in  noch  nicht  allzu 
gereiztem  Tone  in  demselben  Brief:  »Dieser  Mensch  wird  un- 
dankbar, unverträglich,  schlägt  sich  völlig  auf  die  Stattlersche 
Parthey«,  —  versteigt  sich  jedoch  drei  Tage  später  zu  dem  be- 
kannt gegebenen  kräftigen  Brief  vom  25.  April  (s.  S.  42).  Sicher 
hatte  der  zurückgekehrte  Weishaupt  inzwischen  von  seinen 
Reise-Ergebnissen  nach  München,  die  für  ihn  günstig  ver- 
laufen sein  müssen,  nicht  geschwiegen  und  den  Zorn  Ickstatts 
mächtig  heraufbeschworen,  dass  es  sich  um  RhormüUer  dabei 
handelte,  geht  deutlich  aus  den  Verwahrungen  im  genannten 
Brief  an  Lori  hervor.  Es  wird  von  dessen  Anstellung  weiterhin 
auch  nicht  mehr  gesprochen.  Ebenfalls  werden  Weishaupts 
Klagen  über  die  Trägheit  Weinbachs  von  Erfolg  gewesen  sein, 
die  er  wahrscheinlich  dem  Kurfürsten  persönlich  vorgetragen 
hat,  wie  aus  einer  Stelle    seiner  späteren   Briefe   geschlossen 


—     46     — 

werden  kaini.    Allerdings  war  die  Wirkung  dieser  Klage   eine 
ilim  unvermutete,  wie  wir  sehen  werden. 

Bevor  weitere  Briefe  veröflentlieht  werden,  erinnern  wir  noch- 
mals daran,  dass  der  hierbei  leitende  Zweck  der  ist,  den  Leser 
durch  dieses  Material  selbst  in  den  Stand  zu  setzen,  sich  ein 
Ihieil  zu  bilden,  ob  Weishaupt  mit  Recht  beschuldigt  werden 
kann,  intoige  seines  Ehrgeizes  bemüht  gewesen  zu  sein,  alle  er- 
reichbaren Ämter  an  sich  zu  reissen.  Es  ist  die  Frage  zu  beant- 
worten: Ist  Weishaupt  heri^chsücblig,  nur  allein  für  sicli  inter 
essierl,  ein  Inlriguant  für  seine  Zwecke,  kurz  ein  missratener 
Charakter,  nis  der  er  oft  hingestellt  wird?  Muss  der  Leser  eine 
solche  Ansiclit  unbedingt  gewinnen,  so  lasst  selbstverständlich 
diese  füi*  die  Zwecke  der  Ordejisbegründung  recht  ungünstige 
Schlüsse  zu.  Die  näheren  Umstände  bis  zum  1.  Mai  177t>  da* 
her  genau  kennen  zu  lernen,  soweit  das  heutzutage  noch  möglich 
ist,  düHte  für  ein  gerechtes  Urteil  unerlässlich  sein,  mag  auch 
unserer  heutigen  Zeit,  diese  Professorenstreiterei  selbst  kleinlieh 
vorkommen.  Den  dtimals  Lebenden  erschien  sie  nicht  so  und 
vielen  jetzt  Lebenden  auch  nicht,  sonst  würden  diese  Umstände 
nicht  noch  heute  dazu  dienen  müssen,  durch  Schrift  und  WoH 
als  Beweise  dei-  Chai'aklerunlauterkeit  des  Ordensstifters  heran- 
gezogen zu  werden. 

Am  12,  Mai  1775  schreibt  Weishaupt  an  Loi'i  folgenden 
Brief: 

Hocinvohlgeborener,  Hochgebietender  Herr  Geheimer  Hat! 

Gestern  den  Uten  Currentis  ist  mir  ein,  in  der  aufschrift 
im  Decan  ujid  facullal  gerichteter,  erbrochener  Chuifürstlicher 
gnädigster  Befehl  zu  Händen  gekommen,  in  welchem  mir  ad 
Interim  die  letzten  Inslituticuien  mit  beybehaltung  der  Vorge- 
schriebenen tage  und  stunden  outgetragen  wird,  ich  habe  mich 
so  wie  ich  es  gestehen  Mus  aus  blossem  Patriotismus  Sr.  Chur- 
fürstlichen  DurehL  selbst  erbotten  in  dessen  die  Institutionen 
statt  des  Herrn  von  Weinbach  zu  suppliciren  und  Höchstdie^ 
selben  haben  sich  daliin  geäussert,  dass  ich  ohnehin  sclion  mit 
Collegien  Überladen  wäre  und  das  sie  mich  davon  entübrigen 
wullten.*')  da  ich  nun  Von  der  gnädigsten  Gesinnung  schon 
Versichert  hin,  so  Mus  icti  mich  höchstens  Verwundern,  das  ich 


•)  Hieraus  scheint  hervorxuffehen ,  dass  er  diese  Äusserungen  während 
seines  zweiten  Aufenthaltes  in  MQnchen  in  Audien?.  erhallen  hat. 


—     47     — 

lebst  meinen  schon  3  aufhebenden  C^ollegiis  noch  soll  \'erbundeii 
werden,  in  der  heissesten  Jahreszeit,  nachdem  ich  auch  Vor- 
mittags  schon  2  stunden  heisei^  geschrieen  über  2  Verschiedene 
Fächer  2  nach  einander  folgende  stunden  hindui-cli  nller  Ki'äfte 
zu  berauben.    Icti  Mus  eure  Excellenz  offenherzig  gestehen,  dass 

^dieses  mir  einmahl  unmöglich  ist,  und  dass  icli  bey  meiner  nicht 
starken  Leibes  Cornplcxion   meinen  Tod  und  untei^nng  finden 

[Müsse.  Wenn  ich  Patriotisch  hin  wuj'um  soll  mich  dann 
ilches   wo  keine  Schuldigkeit    Vorhanden    ist   zu  frühzeitig  in 

"die  Grube  hffern* 


■  Dass  es   Weishaupt    mit    seiner   Ablehimng   dieser    neuen 

Arbeitsbelastung  ernst  war,  geht  aus  diesem  Sehreiben  un- 
zweifelhaft henor,  andernfalls  halte  er  kaum  so  derb  schreiben 

ikönnen.  Er  niuss  sich  auch  gegen  seine  Kotlegen  darüber  ge- 
iussert  haben,  denn  am  15.  Mai  1775,  drei  Tage  nach  Abfassung 
seines  Protestes^  schreibt  Professor  SutoFan  Loi^i: 


Ich  nehme  mir  die  Freiheil    Eure   Excellenz  um  Ihre  gna- 
ligste  Patronanz  gehorsamst  zu  ersuchen.    Herr  Prof.  Weisliaupt 

hat  Vermöge  eines  gnädigsten  Rescriptes  den  Auftrag  erhalten 

itatt   des    Prof.   Weinbach    die    Institutionen    ganz   auszulesen, 

allein   da   derselbe  die  Auslesung   dieses  Collegiums   als  seiner* 

iesundheit  nachteiUg  betrachtet  und  selbes  bereits  verbitten  hal, 

nfteriere  ich  mich  dieser  Arbeit  zu  unlerzielien.  ~ 


Die  Entziehung  dieses  Teiles  der  Lehrtätigkeit  Weinbachs, 

der  damals  Rektor  war,  dürfte  Ickstatt  als  dessen  Onkel  jeden- 
JqUs  stark  gegen  Weishaupt  beeinflusst  haben,  dessen  Tätigkeit 
in  München  dieses  Ereignis  doch  jedenfalls  zuzuschreiben  ist, 
nicht  aber  kann  behauptet  werden,  dass  er  nur  an  sich  denkend 
in  seinem  Interesse  gehandelt  liabe  und  nicht  wirklich  in  dem 
des  Universitätsrufes,  — 

i  Weishaupts  Protest,  die  Institutionen  zu  übernehmeu, 
nützte  nichts,  er  erhielt  einfach  den  Befehl,  mit  den  Vorlesungen 

tzu  beginnen  und  fügte  sich  wohl  oder  übel,  allerdings  nur  mit  dem 

ersuchen,    ihm  dann  wenigstens  eine  Gehaltsaufhessei-ung  zu- 

zuwenden.    Er  erhielt  bis  zu  dieser  Zeit  900  fl.  Gehalt.     Dieses 

kVerlangen  ist  ihm  von  neueren  Forschern  stark  verübeil  worden. 


—     48     — 

ob  mit  Recht;  wird  der  Leser  selbst  entscheiden,  je  nach  seinert 

praktischen  oder  ideelleren  Grundsätzen. 

Der  BT'ief,  welcbei*  hierüber  Anfschluss  gibt,  Inuletl 

Hochwohlgeborener,  Hoehgebietender  Heri^  Geheimer  Bath. 

Euer  Fxeellenz  Gnädige  Zuschrift  \oni  15.  Currenti  habe  ich 
richtig  erholten  und  aus  solcher  so  Weit  Verstanden  das  ich  i 
mit  Lesung  der  Instilutionen  den  onTeng  machen  sali  Von  ■ 
Meiner  Seite  kann  ich  Kner  KxcelJenz  melden,  dass  ich  meinem 
Vaterijind  zu  dienen  die  bereitwilligste  Arlh  habe  und  doss  ich 
also  dieses  amt,  so  schwer  es  mich  auch  ynknmmt  ertragen 
Will  Wenn  ich  nur  sehe  dass  der  Staat  für  meinen  Unter- 
halt und  Tür  meine  Ehre  auch  besorgt  ist  und  dass  Mann  mich 
nicht  vor  Allen  andern  blos  allein  zum  J« ichziehen  ausersehen. 
ibi  Patria  est  ubi  bene  est.  Wenn  ich  3  oder  6  «Professoren 
Versehe ,  so  glaube  ich ,  dass  ich  mehr  nachsieht  und 
billigkeit  Verdiene,  als  solche  1  weil  sie  für  das  Vaterland 
fanllenzen.  es  ist  wahr  ich  hab  mich  angebotten  aber  auf  den 
Fall  wenn  gar  nicht  anders  mehr  zu  hoften,  ich  t'ordei^  nur 
Billigkeit  und  wo  ich  diese  sehe,  dann  bin  ich  gewiss  auch  billig, 
ich  wollte  jemünd,  wer  er  imnver  ist,  in  meine  stelle  setzen 
und  dann  sehen  ob  ich  nicht  ursach  mich  zu  beschweren  habe. 
Weini  ich  mich  zu  Vielen  anerbiete,  so  zeige  icli  meinen  Dienst- 
eifer* und  meine  Liebe  zum  \jiterland  aber  dieses  alles  hat  mir 
eben  so  wenig  grund,  als  wenn  ich  weniger  davon  besasse. 
ich  habe  noch  niemahlen  gehört,  dass  man  mich  nur  Von  der 
Classe  anderer,  worin  meine  Mitarbeiter,  unterschieden,  noch 
Viel  wenigei*  Von  4facher  last  etwas  mehr  Vortheil  zugestanden. 
(F'olgt  Nebensächliches,  dann):  unterdessen  wenn  es  unter  100  tt* 
wäre  glaube  ich  das  nicht  zu  stark  bezahlt.  Wenn  ich  es 
weniger  Verstehen  und  erfahrenei'e  Kräfte  hatte,  so  würde  ich 
es  umsonst  thun.  Wollte  man  mir  die  gratis  Sportein  des 
Herrn  von  Weinbach  vor  dieses  Schuljahr  anweisen,  so  wäre 
ich  woll  zufrieden.  Ich  bin  Übrigens  mit  aller  tiefster  Hoch- 
achtung 

Euer  Excellenz 

gehorsamster  ergebenster 
Ingolstadt  d.  17.  May  A.  Weishaupt, 

1775.  Professor. 


Ob  nun  seiner  Bitte  um  Gehaltserhöhung  nachgekommen 
[worden,  ist  nicht  bekannt;  bis  zu  seiner  Entlassung  im  Jahre  1785 
[jist  er  jedoch  bis  zu  1000  fl.  Gehalt  aufgestiegen.  WahrscheinHch 
pst»  dass  er  ziemhch  lange  auf  eine  Gehaltszulage  warten  musste, 
vielleicht  hat  Ickstatt  die  inzwischen  entstandene  Abneigung 
gegen  sein  Potenkind  durch  die  Hinziehung  dieser  Angelegen- 
heit bekundet  und  dadurch  Weishoupt  veranlasst,  immer 
schärfer  sich  über  ihn  zu  äussern.  Jedenfalls  gab  es  für  Weis- 
haupt eine  Menge  Dinge,  die  ihn  in  grosse  Erregung  versetzten. 
Prantl  sagt  z,  B.  hierüber  in  seiner  Geschichte  der  Ludwig 
Maximilian-Universilät,  Band  I,  S.  673  ff,:  »Infolge  seiner  frei- 
sinnigen Richtung  hotte  er  in  Bälde  durch  verschiedene  Angriffe 
zu  leiden  und  so  äusserte  er  sich  im  Jahre  1775  bei  Gelegen- 
heit der  Frage  über  die  Promotions-Gebüliren  des  Vizekanzlers 
in  einem  Fakultätsberichte  sehr  scharf  über  die  Verleumdungen, 
welchen  man  ausgesetzt  sei,  wenn  in  den  Vorlesungen  oder 
Disputationen  die  Rede  auf  das  übermütige  Vorgehen  der 
Päpste  gegen  die  Kaiser,  auf  Investitur,  auf  den  westfälischen 
Frieden  und  dei^leichen  komme;  er  selbst  habe  gegen  manche 
Missbräuche  gesprochen,  sei  aber  in  den  theoretischen  Grund- 
Sätzen  stets  dem  Rautenstrauch  getreu  geblieben,  welcher  in 
Österreich  in  hohem  Ansehen  stehe:  allerdings  werde  man  nicht 

kjebenso  wie  dort  auch  in  Ingolstadt  geschützt,  sondern  sei  dem 

Lufpasser   und  Jeder  Verketzerung  preisgegeben;   vor  Verdruss 

und  ÄiTger  sei  er  bereits  krank  geworden  und  sonach  wünsche 

er,  entweder  überhaupt  von  den  Vorlesungen  über  Kirchen-  und 

I Natur-Recht  enthoben  zu  werden,  damit  er  nicht  noch  ferner 
idie  Jugend  verführe,  oder  genaue  Verhaltungs-Befehle  zu  be- 
kommen,« —  Nach  Prantl  ist  anscheinend  nichts  hierauf  er- 
folgt, sondern  erst  im  Jahre  1777  wurde  er  beauftragt,  Natur- 
recht nach  Feder  als  Anhang  zur  praktischen  Philosophie  zu 
lesen. 

Zur  weiteren  Klarstellung  des  Charakters  Weishoupts  ist 
es  notwendig,  auf  die  Angaben  Weinbachs  und  Ickstatts  einzu- 
gehen, welche  den  Voi'w^uri'  enthalten,  dass  Weishaupt  sich  zu 
der  StotUer* sehen  Partei  hingewandt  haben  soll    Aus  diesen  Be- 

Kerkungen  ist  geschlossen  worden,  dass  er  es  mit  seiner  Gegner- 
hafl  wider  die  Jesuiten  nicht  ernst  gemeint  haben  könne,  weil 
Stattler  exjesuitischer  Professor  gewesen,  demnach  unmöglich 
aus  diesem  Grunde  dessen  Freund  sein  durfte.  —  Wir  müssen 
hier  etwas  verweilen. 

CBf«l,  GctcbicbU  dffs  niomiAAteiiiiirdeDS.  ^ 


so 


Benedict  Stattler*)»  nicht  zu  verwechseln  mit  Daniel  Stadler, 
dem  einstigen  Instruktor  und  Beichtvater  des  damaligen  Kron- 
und  Kurprinzen  Max  Joseph,  ist  geboren  am  30.  Januar  1728 
zu  Kötzing  im  bayrischen  Walde,  gestorben  am  21.  August  1797 
zu  Mönchen.  Derselbe  trat  am  17.  September  1745  in  den 
Jesuitenorden,  wurde  1759  zum  Priester  geweiht  und  legte  am 
2.  Februar  1763  die  feierlichen  Ordensgelübde  ab,  wurde  1773 
erster  Professor  der  Dogmatik  an  der  Universität  zu  Ingolstadt 
Er  behielt  diese  Professur  bis  1781. 

Slattle!"  war  ohne  Zweifel  einer  der  hervorragendsten  Pro* 
fessoren,  jedenfalls  der  bedeutendste  der  Theotogen,  die  damals 
in  Ingolstadt  lehrten.  Er  war  sich  aber  seiner  Überlegenheit 
über  die  meisten  seiner  Kollegen  wohl  bewusst,  dabei  recht- 
haberisch, herrisch  und  geriet  darum  in  viele  Streiiigkeiten  auch 
mit  anderen  Mitgliedern  der  theologischen  Fakultät,  in  der  er 
nach  1773  der  einzige  Exjesuit  war,  w^älirend  die  übrigen  aus 
anderen  Orden  oder  Weltgcistliche  waren. 

Im  Jahre  1775  ernannte  ihn  der  Biscliof  von  Eichstadt  als 
Kanzler  der  Universität  a'uch  zum  Prokanzler.  Der  Kurfürst 
bestritt  anfangs  zwar  dem  Bischof  das  Recht,  einseitig  den  Pro- 
kanzlej'  zu  ernennen,  erkannte  aber  schliesslich  die  Ernennung 
an. 

Stauler  hat  zahlreiche  wissenschöftliche,  namentlich  theo- 
togische  Werke  veröiTentlicht,  die  ihm  in  Wien  und  München 
Preise  eingetragen  hoben  und  aus  denen  hervorgeht,  dass  seine 
Ansichten  sich  weit  von  denen  der  herkömmlichen  jesuitischen 
und  kurialistischen  entfernten:  so  z*  B.  lehrte  er,  dass  die  Fürsten 
bezüglicli  ihrer  rein  politischen  Gewalt  vom  Papste  nicht  ab- 
hängig seien,  die  Immunität  der  Geistlichen  nicht  auf  göttlichem 
Recht,  sondern  auf  einer  Konzession  der  Fürsten  beruhe;  der 
Fürst  Bedingungen  für  die  Gültigkeit  der  Eheabschliessungen 
und  trennenden  Ehehindernisse  aufstellen  könne  und  die 
Kirche  eine  nacli  staatlichem  Recht  ungültige  Ehe  nicht  gültig 
erklären  kann. 

\*ergleichen  wir  mit  diesen  historisch  unangreifbaren  Tal- 
sachen einige  der  bereits  bekannt  gegebenen  Briefe  (S.  41 
und  42),  so   wird   die   Sachlage   bald   klar.  —  Statt  1er  ist  dem 


*)  Nachfolgende  Angrahen   finden  sich   »Allgemeine  Deutsche  Biographie^ 
auf  Veranlassung   S.  M*   des  Königs  von  Bayern    durch   die  historische  Koro 
mission  der  kgl.  Akademie  der  Wissenschaften*,  Leipzig,  1893,  Bd.  S5, 
SUittler 


t^ 


,  Artikel   i 


—    51    — 

jh  Geistesfreiheit  ringenden  Weishaupt  ein  freier  als  alle 
anderen  Theologen  denkender  Kopf,  das  musste  ihm  wenigstens 
anfanglich  bis  zum  Jahre  1775  sympathisch  sein,  denn  Stattler 
veröfTentlichte  diejenigen  Schriften,  die  Weishaupt  veranlassten, 
sein  besonderer  Gegner  zu  werden,  erst  später.  —  Weishaupt 
gibt  nun  in  dem  Briefe  vom  7.  Januar  1775,  der  bereits  teilweise 
im  Wortlaut  (s.  S.  36/37)  wiedergegeben  ist,  folgendes  im  Anschlüsse 
an  dem  dortigen  Inhalte  an: 

2.  was  die  übrigen  Professoren  betrifft,  so  bitte  ich  Eure 
Excellenz  uns  mit  neuen  Mönchen  Professoribus  zu  versctionen, 
denn  gegenwärtig  schon  amtlich  angestellte  sind  so  Ambitiös 
und  Intriguant  als  jemelilen  ein  Jesuit  seyn  kann.  — 

Sollt  ich  einmalil  die  gnad  haben  Eure  Excellenz  zu 
sprechen^  so  will  icli  hochdeiiselben  vorher  Manchen  Streich  be- 
richten. Niemahlen  sollte  man  es  glauben,  das  solche  Kerls 
unter  den  Kutten  eines  Mönchs  stecken  könnten,  besonders 
nehmt  sich  Prof  Steigenberger  sehr  stark  um  Titl  und  ämter 
an,  thut  aber  doch  sehr  wenig,  ich  finde  es  wäre  gut  die  Je- 
suiten nicht  gänzlicli  auf  der  Universität  abgehen  zu 
lassen,  denn  sie  sind  die  einzigen,  die  den  Prälaten, 
K|o|tern  und  Mönchen  Dominirent  entgegen  stehen. 

^m  Da  wir  wissen,  dass  anno  1775  Staltler  an  der  Universität 
^Br  einzige*)  Exjesuit  war  und  dass  er  als  Theologe  hoch- 
bedeutend,  so  ist,  wie  ein  Abwägen  des  letzten  Briefes  und  der 
Anschuldigungen  Ickstatts  und  Weinbachs  eingibt,  Weishaupt 
seinen  gegen  I.ori  ausgesprochenen  Ansichten  nur  getreu,  wemi 
er  den  einzigen  an  der  Universität  noch  angestellten  Exjesuiten 
Stattler  unterstützt.  Ob  er,  bei  aller  Möglichkeit  des  diesbezüg- 
lichen Wunsches,  in  der  Lage  gewesen  wäre,  das  Prokanzellariat 
zuzuschanzen,  wie  Weinbach  behauptet,  erscheint  deshalb  sehr 
fraglich,  weil  der  Bischof  von  Eichstädt  und  der  Kurfürst  dar- 
über zu  entscheiden  halten,  auf  beide  jedoch  in  dieser  Hinsicht 
Weishaupt  kaum  irgend  welchen  Einfluss  haben  konnte.  —  Nur 
Gründe  sachlicher  Natur  können  Weishaupt  im  Interesse  der 
Universität  zur  Annäherung  an  Stattler  veranlasst  haben,  wenig- 
stens lässt  der  Briefwechsel  diese  Schlussfolgerung  recht  wohl 


•)  S.  Prantl.  Seite  661. 


—    52    - 


zu.  Bedenkt  man  ferner,  dass  spater  eine  allbekannte  Gegne 
Schaft  zwischen  Weishaupt  und  Stattler  entstand,  begründ 
durch  ihre  verschiedenen  theologischen  Ansichten,  so  ist  nich! 
recht  einzusehen,  wieso  die  im  Jahre  1775  bew^iesene  freun 
schaflliche  Gesinnung  Weishaupts  als  Beweis  der  Unzuverläss 
keit  seines  Charakters  heute  noch  angesehen  werden  kann. 
Wir  wollen  hier  einschalten,  dass  Stattler,  gereizt  durch  du 
Gegnerschaft  Weishau j>ts,  nachdem  die  Verfolgung  der  Ulum 
naten  in  Bayern  ausgebrochen  war,  als  Entgell  eine  bissij 
Broschüre  anonym  herausgab,  betitelt:  »Das  Geheimnis  der  Bos-^ 
heit  des  Stifters  des  llluminatism^s  in  Bayern,  zur  Warnung 
der  Unvorsichtigen  hell  aufgedeckt  von  einem  seiner  alten  Kenne! 
und  Freunde,* 

Es  ist  bekannt,  dass  diese  Schrift  von  Stattler  herrührt.  -^ 
Einen  besonderen  Punkt  haben  wir  nochmals  zu  berühren: 
nämlich  die  so  oft  hervoi^gehobene  Undankbarkeit  Weishaupta 
gegen  Ickstatt,  die  seit  einer  Bemerkung  Kluckhohns  in  seinem 
Werke  »Der  Freiherr  von  IckstatU  wiederholt  als  Beweis  on 
geführt  wird,  Weishaupt  soll  im  Oktober  1774  Ickstatt  einen, 
eigennützigen  und  kindischen  Menschen  genannt  und  von  seinem 
so  berühmten  Nepotismus  in  einem  Briefe  an  Lori  geschrieben 
haben.  —  Das  Original  dieses  Briefes  aufzufinden  ist  dem 
Schreiber  dieses  bisher  noch  nicht  gelungen.  Es  ist  nicht  za 
zweifeln,  dass  ein  solcher  Brief  vorhanden  ist,  ei*  wird  jedoch 
nicht  vom  Archiv  ausgeliefert;  in  dem  Aktenfascikel  der  Reihe 
der  Briefe  an  Lori  befindet  er  sich  nicht,  wenigstens  nicht  mehr, 
es  liegen  daher  unbekannte  Gründe  vor,  diesen  Brief  nicht  wie 
das  übrige  Material  allgemein  zugänglich  zu  machen.  Auch 
scheint  es,  dass  das  Jahr  1774  nicht  richtig  ist,  denn  in  diesem 
Jaljre  ist  ein  offenbarer  Bruch  zwischen  beiden  Männern  nicht 
ersichtlicli,  WT>hl  aber  haben  die  Ereignisse  des  Jahres  1775 
einen  solchen  bewirkt.  Erstens  der  Fall  Rohrmülter  und  weiter 
die  nachfolgende  Angelegenheit:  ■ 

Im  November  1775  war  dem  Kandidat  beider  Rechte,  Ernst 
Christoph  Henninger  aus  Württembeig  das  consilium  abeundi 
von  Ickstatt  zugeteilt  worden,  infolgedessen  schrieb  dieser  demfl 
TJniversitäts- Justiz-Kollegium  zu  Ingolslodt,  am  15-  November  1775, 
dass  dieses  consilium  abeundi  ihn  in  den  Augen  der  Leute  zum 
Verbrecher  mache  und  ihm  die  ganze  Zeit  seines  Lebens  schäd- 
lich sein  müsse.  Da  er  aber  keines  Verbrechens  angeklagt, 
vielweniger     darüber     vernommen,     am     allenvenigsten     aber 


—    53     — 

!esselben    überfuhrt    worden  sei,  so  sehe  er  sich  genötigt,  das 

"^Universitäts-KoUegiiim  anzugehen,  seine  Ankläger  in  specie  den 

Herrn    Geheimrat    Boron  v.  Ickstatt   zu  provozieren   und  so  sie 

licht   erscheinen   oder  Uire  Klage   nicht  rechtlich  zu  beweisen 

'imstande  sind,  um  einen  Freisprucli  und  atteslat  zu  bitten. 

Dieser  Angelegenheit  schlössen  sich  mit  schriftlichen  Gut- 
achten   die   Professoren   Pragger,    Sutor,    Schmidt,   Siardi   und 
Weishaupt     an.      Weishaupt     schrieb     in     seinem    Gutachten 
(s.   No.  20  d.  Ijppertschen  Akten),   dass  Henninger   ein    Hecht 
_habe  auf  Ablieferung  der  ihm  gemacliten  Bescliuldigungen^  die 
Bich  auf  Narreta  gründen,  so  an  Serenissimus  berichtet  worden. 
Venn  eine  blosse  Anklage,  ohne  Frhehung  der  Umstände  hin- 
[länglich    sei,    gleich    ohne    Grund    das    consiliuni    abeundi    zu 
[sprechen,  so  ist  der  ehrlichste  Mensch  nicht  vor  Landes 
V'errufung  sicher     Er  sagt  dann  ^vörtlich: 

»Vielleicht  sind  Ihro  Excel  lenz  Herr  Baron  vJckstatl  aucli  falsch 
berichtet  worden,  und  ich  kann  mich  an  die  Stelle  des  Herrn  Hen- 
ningers um  so  mehr  setzeti,  als  ich  Selbsten  auch  von  Sr  Excellenz 
in  München  als  ein  Heligionsspötter,  Verächter  der  Geistlichkeit 
und  Verderben  junger  Leute  angeklagt  w^orden.  Wenn  nun 
gegen  mich  auch  ein  dergleichen  Befehl  gangen  wäi'e  sollte  ich 

^wohl  dazu  gesclnviegen  haben,  es  wäre  gut  wenn  durch  gesetz- 
lässige  erhebung  eines  facti  Se*  Excellenz  einmal  Informiert 
wurden,  das  man  bey  demselben  ehrliclie  Leute  zu  Verläumden 
sucht,  sollte  man  bey  diesem  Fall  neue  Gelegenheit  nehmen 
sn  micli  zu  hehaubten,  das  ich  lüderliche  unterstütze  so  kann 
Ich   doch   nicht  andei-s  denken  und   sprechen,   so  bald  ein  (un- 

"leserlich)  als  lüderlich  bekannt  ist  so  unterstütze  ich  ihn  gewiss 
nicht  mehr,  so  lange  aber  solches  nicht  geschehen  ist,  kann  ich 
nicht,  es  mag  seyn  wie  es  immer  wilLc 


Es  ist  wT>h!  jedem  einleuchtend,  dass  einem  Professor  der 
lechte  ein  ohne  ei^sichtlichen  Grund  und  Beweis  verhöngles  con- 
lilium  abeundi,  als  mit  der  Würde  der  Universität  unvereinbar 
erscheinen  muss,  gleichviel  ob  der,  der  es  verhängt,  der  Pathe 
ind  leilweiser  Wohltäter  dieses  Professors  ist.  —  Es  liegt  an- 
:heinend  zu  dem  Urteile,  das  Kluckhöhn  gelesen  haben  will, 
lach  ihm  aber  noch  kein  Forscher  wieder  in  Händen  ge- 
iaht liat,  um  auch  die  Begrün d uhj>  äu  erkennen,  die  Weishaupt 
reranlassten,   seinen  Pathen   Ickstatt   eigennützig   und  kindisch 


—     54     — 

zu  nennen,  recht  viel  Berechtigung  vor.  Dass  Ickstatl  sich 
jedoch  des  Nepotismus  schuldig  machte,  ist  bereits  längst  er 
wiesen    und    wird    auch   durch   Prantl    Seite  573   in    folgendeu 

Worten  bestätigt: 

Soweit  nun  wir  Epigonen  uns  aus  dem  Aktenstaube  einj 
gerechtes  Urteil  zu  bilden  versuchen  dürfen,  können  wir  alle^j 
dings  den  Ickstatt  von  einem  gewissen  Nepotismus  und  von 
Cieldsucht  nicht  freisprechen,  sowie  auch  sein  Benehmen 
häutig  schroff  und  hochfahreiid  gewesen  sein  mag,  aber  dabei] 
lag  ihm  doch  das  Wohl  der  Universität  und  des  ganzen  Landes] 
tief  am  Herzen.  —  —  — 

Dass    letzteres   auch    bei    Weishaupt    der    Fall    gewiesen,] 
dürfte  das  vorstehende  Material  ebenfalls  hinlänglich  bew^eisen. 


Die  Gründung  des  Ordens. 

Die    Gründung    des    Ordens    datiert     nach    den    Angaben' 
Weishaupts  vom  L  Mai  177Ck     In    seinem  Werke    »Pythagoras 
oder  Betrachtungen    über   die   geheime  Welt-    und   Regierungs- 
kunst* gibt  er  im  dritten  Abschnitt  dieses  Buches  sehr  genaue 
Auskunft.     Will  man  Weishaupt  gerecht  beurteilen,   so  muss- 
nian  seine  Behauptungen   und  Angaben  zunächst  kennen,   um 
dann  an  der  Hand  des   vorhandenen  Aktenmaterials  unter  Be- 
rücksichtigung der  historischen   Ereignisse  zu  untersuchen,  oh  ■ 
diesen  der  Glaube  gewährt  werden  kann,    den  Weishaupt  für 
sich   beanspruclu.     Es  ist  nötig,   den   ganzen   dritten  Abschnitt 
zur  Grundlage   weiterer  Untersuchungen    hier    anzugeben,   der- 
selbe lautet: 

Von  den  Absichten  der  ersten  Stifter  geheimer  Ver- 
bindungen. 
Die  Absichten   der    ersten    Stifter   sind    von    den    Zw^ecken 
ihrer  Gesellschaften  wohl  zu  unterscheiden.     Aus  solchen   lässt 
sich  mit  grosser  Genauigkeit   bestimmen,   ob  der  Zweck  ihrer j 
Gesellschaft    wahr   oder   bloss    vorgeblich    ist?     Üb   der    Stifter 
selbst  ein  Heuchler  oder  Betrüger  gewesen?    Ob  die  Gesellschaft 
sich  in   der  Folge  von   ihren   ersten  Grundsätzen   entfernt 


—     55     — 

^ich  die  Gesellschaft  verbessert  oder  versclilimmert  hat?  Es 
fragt  sich  also  nicht  allein,  welchen  Zweck  eine  geheime  Ver- 
bindung hat;  es  frogt  sich  noch  überdies,  was  den  ersten  Stifter 
bewogen  höbe,  seiner  Gesellschaft  diesen  und  keinen  anderen 
Zweck  zu  geben?  Was  er  durch  die  Erreichung  solcher  Zwecke 
gesucht  habe?  Es  fragt  sich,  ob  seine  Ansichten  rein  oder 
eigennützig  gewesen?  Diese  Absichten  verraten  sich  aus  dem 
Stand,   Charakter,   Lebensart,    Bedürfnissen    und   Umgang  des 

, Stifters,   nicht  weniger  aus   den    übrigen  Umstanden,   Zeit  und 


Adam  Weifihaupt 

ti»ch  viticm  im  OrdcDUrchi^  be^ndlicben  aJtea  Kuptemkb. 


Ort,  selbst  aus  vielen  ursprünglichen  Einrichtungen,  welche  der 
Urheber  nichl  ohne  Ursache  getroften  hat.  Wenn  diese  Um* 
Stande  genau  envogen  und  gehörig  unter  einander  verglichen 
Verden,  so  kann  die  wahre  Absicht  einer  solchen  Handlung 
unmöglich  verbot^gen  bleiben. 

Die  öffentliche  Welt,  welche  hinter  jedem  Geheimnis  nur 
Ai^list,  Bosheit  und  Betrug  vermutet,  schreibt  ein  solches 
Unternehmen  gewöhnlich  dem  Ehrgeize  zu,  der  Begierde,  sich 
jinen  Anhang  und  grösseren  Einfluss  zu  verschaffen. 

im  ganzen  und  allgemeinen  nach  dem  zu  urteilen,  w^as 
am  häutigsten  geschieht,  mag  dies  Urtheil  sein*  begründet  sein: 


-    56    - 

denn  die  Erfalirung  hat  Well  und  Mensclien  klug  gemachl, 
indem  sie  lehrt,  dass  jede  Anstalt  zehnmal  missbraiicht  wird, 
bis  sie  einmal  zum  Guten  benutzt  wird.  Doch  sind  auch  hier, 
wie  in  allen  übrigen  Fällen,  billige  und  gerechte  Ausnahmen 
zu  machen.  Man  würde  sich  z.  B-  sehr  irren,  wenn  man  glauben 
wollte,  dass  alle  diese  geheimen  Verbindungen,  sclion  bei  ihrem 
ersten  Entstehen,  nach  so  grossen  und  weit  aussehenden  Plänen 
entwoifen  werden. 

Viele  derselben  haben  sehr  kleine,  unbedeutende  Ve 
lassungen;  manche  sind  auf  weiter  nichts  als  Zeitvertreib  u 
Unterhohung  abgeselien,  oder  sie  entstehen,  wenn  es  hoch 
kommt,  um  einem  temporaren  oder  lokalen  Bedürfnis  abzu- 
helfen; sie  würden  mit  diesem  aufhören,  wenn  sie  nicht  durch 
die  Gewohnlieit  erhalten  würden.  Erst  in  der  Folge  bemerkt 
ein  oder  der  andere,  dass  sich  eine  solche  Einrichtung,  da  nun 
einmal  die  Sache  so  weit  im  Gange  ist,  zu  allgemeinern,  forl- 
dauernden und  reellen  Zwecken  benutzen  Messe.  Der  politische 
oder  religiöse  Druck  sind  wolil  bei  edleren  Seelen  die  natür- 
lichste Veranlassung,  welche  das  Bedürfnis  nach  solchen  An- 
stalten erwecken.  Von  einer  anderen  Seite  sind  der  Eigen- 
dünkel, die  Heri^chsucht,  die  Unzufriedenheit  mit  schon  vor- 
handenen älteren  Gesellschaften,  die  Begierde,  seine  Einfälle 
geltend  zu  machen,  die  Ursaclie,  dass  sich  einige  von  älteren 
Gesellschaften  absondern,,  um  nach  iliren  Ideen  ein  neues  und 
besseres  Reich  zu  gründen.  So  ist  die  Freimaurerei  die  ge- 
meinschaftliche Stammmutter  der  meisten  heutigen  geheimen 
Gesellschaften,  Die  meisten  Stifter  der  heutigen  Orden  sind 
Apostaten,  ausgeschlossene,  misshandclte  oder  nicht  befriedigte 
Mitglieder  dieser  Gesellschaft.  Diese  haben  in  dieser  Schule 
einsehen  gelernt,  dass  sich  auf  diesem  Wege  noch  ungleich 
mehr  tun  Hesse,  wie  sehr  sich  der  Hang  der  Menschen  nach 
Geheimnissen  zur  Ausführung  und  Erreichung  anderer  Zwecke 
benutzen  liesse.  Solche  Aussichten  ermuntern  und  reizen  die 
Thätigkeit  unternehmender  Menschen,  und  die  anscheinende 
Leichtigkeit  macht,  das  sich  jeder  über  alle  Schwierigkeiten 
hinwegsetzt. 

Auch  ich  war  der  Stifter  einer  geheimen,  verfallenen  und 
nun  öiTentlich  bekannt  gewordenen  Gesellschaft,  Diese  Gesell- 
schafi,  in  deren  Geist  sich  die  wenigsten  meiner  Mitarbeiter 
hihein  gedacht  haben,  welche  der  grössere  Theil  der  Menschen 
mit  Verachtung  und  Gleichgültigkeit  betrachtet,  ist  von  anderen 


I 


57 


l>is  zur  Üliertreibung  verlästert  worden.  Keine  Absicht  ist  sd 
schändlich,  welche  man  mir,  ihrem  Stifter,  nicht  zur  Last  gelegt 
halte.  Ich  Imbe  darüber  olles  mögÜche  Ungemach  erfahren. 
Meine  Ehre,  meine  Ruhe,  mein  ganzes  zeitliches  Glück,  sind 
verloren;  sogar  meine  Sicherheit  und  mein  Leben,  sind  mehr 
als  einmal  in  Cieiahr  geraten.  Ich  habe  so  viel  möglich  ge- 
duldet und  geschwiegen,  und  die  Gelegenheit  erwartet,  w^o  ich 
diese  Verleumdung  von  Grund  aus  untersuchen,  und  dieses 
Schreckensbild  in  seiner  Blosse  darstellen  kann.  Diese  Gelegen- 
heit ist  nun  vorhanden.  Ich  will  meinen  Lesern  beweisen,  dass 
ich  diese  Behandlung  nicht  verdiene.  Ich  w^ill  zu  diesem  Ende 
jeden  in  den  Stand  setzen,  sich  ganz  in  den  Geist  meiner  Ver- 
bindung zu  denken;  ich  will  mit  ihnen  diese  Verbindung  er- 
richten; ich  will  sie  mit  den  kleinsten  Umstanden  bekannt 
machen;  ich  will  es  sodann  ihrem  Urtheil  überlassen,  welche 
meine  Absichten  bei  der  Erreichung  dieser  Verbindung  mögen 
gewesen  sein,  ob  meine  Gegner  Recht  haben,  mich  als  Heuchler 
^d  Betrüger,  als  einen  Sittenverderber,  als  einen  Verführer  der 
id,  als  einen  der  Öffentlichen  Ruhe  so  gefahrlichen  Menschen 
ftstern  und  zu  verschreien?  —  Eine  so  oflenherzige  Dar- 
stellung wird,  wie  ich  hoffe,  viele  meiner  Leser  mit  dem  Gange 
und  der  Natur  dieser  Geschäfte,  besser  bekannt  machen,  als 
ganze  Bücher  von  allgemeinen  Regeln  und  Vorschriften.  Ich 
will  jedem,  der  nach  mir  dieses  Meer  noch  einmal  durchschiffen 
will,  die  Stellen  angeben,  wo  er  Gefahr  laufen  kann,  gleich  mir 

I  scheitern: 
Hotircux  celui,  qui  pour  devönir  sage 
Du  mal  d'aulrui  fait  son  appreniissage. 

Wie  sehr  wird  sich  niclit  Herr  H  .  .  .  ,,  ein  Protestant  aus 
H.,  er,  der  nie  ein  Mitglied  meiner  Gesellschaft  war,  w^undern, 
wenn  er  hier  liest,   dass  er,  ohne  es  zu  wissen,   derjenige  ist, 

t Icher  diesen  Gedanken  in  niir  veranlasste,  dass  er  folglich, 
entfernte  Ursache,  von  der  Entstehung  dieser  so  ver* 
«hrieenen  Gesellschaft  ist?  Ich  führe  diesen  Umstand  an,  um 
(  beweisen,  wie  sehr  mancher,  ohne  es  selbst  jemals  zu  er- 
hren,  durch  eine  Kleinigkeit,  durch  ein  Wort  zu  seiner  Zeit, 
das  auf  ein  empfängliches  Erdreich  lallt,  auf  die  übrige  Welt 
wirken  und  sehr  grosse  Eriblge  hervorbringen  kann.  Dies  sei 
allen  zum  Trost  gesagt,  welche  glauben,  dass  sie  in  ihrer  sehr 
eingeschränkten  Lage  ganz  ohne  Wirksamkeit  sind.  —  Dieser 
Mann   kiam  gegen   das  Ende  cies  Jahres  1774  nach  Ihgolstadt. 


—    58     — 


Vor  seiner  Ankunft  habe  ich  nie  etwas  von  dem  Dasein  ge- 
heinier  Verbindungen  gewusst,  ob  ich  gleich  nicht  leugne,  dass 
sich  durch  dos  anhaltende  Lesen  der  romischen  und  griechische« 
Geschichtsschreiber,  mein  Geist  vorher  gestimmt  hatte,  dass  ich 
se]ir  frühzeitig  einen  unwiderstehlichen  Hess  gegen  alle  Nieder- 
trächtigkeit und  Unterdrückung  gefühlt,  und  sehr  früh  geohndel 
habe,  wie  schwach  der  Mensch  ausser  der  Vereinigung  sei,  wie 
sehr  er  sich  im  Gegentheil  durch  die  Vereinigung  mit  anderen 
stärken  köime. 

Nach  der  sehr  richtigen  Bemerkung:  Uril  mature,  quod 
vult  Urtica  mauere,  habe  ich  zu  diesem  Ende  schon  in  meinen 
Sludienjahren,  einige  Versuche  gemacht,  um  das  Band  unter 
Menschen  zu  verstärken,  und  ihre  Kräfte  aus  der  Zerstreuung 
zu  sammeln.  Wenn  nun  jemand  die  dazumal  von  mir  ent- 
w^orfenen  lächerlichen  und  erbärmlichen  Statuten  späterhin  ge- 
funden, und  in  der  Absicht  zum  öffentlichen  Druck  befördert 
hätte,  um  mich  zu  beschämen,  und  dem  öffentlichen  Gelächter 
preiszugeben,  um  daraus  gegen  mich,  gegen  meine  gegenwär- 
tige Denkungsart  zu  beweisen,  was  würde  er  bewiesen  haben?  — 
Nichts  weiter,  als  dass  ich  in  diesen  Zeiten,  in  den  Jahren  1765 
und  1766  gedacht  habe,  wie  ein  unerfahrener  Jüngling  von 
18  Jahren,  der  mehr  guten  Willen,  als  nöthige  Kenntnisse  und 
Erfahrungen  hat,  sich  zu  einem  Geschäfte  anschickt,  welches 
er  nicht  versteht,  dem  er  auf  keine  Art  gewachsen  ist.  Wüi^e 
er  aber  auch  bewiesen  haben,  dass  ich  noch  ebenso  denke,  dass 
ich  seit  dem  Verlaufe  von  20  langen  Jahren,  um  gar  nichts 
besser  und  klüger  geworden?  —  und  doch  ist  dies  gerade  der 
Scliluss,  welchen  die  meisten  Leser  der  Originalschriften»  auf 
eine  sehr  inconsequente  Art  gefolgert  haben! 

Auf  diese  Art  war  mein  Geist  vorbereitet  und  gestimmt, 
als  Herr  H...  im  Jahre  1774  nach  Ingolstadt  kam.  Er  hat 
mich  während  seines  Aufenthalts  einige  Monate  hinduirh  täg- 
lich besucht;  es  versteht  sich  von  selbst,  dass  die  Unterredung 
in  einem  so  langen  Zeiträume,  auf  verschiedene  Gegenstände 
fällt.  Er  kam  soeben  von  protestantischen  Universitäten.  Eine  I 
Nachfrage  nach  der  Verfassung  und  Einrichtung  derselben  ist 
für  einen  öffentlichen  Lehrer,  wie  ich  schon  damals  war,  sehr 
natürlich;  es  ist  nicht  minder  natürlich,  dass  auch  bei  dieser! 
Gelegenheit,  der  dort  übiiehen  Sludentenorden  gedacht  wurde* 
Von  diesen  ist  der  Übergang  zu  geheimen  Verbindungen  zur 
Freimaurerei  etc*  etc,  sehr  erleichtert.     Ich  fiel  um  so  eher  auf 


—    59    — 

diesen  Gegenstand,  weil  ich  zuweilen,  den  Compass  der  Weisen, 
Blumenöck  und  anderer  hierher  einschlagende  Schriften,  in 
seinen  Händen  gewahr  wurde.  Diese  Entdeckung  verursachte, 
dass  sehr  viel  über  Freimaurerei  gesprochen  wurde.  Herr  H. 
gestand  mir,  dass  er  Freimaurer  sei.  Er  liess  dies  hin  und 
wieder  vermuthen,  durch  Reden,  welche  den  Anschein  hatten, 
als  ob  sie  ihm  wider  Willen  entwischt  wären.  Wer  den 
Menschen  kennt,  muss  wissen,  welche  Macht,  solche  dem  An- 
schein nach  absichtslose  Äusserungen,  auf  eine  Seele  haben,  in 
welcher  schon  der  Keim  geworfen  ist,  welcher  auf  Entwicklung 
wartet.  Ich  fing  an  über  diesen  Gegenstand  ernsthafter  zu 
denken,  seine  Äusserungen  und  Reden  zu  vergleichen,  in  ein 
Ganzes  zu  ordnen,  und  die  übrig  gelassenen  Lücken,  durch 
meine  Einbildungskraft  zu  ergänzen.  Besonders  fiel  mir  der 
Unterschied  zwischen  ächten  und  falschen  i—ii^*)  und  vor  allen 
anderen  die  Bemerkung  auf,  wie  leicht  man  hier  hintergangen 
werden  könne,  wie  schwer  es  halte,  echte  und  wahre  cif-^  ^^ 
finden.  Von  diesen  ächten  □^i'  habe  ich  von  dieser  Zeit  an 
Wunder  geträumt.  Auf  diesem  Weg  entstand,  noch  ehe  ich 
ein  wirkliches  Mitglied  einer  geheimen  Verbindung  war,  in 
meiner  Phantasie  ein  Ideal  einer  solchen  Verbindung,  welches 
mich  ganz  dahin  riss,  das  sehnlichste  Verlangen  nach  dem  Bei- 
tritte erweckte,  und  späterhin  die  Grundlage  wurde  von  dem, 
was  ich  zur  Wirklichkeit  gebracht  habe.  Meine  Erwartungen 
und  Begriffe,  von  der  Einrichtung,  Zusammenhang,  Klugheit, 
Behutsamkeit  in  der  Auswahl  der  Mitglieder,  von  der  strengen 
und  unaufhörlichen  Prüfung  derselben,  gränzten  an  das  Über- 
triebene, und  glichen  einem  wahren  Roman.  Mit  dem  allen 
dachte  ich  zu  dieser  Zeit  an  nichts  weniger  als  selbst  zu  bauen. 
Ich  fand  es  gleich  so  vielen  anderen  bequemer,  sich  an  eine 
schon  gedeckte  Tafel  zu  setzen,  als  den  Tisch  selbst  zu  bereiten. 
Mein  Entschluss  in  die  Gesellschaft  zu  treten,  es  koste  was  es 
wolle,  war  von  nun  an  gefasst.  Da  mich  indessen  mein  Führer, 
ohne  alle  nähere  Anweisung  verlassen  hatte,  so  schrieb  ich  zu 
diesem  Ende  in  alle  Welt,  wo  ich  Freimaurer  vermuthen  konnte, 
nach  E  .  .  g  .  .  .  und  vorzüglich  nach  Nürnberg.  Von  diesem 
letzteren  Orte  erhielt  ich  zu  meiner  ausserordentlichen  Freude 
die  Nachricht,  dass  meine  Aufnahme  gar  nicht  verweigert 
werde.  —  Was  wäre  aus  solchen  Menschen  zu  machen,  wenn 

♦)  Logen. 


—     60     — 

geheime  Verbindungen  die  Kunst  verstünden,  einen  solchen 
Eifer,  der  so  leiclit  angefacht  werden  kann,  dauerhaft  zu  unter- 
halten, stött  dass  sie  diese  woliitliätige  und  zweckmässige 
Täuschung  durch  ifjr  späteres  Betragen  so  frühzeitig  zersti^eut? 
Ich  höbe  erfahren,  wie  viel  an  der  Vorbereitung  hegt;  was  sich 
iiuf  diesem  Wege  aus  Menschen  maclien  liesse,  und  wie  sehr 
man  der  besten  Sache  schadet,  wenn  man  Erwartungen  er* 
w'ecl\t,  welche  man  in  der  Folge  nicht  befriedigen  kann,  wie 
sehr  eine  solche  unerwartete  Dissonanz  alles  verstimmt.  Mein 
Himmel  hing  so  voller  Geigen,  dass  ich  noch  zur  Stunde  über 
mich  hieben  muss.  Von  dieser  Stunde  an,  sah  Ich  alles  in  einem 
anderen  Lichte,  alles  in  Beziehung  auf  meinen  Zweck.  Ich 
wusste  damals  nicht,  ob  und  wer  in  Baiern  zu  dieser  Gesell* 
schüft  gehöre;  doch  vermuthete  ich,  es  möchten  deren  selbst  in 
Ingolstadt  sein.  Nach  den  Begriffen,  welche  ich  mir  von  dieser 
Gesellschaft  gemacht  hatte,  schienen  mir  alle  ernsthafte  und 
zurückgezogene  Menschen,  Mitgheder  dieser  Verbindung  zu 
sein;  ich  glaubte  von  neuem  unter  der  strengsten  Beobachtung 
vieler  mir  unbekannter  Menschen  zu  stehen;  ich  suchte  meine 
Pflichten  zu  diesem  Ende  auf  das  strengste  zu  erfüllen,  weil  ich 
nichts  gewisser  glaubte,  als  dass  keine  meiner  Handlungen 
unbemerkt  bliebe.  Ganz  eigene  Vorfälle,  welche  sich  zufalliger 
Weise,  auf  eine  sonderbare  Art  fügten,  trugen  dazu  bei,  mich 
in  dieser  Meinung  zu  bestärken.  Ich  würde  an  der  Veredlung 
meines  Characters  ganz  unendlicli  gewonnen  haben,  wenn  sich 
diese  Täuschung  länger,  und  ich  wollte,  dass  sie  sich  bis  diese 
Stunde  erhalten  hätte!  —  Um  den  vollen  Gang  der  Sache  ein- 
zusehen, muss  ich,  ehe  ich  hier  weiter  gehe,  meine  Leser  mit 
anderen  vorbereitenden  und  begleitenden  Umständen  bekannt 
machen,  (jegen  das  Ejide  des  Jahres  1773,  gleich  nach  Auf- 
hebung des  Jesuitenordens,  erhielt  ich  auf  der  Univei^itat  zu 
Ingolstadt  den  Lehrstuhl  des  geistlichen  Bechls,  welcliem  die 
Jesuiten  seit  90  Jahren  ununterbrochen  voi^estandon  liatten. 
Von  dieser  Zeit  an  wurde  ich  der  Gegenstand  ihres  Hasses 
und  ihrer  Verfolgung.  Schon  im  Jahre  1774,  im  Monat  Januar, 
entdeckte  ich  während  meiner  damaligen  Anwesenheit  in 
München,  einen  schändlichen*)  jesuitischen  Komplot  und  \'er- 
leumdung,  welche  die  Jesuiten,  auf  Anstiften  meines  Vorfahrers 


•)  An  der  allen  Ausdrucksweise  und  InlcrpunkÜon  ist  absictitlich  nichts 

geändert 


—    (51     — 


»bei  Hüte  in  der  Erwartung,  dass  ich  schon  abgereist  wäre, 
in  der  Absicht  angebracht  hatten  um  mich  von  einem,  ihrem 
Systeme  so  wesentlichen  Lehrstuhl  zu  entfernen.  Zum  Glück 
war  ich  noch  anwesend  und  vernichtete  durch  meine  Gegen- 
wart und  mündliche  Rechtfertigung  die  ganze  Kabale,  Von 
dieser  Zeit  an,  wurden  die  Jesuiten  mir  und  icli  ihnen  auf  das 
äusserste  gehässig.  Ich  war  13  ganze  Jnhre  hindurch  ihren 
Intriguen  und  Verleumdungen  unaufhörlich  ausgesetzt.     Meine 

I Leser  können  sich,  aus  dieser  angeführten  Tlialsache  vorstellen, 
dass  ich  einen  Rückanhalt  und  Unterstützung  nothwendig  hatte, 
dass  ich  diese  natürlicher  Weise»  in  einer  so  ausgebreiteten, 
und  nach  meinen  Begriffen  so  eng  verbundenen  Gesellschaft 
zu  finden  hoffte;  dass  mir  folglieh  durcli  diese  Erwartung, 
geheime  Verbindungen,  als  der  Zufluchtsort,  der  gedrückten 
Unschuld,  in  einem  sehr  anziehenden  Lichte  erscheinen  müssten. 
Dies  ist  noch  nicht  genug. 

Im  Jahre  1775  ging  in  meinem  Geiste,  und  in  meiner  ganzen 
Denkungsart  eine  sehr  wichtige  Veränderung  vor.  Ich  hatte 
vorher  der  speculativen  Philosophie  mit  Leib  und  Seele  an- 
gehangen, und  mich  in  metaphysischen  Betrachtungen  und 
Grübeleien  so  sehr  verloren,  dass  ich  mich  beinahe  aus- 
schliessender  Weise»  mit  der  Metaphysik  beschäftigt  hatte.  Zu 
meinem  grossen  Glück,  ward  ich,  um  diese  Zeit,  wieder  meinen 
Willen,  aus  diesem  Taumel  gerissen,  und  aus  der  übersinnlichen 
Welt,  wieder  auf  die  Erde  unter  Menschen  versetzt,  deren 
nähere  Kenntnis,  durch  meine  neu  erhaltene  Stelle,  mir  zur 
Pflicht  und  Nothwendigkeit  gemacht  wurde.  Ich  erhielt  den 
Auftrag,  nebst  den  Vorlesungen  über  das  Kirchenrecht,  über 
das  so  beliebte  Federische  Lehrbuch  der  praktischen  Philo- 
sophie zu  lesen.  Von  dieser  Zeit  fängt  sich  mein  Studium  des 
I Menschen,  und  meine  practische  Denkungsart  an,  und  ich  halte 
es  für  Pflicht,  dem  würdigen  von  mir  so  sehr  verehrten  Ver- 
fasser dieses  Lehrbuches,  dem  Herrn  Hofrat  Feder  in  Göttingen, 
für  die  mir  erweckten  Ideen  den  gebührenden  Dank  öflentlich 
zu  entrichten;  seine  Bescheidenheit  wird  vielleicht  nicht  ver- 
mthen,  dass  sein  Lehrbuch  solche  Wirkung  hervoi^ebracht  hat. 
Ich  bitte  nun  meine  Leser,  diese  drei  von  mir  soeben  an- 
geführten Umstände,  wohl  zu  bedenken  und  zu  überlegen, 
ivelche  Geistesstimmung  daraus  entstehen  müsse?  Ob  sie  hier 
gehen  eine  Anlage  bemerken,  durch  welche  solche  schändliche 
md  verabscheuungswürdige  Entwürfe  möglich  werden,  als  man 


—    63    — 


Stützung  und  Versicherung  hoft'e  ich  zu  erholten,  indem  ich 
mich  mit  anderen  verbinde.  Der  Gedanke,  dass  geheime  Vor- 
bindungen zu  diesem  Ende  ein  sehr  wirksames  Mittel  sind, 
r&ngt  an,  in  mir  aufzukeimen,  und  mir  diese  Verbindungen  um 
so  werther  zu  machen;  auch  mein  Geist  ist  indessen,  mit  den 
dazu  nötigen  Kenntnissen,  mit  dem  Studium  des  menHchUwrlien 
Herzens  in  etwas  bekannter  geworden.  Es  ist  auf  diese  Art 
viel,  aber  noch  lange  nicht  olles  geschehen. 

Meine  Aufnahme  war  also,  wie  wir  gehör!  haben ,  be* 
schlössen,  und  der  Eifer  einzutreten,  war  nicht  minder  gros«. 
Dieser  wurde  durch  die  geforderten  Receptionsgebühien»  schon 
in  etwas  herabgestimmt;  diese  waren  über  mein  damaligen 
Vermögen;  zu  diesem  sollte  ich  noch  eine  Reise  noch  Nürn- 
berg, samt  den  Unkosten  des  dortigen  Aufenthalts  bestreiten. 
Ich  dusserie  meine  gerechten  Bedenklichkeiten;  es  wurde  mir 
zu  diesem  Ende  der  Vorschlag  gethan,  mich  in  München  auf-^ 
nehmen  zu  lassen,  wo  man  mich  versicherte»  dass  eine  ''  i  von 
demselben  System  wäre.  Diese  Entdeckung  war  mir  um  so 
lieber,  als  ich  auf  diese  Art,  bei  einer  gelegenllicben  GeacbSfk«' 
reise  nach  München,  unnöihige  Reisekosten  ersparen,  und  mit 
iierschiedenen  mir  v^ichtigen  Personen  in  meinem  Vateiiande 
in  Verbioduiig  kommen .  und  durch  solche  besser  unieraUltel 
werden  konnte,  leb  schrieb  also  nach  München.  Auch  von 
dieser  Seite  erlüelt  ich  die  Zusicherung  metner  Aufmihme;  nur 
stiess  sich  die  Sache  auch  hier  an  dem  emteti  HindemiMe,  an 
den  Gebuhren  der  Aufnahme.  Dies  wurde  dadurch  bis  in  da^ 
Jahr  1777  Tcrzogerl,  Während  dieser  Zeil,  suchte  ich  aller 
Bücher  übo^  die  Freimaurerei  habhaft  zu  werden.  Wie  er- 
staunte ick,  als  ich  darunter  einige  foncL  in  welchen  alle  Grade 
ahgednickl  waren!  Idi  wi>IIte  anfilniglieh  nida  glaubefi,  «Ims 
sie  acht  waren,  aber  Peraooen«  wdcfee  mil  dieeer  S«dbe  niber 
bekasol  waren,  mit  welefaeo  kfa  in  der  ZwiaelkeiuseÜ  bekaiiot 
li-urde,  ^wnkbeiien  midi,  daas  ieh  aidht  gjauben  aoUte«  ämm 
wueu  Voo  dMse  Zeü  wwile  mmm  6hiwy\im$ 
die  Frammmmm,  nafcifht  ana  der  ünadbe.  woi 

BiwyfiioMTI/i Iwlliu  "*  ami  Vofwmmi  hnwtUe.  m  die 


—     64     — 

waren.  Darunter  waren  Männer,  welche  mir  zu  werth  und  nolh- 
wendig  waren,  als  dass  ich  sie  durch  eine  hartnäckige  gmnd 
lose  Venveigerung  meines  Beitritts,  hatte  beleidigen  wollen. 

Meine  grosse  Achtung  für  die  Freimaurerei  war  also  von 
nun  an,  aus  den  eben  angeführten  Gründen  gefallen.  Indessei 
hatte  der  Gedanke,  von  den  Vortheilen  einer  solchen  Gesellschaft»] 
von  dem,  was  sich  nach  meiner  eigenen  Erfahrung,  auf  diese 
Wege  aus  Menschen  machen  Hesse,  in  meiner  Seele  zu  ti 
Wurzel  gefosst,  als  dass  ich  ihn  schlechterdings  hätte  unter- 
drücken können.  Die  Grade  der  Freimaurerei  sind  sogar 
öffentlich  gedruckt;  was  kann  eine  geheime  Gesellschaft  wirken, 
welche  so  wenig  Geheimnis  hat,  dass  ihre  ganze  innere  Ve^ 
fossung  der  übrigen  Welt  bekannt  ist?  Diese  Grade  selbst! 
stimmen  mit  dem  Ideal,  welches  ich  mir  von  geheimen  Ve 
bindungen  entworJen  hatte,  gar  nicht  überein;  wie  wäre  es  ali 
dachte  ich  bei  mir  selbst,  wenn  du  selbst  Hände  an  ein  neu- 
Werk  legen  wolltest?  Es  war  freilich  ein  übereilter  tollkühner, 
wo  nicht  rasender  Gedanke,  ohne  Ruf  und  Ansehen,  ohne  Welt- 
und  Menschenkenntnis,  ohne  auswärtige  Conexionen  und  Bö* 
kanntschaftcn,  ohne  Unterstützung,  ohne  alle  hinlängliche  Er» 
fahruiig,  an  einem  solchen  Ort  wie  Ingolstadt  war,  mit  blosa 
studierenden  Inländern,  den  Grund  zu  einer  solchen  Verbindung; 
durch  mich  allein  zu  legen,  Da'/u  gehört  viel  Vertrauen  auf  siel 
selbst,  ein  hohes  Gefülil  seiner  Kraft,  ein  Mut,  welcher  sich 
über  alle  Schwierigkeiten  hinwegsetzt,  oder  was  bei  mir  de! 
Fall  war,  ein  hoher  Grad  von  Unerfahren heit  und  Blindheit, 
welche  wenig  oder  gar  keine  Schwierigkeit  vorhersieht.  Zvve 
Umstände  gaben  vollends  den  Ausschlage  und  bestimmten  micl| 
wirklich  den  ersten  Grundstein  zu  legen. 

Zu  eben  dieser  Zeit  hatte  ein  Officier  des  Baron  Henne« 
beigischen  Infanterieregiments  mit  Namen  Ecker,  in  Burghausen, 
eine  CZHI  errichtet.  Diese  \  \*)  arbeitete  auf  Alchemie,  unc 
fing  an  sich  gewaltig  zu  verbreiten.  Ich  selbst  wurde  durch 
ein  Mitglied  dieser  |"^~U  den  damals  in  Ingolstadt  studierenden^ 
Baron  von  Er  .  .  auf  das  dringendste  zum  Beitritt  aufgefordert* 
Dies  ging  soweit,  dass  ein  eigener  Deputierter  dieser  I  \  nac 
Ingolstadt  kam,  um  dort  zu  werben,  und  die  Fähigsten  unter 
den  Studierenden  auszuheben.    Seine  Auswahl  fiel  zum  Unglücli 


*)  ledenfalls   eine  Loge  der  Hosenkreuzer,    mtl  denen  W^eJshaupi  sti 
in  Fehde  gelegen  hat. 


—     65     — 

gerade  auf  diejenigen,  ouf  welche  ich  mein  Auge  geworfen  hatte ^ 
sobald  ich  mein  Werk  anfangen  würde.  Der  Gedanke  so 
hoffnungsvolle  Jünglinge  anf  diese  Art  verloren  zu  haben,  sie 
überdies   mit   der  verderblichsten   Seuche,    mit  dem   Hang   zur 

Ioldmacherei  und  ähnlichen  Thorheiten  angesteckt  zu  sehen, 
br  für  mich  quälend  und  unertragh"ch.  Ich  ging  darüber  mit 
bem  jungen  Mann,  ouf  welchen  ich  das  meiste  Vertrauen 
^etzt  halte,  zu  Kate.  Dieser  ermunterte  mich,  meinen  Ein- 
llss  auf  junge  Studierende  zu  benutzen,  und  diesem  Unwesen 
durch  ein  wirksames  Mittel,  durch  die  Einrichtung  einer  eigenen 

t Seilschaft,  so  viel  möglich  zu  steuern.  Zu  diesem  Ende  ent- 
t  er  mir  alle  seine  Kräfte  und  Dienste.  Die  letzte  Impulsion, 
roh  welche  mein  Vorhaben  zur  That  wurde,  erhielt  ich  auf 
gende  Art. 
^H  Unter  den  vielen  Büchern,  welche  ich  lesen  musste,  um 
^Keinem  Lehrstuhl  der  praktischen  Philosophie  gehörig  vorzu- 
Hehen,  fiel  ich  auch  auf  Abts  vortreffliche  Schrift,  vom  Ver- 
dienst. Nicht  leictit  hat  ein  Buch  so  sehr  auf  meinen  Charakter 
^nd  Willen  gewirkt.  Bei  Durehlesung  dieser  Schrift  fiel  ich 
^pf  eine  Stelle,  welche  eine  Seele,  in  welcher,  so  wie  in  der 
meinigen,  so  viele  brennbare  Materialien  lagen,  in  volle 
lammen  setzen  und  begeistern  muss.  Icli  will  diese  mir  un- 
jessliche  Stelle  ganz  hierher  setzen,  weil  meine  Leser  finden 
^nlen,  dass  sie  den  ganzen  Geist  des  Illuminatenordens  enthält, 
^eii  sie  aus  solcher,   meine  Geistesstimmung  zur  Zeit,   als  ich 

ieine  Gesellschaft  errichtete,  die  Absichten  mit  welchen  ich  um- 
pg,  unleugbar  erkennen  werden.     Diese  Stelle  ist  folgende*): 
^Vieler,   sehr  vieler  Mensehen  zeitliche  und  ewige  Wohl- 
faJirt  befördern;  ihr  Leben  und  Wandel   durch  Vorschriften  so 
einrichten,   dass  sie  immer  glückseliger,   immer  vollkommener 
werden;  die  Veranstaltung  treffen,  dass  ihnen  dergleichen  Regeln 
ebenso  geläutig  als  beliebt  seien;  solche  Lagen  aussinnen,  da- 
durch sie  sich  alle,  aller  Widerspenstigkeit  ungeachtet,  zu  einem 
gemeinschaftlichen  Guten  müssen   hinführen  lassen;  dazu  denn 
^dle  Verwickelungen,   die   meisten    möglichen   Fälle  mit  Treffen 
^Bd  Ausnaljmen    überdenken,    sich   an    die  Arbeit    machen, 
^Kenn  noch  niemand  sie  nur  als  möglich  ansieht;  Jahre 
^ng    arbeiten,     manchmal    ohne    Frucht,    sich     trösten,     auf- 


I         ♦)  Sie  steht  im  8.  HauplstQck  »Vom   Maasse  des  Verdienstes«. 

SBf«lf  Geocbicfaie  d««  XlliiDaioi^tenordeDB,  5 


—   m   — 


richten,  selbst  anspornen  müssen;  keine  Widerwartigkeileti, 
keine  Gefahr  achten;  keine  innere  Abneigung  oder  Lauligkeil 
überhand  nehmen  lassen;  und  dies  alles  bloss  darum,  weil  e& 
zu  Nutzen  und  Frommen  der  herzlich  geliebten  Nebenmensehen 
gehört,  ihrer,  die  nach  einerlei  Bilde  mit  uns  geschaflfen  sind: 
Ol  Wo  ist  der  Mensch,  der  dies  thut?  Wenn  er  nicht  mehr 
ist,  wo  ist  seine  Bildsäule?  Wo  ist  sein  mormornes  BruchslückV 
Sagt  mirs,  dass  ich  hingehe,  den  kalten  Stein  in  die  Arme 
schliesse  und  des  Urbilds  eingedenk  mit  heissen  Thränen  der 
Dankbarkeit  das  Bild  benetze.*  — 

Nun  frage  ich,  ist  diese  Stelle,  welche  ich  in  der  Folge, 
so  oft  mir  der  Mut  sinken  wollte,  noch  öfterer  las,  nicht  e^ 
haben  und  fähig  Begeisterung  zu  erwerben?  Wer,  wenn  er 
den  Sirni  dieser  Stelle,  gleich  mir,  lebhaft  enij>tlndet,  muss  nicht 
den  Wunsch  äussern,  dass  er  im  Stande  sein  möchte,  diesen 
hohen  Grad  von  Verdienst  zu  erwecken?  Dieses  grösste  hier 
aufgestellte  Ideal,  so  viel  an  ilim  liegt,  zur  Wirklichkeit  zu 
bringen;  ich  frage,  ist  es  gefalirlich  oder  schändlich  diesen 
Wunsch  zu  äussern,  zu  diesem  Ende  seine  Kräfte  anzustrengeDJ? 
Ist  es  besser  dabei  kalt,  gleichgültig,  unthätig  zu  bleiben?  Ist 
es  möglich,  wenn  man  diesen  höchsten  Grad  von  V^erdienst 
kennt  und  dafür  entbrennt,  für  niedere  und  schandliche  Ab- 
sichten tliätig  zu  werden,  die  Sitten  zu  verderben,  die  Jugend 
zu  verführen,  die  öffentliche  Ruhe  zu  stören  und  Unterthanea 
gegen  ihre  Füi*sten  zu  waffnen  und  zu  empören?  Ist  der 
Mann,  dessen  Ehi-geiz  für  diese  Art  von  Verdienst  entflammt 
wird,  der  dazu  nach  seinen  Kräften  und  Einsichten  Anschläge 
und  Entwürfe  macht,  ein  Heuchler  und  Betrüger?  Kann  man 
leugnen,  dass  alle  Grade  und  Einrichtungen,  welche  von  dem 
Illuminatenorden  bekannt  geworden  sind,  dass  selbst  meine 
Briefe,  welche  so  sehr  gegen  mich  beweisen  sollen,  dahin  ab- 
zwecken,  um  diese  Idee  zu  realisiren?  Kann  der  Ehrgeiz  eines 
Menschen  eine  wohlthöligere  und  gemeinnützigere  Richtung 
erhalten?  -- 

Meine  Leser  mögen  hierüber  denken  was  ilinen  gefällt,  sie 
mögen  bei  einer  solchen  Stelle  viel  oder  Avenig  empfinden,  bei 
mir  \Acnigstens  ist  der  Fall  ganz  verschieden.  Ich  lese  nie,  ohne 
die  Anwendung  zu  machen,  ohne  doss  in  meiner  Seele  ent- 
sprechende lebhatte  Begierden  und  Entschlüsse  entstehen,  Genugl 
von  dieser  Stunde  an,  als  ich  diese  Stelle  las,  war  mein  Entschluss 


I 


67 


isst*    Ich  moclite  mich  sogleich  an  die  Arbeit  und  entwnrt'die 

^meinen  Statuten,  welchen  ich,  wie  ich  mich  nocli  sehr  wühl 

inere, 

'Sin  tuten 


ehe  ich  auf  den  Noi 


der 


imen  Illuminaten  (iei,  den  Nar 
*erfectibi listen*)    gab.      Diesen    Namen    I 


ibe 


^^ch  bloss  aus  der  Ui'sache  verändert,  weil  das  Wort  zu  sonder- 
^P>ar  klingt  Indessen  zeigt  doch  dieser  Name,  welche  Absicht 
ich  bei  der  Gründung  meiner  Gesellscheft  hatte.  Diese  nahm 
mit  dem  1.  Mai  des  1776 Jahres  ihren  Anfang.  An  diesem 
Tage  wurden  die  ersten  Mitglieder  und  zwar  gerade  diejenigen 
aufgenommen,  welche  ich  durch  diese  Anstalt  retten  und  ihrem 
bevorstehenden  Verderben  entreissen  wollte.  Welcher  Maos- 
regeln und  aus  welchen  Gründen  ich  mich  derselben  bedient 
habe,  soll  an  seinem  Orte,  in  dem  folgenden  Theile  dieser 
Schrift,  mit  eben  dieser  Genauigkeit  und  Offenherzigkeit  be- 
wiesen werden,  mit  welcher  ich  hier  die  Absichten  bei  der 
Entstehung  meiner  Gesellschaft  ohne  Schmuck  und  Zurück- 
haltung dargelegt  habe. 

Hier   hätte  ich  also  der  Neugiei^de    meiner  Leser,   so  viel 
thun  könnte.   Genüge  geleistet.     Das  schreckliche  Geheim- 
iis   von    der  Entstehung    dieser    so    gefürchteten    und    verab- 
leuten  Gesellschaft  wäre  entdeckt  und  der  Heuchler  entlarvt* 
^Diese  und  keine   andere  waren  meine  Absichten;  diese  waren 
die  Umstände  welche   meinen  Geist  vorbereitet  und  zu   einem, 
meiner   Ruhe  so    nachteiligen    Unternehmen    gestimmt    haben. 
Ich  weiss  nicht,  ob  es  mir  gelungen  ist,  meine  Leser  von  der 
JJnschuId  und  Reinigkeit  meiner  Absichten  zu  überzeugen,  denn 
iieser  Beweis  ist  schwer  und  am  schwersten,  wenn  er  gegen 
leidenschaftliche  Leser  geführt   werden  soll.     Ich  selbst  %%iirde 
mehr  bewiesen,    die   Sache  glaubbarer  gemacht   haben,   wenn 
ich  nicht  genötigt  wäi*e,  blos  im  allgemeinen  zu  sprechen,  um 
die  Namen  so  vieler  Menschen  zu   verschwetgien,    weiche  an 
diesem  ganzen  Vereng  Anteil  und  Wissenschaft  haben*    Aber 
wenn   anders  in  Baiem  noch  ein  Mann    von  Ehre   und  Wahr- 
heitsliebe  ist,    der  mich   und   meine    ehemalige  Lebensart  ge- 
^B^anni  bat,  der  von  manchem  dieser  Auftritte  Theilnehmer  und 
^■Augenzeuge  war.    so    fordere    ich    ihn    hiermit    ödentlich    auf, 
Vinich.  wenn  er  kann,  einer  einzigen  Unwahrheit  zu  überfuhren, 
AOe  diese  von  mir  anigegebenen  Umstftode  lassen  sich  dorcfa 


—     68     — 

eine  oüri^keithciie  Aunbrderung  und  Nachfrage,  aut  das  ge- 
naueste darthun.  Ich  selbst  bin  bereit  zu  diesem  Ende,  alle 
Mittel  an  die  Hand  zu  geben  und  manche  Umstände  mit  un- 
leugbaren  Urkunden  zu  belegen.  Alle,  welche  mich  gekonnt 
haben,  können  mir  bezeugen,  dass  ich  einsam,  ohne  etwas  zu 
suchen,  für  mich  allein,  fern  von  allen  Ergotzungen  und  Zer- 
streuungen gelebt,  dass  ich  mich  so  wenig  nach  Macht  be- 
strebt habe,  dass  ich  vielmehr  alle  Mittet  und  Wege  versäumt 
habe,  um  reich  oder  mächtig  zu  werden.  Ich  habe  es  niemals, 
mit  der  siegenden  Partei  gehalten,  ich  habe  mich  niemals  an 
die  Mächtigen  gedrängt,  um  mein  äusserliches  Glück  und 
meinen  Kinfluss  zu  vermehren;  ich  habe  die  Heuchelei,  Zeil 
meines  Lebens,  von  ganzer  Seele  verabsclieuet,  sie  ist  ganz  geg^en 
meine  übrige  Denkungsart  und  Charactcr.  Als  im  Jahre  1785 
in  Regensburg  mein  seeliger  Freund  Lanz,  an  meiner  Seite  vom 
Blitz  erschlagen  wurde,  welche  Cjelegenheit  hätte  ich  gehabt, 
den  i-eumütigen  und  bussfertigen  Heuchler  zu  machen  und  auf 
diese  Art  das  Zutrauen  meiner  Verfolger  zu  erwerben?  Jeder, 
selbst  meine  Feinde,  würden  unter  diesen  Umstanden  geglaubt 
haben,  dass  es  mir  ernst  sei.  Wer  kann  sagen,  dass  ich,  um 
mich  zu  erb  alten,  meine  Zuflucht  zu  einem  so  schändlichen 
Mittel  genommen,  dass  ich  geheuchelt  habe?  Tausend  andere 
würden  es  zuverlässig  gethan  tiaben  ,  ich  habe  es  nicht  gethan; 
ich  bin  mir  wie  vordem  gleich  und  unverändert  gebliebea 
unter  allen  harten  Prüfungen  und  Aufforderungen,  w^elche  ich 
erfahren  habe. 

Diese  Umstönde  und  Gründe  zusammengenommen,  wage 
ich  es,  diesen  Theil  meiner  Arbeit  mit  einer  Frage  an  meine 
Leser  zu  beschü essen.  Ich  frage:  ist  es  walirscheinlich  oder 
möglich,  dass  ein  junger  uneifohrener  Mensch  von  28  Jahren, 
auf  einer  Universität  in  seiner  Vaterstadt  geboren  und  erzogen, 
ein  Menseli  von  einem  ausserdem  stillen  und  unbescholtenen 
Lebenswandel,  der,  wenn  er  auch  gewollt  hätte,  in  seiner 
Vaterstadt  nie  die  Gelegenheit  gehabt  hätte,  an  dem  V*er- 
derhen  der  Welt  Theil  zu  nehmen,  ist  es  möglich,  sage  ich, 
dass  ein  solcher  Mensch  auf  einmal,  durch  den  widernatür- 
lichsten Sprung,  zum  abgefeimtesten  Bösewicht  werde?  Ist  es 
möglich,  dass  ein  blosser  Schutmann,  ein  öffentlicher  Lehrer 
und  was  am  meisten  auffallen  muss,  ein  Lehrer  der  praktischen 
Weltweisheit,  der  Sitten  und  Tugendlehre,  welcher  über  das 
Federische    Lehrbuch   Öffentliche   Lesestunden,   mit  ausgezeich- 


—    69    — 

netem  Beifall  liest,  welcher  dadurch  genötigt  wird,  mehr  als 
jeder  anderer,  über  die  Lehre  von  den  menschlichen  Neigungen, 
von  den  Triebfedern  unserer  Handlungen,  von  der  Glückselig- 
keit, von  dem  Werte  der  Güter,  von  der  Tugend,  von  den 
Hindernissen  und  Beförderungsmitteln  derselben,  —  zu  der 
Zeit,  wo  er  über  diese  Gegenstände  am  meisten  denken  muss, 
wo  er  die  besten,  dazu  dienliche  Schriftsteller  unaufhörlich 
liest,  wo  diese  Gedanken,  durch  die  Wiederholung,  seiner  Seele 
zum  Bedürfnis  werden;  —  ist  es  möglich  oder  wahrscheinlich, 
frage  ich,  dass  eben  dieser  Lehrer,  in  eben  dieser  Zeit,  den 
Grund  zu  einer  Anstalt  legt,  welche,  nach  der  Beschreibung 
meiner  Gegner,  an  Schändlichkeit  keine  ihres  Gleichen  hat?  — 
O  Menschenkenntnis,  was  soll  aus  dir  werden,  wenn  dem  so 
ist?  Was  muss  geschehen,  um  tugendhaft  zu  werden,  wenn 
ein  solcher  Weg  zu  einem  so  hohen  Grade  von  Laster  und 
Gottlosigkeit  führt? 

Nachdem  wir  nun  Weishaupt  selbst  gehört  haben,  können 
wir  in  unseren  Untersuchungen  fortfahren. 

Wir  haben  keine  Ursache  an  der  Wahrhaftigkeit  der  Weis- 
hauptschen  Aussagen  zu  zweifeln.  Es  spricht  erstlich  aus  seinen 
Worten  ein  offenherziger  Ton;  zweitens  würde  es  ihm  von  gar 
keinem  Nutzen  sein,  wenn  er  in  diesen  Angelegenheiten,  die  ihn 
allein  angehen  und  seine  persönlichen  Empfindungen  klarstellen, 
nicht  die  Wahrheit  sagen  würde,  denn  die  Tatsachen  würden 
dadurch  nicht  geändert  werden;  drittens  haben  wir  bereits  dar- 
gestellt und  bewiesen,  dass  Weishaupt  wirklich  ein  vielfach 
angefeindeter  Mann  war,  und  dass  er  das  bis  zu  dem  Ende 
seiner  Lehrtätigkeit  in  Ingolstadt  geblieben  ist,  werden  wir  noch 
beweisen,  sodass  die  Wünsche  nach  einem  kräftigen  Rücken- 
schutz sehr  einleuchtende  sind.  Dass  die  Ordensgründung 
durch  die  Abneigung  Weishaupts  gegen  die  alchemistischen 
Lehren  der  Rosenkreuzer  beschleunigt  wurde,  ist  auch  nicht  zu 
bezweifeln,  denn  in  dieser  Abneigung  ist  er  sich  getreu  geblieben 
und  suchte  alle  Elemente,  die  diesen  Lehren  zuneigten,  später 
zu  entfernen. 

Es  fragt  sich  demnach  nur,  ob  die  Absichten  Weishaupts 
dieselben  blieben,  ob  er  Mittel  und  Wege  ergriff,  seinen  Leuten, 
die  doch  berufen  waren  die  Ordensobern  abzugeben,  seine  Ab. 
sichten  einzuimpfen  und  nach  seinen  Wünschen  zu  erziehen. 
Hatte  Weishaupt  neben  seinen  persönlichen  Absichten 


^     70     — 

noch  ideale,  die  er  ouszuführen  gedachte  oder  nicht, 
war  er  allein  auf  sich  bedacht,  oder  nicht? 

Hier  hegt  die  Kardinalfrage,  nacli  der  der  Charakter  des 
( h'densstifters  zu  beurteilen  ist,  gleichviel  ob  die  erwählten 
Mittel  uns  jetzt  unrichtig  oder  richtig  erscheinen,  denn  ein  jeder 
weiss,  dass  diese  stets  im  weitesten  Masse  von  den  Umständen, 
von  den  Möglichkeiten  und  den  diesen  gezogenen  Grenzen  ab- 
hängen werden. 

Um  diese  Frage  zu  beantworten,  müssen  wir  hier  den  Er- 
eignissen vorauseilen  und  ein  Buch  zur  Hand  nehmen,  das 
seinerzeit  im  Jahre  1787  auf  churfürstlichen  Befehl  gedruckt 
wui'de,  um  die  schändlichen  Absichten  des  Ordensstifters  zu  be- 
weisen. Als  die  Verfolgung  der  llluminoten  in  Boxern  in 
Blute  stond,  wurden  eine  Anzöhl  Schriften  und  namentlich  eine 
ausführliche  Korrespondenz  Weishaupts  mit  Beschlag  belegt. 
Eine  Auswahl  derselben  wurde  veröffentlicht  und  unter  dem 
Titel  ,, Einige  Originalschriften  des  Illuminatenordens,  welche  bey 
dem  gewesenen  Regierungsrath  Zwackh  durch  vorgenommene 
Hüusvisitation  zu  Landshut  den  IL  und  12,  Oktober  1786  vor- 
gefunden worden.  Auf  höchsten  Befehl  Seiner  Churtirstlichen 
Dui^clilaucnt  zum  Druck  befördert,  München,  bey  josepli  Lenl- 
iier  1787. 

In  der  Vorrede  befindet  sich  die  Anmerkung:  Wer  an  der 
Aechtheit  dieser  Sammlung  einen  Zweifel  trägt,  mag  sicli  nur 
bey  dem  l»iesigen  geheimen  Archiv  melden,  allwo  man  ihm 
die  Urschriften  selbst  vorzulegen  befehliget  ist. 

Diese  Schriften  können  noch  heute  im  Archiv  zu  München 
eingesehen  werden,  sie  sind  unzweifelhaft  echt  und  geben  ein 
klares  Bild  über  die  ersten  Ordens-Anfänge  und  namentlich 
über  die  Art  wie  Weishaupt  brieflich  seine  ersten  und  intimsten 
Mrdensmitglieder,  zu  denen  auch  Zwackh  gehörte,  über  seine 
Absichlen  unterrichtete.  Es  ist  zweifellos,  dass  in  diesen 
Briefen,  die  alle  einen  ganz  intimen  Ton  aussprechen,  die 
wahren  Absichten  unverhüilt  hervoilreten,  weil  andernfalls  der 
kaum  gebaute  Wagen   in  ganz  falschen  Gleisen  fahren  musste* 

Weishaupt  schreibt  an  Massenhausen  (Ajax)  19.  Sept.  1776. 
(S.  173.)  ^ 

Ich  denke  und  arbeite  täglich  an  unserm  grossen  Gebäude^ 

Arbeiten   Sie   auch   von  Ihrer  Seite,    und    führen  Sie   mir 

Steine  zu.    Lassen  Sie  sich  keine  Mühe  verdrüssen:  suchen  sie 


I 


—     71     — 

Gesellschaft  junger  Leute:  beobachten  Sie;  und  wenn  Ihnen 
einer  darunter  gefällt,  legen  Sie  band  an.  Ich  habe  auch  wieder 
einen,  der  ein  ansehnlicher  und  einsichtsvoller  Mensch  ist. 
Was  sie  nicht  selbst  thuen  können,  thuen  sie  durch  andere. 
Agathon,  Danaus  und  Schaftesbury  sind  zu  beordern  per  modum 
imperii,  dass  sie  unter  junge  Leute  gehen,  qu'il  tachent  epier 
les  characteres,  dass  sie  sich  Anhang  erwerben,  Vorschläge 
machen,  und  dann  Befehle  erwarten. 

Als  Nachschrift:  (S.  174). 

In  München  befindet  sich  ein  gewisser  Advocat  B.  =  ad- 
jungierter  Bahnrichter;  ich  habe  in  meinem  Leben  keinen  ac- 
tiveren  Menschen  gesehen,  der  auch  überdies  sehr  geschickt 
ist.  Sehen  Sie,  dass  Sie  mit  ihm  bekannt  werden  und  richten 
Sie  ihm  ein  Compliment  von  mir  aus.  Sapienti  pauca.  Reden 
kann  er  wie  noch  einmal  ein  Advocat.  Dem  B.  =  thuen  sie 
indessen  desgleichen,  und  versichern  Sie  ihn,  dass  ich  ihm  bald 
schreiben  werde.  Diese  beyde  sind  ein  Paar  T..s  Kerl:  aber 
etwas  schwerer  zu  dirigieren,  eben  weil  sie  T .  .  s  Kerl  sind. 
Unterdessen  wenn  es  möglich  wäre,  so  wäre  die  Prise  nicht  übel. 

Ohne  Datum  (S.  174  u.  f.). 

Wenn  der  Winterhaltern  einer  von  uns  werden  soll,  so 
muss  er  noch  ziemlich  abgehobelt  werden.  Einmal  gefällt  mir 
sein  Gang  gar  nicht:  seine  Manieren  sind  roh  und  ungeschliffen 
und  wie  es  mit  der  Gedenkungsart  steht,  weiss  ich  nicht.  Das 
wollte  ich  höchstens  recommandieren,  dass  er  sein  rohes  Wesen 
ändere.  Er  muss  ein  ganz  anderer  Mensch  werden,  bisher  ist 
er  kaum  pro  carolino*)  zu  gebrauchen. 

Wenn  mir  meine  Absicht  mit  den  Domkapiteln  gelingt, 
so  haben  wir  grosse  Schritte  gethan.  Suchet  junge  schön  ge- 
schickte Leute,  und  keine  solche  rohe  Kerls.  Unsere  Leute 
müssen  einnehmend,  unternehmend,  intrigant  und  geschickt 
sein.    Besonders  die  ersten. 

Wenn  denReceptis**)  einmal  die  Augen  aufgethan  werden, 
so  müssen  sie  Leute  sehen,  von  denen  man  Ehre  hat  und  wo 
man  sich  in  ihrem  Umgang  glücklich  schätzt.  Nobiles,  potentes, 
divites,  dertos  quaerite. 


♦)  pro  carolino,  für  einen  Karolin,  eine  Münze  im  Werte  von  Mk.  8,1 
*•)  Aufgenommenen. 


—     72     — 

—  —  Wenn  ihr  Leute  in  München  so  viel  thut,  wie  ich 
hier,  so  werden  Riesenschritte  geniacht.  Compognie  gesucht, 
mit  artigen  Leuten  angebunden;  das  muss  seyo,  inertes  animae! 
da   muss  man  sich  keine  Mühe  reuen  lassen.     Auch  zuweilen 

den    Knecht   gemacht,    um    dereinst  Herr   zu  werden. 

Machen  sie  mir  doch  in  Münclieo  eine  Acquisition,  die  der 
Mühe  werth  ist.  Sind  Sie  donn  in  vornehmen  Häusern  gar 
nichts  bekannt,  oder  wenn  sie  es  nicht  sind,  kennt  dann  Danaus 
gar  keine  Seele?  Dann,  wissen  Sie,  Sie  brauchen  sich  nur  um 
einen  rechten  Cavalier  Mühe  zu  geben;  dieser  muss  uns  nach 
malen  die  andern  liefern.  —  ~ 

Was  die  Leute  auch  acta  noch  nicht  sind,  das  können 
sie  doch  noch  wei'den.  Darum  sind  zwey  Jahre  festgesetzt. 
Denn  halten  sie  sich  in  dieser  Zeit  gut,  so  werden  sie  zu 
rechten  avanciert.  Im  übrigen  lassen  sie  nur  mich  gehen  und 
sorgen.  —  — 

An  Ajax,  d.  20.  Octob.  1776.    (S.  179.) 

Dermalen  kann  man  keine  brauchen,  als   qua 

tatis  generales.  1.  Geschickt  2.  Industrios.  3.  Biegsam.  4.  So- 
ciabilis.  Sind  die  Leute  noch  dazu  reich,  vom  Adel  und 
mächtig,  tant  mieux.  Schreiben  sie  mir,  ob  etwas  damit  zu 
machen  sey. 

d  30.  October  1777  an  Ajax.    (S.  185.) 

Nachdem  er  sich  vorher  beklagt,  dass  er  nichts  mehr 
seiner  Sache  hört,  —  —  das  ist  keine  Kunst,  einen  grossen 
Entschluss  zu  fassen;  aber  der  Zeit  zu  trotzen,  es  dagegen  aus- 
zuhalten, was  man  gross  gedacht,  auch  gross  und  standhaft 
auszuführen,  das  ist,  worin  sich  der  grosse  Geist  zeigt,  und 
wodurch  manche  grosse  Projecte  unterblieben  sind.  —  — ■  ^ 

ö  Ajax!  Wenn  die  Sache  so  saumselig,  so  schläfrig] 

gehen  soll,  so  ziehe  ich  die  Hand  davon  ab,  ehe  ich  Prostitution 
davon  tragen,  und  Verdruss  mit  den  andern  haben  soll,  und 
kehre  in  meine  vorige  Ruhe  zuj'üek.  Und  denke,  was  ich  aus 
Mangel  der  Mithelfer  nicht  ausführen  kann.  —  — 

Noch  denselben  Tag  als  Weishaupl  den  vorstehenden  an- 
klagenden  Brief  an  Ajax   absandte,  eiliält  er  eine  Abhandlung' 
Zwack hs,  die  ihn  sehr  erfreut  und  seine  Missstimmung  verscheucht. 
Er  schreibt  gewisserart  zur  Entschuldigung  am  31.    Octob.  1777: 
—  das  Amt  eines  wachsamen  Mannes  ist  zu  allen  Zeiten  seine 


—     73     — 


Mannschoft  aufzumuntern,  anzufeuern  und  in  gehörige  Bewegung 
KU  setzen.  Nichts  ist  gefährlicher  als  Stagnation,  auch  nur  von 
■Seiten  eines  einzigen,  denn  die  Bewegung  und  belebende  Kraft 
wird  den  weitern  und  entlernlern  niclü  mitgeteilt.  —  Dann  sagt 
er  weiterhin: 

P  An  dem  System  des  Ganzen  arbeite  ich  beständig.  Denke 
hin  und  her.  Mache  Abänderungen  und  veifeinere  solche.  Es 
elingt  mir  auch  wunderbar,  und  sie  werden  sich  verwundern, 
Wenn  sie  einmal  meine  Kinrichlung  für  den  weitern  Grad  sehen 
werden*     Langsam,  ober  sicher  gehe  ich  zu  Werke. 

Ihr  meine  Leute  1  habt  euch  indessen  um  nichts  zu  küm- 
mern» als  mir  Leute  anzuwerben,  solche  fleissig  zu  studieren, 
zu  unterrichten  und  zu  amussleren.  Für  das  übrige  sorge 
ich. — 


I 


d.  16.  December  (S.  190). 


Soviel  die  Historie  des  Negromantisten  betrift,  so  glaube 
ich  nichts  davon,  bis  ich  solche  sehen  werde:  und  dergleichen 
Geschichten  wollen  sich  gar  nicht  in  mein  System  schicken*  — 

Ebenfalls  im  December  ist  er  gegen  Ajax  (v.  Massenhausen) 
lochst  erbittert,  weil  dieser  ihm  nicht  die  verlangten  Antworten 
fibt  und  nur  Worte  nicht  Taten  aufweist,  infolge  dessen  wendet 
[er  sich  jetzt  dem  tätigeren  Zwackh  zu,  der  zuerst  den  Ordens- 
lamen  Danaus  führte,  dann  durch  Loos  (S.  182  d.  Orig.)  Pliilip 
^trozzi  benannt  wurde,  und  schliesslich  den  bleibenden  Namen 
Zalo  erhielt.  Im  Jübrc  1777—1778  war  Weishaupt  Rektor  der 
Iniversität.  Die  durch  diese  Würde  vermehrten  Berufs-Arbeiten 
hielten  ihn  nicht  ab  auch  weiterhin  an  der  Ordensausbildung 
^m^VL  arbeiten,  da  ihm  jedoch  Massenhansen  nicht  mehr  zuver- 
Bl^^^ig  erscliien,  so  suchte  er  Ersatz  für  diesen  und  glaubte  ihn 
in  Zw^ackli  zu  Hnden.  !>  schreibt  ihm  deswegen  am  22.  Oc- 
tober  1777  einen  sondierenden  Brief  in  dem  er  sagt,  er  habe 
aus  seiner  schätzbaren  Zusclirift  ersehen,  dass  beide  ein  bei- 
nahe gleiches  Schicksal  haben,  bald  oben,  bald  unten,  viele 
k Maulfreunde  und  wenig  wahre,  was  leider  die  Erfahrung  jedes 
I  ehrlichen  Mannes  sei.  Der  von  guten  Ratsclilägen  erfüllte 
Brief  Iiat  seine  Wirkung  nicht  verfehlt,  denn  nun  beginnt  ein 
intimer  Bi'iefwechsel,  aus  dem  herTorgeht,  dass  Weishaupt 
zu  Zwackh   volles  Vertrauen    gehabt  haben   muss,   sonst   hätle 


—    7i    — 

er  bezüglich  seiner  Absichten  und  bisherigen  Ordeiisarbeiten 
ihm  nicht  so  klare  Eröffnungen  gemocht,  als  es  der  Brief- 
wechsel zeigt. 

Er  gesteht   ihm   in   dem   Briet'  vom  25.  Febr.  1778  (S.  200): 


Meine  ersten  Gesellen  waren  Ajax,  Sie»  Merz,  Bauhoff,  Sutor. 
Letztere  zwei  waren  wegen  ausserordentlicher  Nachlässigkeit 
gar  nicht  zu  gebrauchen  und  wurden  von  rnir  ausgestrichen* 
Merz  aber  dauert  noch  beständig,  und  thut  mir  sehr  gute 
Dienste,  er  ist  auch  ungemein  geschickt. — 

Durcli  die  Exclusion  des  Ajax  habe  ich  verlohren,  Michl 
Hoheneicher  und  Will.  Dermalen  sind  also  nebst  mir.  Ihnen» 
Claudius  und  Merz  noch  5  ihnen  unbekannte  Eichstatter,  wovon 
die  meisten  schon  bedienstet,  und  sehr  wackere  und  mature 
Leute  sind.  Hatte  indesse  Ajax  statt  seinen  Lüsten  mir  gefolgt, 
so  sollte  die  Zahl  grösser  sein. 

Wenn  nur  einmal  in  München  5  oder  6  geschickte  und 
vertraute  Männer  könnten  zusammengebracht  werden.  In  Eych- 
stätt  hoffe  ich,  es  bald  dahin  zu  bringen.  Aber  das  grösste 
Mysterium  muss  seyn»  dass  die  Saclie  neu  ist:  je  weniger 
davdu  wissen,  je  bessei*  ist  es.  Der-malen  wissen  es  nur  sie 
und  Mei^z;  und  ich  hab  auch  nicht  so  bald  Lust,  es  irgend 
einem  zu  eröffnen.  Wir  3;  glaube  ich,  sind  genug,  der  Maschine 
iln*  Leben  und  Bewegung  zu  geben. 

Von  den  EicOistädtern  weiss  es  kein  einziger,  sondem  sie 
leben  und  sterben,  die  Sache  sey  so  alt»  als  Mathusalem. 

Sorgen  Sie  nur,  dass  sie  den  Leuten  nicht  zuviel  avancieren, 
und  zum  vorhinein  sagen:  Nur  soviel,  als  nothwendig  ist. 

Am  5.  März  1778  schreibt  Weishaupt  an  Zwackh  (s.  S.  210): 

Reden  sie  auch  nichts  von  dergleichen  Materien*)  zu  den 
Initiirtcn;  denn  man  weiss  nicht,  wie  sie  aufgenommen  werden, 
w^eil  die  Leute  nocli  nicht  gehörig  praeparirt  sind:  und  dieses 
soll  erst  in  den  untern  Klassen  geschehen,  die  sie  zu  durch- 
laufen haben.  Auch  nicht  einmal  von  Erziehung  und  Polilic 
höre  ich  gern,  dass  man  mit  diesen  Leuten  rede.  Denn  wenn 
sie  die  Politic  vor  der  Moral  lernen,  so  werden  Schel- 
men daraus.  Ganz  allein  Moral,  Geschieht,  Menschenkennlniss 
und  Einsicht  in  die  menschliche  Natur.     Ändern  sie  zu  diesem 


*)  Es  sind  verschiedene  Bücher  damit  gemeint. 


io 


,  Ende  auch  den  betreffenden  Passuni  in  Statutis  ab,  und  setzen 

t  anstatt  Politie,  Moral 
Besonders  müssen  den  Leuten  erwärmende  Schriften  in 
Hände  gegeben  werden,  die  durch  Stärke  des  Ausdrucks 
stark  auf  den  Willen  wirken.  Darunter  rechne  ich  Bassedows 
practische  Philosophie,  Abis  Schriften,  Meiners  Schriften,  Se- 
neca,  Epictet,  Antonius  Betrachtungen  über  sich  selbst,  Mon- 
Jögnes  Versuch,  Plutarchs  Lebensbeschreibungen  und  moralische 
Terke. 

Am  10.  März  1778  gibt  Weishaupt  volle  Aufklärung  seiner 

f  sichten  und  schreibt  an  Zwackh: 
Das  System,  das  ich  mir  bishero  von  dem  Orden  gemacht, 
nn  wohl  seyn,  dass  ich  es  morgen,  oder  irgend  zu  einer 
Zeit  abändere.  Da  ich  beständig  mehr  Heiz  und  Gelegenheit 
habe,  über  diese  Sache  zu  denken,  da  ich  tägHch  an  Erfahrungen 
und  Einsicht  zunehme,  ist  es  nicht  rathsam,  die  Festsetzung 
^^  Systems  so  lange  hinauszusetzen,  als  es  möglich  ist"?  Und 
Birum  suche  ich  in  der  ersten  Einrichtung  beständig  Zeit  zu 
gewinnen,  und  solche  zu  benutzen.  Zu  diesem  Ende  gebe  ich 
lange  Termine,  die,  wenn  das  System  einmal  fester  ist,  und 
die  Anzahl  vermelirt,  alle  abgekürzt  werden.  In  solchen  ge- 
heimen Verbindungen  erw^artet  man  vieles,  und  wie  bin  ich  im 
Stande  mit  80  Jahren  meines  Alters  diesem  allen  genug  zu 
Ihun?  Unterdessen  will  ich  ihnen  doch  en  Detail  meine  der- 
maligen  Gedanken  schreiben.  Mon  but  est  faire  voloir  la  raison. 
Als  Nebenzweck  betrachte  ich  unsern  Schutz,  Macht,  sichern 
Rücken  von  Unglücksfallen,  Erleichterung  der  Mittel  zur  Er- 
kenntniss  und  Wissenschaft  zu  gelangen. 

tAm  meisten  suche  ich  diejenigen  Wissenschaften  zu  be- 
iben,  die  auf  unsere  allgemeine,  oder  Ordens  Glückseligkeit, 
oder  auch  privat  Angelegenheiten  Einfluss  haben,  und  die 
entgegengesetzten  aus  dem  Weg  zu  räumen*  Sie  können  also 
wohl  denken,  dass  wir  es  mit  dem  Pcdantismo,  mit  öfTentlichen 
Schulen,  Erziehung,  Intoleranz,  Theologie  und  Staatsverfassung 
werden  zu  thun  hoben. 

tDazu   kann   ich   die  Leute   nicht   brauchen,   w^ie  sie  sind, 
ndern  ich  muss  mir  sie  erst  bilden. 

Und   jede    vorhergehende  Klasse    muss   die  Prüfungsschul 
für   die    künftige    seyn.     Das  kann    nicht   anders   als   langsam 
n.     Nur  Thaten  ivicht  Recommendation  kann  hier  gelten. 


—     76     - 


In  der  nächsten  Klasse,  dächte  ich  also  eine  Art  von 
gelehrter  Academie  zu  errichten:  in  solcher  wird  gearbeitet,  an 
Karakteren,  historischen  und  lebenden,  Studium  der  Alten, 
Beobachtungsgeist,  Abhondlurigen,  Preisfragen,  und  in  specie 
mache  ich  darinnen  jeden  zum  Spion  des  andern  und  aller. 
Darauf  werden  die  Fehigen  zu  den  Mysterien  herausgenommen, 
die  in  dieser  Klasse  etliche  Grundsätze  und  Grunderfordernisse 
zum  menschlichen  glückseligen  Leben  sind. 

Anbey  wird  gearbeitet  an  Erkenntniss  und  Ausreitung 
(roüung)  der  Vorurlheile.  Diese  muss  jeder  anzeigen  monatüeh, 
welche  er  bey  sich  entdeckt?  welches  das  herrschende  ist?  wie 
weit  er  in  Bestreitung  derselben  gekommen  etc.  Dieses  ist  bey 
uns  eben  soviel,  was  bey  den  Jesuiten  die  Beicht  war.  Aus 
diesen  kann  ich  ersehen,  welche  geneigt  sind  gewisse  sondef' 
bare  Staatslehren,  weiters  hinauf  Religionsmeynungen  anzu- 
nehmen. 

Und  am  Ende  folgt  die  totale  Einsicht  in  die  Politik  und 
Maximen  des  Ordens.  In  diesem  obersten  Conseil  werden  die 
Project  entworfen,  wie  den  Feinden  der  Vernunft  und  Mensch- 
lichkeit nach  und  nach  auf  den  Leib  zu  gehen  sey:  wie  die 
Sache  unter  den  (Jrdens-Mitgliedern  einzuleiten,  wem  es  anzu- 
vertrauen? ■ 

Wie  ein  jeder  a  proportione  seiner  Einsiclit  könne  dazu 
gebraucht  werden;  eben  so  werde  ich  es  auch  mit  der  Erziehung 
und  andern  machen. 

Von  Mysterien  ein  Beyspiel  zu  geben,  so  gehörte  in  den 
eleusinischen  Geheimnissen  die  Lehre  von  der  Einheit  Gottes 
in  die  Mysterien.  Um  diess  kümmern  sie  sicli  nicht:  Sie 
werden  nach  und  nach  eine  eigene  Moral,  Erziehung,  Statistic 
und  Religion  entstehen  sehen.  —  Wie  viele  Klassen'  daraus 
werden  sollen,  weiss  ich  selbst  niclit.  Gott  und  die  Zeit  werden 
es  lehren.  —  —  — 

Der  letzte  Brief  ist  in  seinem  Inhalt,  bis  auf  den  gegen- 
standslosen Schluss  unverändert  hier  wiedergegeben,  weil  dieser 
ganz  besonders  herangezogen  wird,  um  die  verderblichen  Ab- 
siciiten  Weishaupts,  sein  jesuitisches  Denken  klarzulegen.  *- 
Der  Brief  enthält  für  den  ersten  Blick  entschieden  bedenklichn 
Stellen.  Da  ist  zunächst  der  Ausdruck  ,,in  specie  mache  ich 
darinnen  jeden  zum  Spion  des  andern'*;  dieser  Satz,  aus  dem 
Zusammenhange  herausgerissen,  musste  bisher  Öfters  als  Beweis 


Hf!lauterer  Absichten  herhalten,  im  Zusammenhange  erscheint 
er  mehr  ols  recht  unglücklicher  Ausdruck,  der  vielleicht  im 
Jahre  1778  durchous  nicht  diese  Bedeutung  hatte  wie  jetzt. 

t  Weishaupt  will  Menschenkenntnis  verbreiten,  dazu  bedaif 
des  Beobachtungsgeisles.  Beoboclrten  soll  einer  den  andern 
um  ein  klares  Auge  für  Vorzüge  und  Felder  des  Nebenmenschen 
zu  erhalten,  an  solcher  Beobachtung  wird  sicher  Niemand 
etwas  linden,  sie  sogar  für  den  Zweck  der  Erwerbung  von 
Menschenkenntnis  für  unerlässlich  halten.  Setzt  man  nun  den 
unglücklichen  Ausdruck  Spion  für  Beobachter,  so  kann  sich 
beides  decken,  ohne  jede  nachweisbare  schlechte  Absicht.  Als 
Weishaupt  diese  Worte  sclirieb,  zahlte  der  Orden  mit  ihm 
genau  9  Mitglieder  (s.  S*  74  Brief  vom  25  Febr  1778),  ein  klares 
Programm  konnte  also  Weishaupt  noch  gar  nicht  besitzen, 
denn  dieses  war  entschieden  von  der  Werbung  und  Enlwicke- 

rg  neuer  Mitglieder  abhängig. 
Auf  jenen  Ausdruck  demnach   einen  besonderen  Wert  zu 
legen,  ist  mindestens  verfrüht  und  ungerecht. 

Der  Hinweis,  dass  er  Berichte  verlangt,  die  die  Beichte 
bei  den  Jesuiten  ersetzen  sollen,  ist  ebenfalls  ols  bedenklich 
erachtet  worden. 

K  Aber  auch  das  klingt  mehi-  wie  ein  unglücklicher  Ausdruck, 
Hb  wie  eine  bestehende  hinterlistige  Absicht,  was  auch  die 
spateren  monatlichen  Berichte,  fjuibus  licet  benannt,  auf  die 
noch  zurück;iukommen  ist,  beweisen. 

Der  Hinweis,  doss  Zwuckh  noch  eine  eigene  Moral,  Er- 
ziehung, Statistik  und  Religion  entstehen  sehen  würde,  dürfte 
am  allerbedenklichsten  erscheinen.  Um  ihn  zu  beleuchten, 
müssen  wir  jedoch  uns  mit  dem  damaligen  Schicksal  des 
Rindes  und  der  Universität  bekannt  machen. 
■  Am  30.  Dec.  1777  starb  Kurfürst  Max  Joseph  HL,  einer 
der  edelsten  Fürsten  Bayerns,  der  namentlich  eine  väterliciie 
Sorge  für  das  Schulwesen  und  den  öffentlichen  Unterricht 
bekundet  hatte.  Karl  Theodor  bestieg  den  Thron  und  sofort 
nach  seinem  Regierungsantritt  berichtet  die  Geschichte  von 
un e rfre u  1  iche n  Er^eign issc n . 

Kurfürst  Karl  Theodor  hatte  keine  besondere  Vorliebe  für 
sein  Land  und  bewies  das  dadurch  auf  das  deutlichste,  dass 
er  am  3.  Jan.  1778,  drei  Tage  nach  seinem  Regierungsantritt 
den  grössten  Teil  von  Altbayern  an  Österreich  abtrat.  Öster- 
reich   besetzte    durch    seine    Truppen    den    abgetretenen    Teil 


I 


14  Tage  später.  Infolge  dieses  Ereignisses  verlangte  der  Kur- 
fürst, dass  die  Universität,  nachdem  sie  ihm  den  Huldigungseid 
geleistet  hatte,  diesen  auch  der  Kaiserin  Maria  Theresia,  als 
Regeiitin  vnn  Niederbayern  leiste,  was  auch  geschah. 

PraiUl  gibt  (S,  626)  on»  dass  laut  Archiv  der  Universität  D, 
IX  2,  Jan,  13.  März  bis  4,  April  den  auf  den  Kurfürsten  bezüg- 
lichen Eid  ein  Auditor  dem  versammelten  Plenum  abnehmen 
sollte^  dieses  al^er  entzog  sich  einer  solchen  Herabwürdigung 
und  kam  der  Beamtenpflicht  durch  Namensunterschrift  und 
beigedrucktes  Siegel  nach. 

Dass  solclier  Vorgang  die  Professoren  erbittern  niusste» 
ist  gewiss,  denn  zwei  Herren  dienen  zu  sollen,  ist  viel  verlangt; 
es  ist  auch  einleuchtend,  dass  Weishaupt,  der  in  seinen  Ge- 
danken sich  stets  mit  dem  Orden  bcscliäftigte,  ohne  ihm  jedoch 
feste  Gestalt  geben  zu  können,  sich  mit  Plänen  von  dessen 
einstiger  Wirksamkeit  trug,  die  —  noch  gänzlich  in  der  Luft 
hingen,  denn  er  hatte  weder  Mitglieder  genug,  noch  irgend  eini 
Feld,  auf  dem  sich  diese  betätigen  konnten.  Wohl  aber  empfand 
er  die  MisssUinde  seiner  Zeit,  die  nur  durch  verkehrte  Erziehung, 
Verdrehung  der  Moral  und  Religion  entstanden  waren  und 
eine  Fülle  von  Verdriesslichkeiten  und  Verkehrtheiten  herv*or- 
riefen,  auf  das  empfindlichste.  Er  glaubte,  einstens  durch  den 
Orden  Erziehung,  Moral  und  religiöses  Empfinden  zu  ver- 
bessern und  di'Qckte  dieses  in  jenem  Brief  an  Zwackh  auch  aus 
Der  gesciiilderte  Voi*gang,  die  Kampfe  in  der  Vergangenheit  un 
Gegenwort  waren  die  l^rodukte  einer  Zeit,  in  dei'  die  äusse; 
und  geistige  Freiheit  in  Bande  geknebelt  wurde,  die  zu  lösen] 
ein  schönei*  Traum  des  Ordensstifters  blieb  und  zu  desse 
Healisierung  er  Menschen  zu  finden  oder  doch  zu  erziehen' 
hoffte.  —  Dass  es  ein  Träumen  war,  beweisen  auch  die  vielen 
herangezogenen  und  dann  wieder  verworfenen  Namen,  die  der 
Orden  tragen  sollte.  Weishaupt  suchte  nach  einem  Namen, 
dessen  Begriff  auch  gleichzeitig  den  Zweck  des  Ordens  enthalte,. 
Er  verfiel  zuerst  auf  den  Namen:  Minerva. -Orden  (Minerv^a  al 
Göttin  der  Weislioit),  Bienen-Orden,  der  am  schnellsten  wieder 
verworfen  wurde,  Parsenorden  Perfectibilisten  und  schliesslich 
Illuminaten-Orden.  Der  Name  Illuminat  war  erst  für  einen 
besonderen  Grad  gewählt,  und  wurde  spater  für  das  ganze 
Gebäude  angenommen.     Aus  diesen  Tatsachen   ist  zu  ersehen, 

Zt.   konfiszierten  Briefen,   die   die 
herausgelesen   werden   kann , 


« 


i 


dass   olles,   was   aus   den   s. 
Periode    1776 — 79   umfassen. 


—    79     — 

sitel  \Vorte   sind,    die   wohl    durc^h    die   Zeit   sogai"   berechtigte 

^i'ünsche   verboi'gen,   denen    aber  die   liefere    Kraft   felilte.     Es 

sind   noch   Phantasien   eines   lebhaften   Geistes,   der  das   Gute 

war  wollte,   ober  gor   nicht   wussle,   ob   dieses  jemals    Form 

^winnen    könnte.      Dabei    konnte   Weistiaupt    die    Menschen 

renig    und    musste    demzufolge    auch    schlechte    Erfahrungen 

machen,  wie  wir  später  durch  Zw^ackh  deutlieh  eifahren  werden, 

der  anscheinend  ein  klarei'es  Auge  für  die  begangenen  Fehler' 

^besass  als  W'eisliaupt  selbst.     Letzterem   wird  man  aber  frot/,- 

Uledem  ein  ideales  Streben  bei  seinem  Werke  nicht  absprechen 

'können. 

B     Die  OiHlensbegriiiidiiug  nach  der  Dareteliung  des 
H  F.  X.  V.  Zwackh. 

^V  Wir  haben  Franz  Xaver  von  Zwackh  bereits  als  Schüler 
und  Freund  W/s,  sowie  Ordensmitbegründer  kennen  gelernt 
In  letzter  Eigenschaft  muss  eine  Darstellung  jener  ersten  Epoche 
ganz  besonders  interessieren,  w^enn  man  den  Charakter  dieses 
Mannes  ins  Auge  fasst,  der  sich  ganz  anders  darstellt,  als  ein 
Einblick  in  die  veröflentlichten,  konfiszierten  Schriften  vermuten 
sst.  —  Zwackh  war  ein  ehrlich  denkender,  offener  Charakter, 
essen  Schilderung  Graf  Du  Mouhn  Eckai't  in  den  Forschungen 
;ur  Kultur*  und  Literaturgeschichte  Bayerns,  drittes  Buch  1895, 
bis  auf  einige  Irrtümer  vortreiThcli  gelungen  ist.  Genannter 
Forscher  erzählt  daselbst,  dass  ihm  der  Nachlass  des  Zwackh 
durch  seinen  Sohn  zugänglich  gemacht  w^urde  und  dass  er 
US  diesen  Dokumenten  ein  klares  Bild  der  Lebensschicksale 
dieses  Mannes  aufbauen  konnte.  —  Von  dem  Enkel  (der  Sohn  isl 
.inrwischen  verstorben)  wurden  diese  Nachlasspapiere  entäussert, 
ie  befinden  sich  daher  im  Besitz  des  Autors.  Die  Papiere  ent- 
alten eine  Darslellung  der  Ordensbegründung,  die  bisher  gänzlich 
"unbekannt  geblieben  ist,  weil  sie  niemals  verötTenllicht  wurde.  Das 
interessante  Aktenstück  ist  etwa  Anfang  1787  geschrieben,  war 
war  für  die  Veröffentlichung  bestimmt,  ist  jedoch,  wie  gesagt, 
nie  veröffentlicht  worden.  Zwackh  hat  den  Inhalt  öfters  ver- 
bessert und  scheint  in  spateren  Jahren,  wie  die  vei'schiedene 
Tinte   vermuten    lässt,   eine  Revision    vorgenommen  zu   haben. 


—     80     — 

Jedenfalls  ist  dos  Aktenstück  inhaltlich  völlig  glaubwürdig,  es 
entbehrt  jeder  Beschönigung,  da  es  namentlich  die  Gehrechen 
des  Ordens  rücksichtslos  aufdeckt.     Betitelt  ist  es: 

Beurkundete  Geschichte  des  llluminaten-Ordens  von  seiner 
Entstehung  biss  auf  gegenwärtige  Zeiten,  mit  ernstlichen  Be- 
merkungen über  die  Gebrechen  dieser  Gesellschaft,  über  die 
Beschuldigungen,  welche  man  in  Bayern  dem  Orden  und  ein- 
zelnen Mitgliedei'n  gemacht  hat  und  über  das  Verfahren  des 
Münchener  Kabineis  in  dieser  Sache. 

Soweit  der  Inhalt  an  diese  Stelle  gehört,  lautet  dei*selbe: 


§1- 

Weishaupt,  vorhin  Professor  auf  der  Hohen  Schule  zu 
Ingolstadt,  nun  herzoglich  Sachssen -Gothaischer  Ilofrath.  ein 
Mann,  dessen  Philosophische  Schriften,  seine  in  Bayern  erlittene 
Verfolgungen  und  die  von  ihm  verfasste  Apologie  der  lUuminateD 
hinlänglich  Beweisse  seines  durchdringenden  Verstandes  und 
edlen  Herzens  geben,  war  der  Stifter  des  Ordens,  Er  wurde  zu 
München  in  die  Loge  des  Grafen  Larossöe,  welche  sich  zu  den 
retVirmirten  Maurer  System  bekonnten,  aufgenohmen,  fand  aber 
bald  darin,  dass  ei'  dasjenige  Ideal,  welches  er  sich  von 
geheimen  Verbindungen  seit  mehreren  Jahren  aufgestellet  hatte, 
nicht  antrerten  würde,  und  da  er  die  Uneinigkeiten»  das  Miss- 
vergnügen einiger  seiner  Brüder,  auch  die  Absicht  am  Ende  zu 
einem  Tempel  Ritter  eingeweiht  zu  werden,  nach  und  nach 
entdeckte,  um  eben  diese  Zeit  euch  ein  Deputirter  von  der 
Unionisten  Loge  zu  Burghnusen  in  Ingolstadt  erschien,  welcher 
die  Grade  dieser  Maurerischen  Klasse  austheilUe  und  bekannt 
machte,  ^o  cntschloss  er  sich  diese  Gelegenheit,  wo  da  unter 
seinen  Mitbürgern  der  Hang  zu  geheimen  Gessellschaften  er- 
weckt war,  zu  benützen,  und  seinen  langst  durchdachten  Plan 
zu  entvveifen.  Dieser  Mann  war  ein  Geleluter,  der  sich  in 
sein  Studierzimmer  einsteckte  und  die  Welt  wie  Viele  andere 
nur  aus  Büchern  kannte  und  der  auf  das  heftigste  von  Jesuiten 
und  ihrem  Anhange  verfolgt  würde  als  Lehrer  des  Natur  Rechtes 
und  der'  Practischen  Philosotie.  Er  empfand  durch  die  bestän- 
digen verdriesslichen  Auftritte,  wie  schädlich  und  gefahrlich  es 
vor  den  denkenden,  wahrheitsliebenden  Manne  seyn,  dtesse 
Wissenschaften  nach  ihrem  Umfang  öfentlich  zu  lehren,  man 
kann  daher  vor  richtig  nehmen,  dass  in  seinem  ersten  Ordens- 


—    81     — 

plan  nichts  anderes  einfliessen  konnte,  als  was  er  sich  biss 
zur  selbigen  Zeit  in  wissenschaftlichen  Fächern  erworben  hatte, 
dass  er  daraus  vorzüglich  dasjenige  wählte,  woran  er  am  meisten 
Antheill  nahm,  um  dessen  Bekanntmachung  er  eine  Menge 
Hindernisse  fand  und  von  welchem  ihm  sein  Schicksal  zeigte, 
dass  sich  andere  geheime  Gessellschaften  entweder  damit  gar 
nicht  beschäftigten,  oder  nicht  im  Stande  waren  ihre  Absichten 
zu  erreichen,  und  ihren  Anhängern  darüber  hinlänglichen  Schutz 
zu  gewehren. 

Er  bestimmte  also  dem  neuen  Orden  den  einzigen  Zweck: 
Sammlung  und  geheimen  Unterricht  in  wissenschaftlichen  Kennt- 
nissen, dass  er  eine  geheime  Weisheitsschule  seyn  solle,  in 
welcher  der  Stifter  nur  junge  Akademiker  aufnehmen  und 
diesen  ungestört  dasjenige  lehren  wollte,  was  Dummheit  und 
Pfaffen-Eigennutz  von  den  öffentlichen  Katheder  verbannt  hatte. 
Diesen  Plan  teilte  W.  seinen  vertrautesten  Freunden,  die  dort- 
mals  auf  der  Universität  studierten,  dem  dermalligen  bayr. 
Hofkammer  Rath  v.  Massenhausen,  dem  Kayss:  Königl.  legations 
Sekretair  zur  Kopenhagen  von  Merz,  und  dem  fürstl.  Frey- 
singischen Hofrath  Hohenaicher  mit.  Diese  ermunterten  ihn 
zu  weiterer  Ausführung  desselben,  und  übernahmen  es  der 
neuen  Gessellschaft  Mitglieder  zu  verschaffen. 

§  2. 

Von  nun  an  war  diesser  Orden  die  Lieblingsbeschäftigung 
seines  Stifters  und  seiner  Mitarbeiter,  alle  Erhollungs  Stunden 
wurden  diessem  gewidmet,  jeder  dachte,  lass  und  samelte  Ma- 
terialien zu  dem  Gebäude,  die  er  dem  ersten  vorlegte,  um  daraus 
zu  ordnen,  zu  entnehmen,  oder  zu  verwerfen.  Es  benutzte 
jeder  seine  Bekanntschaften,  und  suchte  seine  Freunde  in  eine 
Gessellschaft  einzuführen,  welche  bald  als  ein  Klubb  von  Ge- 
lehrten, bald  als  diejenige,  welche  die  wahren  Geheimnisse  der 
Massonerie  aufbewahrten,  geschildert  wurde,  und  so  waren  in 
kurzer  Zeit  schon  Viele  Mitglieder  in  Schwaben,  in  Franken, 
und  in  Bayern  angeworben,  unter  denen  sich  auch  der  bayr. 
Hofrath  Zwackh  und  der  bayr.  revisions  Rath  Berger  befanden. 

Weil  man  aber  den  Mitgliedern  noch  nichts  von  Ordens- 
schriften geben  konnte,  so  wurden  sie  mit  gewissen  vor- 
geschriebenen Büchern  und  dem  Auftrag,  daraus  Auszüge  zu 
machen,  beschäftigt,  sie  mussten  über  bestimmte  Aufgaben 
Abhandlungen  verfertigen,  und  andere  taugliche  Mitglieder  der 

Engel,  0«Mhiehte  des  lilaminfttenordens.  Q 


—    82    — 

(lessellschaR  zufühicn,  jeder  von  den  ersleii  Auwerbeni  be- 
liandotte  seine  Zöglinge  nuch  der  Arth,  wodurch  er  am  meisten 
iMiidi'iH'k  Ulli  ihn  zu  macherj  hotlen  konnte.  Man  bediente 
sicli,  um  der  Sache  den  Sclicju  von  Wichtigkeit  zu  geben,  ver- 
schiedener gelieimei'  Schreibürteu  nnfei*  selbst  erdachten  Buch- 
staben, biss  endlieh  \\\  ein  Aufsatz  der  allgemeinen  Ordens- 
statuten zu  Staude  braeljte. 

Man  würde  sicii  inen,  wenn  mau  g)aubte>  dass  diessc 
dortmals  schun  so  eutworfeu  war-en,  wie  sie  dermallen  gedruckt 
(Erscheinen.  Es  wurden  nach  der  Zeit  uocli  viele  Verbesserungen 
darin  vorgenohrnen,  deren  Notbwendigkeil  schon  damals  die 
Llrhebei'  der  üessellscbat't  einsahen,  sich  aber  begnügten,  biss 
die  Anzahl  derjenigen  vei^rossert  wei'den  kötinte,  welche  mit 
den  AI>sichteu  des  Ganzen  bekannter,  aueli  desto  vortheilhafter 
vor  solches  arbeiten  würden.  Die  uächslen,  welchen  W.  das 
Gebeimniss  de^^  Neuheit  eröfTnete,  waren  der  oben  genannte 
von  Zwackh  und  Bej^ger, 


I 


Durch  den  Beytritt  dieser  Mitwissenden  wurde  nun  der 
i*rden  desto  riiliriger  verbreitet  und  weil  man  vor  vortheilhafter 
erachtete,  wenn  die  Kenntnisse  in  Wissenschaften,  die  An- 
leitungen und  Lelu-en  dazu  durch  Zeremonien  und  Grade  vor- 
getragen, mohrei'en  Reiz  gewinnen  möeblen,  beschäftigte  man 
sich  die  bisshero  gesammelte  Materialien  in  Stufen  einzutheüen 
und  von  den  Massonerie  Zei'enionieu  zu  entlehnen,  welche 
letztere  Gattung  aber  bei  W.  damals  noch  keinen  Be\tall  fände,! 
sondern  er  übernalim  es  neue  zu  entwerfen,  und  da  er  eben 
die  Werke  der  Zendavesta  lass,  so  verfiel  er  auf  den  Gedanken, - 
das  neue  t  h-dens  System  in  die  Zeremonie  der  Parseii  ein-l 
zukleideu.  Um  diese  Zeit  wurde  auch  dem  Ui^den  der  Titel, 
Minerva  Orden  geschöpft,  aus  welchem  sieb  die  Sxmbolischen 
Worthe  der  ersten  Grade,  Licht,  Augen,  Blendung,  so  andei'S 
die  Verschiedenbeit  dei-  Lampen  bey  den  Initialionen,  die  In- 
signien  und  das  Wapiieu  ci'khiren  lassen. 

Die  Anzahl  der  sclion  dortmals  vorhandenen  Mitglieder 
zeigte  den  ersten  Vorstehern  der  neuen  Gessellschatt,  dass  Vicle^ 
davon  gar  nicht  brauchl>ar  wai^en,  und  erforderte  alsso  die^ 
Klugheil  mit  mehrerer  S«n-gfall  solche  tn  Zukunft  zu  envälilen. 
Damit  dieses  iiiöchle  befolget  werden,  so  ejitwarfen  sie  vor 
jeden,  der  andere  anwerben   wollte,    eigene  X'orscliriflen,   i 


I 


—     83     — 


welchen  man  diesse  beobachten,  pj*üten  unxl  bilden  sollte  um 
mn  überzeugt  zu  seyn,  dass  die  Untergebenen  darnacli  handeln, 
so  hehändiglen  sie  ihnen  die  Formularien  der  lubellen  und 
^piarien,  welche  monfUhlich  sollten  eingeschickt  werden  und 
^kaben  ihnen  die  lnstrurti(>nen,  Insinuationen,  Partikularien, 
^Ktiituten,  Man  kann  sich  leicht  vor^stellen,  wieviele  Ver-wirrung, 
^vViderspi'Qche   und  Wiederhnllungen   dnrin  vorgekommen   sind, 

I indem  die  sogenannten  Milw  issenden  von  Ingolstadt  hinweg- 
bogen,  in  verschiedenen  Ortiien  indessen  bedienstet  worden, 
lind  in  keinem  genauen  Zusammenhang  weiter'  unter  der  Auf- 
picht  ihres  Stifters  gestanden  sind. 


i?  4. 


Sie    fühlten     freilich    diesse    UnvoUkommenheiten    selbst, 
allein  die  Verünlassungen  dazu,  w^elche  einzig  in  der  zu  schnellen 

I Verbreitung  des    Ordens*    lagen,    muss   ihnen    nicht   aufgefallen 
l&eyn,    und    anstatt    diese   einzustellen,    dachten    sie    dem    Übel 
Idamit   abzuhelfen,   wenn   sie    noch    mehrere    mit   ihi*er  Stiftung 
bekannt  macbeo,  und  auch  deren  Beystand  haben  würden. 
,  Es  wurde  also   Kanonikus   Hertel   und   Prof.  Bader,  dann 

Baron  Bassus  aus  Graubünden  als  ehmalliger  Mitschüler  des 
Hofrath  W.  von  der  Sache  vollkommen   unterriclitet.     In  Eich- 

Islett  geschähe  das  nehmliche  mit  dem  Regierungsr-ath  Fi^eyherrn 
Von  Schreckenstein,  und  dem  r*om|>ropsten  (ii'afen  Kohenzln, 
und  nun  schien  die  Sactie  eine  andere  (lestall  zu  bekcjmmen. 
Es  zeigte  sich,  duss  man  eine  grosse  Menge  der  Mitglieder 
sehr  hohe  Begi'ifTe  von  dem  t>i'den  beygebracht  habe,  da^^s  dann 
ihre  Ideen  und  Erwartungen  zu  hoch  gespannt  worden,  als 
man  je  im  Stande  seyn  würde,  sie  zu  befriedigen,  es  war  jedes 
nach    einem    besonderen   Zweck   aufmerksam,  jedes    nach   dem 

■  Eigendünkel  seines  Obern  gebildet,  sie  hatten  viele  willkürliclie, 
unnütze,  selbst  lächerliche  Anleitungen  und  Voi-schriften  unter 
dem  legalen  X'orwand  als  Ordens  Satzungen  erhalten,  so  dass 
W.  seinen  ersten  Plan  gar  nicht   mein    kannte.     I)ieses  bewog 

Ptmn  die  sammtlielien  Stiftej'  diesser  Gessellschaft,  welche  den 
Namen  areopagiten  sich  bey legten,  nachstehenden  gemeinschaft- 
lichen Schluss  festzusetzen,  welchen  ich  seiner  Kürze  wegen 
hier  sogleich  ganz  einrücke. 

§  5. 
irslens.     Solle  dem  areopagus  die  gemeinschaftliche  Einsiclit 
und  Direction  über  den  ganzen  Orden  zustehen. 

6» 


—     84    — 

Zweitens,  sollen  diesse  nun  oii  dem  ersten  Plan  des  Prof  "W 

wel^^her  biss  auf  einige  Abänderungen  ganz  angenehme» 
wurde,  mit  vereinigten  Kräften  arbeiten. 

Drittens,  was  jeder  bierin  samelt  soll  eben  diessem  noch 
ferner  zugesendet  werden,  der  es  nach  seinem  Gut- 
befinden annehmen  oder  verwerfen  könne. 

Viertens.  Das  ganze  System  solle  man  in  eigene  Zeremonien 
und  Grade  stellen. 

Fünftens.  Der  Zweck  wissenschaftliche  Kenntnisse  zu  er- 
wei'beii,  solche  dem  Untergebenen  zu  lehren,  soll  noch 
beigegeben  werden,  Verbreitung  dieser  Kenntnisse  auch 
voi'  Profane,  und  thötige  Unterstützung  nicht  nur  der 
Ordensbrüder,  sondern  einesjeden  rech tschnffe neu  Mannes. 

Sechstens.  Ersuche  man  den  Prof.  Weisbaupt  nun  ohne  Ver- 
zug die  ersten  Stufen  des  Ordens  aus  den  vorhandenen 
Materialien  auszuarbeiten,  und  solchen  den  übrigen  um 
ihrer  Erinnerungen  mitzutlieilen,  damit  man  doch  deren 
schon  lange  Zeit  in  Geduld  stehenden  Mitgliedern  etwas 
begnügliches  mittbeilen  könnte. 

Sieben  den  s,  übernimmt  es  Prof.  Bader  die  bisshero  aus- 
getheilten  allgemeinen  und  besonderen  Ürdens- 
Satzungcn  zu  verbessern.  Vorzüglich  diejenigen  Stellen, 
welche,  obschon  wider  die  Absicht  der  ersten  Verfasser, 
darein  eingeflossen  sind  und  bedenklich  scheinen  möchten, 
auszustreichen.  Darunter  geboren  vorzüglich  die  lächer- 
lichen Aufträge  von  Aufnahme  der  Posl-Sekretairs, 
der  Apothekci-,  Handwerker  pp.  Die  Sammlung  medi- 
zinischer Rezepten,  Kymischer*)  Processe,  und  der 
Gebrauch  so  verscbiedener;  Mysteriösen  Ordens-Schriften. 
unter  welchen  nur  jene  des  Weishaupts  mit  Ziffern  nocli 
könne  beybehalten  werden. 

Achtens,  in  den  arcopagus  wäre  in  Zukunft  keiner  ohne  Ein- 
stimmung aller  autzunehmen. 
Nach    diesser  Vereinigung    erschien    auch    bald    der   erste 

Minerv'algrad    und  in   mehreren   Orten  wurden  nun  diesse  Ver- 
handlungen gehalten, 

§6. 
Die  Areopagiten  arbeiteten  zwar  mit  vielem  Eyfer  an  dem 
Hauptplan  des  Ordens,  allein  einige  wollten  nur  gewisse  Wissen- 


•)  Chemischer, 


—     85     — 


^fichatten  gelehrt  wissen  uod  dem  Orden  eine  eigene  Philosophie 
^■eben,  andere  forderten  Unterricht  in  allen  Wissenschaften  und 
^künsten,   jener    bestand   darauf  man   sollte   das   Kristenlhum, 
^wie    es    bey    seinen    ersten    Zeiten    gewesen    ist,    einzuführen 
li*ochten,   diesser  glaubte  das   grosse  Geheimniss  solle    die  Ge- 
Hchichte   und    Einsicht  allein    anderer  Verbindungen   seyn,   in^ 
^aessen  sich  auch  ein  Theil  mit  Verbreitung  einer  guten  Moral, 
mit  inniger  Freundschaft  und  wechselseitigei*  Unterstützung  der 
Brüder   allein    begnügten,    und  auf  diesse  Arth   kann    man  be- 
Äöupten,  dass  jeder  aus  diessem  hohen  Rath  ein  eigenes  Ordens- 
^^ystem    entwarf   und    um    seine   Lieblingsmeinung   gehend   zu 
nnachen  die  andere  bestritt,  welches  um  so  heftiger  wurde,  als 
■ie  gemeinschaftliche  Direction  ebenfalls  vielen   unnützen,  vei'- 
ariesslichen    Arbeiten    bisshero    unterworfen    war.      Es    wollte 
^fider  gleiche  Rechte  darin  ausüben,  kein  entscheidende  Stimme 
^pines  andern  gelten  lassen  und  um  auch  diessen  Punkt  vor  der 
Zukunft  festzusetzen,  so  wurde  die  Frage  aufgeworlen,  weiche 
Regierungsform  dem  Orden  am  angenehmsten  wäre,   worüber 
sich  die  Meinungen  eben  so  durchkreuzten,  wie   über  die  Er- 
weiterung des   Ordens,   Zweck.     Eine   Partei    nahm    hierin   die 
Hierarchie   der    Katholischen    Kirche   die   andere   den   Jesuiten 
i  >rden   zum   Modell,    und  Weishaupt  war  gewiss   am    übelsten 
daran,    aus   diessen   verschiedenen  Vorschlägen   musste  er  die 

ILufsätze  machen,  sollte  alle  begnügen  und  behielt  daher 
pzwungener  weisse  von  jedem  etwas  bey,  welches  man  auch 
US  den  gedruckten  Graden  nicht  raissverstehen  wird,  denn  sie 
zeigen  klar,  dass  daran  nicht  ein  Mann  den  Ton  angegeben 
habe,  und  dass  man  sie  aus  vielerley  Entwürfen  zusammen- 
stopelte.  welchem  auch  die  Verschiedenheit  der  dii-ections  Ein- 
theillungen  und  dabey  gebrauchten  Nahmen  zuzuschreiben  ist. 
Zum  Beyspiel:  Kirchen,  Hocinvürdig,  Erlauchter,  Provinzial, 
Nazional,  assislenten,  general  und  die  quibus  licet,  welche  aus 
den  Marianischen  Jesuiter  Kongregationen  der  Studenten  ent- 
lehnt sind,  wo  man  alle  Monoth  verschlossen  die  bona  opera 
übergeben  musste. 


Über  all  diesse  Umstände  wäre  es  bald  zu  einer  Trennung 
ikommen  und  W,  musste  vor  die  gute  Sache  in  seinen  Briefen 

nachdrücklichsten  Scliutzreden  schreiben  und  seine  Mit- 
^sselJen    widerum    ermuntern,    die    sich    endlich    nach    langer 


—     86     — 


Überredung  und  vielen  Konkordenzen  zu  einem  weiteren  Eni- 
schluss  vereinigten.  Do  diesser  die  eigentliche  erste  Grundstülze 
von  der  Illum.  Gessellschaft  ist,  so  lege  ich  ihn  in  der  Beylage 
nach  seinem  ganzen  Inhnit  vor  und  hegnüge  mich  mit  der 
einzigen  Erinnerung  daraus,  dnss  die  zueile  <  Irden s  Stufe  der 
kleine  llkiminal  dabey  zu  Stande  kam.  Domit  schliessei  sich 
Quch  die  erste  Epoche  von  der  Stiftung  dieses  Ordens,  welche 
sich  mit  dem  Juhre  1775  onfanget  und  mit  1779  endiget. 


Wir  unlerbrechen  hier  die  Zwackhsche  Dai'stellung,  die 
wir  sogleicii  wieder  nnfnelmien  werden,  um  uns  über  den  Geist 
der  ersten  nrdeusjohre  noch  klarer  zu  werden* 

.Vor  allen  Dingen  ersieht  man  deutlich   aus  Zwackh's  Er- 
klärungen, dass  Weisliaupt  wohl  die  Grundidee  gegeben,  keines- 
wegs  aber   der  Ausarheiter   des  Orden^systems   war,   vielmehr 
haben   viele    daran   gcorbeilet.     Er   wollte   schieben,  ward  aber 
seihst  geschoben;   wurde   er  jedoch  zu  stark    bedrängt,    sodass 
der   OrdenswMgen    drohte,    aus    den    gesollten    Gleisen    heraus- 
gedrückt zu  werden,  so  gab  es  in  der  Zukunft  stets  Geschrei 
über  Weishaupts    Heri-schsucht,   wenn   er    den    falschen    Kur* 
nicht  zulassen  wolite.     Von   neueren  Forschern  ist  oftmals  die 
Herrschsucht  Weishaupts    betont    w^nrden,    dtiss   er  keinesfalls 
dns   Regiment   des   Ordens  aus  den    Händen  geben   wollte   und 
nur  als  Ordensgeneral  sich  glücklich  fühlte.     Der  Zwackhsche 
Bericht  zeigt  in  dem  l»islierigen  Wortlnute  schon  deutlich.  dassJ 
Weishaupt  um  der  Saclie  willen  genötigt  war,  seine  Autorität" 
geltend  zu   machen.     Es  wiederholt  sich   hier  ähnlich  der  Vor- 
gang  wie    an   der   Universität.     Übelstfinde   duldet  Weishaupt 
nicht   und   wird   dafür  kräftig  angegriflen.     Selbst  »mit  Zwackbi 
kam   er  öfters   in   Gegensatz,  dieser  fügte  sich    aber*  stels   de 
einsichtigen  Auseinandersetzungen  seines  Lehrers,     Da  wir  i 
Zukunft  öfters  auf  die  Behauptung  der  Herrschsuchi  Weishaupt's 
stossen    werden,   so    ist  es    angebracht   die  Gründe  kennen  zu 
lernen,    die    ihn    in    diesen   Verdacht    gebracht    haben.     Nacb- 
Iblgender  Brief  des  Spartacus  (Ordensname  für  Weishaupt)  iiu 
Goto  (Ordensname  von  Zwackh)  vom   i:i  November  1778  ist  in 
(lieser  Beziehung  lehrreich.     (t>riginalschrif(en,  S.  269.) 

,,Ihr  lefzter  Brief  ist  nach  langer  Zeit  der  erste,  der  wieder 
in  der  Sprache  und  Ausdr-ücken  unsers  ersten  *  offenbarend 
geschrieben  ist,   und   nocli  etliche  solche  Briefe  sind  im  StandJ 


r- 

I 


—     87     — 


las  üUe  Vertroiien  herzustellen.     Sie  wer-deii  sich  eiiiiiiei  n.  dass 


Ich 


im 


M 


onf 


lieses  Jnhrs 


*'ebruanus,    Merz,  April,    und    aucli    noch    Mny 

s  Vertrnuen  in  Sic  gesetzt,  und  sie  ols  meinen 

rundstein   betrachtet.     Ich   habe  sie  nacli  dem   Fall   des  Ajax 

iror   allen    andern    nus   dem  Dunkel   und  Hathselhat'len   heraus- 

jcnommen,  und  zum  Conscius  gemachl.     Diese  Zeit  her  kann 

*)ch  ahei*  nicht  beiden,  dass  sie  tnir  durcli  die  ewigen  Zänkej*eyen, 

dureli    das   dodnreli    vei'ursachte  Auflialton    der  ganzen   Snoho, 

duroll  die  sehr  kurze,  seltene,  bissige,  sogar  durch  fremde  Hand 

Äpeschriebene  Briefe,  durch   das  Zurückhalten  der-  meinigen  elc. 

^Eeiemlich  Misstrauen  verursacht,  --  —  ^^ 

H Theuersler  Cato!  es  ist  wahr,  ich  herrsche,  aber  weil 

Hßs  so  seyn  muss,  weil  das  Gebäude  sonst  nicht,  zu  Stand  kömmt, 
so  lang  meine  Herrschsucht  bloss  fordert,  was  unser  Gebäude 
und  Zweck  mit  sich  bringt,  so  kann  sich  niemand  darüber 
>eklagen;  denn  wenn  ich  es  nicht  thäte,  so  müsste  es  doch 
|ein  anderer*  thueiK  Mein  Herrschen  also,  so  lang  es  unschäd- 
lich ist,  die  Mascbin  im  Gang  erhallet,  und  bloss  allein  darauf 
jeriehtet  isl,  kann  niemand  missliilligen.  Wenn  ich  aber  das 
Gehäud  missbrauchen  wollte,  blos  vor  mich  sorgen,  um  reich, 
'angesehen  und  mäclitig  zu  werden,  dann  wäre  es  übel.  Wie 
können  sie  al>er  diess  von  mir  vei-muthenV  Ich  lebe  zufrieden 
mit  meinem  Amt,  verlange  nicht  weiter,  und  habe  mein  hin- 
längliches Auskommen,  uml  begefire  im  bürgerlichen  Leben 
I nichts  weiter  zu  seyn,  als  was  ich  bin.  Ferners  nothigen  micli 
meine  ihnen  bekannte  Umstände,  den  meisten  Mitgliedern, 
so  lange  ich  lebe,  verborgen  zu  seyn.  Ich  bin  genöthigt,  alles 
durch  5  oder  6  Personen  zu  thuen.  Diese  sind  also  die  Heir- 
schende,  ich  der  Arbeiter,  und    ich   verlange  nur  Versicherung, 

Idass  nach  der  Vorschrift  gearbeitet  werde.  Dahin  ziehen 
lulle  cautellen.  Jeder  ist  frey  in  allen  Handlungen,  unabhängig 
von  mir  und  vni»  andern,  nur  in  dem  nicht,  was  ein  Mittel 
zum  Zweck  des  Ordens  ist.  [sl  das  nicht  natürlich?  folgt  das 
nicht  aus  der*  Natur  einer  Gesellschaft?  Wenn  ich  es  auch 
nicht  forderte,  müsste  es  Flieht  ein  anderer  fordern?  Soll  ich 
niclit  berechtigt  seyn,  das  von  meinem  Nächsten  zu  fordern, 
^pwas  jeder  von  ihnen  bey  geschehener  Verbreitung  über  1000 
iind  melirere  fordern  kann? 

Gefiel  es  ihnen,  wenn  ihre  Untergebene,  und  diese  wieder 
ron  den  ihrigen  eine  gleiche  Freyheit  forderten?  Könnte  da 
slwös  geschehen?     Theuerster   Cato!      Merken    sie    sichs,   der 


—    88     — 


Endzweck  des  Ordens  ist,  frey  zu  sevn,  unabhängig  von  Ans- 
Wörtigen.  In  Bücksicht  des  Ordens  ist  solcher  allein  Herr, 
wir  alle  sind  die  Diener  unsers  Zwecks,  ich  bin  der  erste 
Diener,  denn  ich  arbeile  für  euch  alle.  Ich  entwerfe,  ihr  be- 
stättigt  es,  und  führt  es  aus.  Sie  liaben  liier  falsche  Begriffe 
von  Freyheit.  Um  auf  einer  Seite  unöbhängig  zu  seyn,  bin  ich 
auf  der  andern  Knecht.  Denken  sie  darüber,  Cato!  und  sie 
werden  linden,  dass  ich  recht  habe.  — 

Wir  werden  bei  weiterem  Vorschreilen  noch  öfter  entdecken, 
dass  Weisliaupt  seinen  ursprüngliclien  Plan  kaum  w^ieder- 
erkannte,  wie  Zwackh  bereits  andeutet,  sobald  er  längere  Zeit 
die  (h'densent wickehing  andern  Händen  üherliess.  Er  zeigt 
sich  stets  konse<|uent  in  Beibehaltung  seiner  ersten  Absichten 
und  kommt  dadurch  wiederholt  in  Konflikte  mit  den  anderen 
Ordensobern,  die  die  Neigung  aufweisen,  die  Grundidee  zu 
missachten. 

Wir  kehren  jetzt  zu  der  Zwackhschen  Ordensgeschichte 
zurück,  welche  von  ihm  in  eine  erste  Pei4ode  von  1775 — 1779 
eingeteilt  ist  1775  ist  augenscheinlicher  Irrtum,  wenn  Zwackh 
nicht  die  Vorbereitungen  des  Jahres  1775  mitrechnet,  es  muss 
1776  heissen,  wie  Weishaupt  selbst  ja  auch  angibt.  Mit  dem 
Jahi'e  1779  endet  er  die  erste  Ordensperiode,  weil  sie  bis  daliin 
die  alleinige  Tätigkeit  der  Ordensmitglieder  aus  eigener  Kraft 
umfasst,  ohne  Anlehnung  an  maurerische  Kreise;  wir  bezeichnen 
jedoch  als  erste  Periode  die  Zeit  unter  der  alleinigen  F^ührung 
Weishaupts,  und  rechnen  die  zweite  von  dem  Eingreifen  des 
Freiherrn  v,  Knigge  an.  Die  Ereignisse  werden  am  klarsten  an 
der  Hand  derZw^ackhschen  Ordensgeschichte.  Diese  lautet  weiter: 

§8. 

Bisshero  war  der  Orden  noch  vor  und  untei*  sich  allein 
bestanden,  nun  aber  öflnet  sich  ein  neuer  Weg  um  ihm  durch 
einen  andern  mehr  Macht  und  Schutz  zu  verschaffen.  Um 
diesse  Zeit  wurden  von  den  areopagiten  in  München  mehrere  in 
die  unionisten-Maurer  Loge  ,, Theodor  zum  gutten  Rath,  wo 
der  BurgpHegcr  Rodl  den  Hammer  führte  autgenohrnen.  Diesse 
Loge  vergrösserte  sich  von  Zeit  zu  Zeit  durch  viele  ansehnliche 
Brüder  und  envarb  sicli  durch  die  Constitution  der  grossen 
Landesloge  zu  Berlin  Royal  York  eine  Menge  von  französisclien 
Araden,  welches  so  viel  bewirkte,  dass  die  reformc  in  Bayern 


-    89 


WA 

hi 


uiiUiulig  und  beinahe  ausseinander  getretten   war.     Sehr  viele 
^on  diessen  äusserten  den  Wunsch  sich  an  die  des  Radi  anzu- 
<:hniiegen,  wenn   nui-  noch   einige  mehrere  Solidität  darin  her- 
Ceslelli  würde.   Uiesser  Antrag scliien  den  Stiftern  des  Illuminaten- 
ordens ein  Gegenstand  zu  seyo,  der  all   ihre  Aufmerksamkeif 
verdiente,  sie  unterzogen  sich  also  dem  Geschäfte  und  brachten 
dahiti,   dass   Radi    seinen    Hammer    niederlegte,    der   Prof. 
Jader  zum  Meister  vom  Stuhle  gewählet  und  die  ersten  Logen- 
äraler  mit  ihren  Anhängern  besetzet  wurden.     Nachhero  nahmen 
äie   eine  Verbesserung  in  den  Logengesetzen  vor,  nahmen  eine 
^Auswahl  und  Minderung  in  den  Maurerischen  Graden  und  ver- 
bannten   das   überflüssige,    geringfähige,    vornehmlich    an    den 
Lufnahms   Zeremonien,      Durch    diesse    Einrichtung    stand    in 
cui-zer  Zeit  diesse  Loge  in  einen   Kredit,  den   der  Bey tritt  von 
vielen  rechtschaffenen  Brüdern  aus  der  reforme  und  der  altern 

tngenannten  Bögnernischen  Unionisten  Loge  so  sehr  vermehrte, 
asssieum  diessen  Glanz  und  Vorzug  alle  ihre  altern  Schwestern 
leneiden  mussten. 
■  §9, 

Indessen  kam   diesser  neue  Zuwachss  dem   lUum.  Orden 
sehr  zu  guthe.     Denn  er  war  nun  eines  Theils  in  Bayern  unter 
^(der   tolerirten    Massonerie   mehr  verborgen,   andern   Theils   er- 
Hivarben    sich    seine   Oberen    vollkommene    Kenntnisse    in    den 
^Rluurer  Systemen  und  durch  den  näheren  Umgang  mit  diessen 
^pvar   man    im  Stande    die    besseren    davon   vor   den  Orden    an- 
"xuwerben.     Mit  Graf  Konstanzo  wurde  der  anfang  gemacht  und 
da  diesser  auf  Kosten  der  Loge  eine  maurerische  Reisse*)  unter- 
nahm, um  bey  der  Royal  York  zu  Berlin  sich  von  der  jährlichen 
»dahin  zu  bezahlenden  Abgabe  zu  befreyen  und  auch  mit  anderen 
HSystemen  X'ereinigung  zu  errichten,  so  konnten  sich  die  Areo- 
^bdgiten  von   diesem  Manne  die  Erfüllung  ihrer  Absichten,  im 
^E^uslande   ihren  Orden   zu   verbreiten    mit  bestem  Grunde   ver- 
^Rprechen,     Sie  gaben   ihm  zu   diessem   Ende   alle   bissher    ver- 
leiligten  Grade,  Instructionen,  Statuten  und  besondern  Instruc- 
ionen    zur   Errichtung  ganzer  Vei^ammlungen,    wie    sie    mit- 
sinander    verbunden    und    untergeordnet    und    dirigirt    werden 
tollten,  verwilligten  ihm   auch  aus  ihrer  Kasse  einen  Zuschuss 
ind  verschafften  ihm  Adressen  von  wichtigen  Anempfehlungen 


*)  Auf  diese   maurerUebe  Reise  des  Konslanzo   wird  apilcr  uocli  au6- 
mhrlich  3tu  rück  gekommen  werden. 


—     90     — 


in  jene  Städte,  wo  ei'  die  I*flcinzschylen  erriclilen  sfjllie.  Diesse 
Mission  erreichte  auch  vollkommen  den  Zweck.  Seine  AuOräge 
verschafften  der  Ordens-Gessellschaft  der  IHuminaten  sehi*  viele 
würdige  .\{änner,  worunter  einige  in  oll  andern  Masson-Systemen 
sehr  lioch  graduirt  \^are^  und  doch  hekannten*  keine  Befrie- 
digung darin  gefunden  zu  haben.  Unter  diessen  befand  sich  der 
Freyhei'r  von  Knigge,  den  mati  auch  bald  wegen  seiner  aner- 
kannten Verdienste  von  der  Aufsiclit  des  Konstanzo  hinwegindun 
und  jener  des  Weishaupt  übergab,  der  ihn  dem  Areopagu^ 
einverleibte.  I 

Wir  sind  jetzt  am  Ende  der  vordem  bezeichneten  Periode 
angelangt  und  müssen  uns  nunmehr  umsehen,  wie  das  bisher 
ausgearbeitete  Ordenssystem  aussah,  damit  der  Leser  später 
ein  si<'heres  Urteil  über  die  Gefahi'Iiehkeit  oder  NichtgerohHich- 
keit  desselben  selbst  abgeben  kaim. 


Das  System  des  Illumliiateiiordens  bis  zum 
Jahre  1781, 

Will  man  sich  über  die  Zwecke  einer  Gesellschaft  info 
mieren,  die  Ziele  die  dieselbe  verfolgt,  erfahren,  so  ist  die 
Satzung  derselben  stets  dasjenige  Aktenstück,  welches  Anlw^ort 
auf  Fragen  über  diese  Punkte  geben  kann.  Heutzutage  ist  eine 
klare  Satzung  für  jede  Vereinigung,  sowie  dieselbe  von  einem 
Vorstand  geleitet  wird,  gesetzliches  Krfordernis.  Früher  war 
zwar  letzteres  nicht  der  FalK  immerhin  wurden  jedoch  der 
Mitglieder  wiegen,  sowie  um  der  Klarlieit  der  Ziele  w^egen^ 
Statuten  ausgearbeitet  und  den  Neuaufgenommenen  bekannt 
gegeV>en. 

Die  ersten  (»rdensstatuten,  welclie  einen  Einblick  geben 
über  das,  was  Weisheupt  wollte,  bestanden  nur  kurze  Zeit:  sie 
waren  recht  dürftig  und  unklar.  Ks  können  nur  die  ersteu 
Milglieder  diese  gekannt  haben,  da,  wie  uns  Zwackh  mitteilt, 
Professor  Baader  bald  damit  betraut  wui-de  dieselben  umzu- 
arbeiten. Die  in  den  schon  genannten  nriginalschriflen  Seit 
12 — 26  abgedruckten  Statuten  dürften  dieses  zweite  Produ 
sein,  Sie  sind  aber  noch  keineswegs  glücklich  zusammengestellt, 
und  wurden  nochmals  umgearbeitet,  bevoi*  Knigge  in  den  <  *rde 


-     91      — 

sintrnL  Um  die  Rntwickelung  zu  /.eip:en  und  den  Ideeii^u^m^ 
laclizuweisen,  der  die  sogenannten  Oberen  er-füllto,  ist  es  not- 
t'endig    beide    Salzungen    des   Vergleiches    halber    hieivher    zu 

?t2eii.     Die  letztere  Lesung  blieb  bis  zur  Auflosung  des  t*rdnns 

jsteben.  — 


Reform,  der  Statuten  der  I.  Klasise* 

Da  die  gesötz;:?ebende  Khighoit  erfordert,  nneh  Aenderung 
der  Umslande  auch  die  nöthigen  \  orscfiriften,  und  (insHtze  zu 
iindern,  denen  eine  Zeit  hinduroh  eingerissenen  Missbniiirher» 

I durch  neue  Gesatze  vorzubeugen:  und  die  zweifelliaften  Fälle 
näher  zu  erklären,  so  wie  auch  die  indessen  gegebene  einzelne 
Verordnungen  nöthigen  Falles  allgemein  zu  mactien,  und  rleni 
ordentUchen  Gesätzbuch  einzuvei^leiben,  so  hat  der  nnJen  in 
seiner  letzten  allgemeinen  \  ersammlung  in  Rücksicht  der  ersten 
^Klasse  nachtVdgeude  Verlügnng  gelroHeu. 

^  1.  Werden  hiermit  alle  vorigen  Satzungen,  Constitutionen, 

Privilegien,  wie  sie  immer  Namen   haben  mögen,  gänzlich  an- 
nulliert und  cassiert,  in  so  ferne  sie  gegenwärtigen  Fundamcntid- 
IVeroi'dnungen  zuwider  sind:   beiialtet   sich  aber  auch  tur  künl- 
lige  Zeiten  vor,  benöthigten   Falls  Aendemngen  zu  treffen 
I         2.  Bleibt  so,  wie  bishero  ancli  für  künftige  Zeiten  der  End- 
zweck   der  Gesellschaft,   dem   Mensehen    die  Vervollkommnuu;^ 
^^seines  \'erstandes,    und    muralischen    Karakters   interessant   zu 
^knachen,  menschliche  und  gesellscliaftliclie  Gesinnungen  zu  ver 
breiten,  boshafte  Absichten  in  der  Welt  zu  hindern,  der  nolh* 
^leidenden,    und   bedrängten  Tugend   gegen    das  Unrecht   beyzu* 
Hstehen,    auf    die    fiefurderung    würdiger    Manner  zu   gedenken, 
und  überhaupt  die  Mittel  zur  Erkenntniss  und  Wissenschaften 
zu  erleichtern.     Man   versichert  theuer  und   heilig,  dass  diese^ 

Pder  einzige  und  nicht  colorierte  Endzweck  der  Gesellschaft  sey. 
Im    Gegentheil    stehet   die   Gesellschaft   für   nichts   weiter, 
werden  die  Gandidalen  seiner  Zeit  mehrer  finden,  so  ist  es  für 
^^s%ie  um  so  besser,  und  sie  mögen  daraus  ersehen,  da^n  man 
^■wider  die  Gewohnheit  anderer  Gesellschaften   mehr  halte,   als 
man  sich  anheischig  gemacht. 

Ein  Mitglied,  das  durch  Er^vartung  künftiger  grosser  Macht 
fund  Reichthura   voi'züglich  wurde  bewogen  werden,  in  die  Ge 
^Seilschaft  zu  t retten    wnrdo  darinnen  nicht  das  allenvillkommstc 
Byn. 


—     92     — 


Da  aber  zu  Eiiioltung  eines  solchen  Endzwecks  der  Bey. 
stand  und  gute  Eintracht,  und  unzertrennliche  Veilraulichkeit 
aller  Mitglieder  nolhwendig  ist,  wie  auch  nicht  weniger,  dass 
andere  auswärtige  zum  Bessten,  und  zu  den  Absichten  der 
Gesellschaft  eingenommen  werden,  so  haben  alle  Glieder 

3.  In  Rücksicht  auf  die  Gesellschaft  allen  Hass  und  Neid 
gegen  Mitbrüder  zu  vermeiden,  sie  als  ihre  erste  und  liebste 
Freunde  anzusehen,  als  Mitarbeiter  zu  demselbigen  grossen 
Zweck,  zu  ihrem  eigenen  Besten,  das  ausser  dem  nicht  kann 
befördert  werden. 

4.  Fordert  die  Gesellschaft  ein  Opfer  ihrer  Freyheit,  doch 
nicht  durchgehends,  sondern  nui*  im  Falle  es  ein  Mittel  zum 
grossen  Zweck  ist.  Befelile  der  (Jbern  haben  allzeit  die  Ver 
muthung  vor  sich,  dass  sie  zum  Zweck  führen;  denn  Obere 
sehen  w^eiter,  tiefer  in  die  Systeme  ein,  und  darum,  und  aus 
keiner  anderen  Ursache  sind  sie  Obere. 

5.  Jedes  neu  angenommene  Mitglied  stellt  seinen  Reci- 
pienten  ein  Revers  de  Silientio  aus. 

8.  Die  Gesellschoft  kann  die  Leute  nicht  brauchen,  wie  sie 
sind,  sondern  sie  sollen  erst  werden,  w^ozu  man  sie  nöthig  hat. 
Dazu  gehört  Prüfung,  Proben  der  Treue,  Stillschweigen,  An- 
hanglichkeil, Arbeitsamkeit,  die  Erweiterung  nützlicher  Kenntnisse. 

7.  Datier  die  Zeit,  welche  Condidaten  in  diesem  Grade  zu- 
zubringen haben.  Junge  Leute  von  15  bis  18  Jahren  haben 
3  Jahre  zu  ihrer  Prüfung,  von  18—24  zwey  Jahre,  und  von  24 
bis  30  ein  Jahr. 

8.  Doch  kommt  es  auf  den  Fleiss,  Maturität,  Rifer  und  Appli- 
cation des  Candidaten  an,  dass  ihm  auch  zuweilen  seine  Zeit 
abgekürzt  werde. 

9.  Inner  dieser  Zeit  arbeitet  der  Candidat  an  der  Erfor- 
schung seiner  selbst,  an  der  Erforschung  seiner  Nebenmenschen 
zeichnet  alles  fleissig  auf,  notiert  auf  eine  gewisse  eigne  Me 
ihode,  und  denkt,  und  beobachtet  überhaupt  mehr  als  er  liest 

10.  Viele  Nolaten,  Bemerkungen,  viele  entworfene  Caraclers 
aufgezeichnete  (iespräche  von  Leuten,  die  in  der  Sprache  der 
Leidenschaften  redend  angetroficn  werden;  so  wie  auch  Folg 
samkeit  gegen  Obere  sind  der  sicherste  Weg  zur  Beförderung 

IL  Bey  der  Aufnahm  verändert  der  Candidat  seinen  Namen 
in  einen  eigenen  fremden:  auf  diesen  Namen  liest,  und  notiert 
'^r  alles  das,  was  ihme  davon  vorkömmt. 


^ ^ 


93     — 


Pf: 


t 


12.  Unter  den  Beobachtungen  hoben  physiognomische  Be- 
merkungen, gefundene  Regeln  menschliche  Charactere  zu  beur- 
theilen,  ein  grosses  Verdienst. 

13.  Auch  mit  Leuten,  mit  welchen  man  stark  umgeht. 
haltet  man  ein  eigenes  Buch,  wo  unter  die  Rubric  jeder  solcliei* 

*ei*son  geschrieben  wird,  auf  der  einen  Seite  dos  Gute,  auf  der 
andern  das  Böse,  so  sie  uns  getimn. 

14.  Vorzüglich  empfiehlt  mau,  Gegenstände  nicht  auf  fremde, 
sondern  auf  seine  eigene  Art  zu  betrachten. 

15.  Unter  die  ersten  Beweise  der  Fähigkeit  gehört  die  Auf- 
be,  die  jeder  zu  behandeln,  und  aufzulösen  hat,  und  am  Ende 
iner  Probezeil  überreicht. 

16-  Die   Sicherheit    der   Gesellschaft,    der   Reiz   alles   Ver- 

orgenen,  die  Beohüchtung  der  Candidaten  erfordern  es,  dass 

ährend   der  Probezeit   ohne  Noth    keinem,    auch    nur  das  ge- 

ngste   Mitglied  geoffenbaret  w^rde:   liötto  die  Gesellschaft  un- 

lücklicher  Weise  einen  Schwätzer,  so  kann  er  doch  nur  einen 

einzigen  verrat lien. 

17.  Dies  wird  den  Candidaten  behulsom  machen,  gegen 
Niemand,  auch   vermeynte   Mitglieder,    von    (Jrdens- Sachen    zu 

prechen. 

18.  Der    Recipient    von    jedem  Candidaten    ist    auch    sein 
berer»  jeder   hat   Erlaubniss   aufzunehmen,   doch   alles   unter 

Anleitung  seiner  unmittelbaren  Oberen,  will  er  zu  einer  höhern 
Klasse,  muss  er  wenigst  einen,  und  nach  gewssen  Umständen 
auch  zwey  aufgenommen  haben:  So  kann  es  geschehen,  dass 
ein  arbeitsamer  Mensch  in  den  Jahren  seines  Novitiats  sich 
schon  ein  kleines  Reich  baue,  und  in  seiner  Kleinheit  grbss 
und  mächtig  werde. 

19.  Dabey  müssen  aber  alle  Schritte  dem  Obern  angezeigt 
werden,  und  ohne  Anfrage  und  p]rlaubniss  kann  keiner  etwas 
vornehmen. 

20.  Ueber  alle  seine  Leute,  die  er  aufzunehmen  gedenkt, 
haltet  er  eigene  für  jeden  bestimmte  Blätter,  ^ragt  unter  jeden 
die  seelenverrathende  Reden  und  Handlungen  ein,  besnnders 
die  kleinsten,  wo  der  Mensch  nicht  glaubt,  beobachtet  zu  werden. 

Da  alle  Urtheile,  die  man  giebt,  so  wie  alle  Handlungen 
uns  verrathen,  so  wird  es  ihm  an  Stoff  zu  Notaten  nicht  fehlen, 

21.  Diese  Notaten  sind  der  Grund  von  allen  künftigen 
müssen  also  sehr  accurat  gemacht  werden,  und  IjIos  erzählend 
nicht  aber  raisonnierend  sevn,  aus  diesen  Notaten  werden  alle 


m 


94     — 


HelotioneiK  Traiisiioii,  Briefe  etc.  gemocht,  und  wenn  eine 
aufgenommen  werden,  muss  dar-aus  dem  unmittelbaren  oberen 
der  Carocter  des  Hccipiendi  vorgelegt  werden. 

22.  Zur  Siclierhcit  der  *  »beren  ist  bescldossen  worden,  dass 
kein  Untergebener  von  seinen  Obern  nur  eine  Zeile  ^'on  Ordens- 
Sachen  in  Händen  Ijobe.  Briefe  dei-  i^beini  müssen  also  gleich 
rnil,  der  Antwort  zurückgesiindt  werden. 

23.  Wohl  aller  karui  .sich  jeder  aus  den  ei'hailenen  Briefeu 
Excerpten  machen. 

24.  Abwesende  schreiben  un  ihre  Obere  alle  14  Tage  franeo: 
Anwesende  besuchen  ihren  i  >bern  wöchentlich  wenigst  einmal, 
und  wenn  der  Obere  Zeit  hat,  so  kann  er  die  Tage  in  dar 
Wochen  unter  seine  Leute  austheilen,  mit  ihnen  lesen,  notieren 
öder  erbauliche  Gespräche  führen. 

25.  Damit  alle  Mitglieder  von  einem  Geist  beseelt  werden. 
und  unter  ilmen  ein  Verstand,  und  ein  Wille  werde,  so  sind 
ihnen  auch  gewisse  Bücher  vf>rgescli rieben,  welche  sie  lesen, 
iind  aus  w^elchen  sie  sich  bilden  können. 

Für  Teutschland  in  gegenwärtigen  Zeiten  sind  beliebt  w^orden: 

1.  Seneca  Phil. 

2.  Epictet. 

3.  Antonius  Betrachtungen  über  sich  selbst. 

4.  Plutai'chs  Lebensbeschreibungen. 

5.  Seine   moralisclie,   so  \v\e  auch  alle  aridere  Schrifleir 

6.  Von  Wielands  Werken 
Agathon. 

goldener  Spiegel 
geheime  Bey träge. 

7.  Tobias  Knaut. 

8.  Hirschfeld   vom  grossen  Mainie,   und   von  heroischeiil 
Tugenden. 

\K  Po|»es  \'ersueh  über  den  Menschen. 
10.  Smilh  Theoria  der  Moi'alisclien, 
IL  Basedows  |vractiscbe  Philosophie  füi*  nlle  Stände. 

12.  Meiners  pliilosophische  Schriften. 

13.  Abt  vom  Verdienste. 

14.  Montagnes  \'ei'suctj. 
L5.  Helvelius  vom  Geist. 

16.  La  Bruici'e  Karakter. 

17.  Alle  Beilegardische  Scbi'iften,  so  wie  auch 

18.  Von  le  Noble  Weltschule. 


i 


—     95     — 

Ueberhaupt  ist  kein  Buch  ausgeschlossen,  dass  zur  Bildung 
des  Herzens  dienet,  insbesondere  empfiehlt  man  Fabeldichter, 
und  alle  andere,  die  an  Bildern,  oder  moralisch  und  politischen 
Maximen  reich  sind. 

26.  Das  gute  Herz  fordert  man  von  allen, .  Künste  und 
Wis.senschaften  von  denen,  so  es  im  Stande  sind;  ausser  der 
Moral  sind  der  Gesellschaft  Chimie  und  Handlung  die  an- 
genehmsten. Sprachen,  besonders  französische  und  griechische 
werden  hochgeschätzt  —  wenigstens  zum  Bücher  verstehen; 
aber  italienisch  und  englisch  haben  auch  ihren  grossen  Werth, 
wenigstens  soll  von  denen,  so  weiter  wollen,  jeder  eine  Sprache 
verstehen. 

27.  Mit  dem  Arcano  bleibt  es  durch  alle  Klassen  wie 
vorhero. 

28.  Obere  sind  unsere  Führer,  leiten  uns  in  der  Finsterniss 
und  Irrthum,  führen  uns  ab  von  ungangbaren  Wegen.  Da 
wird  Biegsamkeit  und  Folgleistung  zur  Schuldigkeit,  und  selbst 
zur  Dankbarkeit;  keiner  wird  sich  also  weigern  dem  zu  folgen, 
der  für  sein  Bestes  arbeitet. 

29.  Aber  Obere  können  auch  ihre  Gewalt  missbrauchen, 
und  sind  nicht  allzeit  Väter;  daher  will  die  Gesellschaft  ihre 
Mitglieder  gegen  alle  Unterdrücker,  Herrschsüchtige  etc.  durch 
folgende  Maassregeln  schützen:  mit  Ende  jeden  Monats  giebt 
der  Untergebene  an  seinen  Obern  ein  verschlossenes  Blatt,  oder 
auch  mehrere  mit  der  Aufschrift:  Quibuslicet,  oder  Soli,  in 
.solchen  zeigt  er  an*. 

1.  Wie  ihm  sein  Oberer  begegne,  ob  er  fleissig  oder 
nachlässig,  hart,  oder  gelind  mit  ihm  verfahre? 

2.  Was  er  gegen  die  Gesellschaft  für  Beschwerden  habe? 

3.  Was  ihm  dei*  Obere  dieses  Monat  hindurch  für  Be- 
fehle kund  gemacht?  —  Was  er  an  den  Orden  be- 
zahlt hat? 

Sollte  er  auch  keine  Beschwerden  haben,  so  muss  das 
Blatt  doch  übergeben  werden,  und  damit  es  der  Untergebene 
leichter  thun  kann,  so  leget  ei*  schon  zu  Anfang  jeden  Monats 
ein  oder  das  andere  Blatt  zu  recht,  und  sobald  ihm  etwas  vor- 
fällt, so  zeichnet  er  es  dahin  auf,  und  am  Ende  des  Monats 
schliesst  er  es  erst.  Diese  Verordnung  dauert  durch  alle  Klassen 
hindurch,  und  ist  niemand  davon  ausgenommen;  bleibt  solches 
unter,  so  verfällt  der  Untergebene  in  eine  seinen  Umständen 
proportionierte  Geldstrafe,  so  wie  der  Obere,  der  sie  unterlasset 


—    96     - 

frühzeitig  einzusenden.  Wenn  diese  Blätter  am  letzten  Tüge 
des  Monats  noch  übergeben  werden,  so  ist  der  Condidat  ausser 
Strafe,  darum  bot  sie  jeder  Obere  zu  praesentieren. 

30.  Jeder  hat  sich  bey  seiner  Reception  zu  erklaren,  ob  er 
im  Stande  sey,  dei"  Gesellschaft  einen  Geldbeytrag  zu  leisten, 
oder  nicht.  Ist  das  letzte,  so  hotHL  man,  dass  sich  niemand 
armer  machen  wird,  als  er  ist;  indem  man  schon  vorhinein 
von  den  Glücksumstanden  des  Candidaten  unterrichtet  ist;  ist 
das  erste,  so  hat  jeder  Obere  seinem  l^ecepto  ante  Receptionem 
einen  pi'oportionierteo  Geldbeytrag  oofzutingen,  der  bei  Geringeren 
nach  Belieben,  bey  Mittelmässigen  ein  Ducaten,  bey  Vermög- 
lichen eine  Caroline  ist,  dieses  wird  ihm  proponiert  nach  aus- 
gestelltem Revers  vor  der  Publication  der  Statuten,  mit  der 
Hondunterschrift  des  Candidaten,  dnss  er  so  viel  erlegt  habe, 
an  dem  nämlichen  Tag,  wo  der  Revers  ausgestellt  ist,  und 
solche  Uuantitüt  des  zweyte  Jahr  wiederhollet,  und  so  auch  bey 
denen,  so  auf  3  Jahr  engagiert  sind.  Die  Einlage  wird  von 
den  Obern  an  ihre  weitere  eingehöndiget:  bleibt  die  Einlage 
um  die  bestimmte  Zeit  aus,  so  nimmt  man  den  unmittelbaren 
Oberen  dessen  her,  bey  dem  die  Einlag  ausgeblieben.  Wollte 
einer  von  den  Candidaten  die  Gesellschaft  defraudieren,  so 
macht  er  sich  aller  künftigen  Vortheile  verlustig.  Von  einem 
wahrhaft  Armen  soll  gar  nicht  genommen  werden,  si  fidem 
paupertotis  fecerit;  kommt  er  zu  Knülen,  so  steigt  auch  der 
jahi'licbe  l^eytrag  nach  Proportion  der  Kräfte. 

31,  Zu  diesem  Ende  befiehlt  der  Orden  allen  Obern  bis 
künftiges  Jahr  1779  den  3L  Jon.  ihre  Ausstände  einzutreibeiL 
aber  niemand  dabey  zu  übernehmen,  und  gegründete  Beweg- 
Ursachen  sich  schrifüich  geben  zu  lassen,  Zahlsaumigkeit  der 
Mitglieder  hat  zu  diesem  Gesötze  Antass  gegeben:  die  docli 
seiner  Zeit  allen  reellen  Beystand  vom  Orden  lioffen.  Diese 
Verordnung  wird  um  so  billiger  erfunden  werden,  als  bey 
anderen  Orden  100  und  mehrei^e  Gulden  ohne  Unterschied 
gleich  im  Anfang  müssen  erlegt  werden,  und  dieses  Quantum 
viele  Jahre  hindurch  wiederhollet  wird. 

32.  Tritt  jemand  in  seinen  Probejahren  aus  der  Gesell- 
schaft, so  erhaltet  es  alles  Eingelegte  wieder  zurück,  darum  die 
Obern  solches  fleissig  aufzuzeiclmen  haben. 

33,  Jedem  Candidaten  ist  es  bis  auf  die  letzte  Stunde 
erlaubt  auszutretten,  imposito  tarnen  silentio. 


—    97    — 

34.  Gegenwärtige  Statuten   werden   dem,   so   noch  keinen 

aufgenommen  hat mündlich,  andern  schriftlich  publi- 

ciert.  Bey  Abwesenden  leidet  es  eine  Ausnahme.  Jede  nach- 
kommende neue  Verordnung  wird  in  das  in  Händen  habende 
Exemplar  sogleich  eingetragen. 

Die  dritte  und  bis  zum  Ausbruch  der  Ordensverfolgung 
bestehende  Lesart  der  Satzung  lautet  wie  folgt: 

Allgemeine  Ordens-Statuten. 

Zur  Beruhigung  und  Sicherheit  sowohl  angehender  als 
wirklicher  Mitglieder  dieser  Verbindung,  und  um  allen  ungegrün- 
deten Muthmassungen  und  ängstlichen  Zweifeln  vorzukommen; 
erkläret  der  Orden  vor  allem,  dass  er  keine  für  den  Staat,  die 
Religion  und  gute  Sitten  nachtheilige  Gesinnungen  oder  Hand- 
lungen zum  Zweck  habe,  noch  an  denen  Seinen  begünstige. 
Seine  ganze  Bemühung  gehet  bloss  allein  dahin,  den  Menschen 
die  Verbesserung  ihres  moralischen  Charakters  interessant  und 
nothwendig  zu  machen;  menschliche  und  gesellschaftliche  Ge- 
sinnungen einzuflössen;  boshafte  Absichten  zu  hindern;  der 
bedrängten  und  nothleidenden  Tugend  gegen  das  Unrechte 
beyzustehen,  auf  die  Beförderung  würdiger  Personen  zu  denken^ 
und  noch  meistens  verborgene  nützliche  Kenntnisse  allgemeiner 
zu  machen. 

Dieses  ist  der  ungeschminkte  Zweck  des  Ordens,  weiter 
stehet  selber  auch  für  nichts.  Sollten  die  Mitglieder  hie  und 
seiner  Zeit  etwas  unerwartetes  antreffen,  so  mögen  sie  sich 
dadurch  überzeugen,  dass  man,  wider  den  Gebrauch  einiger 
andern  Verbindungen,  weniger  verspreche  und  mehreres  halte. 

Ein  Mitglied  aber,  weiches  durch  Erwartung  künftiger 
grosser  Macht  und  Reichthums  bewogen  würde,  in  den  Orden 
zu  treten,  möchte  in  demselben  nicht  das  willkommenste  seyn, 

1.  Da  nun  zur  Erhaltung  eines  solchen  Zwecks,  wechsel- 
seitiger Beystand,  gute  Eintracht,  und  unzertrennliche  Verbind- 
lichkeit nothwendig  ist,  so  haben  dieselbe  den  Endzweck  des 
Ordens  nie  ausser  Augen  zu  lassen,  sondern  zu  überlegen,  dass 
alles,  was  sie  für  den  Orden  zu  thun  scheinen,  im  Grunde  zur 
Beförderung  ihres  eigenen  Wohls  diene,  und  dass  alle  Mitglieder 
mit  vereinten  Kräften  zu  ihrer  wechselseitigen  Glück.seiigkeit 
arbeiten. 

2.  Daher  müssen  sie  sich  untereinanderalstreucste  Freunde 
betrachten,  allen  Hass  und  Neid  bey  Seite  setzen,  ihre  Herzen 

KDfd,  Ocsehidite  des  XDamiiiateoordcM.  7 


vor  allem  schädlichen  Eigennutz  bewahren,  und  sich  so  be-l 
tragen,  dass  sie  nicht  nur  die  Herzen  ihrer  Mitbrüder,  sondern] 
auch  dadurch  ihre  Feinde  niit  gewinnen. 

3.  Sie  müssen  sich  zu  einem  gesetzten  und  freundschaft- 
lichen Wesen  im  Umgänge  gewöhnen,  und  überhaupt  auf  die 
grösste  innerliche  und  äusserliche  Vollkommenheit  sich  befleissen, 

4.  Menschenliebe,  Tugend  und  Rechtschaffenheit  fordert j 
tnan  von  allen  Mitgliedern,  Künste  und  Wissenschaften  aberj 
von  denen,  die  Naturanlage  und  Fleiss  haben. 

5.  Jedes  Mitglied  muss  daher  Industrie»  Geselligkeit  u"n3 
Tugend;  die,  so  dessen  fähig  sind,  auch  Künste,  Wissenschaften 
und  guten  Geschmack  verbreiten,  und  alles  das  zu  heben 
suchen»  was  diesem  entgegen  stehet.  i 

6.  Ueberdiess  empfiehlt  der  Orden  nachdrücklich  die  goldene 
Massigkeit,  Häuslichkeit  und  Zufriedenheit  mit  seinem  Stand, 
Achtung  gegen  das  Alter,  gegen  Obere,  gegen  die  Vorgesetzte 
und  Staatsbediente,  Freundschaft  und  Liebe  gegen  Mitbrüder,  J 
Höflichkeit  und  Mitleid  gegen  alle  Menschen.  Wer  Hochachtung 
von  anderen  fordert,  muss  auch  endern  mit  dem  Beyspiel  der 
Achtung  und  Höflichkeit  begegnen, 

7.  Verwaltet  eure  Aemter  in  der  bürgerlichen  Gesellschaft 
mit  Treue,  Eifer  und  Standhaftigkeit!  Stehet  euren  Familien  als 
gute  Väter,  Ehemänner  und  Herren  vorl  oder  gehorchet  als 
Söhne,  Diener  und  Untei^ebene!  Wer  die  Pflichten  seines 
Amts  vernachlässiget,  der  wird  auch  die  Pflichten  des  Ordens 
versäumen  und  vernachlässigen. 

8.  Obgleich  in  dem  Orden  aller  Unterschied  des  Standes 
und  der  Würde  verschwindet,  den  man  in  der  büiigerlichen 
Gesellschaft  bekleidet;  so  ist  es  doch  nöthig,  besonders  wenn 
Profane  dabey  sind,  in  den  Gränzen  des  Ceremoniels  zu  bleiben, 
und  gebührende  Achtung  zu  bezeugen. 

9.  Aeltere  Mitglieder  haben  sich  schon  mehr  Kenntnisse, 
mehrere  Verdienste  gesammelt,  und  daher  auch  höhere  Grade 
erhalten;  sie  sind  vielleicht  Obere,  daher  begegnet  man  ihnen 
mit  der  Ehrerbietung;  die  ohne  sclavisches  Kriechen  wahre 
Hochachtung  verräth. 

10.  Mit  je  grösserer  Höflichkeit  euch  ein  Mitbruder  be- 
gegnet, mit  desto  mehrerer  Achtung  müsst  ihr  ihm  solche  er- 
wiederih  Erlaubet  euch  nie  eine  auffallende  Vertraulichkeit; 
ihr   müsst   euch   stets   lieben,    und   die  Erfahrung   lehret,   dass 


I 


99 


nichts  so  leicht' die  stärkste  und  innigste  Freundschaft  trennet, 
als  ein  zu  grosses  Gemeinmaehen  oder  Familiarität. 

IL  Die  Obern  sind  unsere  Führer,  die  leiten  uns  aus  der 

Finsterniss   und   Irrthum   zum   Licht,    Sie   führen   uns   ab  von 

ungangbaren  Wegen.     Da  wird   Biegsamkeit,  Folgeleistung  zur 

IPfiicht    und    selbst    zur   Dankbarkeit.     Keiner    wird    sich   also 

'weigern,  diesem  zu  folgen,  der  für  sein  Bestes  arbeitet. 

12.  Der  Orden  fordert  also  freywillig  ein  Opfer  der  Freyheit 
von  den  Mitgliedern,  zwar  nicht  unbedingt,  aber  allezeit,  wenn 
es  ein  Mittel  zum  grossen  Zweck  ist.  Befehle  der  Obern  haben 
allezeit  die  Vermuthung  für  sich,  dass  sie  zum  Zweck  führen; 
dann  Obere  sehen  weiter,  sehen  tiefer  in  das  System  hinein; 
und  eben  darum  sind  sie  Obere,  und  dieser  Ursache  wegen  ist 
man  Folgeleistung  schuldig. 

13.  Die  Obere  kennen  die  Menschen,  sie  wissen,  wen  sie 
vor  sich  haben;  also  werden  sie  nie  ihr  Ansehen  missbrauchent 
noch  vergessen,  dass  sie  gute  Väter  seyn  sollen.  Dennoch  hat 
der  Orden  folgende  Massregeln  genommen,  um  seine  Mitglieder 
gegen  alle  Unterdrücker,  Stolze,  Herrschsüchtige  und  dergleichen 
zu  schützen.  Mit  Ende  eines  jeden  Monats  gibt  jeder  Unter- 
gebene   an    seinen    Obern   oder   Recipienten    ein   verschlossnes 

fBlatt,  oder  mehrei'e  nach  Umständen,  unter  der  Aufschritt; 
Quibus  licet,  oder  Soli,  oder  Primo.     In  diesem  Blatt  zeiget  er 

tan;  Erstlich:  wie  ihm  sein  Recipient  begegne,  und  mit  ihm 
(^erfahre?  z.  B,  gut  und  fleissig,  bös,  hart  und  nachlässig? 
Eweytens:  was  für  Beschwerden  er  gegen  den  Orden  habe? 
Drittens:  was  für  Befehle  ihm  der  Obere  in  diesem  Monalh 
kund  gemacht  habe?  Viertens:  ob  er  in  diesem  Mnnath  etwas 
Geld  erleget  hohe? 

14.  Jeder  muss  alle  Monate  einen  solchen  Zettel  eingeben, 
3r  höbe  etwas  zu  melden  oder  nicht;  damit  diess  mit  geringer 
Mühe  geschehe,  so  leget  sich  ein  jeder  gleich  am  Auffing  des 
Monaths  ein  Blatt  zurechte,  zeichnet  darauf  alles  auf,  was  vor- 
fallt, und  übeiigibt  es  im  Quibus  licet.  In  dem  Quibus  licet- 
Eettel  wird  der  Ordensname  innen  und  aussen  hergesetzt. 

15.  Diese  Verordnung  des  einzuschickenden  Blatts  dauert 
durch  alle  Grade  hindurch,  und  ist  niemand  davfMi  ausgenommen. 

^Wenn  es  unterbleibt,  verfällt  dieser  in  eine  angemessene  Geld- 
llrafe  so  wie  auch  der  Obere,  der  es  zu  gehöriger  Zeit  einzu- 
sammeln oder  einzusenden  unterlässt.  Den  letzten  Tag  müssen 
diese  eingegeben  seyn. 


^     100     — 

16.  Damit  alle  Mitglieder  von  einem  Geist  beseelet  werden, 
und  so  viel  möglich  nur  einen  Willen  haben,  so  werden  ihnen 
Bücher  vorgeschrieben,  die  sie  lesen  müssen,  und  daraus  sie 
sich  bilden  können.  Aus  den  monatlich  wenigst  halben  Bogen 
langen  Arbeiten  und  aus  den  Vorlesungen  be\  Versammlungen 
werden  Obere  und  Mitglieder  Gelegenheit  bekommen,  sowohl 
ihren  Vortrag,  als  Fleiss  und  Wachsthnm  ihrer  Kenntnisse  tn 
beurlheilen. 

17.  Die  Bücher  macht  jedem  sein  oberer  bekannt.  Ueber- 
haupt  ist  kein  Buch  ausgeschlossen,  so  7,m'  Bildung  des  Herzens 
dienet.  Für  Angehende  empfiehlt  man  Schriften,  die  an  Bildern 
und  moralischen  Maximen  reich  sind.  Besonders  siehet  man 
gern,  wenn  sich  die  Mitglieder  mit  dem  Geist  der  Alten  nähren« 
und  endlich,  wenn  sie  mehr  denken  und  beobachten,  als  lesen. 

18.  Der  Recipient  jedes  Candidaten  ist  sein  respectiver 
Oberer.  Jeder,  der  einem  anderen  die  Existens  des  Ordens 
eröffnet,  und  dadurch  in  selbem  das  Verlangen  rege  gemocht 
hat,  in  solchen  zu  treten,  muss  von  demjenigen,  der  ihn  in  den 
*  *rden  gebracht  hat,  das  ist,  von  seinem  Recipienten,  die  weitern 
Verhallungsbefehle  erwarten. 

19.  Jeder  hat  die  Erlaubniss,  neue  Mitglieder  vollzuschlagen 
und  zu  insinuiren,  daher  müssen  alle  Mitglieder  über  jede 
Personen,  die  sie  in  den  Orden  aufgenommen,  und  auch  über 
die,  w^elche  sie  vom  Orden  ausgeschlossen  zu  werden  wünschen» 
eigene  für  jeden  bestimmte  Blätter  halten,  auf  dieselbe  die 
Stellen,  verrathende  Reden,  Denkungsart  und  Handlungen  ge- 
treu aufzeichnen,  besonders  die  kleinsten,  wo  der  Mensch  nicht 
glaubt,  beobachtet  zu  werden.  Da  alle  Urtheile,  die  man  äusserte 
so  wie  alle  Handlungen  uns  verrathen,  so  wird  es  uns  nie  an 
Stoff  zu  dellgleichen  Notaten  fehlen. 

20.  Diese  Notaten  sind  der  Grund  von  allem  Künftigen, 
Sie  müssen  daher  sehr  genau  gemacht  werden,  mehr  erzählend 
als  räsonnirend  seyn.  Aus  diesen  Notaten  muss,  wenn  einer 
aufgenommen  werden  soll,  oder  wenn  einer  jemand  exciusiam 
gibt,  dem  unmittelbarem  i*bern  der  Charakter  des  Candidaten 
vorgelegt  werden, 

21.  Da  jeder  Mensch  zwey  Seiten  hat,  eine  gute  und  eine 
schlimme,  so  fordert  der  Orden,  dass  sich  die  Mitglieder  nicht 
bloss  die  eine  zu  betrachten  und  zu  beschreiben  angewöhnen. 
Die  Menschlichkeit  fordert,  dass  man  auch  bey  seinen  Feinden 
das  Gute  aufsuche,  die  Rechtschöffenheil  bey  jedem  lobe,  und 


i 


—     101     — 

nur  Feind  der  That  —  und  nicht  der  Person  seyn  solle.  Man 
kann  solche  Menschen  fliehen,  aber  nicht  hassen  und  verfolgen. 
Man  muss  den  ganzen  Menschen  aus  seinem  Charakter,  nicht 
aber  aus  einer  einzigen  Handlung  —  niclit  aus  dem  blossen 
Verhältniss  zu  uns,  entscheiden  wollen. 

22.  Um  zu  sehen,  ob  die  Candidaten  das  bisher  gesagte 
leisten,  ob  sie  ihre  Erkenntnisse  ei^w^eitern  —  Vorurtheile  ab- 
legen und  bestreiten  —  ihren  moralischen  Charakter  vervoll- 
kommen; mit  einem  Wort:  ob  sie  würdige  Mitglieder  werden 
Wollen:  so  fordert  der  Orden  Proben  der  Treue,  Vei*schwiegen- 
heit  und  Arbeitsamkeit,  Anhänglichkeit  und  des  Gehorsams  von 
ihnen. 

23.  Daher  hat  auch  der  (»rden  eine  gewisse  Zeit  gesetzet, 
welche  die  Candidoten  in  dieser  Prüfung  zubringen  müssen: 
Junge  Leute  haben  3  Jahi*e,  andere  zwe\ ,  und  andere  nur  ein 
Jahr  Probezeit.  Es  kommt  auf  den  Fleiss,  Maturität,  Eifer  und 
Anwendung  an,  um  sich  selbst  nach  seinem  Verhalten  und 
Mitwirken,  diese 'Prürungszeit  entweder  zu  verlängern  oder  zu 
%erkürzen. 

24.  Während  dieser  Zeit  liest  der  Candidat  die  vorgeschrie- 
bene Bucher;  arbeitet  an  der  Erforschung  seiner  Nebenmenschen; 
zeichnet   alles  fleissig  auf;  notiert  auf  eine  gewisse  eigene  Art, 

Iund  suchet  das  gelesene  gut  zu  verdauen,  und  auf  seine  eigene 
^rt  wieder  von  sich  zu  geben. 
\  25.  Viele  Nolaten,  Anmerkungen,  viele  entworfene  Charak- 
lei*s,  aufgezeichnete  Gespräche  von  Leuten,  welche  man  die 
Spruche  dei'  Leidenschaften  redend  angetroffen;  so  wie  auch 
die   Erfüllung   der  Ordensstatuten    und   Folgsamkeit  gegen   die 

rbern  sind  die  sichersten  Wege  zur  Beförderung. 
26.  Unter  den  Beobachtungen  haben  physiognomische  Be- 
merkungen, gefundene  Regeln,  menschliche  Charaktere  zu  beur 
H|heilen  ein  grosses  Verdienst.    Vorzüglich  empfiehlt  man  aber» 
"die  Gegenstände  nicht  auf  fremde  sondern  auf  eigene  Art  zu 

betrachten. 
B         27.  Nebst  der  ganzen   praktischen  Philosophie   beschäftigt 
<?ich  der  Orden  mit  der  Natur  und  Naturkunde;  mit  Cameral* 
und    Oekonomie-Wesen;    mit    den    Freyen    Künsten,    schönen 
issenschaflen  und  Sprachen, 

28.  Bey  seiner  Aufnahme  erkläret  der  Candidat,  zu  welcher 

unst  oder  Wissenschaft  er  sich   bekennen  wolle.     Die  dahin 

in^chlagende  Bücher  muss  er  sich  bekannt  machen,  gehörige 


—     102     — 


I 
I 


Auszüge  verfertigen,  selbige  zum  Beweis  seines  Fleisses  seinem 
Recipienten  vorzeigen,  und  solche  auf  Verlangen  einsenden, 

29.  Unter  die  ersten  Beweise  seiner  Fähigkeit  gehöi*et  die 
Aufgabe,  die  jeder  zu  behandeln,  aufzulösen,  und  am  Ende 
seiner  Probzeit  zu  übergeben  hat 

30.  Bey  seiner  Aufnahme  verändert  der  Candidat  seinen 
Namen  in  einen  fremden.  Auf  diesen  Namen  muss  er  alles, 
was  ihm  davon  vorkommt,  lesen,  sammeln,  und  aufzeichnen, 
oder  notieren,  um  eine  Geschichte  davon  einstens  verfertigen 
zu  können. 

31.  Da  sich  der  Candidat  eine  besondere  Behutsamkeit 
und  Verschwiegenheit  angewöhnen  muss,  so  erfährt  er  auch 
während  seiner  Probzeit  nicht,  wer  zu  dem  Orden  gehöret,  er 
lernet  kein  einziges  Mitglied  kennen,  und  diess  darum:  Erstens: 
döss  er  sich  nicht  gegen  diese  verstellen  könne,  und  folglich 
immer  unter  der  Beobachtung  stehe.  Zweytens:  dass  er  es 
wagen  müsste»  wenn  er  schwätzen  wollte,  gegen  Mitglieder  des 
Ordens  zu  schwatzen,  und  sich  einer  Uebertretung  der  Statuten 
schuldig  zu  machen,  die  er  nicht  läugnen  könnte.  _ 

32>  Eben  aus  dieser  Ursache,  und  weil  man  nie  weiss,  ob  | 
der,   mit  welchem   man    redet,   nicht   einen    höheren,   mindern 
oder  gleichen  Ordensgrad  hat,  ist  es  nicht  erlaubt,  auch  gegen 
Ordensbrüder,  die  man   in  Versammlungen  hat  kennen  lernen,- 
von  der  Zeit  seiner  Aufnahme,  von  Graden,  von  Dispensationen, 
am  wenigsten  aber  gegen  vermeinte  Mitbrüder,  wo  man  sich 
der  Gefahr,   solche   zu   verfehlen    aussetzet,    nur   das  geringste  _ 
von  Ordenssachen  zu  sprechen.  | 

33.  Abwesende  schreiben  an  ihren  Obern  alle  14  Tage 
postfrey;  Anwesende  abei'  besuchen  ihnen  wenigstens  einmahl 
in  der  Woche,  welchen  Tag  er  Bequemlichkeit  halber  in  der 
Versammlung  bestimmt.  Wenn  der  Obere  Zeit  hat,  so  theilt 
er  die  Tage  der  Woche  unter  seine  Leute  aus.  Er  lieset, 
notiret  und  führet  unterrichtende  Gespräche  mit  ihnen. 

34,  Aus  dem,  was  der  Candidat  von  seinem  Obern  erhält, 
macht  er  ollemahl  die  ihm  allein  verständliche  nöthige  Auszüge, 
und  schickt  oder  gibt  allemohl  alle  die  Originolien  gleich  wieder 
zurück.  Der  Orden  will  überhaupt,  so  viel  möglich,  verboi-gen 
bleiben;  denn  alles  Geheime  und  Verboi^ene  hat  für  uns  sonder- 
baren Reitz;  Bey  andern  Leuten  aber  erweckt  die  Verborgen- 
heit Neugierde,  und  zugleich  wird  die  Anhänglichkeit  bey  uns 
vergrössert.    Die  Obern    haben   dabey   mehrere  Gelegenheit   zu 


^     103     — 

beobachten,  und  also  unvermerkt  die  Leute  desto  sicherer 
kennen  zu  lernen,  Der  Orden  ist  dadurch  sicher  vor  dem  Ein- 
dringen der  untauglichen  Mächtigen,  und  vor  den  Muthmassunge» 
der  ausspähenden  Vorwitzigen.  Die  gute  edle  Absichten  können 
weniger  gehindert,  und  die  Ausbrüche  der  Herrschsüchtigen 
und  der  Parteygänger  desto  leichter  unterdrücket  werden. 

35.  Zur  Bestreitung  vielfältiger  Ausgaben,  und  zur  Unter« 
Stützung  armer  Brüder,  fordert  der  Orden  von  jedem  bey  Aus* 
Stellung  des  Reverses  einen  geringen,  seinen  Kräften  angemes 
senen  Geldbeytrag;  doch  ist  es  nicht  aller  Orten  gebräuchlich» 

36.  Sonst  hat  der  Candidat  während  der  Probzeit  keine 
Abgaben  zu  entrichten,  und  erhält  das  wenige  Geld  wieder 
zurück,  wenn  er,  wie  er  ohngehindert  kann,  vor  der  Initiation 
noch  zurücktreten  wollte.  Ueberhaupt  wird  er  bald  überzeugt 
werden,  wie  wenig  es  auf  leere  Absichten  oder  Geldschneiderey 
angesehen  ist. 

37.  Wahrhaft  Arme  sind  nicht  nur  gänzlich  frey,  sondern 
erhalten  noch  Hülfe  von  dem  Orden.  Bey  anderen  verschiebt 
man  die  kleinen  Abgaben,  bis  auf  bessere  Umstände.  Ueber- 
haupt wird  nichts  bezahlt,  als  nur  zum  Briefwechsel  der  monat- 
liche Bey  trag. 

38.  Da  diese  Abgaben  aber,  gegen  andere  Verbindungen 
wo  der  Eintritt  oft  mehr  als  fl.  100  kostet,  ungemein  gering 
sind;  so  hofft,  man,  dass,  da  es  doch  leicht  begreiflich  ist,  dass 
die  Unkosten  ein  so  grosses  Werk  zu  unterhalten,  wozu  Reisen, 
Briefwechsel  und  dergleichen  mehr  vonnöthen  ist,  sich  sehr 
hoch  belaufen;  die  Hauptsummen  darzu  auch  durch  die  Gross- 
muth  einiger  Obern  herbey  geführt  werden,  dass  man  sich  nicht 
beklagen  wird,  eine  kleine  Abgabe  zur  Unterstützung  des  Ge- 
bäudes zu  entrichten. 

Vergleicht  man  die  mitgeteilten,  aus  verschiedenen  Zeit- 
perioden stammenden  Statuten,  so  ersieht  man  unschwer,  dass 
die  zweite  Ausarbeitung  viel  klareres  und  zielbewussteres  Vor- 
gehen enthält  als  die  erste;  die  Einwirkung  der  freimaurerischen 
Verbindung  macht  sich  entschieden  bemerkbar. 

Diese  Verbindung  war  jedoch  in  der  ersten  Zeit  eine  dem 
eigentlichen  Freimaurertum  keineswegs  günstige,  denn  die  da- 
maligen Illuminaten  beabsichtigten  lediglich  durch  diese  ihre 
eigenen  Reihen  zu  stärken.  Ein  solches  Vorgehen  mag  verzeih- 
lich  erscheinen,   wenn   man   bedenkt,    dass  in  jener  Zeit  die 


—     104     — 


Freimaurerei  auf  bedenkliche  Abwege  geraten  war,  sodass  eine 
Reformatioo  derselben  dringend  nötig  wurde.  Der  durch  die 
Zeitstimmung  begünstigte  Hang  nach  mystischer  Schwannerei,« 
die  Tätigkeit  der  Goldsuclienden  und  Geisterbeschwörendeu  neuen 
RosenkreuÄer,  liess  es  nur  zu  begreiHich  erscheinen,  dass  ein 
Cagliostro  mit  seiner  neugebackenen  egjptischen  Maurerei,  ein 
Schrepfer  und  St.  Germain  mit  ihren  Schwindeleien  Erfolge: 
haben  konnten.  Die  metaphysischen  Lehren  des  in  seiner 
Person  und  Charakter  zwnr  unanfechtbaren  Swedenboi'g  hattea 
viele  Gemüter  hochgradig  erregt  und  auf  das  Übersinnliche  hin* 
geleitet,  sodass  eine  Sehnsucht,  die  Geheimnisse  des  Lebens 
und  des  Jenseits  zu  ei-gründen,  viele  Männer  ergriff,  die  in  den 
geheimen  Gesellschaften  zu  befriedigen  von  Vielen  erhofft  w^urde. 
Jeder  einigermassen  Gebildete  gehörte  ii^end  einem  Bunde  an. 
Die  Freimaurerei  als  der  älteste  und  bekannteste  Geheimbund 
empfing  infolge  dieser  Geistesströmung  viele  fragwürdige  Ele- 
mente, die  den  eigentlichen  Kern  des  Bundes  nicht  erfassten,! 
sondern  nur  vei*wischten.  Es  kamen  schädliche  Prinzipien,  ein 
Hochgradunwesen  und  selbst  Schwindeleien  in  das  Logenw^esen 
jener  Zeit,  wodurch  viele  abgestossen,  enttäuscht  und  geschädigt 
wurden.  Diese  Tatsachen  sich  zu  Nutze  zu  machen,  verstanden 
die  damaligen  Illuminaten  und  brachten  deswegen  bereits  im 
\^irhereitungskursus  dem  zukünftigen  Ordensmitgliede  bei,  dass 
die  Freimaurerei  allein  kein  günstiger  Boden  für  ihn  wäre. 
Während  der  Vorbereitung,  die  lediglich  den  Zweck  hotte,  den 
Candidaten  nach  Möglichkeit  für  den  Orden  einzunehmen,  wurde 
er  z.  B.  auf  Folgendes  hingewiesen, 

*)  „Wenn  sich  die  besseren  Menschen  verbinden,  der  Cor- 
ruption  zu  steuern,  und  die  Hindernisse  hinwegzuräumen,  welche 
der  Weisheit  und  Tugend  im  Wege  stehen,  so  müssen  diese 
Menschen  nicht  nur  alle  die  Hindernisse  kennen,  sondern  auch 
die  kräftigsten  Mittel  haben,  dieselben  zu  heben.  Das  findet 
man  aber  in  solchen  geheimen  Verbindungen,  und  namentlich 
in  der  heutigen  Freymaurerei  nicht. 

Nicht  nur  ist  beinahe  kein  festes  System  in  der  Maurerei 
über  die  gemeinsten  Wahrheiten,  sondern  von  höheren  Kennt- 
nissen  wird  gar  nichts  gelehrt.  Wie  sollten  auch  so  verschieden 
gestimmte  und  zu  den  gewöhnlichsten  Kenntnissen  nicht  einmal 


•)  Vergleiche:    Der   fichle   lüuminat,   oder   die   wahren,   un verbesserten 
Rituale  der  niurainaleu*    Edessa  1788. 


—     105     — 


Rngefülirte  Leute  in  dem  Besitze  übernatürlicher  Weisheit  sein 
können.     Ja    die  Geschichte   der  Freimaurerei    und   ihr  eigent- 
licher  Endzweck    ist   nicht   einmal    unter  ihnen   bekannt.     Die 
heulige    Freimaurerei    bekümmert    sich    nicht   um    die    Hinder- 

»nisse,  weiche  der  Weisheit  und  Tugend  entgegenstehen,  also 
%\ird  sie  nie  auf  diese  Art  etwas  füi^  die  Welt  leisten/* 
Diese  Aussagen  werden  alsdann  verglichen  mit  dem,  w^as 
der  Illuminalen-Orden  leistete,  resp,  zu  leisten  versprach;  infolge 
^dessen  ist  es  klar,  dass  viele  Unzufriedene  lebhaft  angeregt  und 
Bgew^onnen  werden  konnten,  in  der  Hoffnung,  endlich  das  zu 
^finden,  was  sie  suchten. 

Eine    Ordenseinführung    entwickelte    sich    nun    folgender- 
messen.     Im  Noviziat,  das  der  \'orbereitüng  folgte,  erhielt  der 
Candidat  zuerst  einen  Revers,  den   derselbe  zu  unterschreiben 
^hatie.     Derselbe  lautete: 

"  »Ich    Endesunterschriebener  verpflichte   mich   bey    meiner 

Ehre  und  gutem  Namen,  mit  Verzicht  auf  allen  geheimen  Vor- 
behalt, von  den  mir  durch  Herrn  N.  anvertrauten  Sachen,  meine 
^Aufnahme    in    eine    gewisse    geheime    Gesellscliaft    betreltend, 
Hgegen    Niemand,   auch    nicht  gegen    die   vertrautesten    Freunde 
Hbioch  Verwandte,  auf  keine  irgend  mögliche  Art,   weder  durch 
■Worte,  Zeichen,  Blicke,   noch   sonst,  niemal  das  geringste  zu 
Boflenbaren;    es    mag    nun    diese    meine   Aufnahme    zu    Stande 
kommen    oder    nicht.     Dies   um   so    mehr,   da    man   mich   vor 
meiner  Aufnahme    versichert   hat,   dass   in    dieser   Gesellschaft 
nichts    wider    den    Staat,    die    Religion    noch    die   guten    Sitten 
unternommen   werde.    Auch   verspreche   ich,   die   mir   diesfalls 
mitzutheilenden  Schriften  und  zu  erhaltenden  Briefe,  nach  vor- 

■her  gemachten,  ausser  mir  niemand  verstündlichen  nöthigen 
Auszügen,  sogleich  zurückzugeben,  und  dieses  alles,  so  wahr 
ich  ein  ehrlicher  Mann  bin  und  immer  seyn  will.  Gegeben, 
im  u.  s.  w* 

Hatte  der  Kandidat  nun  durch  Unterschrift  seinen  festen 
Willen,  dem  (»rden  beizutreten,  bekundet,  so  musste  er  ein 
Diarium  halten,  in  das  er  alles,  was  er  vom  Orden  bekam  oder 
an  diesen  abgab,  genau  aufzeichnete.  Auf  Verlangen  wair  das 
Diarium  einzusenden.  Sodann  liatte  er  von  Zeit  zu  Zeit  genaue 
Schilderungen  der  Fähigkeiten  und  Charaktere  solcher  Personen, 
weiche  er  in  den  Orden  aufgenommen  oder  von  ihm  aus- 
geschlossen sehen  möchte,  zu  liefern.  Es  wurde  ihm  hierbei 
jingeschärtX,  dass  die  in  Vorschlag  zu   bringenden    Leute    ein 


—     106     ^ 


^utes  Herz,  Begierde  sich  zu  bilden  und  Liebe  zur  Arbeit 
haben  müssten.  Am  Ende  jeden  Monats  hatte  er  einen  Quibus 
licet-Zetlel  denn  Aufnehmer  zu  übergeben,  in  dem  er  angab,  wie  I 
derselbe  mit  ihm  verfährt,  ob  er  Beschwerden  gegen  den  Orden 
habe,  Falls  ei;  ein  besonderes  geheimes  Anliegen  hotte,  dus 
der  Provinz-Obere  allein  lesen  sollte,  so  wurde  auf  besonderem 
Zettel  dasselbe  niedergeschrieben,  mit  der  Bemerkung  Soli  ver- 
sehen dem  Quibus  licet  beigefügt,  sollte  ein  noch  höherer  Oberer 
den  Inhalt  erhalten,  unter  Umgehung  des  Provinz-Oberen,  so 
lautete  die  Bezeichnung  Primo. 

Weilerhin  hatte  er  die  Verpflichtung,  die  vom  Ui'den 
gegebenen  Bücher  zu  lesen,  sich  mit  den  Charakteren,  Ha 
lungen  und  Denkungsart  gelehrter  und  angesehener  Männer 
alter  und  neuer  Zeit  vertraut  zu  machen,  Gedanken  und  Kern- 
Sprüche  derselben  aufzuzeichnen,  um  dadurch  seinen  Charakter 
zu  ver'edeln.  Auf  Verlangen  mussten  diese  Arbeiten  als  Beweis 
des  Fleisses  eingesandt  werden. 

War  diese  Vorbereitungszeit  zur  Zufriedenheit  des  Auf* 
nehmers  verlaufen,  so  wurde  der  Candidat  endgültig  unter 
besonderem  Ritual  aufgenommen  und  kam  in  die  Klasse  der 
Minervale.  Bei  der  Aufnahme  erhielt  der  neue  Ordensbruder 
ein  Abzeichen,  ein  Medaillon,  welches  eine  Eule  darstellte,  die 
ein  Buch  in  den  Klauen  hält  mit  den  Buchstaben  P.  M.  C,  V, 
Getragen  wurde  dieses  Medaillon  am  grasgrünen  Bande,  von 
den  jüngeren  Minervalen  um  den  Hals,  von  den  dirigierenden 
f[uer  über  die  Brust  von  der  Rechten  zur  Linken. 

Ausser  den  allgemeinen  bekannt  gegebenen  Statuten^ 
herrschten  in  dieser  Klasse,  auch  Minerva Ikirchen  genannt,  noch 
besondere  Vorschriften,,  die  jedoch  nichts  enthielten,  was  den  all- 
gemeinen Statuten  entgegen  gewesen  wäre.  Weiterhin  fanden  Ver* 
Sammlungen  der  Mi  nervale  unter  besonderen  Zeremonien  statt, 
in  denen  der  Zweck  der  Klasse  verfolgt  wurde.  Dieser  ist  in 
den  besonderen  Vorschriften  mit  folgenden  Worten  festgestellt. 

„In  dieser  Klasse  verlangt  der  Orden  nur  als  eine  gelehrte 
Gesellschaft  betrachtet  zu  werden,  wobey  das  Beispiel  und  der 
Unterricht  das  Herz  bessern  und  den  Verstand  leiten/*  — 

Alle  diese  recht  weitläuHgen  Dinge  in  dieser  Geschichte 
des  lUuminaten- Ordens  ausführlich  darzustellen  würde  zu  weit 
führen  und  den  Umfang  dieses  Buches  beti'ächtlich  erweitern, 
ohne  besonders  zu  nützen.  Die  sämtlichen  Rituale  sind  bekannt, 
werden  in  dem  schon  erwähnten   Buche  „Der  achte  llluminat 


die  wahren,  unverbesserlen  Rituale  der  Uluminaten  1788*' 
wörtlich  bekannt  gegeben,  und  von  Knigge  als  unverfälscht  und 
richtig  bezeichnet.  Wer  sich  daher  für  die  genaue  Kenntnis 
dieser  Rituale  interessiert,  die  jedoch,  wie  hier  betont  sein  mag, 
in  dem  neueren  bestehenden  Orden  gor  keine  Geltung  mehr 
haben,  kann  sich  aus  dem  genannten  Buche  leicht  orientieren. 

f\  Die  nächste  Klasse  nach  dem  Minerval  war  der  kleine 
luminat  (Illuminatus  minor).  Es  ist  das  die  Ordensstufe,  die 
Zwackh  in  seiner  Geschichte  des  Illuminaten-Ordens  bereits 
erwähnt,  und  die  nach  seinen  Worten  1779  zustande  kam.  Der 
Zweck  dieser  Klasse  war,  Leute  zu  bilden,  welche  die  Miner* 
vale  zu  dem  Geiste  und  den  Grundsätzen  des  Ordens  gehörig 
leiteten  und  anführten,  Ks  mussten  diese  ( »rdensmilglieder 
also  imstande  sein,  andere  zu  belehren.  Zu  diesem  Zwecke 
mussten  sie  sich  in  Menschenkenntnis  üben;  sie  hatten  den 
Charakter  ihrer  Untergebenen  genau  zu  ergründen  und  ihre 
Beobachtungen  in  den  Versa  mm  hingen  dieser  Klasse  bekannt 
zu  geben.  Durch  diese  Einrichtung,  die  für  die  Erlangung  der 
Menschenkenntnis  ganz  zweckentsprechend  genannt  werden 
muss,  ist  hauptsächlich  dem  Orden  der  Vonvurf  der  Spionage 
entstanden.  Es  ist  nicht  zu  leugnen,  dass  übertriebener  Eifer 
zur  Spionage  führen  konnte,  sicher  ist  aber  auch,  dass  die  Ab- 
sicht der  Stifter  nicht  auf  diese  gerichtet  war,  sondern  lediglich 
sich  darauf  beschränkte,  ihre  Reihen  möglichst  rein  zu  halten 
durch  Erlangung  von  Menschenkenntnis  infolge  Menschenbeolv 
achtung.  In  der  Instruktion  dieses  Grades  wird  gesagt: ,, Menschen 
werden  durch  beständigen,  vernünftigen»  zu  rechter  Zeit  an- 
gebrachten Zuspruch,  durch  gutes  Beispiel  und  beständige  Sorg- 
fall gezogen.  Das  Auge  des  Hirten  macht  die  Heerde  gedeihen, 
und  die  \*orsoiige  guter,  wachsamer,  unermüdeter  Menschen 
macht  wieder  gute  Menschen/^  —  Aus  diesen  Worten  ist  deut- 
lich zu  ersehen,  dass  unredliche  Absichten  nicht  vorlagen. 

Aus  derZwackhschen  Darstellung  ist  bereits  ersehen  worden, 
dass  die  (*rdensobern  öfters  zusammentraten,  um  die  Oigani- 
sation  zu  verbessern.  Mitte  1781,  also  nach  mehr  als  fünf- 
jährigem Bestehen  geschah  das  ebenfalls  und  wurde  nochmals 
klipp  und  klar  festgelegt,  welche  Ziele  der  Orden  zu  verfolgen 
habe.  Unter  dem  Nachlass  Zwackhs  (die  (Jriginolpapiere  sind, 
wie  schon  gesagt,  im  Besitz  des  Autors  zu  Dresden),  befindet 
sich  ein  ausführliches  Schriftstück,  dessen  Inhalt  unverkürzt 
wie  folgt  lautet. 


—     108     — 


Gemeinschaftlicher  Schiuss  des  Areopagus 

über 

den  Zweck,  die  Mittel  und  Einrichtung 

der 

Gesellschaft. 

Imo* 

Die  Geschichte  aller  Jahrhundert  bestättiget  den  Satz,  dass 
keine  Gesellschaft  sich  erhalten  könne,  die  ihre  scheinbare  Voi^ 
theile  auf  Unkosten  der  übrigen  Menschen  zu  befördern  trachtet. 
Es  muss  also  der  Hauptzweck  unsers  Ordens,  wie  es  schon 
grössten  Theils  der  Plan  des  Sparta cus  vortrefflich  enthaltet, 
festgesetzt  bleiben,  dass  wir  der  Jugend  reizbares  Ausehen  ver- 
schaffen, das  Interesse  zum  Lasier  vermindern,  und  jedem 
rechtschaffenen  ohne  Unterschied  als  unsern  Bruder  im  Unglück 
Schutz  und  Unterstützung  gewähren  und  dass  wir  uns  selbsl 
und  andere  Menschen  durch  die  Ausbreitung  nützlicher 
Kenntnisse  und  guter  Sitten  vollkommener  und  glüekUcher 
machen.  Weder  einzelne  Menschen  noch  ganze  Völker  können 
an  wahrer  Aufklärung  und  Tugend  zunehmen,  ohne  eben  soviel 
am  Genuss  ächter  Glückseligkeit  zu  gewinnen.  Aufklärung 
können  wir  aber  nicht  anders  befördern,  als  wenn  wir  mit 
vereinigten  Kräften  uns  bemühen,  die  Hindernisse  aller  Art  1 
nach  und  noch  zu  entfernen,  wenn  wir  die  niedere  und  hohe 
Schulen  und  gelelnle  Geselischaften  vervielfältigen  oder  vervoll- 
kommnen,  wenn  wir  die  schon  vorhandenen  nützlichen  Kennt* 
nisse  unter  solche  höhere  oder  niedere  Stände,  welche  bissherf» 
davon  ausgeschlossen  waren  verbreiten,  wenn  wir  diese  Summe 
von  Kenntnissen  vergrössern,  die  bisshero  bekannte  Anleitung 
zu  Wissenschaften  und  Künsten  leichter  machen,  und  allent- 
halben das  nützliche  von  dem  unnützen  oder  weniger  nützlichen 
absondern,  wenn  wir  endlich  solche  Männer,  welche  die  Vor- 
sehung zur  Bildung  oder  Regierung  der  Mensclien  l>ei'ufen  hat, 
gewinnen,  leiten  und  unterstützen. 

Müraiität  und  gute  Sitten  werden  schon  durch  Befolgung 
ober  Vorsclu'iften  auf  die  Kräftigste  Art  befördert  werden,  am 
meisten  aber  durch  das  gute  Beyspiel,  welches  wir  und  durch  J 
uns  alle  übrige  Ordens  Brüder  vorzüglich  die  Obern  geben 
müssen,  hirhero  gehören  euch  Einführungen,  Unterstützung 
und  Verbesserungen  der  Erziehungs  und  Polizey  Anstalten  und 


—     109 


das    Bestreben   die  Volks   Schulen   mit   tauglicljeo    Lehrern   zu 

t)€setzen. 


2do. 


Um  diesen  Zweck  zu  erreichen  müssen  wir  entweders  er- 
'ahrene,  aufgeklärte  und  rechtschaffene  Männer  sammeln,  oder 
selbst  ziehen.  Die  bisshero  entworfene  Anleitungen  zur  Prüfung 
und  Bildung  junger  Leute  lässt  man  sich  allerdings  gelallen 
doch  sollen  diese  von  Zeit  zu  Zeit  noch  verbessert,  und  geändert 
werden  können.  Die  allgemeinen  Ordens-Statuten  aber  bleiben 
vor  alle  Klassen  unabänderlich  und  sollen  vorzüglich  von  den 
Areopagiten  in  den  genauesten  Vollzug  gebracht  werden.  Der 
lann,  welcher  ein  Verschwender  oder  ein  schlechter  Haussvater 
r  ein  treuloser  Bürger,  und  ein  meineidiger  Staats-Bedienter 
:st,  kann  niemalen  vor  unsere  Gesellschaft  weder  als  Oberer 
noch  als  Untergebener  langen,  wenn  er  auch  sonstige  Vortheile 
dem  Orden  gewähren  könnte. 


3tio. 


H  Alle  diejenigen  Mittel,  welche  zu  dem  Hauptzweck  richtig 

I  führen,  sollen  noch  Zeit  und  Umständen  entweders  Mittel-  oder 
unmittelbahr  von  dem  Areopagiten  angewendet  werden  und 
sich  Fveiner  dem  Vorwurf  aussetzen,  dass  er  nicht  jede  Gelegen- 
heit sorgfältigst  benutze,  nach  seinen  Kräften  an  einem  Gebäude 
zu  arbeiten,  welches  Gott  zur  Ehr,  und  dem  Nächsten  zum 
Nutzen  aufgeführt  werden  solle,  was  nun  hierin  von  jedem 
geleistet  wird,  soll  alle  Monat  den  Übrigentheils  zur  Ermunterung, 
theils  zur  Nachricht  mitgetheilt  werden. 


I 


4io. 


Man  ist  mit  Spartacus  verstanden,  dass  Menschen  Kennt- 
uiss  eines  der  besten  Mittel  seye,  um  den  vorgesetzten  Haupt- 
zweck zu  erreichen,  auch  dass  sich  davon  die  Erhaltung  einer 
geheimen  Gesellschaft  am  sichersten  versprechen  lasse,  dahero 
sollen  dazu  eigens  einige  Grade  bestimmt  bleiben,  die  jedoch 
von  den  gar  zu  übertriebenen  Vorscliriften  zur  Beobachtung 
gereinigt  werden  müssen,  denn  wir  wollen  die  Karoctere 
der  Mensclien,  und  nicht  die  Familien  -  Gelieimnisse 
erfahren,  indessen  können  die  vorgeschlagenen  neuen  Tobeilen 
und  Anleitungen  zu  karakteristischen  Schilderungen  unter  den 
Mitgliedei-n  bekannt  gemacht,  und  auf  ihre  \'erfassung  strenger 
lehalten  werden. 


I 


—     110     — 

Die  Haupteintheilung  des  Ordens  soll  in  kleine  und] 
grössere  Mysterien  geschehen*  Zwar  sind  anerst  noch  vorl 
jede  Klasse  die  Grade  zu  bestimmen,  ober  soviel  lässl  sichl 
schon  dermalen  festsetzen,  doss  die  erstere  zur  Prüfung  und 
Bildung  brauchbarer  Mitglieder,  und  die  andere  nur  vor  geprüfte 
pT'eunde  zum  Unterricht  der  geheimsten  Absichten  des  ganzen  J 
Ordens  und  zur  Ausführung  derselben  dienen  sollte.  Zu  den' 
kleineren  Mysterien  gehört  also  der  bereits  entworfene  Minei*val- 
grad,  der  kleinere  lUuminat,  wo  die  Anleitungen  zur  Menschen 
Kenntniss,  Physiognomie  und  was  sonst  noch  dazu  bey traget, 
gelehrt  werden,  wo  man  sich  durch  Pensas  und  andere  Auf- 
gaben in  den  wissenschaftlichen  Fächern  übet,  darauf  folget 
der  grössere,  dann  der  dirigirende  Illuminat,  oder  wie  er  noch 
heissen  soll,  und  endlich  der  scientivische  Grad,  in  welchem  vor 
jedes  wissenschaftliche  Facli  eine  besondere  Klasse  unter  denen 
Mitgliedern,  die  sich  dazu  bekennen,  errichtet  wird,  welche  aus 
den  besagten  Pensis  ihren  Beobachtungen  und  Sammlungen 
das  Beste,  neueste  und  wichtigste  hereussziehen  und  die  hierin 
von  den  untergebenen  aufgeworfene  Zweifel  und  Fragen  beant- 
worten. Zu  den  grösseren  Mysterien,  deren  Abtheilungen  eben- 
falls noch  zu  bestimmen  sind,  werden  die  Resultate  der  Seien- 
tivischen  Klasse,  die  Berathungen  darüber  mit  auswärtigen 
Ordensgelehrten,  und  die  Verwahrung  dann  Anwendung  des 
gesammelten  %'orbehalten.  Die  Mitglieder  dieser  Klasse  erhalten 
die  Einsicht  in  alle  andere  geheime  Verbindungen,  arbeiten  an 
der  Fortsetzung  und  Verbesserung  des  Systemes,  sind  also  mit 
der  innerlichen  Einrichtung  und  den  Grund  Maximen  desselben 
bekannt,  administriren  die  Finanzen  des  O.  unterstützen  daraus 
die  bedürftigen  Mitglieder,  und  dirigiren  das  ganze.  Wer  in 
dem  untern  Grad  stehet,  soll  niemalen  einen  höheren,  vielweniger 
der  in  den  kleineren  Mysterien  eingeweihet  ist,  nur  dem  Namen 
nach  wissen,  dass  es  eine  weitere  Klasse  giebt. 

6to. 

Es  bleibt  einer  weiteren  Überlegung  und  allgemeinem 
Schluss  überlassen,  ob  in  diesen  grösseren  Mysterien  Unterricht 
und  Bemerkungen  von  Beligion  und  Staats -Verfassungen  sollen 
gegeben  werden.  Soviel  wird  aber  schon  dermalen  als  ein 
immerwährendes  Gesatze  bestimmt,  dass  sich  dei"  Orden  weder 
mit    lleligion,    noch    Staats-Sachen    beschäftigt.      Insofern    der 


111    — 


Hauptzweck   und   die    oben  angezeigte   Mittel  von  selbst  einen 

I      Einfluss   auf  Aberglauben,   Despotismus   und  Tyranney   haben, 

gegen   welche   unser  Jahrhundert   bereits   Riessen -Schritte    ge- 

gangen  ist,  überlasst  man  dem  Genius,  und  der  Bescliäftigung 

■     künftiger  generationen, 

B  Die    öffentlichen    Ausbrüche    des    Unglaubens    sind    eine 

KWirkung  von  Sitteo-Verderbniss  und  eine  Ursache  derselben, 

^wir    müssen    uns    also    diesen    eben    so    wie   den    grausamen 

schwärmerischen,   die  Verfassung  der   Staaten,    die    Ruhe   der 

Buiiger  und  Fürsten  zerstörenden  Handlungen  widersetzen. 


7mo. 


^w  So  wie  wir  gegen  alle  ReHgionen  uns  duldend  vertragen, 
eben   das  müssen  wir  auch  gegen  die  verschiedenen  Anhönger 

Kvon   philosophischen  Systemen  seyn,  es  wird  also   der  Antrag 

^eine  eigene  Ordens4^hylosophie  zu  haben,  durchgehends  ver- 
worfen, wohl  aber  genehmigt,  dass  alle   in  der  Scientivischen 

■Klasse  voi^elegt,  untersucht  und  berichtigt  werden. 


8do. 


Damit  doch  einmal  Grade  verfasst  werden,  die  man  nicht 
immer  abändern  muss,  und  sie  ihre  möglichste  Vollkommenheit 
erhalten  möchten,  so  soll  aus  deren  verschiedenen  Materialien 
und  nach  der  im  Steo  Abschnitt  entworfenen  Haupt-Eintheilung 
Spartacus  die  auf  den  Minerval  folgenden  Illuminaten-Grade 
revidieren  und  den  übrigen  Areopagiten  zur  Erinnerung  zu* 
schicken,  und  solche  nach  Wahrheit  derselben  ins  reine  bringen. 
Vor  die  weiteren  Grade  werden  alle  Beytrage  und  Vorschläge 
gesammelt  und  längstens  in  einem  Jahre  von  jedem  dasjenige 
an  Spartacus  gesendet  werden,  was  er  selbst  gelesen,  bearbeitet 
hat,  und  von  andern  fremden  Gelehrten  oder  Mitglieder  erhalten 
kann.  Wo  es  sodann  wieder  auf  besagte  Art  zur  Vollständig- 
keit kommen  solle.  Nur  wünscht  man,  dass  die  Beytrage 
richtig  und  wesentlich  seyn  möchten,  und  man  sich  nicht 
mehr,  wie  bisshero  mit  alchymischen  Prozessen,  Medizinischen 
recepten,  negromantischen  Anleitungen  oder  optischen  Täu- 
schungen, das  alles  aus  Büchern  abgeschrieben  ist,  beschäftigen 
möge,  wir  haben  jetzt  Gelegenheit  genug,  durch  geschickte  Ärzte 
und  andere  gelehrte  Männer  wahrhafte  Kenntnisse  von  der 
e  und  Phvsik  zu  erwerben.  • 


112 


9no. 


So  wenig  Beyfall  die  Einkleidung  des  Systems  in  Ceremn^ 
nien  gefunden  hat,  so  muss  man  doch  solche  in  allen  Graden 
fortsetzen,  theils  weil  sie  schon  in  den  ersten  vorhanden  sind, 
theils  weil  man  ihnen  ihren  Werth  nicht  ganz  absprechen 
kann,  doch  sollen  sie  neu  und  einfach  seyn,  auch  der  folgende 
Grad  jederzeit  jene  des  vorhergehenden  erklären.  Spartacu^ 
soll  also  die  Ceremonien  vor  die  höhern  Stufen  entwerfen, 
worüber  sich  die  Areopagiten  wie  im  vorigen  §  ebenfalls  ihre 
Erinnerungen  vorbehalten. 

lOnxo. 

Wenn  nun  aber  vor  die  Veifassung  künftiger  Grade  out' 
diese  Art  hinlänglich  gesorget  ist,  so  muss  das  willkürliche 
von  verschiedenen  Areopagiten  bisshero  unter  den  Mitgliedern 
ausgetheilte  nach  und  nacli  kassiert  werden,  und  damit  man 
versichert  seye,  doss  an  Unterricht  und  Graden  niclits  andere?? 
den  Untergebenen  zu  Händen  gestellet  werde,  als  was  hier 
bedungen  und  in  Zukunft  gemeinschaftlich  festgesetzt  wird,  so 
muss  jedes  Mitglied  den  Auftrag  erhalten,  in  seinem  Quibus 
licet  ausdrücklich  dasjenige  anzuzeigen,  welche  Befehle  und 
Ordens  Schriften  es  das  Monat  hindurch  erhalten  habe.  Die 
Quibus  licet  erbrechen  zwar  die  Provinzialen,  sie  müssen  aber 
solche  an  Spartacus  senden,  durch  den  die  übrigen  Areopagiten 
davon  Nachricht  bekommen.  Auch  ist  man  einverstanden,  dass 
jedem  aus  dem  Areopagus  frey  stehe,  sich  bey  den  Unter 
gebenen  eines  fremden  Districtes  in  den  sogenannten  reprochen 
Zettel  auf  den  Fall  Erkundigungen  einzuholen,  wenn  ihm  in 
irgend  einer  Klasse  etwas  verdachtig  seyn  solle,  das  gegen  den 
gegenwärtigen  Vertrag  unternommen  würde, 

llmo. 

Dass  der  llluniinaten  Orden  sich  mit  dem  Unionisien 
Maurer-System  vereinige,  und  in  jedem  Lande  eigene  Logen 
darnach  errichte,  wird  aus  den  beygebrachten  verschiedenen 
Gutachten  genehmigt. 

In  einem  zweiten  Teil  behandelt  das  Zwackhsche  Manu- 
skript Fragen  und  Anordnungen  „über  die  gesetzgebende  und 
vollziehende  Gewalt  in  dieser  Verbindung/'  Es  findet  sich 
jedoch  nichts  Neues  und  allgemein  Interessierendes  in  diesen 
Betrachtungen,    die   von   den 'Areopagiten  als  bindende  Anord- 


113     — 


►" 


^nuogen    für   die  Zukunft   angenommen  wurden.    Unterzeichnet 
^st  der  Vertrag  mit  folgender  Beglaubigung: 

Dieser  Vertrag,  welcher  nach  den  verhandelten  Protocollen 
getreu    aufgesetzt    worden,    wird    nach    seiner    Fertigung    und 

IUnterschrift  jedem  in  gleichlautenden  Originoüen  zugestellt. 
Athen,  d.  9.  Thirmeh  1151. 
1,  Spartacus.  5.  Hannibal.  9.  Celsus. 

2.  Alcibiades,  6.  Anian.  10.  Marius. 

3*  Selon.  7,  Mahoraed.  IL  Scipio. 

4.  Tiberius.  8.  Cato. 

Um  die  Unterschriften  zu  verstehen  muss  darauf  hin- 
gewiesen  werden,  dass  nicht  nur  jeder  Ordensangehörige  einen 
besondern  Ordensnamen  erliielt,  sondern  auch  die  Länder  und 
Städte.  Ebenso  besessen  die  Monate  andere  Namen,  In  unserm 
Manuskript  hat  Zwockh  im  Jahre  1786  die  Namen  und  Titel 
der  Betreffenden  selbst  angegeben,  es  bedeuten  daher  die 
.Unterschriften  übersetzt: 

München,  d.  9,  Juli  178L 
L  Prof.  Weishaupt. 

2.  von  Hoheneiger,  Fürst],  Hofrath  zu  Freysingen. 
8.  Priester  Michel. 
4,  von  Merz,  dermalen  Kais.  Gesandschafts  Secretair  zu 

Küpenhagen. 
5*  Freyherr  von  Bassus. 
6.  Graf  v,  Koblenz!,  Domprobst  zu  Eichstatt. 
1,  Freyherr  v.  Schreckenstein,  Regierungs  Rath  zu  Eich- 
staü. 

8.  Bayrischer  Hofrath  Zwockh. 

9.  Professor  Bader  in  München. 

10,  Canon icus  v.  Hertel  in  München. 

11.  Revisions  Rath  von  Berger  in  München. 

Aus   diesem  Vertrage  geht   deutlich   hervor,   wie  mühsöm 

Hdie   Ordensentwickelung   war,   dass  Weishaupt   wohl   stets   der 

Mittelpunkt    blieb,    sich    jedoch    den    allgemeinen    Beschlüssen 

unterwerfen    musste,    er    also    keinesfalls    Alleinherrscher    mit 

willkürlichem    Regimente   sein   konnte,  wie   oftmals   behauptet 

, worden  ist. 

Wir  schliessen  nunmehr  die  erste  Ordensperiode  ab  und 
senden  uns  der  zweiten  zu. 

EoftU  Qescblcbt«  d««  T1lajiiiiiat«nord«iii.  % 


—     114     — 


Freiherr  v.  Knigge  und  sein  Einfluss  auf  die 
Ordensentwlekeliing. 

Adolf,  Freiherr  v.  Kiiigge,  geboren  in  Bi*edenbeck  hei  Han- 
nover  den  16,  Oktober  1752,  gesloi*beii  in  Bremen  den  6,  Mai 
1796,  war  als  28jäliriger  junger  Mann  im  Juli  1780  von  Constaiizo 
geworben  und  in  den  Orden  eingeführt  worden.  Kuigge  war 
seiner  Zeit  einer  der  beliebleslen  Sclu-illsieller',  sein  Werk  „Über 
den  Umgang  mit  Mensc!ien*\  hat  noch  heule  Werl  und  ist  all* 
bekannt     Er  besass   ousgebreitele    Bekanntschaften    unter   den 

Freimaurern  jener  Zeit,   ver- 
fügte über  (Jberredyngskunst 
und  List,  konnte  mit  Leichtig- 
keit über  alles  sprechen,  unter- 
stützt  von    einer   ausgezeich- 
neten Darslelluiigskunst,  kurz» 
er  war  in  Jeder  Beziehung  der 
geeignete  Weltmann,  welcher 
imstande  war,  der  Ausbreitung 
des    Ordens    wesentlich    zu 
nützen.     Er  tot  das  auch  in 
der       ausgiebigsten     Weise, 
nachdem  er  Einsiclit  in  das 
System    erhalten    und   dieses  I 
zusammen     mit     Weishaupt 
au^^earbeitet     tiatte.       X'iele  - 
Freimaurer     wurden     durch  | 
ihn  angeworben,  denn  Knigge 
reiste    von    Stadt    zu    Stadt, 
von  Loge  zu  Loge,  von  einem 
Freimaurer  zum  andern,  über-  ■ 
all  das  von   ihm   entdeckte  neue  System  mit  der  ilim   eigenen 
Gewandtheit  empfeldend.  —  Be%^or   wir  jedocli   diese  Tätigkeit 
seinerseits  etwas  beleuchten,  ist  e^  nötig,   in  der  Zwackhschen 
Ordensgescbichte  fortzufahren,  um  einen  festen  Untergrund  für 
die  sich  allmählich  jetzt  zuspitzenden  Ereignisse  zu  scliatlen 
Zwackh  sagt  in  seinem  Manuskript  über  Knigge,    , 

§10. 

Kaum  hatte  dieser  neue  Mitstifter  den  Plan,  die  vorhan- 
denen Minen al  und  kleinen  Illuminaten  Grade,  die  Materialien 


4 


Adolf,  Freiherr  v.  Knigge- 


—     115     — 


KU  den  künftigen  und  die  unler  den  oreopagiten  geführten 
Correspondenzen  eingesehen,  als  er  darüber  seine  Bemerkungen 
und  neue  Vorschlage  das  ganze  zu  ordnen  seinen  übrigen 
Kollegen  zusandte,  welche  damit  so  zufrieden  gewesen,  dass 
sie  ilim  und  W.  ganz  allein  die  Verfassung  der  weiteren  Grade 
überliessen.  und  sich  nur  ihre  Eiinnerungen  vorbehielten»  wenn 
■Wer  Ver hoffen  darin  etwas  gegen  den  allgemeinen  Zweck  vor- 
KOiTimen  sollte.  Knigge,  wie  sclion  erinnert  worden,  war  ganz 
in  allen  Fächern  der  Massonerie  bewandert,  der  Wilhelmsbader 
Kougress  war  eben  ausgeschrieben,  wo  er  zu  ersclieinen  und 
eine  der  ersten  Rollen  zu  bestellen  hatte;  er  wusste,  dass  sich 
Tempelritter  und  Klerici  mit  ihren  Ordensbeforderungen  und 
Geheimnissen  niclit  mehr  begnügten,  dass  die  reforme  einen 
andern  Zweck  und  Gestalt  erhalten  sollte,  dass  viele  Maurer 
mit  andern  unbekannten  \'erbrüderungen,  die  Neugierde  er- 
wecken und  Anhänger  finden  würden,  und  dass  diese  Gelegen- 
Blit  wohl  am  besten  zu  benutzen  wäre,  wenn  er  aus  dem  biss- 
hero  unbedeutenden  MinenTil  Orden  ein  neues  Maurerisches 
System  herzustellen  trachten  A\'ürde.  Er  brachte  also  diese  Um- 
schalTung  des  Ordens  in  \'orschl6g  und  da  die  andern  oreopa- 
giten sich  wegen  der  daraus  ersclieinenden  Vortheile  leicht  zu 
diesem  Entschluss  bereden  liessen,  so  entwarf  er  mit  W.  den 
grösseren  und  den  dirigirenden  llluminaten  oder  schottischen 
Rittei^ad.  Diesem  letzteren  gaben  sie  deswegen  nun  maure- 
rische Zeremonien,  um  desto  leichter  damit  Eingang  zu  finden. 


§11. 


IWas  für  ein  ganz  andere  Gestalt  nunmehr  der  Illum. 
en  erhalten  hat,  geben  zwar  die  Bev logen  C.  u.  C*)  das  um- 
ständliche und  verlässigen  an  Händen,  allein  um  den  Faden 
^■r  Geschichte  nicht  abzubrechen,  liefere  ich  hier  einen  Auszug 
cmvon.  Der  tJrdenszweck  blieb  auch  hier  noch  der  nehmüehe, 
welcher  in  dem  Vertrag  festgesetzt  worden,  al>er  die  Grade,  die 
Eintheilung  derselben  vorzuglich  das  Directionssystem  wurde 
geändert,  denn  man  nahm  den  Minenalgrad  als  eine  Vor- 
bereitungsklasse  zu  dem  neuen  Maurer  System  an,  die  zweyte 
Klasse  sollen  die  allgemein  ersten  drey  maurer  Grade  enthalten. 
Die  dritte  als  das  geheime  Kapitel  der  Loge  besteht  ajis  grösseren, 

^B       *)  Beide  sind  im  Original  im  Besitze  des  Aulors  vorhanden. 

VergK   Aus   den    Papieren   eines    niumLnalen.    Seite    191.    und   234   die 
^ellerinach  weise* 

8« 


—     116     — 


und  dirigirenden  Illuminaten,  die  sich  auf  das  Studium  der 
Meoseheokenntniss  verlegen  und  alle  Geschäfte  der  Minervöleri 
und  der  Loge  besorgten,  doch  aber  ober  sich  noch  Vorigesetzte  an- 
nahmen, welchen  alle  Verfügungen  monatlich  einberichtet  werden 
mussten,  und  deren  Verordnungen  an  das  geheime  Kapitel  und 
von  diesen  an  die  übrigen  Mitglieder  erlassen  wurden.  Diese 
Vorgesetzte  sollten  aber  indessen  die  Provinzialen  und  der 
Nazional  seyn,  biss  die  weiteren  Grade  zu  den  Mysterien  be- 
arbeitet  waren,  welche  einen  vollständigen  Unterricht  in  jeder 
Wissenschaft  und  Kunst,  in  den  verschiedenen  Systemen  der 
Philosophie,  in  der  Einsicht  alier  geheimen  Verbindungen,  und 
was  man  noch  wichtiges  mit  der  Zeit  in  dem  Revier  entdecken 
würde,  geben  sollten. 

Der  Nähme  dieses  besonderen  Zweigs  der  Massonerie  war 
Illuminaten  Freymaurer. — - 

Die  von  Zwackh  erwähnten  zwei  Beilagen  gänzlich  hier 
abzudrucken,  würde  nur  ermüden,  sie  bestehen  aus  einem 
Biief  des  Zwackh  im  Auftrage  aller  Münchener  Areopagiten^ 
unterzeichnet  mit  Cato,  datiert  München  vom  12.  December  1782» 
adressiert  an  den  Areopag,  in  dem  er  über  den  Inhalt  des 
Neuen  Ordensplanes,  verfasst  Ingolstadt,  den  10.  December  1782, 
sich  auslässt  und  den  umfänglichen  Neuen  Ordensplan,  wie 
er  von  Knigge  und  Weishaupt  ausgearbeitet  wurde. 

Der  Brief  beginnt  mit  den  Worten; 

Hier  folgt  der  vom  Areopagus  uns  mitgeteilte  neuere 
Ordensplan  wiederum  zurück.  Wir  haben  uns  davon  eine  Ab- 
schrift genommen,  und  werden  nichts  ermangeln  lassen,  um 
ihn  sobald  als  es  möglieh  ist,  ganz  einzuführen,  etc.  —  Das 
zweite  Schriftstück  ist  deutlich  mit  „Neuer  ©Plan**  bezeichnet, 
trotzalledem  erzählt  Du  Moulin  Eckart,  der  in  den  Forschungen 
zur  Kultur-  und  Litteraturgescliichte  Bayerns  unter  Zugrunde- 
legung eben  dieser  Papiere,  die  jetzt  in  meinem  Besitze  sind, 
über  Zwackh  im  3.  Buche  genannten  Werkes  sctireibt»  dass 
letzterer  an  dem  Ausbau  des  Bundes  hervorragend  beteiligt 
gewesen  und  dass  als  Beweis  die  eigene  Niederschrift  Zwackhs» 
die  er  selbst  unter  dem  Titel  ,,Mein(!)  ©Plan*'  angibt,  gelten 
müsse.  Es  ist  unverständlich,  wie  solcher  Irrtum  bei  nur 
einigermassen  genauem  Durchlesen  der  Papiere  unterlaufen 
kann,  Wir  sind  jedoch  genötigt,  denselben  festzunageln,  damit 
nicivt,  wie  leider  schon  früher  von  anderen  geschehen,  solche 
Fehler  weilergeschleppt  und  als  historisch  nachgesprochen  werden. 


I 


^ 


—     117     — 


Zwackh  hat  an  der  Ausarbeitung  des  Ordenssystems  gar  keinen 
bedeutenden  Anteil  gehabt,  wie  die  bisher  bekannt  gegebenen 
Schriften  genügend  beweisen,  aber  ein  aufrichtiger  Freund 
Weishaupls,  der  dessen  Absichten  getreuhch  unterstützte,  war 

|€r  jederzeit. 
[         Der  Orden  bestand  nun  nach  dem  Neuen  Ordensplan  vom 
10.  December  178^  aus  folgenden  Klassen: 


Erste  Klasse. 

Erster  Grad.  Minervalgrad  oder  Vorbereitungs  Pflanz  Schule. 
Zweiter  Grad-     Der  Kleinere  lUuminaL 


Zweite  Klasse. 
Dritter  Grad*     Die    drei    gewöhnlichen    ersten   Stufen    der 
Mauerei,  Lehrling;  Gesell,  Meister* 

»Vierter  Grad.     Der  grössere  Illuminat. 
Fünfter  Grad.     Der  dirigirende   llluminat,  oder  der  Schot- 
tische Ritter. 

t  Dritte  Klasse. 

In  diese  sollten  die  höheren  Ordens-Geheimnisse  kommen, 
ie  war  jedoch  noch  nicht  bis  zum  12.  Dec.  1782  ausgearbeitet. 
Erst  später  kamen  der  Priester-  und  Regentengrad  hinzu;  wir 
werden  auf  beide  noch  zurückkommen. 
M  Der  besagte  Brief  Zwackhs  an  den  Areopag  enthält   zum 

HSchluss  eine  besondere  Stelle,  die  uns  interessiert.    Diese  lautet: 

mZu  den  Decorationen  einer  |  |(LoRe),  welche  in  Eleusis 
(Ingolstadt)  sollte  errichtet  w^erden^  können  wir  aus  eigener 
provinziol  Kasse  dermalen  nichts  beytragen.  Die  Rechnungen 
der  Quaestoren  und  des  Schatzmeisters  zeigen,  dass  wir  mit 
der  grössten  Mühe  die  hiesigen  |  |  Verzierungfen,  die  Corre- 
spondenz  Auslagen,  die  Almosen  vor  reisende  Maurer,  und  die 
monatlichen  Beitrage  vor  unsere  arme,  studierende  Jugend 
^ri>estreiten  können,  Marius  muss  öfters  von  seinem  eigenen 
Wl^orschuss  machen.  Mehr  als  die  Hälfte  unserer  Mitglieder 
zahlt  gar  nichts,  und  die  andern  so  saumselig,  dass  man  am 
Ende  Nachlässe  bewilligen  muss,**  —  — 

Es  geht  aus  diesen  Worten  hervor,  dass  Ende  Dezember 
1782  in  Eleusis,  d.  i.  Ingolstadt  eine  Loge  eingerichtet  wurde, 
die  zu  ihrer  Dekoration  besonderer  Mittel  bedart  Damit  ist 
festgelegt,  zu  welcher  Zeit   der   noch    in   Ingolstadt   befindliche 


—     Uö 


Illumiiialensaal  entstand,  der  in  den  Jahren  1903  und  1904  voo 
dem  heutigen  Orden  wiedei'hergesteüt  wurde.  Der  Saal  ist 
wegen  seiner  künsllerischeii  Borockdecke  von  kunsthistorischer 
Bedeutung,  ganz  abgesehen  von  den  historischen  Szenen,  die 
sich  in  seinem  Raunne  abgespielt  haben. 

In  der  Altbayrischen  Monatsschnft,  herausgegeben  vom 
historischen  Verein  von  Ober'bayei^n,  gibt  im  2.  und  3,  HefL 
Jahrgang  1900,  Professor  Joseph  Hartmann  folgende  Beschrei- 
bung von  der  Örtlicbkeit*)  des  Illuminatensaales. 

Der  häusliche  Raum,  in  welchem  die  Illuminaten  zu  Ingol- 
stadt ihre  Zusammenkünlle  nbzuhalten  pflegten,  existiert  noch 
heute  und  heisst  gemeinhin  der  llIuminalensaaL  Er  tindet  sicti 
in  einem  kleinen  Rückgebäude  des  Hauses  No,  23  in  der 
Theresienstrasse,  welclies  früher  als  Nummer  298  am  Weinmarkl 
im  Besitze  von  Universitatsprofessoren  war.  So  besass  es  um 
1719  Professor  Dn  Job.  Adam  Morasch,  um  1762  Professor 
Georg  Christoph  Emanuel  HärteL  Um  1777,  also  zur  Zeit 
Weishaupts,  war  es  bereits  Eigentum  eines  Bürgers  Franz 
Riedmaier,  des  sog.  Augsburger  Boten. 

Zu  diesem  Illuminatensaa!  konnte  man  von  zwei  Seiten; 
sowohl  vom  Weinmarkt,  als  auch  von  der  Schulgasse  aus 
langen,  so  dass  man  nicht  gerade  da,  wo  man  hineingekommen 
war,  wieder  hinauszugehen  brauchte.  Ohne  Zweifel  bat  mon 
es  hier  mit  einem  ehemaligen  Privothörsaale  zu  tun,  zu  welchem 
Auskunftsmittel  sich  irgend  ein  Universitätsprofessor  gleich 
manchem  Kollegen  gezwungen  sah,  weil  in  dem  eigentlichen 
Universitatsgebaude  nicht  genügend  Raum  vorlianden  war.*'  — 

Dieser  Saal  eignete  sich  zur  Abhaltung  von  Logenversaram* 
lungen  und  zu  Aufnahmen  ganz  vortrefflich,  denn  er  liegt  ab- 
seits der  Strasse,  die  Fenster  nach  dem  Hofe  gerichtet,  mau 
konnte  von  zwei  Strassen  aus  denselben  erreichen,  kurz  diaj 
Versammlungen  konnten  möglichst  unbeobachtet  abgehalten 
werden. 

Zur  Dekoration   wurde    hauptsächlich   die   in   Stuck   reich 
ausgestattete  Decke  ausgeführt,  die  vier  grössere  und  vier  kleinere 
Medaillons  in   Stuck  und  ein  3  Meter  langes,  nahezu  2  MeterJ 
breites  Mittelgemälde  aufweist  (s.  S.  120/21),     In  derber  Manier" 
jenes  Zeitaltei*s  zeigt  ein  Medaillon  die  Bestrafung  der  Neugiei-de, 


•)  Im  ArUkelj  Professor  Adam  Weishaupt  zu  Ingolstadt  und  sein  IllumH 

natisnius. 


—     119     — 


darüber  die  Gans,  nls  Symbol  der  Dummheit.  Diesem  gegenüixü' 
stelltder  Priester  im  Medaillon  einen  holieren  Illuminoten  vor,  die 
drei  Hunde  bedeuten  Treue,  Gehorsam,  Wachsamkeit.  Über 
ihm  schwebt  ein  Adler,  die  göttliche  Begeisterung  darstellend* 
Die  beiden  grosseren  seitlichen  Medoillons  bezeichnen  den 
Frühling,  als  Zeit  der  Aussnot  und  den  Herbst  als  solche 
der  Ernte.  Die  kleineren  Medaillons  bezeichnen  Symbole  der- 
Sicherheit,  Gerechtigkeit,  Liebe  und  Fiüeden. 

Ausserdem  enthält  die  Decke  noch  eine  ganze  Anzahl 
kleinere  Figuren,  die  alle  eine  besondere   Bedeutung  besitzen. 

Bemerkensweii  ist  das  künstlerische  Ai'rangemenl  der  Ver- 
zierungen, Jeder  einzelne  Teil  ist  anders  und  dennoch  wirkt 
das  Ganze  ausserordentlich  harmonisch.  Man  vergleiche  die 
Abbildung. 

IDer  Saal  war  jedenfalls  noch  mit  einem  grösseren  Wand- 
gemälde geschmückt,  darauf  lasst  eine  Fuge  an  einer  Mouei-- 
iBeile  schliessen,  die  w^ahrscheinhch  zur  Stütze  des  Rahmens 
idiente.  Wer  dieses  Kunstwerk,  das  in  der  Stukkatur  noch  un- 
verändert vorhanden  ist,  einstens  herstellte,  ist  unbekannt,  jeden- 
falls kann  es  kein  Laie  gewesen  sein.  Das  Mittelgemälde, 
umgeben  von  den  Stuckverzierungen,  war  vor  der  Restauration 
nur  noch  in  scliwachen,  doch  genügenden  Tönen  erkennbar, 
um  es  dem  Kunstmaler  Oskar  Rotlie  in  Dresden  zu  ermöglichen, 
■dasselbe  wieder  gänzlich  herzustellen.  Genanntem  Künstler 
hat  der  <  Ji"den  auch  die  vorzüglich  gelungene,  gänzliche  Her- 
stellung der  Decke  zu  verdanken,  sowie  des  ganzen  Raumes. 
Es  sei  ihm  daher  an  dieser  Stelle  der  besondere  Dank  dafür 
ausgesprochen. 
_  Als  der  Orden  1785  aufgehoben  und  die  Logen  geschlossen 

■werden  mussten,  kam  dieser  I-launi  liald  in  Vei'gessenheit,  Er 
verfiel,  und  diente  den  profansten  Zwecken:  als  Speiclier,  Druckerei 
und  schliesslich  als  Schusterwerkstätte.  Die  Tünche  und  der 
Schmutz  von  118  Jahren  mussten  erst  entfernt  werden,  damit 
■die  klaren  Linien  der  Stuckarbeit  wieder  zum  Vorschein  kommen 
konnten,  die  jetzt  das  Auge  erfreuen.  Der  Saal  wird  fremden 
Besuchern  von  Ingolstadt  gezeigt,  eine  Tafel  zeigt  an,  wohin 
man  sich  zu  wenden  hat. 
H  Nach  dieser  Abschw^eifung  kommen  w^ir  nunmehr  auf  die 

^T'fitigkeit  Knigges  zurück.  Dieselbe  wird  am  klarsten,  w^enn  in 
chronologischer  Reihenfolge  Auszüge  aus  Briefen  Weisliaupts 
und  Knigges  gegeben  werden.     Es  wird  sodann  auch  ersichtlich. 


—     120     — 

dass  es  wegen  der  Verschiedenheit  der  Charaktere  beider  un- 
bedingt zum  Bruche  zwischen  ihnen  kommen  musste,  umso- 
mehr  da  Weishaupt,  wie  wdr  gesehen  haben,  zäh  und  konse- 
quent an  dem  ursprünglichen  Ürdensplon  bisher  festhielt  und 
nur  bezüglich  der  äusseren  Form  des  Ordens  sich  nachgiebig 
zeigte* 

Die  hier  zu  sichtende  Korrespondenz  beginnt  bereits  1780 
als  Knigge  dem  (»rden  nähertrat,  und  befindet  sich  meistens  in 
den  s.  Zt.  auf  kurfürstlichen  Befehl  gedruckten  Originalschriften, 
sowie  im  Nachtrag  zu  den  Originalschriften*  Diese  s.  Zt.  als  Be- 
weis für  die  Verwerflichkeit  des  Ordens  veröffentlichten  Schriften 
sind  heute  eine  unumstössliche  Fundgrube  für  die  historischen 
Vorgänge  und  —  der  im  Grunde  eigentlich  recht  harmlosen 
Tatsachen. 

Weisheupt  schreibt  am  11.  November  1780.*) 

Philo  hat  an  mich  geschrieben,  sehr  obligeant,  er  ver- 
spricht alles  zu  thun.  Hat  nebst  dem  von  ihm  in  seinem 
Frimo  überreichten  Billet  5  neue  Candidaten  vorgeschlagen, 
w^orunter  der  M(eister)  v.  St.  (vom  Stuhl)  der  stricten  Observanz 
in  Edessa  ist.  Dieses  Primo  muss  in  Athen  sein.  Ich  habe 
es  aber  noch  nicht  erhalten,  eben  so  wenig,  als  ich  noch  Nach* 
rieht  habe,  ob  der  lUuminalen-Grad,  den  ich  an  Marius  gesandt, 
eingetroffen  sey.  —  —  —  Und  wiegen  den  Primo  des  Philo 
bitte  ich  zu  bedenken,  dass,  wenn  ich  mit  Pliilo  correspondieren 
soll,  und  sie  nicht  fleissig  mit  mir  conferieren,  es  leicht  ge- 
schehen könne,  dass  der  eine  schwarz  und  der  andere  weiss 
schreibt.  — 

Philo  an  Gate  (Knigge  an  Zwackh)  ohne  Datum,*) 

Ich  schätze  mich  gewiss  sehr  glücklich,  mit  so  würdigen 
und  einsichtsvollen  Männern  in  engere  Verbindung  gekommen 
zu  seyn,  und  werde  es  mir,  von  nun  an,  das  süsseste  Geschäft 
seyn  lassen,  mich  dieser  Ehre  werther  zu  machen.  Wenigstens 
sollen  sie  tinden,  dass  es  mir  nicht  an  gutem  Willen,  Eifer  und 
Thätigkeit  fehlt,  und  dass,  um  für  die  gute  Sache  alles  zu 
wagen,  ich  weder  Gefahr  noch  Schwierigkeit  scheue. 

Nun  zu  Beantwortung  ihres  Auftragesl  Ich  muss  bekennen, 
dass,  wenn  ich  in  ihrer  Stelle  wäre,  ich  mich  um  keine  |      iCLoge) 

•)  S.  355/66  Origitialschrifteii. 
•y  S.  367  Originalschriflen, 


i 


—     121     — 


in  der  Welt  bekümmern,  niemand  nichts  bezahlen,  niemand 
fragen,  von  niemand  abhängig  werden,  sondern  die  jetzige  crisis 
nützen  würde»  um  ganzlich  frey  zu  arbeiten  und  andere  Logen 
zu  constituiren.  Wer  würde  es  ihnen  veibietben  können,  da 
jetzt  ohnehin  niemand  w^eiss,  wer  recht  hat?  Die  grosse,  eng- 
lische Nationalloge  erkennt  nicht  einmal  die  Gerechtsame  von 
lioyol*York,  aber  wer  will  sie  absetzen?  —  Doch  das  geht  micli 

f'chls  an*  Also  zur  Sache! 
Wenn  sie  von  London  aus  eine  Provincial-Constitution 
heben  wollen,  so  wird  das  weder  schwer  halten,  noch  viel 
kosten.  Etwas  miiss  für  das  Diplom  bezahlt,  und  ein  Mann 
vorgeschlagen  werden,  auf  dessen  Namen  es  gestellt  w^ird  (doch 
ist  auch  letzteres  kaum  nöthig).  An  jährlichen  Abgaben  wird 
von  keiner  von  England  aus  constituirten  Loge  dos  geringste 
bezahlt,  ausser  etwa  alle  3 — 4  Jahre  ein  freywilliges  kleines 
Geschenk  von  etwa  3  Carolinen  zu  der  Chaiitö,  (doch  ist  auch 

tss  willkürlich  und  geschieht  nichl  immer.) 
Wollen  Sie  nun  einen  Aufsatz  an  die  grosse  Nationalloge 
französischer  oder  besser  in  englischer  Sprache  machen,  sich 
darinn  hauptsachlich  über  das  Constilulions  widrige  Geld- 
erpressen der  Koyal-York  beschw^eren,  und  um  ein  Provincial- 
Diplom  für  einen  gewissen  Niemand  eingeräumten  District 
bitten,  diesen  Aufsatz  auch  allenfalls  nur  als  einen  Brief  an 
B|n  Gross* Secretaire  abfassen,  und  mir  sodann  einschicken; 
so  will  ich  sorgen  und  dafür  einstehen,  dass  Gogel  und  Aristip* 
j^s  ihn  kräftig  unterstützen  sollen,  — 

H  Diese  Anregungen  Knigges  fielen  bei  Weishaupt  auf  frucht- 
Daren  Boden  und  der  Gedanke,  seinen  Orden  von  der  Frei- 
maurerei unabhängig  und  diese  möglichst  dem  (»rden  dienstbar 
zu  machen,  spricht  sich  in  folgendem  Briefe  an  die  Münchner 

^veopagiten  aus.    Sp.  A.  A.  S.  d.*) 

Hier  folgt  Philos  Antwort  auf  die  Anfrage  wegen  der 
Maurerey  nebst  dem,  was  er  in  dieser  Sache  an  mich  ge- 
schrieben, welches  ich  mir  zurückerbitte.  Ich  bin  mit  ihm 
ganz  verstanden  und  nun  erwarte  ich  von  Celsus  (Dr.  Baader), 
Ceto  (Zwackh),  Scipio  (v.  Berger)  und  Marias  (Heilel),  von  jedem 
ein  besonderes  Gutachten  über  folgende  Fragen: 


•)  S.  359/60  Originalschriften 


122 


Wie  ist  diese  Losreissung  im  geheimen  Kajjilel  zu  Athen 
durchzusetzen,  so  und  dergestalt,  doss  sieh  das  ganze  geheime 
Kopitei  unserm  Orden  unterwirft,  solchem  ailes  überlasse,  und 
nur  von  diesem  allein  die  weitern  Grade  erwarte? 

Wie  wäre  es,  wenn  in  dem  geheimen  Kapitel  ein  derley 
Ordensbeleh!  verlesen  würde?  Von  welchem  Innhalte  müsste 
er  seyn?  welche  anlockende  Beweggründe  müssten  darinn  ent- 
halten seyn? 

Was  wäre  zu  Ihun,  w^enn  sich  die  Capitularen  zu  dieser 
Trennung  und  Unterwerfung  nielit  verstehen  wollten?  In  Summa, 
wie  ist  diese  Losmachung  von  Berlin  zu  benutzen,  dass  niolil 
nur  allein  die  Loge  St.  Theodor,  sondern  auch  das  geheime 
Kapitel  selbst  sich  dem  Orden  unterwerfe?  i 

Ich  erwarte  darüber,  sobald  möglich,  ihre  Meynungen  und 
Entwürfe;  und  mir  wäre  es  sehr  lieb,  wenn  sie  Ceisus  zum 
Director  unsers  ganzen  Maurer -Systems  ernennen  wollten» 
Anbey  aber,  so  wie  es  in  den  andern  Provinzen  geschieht,  die^ 
Venvaltung  der  Provinz  in  Ordens-Sachen  zur  Erhaltung  der' 
Einheit  und  Ordnung  an  Cato  übei*liessen.  Marius  und  Scifiici 
werde  ich  ein  eigenes  Departement  anw^eisen,  das  sie  ebenfalls 
unabhängig  von  den  übrigen  vei*walten. 

Philo  schreibt  mir  auch  unter  andern: 


Nun  habe  ich  in  Cassel  den  besten  Mann  gefunden,  zu 
dem  ich  uns  nicht  genug  Glück  wünschen  kann:  es  ist  Mau- 
villon,  Meister  vom  Stuhl  einer  von  Royal  York  aus  constiluirteftl 
Loge.  Also  haben  w^ir  mit  ihm  auch  gewiss  die  ganze  Loge  in 
unsern  Händen.  Ev  hat  auch  von  dort  aus  alle  ihre  elenden 
Grade.  Spartacus. 


Nachdem  nun  Anfang  1781  Weishaupt  eingeselien  halle 
dass  die  bisherigen  Münchner  Areopagilen  seinen  Zw^ecken 
wenig  taugten,  war  er  entschlossen  (s.  S.  367/70  d.  Originalscbriften 
einen  Weg  einzuschlagen,  der  die  ihm  unbrauchbar  scheinenden 
Milgiieder  entfernen  solle;  in  dem  Brief  an  Zwackh  rät  er  des- 
wegen,  diese  machen  zu  lassen  was  sie  wollen.  In  diesem 
Zustande  des  Ordens  lag  dei*  Grund  Knigge  als  Retter  anzusehen 
und  ihm  später  die  Ordnung  desselben  anzuvertrauen,  sow 
die  Ausarbeitung  und  Einführung  der  Grade  ihm  neben  Wei 
haupt  zu  üheitragen,  wie  Zwackh  in  seiner  Geschichte  berichteU 
Bis   es  jedoch  dazu  kam,   waren  bereits  Meinungsverschieden*' 


i 


—     12:3     — 


leiten  aufgetaucht  und  kommt  iiilblgedessen  bereits  sehr  trüh 
die  UnzutViedenheit  Weishaupts  zum  Vorschein,  Er  schreibt 
daher    an    Zvvackh    mich    vorhergegangenen    Klagen    über    die 


tkreopagiten  am  26.  Mai  1781: 


„Den  Grad,   den  Philo  zur  Probe  entworfen,   und  auf  die 
aurerey  appliciert,    hat   auch   Mahomei   entworfen.     Aber   die 
iVahrheit  zu  gestehen,  keiner  davon  gefällt  mir:  es  ist  alles  so 
ocken,  so  moger,  hat  so  wenig  Kinfluss  auf  Herz  und  Leiden- 
schaften, auf  Änderung  der  Gemülher,  dass  man  es  aus  allen 
Ideen  sieht,  dass  es  denen  selbst  nicht  Ernst  war,  die  solchen 
entworfen.     0!   das   ist  ganz  was   anders,   aus   dem  Kopf  und 
aus  de^n  Herzen  zu  schreiben.    Keine  Ermunterung,  keine  Auf- 
forderung des  Muthsl  alles  trocken  oder  wassericht  ohne  Feuer. 
Pliilos  Briefe  sind  noch  am  meisten  von  empfundenen  Innhall; 
aber  sein  Grad  ist  es  nicht,  wenigstens  erreicht  er  mein  Ideal 
icht.     Das  hat  mich  genöthigt,  mich  selbst  über  die  Arbeit  zu 
machen.     Ich  denke,   wenn  sie  es  lesen,   sie  sollen  den  Unter- 
schied  merken,    wem    dabey   am   meisten  Ernst  war,    und  wie 
HBehr  man  unrecht  hat,  wenn  man  mich  in  meinem  System  irre 

^Rnaeht. Ich  halte  diesen  Grad  für  ein  gutes  Stück  Arbeit, 

^kur  einen  Fundamental-Grad,  und  doch  war  er  nicht  in  unserm 
^Plan.  Alles  Planmachen  ist  dermalen  umsonst,  alle  Entwürfe 
vom  OrdenS'System  sind  vergebene  Arbeit,  sie  werden  es  noch 
selbst  finden.  Man  sollte  die  Grade  nach  dem  einrichten,  was 
die  Umstände  erfordern.  Die  Zeit  und  der  Erfolg  sollte  zeigen, 
was  man  zu  ändern  hat.  Ich  selbst  lerne  täglich,  und  sehe  ein, 
döss  ich  das,  was  ich  vor  einem  Jahr  gemacht,  dieses  Jahr  un- 
gleich besser  machen  würde.  Warum  wollen  wir  eilen,  Grad 
über  Grad  entwerfen,  die  vielleicht  alle  unnütz  sind,  wenn  die 
Zeit  kömmt,  wo  sie  sollen  eingeführt  werden.  Ich  will  mein 
System  auf  die  Natur  der  Menschen  bauen.  Lassen  Sie 
mich  also  erst  beobachten,  was  gut  thut,  was  nicht,  wo  man 
zur  helfen  braucht,  und  wo  sie  von  selbst  thuen,  was 
man  liaben  will/'  — 

Weishaupt  war  tatsächlich  der  einzige  im  Orden,  der  streng 
darauf  achtete,  sein  System  der  Notwendigkeit  unterzuordnen, 
wohl  wissend,  dass  dadurch  allein  der  Bestand  des  Ordens  ge- 
sichert würde.  Phantastische  Grade  entwerfen,  ohne  eine  Spur 
der  Notwendigkeit,  dass  durch  diese  der  Zweck  der  Vereinigung 


Weishau pU  Handschrifl. 

Origifwl  QHTcr  S^w«ckh»  NkHIjiu  im  B«»iu  dei  Aüton, 


fach   noch  jetzt  ongewandles,  unbrauchbares  Rezept,  dem  auch 
Knigge  huldigte.     Letzterem  war  es  ebenso  wie  vielen  Areopa*  I 
^iten  nur  darum  zu  tun,  viele  Mitglieder  zu  haben,  um  dadurch 


—     125    — 

Eindruck  zu  erzielen,  die  geistige  Qualität  stand  in  zweiter  Linie, 
Weishaupt  hatte  allerdings  auch  manche  Missgriffe  in  der  Wahl 
der  Ordensangehörigen  getan,  war  jedoch  gewitzigt  und  vorsich- 
tiger geworden,  wollte  daher  frühere  Fehler  nicht  wiederholen 
und  predigte  stets,  diese  zu  vermeiden.  Zum  Beweise  nach- 
folgende Stellen  aus  seinem  Briefwechsel  an  Zwackh: 

Auch*)  müssen  diese  Grade  nicht  mit  blossen  Zahlen  und 
Lückenfüllern  angefüllt  seyn,  es  sollten  lauter  zweckmässige 
Leute  sein,  die  auch  zweckmässig  arbeiten.  Es  soll  eine 
Mauerey  seyn,  die  sich  durch  die  Reinheit  und  Ehrwürdigkeit 
der  Mitglieder,  durch  ihre  Subordination,  Bildung  von  allen  bis- 
herigen unterscheidet.  Ich  wollte  also  nicht  rathen  jeden  Schüler, 
wenn  er  auch  übrigens  nicht  taugt,  aufzunehmen.  Sie  sollten 
auch  hier  nach  und  nach  in  der  Auswahl  und  Bildung  der  Mit- 
glieder so  streng  als  bey  den  übrigen  seyn;  denn  die  Maurerey 
ist  nunmehr  mit  dem  Orden  ein  und  derselbe  Körper. 

Ich**)  gestehe  es  gern  ein,  dass  im  Orden  ungleich  bessere 
und  grössere  Gelehrte  sind,  als  ich:  aber  das  getraue  ich  mir 
zu  behaupten,  dass  Keiner  von  allen,  auch  nicht  einmal  Philo, 
so  sehr  die  Kunst  verstehe,  die  kleinsten  Umstände  zu  nützen, 
und  die  Mängel  und  Gebrechen  einer  derley  künstlichen  Maschine 
zu  übersehen. 


Philo***)  sagt  freylich,  dass  er  mir  500  Menschen  geliefert: 
aber  1.)  sind  es  nicht  so  viele,  2.)  sind  seine  Provinzen  in  einer 
Verwirrung,  dass  ich  mir  nicht  zu  helfen  weiss.  Nachdem  er 
sich  mit  allen  Leuten  abgeworfen,  sein  Credit  und  Vertrauen 
verlohren,  so  soll  ich  nun  wieder  so  die  Sache  in  Gang  bringen. 
Philo  ist  gut  zum  Anwerben,  aber  er  hat  die  Geduld  nicht,  um 
Leute  zu  erhalten,  prüft  sie  nicht  genau:  daher  muss  ich 
von  all  den  Leuten  wohl  die  Hälfte  laufen  lassen,  und  zum 
grössten  Unglücke  sind  die  Obern  sehr  partheisch,  ohne  alle 
Menschenkenntniss  gewählt:  das  allein  macht  mir  Mühe  und 
Denken. 

Mitf)  nächstem  Bothen  erhalten  sie  eine  etlich  und  20  Bogen 
lange  deduction  des  Minos,  welche  sie  bei  ihrem  Ordens-Archiv 

♦)  Nachtrag  v.  weit.  Originalschriften,  S.  29,  30. 
♦^  Nachtrag  S.  33/34. 
♦*►)  Ebenda  S.  69. 
t)  Ebenda  S.  88  u.  90/91. 


—     126     — 


Ijehollen  können.  Lesen  sie  solche  aufmei*ksom,  und  urtheilen 
sie  ols  Jurist:  sie  werden  finden,  dass  mir  Philo  zum  Inspectorn 
von  Niedersnchsen,  einen  Erzrosenkreutzer,  einen  mystischen 
Narrn  gestellt,  der  noch  dozu  mit  W  .  .  .  (Wollner)  in  corre- 
spondenz  steht:    der  gar  keine  Anhiingliclikeit  hat:    der  Bericlit 

suf  6  Zeilen   erstattet. Es   ist  wahr,   ich  kann  keinen 

Fehler  ausstehen,  und  muss  ihn  sogleich  bereden:  nber  fordert 
das  nicht  das  Wohl  der  Sache?  Ware  meine  Naclisicht  nicht 
offenbarer  Schaden?  —  —  Dermalen  steht  noch  alles  auf 
Schrauben;  lassen  sie  5  oder  6  active  Männer  weichen,  oder 
degoutirt  werden,  so  ist  alles  verlohren*  Und  wie  leicht  werden 
diese  Leute  durch  unkluge  Streiche  des  Philo,  den  sie  ols  einen 
(»hern  kennen,  abgesehreckt.  An  Oberen  sind  die  kleinsten 
Mängel   entsetzliclie    Fehler,   weil   die   Leute   von    Obern   eines 

solchen    Instituts   auch    hohen    Begi*iff  haben. Dieses   ist 

wai'um  ich  lärme,  weil  ich  die  Folgen  vorhersehe,  die  ihr,  meine 
Herren,  erst  ei-warten  wollt.  Ich  sehe,  dass  beynahe  noch  kein 
einziger  Areopagit  meinen  Plan  ganz  versteht:  sie  hangen  noch 
allzusehr  an  der  äussern  Form,  in  das  Innere,  und  Feinste 
dringt  beynahe  gar  keiner  ein.  Doch  lioffe  ich,  soll  auch  das 
noch  gehen,  wenn  die  Sache  nicht  zu  frühe  gänzlich  ver- 
dorben wird. 

Hier  folgt  ein  insolenter  Brief  von  Philo;  lesen  sie  wie  er 
gross  sprichL  und  alle  Welt  trotzen  kann.  Das  konnte  doch 
Cäsar  und  Alexander  nicht. 


Die  letzten  Ordensgrade  iiiicl  Pliilos  Austritt. 

Aus  den  letzten  Briefzit-aten  Weishaupls  ist  deutlich  zu 
ersehen,  dass  langsam  aber  siclier  eine  Entzweiung  zwischen 
Weishaupt  und  Knigge  stattfand,  die  den  äusseren  Anlass  durch 
die  Ausarbeitung  der  weiteren  Oidensgrade  erhielt.  Wir  wissen» 
<Jass  nach  dem  neuen  Ordensplan  der  vierte  Grad  ,.der  grössere 
llluminat'*  hiess,  dieser  stammte  von  Weishaupt,  Nach  diesem 
beginnt  die  Arbeit  Knigges  mit  dem  Schottischen  Ritler,  dem 
der  Priestergrad  nunmehr  folgte,  fast  gänzlich  von  Weishaupl 
entwoHen,  und  dann  der  Regentengrad.  Weitere  Grade  wurden 
w^ohl  von  Weishaupt  ausgearbeitet,  sind  aber  niemals  bekannt 
geworden   und   haben    auch    niemals  im  Orden  Geltung  be- 


—     127     — 

rmen.  Weishoupl  lint  die  betreftenden  Schnflen  hierüber 
sorgtallig  bewahrt,  gibt  ober  in  seinen  Briefen  über  den  Inhalt 
gar  keine  Andeutungen  und  hat  in  späteren  Jahren  selbst  alle 
Papiere,  die  heute  noch  Autschluss  geben  könnten,  vernichtet.  — 
Wie  er  persönlich  nun  über  die  Arbeiten  Knigges  dachte,  geht 
am  klarsten  aus  einem  Briefe  an  seinen  Intimus  Zwackh  vom 
7.  Februar  1783*)  hervor.     Daselbst  heisst  es: 


^  Die  Abteilung  in  A.,  B,  und  C.  ist  von  Mahomet,  und  ist 
nun  von  dem  Grad  nichts  weiter  übrig,  als  die  Einweihung 
eines  Decanus,**)  die  euch  noch  nebst  Philos  Original-Cahier 
folgen  wird.  Ich  wünsche,  dass  alle  Ceremonien,  die  wirklich 
einfältig  und  unbedeutend  sind,  liinwegbleiben,  und  dieser  Grad 
ausser  den  vorher  aufzulösenden  Fragen,  der  Anrede  und  dem 
UnteiTicht  im  scientivisclien  nichts  weiter  enttialte,  auch  die 
Kleidung  ist  einfältig:  wieviel  Geld  geht  dabey  verlohren.  Ich 
bin  der  Meynung;  dass  die  Priester  ausser  einem  kleinen  rothen 
Kreuz  auf  der  linken  Seite  des  Rocks  nichts  tragen  sollen;  oder 
höchstens  ein  kurzes  bis  an  die  Hift  reichendes  weisses  scapulier 
oder  Brust  fleck  unter  dem  Rock,  auf  welchem  das  rothe  Kreuz 
angebracht  ist.  DerDecanusuntei^cheidet  sich  durch  ein  grössers 
Kreuz,  oder  trägt  solches  ganz  allein.  Philo  steckt  voll  solcher 
Jiarrheiten,  welche  seinen  kleinen  Geist  verralhen, 
B  Den  Regentengrad  liabe  ich  nicht  gemacht,  obwohl  beynahe 
alles  von  mir  ist.  Er  ist  ungleich  unw^ichtiger,  als  der  Priester- 
grad; und  hier  sieht  man,  wie  wenig  Philo  im  System  arbeitet 
Anstatt»  dass  die  Grade,  je  höher  sie  sind,  desto  wichtiger 
werden  sollen,  um  so  schlecliter  w^erden  sie  bey  ihm.  Auf  den 
Illum.  maj.  folgt  der  elende  Schottische  Rittergrad  ganz  von 
seiner  com|>osition,  und  auf  den  Priestergrad  ein  eben  so  elender 
Regentengrod;  doch  w^eil  es  ein  dirigirender  Grad  ist,  der  die 
ganze  Provineial-Instruction  entfaltet,  so  ändere  ich  darum  nichts, 
etwelche  einfältige»  niederträchtige  Maximen  ausgenommen:  aber 
über  diesen  hinaus  habe  ich  noch  4  Grade  schon  componirt, 
wo  gegen  den  schlechtesten  der  Priesteig:rad  Kinderspiel  seyn 
soll;  doch  theile  ich  sie  Niemand  mit,  bis  ich  sehe,  wie  die 
Sache  geht,  und  wer  es  *v*erdienl:  lasse  mir  auch  nichts  darinn 
corrigieren. 


♦)  NachtrapT  von  weiteren  Onitrinalschnften,  S.  94/95. 
)  Vorsteher  im  Prieslei-grad. 


—     128     — 

Den  Regentengrad  schicke  ich  zum  Abschi^eiben,  sobald  sie 
mit  dem  Priestergrad  fertig  sind. 

Wenn  Philo  sich  selbst  wieder,  wie  vor  dem»  an  mich 
wendet,  und  sein  Unrecht  erkennt,  so  werde  ich  mit.  ihnen 
wieder  der  alte  seyn,  aber  suchen  werde  ich  ilin  auf  keine  Art; 
ich  muss  ihm  beweisen,  dass  er  mir  nicht  wesenthch  ist;  dass 
er  dadurch,  dass  er  beym  Orden  ist,  nicht  mir,  sondern  der 
Menschheit  dient:  dass  ich  nichts  von  ihm  habe,  ich  auch  durch 
ihn  um  nichts  klüger  geworden  bin:  und  dass  er  durch  seinen 
Umgang  und  correspondenz  mit  mir  keinen  Schaden  gehabt 
Man  muss  seine  ihm  und  uns  so  schädliche  Eitelkeit  nicht  er- 
nähren: eben  weil  er  gebethen  sein  will,  muss  man  ihn  nicht 
bitten;  ich  am  allerwenigsten,  denn  mich  hat  er  schlecht  be- 
handelt, doch  nicht  so  schlecht,  als  A  .  .  und  Mahomet.  Wenn 
ihm  die  gute  Sfeiche  lieb  ist,  so  wird  er  selbst  kommen,  und  ich 
werde  ihn  mit  offenen  Armen  empfangen:  ist  ihm  aber  sein 
Eigensinn  und  Eitelkeit  lieber,  so  verdient  er  nicht,  dass  wir 
uns  weiter  um  ihn  sorgen,  weil  er  ärger  als  zuvor  seyn  würde, 
indem  man  ihn  gesucht,  gebethen  hat.  Mit  dem  allem  werde 
ich  ihm  das  Zeugniss  allzeit  geben,  dass  er  durch  Anw^erbung 
wichtiger  Leute  um  den  Orden  grosse  Verdienste  hat:  aber 
ausser  dem  hat  er  mir  w^enig  genützt:  hat  mir  oft  manches 
verdorben,  die  Einheit  meines  Planes  durch  elende  Einschal- 
tungen von  unbedeutenden  Graden  sehr  stark  verdorben:  ich 
hab  ihm  gewiss  lang  nachgegeben,  aber  nunmehro  machte  er 
es  zu  ai'g.  —  — 

Soweit  Weisshaupt,  Um  unparteiisch  zu  sein,  müssen  wir 
jedoch  aucli  Knigge  hören  und  dieser  sclirieb  an  Zwackh  den 
nachfolgenden  Brief,  jedenfalls  als  Antwort  auf  ein  Schr*eiben» 
das  jener  infolge  Weishaupls  Auslassungen  an  ihn  richtete. 

Catoni  amantissimo  S.  p.  et  Philo:*) 

Bey  der  Lage,  darinn  ich,  gewiss  sehr  unschuldiger  Weise, 
mit  Spertacus  bin,  war  es  mir  ein  herzlicher  Trost,  von  ihnen, 
mein  redlich  geliebter  Bruder!  einen  so  freundschaftsvollen, 
gütigen,  oufmunternden  Brief  zu  erhalten.  Ich  w^ürde  der  un- 
dankbarste Mensch  seyn,  wenn  ich  nicht  mit  gänzlicher  Offen- 
herzigkeit  darauf  antwortete,  und  Ihnen  mein  ganzes  Herz 
ausschüttete. 


♦)  Nachtrag  v.  w.  Orig.-Schriflen,  S.  99. 


-^     129     — 


Nicht  Mahomet  und  A  .  .  so  sehr  sind  Schuld  an  nteiner 
Trennung  von  Sportocus,  sondern  dieses  Mannes  jesuitisches 
Verfahren,  durch  welches  er  uns  so  oft  unter  einander  entzweyet 
hat,  um  despotisch  über  Menschen  zu  herrschen,  die,  wenn  sie 
nicht  eine  so  reiche  Phantasie  als  er  vieüeicht,  auch  nicht  so 
viel  Feinheit  und  List  besitzen,  ihm  wenigstens  an  guten 
I  Willen,  gesunder  grader  Vernunft  und  Redlichkeit  nichts  nach- 
geben, die  ihm  so  wesentliche  Dienste  geleistet  haben,  und  ohne 
welche  sein,  mit  einigen  ohne  Auswahl  zusammengerafften 
jungen  Leuten  (man  denke  an  Tiberius,  Ajax  etc.)  angefangener 
Orden  ein  elendes  Ding  seyn  würde.  Lange  habe  ich  voraus* 
gesehen,  wie  er  mir  mitspielen  würde,  aber  mir  auch  fest  vor- 
genommen, ihm  zu  zeigen,  dass  bei  aller  meiner  Nachgiebigkeit, 
und  beynahe  übertriebener Untenvürfigkeit,  ich  unwiederbringlich 
zurücktrete,  wenn  man  mich  unedel  behandelt,  damit  er  einmal 
sehe,  dass  man  nicht  mit  allen  Menschen  spielen  könne.  Also 
hier  ist  meine  Erklärung:  Mit  Spartacus  kann  ich  nie  wieder  auf 
den  alten  Fuss  kommen,  auf  welchem  ich  mit  ihm  war,  aber  so 
lange  ich  lebe,  werdeich  alles  beytragen  zum  Bessten  des  Ordens, 
und  allem,  wass  sie,  besste  Freunde!  mir  auftragen  werden,  nach 
meinen  Kräften  zu  wirken.  Jetzt  komme  ich  zu  meiner  Erzählung, 

Als  Spartacus  anfing  mit  mir  über  den  Orden  zu  corre- 
spondiren,  da  malte  er  mir  den  Orden  als  ein  völlig  a\is- 
gearbeitetes,  tief  durchgedachtes,  weit  ausgebreitetes  System  ab» 
und  ermunterte  mich,  eller  <Jrten  erwachsene,  angesehene,  schon 
gebildete,  gelehrte  Männer  anzuwerben.  Ks  war  natürlich,  dass 
diese  Männer  nicht  nur  geschwinder  befördert  werden  wollten, 
sondern  dass  ich  auch  die  Direction  ohne  Nachtheil  meiner 
Gesundheit  und  meines  Geldbeutels  nicht  lange  allein  führen 
konnte.  Die  Sache  griff  so  geschwind  um  sich,  dass  ich  endlich 
SOO  Menschen  zu  behandeln  bekam.  Um  nun  Mittelobere  an- 
setzen zu  können,  bat  ich  um  die  nöthigen  Instructionen,  mit 
einem  Worte,  um  höhere  Grade,  und  nun  machte  mich  Spar- 
tacus auf  einmal  zum  Areopagiten,  und  entdeckte  mir,  dass  alle 
übrige  Grade  nicht  fertig  wären.  Diess  schreckte  mich  nicht  ab^ 
nun  bat  ich  dringend  darum,  eine  gewisse  Anzahl  Grade,  die 
zur  Direction  nölhig  wären,  auszuarbeiten  und  ver.'^prach  unter- 
dessen alle  meine  Leute  zwey  Jahre  lang  hinzuhalten.  Darauf 
schrieb  er  mir:  ich  solle  alles  nach  Belieben  machen,  und  so 
viel"  Areopagiten  aufnehmen,  als  mir  beliebte.  Ich  nahm  aber 
niemand  zum  Areopagiten  auf,  hielt  durch  unerhörte  Schwanke 

EnfpeJ,  Gwchiclit«  des  IlInmiJiHteiiordenJi.  9 


—     130     - 

und  Wendungen  die  ältesten,  klügsten  Männer  auf,  setzte  alles 
in  Feuer,  untergrub  die  stricte  Observanz,  arbeitete  mit  Hindan- 
setzung aller  meiner  häuslichen  und  anderer  theils  wichtigen, 
theils  einträglichen  Geschäfte  16  Stunden  täglich  für  den  Orden; 
nahm,  um  allem  in  diesen  Gegenden  so  gewöhnlichen  Verdachte 
des  Eigennutzes  auszuweichen,  von  niemand  Geld,  gab  jährlich 
250  fi.  Porto  aus,  Hess  mich  zu  allem  brauchen,  schrieb  gegen 
Jesuiten  und  Rosenkreutzer,  die  mich  nie  beleidigt  haben,  mich 
aber  jetzt  verfolgen,  und  arbeitete  unterdessen  die  untern  Classen 
aus.  Darauf  liess  man  mich  zu  Ihnen,  meine  bessten  Brüder! 
reisen,  woselbst  ich  soviel  Freundschaft  und  Güte  genossen  habe. 
Dort  wurden  nun  die  Grade  bis  zum  Schottischen  Rittergrad 
festgesetzt.  Ich  kam  zurück  und  führte  diess  in  meinen  Pro- 
vinzen ein,  und  legte  Versammlungen  und  Logen  an  (obgleich 
ich  noch  immer  bey  dem  Satz  bleibe,  dass,  wenn  man  vom 
Grund  auf  den  Orden  in  einem  Lande  ausbreiten  soll,  rnan 
besser  thut,  mit  einigen  geprüften  Männern  von  oben  herunter, 
als  mit  einer  Menge  ungebildeter  Leute,  die  alle  befriedigt 
werden  wollen,  von  unten  hinauf  zu  arbeilen),*)  aber  ich  ge- 
horchte. Nun  aber  wurde  die  Maschine  für  meine  Schultern 
zu  schwer.  Deshalb  bat  ich  um  Festsetzung  höherer  Directions- 
grade,  nemlich  a)  einen  kleinen  Priestergrad  zur  seien ti vischen 
Direction;  und  b)  einen  kleinen  Regentengrad  zur  politischen. 
Alsdann  dachte  ich  können  wir  die  sogenannten  grösseren 
Mysterien  noch  immer  für  uns  behalten,  uns  dahinter  ver* 
stecken,  und  das  ganze  Gebäude  andern  Händen  überliefern. 
Wir  sehen,  wie  diese  das  Ding  dirigiren,  bleiben  im  Hinterhalt, 
und  arbeiten  nach  Müsse  die  hölieren  Mysterien  aus.  Wenn 
aber  die  kleinen  Mysterien  fertig  sind,  so  will  ich  jeder  Provinz 
einen  Provinzial  geben,  3  Provinzialen  einem  Inspector  unter- 
ordnen, und  diese  mögen  dann  Local-Obere  vermög  ihrer  In- 
struction ansetzen  und  alles  in  Ordnung  bringen.  Nur  flehete 
ich  darum,  man  solle  für  eine  tüchtige  National-Direction  soi^gen, 
und  dazu  hatte  A  .  .  in  Rom  herrlicli  Gelegenheit,  hat  aber 
nichts  geleistete  ich  sollte  immer  alles  allein  thun,  meine  Leute 
mit  Lügen  hinhalten  etc. 


•)  In  diesem  Gegensatz  der  Änsif!hlen  Weishau pla  und  Knigges  Hegt  der 
Grund  ihres  Zwistes  Knigge  hätte  recht  gehabt,  wenn  der  Orden  ein  fertige« 
System  gewesen  wäre*  Welshaupl  konnte  aber,  uro  nicht  ins  Blaue  zu  arbeiten 
und  nach  seiner  Absicht,  sein  System  auf  die  Natur  des  Menschen  zu  bauen. 
nur  diea^s  nach  den  sich  ergebenden  Notwendigkeiten  bilden. 


—     131      -- 


Unterdessen  fing  Spnrtocus  an  in  mich  zu  dringen,  ich 
sollte  nach  Edessa  (Frankfurt  a.  M,)  eine  rechte  Farce  vorn 
Orden    legen.     Ich  stellte  ihm  vor,   dass  daselbst  die  Leute  zu 

[Wenig  Bedürfniss  hatten,  zu  faul,  zu  wohllüstig.  zu  reich,  zu 
republicanisch  waren;  aber  da  half  nichts.  Er  erinnerte  mich 
so  oft,  dass  ich  endlich  alles  versuchte.  Ich  äeiig  nach  der 
Reihe  mit  10  bis  12  Leuten  an,  deren  keiner  ganz  eingeschlagen 
ist,   und   da    nun   diese  Leute   unter  600   treuen  Untergebenen 

I  nicht  eingeschlagen  waren,  und  viel  andere  kleine  zufoMige  Um- 

^ stände  machten  dann,  dass  er  anfieng,  mich  für  einen  höchst- 
übereiiten  mittelmössigen  Menschen  zu  halten.  Er  eorrespon- 
dirte  hinter  meinem  Rücken  mit  meinen  Untergebenen,  Ich 
habe  Briefe  von  ihm  gelesen,  darin n  er  mit  denen  Leuten,  die 
ich  aufgenommen,  über  mich,  wie  über  einen  Novizen  raisonirte. 
Unter  andern  w^arf  er  nun  sein  Vertrauen  auf  Minos,  der  ein 
sehr  ehrlicher,  wozu  ich  ihn  brauchte,  nützlicher,  übrigens  aber 
sehr  unkluger  übereilter  Mensch  ist,  der  auf  besondere  Art  be- 
handelt, und  sehr  kurz  gehalten  seyn  will.  Do  ich  das  merkte, 
Hess  ich  mich  nichts  anfechten,  machte  ihm  keine  Voiwüife, 
sondern  arbeitete  den  Presbyter  und  Princeps  aus  und  zwar 
nach  folgenden  Grundsätzen.  Der  kleine  Priestergrad  müsse 
die  Direction  in  Scientificis  haben,  also  legte  ich  dabey  Spartaci 
Instruction  der  Provinzialen  in  Scientificis  zu  Grunde:  bev  dem 
Regenten  hingegen,  als  welcher  die  politische  Direction  haben 
müsse,  legte  ich  die  erste  Hälfte  der  ProvinziaMnstruction  unter, 
(Ich  lasse  jetzt  alles  für  Sie,  wie  sie  befohlen  haben,  abschreiben.) 
Nun  kam  es  aber  auf  die  Grundsätze  an,  welche  man  in  diesen 
Graden  lehren  müsste,  um  im  Systeme  fortzurücken  und  da 
fiel  mir  folgendes  ein:  Man  soll  das  Bedürfniss  jedes  Zeitalters 
überlegen. 

I  Nun  hat  jetzt  die  Betrügerey  der  Pfaffen  fast  alle  Menschen 

gegen  die  christliche  Religion  aufgebracht,  aber  zu  eben  der 
Zeit  reisst  wieder,  wie  es  sehr  gew^öhnlich  unter  den  Menschen 
ist,  die  immer  an  etwas  sich  hängen  wollen,  die  filmte  Schwör 
merey  ein.  Um  nun  auf  beide  Classen  von  Menschen  zu  würken, 
und  sie  zu  vereinigen,  müsse  man  eine  Erklärung  der  christ- 
lichen Religion  ertinden,  die  den  Schwärmer  zur  Vernunft 
brächte,  und  den  Freygeist  bewoge,  nicht  das  Kind  mit  dem 
Bade  auszuschütten,  diess  zum  Geheimniss  der  Freymaurerey 
machen,  und  auf  unsere  Zwecke  anwenden.  Von  einer  andern 
Seite  haben  wir  es  mit  Fürsten  zu  thun.    Indess  der  Despotismus 


—     132     — 


derselben  töglich  steigt,  reisst  zugleich  allgemeiner  Freyheitsgeisl 
aller  Orten  ein.  Also  auch  diese  beyden  Exlrema  müssen  ver- 
einigt werden.  Wir  sagen  also:  Jesus  hat  keine  neue  Religion 
einführen,  sondern  nur  die  nolürliche  Religion  und  die  Vernunft 
in  ihre  allen  Rechte  setzen  wollen.  Dabey  w^ollte  er  die  Menschen 
in  ein  grösseres  allgemeines  Band  vereinigen,  und  indem  er  die 
Menschen  duirh  Ausbreitung  einer  w^eisen  Moral,  Aufklärung, 
und  Bekämpfung  aller  Vorurtheilc  föhig  machen  wollte,  sich 
selbst  zu  regieren;  so  war  der  geheime  Sinn  seiner  Lehre;  all- 
gemeine Freyheit  und  Gleichheit  unter  den  Menschen  wieder 
ohne  alle  Revolution  einzuführen.  Es  lassen  sich  alle  Stellen 
der  Bibel  darauf  anwenden  und  erklären,  und  dadurch  hört 
aller  Zank  unter  den  Secten  auf,  wenn  jeder  einen  vernünftigen 
Sinn  in  dei-  Lehre  Jesu  findet  (es  sey  nun  wahr  oder  nicht). 
Weil  aber  diese  einfache  Religion  nachher  enlweyliet  wurde,  so 
wurden  diese  Lehren  durch  die  Disciplinam  Arcani  und  endlich 
durch  die  Freymaurerey  auf  uns  fortgepflanzt,  und  alle  Frey- 
maurerischen Hieroglyphen  lassen  sich  auf  diesen  Zweck  er- 
klären. Spartacus  hat  sehr  viel  gute  Data  dazu  gesammelt,  ich 
habe  das  meinige  hinzugethan,  und  so  habe  ich  die  beyden 
Grade  verfertigt,  und  darinn  lauter  Ceremonien  aus  den  ersten 
Gemeinden  genommen.  Da  nun  hier  die  Leulesehen,  dass  wir 
die  einzigen  ächten  wahren  Christen  sind,  so  dürfen  wir  da- 
gegen  ein  Wort  mehr  gegen  Pfaffen  und  Fürsten  reden,  doch 
habe  ich  diess  so  gethan,  dass  ich  Päbste  und  Könige  nach 
vorhergegangener  Prüfung  in  diese  Grade  aufnehmen  wollte.  (In 
den  höheren  Mysterien  sollte  man  dann  a)  diese  piam  fraudem 
entdecken,  und  b)  aus  allen  Schriften  den  Ui-sprung  aller  reli- 
giösen Lügen,  und  deren  Zusammeoliang  entwickeln,  c)  die  Ge- 
schichte des  Ordens  erzählen).*) 

Nachdem  der  Presbyter,  und  Princeps  fertig  waren,  schickte 
ich  das  Concept  an  Spartacus  mit  der  Bitte,  es  an  alle  Areo- 
pagiten  herumzusenden  (ich  hatte  fast  nichts  gethan,  als  alle 
ihre  verschiedenen  Beyträge  zusammengetragen,  das  mehresle 
war  von  Spartacus»  ja  fast  alles),  ich  bekam  aber  in  langer  Zeit 
keine  Antwort,  meine  Papiere  nicht  zurück,  und  indessen  war 


*)  Aus  dieser  SteHe  wird  Öfters  auf  den  beahsiehügten  Intiatt  der  letzten 
nie  ausgearbailetea  Grade:  Magus  und  Hex  Keschlossen.  Man  vergi^^sl 
jedoch,  dass  lediglich  Knip/cre  hier  Reine  Ideen  kundg:ibl,  WeishaufU  vier  andere 
Grade  bereits  entworfen  haue,  demnach  Knigges  Worte  gar  nictit  in  Betracht 
kommen  können. 


—     133     — 


II 

I 


I 


I 


es  nöthig  meine  Leute  zu  befördern,  um  die  mehr  als  hercu- 
lisclie  Last  zu  erleichtern.  Endlich  schrieb  mir  Spartecus, 
Mahomet  habe  zwar  manches  zu  erinnern,  doch  wollte  er  schon 
sorgen,  dass  die  Grade  also  angenommen  würden.  Da  ich  nun 
Eile  habe;  so  solle  ich  die  Grade  nur  nach  meiner  Art  aus- 
Iheilen.  Diess  that  ich,  attestierte  mit  meines  Namens  Unter- 
schrift die  Aeclitheit  der  Cahiei-s,  und  meine  Leute  waren  ent- 
zückt über  diese  Meisterstücke,  wie  sie  es  nannten,  ausser  das 
zwey  Personen  kleine  Einwendungen  gegen  einzelne  Ausdrücke 
machten,  welche  leicht  nach  den  Loeal-Umständen  in  jeder 
Provinz  verändert  werden  können.  Auf  einmal  schickte  mir 
Mahomet  nicht  etwa  Anmerkungen  zu  diesen  Graden,  sondern 
ganz  verändertes  verstümmeltes  Zeug.  Man  verlangte,  ich  sollte 
meine  Hefte  zui-ückfordern,  und  als  ich  mich  weigerte,  bestand 
wenigstens  Spartacus  darauf,  alle  Abschriften  selbst  zu  revidiren, 
den  Leuten  zu  sagen,  es  hätten  sich  unächte  Zusätze  ein- 
geschlichen» um  dadurch  mich  zum  Lügner  zu  machen.  Ob- 
gleich ich  nun  gewiss  nicht  herrschsüchtig  bin,  alle  Provinzen 
abgegeben  hohe,  und  selbst  jetzt  unter  Meinos  stehe,  und  ihm 
monatlich  mein  Q.  L.  schicke;  so  konnte  ich  doch  eine  solche 
Beschimpfung  nicht  ertragen,  und  da  Spartacus  noch  dazu  grob 
wird,  so  sehe  ich  gar  nicht  ein,  warum  ich  mich  von  einem 
Professor  in  Ingolstadt  wie  ein  Student  soll  behandeln  lassen. 
Also  habe  ich  ihm  allen  Gehorsam  aufgekündigt;  Ihnen  aber 
bin  ich  zu  jedem  Winke  bereit,  —  —  —  — 


Der  Zankapfel  zwischen  Weishaupt  und  Knigge  war  der 
Priestergrad.  Letzterer  entwickelte  Ideen,  die  für  die  damalige 
Zeit  allerdings  recht  bedenklich  erscheinen  konnten,  denn  sie 
enthielten  eine  freigeistige,  wenn  auch  keineswegs  irreligiöse 
Lebensauffassung,  die  öfters  in  derber  Ausdrucksweise  sich 
offenbarte.  Weishaupt  empfand  sehr  schnell  das  Unzulässige 
der  letzteren  und  suchte,  nachdem  er  jedenfalls  die  Wirkung 
auf  Neuaufzunehmende  erprobt  hatte,  diese  Ausdrucksweise  zu 
mildern.  Er  sagt  deswegen  euch  im  Hinblick  auf  diesen  Um- 
stand: ,^Man  muss  sich  niemalen  scheuen,  eine  Sache  besser  zu 
machen,  noch  \'iel  weniger,  wenn  dadurch  für  unser  aller  Sicher^ 
heil  gesorgt  und  Missverstand  vorgebogen  wird."*) 


•)  Nachtrag  S* 


134     — 


Knigge,  der,  wie  aus  seinem  Brief  hen^orgehl,  den   Grad 

bearbeitete  und  jedenfalls  in  der  Aneinanderreihung  der  Weis- 
hauptschen  Ideen,  die  der  Priestergrad  enthSlt,  auch  den  seinen 
freien  Lauf  liess,  scheute  sich  Jedoch  zu  verbessern.  Den  durch 
Weishaupt  vorgeschlagenen  Weg,  die  zu  derben  Ausdrücke  als 
unechte  Zusätze,  die  sich  eingeschlichen,  auszugehen,  sah  er 
als  das  Mittel  an,  ihn  zum  Lügner  zu  machen.  Letzleres  war 
jedoch  unmöglich,  da  niemand  Knigge  als  den  Verfasser  kannte. 

Jedenfalls  war  auf  Weishaupts  Seite  mehr  Verständnis  für 
den  Rntwickelungsgang  einer  Sache  vorhanden,  als  bei  Knigge, 
Dabei  ist  gar  nicht  zu  leugnen,  dass  Weishaupt  infolge  dieses 
Anpassungsvermögens  gewundene  Wege  gehen  musste,  um  zum 
Ziele  zu  gelangen.  Es  ist  jedoch  mehr  als  fraglich,  ob  Kni^e 
mit  seinem  eigensinnigen  Beharren  auf  dem  einmal  eingenom- 
menen  Standpunkt  bessere  Resultate  erzielt  hatte,  Weishaupt 
schreibt:  „Ich  lasse  alles  Anslössige  hinweg;  beweise  und  er- 
läutere  alles  besser;  denn  Philo  hat  es  ei*sch  reck  lieh  verdorben, 
und  seithero  haben  sich  meine  Einsichten  vermehrt/'  Weil  er 
das  aber  tut,  kündigt  ihm  Knigge  allen  Gehorsam.  —  Es  ist 
augenscheinlich,  dnss  beide  Manner  niclit  miteinander,  bei  so 
verschiedenen  Grundsätzen,  dauernd  verbunden  bleiben  konnten. 

Knigge  braust  denn  auch  weiterhin  gewaltig  auf,  lässt  sich 
zu  Drohungen  hinreissen  und  zeigt  sich  in  einer  theatralischen 
Pose,  dabei  seinen  edlen  Charakter  öfter  in  das  rechte  Licht 
setzend.  In  den  Seite  111—129  abgedruckten  Briefen  Philos  im 
Nachtrog  zu  den  Originalschriften  findet  jeder  sehr  leicht  die 
Beweise.  Er  beschwört  dort  Calo,  die  Sache  in  Ordnung  zu 
bringen,  denn  es  kostet  ihn  w^nig,  ein  sehr  festes  Bündnis 
gegen  Sportacus  zu  stiften,  aber  etwas  in  ihm  empört  sich  da- 
gegen. Er  droht,  wenn  er  aber  den  Jesuiten  und  Rosenkreutzern» 
gegen  die  er  geschrieben,  nun  einen  Wink  gäbe,  wer  sie  ver- 
folgt, die  kleine  unbedeutende  Entstehung  des  ( H'dens  nur  einigen 
Personen  entdeckte,  bewiese  durch  seine  Konzepte,  dass  er  einen 
Teil  der  Grade  selbst  aufgesetzt  habe,  wenn  er  versichern  würde, 
dass  die,  welche  Geheimnisse  suchen,  nichts  zu  erwarten  haben, 
wenn  er  die  Logen  auf  eine  Association  aufmerksam  machen 
würde,  hinter  welcher  die  Illuminaten  stecken,  wenn  er  gewissen 
Leuten  in  Bayern  einen  Wink  gäbe,  wer  der  Stifter  sei,  wenn 
er  sich  mit  Fürsten  und  Freimaurern  wieder  verbände  usw. 
Doch  er  erschrickt  vor  den  Gedanken,  denn  so  weit  wird  die 
Rache  ihn   nie  treiben.  —  Er  ist  ebenso  bereit,  ganz  auf  dem 


I 

■ 

I 


^     135     — 

allen  Fuss  zu  arbeiten,  ja« die  grössten  Dinge  für  den  Orden  zu 
wirken,  wenn  man  ihm  aufs  Neue  ganz  uneingeschränktes 
Zutrauen  zeigt-  Er  versteigt  sich  sodann  Zwackh  (S-  116)  und 
Weishoupt  (S.  121)  gegenüber  zu  Versprechungen,  die  er  wie 
folgt  bezeiclinet,  da  er  in  Kassel  durch  geheime  Konferenzen 
mit  dem  Prinzen  Karl  von  Hessen  und  andern  Männern  dazu 
in  den  Stand  gesetzt  sei 

a)  Die  ganze  ächte  Geschichte  von  der  Entstehung  der 
Freymaurerey  und  Rosenkreutzerey  zu  besitzen»  und  in  die 
höheren  Mysterien  zu  legen,  wenn  Sie  mich  so  behandeln,  wie 
ich  es  zu  verdienen  glaube, 

b)  dem  Orden  Naturgeheimnisse  mitteilen  zu  lassen»  die 
erstaunlich  und  einträglich  sind  (obgleich  keine  Wunder), 

c)  die  ganze  stricte  Observanz  nicht  mit  uns  zu  ver- 
eiDigen,  sondern  uns  unterwürfig  zu  machen, 

d)  dem  Orden  feste  Grundlage,  Macht  und  Geld  zu  ver» 
schaffen,  ohne  seine  Einrichtung  im  Geringsten  zu  ersciiüttern» 

e)  einen  freyen  Handel  und  Privilegien  in  Dännemarkt, 
Holstein  etc.  wie  auch  Vorschüsse  dazu, 

f)  eine  machtige  Parthey  gegen  Jesuiten, 

g)  eine  eben  so  feste  Anstalt  gegen  die  deutschen  Rosen- 
kreuzer,  die  uns  täglich  gefährlicher  werden.  —   — 


Auf  Weishaupt  machten  diese  Versprechungen  keinen 
tieferen  Eindruck,  er  sprach  sich  daher  auch  offen  darüber  aus, 
dass  er  sie  als  Lockspeise  ansehe,  worüber  natürlich  grosse 
Empörung  Philos.  Letzterer  versteigt  sich  infolgedessen  in 
späteren  Briefen  zu  immer  heftigeren  Drohungen  und  klagt  gegen 
Cato  am  27,  März  1783  im  dramatischen  Tone:  —  Nur  ausFreund- 
ehaft»  aus  zärtlicher  inniger  Liebe  und  Freundschaft  zu  ihnen, 
meine  geliebtesten  theuersten  Bruder!  will  ich  noch  gegen 
niemand  Ött'entlich  reden.  Aber  wenn  Sportacus  zwischen 
beute  und  dem  26ten  April  nicht  alles  gut  macht  —  dann 
stehe  ich  für  nichts.  Ich  bin  bin  im  Stande,  alles  zu  zernichten, 
Areopagiten  in  Menge  zu  machen,  das  ganze  System  zu  zerstören, 
—  Ol  halten  Sie  mich  ab  zu  Ihun,  was  ich  ungern  thue  — 
Ich  fange  an  zu  ar-gwöhnen  —  Sollte  selbst  Spartacus  ein  ver- 
larvter  Jesuit  sein  —  denn  bin  ich  der  Mann,  der  ihn  zu  Boden 
schlagen  kann  —  Gottl  welch  ein  Mensch I  — 

Knigge  schlug  jedoch  Weishaupt  nicht  zu  Boden,  sondern 
beruhigte  sich  wieder.     Er  schrieb  am  3L  März,  also  vier  Tage 


—     136     — 

später  bereits  in  ganz  anderem  Tcme  einen  höchst  charak- 
teristischen Nachtrag  zu  seinem  zurückgekommenen  Brief,  der 
hier  unverkürzt  wiedergegeben  sein  mag,  um  Knigges  Art  und 
Pläne,  die  in  seinem  Kopfe  schwirrten,  zu  kennzeichnen.  Dos 
bisher  ungedruckte  Üriginal  befindet  sich  im  Geheimen  Haus* 
Archiv  zu  München: 

Nr.  123.     Nr.  III.  d.  31.  März  1783. 

Aus  Unordnung  der  Posten,   ist   mir   mein   Paket   an  Sie 
wiederum  zurückgeschickt  worden,  weil  ich  es  nur  bis  Schmal- 
kai den  frankiert  hatte,  das  gibt  mir  Zeit  Ihnen 
und  den  sämtlichen  Areopagiten  folgendes  vorzutragen : 

Ich  setze  voraus: 

L  dass  es  nur  sehr  vortheilhaft  sein  würde,  (ja!  dass  es  in 
unseren  Plan  gehört)  alle  Fry.-Mr  Systeme  in  unsere  Gewalt  zu 
bekommen,  weil  sie  unseren  Weg  durchkreutzen. 

IL  dass  das  aber  auf  eine  Art  geschehen  müsste,  dass  wir 
weder  Gefahr  laufen  verrothen,  noch  in  unserer  festen  Einrich- 
tung erschüttert  zu  werden. 

IIL  dass  es  uns  ein  walirhafter  Ernst  ist,  für  das  Wohl 
der  Menschheit,  und  nicht  zur  Befriedigung  unseres  kleinen 
Eigennutzes,  unserer  Herrschsucht  nach  anderen  Leidenschaften 
zu  arbeiten,  und  dass  jeder  redliche  Mann  willkommen  seyn 
muss,  der  Fähigkeiten  und  guten  Willen  hat,  auf  unsere  Art 
zu  gleichen  Zwecken  an  einem  Werk  theilzunehmen,  welches  wir 
aus  redlichem  Herzen,  für  das  allgemeine  Wohl  zu  Stande 
bringen;  denn  wir  haben  doch  kein  Monopolium  für  die  Mensch- 
heit zu  arbeiten,  würden  im  GegenthcÜ  selir  glücklich  sein, 
wenn  die  ganze  Welt  nach  einem  sehi*  edlen  Plan  regiert  würde. 

IV.  dass  wenn  uns  ein  anderer  überzeugt,  dass  man  auf 
bessere  Art  für  das  Wohl  der  Menschen  wirken  kann,  als  wir 
thun,  wir  unseren  Operationspion  umändern  müssen. 

V.  dass  wenn  uns  jemand  richtige  Kenntnisse,  die  der 
Menschheit  unendlich  interessant  wären,  mittheilen  wollte,  wir 
uns  nicht  für  so  überklug  holten  sollten,  diesen  Mann  von  unserer 
Thür  wegzujagen,  sondern    erst  seine   Bedingungen    zu    hören. 

Das  setze  ich  voraus,  denn  wenn  z,  B.  ein  lebhafter  un- 
ruhiger Kopf,  der  allerley  Zeug  unter  einander  gelesen  hätte, 
mit  diesem  Plunder  ausstaffiert,  in  einem  Lande,  wo  man  sehr 
weit  in  der  Aufklärung  zurück  wäre,  sich  so  hoch  stehen  fühlte, 
dass  er  sich  zum   Reformator  aufwüife;  wenn   dieser  nun  ein 


137 


Svslem  zusammenflickte,  woraus  hie  und  da  ein  Funken  von 
lichtvoller   obgleich   erborgter  Grösse   hervorleuchtete,   wenn  er 
den  Jesuiten  die  Künste   ablernte,   gutwillige,   zu  allem   Edlen 
bereitwillige    Menschen    für    das    scheinbare    System     mit    En- 
thusiasmus zu  erfüllen,  w^enn  das  ihm  um  so  leichter  in  einem 
Lande  gelänge*  wo  das  Bedürfnis  so  gross,  der  Drang  nach  Auf- 
klärung und  Freyheit  so  lebhaft  und  die   Kenntnisse  der  Lite- 
ratur so  geringe  waren,  dass  dieser  Mann  die  herzliche  Freude 
hatte,  alle  seine  Aufsätze,  worin  vielleicht  nicht  ein  Wort  seyn 
wäre,  für  eigenes  Fabrikat  geltend  zu   machen;  wenn  er  dann 
die  besten  Köpfe  an  sich  zöge,  die  Kenntnisse  eines  jeden  nützte, 
sie  aller  Gefahr  einer  undankboren  Arbeit  aussetzte  und  sie  dann 
untereinander,  damit  er  im  Trüben  fischen,  immer  für  den  Klügsten 
und    Besten   gelte,    die    zu   geraden    feinen    Köpfe,    w^enn    er 
ihnen   den   Honig  gestohlen,    niuthlos    machen    und    entfernen 
könnte;    wenn   er    nun  die    Pläne    ergriffe,    die   ihn   mächtig 
und    grösser    machen    könnten,     alle   übrigen   aber  elend   und 
jämmerlich  fände,  folglich  eine  Menge  Menschen  blos  deswegen 
in  Bew^egung  setzte,  damit  er  die  Wonne  hätte,  bey  einem  Pfeif- 
chen Taback  sich  selbst  zu  sagen:  „Wohl  dir  Heber  Magisterl 
hier  in  Leipzig   drehest  du  Nasen    in    aller  Form,    füi"  Männer 
aller  Art,  von  denen  zum  Theil  die  undankbare  Welt  sagt,  dass 
du    nicht    werth    seyest    ihre   Schuhriemen    aufzulösen;    wenn 
dieser  Elende  \ielleicht  gar  von  den  Jesuiten  heimlich  gedungen 
wäre,    möchte  er  auch   noch  so  sehr  aiii*  dieselben    schimpfen; 

Oder  wenn  ein  anderer  mit  gutem  Talente  und  wai-men 
Herzen,  aber  mit  einem  unbezwinglichen  Hochmuth,  mit  gänz- 
lichen Mangel  an  Weltkenntnis,  ein  solches  Werk  anfinge;  wenn 
er  schwankend  in  seinen  Grundsätzen,  seine  Mitarbeiter  übel 
wählte,  bald  diesen  Mann  für  einen  Engel,  bald  denselben  für 
einen  Teufel,  einen  schiefen  Kopf,  für  ein  Wissen-Genie,  einen 
Sokrates,  für  reif  zum  Tollhaus  liielte: 

Ja,  dann  würde  ich  es  für  Pflicht  halten,  eine  dergleichen 
Anstalt  zu  zerstören,  sollte  mir  es  auch  das  Leben  kosten  und 
jenen  Schurken  und  diesen  Herren  öflenilich  an  den  Pranger 
zu  stellen,  um  manchen  redlichen  Mann  vor  Thorheit  und  Ge- 
fahr zu  retten! 

Aber  Gott  sey  Dankl  Wir  sind  in  diesem  Falle  nicht,  wir 
stehen  nicht  unter  einer  sklavischen  Regierung.  Wer  von  uns 
Areopagiten  würde  sich  auch  so  blindlings  führen  lassen?  Wir 
haben  ein  überhaupt,  dem  wir  uns  freywillig  unterworfen  haben, 


1S8     — 


I 


her 

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damit  es,  mil  unserer  Hülfe,  den  Orden  nach  Gesetzen  regiere, 
die  wir  selbst  gemacht  haben,  und  diese  Gesetze  beinihen  aul 
die,  eben  vorausgeschickten  Grundpfeiler. 

Nun  hat  sich  folgende  Begebenheil  zugetragen,  die  ich 
geradezu  erzählen  will,  und  dann  mögen  Sie  übrigen  Areopagitea 
entscheiden»  ob  ich  recht  oder  unrecht  gehnndelt  habe,  ob  Sie 
mich  schützen,  oder  mich  mir  selbst  überlassen  wollen,  der  ich 
mich  auch  selbst  schützen  muss  und  kann. 

Ich  bekam  von  unserem  General  vor  ein  Paar  Jahren  Er- 
laubniss  so  viel  Areopagiten  zu  machen,  als  ich  zu  meiner 
Hülfe  nötig  finden  würde.  —  Ich  machte  nicht  einen  einzigen, 
aus  Vorsicht,  um  sicherzugehen*  Der  General  bath  mich,  5  Pro- 
vinzen von  Deutschland  unter  meiner  Direktion  im  Auge  zu  be* 
halten,  ich  gab  sie  alle  ab,  weil  mir  es  nicht  um  Ansehen  und 
Macht  zu  thun  ist,  sondern  nützlich  zu  werden,  behielt  aber 
vorerst  die  noch  nicht  in  Ordnung  gebrachte  Provinz  Jonten  un< 
Prafcktur  Klein  Lydien*  Dabei  begnügte  ich  mich,  nur  zu  rathen 
weil  ich  den  Zustand  der  Freymaurer  besser  kenne  als  er 

Spartacus  erlaubte  mir  vor  dritthalb  jähren,  dem  Herz- 
Ferdinüud  und  den  übrigen  ChefTs  der  stricten  Observanz  einen 
Wink  zu  geben,  dass  wir  uns  mit  Ihnen  in  Unterhandlungen  ein- 
lassen wollten.  Ich  that  dies,  mit  ausserster  Vor-sicht,  Hess  mich 
aber  nicht  weiter  heraus,  verschob  alles,  um  Zeit  zu  gewinnen^ 
nahm  indessen  die  edelsten  Menschen  aus  der  stricten  Obser» 
vanz  in  unser  Bündnis  auf  und  Hess  die  Zeit  des  Convents  in 
Wilhelmsbad  herankommen. 

Von  allen  dort  vei-sammellen  Männern  gefiel  mir  der  Lega- 
tionsrat Bode  am  besten.  Es  ist  nur  eine  Stimme  über  ihn. 
Er  ist  in  und  ausser  Deutschland  als  ein  trefflicher  SchritV 
steller,  kluger,  geschickter,  streng  i-echtlicher  Greis,  der  ohne  Voi^ 
urtheil  Wahrheit  zu  finden  und  nützlich  zu  werden  suclit,  be- 
kannt, .  .  Ich  nahm  ihn  unter  dem  Namen  Aemilius  auf,  denn 
er  wohnt  in  Jonien,  wovon  ich  noch  vorerst  Provinzial  bin 
Da  ich  indessen  den  Epaminondas  in  Tarsus  unter  dem  Namea 
Hierotheus  selbst  zum  Inspektor  über  Jonien  und  Aeonien  an- 
gesetzt hatte,  so  berichtete  ich  an  diesen,  als  wenn  er  mein 
Oberer  wäre,  ordnungsmässig,  und  alles  ging  envünscht.  Aemilius 
ist  voll  Eifer  für  den  Orden,  fest  entschlossen,  alles  insgeheime 
so  zu  lenken,  dass  wir  die  stricte  Obsen'anz  in  unsere  Gewalt 
bekommen,  ohne  dass  sie  es  selbst  gewahr  wird.  Er  hat  in 
meine  Hände  sehr  wichtige  geheime  Nachrichten  über  die  Ent 


I 


—     139     — 


ihung  der  Freymourerei  und  Rosenkreutzerei  gelegt,  will  diese 
Orden  schenken,  sich  in  seinem  54t.  Jahren  gänzlich  von 
IS  leiten  lassen  und  die  Ausbreitung  in  Jonien  übernehmen, 
>zu  er  den  herrlichsten  Grund  gelegt  hat,  (wie  ich  nachher 
id  noch  künftig  erzählen  werde).  Als  ich  diese  freudige  Nach- 
icht  meide,  bekomma  ich  auf  einmal  einen  von  Spartacus  durch 
BJnen  eigenen  Recepten-Hierotheus  mir  insinuirten  Befehl: 

Die  Oberen  verlangten  nichts  zu  wissen,  verlangten  keine 
Bwalt  über  andere  Systeme,  ich  soll  den  Aemilius  weder  weiter 
befordern,  noch    ihm  Papiere   geben,    und  in  Obersachsen  ver- 
yj|knge    man    keine   Etablissements  zu    haben.    —    Gott    erhalte 
Hfiseren  würdigen  General  bis  zu  den  spätesten  Zeiten  bey  ge- 
sunder Vernunft.    Es  muss  ein  Irrtum  mit  diesem  Befehle  er- 
gangen seyn.  — 

^f  Da  ich  indessen  den  Aemilius,  wie  jeden  Minervalen  er- 
laubt hatte,  in  Jonien  Mitglieder  zu  insinuiren,  so  schlug  er  mir 
Km  regierenden  Herzog  von  Gotha  vor.  Man  erkundige  sich 
o  man  will,  und  wenn  man  ein  anderes  Urteil  über  diesen 
üi'sten  hört,  als  folgendes:  so  will  ich  lebenslang  in's  Tollhaus 
gesperrt  werden,  oder  in  Ingolstadt  Menschenkenntnis  lernen: 
„Der  Hei'zog  von  Gotha  ist  der  besste  Landesvater,  der  h^eueste 
,  freund,  der  festeste,  redliche,  massige,  bescheidene  Mann  von 
PPHdem  Kopf,  ohne  Vorurtheil  und  Fürslenstolz,  gerecht  bis 
zur  Strenge,  w^ohlwoUend  bis  zur  Weichlichkeit.  Den  Mann, 
den  er  als  Richtei*  sein  Vermengen  einziehen  muss,  beschenkt 
er  heimlieh  als  Mensch  dojjpelt,  den  Bösewicht,  den  er  als 
Herzog  zu  einer  körperlichen  Strafe  verdammt  gibt  er  durch 
Briefgen  von  unbekannter  Hand  einen  Wink,  sich  vorher  aus 
^em  Staub  zu  machen.  Er  ist  ein  Oberer  des  Zinnendorfischen 
^vstemsl  aber  nicht  aus  Vorliebe  anhänglich  an  dieses  System; 
sondern  in  Wahrheit.  Das  Jahr  hindurch,  wenn  er  nicht  zum 
Obern  gewählt  ist,  gehorcht  er  pünktlich,  wie  der  gemeinste 
Freymaurer.  Die  anderen  Fürsten  hüben  ihn  nie  bewegen  können, 
zur  slricten  Observanz  überzugehen,  seine  Antwort  war:  wer 
mich  haben  will,  der  muss  mir  etwas  besseres  geben.  Konnte 
es  eine  Frage  sein,  ob  man  einen  solchen  Fürsten  aufnehmen 
soll?  Man  müsste  denn  besorgt  seyn,  nur  solche  Menschen 
hoben  zu  wollen,  die  man  bey  der  Nase  herumführen  kann,  und 
das  ist  Gott  sey  Dank  unser  Fall  nicht.  —  Ich  nehme  den 
Herzog  auf,  hier  sind  zwey  Briefe  von  ihm  an  Bode,  darüber 
Anlage  a  und  B.     Es  war  nicht  möglich,  ihn  so  zu  behandeln 


—     140     — 


wie  man  andere  behandelt.  Ich  liess  ihn  einen  so  bündigen 
Revers  eidlich  unterschreiben,  als  je  einer  unterschrieben  hal 
Von  beyden  Theilen  verbanden  wir  uns,  wenn  wir  nicht  ein 
werden  könnten,  ewig  zu  schweigen.  Aber  nun  las  er  die 
O.-Papiere,  und  sehen  Sie,  was  er  daüber  sagt,  ob  er  Wahrheit 
und  Licht  vertragen  kann»  ob  er  nicht  die  wichtigste  Aquisition 
ist,  die  wir  je  gemacht  haben  1  Spartacus  weiss  noch  nichts  von 
seiner  Aufnahme.  Er  hat  versprochen,  sogleich  eine  Buch- 
druckerey  fiir  uns  anzulegen,  alles  zu  thun  was  in  seynea 
Kräften  steht,  und  nichts  zu  thun,  als  was  wir  befehlen.  Dies 
hat  er  noch  den  letzten  Tag  mit  Thronen  in  den  Augen  ge-  ' 
schworen-  Ich  bitte  dies  alles  an  Spartacus  zu  melden,  aber 
doch  baldmöglichst. 

Der  Prinz  Carl  von  Hessen  ist  die  wichtigste  Per*son  im 
System  der  stricten  Observanz.  Man  hält  ihn  für  einen  Schwärmer. 
Aber  ich  habe  mit  ihm  über  manche  wichtige  Gegenstände  ge- 
redet und  einst  sollen  Sie  es,  wenn  Sie  wollen,  erfahren  doss 
er  bey  meiner  Seele  1  kein  Schwärmer  ist.  Des  guten  Minoi 
unversöhnlicher  Privathass  gegen  die,  welche  an  der  Spitze  dep 
Freymaurer  stehen,  hat  diesen  armen  Fürsten,  der  wie  aU( 
Prinzen,  Professoren,  Bäthe,  Bannerherren,  Ofüziers,  Prieste 
und  übrigen  Menschenkinder  seine  t'ehler  hat,  von  einer  solcheni 
Seite  geschildert,  dass  Spartacus,  der  zuviel  Gescliafte  hat.  um 
mit  eigenen  Augen  zu  sehen,  jetzt  sehr  gegen  alle  Menschea 
eingenommen  ist,  die  in  Wiihelnisbad  gewesen  sind,  oder  dei 
Bruder  Minos  ersle  Vorlesung  ein  bischen  übereilt,  und  ata 
unrechten  Platze  angebracht  gefunden  haben.  Ich,  der  ich  ohne 
Leidenscliaft  Fürsten  und  Professoren  darauf  anblicke,  wie  sie 
als  Menschen  aussehen,  ich  linde  folgendes  zu  überlegen; 

Der  Prinz  Carl  hat  redliche,  gute  Absichten.  Wenn  ef 
fehlt,  so  fehlt  er,  weil  er  nicht  geleitet  wird.  Sein  Einfluss  in 
der  politischen  Welt  ist  gross,  und  wohin  er  kommt,  da  liebt 
und  schätzt  ilm  jedermann.  Was  geht  es  mich  an,  zu  welchem 
System  er  gehört?  Lassen  sie  uns  ihn  aufnehmen  1  Wenn  et 
nicht  gehorchen  will,  ey  nun!  so  lasst  man  ihn  laufen  wie  jeden 
anderen  Minen'alen,  Schlägt  er  gut  ein;  sn  ist  dasein  grosser 
Gewinnst,  Uebrigens  ist  er  von  sehr  grossen  Gewicht  in  dei 
Freymaurerey  und  da  unsere  Logen  Association  von  dem  Herrn 
General  ohne  mich  zu  befragen  (da  ich  nicht  nur  als  Areopagit 
verlangen  kann  um  alles  befragt  zu  werden,  sondern  auch  mehr 
von    den    feinen   Verbindungen    und   Verhältnissen   der   Logen 


—     141 


als  Spartacus  und  Minos,  de  noch  dazu  bey  Letzterem 
ndenschaft  sein  gutes  Herz  berauscht)*  da  diese  Association 
Ige  ich,  auf  die  allei^unwürksamste  Art  angefangen  wird,  wie 
|e  es  einst  empfinden  werden,  und  ich  schon  durch  meinen 
Briefwechsel  weiss,  so  dünkte  es  mir  eine  sehr  gute  Sache,  nun, 
idem  von  meiner  Seite  die  vielfältigen  widrigen  Vorfalle  die 
Iriete  Observ^anz  ein  wenig  von  ihrem  Stolze  herabstimmte, 
rir  dann  von  einer  andern  Seite  einen  nach  Wahrheit  und  Güte 
lurstenden  Mann  wie  der  Prinz  Carl  ist,  eine  Aussicht  er- 
fneten,  etwas  Solides  zu  finden  und  ihn  dann  zwangen,  die 
Intere  Freymaurerey  naen  unserem  Plane  einzurichten. 

Da  ich  nun,  wie  eben  erwähnt  worden,  längst  auf  Spartacus 
Jefehl  mich  der  stricten  ObseiTanz  entdeckt  hatte,  und  seit  der 
Zeit  oft  von  dem  Prinzen  Carl  gepresst  wurde,  ihn  aufzunehmen; 
bno  entschloss  ich  nun,  es  unter  folgenden  Bedingungen  zu  thun, 
^prozu  ich  wieder  AemiUan  vorschob. 

■  1.  Er  muss  sich  behandeln  lassen»  wie  jeder  Andere,  folg- 
■lieh  sich  entweder  von  unseren  Obern  leiten  lassen,  oder  ab* 
^treten. 

H  2.  Wenn  er  glaubt,  dass  eine  Vereinigung  unserer  unteren 
^Logen  für  sein  System  zu  wünschen  wäre;  so  muss  darüber  mit 
^unseren  Obern  iraclirt  werden,  ohne  dass  dies  auf  des  Prinzen 
[Verbindung  mit  uns  Einfluss  hohe. 

B  3.  Er  bekömmt  keine  Schriften  in  die  Hände,  und  wenn 
^  die  ganze  Sache  nicht  zu  Stande  kömmt,  so  ist  er  entweder 
Mitglied  unseres  Ordens  oder  er  schweigt 

4,  Unsere   hölieren  Mysterien    bleiben    ihm   so   lange  ver- 
3i^en,  bis  er  nach  seinen  Kräften  für  die  gänzliche  Gründung 
les  niederen  Operatinnsplanes  thätig  gewürkt  hat. 

Dies   alles   hat   er   nicht   allein    unterschrieben    (doch   mit 
ler  Bedingung,  dass  indessen  seine  Handschrift  bey  mir  deponirt 
)leiben)  sondern  hat  zugleich 
^_         a)  beiliegende  \'ollmacht  (Anlage  C)  auf  Aemilius  ausgestellt, 
^B       b)  Mir  musst  seine  Ehre  versprechen,  wenn  er  überzeugt 
^V§re,  dass  er  nun  endlich  die  in  der  Fr.  M.  so  lange  vergeb- 
lich  gesuchte   Gesellschaft    uneigennütziger,    edler   Männer  ge- 
funden hätte,  so  wolle  er  diejenigen  nicht  übernatürlichen,  aber 
^■ehr  wichtigen  Naturkenntnisse,   welche  ihn  St.  Germain    und 
andere   gelehrt,    nemlieh  den  jetzt   in    ganz  r>eutschland  so  be- 
rühmten  Gesundheitsthee  zu  machen,   Diomonten  von   Flecken 
zu  reinigen,  die  Composition  des  goldähnlichen  Metalls,  wovon 


—     142     — 


in  Ludwigsburg  die  so  einträgliche  Fabrik  angelegt  worden,  undl 
viel  grössere  Dinge  in  unseren  Schooss  legen, 

c)  uns  dann  grosse  Handelsvorteile  in  den  dänischen  Staaten  | 
verschaffen. 

So  stehen  die  Sachen  —  habe  ich  gut  oder  schlecht  ge-  \ 
handelt?  Ich  bin  wenig  dabey  interessiert,  weiss  was  ich  zu  thun 
habe,  es  gehe,  wie  es  wolle.  Mir  kommt  es  darauf  an  Gutes 
zu  stiften.  Für  mich  verlange  ich  weder  Geld  noch  Ehre.  Aber 
Gründe  will  ich  hören,  und  wenn  ich  sehe,  dass  auch  bey  uns 
Vorurtheil,  Eigensinn,  Leidenschaft  herrschen,  dann  suche  ich 
mir  andere  Milverbundene  aus,  und  rette  meynen  Ruf,  bey  denen 
ich  für  die  Güte  und  Grösse  der  Sache  Bürge  geworden  bitu 
Ueberlegen  Sie  alles.  —  Ich  bin  nicht  dafür  bekannt,  Fürsten- 
knecht zu  seyn,  aber  einen  solchen  regierenden  Herrn  zur  Be- 
förderung unserer  Br.  Br.  in  Beu^egung  zu  setzen,  das  dünkt 
mich  nicht  zu  verachten.  —  Richten  Sie  mich!  nur  Spartacus 
allein  kann  und  soll  mich  nicht  richten. 


den  L  AprilL 
Ist   Spartacus   zur   Billigkeit   zurückzuführen,   so  verlange 
ich  nichts,   als  dass  er  mir  sein  Zutrauen    wieder  zeige.    Aus 
Leidenschaft  kann  man   leicht  fehlen,  ja,  ich  bin  bereit,  wenn 
er  es   wahrlich    aufrichtig   und   ehrlich   mit   mir   meint, _ 
ihm  zuerst  die  Hand  zu  reichen.  | 

2.  Er  muss  aber  olles,  was  er  etwa  in  der  Hitze  an  Leute, 
die  nicht  Areopagiten  sind,  gegen  mich  geschriben  hat,  auf  eine 
gute  Art  w^iderrufen,  weil  es,  wegen  der  Folgen  nötig  sein  wird, 
dass  w^ir  uns  selbst  unser  Ansehen  nicht  rauben, 

3.  Ich  komme  auf  meine  Kosten  mit  Bode  und  einen 
Deputirten  der  vereinigten  Loge  nach  Bayern,  um  die  Ver- 
bindung der  blauen  Loge  und  was  sonst  zu  verbinden  ist,  zu 
Stande  zu  bringen. 

4.  Das  Ganze  muss  (besonders  vor  Minos  und  jedermann) 
ein  strenges  Geheimnis  bleiben.  Philo. 

Die  Anspielung  in  Punkts  bezieht  sich  auf  die  Errichtung 
des  Eklektischen  Bundes  in  der  Freimaurerei,  der  auf  Kniggea 
Betreiben  zwar  zustande  kam,  dessen  Entwurf  Jedocli  von  ihm 
aus  egoistischen   Triebfedern    ausgearbeitet   war.     Für   letzterei 
Tütsache  ist  der  mitgeteilte  Brief  ein  unumstösslicher  Beweis. 


—     143     — 

Anlagen,  zwei  Briefe  des  Herzogs  Ernst  von  Gotha  und  ein 
ief  des  Prinzen  Carl  von  Hessen,  die  Knigge  erwähnt,  lauten 
unverkürzt  wie  folgt: 

den  3L  Januar  1783 
Hier,  mein  bester  Bodel  erholten  Sie  die  erste  Classe  der 
r  anvertr^iut  gewesenen  Schriften,  nebst  Ihrem  Togebuche  vom 
llhelmsbader  Conv.  mit  dem  theuersten  Danke  zurücke. 
Erstere  iiabe  ich  als  ein  Meisterstück  menscliliciier  Einsichten 
I  in  die  Grunderkenntnis  des  Menschen  selber,  bewundert,  aber 
bei  weitem  nicht  genug  durchstudiert  und  hiezu  gehört  viel  und 
lange  Zeit  Bios  die  Übersicht  derselben  überzeugt  mich,  dass 
die  Manner  auf  dem  rechten  Wege  sind,  um  auf  andere  zu 
würken.  —  Nur  der  Zweifel  ängstigt  mich,  das  nicht  ganz  reine 
Absichten  zu  Grunde  liegen.  Ware  dieses,  so  würde  das  In- 
stitut eines  der  gefahrlichsten  seyn,  das  je  erdacht  und  ersonnen 
worden  wäre.  Im  Gegenteil  aber,  hegen  unsere  neuen  Obern 
Liebe  zur  Wahrheit,  wie  ich  mich  dessen  nur  allzugerne 
schmeichle  und  zu  überreden  suche,  so  werde  ich  mich  ihnen 
mit  den  aufrichtigsten  und  reinsten  Vef^nügeu  gerne  überlassen. 
Haben  Sie  denn  schon  daran  gedacht  Ihren  neuen  Schüler  Ini- 
tirten  einen  Namen  beyzulegen?  Ich  beschwöre  Sie  indessen 
lieber  Freund,  ja  Ihres  mir  gegebenen  Worts  bey  Ihrer  Rück- 
kehr nach  W.  eingedenk  zu  seyn  und  mir  sobald  es  erlaubt 
ist,  diese  Schriften  abschreiben  zu  lassen  und  hier  die  Ver- 
sicherung meiner  Dankbarkeit  und  Freundschaft  mit  Nachsicht 
und  Ueberzeugung  anzunehmen.  Ernst. 

Id.  12,  Febr.  1783 
Hier,  mein  bester  Bodel  erhalten  Sie  die  letzten  Hefte,  die 
Sie  mir  zu  Weimar  zum  Lesen  anvertrauten  mit  dem  ergeben- 
sten Danke  zurück.  Die  Sache  ist  äusserst  interessant,  aber 
auch  so  weitaussehend  und  compUciert,  dass  ich  mir  nicht  ge- 
traue, über  das  erste  Mal  Durchlesen,  dieselben  im  geringsten 
ein  anderes  als  sehr  generale«  Urteil  darüber  zu  fällen.  Mehr 
Scharfsinn,  mehr  Folge  eines  ausgedachten  und  lange  wohl- 
überlegten Planes  lässt  sich  iiiclit  leicht  in  einen  engen  Raum 
^pr  Hefte  zusammendrängen,  als  es  hier  geschehen  ist.  Ich 
erstaune  nur,  kann  es  noch  nicht  so  vollkommen  im  ganzen  über- 
sehen als  ich  es  w^ohl  wünsclite,  und  es  bey  einer  so  Hüchtigen 
Leetüre  möglich  war    Durchstudieren  und  viel  Monathe  darüber 


-     U4 


nachdenken  möchte  ich  wohl  solches  im  ganzen  kennen. 
geachtet  alter  der  Bitterkeiten,  die  über  die  Vorurtheile  meine^ä 
Standes  darin  befindlich  sind,  so  bin  ich  doch  aufrichtig  zu  reden, 
völlig  mit  dem  Verfasser  dieser  Schriften  einig,  und  wünschte 
im  Stande  zu  seyn,  sie  zu  überzeugen,  duss  es  dennoch  auch 
redliche  Herzen  in  dieser  Classe  Menschen  gebe.  Einige  kleine 
Zweifel  über  die  Reinigkeit  der  Absichten  sind  mir  .noch  nicht 
ganz  pelioben,  auch  glaube  ich  hin  und  wieder  einige  Widet^ 
Sprüche  bemerkt  zu  haben,  doch  dieses  alles  ist  vielleicht  die 
unvermeidliche  Folge  einer  allzuschnellen  Uebersicht  des  Ganzen, 
und  ich  beschwöre  Sie  bey  der  Freundschaft  und  dem  Vertrauen, 
womit  Sie  mich  brüderlich  beehren,  mich  so  bald  als  möglich 
in  den  Stand  zu  setzen,  das  Ganze  mit  kaltem  Blute  durch* 
denken  und  studieren  zu  können.  Ich  versichere  Sie  bey  dem 
Worte  eines  elirlichen  und  die  Wahrheit  und  die  Menschen 
liebenden  Mannes,  mich  sobald  als  alle  Zweifel  gehoben,  und 
ich  ganz  überzeugt  sein  werde,  für  die  Ausbreitung  und  Anlage 
dieses  so  weit  aussehenden  Werkes  aufs  eifrigste  und  warraste 
zu  verwenden.  Ja,  ich  woge  es  Ihnen  zu  gestehen,  dass  ich  glaube 
Fähigkeit  und  Oei'ufim  innersten  meines  Herzens  zu  empfinden, 
um  mich  der  guten  Sache  ganz  zu  weihen,  und  vielleicht  solche 
mehr,  als  irgend  ein  anderer  Mensch  befördern  zu  können 

Bey  Ihren  Gesinnungen  mein  lieber  Bode!  bey  der  meinigen 
kann  der  Menschheit  überhaupt  kein  Schaden  hierbey  erwachsen, 
mit  weniger  redhchen  Herzen  und  Absichten  als  es  die  unsrigen 
sind,  konnte  demnach,  dünkt  mich,  einiger  Missbrauch  entstehen. 
Für  mich  und  für  die  Reinheit  meines  Herzens  kann  ober  mit 
Gewissheit  rechnen  p.  p.  Ernst 


Copey  einer  Vollmacht  des  Prinzen  Carl  v.  Hessen 
an  den  Brd.  Bode. 


Der  hoch  würdige  Bruder  Bode  hat  mir  von  Seiten  einefl 
gewissen  geheimen  Gesellschaft  so  schatzbore  Beweise  ihre*! 
gegen  mich  hegenden  Vertrauens  gegeben,  dass  ich  solche  nicht' 
aHein  dankbar,  sondern  euch  auf  das  vollkommendste  zu  er 
widern  wünsche,  da  mir  auch  nichts  mehr  angelegen  ist,  als 
zu  den  aus  den  Akten  und  Papieren  dieser  ehrwürdigen  Ge- 
sellschaft mir  bekannt  gewordenen,  guten,  einsichtsvollen,  auf 
die  Wohlfahrt  und  Verbesserung  des  Menschengeschlechtes  ab* 


E 


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ielenden  Endzweck  und  Veranstaltungen,  soviel  mir  immer  nur 
'möglich»  beyzutragen,  und  mich  dazu  mit  derselben  zu  verbinden, 
so  erlheile  ich  als  Prinzipot-Grossmeister  der  Ordens  der  Frei- 
maurer in  ganz  Deulsehland,  gedachten,  mir  besonders  werten 
Br.  Bode  hierdurch  den  Auftrag,  mit  dieser  ehrwürdigen  Ge- 
ellschaft  in  meinem  Nahmen  in  Unterhandlung  zu  treten,  mich 
il  den  ersten  hohen  Obern  derselben,  nach  meinen  ihm  be- 
ussten  Grundsätzen  bestens  bekannt  zu  machen,  und  ihnen 
meinen  aufrichtigsten  Wunsch,  mich  unmittelbar  selbst  mit 
ihnen  zu  vereinbaren,  erkennen  zu  geben,  damit  ich  durch  diese 
nähere  Vereinigung  in  den  Stand  gesetzt  werde,  in  den  mir  an- 
ertrauten  Provinzen  mit  Nutzen  und  sicherem  Erfolge  wirksam 
zu  seyn.  Indem  aber  auch  zugleich  von  meiner  Seite  diesen 
ehrwürdigen  Obern  mit  jeden  von  mir  abhängenden  Beweise 
meines  Zutrauens  und  meinei-  vorzüglichsten  Hochachtung  ent- 
legen zu  gehen,  so  erteile  ich  dem  hochwürdigen  Bruder  Bode 
iermil  die  Erlnubniss,  und  gebe  ihm  brüderlich  auch  Ihneu 
alle  auf  dem  Gcneral-Gonvent  des  Ordens  in  Wilhelmsbad  vor- 
egongenen  Verhandlungen  aus  den  Akten  und  Protokollen  des 
onvents  mitzuteilen,  auch  ihnen  nichts  von  dem  hinterhalten, 
ras  ich  ihm  selbst  bey  mehrerer  Gelegenheit  über  die  Verfassung 
und  die  gi^ossen  heiligen  Absichten  des  Ordens  anvertraut  habe, 
n  dessen  Urkvuide  halie  ich  diese  Vollmacht  eigenhändig  unter- 
ichrieben  und  besiegeln  lassen.  — 

So  geschehen  Weissenstein,  den  10^  März  im  Jahre  Ein- 
tausend siebenhundert  Drey  un  dachtzig, 

Carl  P.  zu  Hessen. 


Die  Mitgliedschaft  des  Herzogs  Ernst  v.  Gotha  sollte  einige 
Jahre  später  füi' Weishaupt  von  grösstem  Nutzen  werden,  denn 
nur  dadurch,  dass  dieser  edle  Fürst  ilun  seinen  Schutz  verlieh, 
rettete  er  Weishaupt  vor  Unteigang   und  sichei*em  Verderben. 

Trotz  aller  Verdienste,  die  unzweifelhaft  Knigge  sich  um  die 
Ausbreitung  des  Ordens  erwarb,  blieb  der  Riss  zwischen  ihm 
und  Weishaupt  unheilbar.  Veigleicht  man  kritisch  alle  die 
Gründe,  die  solchen  Gegensatz  hervorriefen,  so  findet  mau  immer 
wieder,  dass  Weishaupt  als  der  Manit  der  ernsteren,  inneren 
Arbeit  angesehen  werden  muss,  Knigge  als  der  Hascher  nach 
:Susserem  Glänze,  unter  Vernachlässigung  des  eigentlichen  Ordens- 
weckes, Diese  Ansicht  spricht  indirekt  auch  Zwackh  in  seiner 
Ordensgeschichte  aus  und  beweist  dur-ch  Aufzählung  der  Namen 


—     146     - 

hen^orragender  Mitglieder,  dass  Knigge  durchaus  nicht  so  leicht 
imstande  gewesen  wäre,  seine  Drohung,  alles  zu  zernichten, 
auszuführen. 

Knigge  einigte  sich  1784  mit  den  Areopagiten  über  seinen 
Austritt,  der  alsdann  am  L  Juli  desselben  Jahres  erfolgte,  kurz 
bevor  die  Verfolgungsperiode  des  Ordens  eintrat 

Zwacks  Ordensgeschichte,  im  Anschluss  an  den  bereits  be- 
kannt gegebenen  Teil,  muss  hier  der  Vollständigkeit  wegen  ein 
gefügt  werden;  sie  gibt  dem  Leser  wertvolle  Gesichtspunkte 
zum  Verständnis  des  Weiteren. 

§  12. 

Unter  diesem  Titel  (den  der  Illuminaten-Freimaurer)  wurden 
nun  in  ganz  Deutschland  Männer  von  entschiedener  Gelehrsamkeit, 
Ansehen  und  Würden  angeworben,  und  einige  davon  zu  areo- 
pagiten aufgenohmen.  Ich  nenne  von  diesen  letzteren  nur  die- 
jenigen, welche  die  einzigen  w^aren,  die  Einfluss  auf  Bayern 
hatten  und  die  hinlängliche  Bürgen  sind,  dass  die  Direction  des 
Ordens  in  keine  unwürdige  Hände  gekommen  und  missbraucht 
worden  sey. 

Graf  Stollberg  zu  Neuwied  wurde  zum  Natzional  von 
Deutschland  ernannt.  Weishaupt  übernahm  mit  dem  Kammer- 
gerichtsassessor von  Dietfurth  das  Amt  eines  Präfect  und 
Inspektors  der  deutschen  Directionen  und  Graf  Stahemberg, 
Domherr  zu  Eichstedt  vermehrte  die  Zahl  der  fränkischen,  sowie 
Graf  Kostanza,  nachdem  er  von  seiner  Maurerischen  Reise 
wiederum  nach  Bayern  zurückkam,  jener  der  bayerischen  areo- 
pagiten. Die  schon  angezogene  ßeylage*)  bestimmt  genau  den 
Zusammenhang  der  Direction  und  es  erhellt  daraus,  dass  in 
keiner  Provinz  ohne  Vonvissen  der  ersten  Ordens -Vorgesetzten 
etwas  ausserordentliches  konnte  unternohmen  werden,  sodass 
alle  nur  auf  einen  Zweck  und  nach  dem  allgemein  beliebten 
Plan  arbeilen  mussten. 

§  13- 
Wegen    Bayern   verdient   hier   noch   besonders   angemerkt 
zu  werden,  dass  das  geheime  Kapitel  aus  nachstehenden  Mit- 
gliedern bestand,  nehmlich  Graf  von  Törring  Seefeld,  HotTcammer- 
Präsident,   Professor   Bader,    Revisionsrath   von    Berger,   Grafen 

*)  Es  ist  dieselbe;  die  im  Nachtrag  der  Origmalscbriflen  s,  Zt.  bekannt 
gegeben  wurde. 


I 


—     147     — 


5ö\'ioIi,  Revisionsrath  von  Werner,  Marquis  von  Kostanza, 
lofrath  Zwackh,  Freiherr  von  Monjellas,  Kanonikus  Hertel, 
Neben  diesen  hatten  den  Schottischen  Rittergrad  Graf  von  Seins- 
heim, Baron  von  Ecker,  Major  von  Ow,  Pfarrer  Socher  und 
Bucher,  der  Schulrat  Franhofer,  Freiherr  von  Meggenhofer, 
Professor  Grünbeiiger,  Apotheker  Wörz  und  Unterbibliothekar 
Drechsl,  welche  entweder  wegen  Abwesenheit  von  München, 
oder  anderen  Ursachen  in  dem  geheimen  Kapitel  keinen  Beisitz 
hatten,  sondern  nur  den  förmlichen  Versammlungen  des 
grösseren  und  dirigierenden  Illuminaten  beywohnten.  Weil  den 
Münchener  areopagiten  durch  ihre  gehäuften  Berufsgeschäfte 
nicht  so  viel  Zeit  mehr  übrig  blieb,  als  der  Orden  erforderte,  so 
übergaben  sie  die  Stelle  eines  Provinzialen  dem  Grafen  Kostanza, 
jedoch  dei^estalten,  dass  Ihnen  dieser  von  Zeit  zu  Zeit  das 
f  Wichtigere  vortrögen,  und  auf  Verlangen  in  allen  Dingen  Ein- 
Feicht  geben  musste,  auch  wurden  um  eben  diese  Zeit  Graf 
Sinsheim,  Regierungs-Vizepresident,  einstimmig  dem  Provinzial 
Collegio  in  Bayern  einverleibt. 


§  14. 


H  Nach  dieser  Verfassung  und  unter  Anführung  so  vieler 
^ehrw^ürdiger  Männer,  versprach  sich  der  grössere  Theill  des 
lUum,  Ordens  eine  ruhige,  ewige  Fortdauer,  es  mangelte  auch 
an  dem  Fleiss  der  mittel  und  unmittelbaren  Oberen  gewiss 
nicht,  diese  berichteten  und  jene  entscliieden  pünktlich,  aber 
dadurch  w^urde  der  Orden  mit  den  nötigen  Kenntnissen  nicht 
bereichert,  deren  Sammlung  seinem  Zweck  das  Verträglichste 
hatte  seyn  sollen  und  von  welchen  man  den  Mitgliedern  einen 
so  grossen  Vorrath  versicherte»  Es  schien,  dass  diese  ganze 
Epoche  mehr  zu  der  äusserlichen  Zierde  als  zu  der  innerlichen 
Verstärkung  angewendet  wurde,  und  ausser  Weishaupt  werden 
wenige  an  dem  Hauptplan  und  den  sogenannten  Mysterien 
etwas  bearbeitet  haben.  Desswegen  kam  auch  ausser  den 
bisshero  gesagten  Graden  keine  weiteren  mehr  zu  Stande,  und 
eben  war  man  im  Begriff  den  von  W.  entworfenen  Provinzial- 
grad,  oder  Sacerdotium,  zu  durchlessen,  worin  die  Wissen- 
schaften abgetheilt,  jedem  eine  gewisse  Klasse  von  arbeiten  an* 
gewiessen,  die  Methode  ihren  Unterricht  zu  erleichtern  gezeiget 
und  das  resultat  voiigelegt  wurde,  was  bissher  in  jedem  geleistet 
worden,  dann  wo  nun  mit  der  weiteren  Erforschung  anzubinden 

j wäre»  als  der  schon  längere  Zeit  von  Jesuiten,  Mönchen,  Rosen* 

10* 


—     148     — 

kreutzern  und  Sektirern,  gewissen  sonderböhren  Verbindungen 
ausgestreute  Srtamen  der  Zwietmcht  Wurzel  fosste  und  der 
erste  Sturm  in  Bayern  eben  gegen  diejenigen  ausbrach,  welche 
die  ersten  Stifter  und  die  thätigsten  Arbeiter  stetshin  gewesen 
waren;  in  einem  Lande  ausbrach,  wo  man  sich  von  der 
herrschenden  Wuth  der  Feinde  der  Aufklarung  mehr  als  in 
jedem  andern  versprechen  konnte,  und  w^o  man  vorher  sähe, 
dass  die  Verfolgten  wegen  ihrer  geringen  Staats-Verhöltnisse 
und  EinfluÄs  auf  die  Persohn  des  Ftirsten  konnten  zertrelten 
werden,  und  wo  man  sich  endlich  den  grössern  Anhang  der 
Unzufriedenen  selbst  aus  der  Gesellschaft  der  Illuminaten  ge- 
worben hatte. 


§  15. 


ulff 


Wenn  ich  unter  die  Verfolger  die  Jesuiten,  Mönche  vi 
Rosenkreutzer  rechne,  so  verstelle  ich  darunter  nicht  jedes 
Individuum,  welches  zu  dieser*  Klasse  gehört,  ich  kenne  selbst 
dorunter  IVh'inner,  die  es  den  andern  verdachten,  aber  die- 
Mehrheit  derselben  bleibt  immer  mit  meiner  gegründeten  Be- 
scluildigung  behaftet.  Die  Predigten,  welche  in  Bayern  von 
den  Mönchen  gehallen  w^orden,  und  wo  man  sich  alle  Mühe 
gab  das  Volk  gegen  die  Illuminaten  und  Maurer  durch  die 
niederträchtigsten  Schilderungen  von  ihnen  aufzuwiklen  (auf- 
zuwiegeln), das  Bestreben  der  Jesuiten,  in  Privathäussern  das 
zu  werden,  was  Beichtvater  Frank  am  Hof,  die  abscheulichsten 
Schandthaten  der  Gesellschaft  zuzuschreiben  und  endlich  die 
Mitwirkung  der  Rosenkreutzer  ist  aus  der  Geschichte  der  Ver- 
folgung der  Illuminaten*)  und  aus  dem  Schreiben  der  letzteren 
an  Prof,  Bnder  und  seine  Antwni-t,  die  dort  abgedruckt  ist,  hin- 
länglich Ijckannt. 

Das  Münchener  Kabinet  begnügte  sich  nicht  durch  wieder- 
holte Mandate,   diese   und  alle  maurerischen  Gesellschaften  zu  1 
veiiMCten,  sondern  entschloss,  die  Illuminaten-Sekte  mit  Gewalt 
zu  vertilgen,  und  so  gnädig  und  massig  die  Verordnungen  selbst 
öbgefasst  w^aren,  um  desto  schärfei'  war  ilir  Vollzug.     Man  ver- 
bannte mehrere    ihrer    Milglieder,  zerstreute  die  andern  durch 
Drohungen   und  Furcht   und  machte  dadurch  das  Ausland  auf-  - 
merksarn    und   schüchteru,     Selbst   die    auswärtigen  Mitglieder  | 
stellten   umsomehr  ihre  Arbeiten   und  Versammlungen  ein,  als 


*j  Genanrilea  Buch  ist  van  Weishaupt  herausgegeben. 


—     149     — 


^ 


man  die  weileren  Folgen  von  dem  allen  Orten  verbreiteten  üblen 
Ruf  der  111.  Verbrüderung  und  von  der  Rechtfertigurig  ibrer 
Verfolgten  erwarten  wollte  und  die  ersten  Vorgesetzten  ohnehin 
im  Begriff  waren  in  den  unteren  Graden  Verbesserungen  vor- 
zunehmen, und  mit  vereinigten  Kräften  die  höhere  zu  Stande 
zu  bringen. 


§  lö. 

Das  war  der  Anfang  und  das  Ende  von  einer  geheimen 
Gessellschaft,  welche  seit  drey  Jahren  beynehe  ganz  Europa  auf- 
merksam und  neugierig  maclite,  welche  die  grösste  Regierungs- 
beschaftigung  vor  das  Kurptalz-bayrische  Kabinet  waren,  der 
man  eine  Macht,  Absichten  und  einen  Zweck  zumuthete,  vor 
welchem  sich  ganze  Staaten  fürchten  sollten,  dessen  unbekannte 
Obere  man  vor  nichts  weniger  als  Landesverräther,  Dokumenten- 
räuber,  Majestätsverbrecher  und  Meuchelmörder  sclnlderte,  alles 
bloss  deswegen,  w^eil  man  sich  die  Mühe  nicht  gab  mit  gesunden 
Augen  zu  sehen,  jede  Anklage  vor  erwiessen  aniuihm,  die  Be- 
schuldigten nicht  anhoi'en  und  den  In(]uisitoren  kein  Mittel  bey- 
fallen  oder  beyfallen  wollte ,  durch  welche  nach  Vorschrift  der 
Gesetze  das  ganze  sich  sehr  leicht  hätte  entdecken  lassen.  — 


^ 


Was  war  denn  nun  der  Inhalt  des  Priestei^rades,  den  wir 
als  den  eigentlichen  Zankapfel  erkannt  haben  und  der  als  ganz  be- 
sonders gefährlicli  in  seinem  Ideengang  bezeichnet  wurde?  Es  gibt 
ein  Buch,  1794  anonym  gedruckt,  betitelt:  *die  neuesten  Arbeiten 
des  Spartacus  und  Philo  in  dem  lUuminaten-Orden*,  dieses  ent- 
hält das  gesamte  Ritual  des  Grades,  wie  es  von  Knigge  laut 
seiner  brieflichen  Erklärung  verbreitet  wurde,  Weilerhin  be- 
findet sich  in  dem  Nachtrag  zu  den  Originalschriften  eine  An- 
rede an  die  Illuminatos  dirigentes,  die  fast  denselben  Inhalt  hat 
wie  die  in  dem  genannten  Buche  enthaltene  Anrede  an  den 
neuaufgenommenen  Priester.  —  Aus  diesen  Werken  kann  jeder 
die  Grundsätze  des  damaligen  Priestergrades  erkennen  und 
wollen  wir  versuchen,  einen  Extrakt  aus  der  sehr  langen  Hede 
herauszuziehen,  die  in  ihrer  ganzen  Länge  nur  ermüden  würde. 
Die  als  Unterricht  bezeichnete  Anrede  umfasst  nämlich  72  ge- 
druckte Seiten. 

Unbedingt  notwendig  ist  es  jedoch,  den  Inhalt  derselben 
zu  kennen,  denn  hier  liegt  der  Angelpunkt,  um  den  sich  alle 
Anklagen  gegen  den  alten  Orden  drehen.  —  Man  wird  sehen, 


—     150    — 


wie  der  Verfasser  der  Anrede  in  vielen  Punkten  stark  über 
Ziel  hinausschiesst,  aber  auch  erkennen,  dass  die  Zeit  sehr  viele 
der  aufgestellten  Forderungen  erfüllt  hat.  Klar  ersichtlich  wirdJ 
es  jedoch,  dass  in  jener  Zeit,  in  der  der  Despotismus  noch  seine 
Blüten  trieb,  solche  Gedanken  recht  wohl  als  aufrührerisch, 
volksverderblich  und  verderblich  angesehen  werden  konnten.  1 
Unsere  jetzt  wesentlich  kühlere  Denkungsart  erkennt  heule 
manch  ausgesprochenes  Wort  als  unzweifelhaften  Irrtum,  über- 
sieht die  Grenzen,  die  einer  derartigen  Gesellschaft  gezogen  sind 
und  innegehalten  werden  müssen  zum  Wohle  der  Allgemeinheit, 
weit  leichter,  als  es  jenen  nach  Freiheit  dürstenden  Seelen  mög* 
lieh  war.  Der  Freiheitsdrang,  der  in  Schiller  einen  so  bereiten» 
begeisternden  Sänger  fand,  pulsierte  überall;  die  Sturm-  und 
Drangperiode  machte  sich  gewaltig  fühlbar,  und  unter  Berück- 
sichtigung dieser  Tatsachen  gewinnen  heute  viele  Vorgänge  ein 
ganz  anderes  Gesicht. 

Man  wollte  das  Gute,  aber  über  die  Mittel  es  zu  erringen, 
darüber  war  man  nicht  einig.  Deswegen  brachte  jene  Zeit  wohl 
eine  Fülle  von  Theorien  zu  stände,  die  alle  in  beschränkter 
Weise  ihren  Einfluss  ausübten,  aber  keine  durchbrechende  I 
Macht  besassen,  bis  die  Weltereignisse  selbst  mit  eherner  Ge- 
walt das  Morsche  siüi*zten  und  die  Bahn  freimachten  für  Seg- 
nungen, die  das  heutige  Geschlecht  geniesst,  Geahnt  jedoch 
haben  unsere  Vorkämpfer  eine  neue  Zukunft,  die  uns  inzwischen 
Gegenwart  geworden  ist;  wie  sieh  dieselbe  nun  in  ihren  Köpfen 
ausmalte,  das  wurde  in  der  Anrede  oft  recht  unverblümt  ausge- 
sprochen. Letztere  hat  nun  folgenden  Inhalt;  es  sei  jedoch 
gleich  hier  eindrücklichst  betont,  dass  der  heulige  Orden 
nicht  mehr  mit  den  oftmals  unhaltbaren  Ansichten  und  klaren 
Irrtümern  übereinstimmt.  Die  ganze  Anrede  hat  nur  historisches 
Interesse: 


I 


tNach  sorgfältiger  Vorbereitung  und  Prüfung  rückt  nun- 
mehr die  Zeit  deiner  Belohnung  herbei:  Du  hast  deinen  Verstand 
aufgeklärt,  dein  Herz  gebessert,  du  hast  dich  und  andere  er* 
kennen  und  bilden  gelernt-  Nun  triffl  auch  dich  die  Reihe, 
andere  zu  erleuchten  und  zu  regieren.  Das  was  du  bis  jetzt 
weisst  und  was  du  noch  lernen  wirst,  giebt  dir  Überlegenlieit 
und  Finsichten  über  andere  Schwachei'e  und  eben  diese  Über- 
legenheit ist  die  einzig  wahre  Quelle  der  Macht  des  Menschen 
über  andere  Menschen, 


Durch  den  Eintritt  in  die  unsichtbare  Versammlung  wirst 
du  heute  dem  höheren  Orden  zugesteüt,  —  Weisst  du  aber  auch 
hinlänglich,  was  es  heisst  herrschen?  Nicht  über  den  geringern 
oder  vornehmern  Pöbel,  sondern  über  die  besten  Menschen  ohne 
äusserlichen  Zwang,  ihnen  einerlei  Geist  und  Seele  einhauchen? 
Das  ist  eine  bishero  in  der  Staatsklugheit  noch  unaufgelöste 
Aufgabe.  Dort  werden  die  Menschen  aus  Furcht  und  Zwang  zum 
handeln  bestimmt,  hier  bei  uns  soll  sich  jeder  selbst  dazu  be- 
stimmen. 

Weist  du  auch^  was  geheime  Gesellschaften  sind?  O,  mein 
Bruder!  Gott  und  die  Natur,  welche  die  Dinge  der  Welt,  die 
GrÖssten  sogut  wie  die  Kleinsten  zur  rechten  Zeit  und  am 
gehörigen  Ort  geordnet  haben,  bedienen  sich  solcher  als  Mittel, 
jum  ungeheure,  sonst  nicht  erreichbare  Endzwecke  zu  erreichen. 
Du  stehst  hier  in  der  Mitte  zwischen  der  vergangenen  und 
künftigen  Welt.  Mache  dich  gefasst  einen  flüchtigen  oder  kühnen 
Blick  hineinzuwagen.  —  Die  Natur,  welche  stufenweise  Ent- 
wickelung  eines  unendlichen  Planes  ist,  wo  das  nämliche  Ur- 
bild in  allen  möglichen  Veränderungen,  Graduationen  und  Formen 
zum  Grunde  liegt,  und  von  uns  Menschen  nach  Verschiedenheit 
seiner  Gestalt  verschiedene  Namen  enthält,  macht  in  allen  diesen 
I  Veränderungen  keinen  Sprung,  sie  fängt  von  dem  kleinst-mög- 
I  liehen  und  unvollkommenen  an,  durchläuft  ordenthch  alle  Mittel- 
stufen, um  zum  grössten  und  vollkommensten  dieser  Art  zu  ge- 
langen, welches  Höchste  vielleicht  neuerdings  die  niederste  Stufe 
einer  neuen  höhern  Veränderung  ist:  sie  macht  Kinder,  und  aus 
ihnen  Männer:  und  Wilde,  um  daraus  gesittete  Menschen  zu 
machen.  So  wie  der  einzelne  Mensch,  ebenso  hat  auch  das 
ganze  Geschlecht  seine  Kindheit,  Jugend,  männliches  und  graues 
Alter.  Mitjeder  dieser  Perioden  des  ganzen  Geschlechtes  lernen  die 
Menschen  neue,  ihnen  vorher  unbekannte  Bedürfnisse,  Aus  jedem 
befriedigten  Bedürfnis  entsteht  wieder  ein  neues  und  die  Ge* 
schichte  des  Menschengeschlechtes  ist  die  Geschichte  seiner  Be- 
idürtnisse,  wie  das  eine  aus  dem  andern  entstanden,  diese  Ent- 
I  Wickelung  der  Bedürfnisse  ist  die  Geschichte  der  Vervollkomm- 
nung des  ganzen  Geschlechtes;  denn  nach  diesen  richten  sich 
Kultur,  Verfeinerung  der  Sitten,  Entwickelung  der  schlafenden 
Geisteskräfte,  Damit  ändert  sich  zugleich  die  Lebensart,  der 
moralische  und  politische  Zustand,  die  Begriffe  von  Glückselig- 
keit, das  Betragen  der  Menschen  gegen  einander,  ihre  Verhältnisse 
unter  sich,  die  ganze  Lage  der  jedesmaligen  gleichzeitigen  Welt. 


Die  erste  Stufe  von  dem  Leben  des  ganzen  Geschlechtes 

ist  Wildheit,  ist  rohe  Netur:  wo  die  Familie  die  einzig:e  Ge- 
sellschaft und  leicht  zu  befriedigender  Hunger  und  Durst,  Schutz 
vor  dem  Ungestüm  des  Wetters,  ein  Weib,  und  nach  der  Er- 
müdung die  Ruhe,  die  einzigen  Bedürfnisse  sind,  ein  Zustand, 
in  welchem  der  Mensch  die  beiden  vorzügliclisten  Güter,  Gleich- 
heit und  Freiheit,  in  voller  Fülle  geniesst  und  auch  ewig  ge- 
niessen  würde,  wenn  er  das  schon  wäre,  wozu  sein  Geschlecht 
erst  durch  lange  Vorbereitung  gelengen  sollte.  Glückliche 
Mensehen,  die  noch  nicht  aufgeklärt  genug  waren,  um  ihre  Seelen- 
ruhe zu  verlieren,  und  die  grossen  unseligen  Triebfedern  und 
Ursachen  unseres  Elends,  die  Liebe  zur  Maclit,  die  Begierde 
sich  zu  unterscheiden  und  andere  zu  übertreffen,  den  Hang  zur 
Sinnlichkeit  und  die  Begierde  nach  den  vorstellenden  Zeichen 
aller  Güter,  diese  wahre  F.rbsünde  aller  Menschen  mit  ihrem 
mühseligen  Gefolge,  dem  Neid,  Geiz,  Unmässigkeit,  Krfrnkheilen 
und  allen  Foltern  der  Einbildungskraft  zu  empfinden.  Aber 
bald  entwickelte  sich  in  ihnen  dieser  unselige  Keim  und  ihre 
Ruhe  und  ursprüngliche  filückseligkeit  war  dahin,  als  die 
Familien  sich  vermehrten,  der  Unterliaitzu  mangeln  anfing,  das 
nomadische  Leben  aufhörte,  dos  Eigentum  entstand,  die  Menschen 
feste  Sitze  w^ahlten  und  durch  den  Ackerbau  die  Familien  sich 
einander  näherten,  dabei  die  Sprache  sich  entwickelte  und  durch 
das  Zusammenleben  die  Menschen  ihre  Kräfte  gegen  einander 
zu  messen  anfingen,  hier  Überlegenheit,  dort  Schwäche  sehen. 
Hier  sah  man  wie  der  eine  den  andern  nutzen,  wie  Klugheit 
und  Stärke  des  einen  die  zusammenlebende  Familie  ordnen  und 
einen  ganzen  Landstrich  gegen  die  Angriffe  des  andern  Sicher 
heit  verschaffen  konnte.  Aber  hier  wurde  auch  zugleich  der 
Grund  zum  LTnlergang  der  Freiheit  gelegt,  die  Gleichheit  ver- 
schwand. Man  fühlte  neue  unbekannte  Bedürfnisse,  man  fühlte 
auch,  dass  sie  durch  eigene  Kraft  nicht  wie  vorhin  zu  befriedigen 
wären.  In  dieser  Absicht  unterwarf  sich  der  Schwache  ohne  ] 
Bedenken  dem  Starkem  und  Klügern,  nicht  um  von  diesem 
misshandelt,  sondern  geschützt,  geleitet,  belelirt  zu  werden;  die 
Fähigkeit  dem  andern  zu  nützen,  war  der  einzige  anerkannte, 
rechtmässige  Titel  zum  Thron  und  so  wie  vorher  Vätei-  und 
Haupter  der  Familien  die  ersten,  so  waren  nunmehr  Wohlthäter 
die  zweiten  und  einzigen  Könige  der  Welt, 

Nun  waren   also  die  Menschen  aus  ihrer  ruhigen  Lage  in 
den  Stand  der  Unterwürfigkeit  versetzt,     Eden,  der  Garten  des 


^ ^^ 


153 


iradieses,  war  für  sie  verloren,  denn  sie  waren  gefoilen,   der 
Sünde  und  Knechtschaft  untenvorfen,  sie  nnissten  ihr  Brod  in 

Kr   Unterwürfigkeit,   im  Seliweisse   ün^es  Angesiclils  verdienen, 
idere  bemächtigten  sich  ihret%  verspraclien   ilinen  Scliiitz  und 
wurden  ihre  Anführer':  oder  die  Klügern,   um  sie  zu   ihren  Ab* 
sichten    zu    leiten   und    ihren   Vorselnitlen   grosses  Ansehen    zu 
[geben ,   gaben   sich    tüi^   übernatürliche  Wesen    und  Abgesandte 
^Boites  aus:  und  auf  diese  Art  wurde  die  Theocrolie  unter  ihnen 

eingeführt. 
^^        Doch  war  noch  keines  dieser  X'olker  zn  gross,  sie  waren 
Hn  Horden  verteilt,  deren  jede  ihren  Antülirer  hatte.     Diese  An- 
führer, eben  so  ungleich  an  Klüften,  als  die  einzelnen  natürliclien 
Menschen,  mussten  nach  und  nach  ebenfalls  dei-  Überlegenheit 
des  Klugen  und  Tapfersten  unter  ihnen  weichen,  und  so  wurden 
viele    kleine   Stämme   in    ein   grosses   Volk   vereinigt.      Es   ent- 
H^nden  Nationen  und  Vorsteher,  Könige  der  Nationen. 

Mit  dem  Ursprung  der  Nationen  und  \%5lker  hörte  die  Welt 
auf,  eine  grosse  Familie,  ein  einziges  Reich  zu  sein»  das  grosse 
Band  der  Natur  wurde  zerrissen. 

Man  vereinigte  Menschen,  um  sie  von  einander  zu  trennen; 

^aan  zog  zwischen  Menschen    und  Menschen   eine  Linie,  diese 

Iterien   aul\    sich    unter    einem    gemeinschaftlielien   Namen   zu 

kennen.     Der  Mensch  fing  an,  dem  Landesmanne  nachzustehen, 

Bnd  der  Nationalismus   trat   an   die  Stelle   der  Menschenliebe. 
Tun  wurde  es  zur  Tugend,   auf  UnkiKsteii    derer,   die    nicht  in 
unsere  Grenzen    eingeschlossen   waren,   sein   Vaterland   zu  ver- 

Rössern.     Nun  wenn  es  ein  Mittel  war' zu  diesem  engern  Zweck, 
war  es  erlaubt,  Freunde  zu  verpachten,  zu  liinterlisten  oder 
wohl  gar  zu  beleidigen.     Diese  Tugend  hiess  Patriotismus,  und 

ter  Mann,  der  gegen  olle  übrigen  ungerecht  war,  um  gegen  die 
einigen  gerecht  zu  sein,  der  seine  Vernunft  so  weit  herunter- 
eführt  halte,  dass  er*  gegen  fremde  Vorzüge  blind  war,  und  die 
Mängel  seines  Vaterlandes  gar  nicht,  oder  wohl  gar  als  Voll- 
kommenheit betrachtete,  dieser  Mann  erhielt  den  Namen  des 
Patrioten.  Die  Liebe  gegen  Menschen  war  im  genauesten  Ver- 
hältnisse mit  der  Grösse  seines  Vaterlandes. 
B  War  es  einmal  erlaubt  oder  wohl  gar  tugendhaft,  Menschen 
^Lie  nicht  mit  mir  einerlei  Land  bewohnten,  geringer  zü  halten 
oder  wohl  gar  zu  beleidigen,  warum  sollte  es  nicht  auch  erlaubt 
sein,  diese  Liebe  noch  enger  auf  die  Bewohner  meiner  Stadt 
oder  wohl  gar  auf  die  Mitglieder  meiner  Familie,  oder  auf  mich 


-     154     — 


aliein  zu  beschränken?  Und  so  entstand  aus  dem  Patriotismus 
der  Localismus,  der  Familiengeist,  und  am  Ende  gar  der 
Egoisnnus.*) 

Nun  hatten  die  Menschen  Ursach  genug  sich  zu  hassen, 
aber  beinahe  keine  sich  zu  lieben.  Nun  liebte  man  nicht  mehr 
den  Menschen,  sondern  einen  solchen  Menschen.  Dieses  Wort 
ging  gänzlich  verloren,  und  nun  nannten  sich  Menschen:  Römer 
und  Grieclien  und  Barbaren,  Heiden  und  Juden,  Mahomedaner 
und  Christen.  Diese  teilten  sich  wieder  in  weitere  neue  Secten 
bis  auf  den  Egoismus  herunter.  Nun  brauchte  man  nur  das 
Wort  Christ  oder  Jud,  Römer  oder  Barbar  zu  hören,  so  ent- 
stand Neigung  für  seine  und  Verfolgungsgeist  gegen  die  andere 
Partei.  Intoleranz  war  nun  auf  allen  Seiten,  und  weil  der 
Patriotismus  den  Egoismus  geboren,  so  hassten  sich  Menscheo 
von  der   nemlichen  Seele  und  Nationen   darum   nicht   weniger. 

Die  Nation  war  geteilt,  so  wie  die  verschiedenen  Interessen, 
dieser  Name  vei^gessen,  und  die  Könige  fingen  an,  sich  an  die 
Stelle  der  Nation  zu  setzen,  sie  als  ihr  Eigentum  zu  behandeln 
und  sich  nicht  w^eiter  als  Vorsteher  zu  betrachten. 

Um  die  Nation  vollends  zu  unterjochen,  trug  die  Eroberungs- 
sucht der  Monarchen  nicht  das  Wenigste  bei.     Man  gebot  über 
hunderttausend  Menschen,   mit  diesen   konnte   man   so   sicher  1 
über  die  Nachbarn  herfallen. 

Nun  fielen  Menschen  über  Menschen,  Nationen  über 
Nationen,  Menschenblut  floss  auf  allen  Seiten,  Es  entstand  aus 
den  Überwundenen  eine  neue  Klasse  von  Menschen,  die  man 
Sklaven  nannte,  ganz  für  andere,  nicht  für  sich  geschaffene 
Menschen,  zur  Willkür  des  Überwinders,  ohne  Erwerb,  ohne 
Eigentum, 

Törichte  Völker!  die  es  nicht  vorher  sahen,  was  mit  ihnen 
geschehen  sollte,  die  dem  Despoten  halfen,  die  menschliche 
Würde  bis  zum  Vieh  zu  erniedrigen,  um  dereinst  mit  ihnen 
ein  Gleiches  zu  versuchen,  die  Sklaverei  der  Überwundenen  J 
wurde  das  Modell  von  der  Sklaverei  der  Überwinder.  Ihr  Ver- 
brechen war  an  ihren  Nachkommen  gerochen,  sie  durften  nur 
ihre  strengen  Sitten  verlieren,  der  Weichlichkeit  sich  ergeben,  ■ 
und  an  den  sinnlichen  Bedürfnissen  Geschmack  finden,  wozu 
sie  der  Überfluss  der  gemachten  Beute  vorbereitet,  so  w^ar  der 
Sieger  der  Überwundene,  und  der  Überwundene  der  Sieger, 


•)  Man  sieht»  auch  Tolstoi  halle  seine  Vorgarigej", 


—    155    — 

Diese  waren  wichtige,  aber  nicht  die  einzigen  Folgen  von 
der  Errichtung  der  Staaten. 


"  Um  nicht  zu  ermüden»  schliessen  wir  hier  den  wörtlichen, 
wenn  auch  nur  im  Auszuge  gegebenen  Gedankengang  und  be- 
schränken uns  darauf,  das  Weitere  inhaltlich  anzugeben: 

Die  Anrede  entwickelt  weiter,  dass  National  beiden  als 
ausserordentliche  Menschen,  als  Götter  angesehen  wurden  und 
aus  dem  Glauben,  der  Sohn  eines  Wohltaters  müsse  ebenfalls 
ein  Wohltäter  sein,  das  Wahlreich  und  schliesslich  das  Erb- 
reich entstand.  Mit  letzterem  stürmte  der  Despotismus  auf  die 
sorgenlosen  Menschen  herein  und  alle  Laster  desselben  hatten  diese 
zu  ertragen.  Die  Folgen  des  Despotismus  war  das  Bedürfnis  nach 
Freiheit  Tyrannen  wurden  gestürzt,  Revolutionen  entstanden. 
Um  letztere  zu  verhüten  oder  doch  zu  erschweren,  wurde  das 
System  vom  Gleichgewiclit  der  Staaten  erfunden,  sodass  dadurch 
nicht  so  häutig  wie  vordem»  Staaten  entstehen  und  vergehen,  es 
sei  denn,  dass  mehrere  der  Starkern  sich  zum  Raub  und  Ver- 
teilung des  sinkenden  Reiches  einigen.  Da  es  aber  im  Inter- 
esse der  einzelnen  Könige  Hegt,  sich  zu  behaupten,  und  diese 
einsehen,  dass  es  zu  diesem  Zwecke  nicht  gut  sei,  über  eine 
Horde  zu  herrschen,  sondern  über  vernünftige  Köpfe,  so  wird 
die  Aufklarung  befördert  und  die  vorher  unterdrückte  Freiheit 
steigt  aus  ihrer  Asche  empor.  Die  Aufklärung  verbreitet  sich 
jedoch  jetzt  nur  in  der  Absicht,  listige  Menschen  zu  bilden,  als 
Mittel  zur  Befriedigung  der  Eroberungssucht  der  Könige  und 
zur  Unterdrückung  anderer.  Um  solchen  Missbrauch  zu  hindern 
und  einem  Rückfall  in  vorige  Erniedrigung  vorzubeugen,  hat  die 
Vorsicht  seit  uralten  Zeiten  ein  dauerhaftes  Mittel  geboten  — 
geheime  Weisheitsschulen.« 

Die  Anrede  versteigt  sich  nun  in  dem  Wunsche,  die  Wichtig- 
keit solcher  Schulen  zu  begründen,  zu  einem  Satze,  den  wir 
wörtlich  wiedergeben  müssen,  weil  aus  diesem  die  unzweifel- 
hafte Absicht  des  Ordens  —  die  Fürsten  zu  stürzen  und  eine 
Vernunftreligion  herzustellen  —  abgeleitet  worden  ist,  sowie 
der  ebenso  klare  Beweis,  dass  die  rranzösische  Revolution  im 
Jahre  1789  dui-ch  die  Illuminaten  bewirkt  wurde»     Es  heisst  da: 

»Diese  Mittel  sind  geheime  Weishcitsschulen,  diese  waren 
vor  allzeit  die  Archive  der  Natur  und  der  menschlichen  Rechte, 
durch  sie  wird  der  Mensch  von  seinem  Fall  sich  erholen, 
Fürsten  und  Nationen  werden  ohne  Gewalttätigkeit  von  der  Erde 


-     156     — 

verschwinden,  das  Menschengeschlecht  werde  dereinst  eine 
Familie,  und  die  Welt  der  Aufenthalt  vernünftiger  Menschen 
werden.  Die  Moral  allein  wird  diese  \'eräodeningen  unniert 
bar  herbeiführen.  Jeder  Hausvater  wird  dereinst,  wie  vordem 
Abraliam  und  die  Potriarchen,  der  Priester  und  der  uneinge- 
schränkte Herr  seiner  Familie  und  die  Vernunft  das  alleinige 
Gesetzbuch  der  Menschen  sein.*^  — 

In  dem  Weiteren  wird  nun  ausgeführt,  dass,  wer  all 
gemeine  Freiheit  einführen  will,  allgemeine  Aufklärung  verbreiten 
müsse. 

Aufklarung  ist  zu  wissen,  was  ich  bin,  was  andere  sind, 
was  andere  fordern,  was  ich  fordere;  zu  wissen,  dass  ich  mir 
nicht  allein  genug  bin,  dass  ich  ohne  Hilfe  meiner  Neben- 
menschen nichts  bin,  sie  demnach  als  wesentlichen  Teil  meiner 
Glückseligkeit  betrachte,  dass,  wenn  ich  nichts  für  sie  leiste,  sie 
auch  nichts  für  mich  übernehmen.  Man  muss  nachgiebig  gegen 
Fehler  sein,  tolerant  gegen  andere  Meinungen,  mit  seinem  Schick* 
sal  zufiieden  leben,  mit  andern  trauern,  ihnen  helfen  wo  man 
kann  und  sich  freuen  über  andere  Freuden,  seinen  Übei'fluss 
zum  Nutzen  anderer  verwendeiu 

Wenn  solche  Aufklärung  ein  Werk  der  Moral  ist,  so  nimmt 
auch  Aufklärung  und  wechselseitige  Sicherheit  zu.  Die  Moral 
ist  also  die  Kunst,  w^elche  Menschen  lehrt  volljährig  zxx  werden, 
der  \'ormundschaft  los  zu  werden  und  Fürsten  und  Staaten 
entbehrlich  zu  machen.     *  Mei'  w*5zu  braucht  man  sie  sodann?*) 

Die  Anrede  geht  dann  auf  Jesus  über,  dessen  Lelu-e  nun 
in  dem  Sinne  ausgelegt  wird,  wie  es  Knigge  in  dem  Bride  an 
Cato-Zwackh  (S»  128)  mitteilt  und  die  rein  in  den  Symbolen  der 
Freimaurei'ei  erhalten  wurde. 

Die  drei  Zustände  der  Menschheit  werden  in  der  Hierogly- 
phie  der  Freimaurei'ei  durch  den  rohen,  ges])al tonen  und  glatten 
Stein  vorgestellt.  Der  erste  ist  der  erste  Zustand  des  mensch- 
lichen Geschlechts  im  Stande  der  Wildheit.  Die  zw^eite  die 
Hie!T)glyphie  der  gefallenen,  abgewürdigten  Natur,  des  Menschen 
in  Staaten;  dieser  mittlere  Stein  ist  gespalten,  weil  in  diesem  Zu- 


•)  Dieser  in  seiner  Logik  groleske  Satz  enlhalt  die  berfilimle  Öse  zum 
Einhaken  aller  mögliciien  Angrifte  über  die  StaaUgerährlichkeit  des  damaligen 
Ordens,  Wir  erblicken  jetzt  in  diesem  nur  den  paradoxen  Ausspruch  über- 
eifriger Kdpfe,  die  sich  über  rteii  BegrilT  der  Ordnung  nicht  klar  waren  und 
Qbei'sahcn,  da>s  wenn  nichl  die  Moral,  doch  die  Ordnung  immer  Bangsiufeu 
bedingt. 


1 


—     157     — 


slBnd  das  menschliche  Geschlecht  nicht  mehr  eine  Familie  aus^ 

*aclit,  sondern   durch  Verschiedenheit  der  Regierung,  Ländej' 
id  Religionen   unter  sich  geteilt  ist.    Sobald  dieser  gemachte 
Unterschied  verschwindet,  sobald  wird  dieser  gespaltene  Stein 

fieder  ganz.  Und  daher  ist  der  dritte  die  Hieroglyphe  des  Zu- 
andes  von  unserer  zurückerhaltenen  Würdigung  unsers  Ge- 
schlechts. Der  flammende  Stern  mit  dem  Buchstaben  G.  ist 
die  Aufklärung,  die  Gnade,  Gratia,  die  uns  leuchtet  auf  unsern 
bisherigen  Irrwegen.  Die,  in  welchen  diese  Gnade  wirkt,  sind 
die  Erleuchteten,  Illuminati:  ein  Name,  mit  welchem  in  der 
ersten  Kirche  alle  Christen  nach  der  Taufe,  hiemit  alle  Gläubigen 
belegt  wurden* 

Es  wird  nun  der  geistliche  Despotismus,  die  Religions- 
verfolgung geschildert,  dass  das  Christentum  seine  Reinheit  %'er- 
lor  und  die  echten  Lehren  unter  Hieroglyphen,  die  in  geheimen 
Gesellschaften  bewahrt  wurden,  sich  verbargen.  In  der  Frei- 
maurerei bedeutete  daher  Hieram  den  für  das  Beste  der  Welt 
ersclilagenen  Meister,  Jesus  von  Nozareth.  Der  Name  Hieram 
ist  entstanden  aus  den  Anfangsbuchstaben  folgender  Worte; 
Hie  Jesus  est  restituens  amorem  mundi,  oder  wie  andere  lesen; 
Hie  Jesus  est  resurgens  a  mortuis.  Dahin  deutet  auch  das 
rabbinische  Wort  Mac-benac,  er  hat  den  Sohn  erschlagen.  Da 
nach  der  Lehre  Jesu  die  Mensclien  zu  ihrer  Freiheit  durch  Ge- 
rechügkei!  und  Wohlwollen  gelangen,  so  w^erden  diese  durch 
zwei  Säulen  mit  den  BuchstabcMi  J.  und  B.  (Justitia  und  Bene- 
volentia)  angezeigt,  als  auf  wcicherj  beiden  Grundsäulen  das  Ge- 
bäude der  menschlichen  Unabhängigkeit  beruht.  Das  Winckel- 
maass,  Senkblei  usw.  sind  die  Symbole  und  Hieroglyphen  der 
Rechtmässigkeit  unserer  Handlungen,  mit  welchen  wir  ihr  V^er- 
hällMis  zum  Zweck  bestimmen  und  abmessen.  Die  9  Meister, 
welche  den  erschlagenen  Hieram  gesucht,  stellen  die  ei*sten 
Stifter  des  Ordens  vor,  w^elche  die  unter  Menschen  verloschene 
Menschenliebe  nach  der  Lehre  ihres  erschlagenen  Meisters 
wieder  unter  sich  in  Gang  gebracht,  und  von  den  Schlacken  und 
menschlichen  Zusätzen  gereinigt.  Und  w^eil  die  Freimaurerei 
die  Menschen  die  Kunst  lehrt,  sich  selbst  zu  beherrschen,  so 
wird  sie  eine  königliche  Kunst  genannt.  Sonne,  Mond  und 
Sterne  sind  die  verschiedenen  Grade  der  Erleuchtung,  welche 
der  Mensch  auf  seinem  Wege  zu  diesem  Zweck  erhalt. 

Und  so  w^äre  also  der  Zweck  der  echten  Freimaurerei  durch 
tätiges  Christentum,  durch  die  Verbreitung  der  Lehre  Jesu  und 


—     158    — 


durch  die  Aufklarung  der  Vernunft,  die  Menschen  zu  ihrer  Frei- 
heit fähig  zu  machen,  die  Weit  und  die  durch  verschiedene  Ein- 
richtungen getrennte  Menschen  in  eine  Familie  zu  vereinigen,  und 
das  Reich  der  Gerechten  und  Tugendhaften  herbeizuführen. 

Es  wird  nun  dargestellt,  dass  auch  die  Freimaurerei  auf 
Abwege  geriet,  dass  Grade  auf  Grade  erfunden  w^urden,  woduith 
der  eigentliche  Zweck  vergessen  und  nur  der  Hang  zum  Wunder- 
baren gereizt  wurde,  dass  aber  einige  gute  Arbeiter  diesem  ein- 
brechenden Verderben  sich  entgegenstellten,  und  der  Same  zu 
einer  neuen  Welt  nunmehr  Wurzel  geschlagen  habe. 

Es  wird  dann  betont,  dass  wir  (die  Orden  sangehörigen) 
uns  bei  dem  Beginnen  der  Natur  ihr  Tagewerk  zu  vollenden, 
nur  als  Zuschauer  verhalten,  keinen  Erfolg  beschleunigen,  und 
sich  keine  anderen  Mittel  erlauben  als  Aufklärung,  WohhvoUen 
und  Sitten  zu  verbreiten.  Des  unfehlbaren  Erfolges  sicher,  ent- 
halten wir  uns  aller  gewaltsamen  Mittel,  vielleicht  vergehen 
Jahrtausende  oder  hunderttausende  darüber,  wir  begnügen  uns 
damit,  das  Vergnügen  und  die  Glückseligkeit  der  Nachwelt  schon 
sofern  vorhergesehen  und  durch  die  unschuldigsten  Mittel  den 
Grund  dazu  gelegt  zu  haben. 

»Wir  beruhigen  uns  dabei  in  unserm  Gewissen  gegen 
jeden  Vorwurf,  dass  wir  den  Umsturz  und  Verfall  der  Staaten 
und  Thronen  eben  so  w^enig  veranlasset,  als  der  Staatsmann 
von  dem  Verfall  seines  Landes  die  Ursache  ist,  weil  er  solchen 
ohne  Möglichkeit  der  Rettung  vorhersieht.  Als  fleissige  und 
genaue  Beobachter  der  Natur  verfolgen  und  bewundern  wir 
ihren  unaufhaltbaren  majestätischen  Gang,  freuen  uns  unsers 
Geschlechts  und  wünschen  uns  Glück,  Menschen  und  Kinder 
Gottes  zu  sein.«  — 

Nachdem  der  Neuaufgenommene  noch  aufmerksam  gemacht 
wurde,  dass  man  diese  Lehre  ihm  nicht  aufdringe,  sondern  falls 
er  besseres  wüsste,  das  nicht  verhehlen  möge,  er  daher  heraus- 
suchen solle,  was  ihm  geföllt,  schloss  die  Anrede,  — 

Es  folgte  nun  das  Zeremoniell  der  Aufnahme,  das  aber  nie- 
mals gründlich  in  der  Weise  durchgefülirt  wurde,  wie  es  Knigge 
angab.  Die  Anrede  allein  ist  nur  umhergesandt  w^orden,  w^rde 
abgeschrieben  und  von  einigen  Mitgliedern  so  begeistert  auf- 
genommen, dass  Weishaupt  kopfschüttelnd  an  Zwackh  schrieb: 

»Sie    können   nicht  glauben,    wie   unser   Priestergrad    bei    den 
Leuten  Auf-  und  Ansehen  erweckt.    Das  wunderbarste  ist,  dass 


—     159     — 


protestantische  und  reformirte  Theologen,  die  vom 
sind,  noch  dazu  glauben,  der  darin  ertheilte  Religions- 
unterricht enthalte  den  wahren  und  ächten  Geist  und  Sinn  der 
christlichen  Religion.  0  Menschen!  zu  was  kann  man  euch 
bereden:  hätte  nicht  geglaubt,  dass  ich  noch  ein  neuer  Glaubens- 
stifter werden  sollte.«  — 

IDas  weitläufige  Zeremoniell  bestand  wesentlich  in  der  Über- 
be  des  Priesterkleides,  wer  sich  für  die  genauen  Angaben 
interessiert  kann  das  in  dem  angegebenen  Buch  »Neueste 
Arbeiten  etc.«  nachlesen.  — 

Nach  dem  Priestergrad  folgte  als  letzter  der  Regentengrad, 
eine  Einführung  in  die  Reihe  der  regierenden  Mitglieder.  Es 
■rurde  hier  eröffnet,  dass  der  Orden  folgen dermassen  regiert 
werde:  Uuser  Bund  hat  einen  National-Obern,  unter  diesem 
stehen  die  Provmzialen,  Vorsteher  eines  jeden  Kreises.  Zu 
dessen  Hilfe  stehen  Consultoren  und  unter  ihnen  eine  gewisse 
Anzahl  Präfekten  oder  Lokal-Obere.  Aus  diesen  Mitgliedern  be- 
stand der  Regentengrad,  über  den  dann  noch  der  Areopag  und 
der  ürdensgeneral  als  höchste  Obere  standen.  In  diesem  Grade 
herrschte  völlige  Freiheit  und  Unabhängigkeit,  nur  das  Empfinden 
einer  guten  Sache  zu  dienen,  sollte  das  Bindemittel  der  Brüder- 
schaft sein,  infolgedessen  erhielt  der  neue  auf  Lebenszeit  er- 
nannte  Regent  alle  seine  Unterschriften  und  Papiere  bei  der 
Aufnahme  zurück.  — 

So  war  der  Orden  gestaltet,  als  Knigge  denselben  verliess 
und  als  des  Unwetter  bald  danach  hereinbrach,  das  für  viele 
tüchtige  Menschen  von  den  schwersten  Folgen  sein  sollte.  Knigge 
blieb  verschont  von  dem  Sturme  der  Ordensveifolgung,  er  gelangte 
schliesslich  nach  Bremen  und  starb  daselbst  am  6.  Mai  1796. 
Sein  Grab  befindet  sich  im  Dom  zu  Bremen.  Der  Grabstein 
befindet  sich  gegenüber  dem  Eingang  zur  berühmten  Bleikammer, 
in  der  aufgestellte  Leichname  nicht  vei-vtesen,  linker  Hand.  Er 
ist  von  einer  grossen  Schutzmatte  bedeckt,  weil  der  Besucher 
des  Domes,  die  Leichenkammer  verlassend  und  links  sich  haltend, 
über  ihn  hinwegschreiten  muss,  die  Inschrift  lautet: 

Hier  ruhet 
Adolph  Freiherr  Knigge 

Königl.  Grossbrittanischer  Oberhauptmann  in  Bremen. 

Er  wurde  geboren  d.  10.  Octobei*  1752  in  Bredenbeck  bei  Hannover 

und  starb  den  6,  Mai  1796  in  Bremen, 


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1 

Die  OrdensYerfalgiing  In  Bayern. 

Am   22.  Juni  1784  erschien    plötzlich  eine   »Höchst-iandes- 
'  herrliche  Verordnungf   (s.  Originalabdruck)   folgenden  Inhaltes; 

Gleichwie  alle  ohne  öffentlicher  Authorilät  und  landesherr* 
licher  Bestättigung  errichtete  Comni unitäten,  Gesellschaften  und 
Verbrüderungen,  als  eine  an  sich  schon  verdächtige,  und  gefähr- 
liche Sache,  ganz  unzulässig,  und  in  allen  Rechten  vei'bothen 
sind,  so  wollen  auch  Se.  kurfürstl.  DurcliL  solche  überhaupt, 
wie  sie  immer  Namen  haben,  und  in  ihrer  innerlichen  Ver- 
fassung bestellt  seyn  mögen,  in  dero  Landen  nirgend  gedulden, 
und  befehlen  hiermit  ernstlich,  dass  man  sich  all  dergleichen 
heimlichen  Verbind-  und  Versammlungen  um  so  gewisser  ent- 
äussere, als  nicht  nur  das  Publikum  darüber  schüchtern  und 
aufmerksam  wird,  sondern  auch  Höchstdieselbe  sowohl  in 
Gnaden  als  anderen  Sachen  sorgfältigen  Bedacht  darauf  nehmen 
werden,  welches  zu  jedermanns  Abmehn-  und  Warnung  hiemit 
öffentlich  kuntgemacht  wird. 

München  d.  22.  Juny  1784. 

Ex  commissione  serenis.    Dni.    Dni. 

Ducis,  et  Electoris  specioli. 

Konrad  Ruprecht, 
L.  S.  kurfürstl  Obern  Landes-Regierungssekretar. 


Die  Illuminaten  glaubten  durch  dieses  Verbot  sich  wenig 
oder  gar  nicht  berührt,  arbeiteten  daher  ruhig  weiter,  bis  im 
Jahre   darauf  ein   zweites  Verbot  (s.  Originalabdruck)  eine  un- 

I begrenzte  Verfolgung  einleitete.  Dieses  verschärfte  Verbot  lautete: 
vo 
Ni 
Gl 
M 
de 
zu 
fal 


Wir  Karl  Theodor, 
von  Gottes  Gnaden  Pfalzgraf  bey  Rhein,  Herzog  in  Ober-  und 
Niederbaiern,  des  H.  R.  R.  Erztruchsess,  und  Kurfürst,  zu  Gülch, 
Cleve  und  Bei^g  Herzog,  Landgraf  zu  Leuchtenberg,  Fürst  zu 
Mors,  Marquis  zu  Bergenopzom,  Graf  zu  Weldenz,  Sponheim, 
der  Mark  und  Ravensberg,  Herr  zu  Ravenstein  etc.  etc. 

Unsern  gnädigsten  Gruss  und  kurfürstl.  Gnade  Jedermann 
zuvor. 

Uns  kann  nicht  änderst  als  sehr  raissfällig  und  empfindlieh 
fallen,   da  Wir  vernehmen,    wie   w^enig  Unser   bereits   unterm 


schiedenen  in  Unsern  Landen  noch  befindlichen  Logen  der  s( 
genannten  Freymaurer   und    lUumi nuten   geachtet   wird,   Inder 


—     163     -^^ 

sie  sowohl  ihre  heimliche  Zusammenkünften  als  eigenmächtige 
Collekten,    und  Anwerbungen    neuer  Mitglieder   immei'hin   fort- 
'  setzen,    sohin  ihre   schon  t?elir    hoch    angewachsene  Anzahl  je 
langer  je  mehf  zu  verstarken  suchen. 

Gleichwie  Wir  aber  eine  solche,  zumal  von  ihrem  aller- 
ersten Institut  allzuweit  abgeartete  Gesellschaft  sowohl  in  geisl- 
als  weltlich-  und  politischen  Betracht  für  allzubedenklich  finden, 
als  das  Wir  solche  in  Unseren  Landen  ferner  gedulden  konnten, 


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anerwogen  hieraus  nichts  als  Verwirr-  und  Unordnung,  allge- 
meines Misstrauen  in  publico  factiones  in  collegiis,  und  mehr 
andere  auf  die  Religion,  Justiz,  gute  Sitten,  und  den  ganzen 
Staat  überhaupt  grossen  Bezug  habende  böse  Folgerungen  zu 
gewarten  hat,  und  grossen theils  schon  wirklich  verspürt,  so 
schaffen  Wir  solche  auch  hiermit  gänzlich  ab,  und  verbiethen 
derselben  all  weitere  Conventicula,  anmassliche  CoUekten,  und 
Anwerbungen  neuer  Mitglieder.  Befehlen  auch  allen  Obrigkeiten, 
gute  Obacht  darauf  zu  haben,  und  bey  verspürenden  Ungehor- 
sam Uns  die  geheime  Anzeig  darüber  zu  thun* 


164 


Das  durch  obige  so  eigenmächtig  als  unzulässige  Colleclen 
zusammengebrachle  Geld  und  Gut,  deklariren  Wir  für  conlis- 
kabe!,  und  wollen,  dass  die  Hälfte  der  ermen  Cessa*  die  andere  I 
Hälfte  aber  dem  Aufbringer,  wenn  er  gleich  selbst  ein  Mitglied 
wäre,  zu  Guten  gehen,  und  solcher  keineswegs  geoflfenbart, 
sondern  in  Geheim  gehalten  werden  solle. 

So  lieb  nun  einem  jeden  Unsere  Gnad  und  seine  selbst 
eigne  Ehre  und  Wohlfahrt  ist,  so  zuversichtlich  erwarten  Wir 
hierinn  allenthalben  die  schuldigste  Folgleistung,  damit  Wir 
andenveiterunbehebigerMaassnehmungentübriget  bleiben  mögen. 
Gegeben  in  Unserer  Haupt-  und  Residenzstadt  München,  den 
2ten  März  1785. 

Karl  Theodor.  Vt.  Fr.  von  Kreittmayr» 

Karl  von  Kiessing,  kurfürs 
geheimei'  Sekretarius. 

Ein  drittes  Verbot  wurde  im  August  erlassen.     Es  lautet: 

•  Man  weis  höchster  Orten  ganz  gewiss  und  zuverlässig, 
dass  die  Freimaurer  und  Illuminaten  ihr  schädliches  Handwerk 
durch  heimliche  Zusammenkünfte,  Kollekten  und  Anwerbungen 
neuer  Mitgliedergegen  wiederholt  landesherrliches  Verboth  noch 
immer  forttreiben,  und  sogar  in  Justiz-  und  anderen  Kollegien, 
wo  solche  am  Avenigsten  Eingang  finden  sollten,  sich  so  w^eit 
verbreiten,  dass  sie  in  einigen  derselben  schon  die  Oberhand 
und  Mehrheit  der  Stimmen  erreicht  haben. 

Gleichwie  aber  Seine  kuifürstl.  Durchlaucht  auf  Ihrer  hierinn 
ergangenen  Generalverordnung  ganz  unbeweglich  bestehen,  so- 
fort solche  nirgend  mit  grösserer  Genauigkeit,  als  bey  ihren 
Kollegien  und  Gesetzbewahrern  gehorsamst  befolgt  wissen  w^ollen, 
so  ergeht  auch  hiemit  der  weitere  ernsthafte  Befehl,  dass  sich 
1.  alle  und  jede  dieser  Sekte  noch  anhangende  Vorstände  und 
Mitglieder  der  Kollegien  längst  inner  acht  Tagen  von  Zeit  der 
in  plena  Sessione  beschehenen  Publikation  schriftlich,  und  zwar 
die  Vorstände  nnmittelbar  bey  der  höchsten  Stelle,  die  andern 
Mitglieder  ober  entweder  sich  angeben  und  manifestiren  sollen, 
mit  der  Erklärung,  dass  sie  von  dieser  Sekte  gänzlich  abstehen, 
sohin  weder  ihre  Winkelknnventikula  mehr  besuchen,  noch  andere 
dazu  verleiten  und  anwerben,  oder  dahin  kontrihuiren;  viel 
weniger  sich  bey  auswärtigen  Logen  engagiren  wollen  und  werden» 

Wer  sich  nun  2.  von  den  noch  existierenden  Frevmaurern 


i 


Bio^üphiai  -  Geschichte 
Uhraxliteraiur 


bayrischen  Geschichte  im  4.   Band,  Aarau  1818,  eine  Übersicht 

über  die  Ziele  und  Zwecke  des  lliuminatennrdens  gibt,  hat  auf 

[•wenigen  Seilen  eine  solche  Fülle   von  Verdrehungen,   falscljen 

Angaben  und   Irrtümern  zusammengetragen,   die  sodann  unge- 

j  prüft    und    als    richtig    unbeanstandet    weitere    Wege    gebahnt 

[haben,  dass  der  Forscher  zweifelhaft  werden  muss,  ob  hier  Un- 

[wissenheit  oder  Boslieit  vorliegt.  Zscbokke,  welcher  Zeilgenosse 

der   in    dieser    Periode    lebenden    Hauptpersonen   war,   konnte, 

w^enn  er  ernstlich  gew^oUt  hätte,  sich  über  die  fraglichen  Punkte 

[recht  wohl  onentieren,  dass  er  es  sehr  stark  hat   daran  fehlen 


—     166     — 


la^en,  ist  der  mindeste  Vorwurf,  der  gegen  ihn  erhoben  werden 
muss.    Zwar  berufen  sich  die  Historiker  heute  nicht  mehr  auf 

Zschokke,  aber  seine  falschen  Angaben  leben  noch  w^eiter.  Wir 
müssen  diese  darum  wörtlich  anfilhren,  damit  an  ihrer  Hand 
die  Anteilnahme,  welche  der  Herzogin  Maria  Anna  und  Friedrich 
dem  Grossen  an  der  lUuminaten-Verfolgung  zugesprochen  wird, 
untersucht  werden  kann.  Er  sagt  in  der  schon  genannten 
Bayrischen  Geschichte  Band  4  ab  Seite  342,  nachdem  er  ein* 
leitend  über  den  Illuminatenorden  und  von  dem  Austritt  einzelner 
MitgHeder  aus  dem  Orden  gesprochen:  >Unter  diesen  (welche 
ausgetreten  waren)  w^or  der  Ersten  einer  Joseph  Utzschneider, 
Geheimschreiber  der  Herzogin  Maria  Anna,  ein  junger  Mann 
von  feuriger  Seele  und  seltenen  Geistesgaben.  Begierig,  das 
Wissenswürdigste  zu  wissen,  zu  thun  das  Thunwürdige,  hatte 
er  die  Einladung  zum  Beitritt  in  den  Bund  angenommen.  Ein 
fahrender  welscher  Ritter,  genannt  Costanzo  di  Costanzo,  weihte 
ihn  in  die  höheren  Heimlichkeiten  ein  und  forderte  von  ihm 
endlich,  seine  Ergebenheit  zu  prüfen,  für  den  Orden  die  Aus- 
lieferung einiger  Briefe,  welche  König  Friedrich  von  Preussen 
und  dessen  Grossstaatsbeemter  Herzberg  an  Maria  Anna,  die 
Herzogin  von  Baiern,  geschrieben.  Desselben  Tages  sandte 
Utzschneider  statt  der  Briefe  seinen  Ordensschmuck  zurück. 
Seit  diesem  Augenblick  ward  er  von  den  geweihten  Brüdern  als 
ein  Verschwundener  mit  Mass  verfolgt,  doch  andere  dadurch 
nicht  geschreckt,  thaten  bald  wie  er. 

Constanzo,  welcher  nach  diesem  auf  Kosten  des  Bundes, 
Reisen  in  mehrere  Länder  machte,  kam  nach  Berlin.  König 
Friedrich,  durch  maurerische  Verbindung  von  seiner  Erscheinung 
belehrt,  Hess  ihn  beobachten.  Constanzo  war  betriebsam,  den 
Bauhütten  Berlins  illuminatische  Stufen  zu  geben. 

Friedrich  nun  der  geheimen  Zwecke  derselben  kundig,  er- 
teilte seinem  Gesandten  zu  Regensburg  Befehl*)  den  Ver- 
hältnissen des  Ordens  nachzuspüren,  welcher,  wie  in  Baiern  so 
in  Oesterreich  ausgebreitet  und  selbst  am  Wiener  Hof  wirksam 
sein  sollte.  Und  als  in  derselben  Zeit  der  Antrag  des  Kaisers 
zum  Austausch  Baierns  gegen  die  Niederlande  geschah,  erging 
von  Berlin  der  Mlaminaten  wegen,  eine  warnende  Botschaft  des 
Königs  an  die  Herzogin  Maria  Anna**),  denn  es  ward  geredet 

•)  Unter  Ziffer  163  zeigt  das  Original  die  Fassnotcs:  Im  März  1784. 
•♦)  164  Schreiben    des  Grafen    Herzberg    an    die  Herzogin    Maria  Anna, 
Berlin,  den  25.  Januar  1785.     Hd8chr. 


I 


—     167    — 

der   Orden   hange   in   seinen  Gliedern   zu  München   und  Wien 
der  Sache  des  Erzhauses  an   und  arbeite  füi'  die  Vollbringung 
des  Tausches.   Die  bairische  Fürstin  forderte  von  ihrem  Geheim- 
schreiber Licht  über  das  finstere  Treiben.    Dieser  eingedenk  der 
Pflichten  gegen  Staat  und  gesetzliche  Obrigkeit  entdeckte,  was 
^r  selber  gewesen  und  wos  er  gekannt.-«  — 
^B       Weiter  behauptet   noch  Zschokke,    dass   Ulzschneider    in 
^■eistündiger  Unterhaltung  den  Kurfürsten  über  die  Schädlichkeit 
Tres  Ordens  belehrte  und  dieser  nunmehr  die  strengen  Verbots- 
befehle ergehen  Hess. 
H|       Hier  ist  einzuschalten,  dass  die  Bekenntnisse  Utzschneiders 
oie  Herzogin  entgegennahm  und  diese  sodann  dem  Kurfürsten 
die     bedrohlichen    Mittheilungen    weiter    gegeben     haben    soll» 
dadurch  die  Verfolgung  veranlassend.    Dieser  Ansicht  schliessen 
sich  verschiedene  neuere  Historiker  an,  es  bleibt  jedoch  keine 
Berechtigung  übrig,  sie  als  geschichtlich  anzusehen, 

Nacli  Zschokke  ist  der  Tatbestand  kurz  gefasst  folgender: 
■  Graf  Consta nzo,  derselbe,  der  1780  Knigge  aufnahm  während 
seiner  Reise,  fordert  als  lUuminat  von  Utzschneider,  dem  Geheim- 
schreiber der  Herzogin  Maria  Anna,  deren  teilweise  Korrespondenz 
mit  Friedrich  dem  Grossen.  Utzschneider  tritt  infolgedessen  aus 
dem  Orden.  Constanzo  reist  nach  Berlin,  wo  ihn  der  König, 
durch  maurerische  Verbindungen  von  seinem  Kommen  belehrt, 
beobachten  lässt,  weil  er  der  geheimen  Zwecke  (die  nach 
Zschokke  sich  nur  auf  alle  erdenklichen  Niederträchtigkeiten  be- 
ziehen)  des  Ordens  kundig  ist.  Zur  selben  Zeit,  also  doch  1780(1), 
erfahrt  der  Konig,  dass  der  Orden  für  die  V'ollbringung  des  Aus- 
tausches Bayerns  an  Österreich  arbeitet,  eines  Planes,  zu  dessen 
Verhütung  der  Konig  den  Fürstenbund  stiftete  und  mahnt  in 
einem  Schreiben  durch  den  Grafen  Herzber^:  d.  25.  Januar  1785*) 
die  Herzogin,  nachdem  er  bereits  im  März  1784  seinen  Regens- 
burger Gesandten  beauftragt  hatte,  den  Verhaltnissen  des  Ordens 
nachzuspüren. 

Um  nun  nachzuweisen,  welche  unglaubliche  Verdrehungen 
sr  vorliegen,  muss  man  zunächst  die  Beziehungen  der  Herzogin 
Maria  zu  dem  Konige  von  Preussen  kennen  und  wodurch  diese 
veranlasst  wurden, 

Kurfürst    Karl  Theodor    hatte,    wie    bereits    gesagt,    keine 

^r  *)  Der  König  hätle  siso  fast  5  lalire  mit  dem  Briefe  gewartet,  denn 
ConsUntzo  reiste  nur  einmal  narli  Berlin  km  Jahre  178D,  Zschokke  setzte  die 
Heise  augenscheinlich  ins  Jahr  1784. 


—     168     — 


besondere  Vorliebe  für  sein  Land  und  bekundete  das  dadurch 
auf  das  deutlichste,  dass  er  am  3.  Jan,  1778,  drei  Tage  nach 
seinem  Regierungsantritt,  den  grössten  Teil  von  Altbayern  an 
Österreich  abtrat.  Österreich  besetzte  durch  seine  Truppen  den 
abgetretenen  Teil  14  Tage  später.  In  den  späteren  Jahren  ver 
hehlte  es  seine  Gelüste  auf  die  angrenzenden  Ländereien  nicht, 
die  unter  Verzichtleistung  aller  Rechte  des  Kurfürsten  an  Öster- 
reich übergehen  sollten.  Als  Entschädigung  sollte  Karl  Theodor 
unter  dem  Titel  eines  Königs  von  Burgund  die  österreichischen 
Niederlande  erhalten.  Dieser  Landertausch  fand  in  dem  Könige 
von  Preussen  den  stärksten  Gegner,  du  er  keinesfalls  eine  solche  ■ 
Stärkung  der  österreichischen  Macht  glaubte  dulden  zu  dürfen. 
Die  Absicht  spukte  seit  1778,  führte  zu  dem  Bayrischen  Erb- 
folgekrieg  und  dem  Teschener  Frieden  und  zur  Errichtung  des 
Fürstenbundes  im  Jahre  1785.       > 

Kuifürst  Karl  Theodor  war  natürlich  einverstanden  mit 
dem  Plane,  er  wollte  König  werden.  Warum  er  also  später  den 
Illuminaten-Orden  verfolgt  haben  sollte,  nur  weil  dieser  seine 
Pläne  unterstützte,  ist  ganz  unerfindlich. 

Seine  Schwägerin,  die  Herzogin  Maria  Anna,  war  die 
heimhche  Verbündete  des  Königs  von  Preussen  und  arbeitete 
an  der  HintertreibungdesTausch*Projektes.  —  Diese  gemeinsamen 
Interessen  waren  das  Band,  welches  die  Herzogin  mit  dem 
Könige  verband,  den  sie  hoch  verehrte,  persönlich  aber  niemals 
zu  Gesichte  bekommen  hat.  —  Den  brieflichen  Verkehr  mit  dera 
Könige  vermittelte  weniger  Graf  Herzberg,  der  Staatsminister, 
als  Freiherr  von  Schwarzenau,  der  Regensburger  Gesandte  des 
Königs,  derselbe,  dem  nach  Zscliokke  Friedrich  den  Befehl  er- 
teilt  haben  soll,  den  Verhältnissen  des  Ordens  nachzuspüren. 

Es  ist  also  klar,  diiss  die  Herzogin  sowohl,  w*ie  auch 
Friedrich  der  Grosse  in  ihrem  Briefwechsel  den  Illuminaten- 
orden unbedingt  nennen  mussten,  wenn  die  Behauptung 
Zschokkes  und  seiner  Nachbeter  wahr  ist,  der  ausserdem  auch 
noch  einen  beweiskräftigen  Brief,  datiert  vom  25.  Januar  1785 
angibt. 

In  der  ganzen   in  dem  königlichen  Haus-Archiv  Be 
findliehen    aufbewahrten    Korrespondenz   beider    Fürst- 
lichkeiten  befindet  sich  kein  Hinweis  darauf.  I 

Eine  vom  königlichen  Haus-Archiv  in  Churlöttenbuig  dem 
Schreiber  dieses  vom  14.  November  1902  ausgestellte  Bestätigung 
lautet: 


—     169     — 

lAuf  das  gefällige  Schreiben  vom  6.  d.  Mts.  erwidern  wir 
Ihnen  ergebenst,  dass  in  dem  hier  aolbewehrten  Brietwechsel 
der  Herzogin  Maria  Anna  von  Bayern  mit  König  Friedrich  dem 
Grossen  von  Preussen  de  1762—85  zwar  vieHach  das  Bayerische 
Austauschprojekt  erörtert  wird,  dass  aber  in  diesen  Briefen  des 
Illuminatenordens  und  seiner  angeblichen  Stellungnahme  zu 
dem  gedachten  Projekte  mit  keinem  Worte  Erwähnung  geschieht!« 

Sollte  also  wirkHch  jener  Brief  Herzbergs  existieren,  ent- 
g^en  allem  Gebrauch  derselbe  eine  Abschrift  dem  Archive  nicht 
übermittelt  haben,  sodass  jetzt  keine  MögHchkeit  vorhanden 
wSre,  festzustellen,  ob  die  Absendung  des  fraglichen  Briefes  je 
stattgefunden  habe  oder  nicht,  so  müsste  doch  bejahenden 
Falles  die  Wirkung  desselben  in  der  direkten  Korrespondenz 
sich  widerspiegeln.  Es  ist  dos  nicht  der  Fall,  nicht  mit 
einem  Worte  wird  der  Illuminatenorden  erwähnt. 

Vergeblich  sucht  man  auch  nach  einer  Spur  jenes  ominösen 
Briefes  in  der  Korrespondenz  des  Freiherrn  von  Schworzenau 
mit  der  Herzogin  Maria  Anna,  die  durch  Dr.  Heinrich  Meissner 
bekannt  geworden  ist.  Derselbe  hatte  im  Nachlass  des  Reichs- 
lagsgesandten  Freiherrn  von  Schwarzenau,  welcher  im  Gräflich 
Schwarzenauischen  Familienat'chiv  in  Grossdammer  Prov.  Posen 
seiner  Zeit  bewahrt  wurde,  eine  Sammlung  von  Briefen  der 
Herzogin  Maria  Anna  aufgefunden,  welche  gerade  die  Periode 
des  AustauschJ^roJektes  umfiissen.  Diese  Briefe  sind  veröflfent- 
licht  in  der  Festschrift  zur  Feier  des  25jälH4gen  Bestehens  des 
Gymnasiums  zu  Jauer  am  9.  und  10.  Oktober  1890,  heraus- 
gegeben von  Dr  K.  Volkmann,  Jauer  1890,  Verlag  von  R.  Guerckes 
Buchhandlung.  Aus  diesen  Briefen  geht  hervor,  dass  die 
Herzogin  bereits  wahrend  des  ganzen  bayerischen  Erbfolge- 
krieges mit  Friedrich  dem  Grossen  Briefe  wechselte  und  ilm 
genau  über  alle  Ereignisse  am  Münchenei'  Hofe  unterrichtete- 
Mit  dem  Freiherrn  von  Schwarzenau  korrespondiert  sie  ganz 
besonders  seit  1782.  Wenn  man  nun  diese  Briefe  ebenfalls  noch 
so  genau  durchsieht,  man  findet  keine  Spur  einer  Hindeutung 
auf  den  Illuminatenorden.  Es  ist  aber  doch  ebenfalls  ganz 
ausgeschlossen,  dass  die  Herzogin  gegen  Schwarzenau  nicht 
wenigstens  eine  Bemerkung  hätte  fallen  lassen,  falls  Friedrich 
der  Grosse  wirklich,  wie  behauptet  wird,  durch  Herzberg  sie 
hätte  aufmei'ksam  machen  lassen,  um  so  melu'  da  sie  später, 
nachdem  die  Verfolgung  ausgebrochen  war»  tatsächlich  glaubte, 


—     170     — 

der  Orden  sei  gefährlich.  Herr  Dr.  Heinrich  Meissner  bestätigte 
bei  der  Anfrage  auch,  ob  er  bei  Durchsuchung  des  Archives 
vielleicht  an  irgend  einer  Stelle  einen  Hinweis  auf  den  Illuminalen- 
orden  gefunden  höbe,  dass  das  nicht  der  Fall  gewesen  wäre, 
da  er  sonst  diese  Spur  unbedingt  weiter  verfolgt  haben  w^ürde. 

Also  auch  hier  Hndet  sich  keine  Erklärung. 

Meissner  weist  jedoch  nach,  dass  Herzberg  den  Gesandtschafls^ 
Sekretär  Ganz,  welcher  unter  Schwarzenau  in  Hegensburg  be- 
schäftigt wurde,  an  die  Herzogin  absandte,  um  sie  von  deni  be* 
absichtigten  Tausch,  dessen  Verhandlungen  erat  im  Anfang  des 
Jahres  1785  zu  diplomatischen  Verwickelungen  führten,  in 
Kenntnis  zu  setzen.  Maria  Anna  sehrieb  am  16.  Januar  1785 
dann  an  Herzberg  einen  Brief,  der  von  Reimann  „Neuere  Ge- 
schichte des  Preussischen  Staates^  S.  387,  veröffentlicht  worden 
ist  und  bietet  ihre  Hülfe  an.  Die  Herzogin  drängt  zum 
stürmischen  Vorgehen,  Herzberg,  der  besonnene  Staatsmann 
bleibt  zurückhaltend,  kalt  überlegend.  Infolgedessen  (veiigL 
Meissner),  da  ihr  diese  Art  nicht  passte»  sie  Herzberg  gegenüber 
nicht  alles,  was  ihr  Herz  bewegte,  in  häufigen  Briefen  aus- 
schütten konnte,  nahm  sie  ihren  unterbrochenen  Briefwechsel 
mit  Schwarzenau  wieder  auf,  der  ihr  als  der  rechte  Mann 
erschien.  Nach  einem  kurzen  Brief  des  vorerwähnten  Ganz, 
der  vom  7,  Februar  1785  datiert  ist  und  worin  dieser  der 
Herzogin  die  grösste  Vorsicht  anempfiehlt,  beginnt  Maria  Anna 
bereits  am  andern  Tage  ihre  Korrespondenz  mit  Schwarzenau,  — 

In  diesem  Briefe,  den  Meissner  wörtlich  angibt,  findet  sich 
ebenfalls  nicht  die  Spur  eines  Hinweises  auf  den  Illuminaten- 
orden. Solhe  jedoch  dieselbe  Frau,  die  eine  schwärmerische  ! 
Anhänglichkeit  an  Friedrich  den  Grossen  bewies  und  von  ihm 
alle  Rettung  erhoflle,  eine  solclie  bedeutungsvolle  Warnung  des 
Königs  gegen  den  befreundeten  Gesandten  übergehen,  auch 
sonst  in  keiner  Weise  diese  später  erwähnen?  Unmöglich,  — 
Es  kann  also  in  dem  Briefe  Hei^beigs,  wenn  er  jemals  am 
25.  Januar  1785  geschrieben  wurde,  dann  aber  nur  infolge  des 
Anerbietens  der  Herzogin  Hülfe  zu  leisten,  von  dem  llluminaten- 
oi'den  überhaupt  nicht  die  Rede  gewesen  sein. 

Bis  jetzt  ist  eine  Spur  dieses  Briefes  noch  nicht  nach- 
gewiesen, er  gehört  ins  Reich  der  Legende,  wie  unzweifelhaft 
durch  die  Berichte  des  Freiherrn  von  Schwarzenau  bewiesen 
wird.  Da  die  Existenz,  oder  Nichtexistenz  eines  anklagenden 
Briefes  die   Gründe   der   lUuniinatenverfolgung  und  die  Anteil- 


—     171     — 


nähme  der  Herzogin  sowohl,  wie  Friedrich  des  Grossen  und 
nicht  zuletzt  die  so  scharf  beurteilte,  im  behaupteten  vollen  Um- 
fange jedoch  gar  nicht  bewiesene  Verröterei  Ulzschneiders 
in  dos  reclite  Licht  setzt,  so  habe  ich  die  Berichte  des  Frei* 
herrn  von  Schwarzentiu  im  Berliner  Staatsarchiv  einer  genauen 
Durchsicht  unterzogen.  Die  Ergebnisse  lege  ich  nachfolgend 
vor.  Es  ist  klar,  dass  in  diesen  Berichten  von  den  Illuminaten 
die  Rede  sein  muss,  wenn  der  König  wie  Zschokke  behauptet, 
im  März  1784  Befehl  zur  Nachspürung  der  Verhältnisse  des 
Ordens  gegeben  hat  Die  Verlasslichkeit  des  Geschichtschreibers 
Zschokke  ist  jedoch  gönziich  negativ,  denn  in  allen  Berichten 
des  Gesandten  vom  Jahre  1784  erwähnt  dieser  nicht  mit  einer 
Silbe  die  Illuminaten,  erst  am  10.  März  1785  gibt  Schwarzenau 
in  seinem  Bericht  ganz  beiläufig  aus  eigenem  Antriebe  folgende 
^rwähnung: 

> Vermöge  eines  Churfürstlichen  Mandats  zu  München  ist 
übrigens  eine  gewisse  Gesellschaft  von  Frey  Maurern  oder 
Illuminaten  aufgehoben,  Ihre  CoUecten  Gossen  confiscabel  ge- 
machet auch  der  Staatsrath  von  Costell,  der  sich  viele  Tonnen 
Goldes  durch  Dienst  Verkaufungon  und  andere  Wegs  erworben 
hat,  zur  Ruhe  versetzt  worden,  —  — 

"  Aus  der  ganzen  Fassung  und  der  Verbindung  mit  anderen 
Dingen  geht  deutlich  hervor,  wie  unwichtig  Schwarzenau  am 
10.  März  1785  noch  die  Illumiiialenangelegenheit  hält.  Aus  dem 
nächsten  Berichte,  der  die  Illuminaten  erwähnt,  datiert  Regens- 
bui^:,  den  22.  August  1785,  gewinnt  man  auch  keinen  andern 
Eindruck.    Derselbe  lautet  in  der  interessierenden  Stelle: 

|p  Die  Aufstellung  eines  eigenen  Päbstlichen  Legaten  zu 
München  mit  uneingeschränkter  \'olhnacht  verursacht  nicht 
weniger  grosses  Aufsehen  unter  den  Teutschen  Bischöffen. 
Warum  der  Münchener  Hof,  der  doch  deren  sogenannten 
Illuminaten  dermalen  ungemein  stark  zusetzet  und  sonderbare 
Entdeckungen  gemacht  hoben  soll,  seine  Landesherrlichen  Rechte 
in  Geistlichen  Sachen  aufopfei-n  will,  solches  ist  ganz  unbe- 
greiflich und  allein  aus  dem  Einfluss  des  Pater  Frank  auf  die 
Handlungen  des  Churfürslen   von  Pfalzbayern  erklärbar    —   — 

Der  König,  der  augenscheinlich  gar  kein  Interesse  hat,  die 
sonderbaren    Entdeckungen     kennen    zu     lernen,    gibt    seinem 


—     172     — 


Gesandten  gör  keinerlei  diesbezügliche  Befehle  und  Schwarzenau 
fährt  daher  in  kurzen  charakteristischen  Sätzen  aus  eigenem 
Antriebe  fort,  zu  berichteiK  Zum  Beweise  der  Passivität  Fried- 
rich des  Grossen  in  der  ganzen  lllurainatenangelegenheit  lass« 
ich  Schwarzenaus  Berichte  in  den  interessierenden  Stellen  hier 
folgen. 

d.  25.  Aug.  1785, 
Zu   München    dauern    die  VertV:)lgungen    der    sogenannten 
llluminaten  fort  und  machen,  dass  man  an  grössere  Geschäfte 
gar  nicht  denkt.  —  — 

d.  29.  Aug.  1785. 
Zu  München  kommt  die  Beschickung  des  Russischen  Hofes 
wieder  aufs  Tapet  und  dürfte  noch  diese  Stelle  am  Ende  dem 
hiesigen    Pfalz    Bayrischen    Minister,    Grafen    Lerchenfeld»    der 
solche  dringend   suchet,    hier  aber   in  weniger  Achtung  stehet» 
zu  Theil   w^erden.     Die  Politique   scheint   weniger  Einfluss  auf 
diese  Ernennung  zu  hoben,  sondern  es  mag  das  Absehen  dahia 
gerichtet  seyn,  einen  jungen  Grafen  von  Sinzheim,  der  als  das 
Haupt  der  llluminaten  Parthey   angesehen   wird,   ob  er  gleich 
solche  abgeschworen   hat,  von   München    hinweg   und   auf  deaJ 
hiesigen  Comitial  Posten  zu  schieben,   wie  denn  jelzto  alle  Be- 
schäftigung   des   Münchener   Hofes    allein   die   Ausrottung   der 
llluminaten   zum   Gegenstände  haben,   worüber  das  subLiL  A^ 
beyhegende  neueste  churfürstlichc  Rescript  einen  näheren  Auf- 
schi uss  giebt 

d.  8.  Sept  1785 
Der  von  München  so  eben  zurückgekommene  Hannoversch 
Minister   hat  ausser   einer    eckelhaften  Verfolgungs   Geschichte 
der  sogenannten  llluminaten  keine  Entdeckungen  von  Erheblich- 
keit daselbst  gemacht. 

d.  12.  Sept  1785. 

Der  Churfüi^t  von  Pfalz  Bayern  ist   wirklich  zu   sehr  mi|l 
Verfolgung   der    sogenannten    llluminaten    und    andern   Neben- 
dingen beschäftigt,  als  dass  Er  an  Politischen  Angelegenheiten 
Anteil  nehmen  könnte.  - — ^  ^^  — 


1 


j 


Es  wird  w^oh!  unmöglich  sein,  aus  den  angeführten  Be- 
richten herauszufinden,  dass  diesen  ein  Betehl  des  Königs  zu- 
grunde liegt;  damit  fällt  jedoch  eine  solche  Behauptung  in  nicht 


—     178     — 

isammen  und  es  wnrd  zur  Gewissheit,  dass  Friedrich  der  Grosse 
kich  nicht  im  mindesten  vorher  um  die  llluminaten  gekümmertt 
dass  er  deren  Existenz  vielleicht  kaum  kannte. 

Auch  die  Behauptung,  Marquis  Constanze  sei  wegen  illu- 
minatischer  Umtriebe  beobachtet  und  dann  deswegen  aus  Berlin 
ausgewiesen  worden,  ist  falsch,  der  Beweis  hierfür  liegt  eben- 
falls in  einem  Bericht  des  Gesandten  v.  Schwarzenau. 

Die  Berichte  des  Gesandten,  in  denen  er  von  dem  Illu- 
minatenorden spricht,  berühren  natürlich  auch  die  Auslausch- 
angelegenheit.  Sie  weifen  ein  helles  Licht  auf  die  damaligen 
Verhaltnisse  und  verdienen  daher  ganz  besonderes  Interesse. 
Schwarzenau  schreibt  am  26.  Sept.  1785: 


Nachdem  der  ,,Cuner  du  bas  Rhin*',  auch  die  Leidener  und 
Cölner  französische  Zeitungen,  die  von  dem  Geheimen  Legations 
Rath  von  Böhmer  an  verschiedenen  Teutschen  Höfen  angebrachte 
vortreflFliclie  Erklärung  der  Ursachen  öffentlich  bekannt  gemacht 
hat,  auch  hiesiger  Orten  jederman  das  dringendste  Verlangen 
bezeiget,  solche  in  ihrem  ganzen  Umfang  habhaft  zu  werden; 
^^  habe  in  allergehorsamster  Beantwortung  des  allei^nädigsten 
^^escripti  d*  13.  Sept.  und  zweyer  erhaltenen  unmittelbaren  aller- 
huldreichsten  Depeschen  von  dem  nelimlichen  Dato,  wie  auch 
ISten  curr  um  nur  einer  angedrohten  im  Werke  gewesenen 
unäcliten  Teutschen  Übersetzung  auszuweichen  und  solche 
hinterstellig  zu  machen,  mich  nicht  länger  erwehren  können, 
dieselbe  herauszugeben,  wo  sie  dann  von  den  hiesigen  Colpor- 
teurs  sogleich  nachgedruckt,  allenthalben  verbreitet  und  mit 
der  grössten  Begierde  und  Wohlgefallen  aufgenommen  worden. 
Wenn  jemals  eine  Slaatsschrift,  hauptsächlich  aber  in  Bayern 
Aufsehen  erwecket  hat,  so  ist  es  gewiss! ig  diese,  weil  darinnen 
der  Stiefvälerliche  Vorsatz  des  Chuifürslen,  Seine  Lande  gegen 
geringfügige  Staaten  umzutauschen  und  sich  mit  dem  Titel  eines 
Königs  ohne  Geld  und  Kriegs  Völker  zu  begnügen,  an  das 
Tages  Licht  gestellet  wird,  wodurch  dann  die  Unlerthanen  der- 
^Restalten  in  den  Harnisch  gebracht  worden,  dass  sie  fast  schwierig 
^KU  werden  beginnen  und  die  bedrohlichsten  Reden  ausstossen, 
Hpb  man  zwar  zu  München  sich  alle  Mühe  giebt,  durch  die  Ver^ 
lolgung  der  sogenannten  Illumtnoten  dem  aufgebrachten  Volke 
andere  Gegenstände  vor  die  Äugen  zu  mahlen.  Die  Bedrängnisse 
und  der  Geldmangel  sind  auch  daselbsten  so  gross,  dass  gegen- 
wärtig nicht  einmal  die  Besoldungen  ausgezahll  werden  können 


—     174     — 


und  der  Chuifürst,  welcher  anheute  hierdurch  nach  Sulzbtich 
und  andere  Ortschaften  reiset,  sich  in  die  Notwendigkeit  ver- 
setzt  gesehen  hat,  bey  seinen  Pfälzischen  Gassen  Unterstützung 
zu  suchen.  Von  den  angeblich  eifrigsten  Illuminaten  ist  der 
Graf  Savioli  sammt  dem  Grafen  Constanza  mit  sehr  massigen 
Pensionen  noch  Italien  verw^iesen,  der  Hoffiscal  und  Cammerraüi 
Zwackh  als  Regieruogsrath  nach  Landshut  versetzet  und  ein 
Ungarisch  Österreichischer  Avant urier  nahmens  Graf  ä  Ponte 
Leone,  der  weder  Illuminat,  noch  Zweybrückischer  Spion,  wie 
ihm  beygemessen  wird,  seyn  mag,  nach  durchsuchten  Brief- 
schaften aus  dem  Lande  bereits  verwiesen  worden,  ohne  was 
noch  von  dem  Schicksal  mehrerer  anderer  zü  erwähnen  sein 
nnöchte.  — 

Zu  diesem  Briefe  ist  zu  erörtern,  dass  Friedrich  der  Grosse, 
um  den  Austausch  Bayerns  an  Österreich  unmöglich  zu  machen, 
in  einer  Erklärung  alle  Gründe  zusammenfasste,  die  ihn  ver- 
anlassen, sich  dem  beübsichligten  Tausch  entgegenzusetzen. 
Dieses  Schriftstück,  dotiert  vom  23.  August  1785,  Berlin,  wurde 
gedruckt  allen  Höfen  zugesandt  und  trägt  den  Titel: 

Ministerial  Aeusserung  des  Königlich  Preussischen  bevoll- 
mächtigten  Ministers  bey  den  General  Staaten,  Herrn  von  Thale- 
meyer,  die  nähere  Verbindung  der  drey  Chur-Höfe  betrefTend. 

In  demselben  wird  nach  Darlegung  aller  Gründe  die  Mit- 
teilung gegeben,  dass  der  Konig  als  Kurfürst  von  Bi-andenbuig 
sich  mit  dem  Churfürsten  von  Sachsen  und  Braunschweig-Lüne- 
bui'g  verbündet  habe,  ein  Unionslraktrat  geschlossen  und  unter- J 
zeichnet  worden  ist,  um  die  Hendhobung  des  gesetzmassigen 
Systems  in  Deutschland,  namentlich  der  im  Teschener  Frieden 
festgelegten  Bestimmungen  zu  sichern,  durch  die  alle  Staaten 
des  Pfalz  Bayrisclien  Hauses  mit  einem  ewigen  und  unverausser- J 
liclien  Fideicommiss  belegt  worden  waren.  ■ 

Auf  diese  Erklärung  spielt  der  Gesandte  an,  die  von  ihm 
verursachte  Ausgabe  ist  inhaltlich  ganz  gleichlautend  mit  der 
Ministerial-Aeusserung  und  trägt  den  Titel:  M 

Erklärung  der  Ursachen,  welche  Sr.  Königliche  Majestät 
von  Preussen  bewogen  haben,  Ihren  hohen  Mitständen  des 
Teutschen  Heiches  eine  Association  zur  Erhaltung  des  Reichs- 
Systems  anzutragen,  und  mit  einigen  derselben  zu  schliessen. 


—     175     — 


Die  Druckschrift  trägt  zum  Schluss  das  Datum  Berlin,  im 
Augustmoimlh  des  Jahres  1785.  Es  wird  darin  gesagt,  dass  der 
lönig  im  Jänner  dieses  Jahres  von  dem  Herzoge  von  Zwey- 
brücken  vernahm,  dass  der  K.  K,  Hof  diesem  Fürsten  durch 
den  Russisch  Kais.  Gesandten  Grafen  von  Romanzow  den  vor- 
her schon  in  München  durch  den  Gesandten  von  Lehrbach  er- 
gangenen sonderbaren  Antrag  tliun  Hess,  das  Haus  Pfalz-Bayern, 
dem  Hause  Österreich  ganz  Ober-  und  Nieder-Bayern,  die  Ober* 
Pfalz,  die  Landgrafenschaft  Leuchtenberg  und  die  Herzogthümer 
leuburg  und  Sulzbach  gänzlich  abzutreten,  dagegen  des  Kaysers 
lajestät  dem  Hause  Pfalz  Ihre  Niederlande,  mit  denen  von  der 
Republik  Holland  zu  ei'wartenden  Vorteilen,  jedoch  mit  Aus- 
schluss des  Herzogthums  Luxemburg  und  der  Grafschaft  Namur, 
unter  dem  Titel  des  Königreichs  Burgund  abtreten  und  dem 
Churiursten  und  Herzoge  annoch  3  Millionen  Gulden  zu  ge- 
fälligen, allenfalls  vergnügenden  Gebrauch  auszahlen,  sich  aber 
alle  Artillerie  und  alle  National  Truppen,  sowohl  von  den  Nieder- 
landen als  von  Bayern  und  zugleich  das  Recht  in  den  Nieder- 
landen nach  Gutbefinden  Geld  negociiren  zu  können,  vorbehalten 
wollten.  — 

I  Dieser  Handel  sollte  ev.  ohne  Einwilligung  des  Herzogs,*) 
näa  man  die  des  Kurfürsten  bereits  besass,  sogar  gegen  dessen 
Willen  abgeschlossen  werden,  man  erwarte  daher  innerhalb 
8  Tagen  seine  (des  Herzogs)  feste  Entschliessung,  Derselbe  er- 
klärte rund  heraus,  dass  er  nie  in  einem  seinen  Hause  so  nach- 
^teiligen  Handel  einwilligen  und  nie  seine  altväterliche  Erblande 
reilauschen  würde  Er  gab  Mitte  Januar  dem  Könige  von 
Preussen  daher  Nachricht,  als  seinem  Freunde  und  Urheber 
des  Teschener  Friedens,  und  verlangte  dessen  Beistand  gegen 
dieses  Projekt,  der  ihm  dann  aucli  sogleich  ausreichend  wurde, 
wie  in  dem  genannten  Schriftstücke  ausführlich  klargelegt  ist 
Durch  diese  Urkunden  wird  bewiesen,  dass  Friedrich  der 
Grosse,  der  im  Januar  1785  vom  Herzoge  von  Zweibrücken  die 
Tauschangelegenheit  vernahm,  bis  zum  10.  März  1785  Jedoch 
in  keiner  Weise  von  seinem  Regensburger  Gesandten  über  die 
Illuminaten  irgendwie  unterrichtet  worden  ist,  nicht  in  der  Zeit, 
als  der  Antrag  des  Kaisers  zum  Austausch  Bayerns  gegen  die 


•)  Es  ist  der  Herzog  Max  Joseph  von  Zweibrücken,  der  Nachfolger  Karl 
Theodors  gemeint.  MU  letzlerem  starb  die  bisherige  regierende  Linie  aus  und 
die  Regierung  ging  an  das  Haus  Zweibrickea  Ober. 


—     176     — 


Niederlande  geschah,  eine  warnende  Botschaft  im  Januar  1765 
nach  München  der  Illuminaten  wegen  richten  konnte.  Die  Daten 
stehen  im  schreiendsten  Widerspruch. 

Noch  unzweifelhafter  und  beweiskräftig  für  die  Verdrehung 
der  Tatsachen  wird  die  Nichlbeteiligung  des  Königs  an  der 
Illuminatenverfolgung  durch  die  weiteren  im  Preussischen 
Staatsarchive  liegenden  Dokumente.  Der  Befehl  des  Königs, 
den  Verhältnissen,  zwar  nicht  des  Ordens,  sondern  der  Ver- 
folgungsgründe nachzuforschen,  ist  vorhanden,  jedoch  nicht 
vom  März  1784,  wie  Zschokke  behauptet,  welches  Datum  nur 
angegeben  scheint,  um  eine  Grundursache  für  die  Verfolgung 
zu  erkünsteln,  sondern  vom  8.  Nov.  1785,  eine  Zeit,  in  der  die 
Verfolgung  schon  mit  einer  bedenklichen  Willkür  ausgeführt 
w^urde.  Die  Veranlassung  dieses  Königlichen  Befehles  ist 
folgende: 

Am  3.  Oktober  1785  giebt  der  Gesandte  v.  Schwarzenau 
einen  Bericht  mit  schweren  Beschuldigungen  gegen  den  Chur- 
türsten,  derselbe  lautet: 

Der  Churfürst  von  Pfalz  Bayern  ist  zw^ar  noch  nicht  ab-' 
gereist,  allein  seine  Entfernung  aus  der  Hauptstadt  und  wohl 
aus  dem  Lande  selbst,  soll  nichts  weniger  als  eingestellt  seyn. 
Die  Verfolgung  der  Illuminaten  scheint  ein  blosses  Spiel  zu  se)D,  i 
um  einige  angesehene  Familien  zum  Missvergnügen  zu  reitzen, 
und  die  geschicktesten  Männer  aus  Ihren  Stellen  zu  vei'drängen* 
Der  Hauptumstand  aber,  der  die  grösste  Aufmerksamkeit  ver-l 
dient  ist,  dass  die  Churfürstlich  Bayrische  Gassen  zu  zalen  auf- 
geholt haben,  indem  der  Churfürst  für  guibefunden  hat,  den 
ganzen  Gassen  Vorrath  des  verflossenen  Quartals  zu  sich  zu 
nehmen.  Die  Vorstellungen,  so  der  Finanz-Minister  Graf  Thörring- 
Seefeld  und  der  Geheime  Heferendar  Stübener  auch  dagegen 
gemacht,  haben  nichts  gefruchtet  und  die  Beyliülfe  der  Pfälzischen 
Gassen  ist  ausgeblieben*  Indessen  ist  die  Ghatulle  des  Chur- ■ 
fürsten  sehr  gut  bestellt.  Man  spricht  von  ungeheuren  Summen, 
so  derselbe  in  die  Banque  zu  Wien,  in  den  Niederlanden  und 
der  Banque  zu  Venedig  niedergelegt  haben  soll;  und  noch  täg- 
lich gehen  ansehnliche  Geldremessen  aus  dem  Lande.  Man  halt 
dafür,  auch  dieses  seye  ein  verdecktes  Spiel  des  abwesenden 
Land  Chomthurs,  welcher  ob  er  gleich  die  heranwachsende  Un- 
gnade des  Kaysers  fühlt,  in  Vereinigung  mit  dem  Ghurfürsten 
einen  Schritt  der  Veraweiflung  wagt  um  wo  möglich  die  trotzigen, 


—     177     — 

inbändi^en  und  äusserst  missvergnügleri  Beyern  zu  einem  Auf- 
stand zu  bewegen,  wonach  es  dem  Knyser  ein  leiclites  seyn 
dürfte,  unlerm  Vorwande  des  Landfriedens,  der  öftentlichen 
Ruhe  und  der  guten  Nachbarsctiaft,  das  Land  Bayern  mit  seinen 
'Iruppen  zu  besetzen, 

P         Merkwürdig  ist   es    nicht    weniger,    dass  das   Münchener 

Gouvernement,  dessen  Verfügungen  ebenfalls  vom  Land  Comthur 

geleitet  werden,  die  diesseitige  Erkhirung  der  Ursachen,  welclie 

las  reine  factum  des  vorhergewesenen  Umtausches  von  Boyern 

Inihält,   in  die   ofl'entliche  Münchener  Zeitung  hat   setzen   und 

dadurch    dem    ganzen    Lande    bekannt    machen    lassen.     Auch 

^dieses   sehen    einige  für  einen  Kunstgriff  zur  Beförderung  der 

^pievolution.   Dem  seys  nun  wie  ihm  w^olle,  die  angezeigten  That- 

^Bachen    haben  ihre  Richtigkeit;   ob  die  darauf  gebauten  Mutb* 

massungen   auch  gegründet  sind,   muss  die  Zeit  lehren. 

B         Nach  Erhalt  dieses  Berichtes  erregt  die  Verfolgung,  aber 
nicht  der  Illuminatenorden,  des  Königs  Interesse  und  er  schreibt 
^^n  franzosischer  Sprache  aus  Berlin  am  8,  Nov.  1785: 


On  m*6crit  de  plusieurs  en* 
droits,  qu'il  y'a  un  desordre 
g^nöral  en  ßavicre,  et  que 
TKIecteur  et  le  Sr,  de  Lehr- 
hach  persecutent  sous  le  nom 
des  Uluminös  proprement  les 
patriütes  Bavorois,  pour  porter 
|a  Nation  ii  une  rövolte,  afin- 
jue  l'Empereur  ait  un  pro- 
*xte  de  s'enmeler  et  de  s6- 
questrer  la  Baviere;  mais  i! 
me  semble  qu'un  parti  aussi 
violent  ne  quadre  pas  avec  la 
caractöre  timide  de  TElecteun 

rjuoiqu'il  en  soit  vous  prö- 
terez  votre  attention  parti- 
culiöre  a  cet  objet/et  vous 
conseillerez  aux  patriotes  Ba- 
ivarois  avec  lesquels  vous 
Mes  en  liaison  et  sourtout  ä  la 
)uchesse   Clementioe   d'öviter 

EofeU  G««e1iicbt«  dea  IllumiiuttDord«!!. 


Man  schreibt  mir  von  ver* 
schiedenen  Seilen,  dass  in 
Ba  yer n  a  1  Ige  me  i  n  e  U  n  ru  Ii  e 
herr-schl  und  dass  der  Chur- 
fürst  und  der  Fr,  v.  Lehrbach 
unter  dem  Namen  der  Illu- 
minaten  eigentlich  die  Bay- 
rischen Patrioten  verfolgen,  um 
das  Volk  zur  Empörung  zu 
treiben,  damit  der  Kaiser  einen 
Vorwand  habe,  sich  darein  zu 
mischen  und  Baiern  zu  seque- 
strieren; aber  es  scheint  mir, 
dass  ein  so  gewaltsames  Mittel 
zu  dem  scliüchternen  Charac- 
ler  des  Churfürsten  nicht  passt. 
Wie  dem  auch  sei,  schenken 
Sie  diesem  Gegenstande  Ihre 
besondereAufmerksamkeit  und 
raten  Sie  den  bayrischen  Pa- 
trioten, mit  denen  Sie  in  Ver- 
ls 


178     — 


toule  exlremile  et  d'attendre 
pluLut  des  remedes  plus  sürs 
et  moins  dougereux  du  temps 
et  d*uoe  potience  ralsonnable. 


bindung  stehen  und  besonders 
der  Herzogin  Clementine,  das 
Äusserste  zu  vermeiden  und 
von  der  Zeit  und  einer  ver- 
nunftmössigen  Geduld  sicherere 
und  weniger  gefährliche  Mittel 
zu  erwarten. 


Schwnrzenau  beantwortet  diese  Depesche  des  Königs  eben- 
falls in  französischer  Sprache  und  in  Zahleo-ChifFreschrift.  Das 
mir  vorgelegte  <Jriginal  entluilt  über  den  Zahlen,  aus  denen  der 
ganze  Brief  besteht,  den  französischen  Wortlaut,  In  den  uns 
hier  interessierenden  Stellen  lautet  seine  Antwort  in  deutscher 
Sprache: 

—  —  —  Die  Unruhen,  welctie  in  München  herrschen,  sind 
noch  dieselben.  Dem  Anschein  nach  zu  urteilen,  sollte  man 
ghiuben,  dass  die  Verfolgung  der  llluminaten  das  Werk  der 
raffiniertesten  Politik  ist,  aber  seit  ich  an  Ort  und  Stelle  selbst 
zuverlässige  Ei-kundigungen  habe  einziehen  lassen,  habe  ich 
Grund  zu  glauben,  dass  es  ein  Zusammentreffen  zufälliger  Er- 
eignisse ist,  die  Jeder  zu  benützen  strebt,  um  seine  persönlichen 
Rachegelüste  zu  befriedigen  und  dass  die  Politik  dabei  wenig 
ins  Spiel  kommt.  Doch  beliaupten  Einige,  dass  der  Kaiser, 
der  sich  für  seine  Angelegenheiten  in  Bussland  der  Jesuiten 
bedient,  ihnen  die  llluminaten  in  Bayern  preisgegeben  hat,  ob* 
wohl  sie  in  seinen  Staaten  geschützt  sind. 

Übrigens  ist  es  sehr  natürlich,  dass  eine  Sekte,  welche  der 
katholischen  BeUgion  den  Todesstoss  geben  wollte,  von  denen, 
welche  sich  zu  diesem  alten  Kultus  bekennen,  verabscheut 
werden;  es  ist  nicht  minder  wahr,  dass  der  Kommandeur 
V.  Lehrboch  alles  tut,  um  das  bayrische  \'olk  in  den  Augen 
des  Kurfürsten  verächtlich  zu  machen,  um  ilin  dahin  zu  bringen, 
dass  er  seine  schriftliche  Einwilligung  zum  Austausch  gebe  und 
mit  dem  Wiener  Hofe  gemeinsame  Sache  gegen  die  Verbindung  l 
(contre  l'association)  mache.  Augenblicklich  scheint  es  nicht 
zur  F^mporung  zu  kommen,  aber  ich  würde  für  die  Zukunft 
nicht  einzustehen  wagen.  Die  Gerüchte'  über  den  Austausch 
dauci*n  fort  und  der  Kurfürst  trifft  keine  direkten  Massregeln, 
um  ihnen  zu  widersprechen. 


In    den    weiteren    Berichten    des    Gesandten    werden    im 


179 


29.  J 


an. 


^ 


I 


Jahre  1785  nur  om  10.  u,  17.  Oklob,,  im  Jahre  1787  am 
und  9.  April  die  llluminaten  noch  einmal  erwähnt,  ohne  dass 
der  König  jemals  nach  dem  Orden  gefragt  hätte.  —  Es  ist 
klar  ersichtlich,  das  Interesse  desselben  richtete  sich  über- 
haupt nicht,  weder  im  Guten  noch  Bösen  auf  den  Orden  und 
alle  derartigen  Behauptungen  sind  in  das  Reich  der  Legende 
zu  venveisen.  Damit  fällt  aber  auch  jede  Möglichkeit,  dass  die 
Herzogin  Maria  Anna  in  der  bisher  behaupteten  Weise  Anteil 
an  der  Verfolgung  iiabe.  Gewarnt  worden  vom  Konige  ist  sie 
nicht,  eine  Vernehmung  Utzschneiders  auf  Grund  der  Warnung 
ist  demnach  ausgeschlossen.  Hat  seine  \'ernehmung  staU- 
gefunden,  denn  erwiesen  ist  sie  nicht  und  Utzschneider  gibt 
in  seinen  Schriften  nichts  derartiges  zu,  so  hatte  sie  sicherlich 
eine  ganz  andere  \'eranlassung\  und  dürfte  kaum  den  Tat- 
sachen eines  offenbaren  Verrates  entsprechen,  wie  des  Öfteren 
betont  wird.  Eine  vollkommene  Aussöhnung  zwischen  Utz- 
schneider und  Weishaupt*),  dem  Gründer  des  Ordens,  die  in 
späteren  Jahren  trotz  aller  gegenseitigen  Befeindungen  stattfand, 
ei'scheint  unter  Berücksichtigung  der  Charaktere  beider  Manner 
doch  nur  möglicli,  wenn  Irrtümer  und  Missverstiindnisse  vor- 
lagen^  welche  später  als  solche  erkannt  wurden,  nicht  jedoch 
Treubruch  und  Verrat. 

Ebenfalls  steht  die  Behauptung,  Graf  Constanzo  habe  von 
Utzschneider  die  Hei'ausgabe  einiger  Briefe  des  Königs  an  die 
Herzogin  gefordert,  auf  recht  scliwachen  Füssen.  Sollte  es  selbst 
geschehen  sein,  denn  für  das  Ja  oder  Nein  finden  sich  keine 
unantastbaren  Beweise,  Utzschneider  selbst  hat  diese  Behaup- 
tung niemals  zugegeben,  so  ist  dadurch  aber  keinesfalls  ein  Faden 
nach  Berlin  gezogen  worden,  um  Constanzo  zu  beobachten. 

Der  Graf  reiste  nach  Berlin  und  wurde  alsbald  dort  vom 
Könige  ausgewiesen.  Das  ist  Tatsache-  Das  Warum  der  Aus- 
weisung hat  viel  Kopfzerbrechen  verursacht,  denn  nach  üblicher 
Annahme  ist  in  Constanzo  der  gefährliche  lüuminat  ausgewiesen 
worden. 

Schon  der  Churfürst  Karl  Theodor  interessierte  sich  sehr 
über  das  Warum  und  liess  Constanzo  über  die  Gründe  des- 
selben vernehmen,  ohne  befriedigenden  Aufschluss  zu  erhalten. 


*)  Die  Be'w'ei&e  hierffir,  Briefe  WeishauplB  an  Utzachneidei%  Hegen  im 
Schriflensaal  des  Mürichener  Archivs  uriJ  wurden  von  Eduard  w  W'eUhaupt 
demselben  übergeben.    Siehe  das  Kapitel:  Wei^haupts  letzte  Jahre. 

t  ir 


—     180     — 

Die  Gründe,  die  der  Graf  selbst  angiebt,  kiingen  geradezu  lachen 
lieh  und  beweisen  nur,  dass  es  ihm  darum  zu  tan  war,  die  Ur- 
sachen zu  verschleiern.  In  seiner  Aussage*)  giebt  er  an,  er  sei 
nach  Berlin  gereist,  um  für  die  Freimaurerloge  .Theodor  vom 
guten  Rath^\  der  er  angehörte,  die  Befreiung  von  einer  Kopf- 
steuer von  3  fi.,  welche  nach  Berlin  zu  entrichten  war,  zu  er- 
halten und  Maurerische  Kenntnisse,  die  die  MuUerloge  Royal 
York  versprochen  hatte.  Er  sagt  dann  wörtlich:  dessen  zu  Folge 
veriugte  ich  mich  dahin,  nachdem  ich  vorhero  der  Loge  von 
Berlin  von  den  erhaUenen  Aufträgen  Nachricht  gegeben  hatte. 
Kaum  war  ich  aber  zu  Berlin,  so  erhielt  ich  den  Königlichen 
Befehh  Berlin  zu  verlassen.  Die  Ursache  weiss  ich  selbst  nicht, 
sie  mag  aber  wohl  die  gewesen  seyn,  dass  die  Loge  von  Berlin 
selbst  nicht  gern  eine  jährliche  beträchtliche  Einkunft,  die  sie 
von  der  unsiigen  zog,  verlieren  wollte,  und  dass  sie  selbst  diesen 
Befehl  bewirkte. 

Der  König  selbst  in  dem  Brief,  den  Höchstderselbe  zur 
Rückontworl  an  den  Grafen  von  Seeleld  schrieben,  gab  keine 
Ursache  an,  und  sagte,  dass  dieses  meiner  Ehre  auf  keine  Weis© 
nachteilig  sein  sollte. 

Diesen  königlichen  Brief  hat  der  Herr  Graf  von  TörringSee 
feld  noch  in  Händen  und  kann  von  ihm  begehrt  werden. 

Die  Annahme,  dass  Friedrich  der  Grosse  aus  Gefälligkeit 
für  die  Loge  einen  Ausweisungsbefehl  hatte  ei^ehen  lassen^ 
kann  nur  ganz  naiven  Gemütern  glaubhaft  erscheinen,  der 
Grund  mussein  triftigerer,  weniger  willküi'licher  sein,  mag  aber 
sonst  der  Ehre  des  Grafen,  wie  angegeben,  keineswegs  nach- 
teilig werden.  Er  muss  auch  eine  politische  Ursache  haben, 
denn  in   persönlichen  Angelegenlieiten  war  der  König  tolerant. 

In  dem  schon  angefülirten  Bericht  des  Freiherrn  v.  Schwär- 
zenau  vom  10,  Oktob.  1785  findet  sich  ein  Hinweis,  der  diese 
Angelegenheit  klaren  dürfte,  es  heisst  da: 

Ausser  den  bereits  angezeigten  Exilirten  ist  noch  vor  kur 
zem  ein  junger  Mann,  Namens  März,  der  unter  der  Direction 
des  verstorbenen  Chur-Mainzischen  Gesandten  von  Hausser  die 
Doiiauwörther  Sache  zum  \'orteil  des  Bayrischen  Hauses  ne- 
gociret,  und  indessen  die  Consta nzischen  Absichten  auf  die 
Coadjution  des  Bisthums  Regensborg  befördeii  hatte,  aus  den 
Bavrischen  Landen  verwiesen  worden. 


I 
I 


*)  Gedruckt  in  »Apologie  der  niummaten,*  FronkfUrlh  und  Leipzig  1786. 


—     181     — 


Diese  Coiistanzischen  Absichten   der   Coodjution   des   Bis* 
lums  Regensburg,  Regensburg  war  damals  der  Sitz  des  Heichs- 
tages,  dürften  denen  des  Königs  entgegengesetzt  gewesen  sein. 
Er  liess  daher  den  Grafen,  von  dem  er  vermuten  durfte,  dass 
er    unter     dem    Deckmantel    harmloser    Logenangelegenheilen 
Stimmung  für  seine   Absichten    zu    machen    versuchen    würde, 
pn    bekannter   Fritzischer   Kürze    ausweisen,     Constanzo    hatte 
^natürlich  keine  Veranlassung,  diesen  geheimen  Grund,  der  mog- 
.  licherweise    Verwickelungen     auch     in     München     hervorrufen 
connte,  anzugeben.     Vielleiclit    interessiert  es  andere  Forscher 
se   Spur   nach   genauer  zu   verfolgen,    in   der  jedenfalls   der 
tlüssel  zu  der  sonderbaren  Ausweisung  zu   finden  ist,  sonst 
lätte  der  Gesandte  diese  so  harmlos  klingende  Meldung  nicht 
erst  besonders  dem  Könige  mitgeteilt. 

PGar  keinesfalls  ist  Constanzo  mit  dem  Austausch projekt 
In  Verbindung  zu  bringen,  das  im  Jahre  1785  erst  im  Januar 
Friedrich  den  Grossen  zu  besonderen  Schritten  veranlasste,  weil 
Constanzo  nach  der  Zwackhschen  Originalgeschichte  (siehe  §  12 
und  13)  höchstens  aus  den  übereinstimmend  angegebenen  Logen- 
gründen im  Jahre  1780,  als  er  Knigge  aufnahm,  in  Berlin  ge- 
wesen sein  kann  und  jedenfalls  vor  dem  ersten  Verbot  vom 
k22.  Juni  1784. 

H  Um  nun  aber  jedweder  Einrede,   als   habe  Friedrich    der 

HGrosse  doch  vielleicht  irgendwelchen  Einfluss  auf  die  Verfolgung 
Vder  Illuminaten  gehabt,  entgegenzutreten,  sei   noch  ein  Bericht 
^Chalgrins  nach  Paris  mitgeteilt.    Dieser  gibt  auch  der  Herzogin 
Maria  Anna  von  Bayern  in  dieser  Angelegenheit  den  richtigen 
Platz. 

^In  München  waren  Montezan  und  Chalgrin  wahrend  der 
"erfolgungsjahre  Vertreter  der  französischen  Regierung,  Ersterer 
neigte  zur  Verteidigung  der  Illuminaten,  letzterer  zu  deren  An- 
klage. Am  2.  März  1784  sendet  Chalgrin  einen  Bericht  nach 
Paris,  der  im  Archives  des  Affaires  Etrangeres,  Ba^it'^re  T.  169. 
p,  80  bewahrt  ist*)  und  eine  Schilderung  der  lUuminaten-Frei 
maurer  enthält.     Er  erzählt   nun   in   diesem   Bericht,    natürlich 

kin  französischer  Sprache,  folgendes: 
tSo    vorsichtig    auch    die  Vorbereitungen    waren,    welche 
diese  Gesellschaft  vornahm,    um    ihr  Geheimnis  zu  bewahren» 


•)  Alle  diese  Dokumente  befinden  sieh  in  AbschHft  in  meinem  Besitz. 


—     1S2     — 

•so  war  es  doch  unmöglich,  dass  nicht  auch  Einzelheiten  in  das 
.Publikum  drangen,  oder  dass  sie  durch  austretende  Brüder 
(Fnäres  ömigrants)  verraten  wurden. 

Und  dies  geschah.  Einer  (!)  davon  enthüllte  sie  der  Her- 
zogin von  Bayern  und  übermittelte  ihr  zugleich  einen  Auszug 
der  Statuten,  welche,  es  möchte  einem  Mühe  machen  es  zu 
glauben,  die  Grundlage  des  Systems  und  Intriguen  dieser  Gesell- 
schaft ausmachen.  Ich  gebe  mir  die  Ehre  Ilinen  beifolgend 
eine  Abschrift  der  Namen  der  Illuminalen,  erleuchtete  Brüder, 
zu  übersenden,  die  Hervorragendsten  sind  besonders  bemerkt. 

Die  Herzogin  von  Bayern  war  davon  eigentümlich  über- 
rascht, der  Inhalt  dieses  ungeheuerlichen  (monstreuse)  und  v€^ 
brecherischen  ScluMftstückes  schien  ihr  bedrohlich  für  die  Nach- 
kommenschaft des  Hauses  Palatin.  Sie  beeilte  sich  es  dem 
Herrn  Baron  von  Hertzberg  zu  übersenden  und  ihm  ihre  Auf- 
regung mitzuteilen;  um  seinen  Rat  zu  fragen,  welche  Mass- 
regeln wohl  die  geeignetesten  scheinen,  um  das  Aufkommen 
dieser  abscheulichen  (destetable)  Gesellschaft  zu  unterdrücken. 
Sie  werden,  mein  HeiT,  aus  der  Antwort  des  Baron  von  Hertz- 
berg an  die  Herzogin  von  Bayern  ersehen,  welcher  Art  dos 
Denken  dieses  Ministers  der  preussischen  Majestät  war,  bezüg- 
lich, des  Gegenstandes  über  welchen  ihn  die  Prinzessin  um  sein 
Gutachten  befragt  hatte.«  —  —  — 

Die  Antwort  Herizbergs,  datiert  vom  14.  Dezember  1783  ist 
in  fi-anzösischer  Sprache  gehalten  und  lautet  in  der  Übersetzung: 

Madame. 

Ich  antworte  ein  wenig  spät  auf  den  Brief,  welchen  Ew. 
Holieit  die  Gnade  hatten  mir  unter  dem  Datum  des  IL  October 
zu  schreiben,  weil  ich  ihn  erst  seit  einer  Keihe  von  Postlagen 
erhalten  habe,  Icli  übermittele  Ew.  Hoheit  meine  untertänigsten 
Danksagungen  für  das  merkwürdige  Aktenstück,  welches  sie  die 
Gnade  gehobt  hat  mir  mitzuteilen  und  von  dessen  Gegenstand 
man  hier  keine  Kenntnis,  keine  Vorstellung  der  Möglichkeit  hat. 
Ich  bekenne  aucli,  dass  icb  mich  auch  nicht  in  Gefahr  begeben 
kann,  wie  man  dort  findet,  und  dass,  zufolge  der  Denkungsart, 
an  welche  man  hier  gew^ohnt  ist,  man  dieses  wie  ein  Spiel  be- 
trachten würde  odei*  einen  ähnlichen  Zeitverheib,  Possen  so- 
weit, welche  die  frivolen  Leute  unseres  Jahrhunderts  beschöfligen. 


I 


—     183     — 


Indessen  kann  Ew.  Hoheit  überzeugt  sein,  dass  ich  ni*Vht 
fveifehien  werde,  alle  Aufmerksamkeit  dort  zu  leihen,  welche  ich 
muss  und  dass  ich  voll  Eifer  für  alles  bin,  was  von  Seiten 
E\v,  Hoheit  mir  zukommt.  Hertzberg. 

(Diese  Ablehnung  ist  so  deullicb,  dass  die  Behauptung 
Zschokkes  damit  gänzlich  in  Nichts  zerfüllt,  zumal  dieser  Brief 
beweist,  dass  nicht  Friedrich  der  Grosse  die  Herzogin  gewarnt 
haben  kann,  sondern  die  Sache  sich  gerade  umgekehrt  verhält. 
Die  Herzogin  warnte  den  Konig,  wurde  aber  abgewiesen,  w^eil 
dieser  die    geschilderten    Absichten    des   Ordens   als    ».Possen'' 

fonsah,  die  die  frivolen  Leute  jenes  Jalirhunderts  beschäftigten. 
Der  weilsichtige,  grosse  Friedrich  konnte  auch  über  das 
milgesendtc  Manuskript,  das  die  Herzogin  so  selir  beunruhigte, 
unmöglich  anders  urleilen.  Wir  legen  es  dem  Urleile  der  Leser 
wörtlich  so  vor,  wie  es  im  Pariser  Archiv  in  deutscher  Sprache*) 

»bewahrt  wird.  Deutlich  gelit  aus  diesem  Schrittstück  die  Ab- 
sicht zu  verleumden  hervor.  Die  Bemei'kung  Chalgrins,  dass 
„Einer''  die  Geheimnisse  des  Ordens  der  Herzogin  verraten 
hübe,  wird  durch  eine  Note  über  die  Herkunft  des  Manuskripts 
nnch  bestätigt,  denn  diese  sagt; 

On  tient  cette  piece  d'un  des  membres  des  III.  dont  les 
^Statuts  lui  fönt  hon*eur  et  ([ui  s'en  est  retirc.  — 

Es  lautet  nun  dieses  famose  Schriftstück,  dos  eigentlich 
[eine  Anklageschrift  ist,  wie  folgt: 

In  Bayern,  besonders  in  der  Stadt  München  ist  dermalen 
eine  so  betitelte  Frey- Maurer  Gesellschaft  so  sehr  eingerissen^ 
dass  man  selbe  bohl  als  sehr  gefälniicli  zej-streuen  dürfte. 

Man  wirbt  alles  an,  Reiche  und  Ar'me,  Adeliclie  und  Vn- 
ladeiiche,  Einsichtsvolle  und  von  wenigen  Verstandeskräften^ 
Alle  und  Junge,  doch  sucht  man  die  letzteren  am  meisten,  so- 
lange sie  der  Erziehung  und  Bildung  noch  fähig  sind.  Der  LGrud 
heisst  die  Minervalschule,  wo  Jünglinge  so  erzogen  werden,  dass 
sie  des  Ui'dens  Absichten  einst  auszuführen  taugen, 

Moralitüt  und  Menschenliebe  sind  ihi*  Deckmantel,  wie  hei 
der  Inquisition    die   Heügion,    Anhängigkeit   an    einen    Fürslen 


♦)  Das  Schriflslück  srheini  von  eiriem  Nichtkcntier  der  rleulschen  Spraelie 
abgesch riehen  xu  sein. 


184     — 


und  Vaterlandsliebe  sucht  man  gonz  ous  dem  Herzen  der  jungen 
Leute  zu  verdrangen.  Potriolisniusei'klärtmtin  für  ein  kindisches, 
der  Menschheit  höchst  schädliches  Hirngespinst  und  das  ist 
ein  Grundsatz,  Zweck  heiligt  die  Mittel.  Man  predigt,  dass 
der  Selbstmord  erlaubt  sey,  sobald  man  der  Menschheit  du- 
durcli  einen  Dienst  tliuen  kann.  Man  macht  überhaupt  die 
jungen  Leute  so  enthusiastisch  für  diese  Gesellschafl,  dass  nur 
derjenige  geliebt  ist,  der  Bruder  heisst,  und  dass  man  denjenigen 
atigemein  veifolgen  muss,  der  als  Bruder  wider  die  Einrichtung 
dieser  Gesellschaft  etwas  vornimmt.  Es  ist  ein  Grundsalz  der 
Oberen,  junge  Leute  und  Mitglieder  sollen  handeln  par  possion, 
nun  par  raison;  sie  sollen  thun,  was  der  Orden  ihnen  betiehlt 
ohne  zu  fragen  warum?  Der  erste  Grad  ist  sozusagen  die 
Prüfungsschule,  das  Noviziat»  wo  die  Candidaten  unterriclitet 
und  der  <Jrden  ihnen  als  die  einzige  Schule  der  Menschenliebe, 
als  die  Schule  der  Moralilfit  voi*gestellt,  so  dass  er  noch  und 
nach  an  das  System  und  die  Denkensart  des  Ordens  gewöhnt 
wird;  er  bleibt  so  lange  in  dieser  Schule,  bis  man  sich  ganz 
auf  ilm  verlassen  darf,  bis  er  ganz  dem  <  irden  zugehört.  Dann 
kommt  er  zum  IL,  IIL  und  IV.  Grad,  welche  eigentlich  nur  ein 
Gi^ad  sind,  wo  die  Brüder  einander  selbst  studieren,  dem  Orden 
ihre  Leidenscliaften  und  Fehler,  ihr  Gutes  und  Böses  verraten 
müssen,  denn  jedem  wird  aufgetragen,  seine  Brüder  nach 
Folgendem  zu  beurteilen  und  diese  Beurteilung  einzugestehen. 

1)  Gemütsart,  ist  er  wie  im  Grade  der  kleinen  Illuminaten- 
Versammlung  vorgeschrieben  ist  —  odei^  erfolglos:  bandelt 
er  gerade  aus,  oder  verstellt  er  sich  gern?  Gegen  wen? 
Interessiert  ihn  das  Schicksal  anderer?  oder  sorgt  er  nur 
lur  sich?  Arbeitet  er  gerne?  Ist  er  in  seinen  Handlungen 
rechtschaffen?  ISsst  er  sich  davon  abbringen?  Durch 
Drohungen,  Liebkosungen,  Gold,  Frauenzimmer, 
Ungnade,  Verfolgung,  Unglück,  Freundschaft,  Hass^ 
R achgier,  Versi> re ch e ii ,  Be fo rde r u nge n ,  w^a n n  er 
ungestraft  das  Gegenteil  thun  kann?  Ist  er  im 
Schmerz  geschwätzig,  wortreich,  oder  still  und 
stumm?  Ist  sein  Schmerz  lange  anhaltend?  Ist  er 
fröhlich  und  heiter? 

2)  Leydenschaften.  Hat  er  starke  Leydenschaften?  welcher 
ist  er  am  meisten  ergeben?  Kann  er  einem  gegenwärtigen, 
lebhaften,  peinlichen  Eindruck  widei^tehen?  Hat  er  einen 
Hang  zur  Schwermuth,  die  Leydenschaft  zum   Grunde 


—     185     — 

hat?  oder  ist  er  bloss  temperamentvoll?  Ist  er  geizig 
oder  zur  Verschwendung  geneigt?  und  zu  welcher 
Zeit?  Liebt  er  die  Jagd?  welche  Art  Jagd?  Hört  er 
gerne  von  Mordgeschichten? 

3)  Alter. 

4)  Name, 
Vaterland, 
Figur, 

Physiognomie, 
Haar, 
Stimme, 
Gang, 
Anstand, 
Gesundheit, 
Sprache, 
A^ortrag. 

Den    höheren    Illuminaten    sagt    man    meist    Fragen 
folgender  Art: 

a)  Wie  bey  den  Brüdern  wahre  Anhänglichkeit  an  den 
Orden  zu  bewirken  und  wie  es  dahin  zu  bringen  sey, 
dass  man  ihr  Vertrauen  ganz  gewinnen  kann. 

b)  Was  sich  jeder  Illuminat  zu  diesem  Ende  für  Brüder 
auswählen  würde,  so  dass  er  sich  von  selben  eine  wahre 
stete  Anhänglichkeit  und  Sympathie  ihrer  Herzen  ver- 
sprechen könnte,  wodurch  den  Minen^alen  der  Orden 
und  dessen  Absichten  interessant  und  er  von  der  Güte 
ganz  überzeugt  und  durchdrungen  werden  müsse? 

Ist  so  eine  Frage  der  Ruhe  eines  Staates 
nicht  gefährlich?  Ist  hier  nicht  ein  Eingriff  in 
die  höchsten  Rechte? 

c)  Wie  es  anzugehen ,  um  ein  allgemeines  Sittenregiment 
durch  ganz  Europa  aufzurichten?  Hat  man  dazu  allge- 
meine Revolutionen,  Kriege,  oder  nur  die  Erziehung 
dazu  nötig?  Wieviel  trägt  die  christliche  Religion  da- 
zu bey? 

Es  wird  auch  angemerkt,  dass  zu  den  künftigen 
Graden  nur  solche  Brüder  gewählt  werden,  die  Erbe  und 
Gut  für  den  Orden  hingeben,  und  dass  nur  welche 
taugen,  die  Geheimnisse  des  Ordens  fortzupflanzen. 

Aus  diesem  wenigen  wird  man  klar,  wie  schädlich 


—    186    — 


diese  Gesellschaft  einem   Staate  werden  kann,   und  k\ 
die  Frage,  ob  sie  es  für  Bayern  wirklich  ist. 

1)  Werden  junge  Leute  ohne  Religion,  ohne  Vaterlandsliebe, 
ohne  gute  Grundsätze  und  Sitten  gebildet,  denen  tyian 
predigt,  dass  der  Selbstmord  erlaubt  ist,  die  Religiun 
Dummheit  und  Vaterlandsliebe  ein  kindisches  Hirn- 
gespinst sey? 

Ibre  Aufführung  ist  Zeuge,  wie  schlecht  ihre  Sitten 
seyen. 

2)  Ist  ihr  Zusammenhang  so  klug,  dass  sie  morden  können 
ohne  entdeckt  zu  werden,  und  da  sich  der  Orden  düs 
Recht  des  Todes  wenigstens  stillschweigend  zu- 
eignet? 

Beweiset  die  Frage,  ob  der  Orden  das  Recht  habe, 
die  verrätherisehen  und  ungehorsamen  Brüder  mit  dem 
Tode  zu  strafen? 

Auch  die  Worte:  Einen  Verräther  zu  stürzen,  scill 
kein  grosser  Herr  im  Stande  seyn?  Desswegen  suchen  sie 
auch  alle  Apotlieker,  Medici  und  Hofmeister  an  sich  zu 
ziehen.  Und  was  thun  nicht  Menschen  ohne  Religion, 
Cosmoponten?  Ein  guter  Ereund  sagte,  dass  man  bey 
diesem  Ordei^  vergiften  könne,  so  dass  man  nach  und 
nach  an  dei'  Auszehrung  sterben  müsse. 

3)  Sammeln  sie  auch  Diplomata  und  Urkunden,  suchen  alle 

Archivari  auf,  locken  ihnen  manches  Stück  ab, 

dann  durch  Ingolstadt  an  Heri*n  Coblenzel  nach  Eich- 
städt  oder  gleich  direkt  mit  den  übrigen  Schriften 
an  Herrn  Sonnenfels  Üesterreichs  grossen  Patrioten  — 
Denn  Wien  ist  der  Hauptpltitz  für  die  hiesige  Loge. 

4)  Aus  Vorhergehendem  siebt  man  klai%  dass  doch  etwas 
gross  Politisches  mit  unterlauft,  welches  durch  folgendes 
noch  mehr  bestätigt  wird.  ■ 

Ein  Bruder,  der  grosse  Kenntnis  von  dem  Orden  hatte,* 
sagte  einem  anderen  Bruder:  dass  Oesterreich  einmal 
durch  diesen  Oi'deji  ganz  Deutsehland  an  sich  ziehen 
werde,  und  durcli  diesen  Orden  Naciiricht  aus  allen  _ 
Europäischen  Staaten  haben  könne.  | 

5)  DerOrdensbischof  in  München  sagte,  dass  Oesterreich  bei  dem 
Todesfälle  Carl  Theodors  ganz  ruijig  seyn  wird,  denn  Bayern 
bekäme  es  in  Zeit  von  20  Jaliren  ohnehin  gewiss,  indem 
während   dieser  Zeit   alle  grossen  Augen   zugehen  würden* 


—     187    — 

Der  (Jrden  örbeitet  wirklii'li  an  dem  einen,  Herrn 
Zwockh,  Hofrat  und  Fiscal  in  München,  seinen  eifrigsten 
Anhänger  nach  Zweybrücken  als  Informator  des  jungen 
Prinzen  zu  bringen. 

Also  kann  man  aus  diesem  schliessen,  dass  so  eine 
Gesellschaft  jedem  Staat,  besonders  aber  Bayern  und  seyner 
Successiou  höchst  gefährlich  sey. 


Wer  war  nun  der  Verfasser  dieses  Schriftstückes  und  der 
Erfinder  jenes  guten  Freundes,  der  da  sagte,  man  könne 
bei  diesem  Orden  vergiften,  so  dass  man  nach  und  nach  an 
^er  Auszehrung  sterben  müsse?  Hier  liegt  jedenfalls  die  Quelle 
fbn  dem  Märchen,  doss  der  Orden  nötigenfalls  mit  aqua  tofana 
arbeite,  wodurch  mehrere  Fürsten,  wie  wir  noch  sehen  werden, 
in  ai^e  Angst  versetzt  wurden.  —  Man  hat  sich  daran  gewöhnt, 
ützschneider  als  einen  Ordens- Veri'üter  anzusehen,  eine  Ansicht, 
die  recht  haltlos  ist;  es  ist  jedoch  unmöglich,  diesem  später  so 
verdienstvollen   Manne   ein  solches  Machwerk  zuzutrauen,  wie 

fhier  vorliegt.  Der  Verfasser  muss  ein  anderer  sein, 
Dr.  Wolfram  bezieht  sich  in  der  Broschüre  >Die  Illumi- 
naten  in  Bayern  und  ihre  Verfolgung,  11.  Teil«,  auf  Seite  11  auf 
ein  Sehreiben  vom  30.  Dez.  1784,  das  durch  Chalgrins  Hände 
ging  und  im  geheimen  Staatsarchiv  zu  München  bewahrt  wird. 
In  diesem  heisst  es,  dass  die  Herzogin  Maria  Anna,  gestützt 
auf  Angaben,  die  sie  von  einem  Professor  des  Kadetten- 
korps, d.  h*  der  Marianischen  Akademie,  vor  nunmehr  bald 
einem  Jahre  (also  Ende  1783)  empfangen  habe,  dem  Kurfürsten 
warnende  Mitteilungen  machte.  Dem  Grafen  Hertzberg  schickte 
nun  die  Hei-zogin,  laut  dessen  Antwort,  am  IL  Oktob.  1783 
diese  Mitteilungen  in  jenem  Schritlstücke  zu;  es  ist  also  wohl 
sicher,  dass  der  angedeutete  Professor  dasselbe  auch  als  Anklager 
verfasst  haben  muss,  denn  die  Daten  harmonieren.  Als  kurfüi^st- 
lich  beglaubigte  Anklager  des  Ordens  sind  im  Jahre  1786  durch 
die  Schrift;  »Grosse  Absichten  des  Ordens  der  llluminaten*, 
Georg  Grünberger,  kurt'ürstl  Censurrath  und  Mitglied  der  bai- 
rischen  Akademie.  Sulpitius  Cosandey,  Wellpriester,  \1tus 
_Benner,  Weit])riester  und  Joseph  Ützschneider,  kurfürstlicher 
irkliclier  Hofkammerrath,  alle  vier  Professoren  der  herzoglichen 
mdesakademie,  bekannt  gewoi'den.  Die  ersten  zwei  wurden 
Zt  in  Vei4iöre  verwickelt,  deren  Protokolie  vorhanden  und 
if  die  wir  noch  zu  spreclien  kommen.    Von  Ützschneider  ist 


—    188     — 


abzusehen  aus  Gründen,  denen  wir  gleich  nähertreten  werden. 
Der  Verffisser  düifte  aber  unter  dem  Tritblio:  Grünbetiger,  Renner, 
Cosandey  höchstwahrscheinlich  zu  finden  sein. 

Chalgrin  sendet  mit  seinem  Bericht  noch  eine  160  Nomen 
umfassende  Milghederliste  der  lUuminafen  ein,  auf  dieser  fehlt 
Ulzschneider  gänzlich,  aber  die  drei  Professoren  finden  sich  mit 
noch  zwei  Namen  in  einer  Schlussrubrik  unter:  Nomes  de  ceux 
qui  se  sont  retirös  und  bei  ihren  Namen  die  Note:  Attaches  ii 
i'^cole  des  Cadets  de  Mme  1q  Duchesse  de  Bavi6re.  Letztere 
Bezeichnung  findet  sich  sonst  bei  keinem  Namen,  es  bleiben 
also  nur  diese  drei  übrig.  Es  ist  ausserdem  zweifellos,  dass  später 
auf  kurfürstlichem  Befehl  diese  drei  Professoren  aussagen  mussten, 
was  sie  vom  Orden  wusslen,  und  do  findet  man  eine  recht  auf- 
fallende Ähnlichkeit  mit  dem  bekannt  gegebenen  Schriftstück, 
namentlich  bei  Cosandey.  — 

Jedenfalls  ist  ein  Professor  des  Kadettenkorps  der  Ver- 
fasser gewesen  und  dos  genügt  vorläutig,  um  den  weiteren  Fäden 
auf  die  Spur  zu  kommen,  selbst  wenn  es  nicht  ganz  klar  ist, 
wem  die  Ehre  dieser  Arbeit  zukommt. 

Chalgrin  erzälilt  in  seinem  Berieht  nun  weiter: 

Dieser  Schritt  der  Herzogin  von  Bayern  (der  Brief  an  Hertz- 
berg) fand  keine  Beachtung  und  ist  es  noch  bei  den  Illuminaten 
der  Falk  Sie  hatten,  und  z%var  erst  seit  kurzer  Zeit,  durch  ilire 
Milbrüder  in  Erfahrung  gebi'acht,  dass  diese  F'rinzessin  Kennt- 
nis habe  von  dem  System,  welches  sie  vereinige.  Diese  Ent- 
deckung genügte  ihnen,  um  sie  zu  bestimmen,  den  Ort  ihrer 
Zusammenkünfte  zu  verlassen,  ihre  Correspondenz  in  Sicherheit 
zu  bringen  und  in  der  Furcht  überrascht  zu  werden,  sie  fremden 
vertrauten  Händen  zu  übergeben,  w^elche  sie  sorgfältig  verbor'gen 
halten  und  von  welchen  man  noch  nicht  Kenntnis  erlangen 
konnte. 

Das  Überbringen  dieser  verdächtigen  Correspondenz  an 
einen  andern  Ort  konnte  nicht  ohne  Gefahr  und  Ängstlichkeit 
ihrerseits  bewerkstelligt  werden. 

Es  blieb  nur  übrig  die  Herzctgin  von  Bayern  zu  belehren, 
dass  sie  sich  getäuscht  habe.  Professor  Baader  w^ar  mit  dieser 
Mission  betraut.  Er  sah  die  Prinzessin*  Er  schilderte  ihr  den 
Kummer,  mit  dem  er  von  den  nachteiligen  Eindrücken  erfahren 
habe,  welche  man  in  der  Seele  Ihrer  Hoheit  hervorzurufen  ver- 
sucht habe,  der  Gesellschaft,  der  er  angehöre,  zuschreibt  und 


18D 


£31 

1 


I 


hüuplsochlich  ihm;  schliesslich  protestierte  ei\  dass  die  Gesell- 
schaft nicht  fähig  sei,  wie  sie  argwöhne,  sich  zu  erlouben  gegen- 
teilig zu  denken,  noch  weniger  zu  handeln  in  ihrer  Ei^ebenheit 
gegen  das  erlauchte  Haus  Palütin,  sondern,  dass  ganz  im  Gegen- 
leil  sie  gegen  das  Haus  Oesterreich  arbeiten.  Indem  er  glaubte 
sich  und  seine  Anhänger  reinzuwaschen,  merkte  dieser  be- 
eisterte  Professor  nicht,  dass  ihm  jedenfalls  ein  verwerfliches 
■Geständnis  entschlüpft  war  über  das  Wesen  der  Gesellschaft, 
Und  dass  es  nicht  geglückt  war,  wedei-  der  Gesellschaft  noch 
ihna,  listig  davon  abzubringen.  Er  gestand  naiverweise,  dass 
sie  sich  in  die  Angelegenheilen  der  Regierung  einmischten  und 
das  genügte,  um  den  Verdacht,  den  man  schon  hatte,  zu  be- 
festigen* 

Die  Herzogin  verstelUe  sich  und  glaubte  unterdessen  den 
Chuifürslen  benachriclitigen  zu  müssen  von  dem,  was  geschah. 

Schrecken  war  die  erste  Empfindung,  welche  diese  ver- 
trauliche Mitteilung  bei  Sr  Kurfürstl.  Hoheit  hen'orrief  und 
seine  Sorglosigkeit,  wodurch  der  Zustand  des  Verfalls  herstammt, 
Verwirrung  und  Anarchie,  deren  Folgen  hier  alle  Administrations- 
parteien emptinden,  verschwand  beinahe  gleich. 


Aus  dieser  Unterredung  Baaders  hat  man  den  Anfang 
^der  Verfolgung  ableiten  wollen,  es  ist  aber  klar,  dass  die  von 
Chalgrin  kopierte  Anklageschrift  des  verleumderischen,  unbe- 
kannten Professoi^  dem  Kurfürsten  den  ersten  Anstoss  gegeben 
haben  muss, 

Chalgrin  scheint  dieser  Schrift  zu  glauben,  ersieht  infolge- 
dessen Gespenster  und  übertreibt  auch  weiterhin  in  seinen  Be- 
richten  die  Sachlage;  er  malt  die  Gesellschaft  als  höchst  gefährlich, 

Iw^ahrend  der  Botschafter  Montezan  om  24.  August  1785.  kurz 
nach  dem  dritten  Verbot  in  seinem  Bericht  sagt:  »Ich  muss  ge- 
stehen, mir  scheint  es,  dass  man  hier  zu  viel  Wichtigkeit  einer 
mehr  lächerlichen  als  gefahrlichen  Verbindung  giebt.« 
Diese  Tatsachen  beleuchten  nun  auch  Zschokkes  Ver- 
drehungen bezüglich  Utzschneider, 
Dass  die  Herzogin  Utzsehneider,  der  ihr  Geheimschreiber 
war,  um  den  Orden  gefragt  hoben  wird  und  dass  dieser  von 
dem  professorlichen  Schinftstück  Kenntnis  hatte,  ist  in  seiner 
Stellung  als  Geheimschreiber  selbstverständlich.  Sein  plötzlicher 
Austritt  aus  dem  Orden  Ende  1783,  nachdem  er  doch  jedenfalls 


—     190    — 


I 
1 


selbst  den  Brief  au  Hertzberg,  im  Auftroge  der  Herzogin,  am 
IL  Oktob.  1783  gerichtet  hatte,  ist  ebenfalls  selbstverständlich, 
wenn  die  besonderen  Verbnltnisse  berücksichtigt  werden»  die 
ihn  noch  ausser  seinem  Amte  an  die  Herzogin  fesselten.  Es  wird 
dann  auch  keineswegs  mehr  verwunderlich,  dass  Utzschneidem 
Name  mit  denen  der  drei  Professoren  zusammen  den  Vorberichl 
zu  dem  Werke  > Grosse  Absichten  des  Ordens c  beschliesst» 
denn  auf  Befehl  des  Kurfürsten  traten  diese  Männer  in  die 
( »ffentlichkeit  und  Utzschneider  musste  der  Herzogin  w^en 
w^ohl  oder  übel  mittun.  Nirgends  finden  sich  Beweise  von 
einer  Verreterei  dieses  Mannes,  im  Gegenteil,  er  suchte  durch 
Schweigen  das  aufflammende  Feuer  zu  dampfen  und  wenn 
Weishaupt  ihn  auch  anfangs  für  einen  Verräter  hielt,  so  war 
das  ein  Irrtum,  den  jener  später  selbst  eingesehen  hat,  denn 
beide  Männer  waren  25  Jahre  später  die  besten  Freunde.  Wir 
kommen  darauf  noch  zurück. 

Das  besondere  \'erhältnis  Utzschneiders  zur  Herzogin  be- 
stand  darin,  dass  er  ihr  Neffe  war,  jedoch  hatte  die  Öffentlich 
keit  keine  Ahnung  von  dieser  Tatsache,  die  A.  Erhard  in  seinem 
Artikel  »Bayrische  Patrioten  Verfolgung  vor  einem  Jahrhundert« 
im  Sammler,  Beilage  zur  Augsburger  Abendzeitung  1884  zuerst 
festgelegt  hat.     Erhard  gibt  daselbst  etwa  folgendes  an: 


»Maria  Anna,  geborene  Prinzessin  von  Pfalz-Salzbaeh,  seit 
1770  Wittw^e  des  Hei'zogs  Clemens,  war,  wie  bereits  bewiesen,  _ 
die   politische   Gegnerin   des   Kurfürsten.     Letzterer   wollte   sie| 
deswegen  schon  bald  nach  seiner  Thronbesteigung  veranlassen, 
München    zu   verlassen,   er  glaubte   das   am   sichersten   zu   er- 
i'eiclien,  wenn   er  sie  in  der  Person   ihres  Zahlmeisters  Andrea 
treffen  würde,  der  um  alle  Geheimnisse  Maria  Annas  wusstdl 
und  der  mit  dem  auf  österreichischen  Befehl  im  Febr,  1779  ver- 
hafteten   preussischen    Spion    Doi-opp    zu   München    vertrauten  _ 
Umgang  gepflogen    hatte.     Der   Kriegsminister  Generallt.    Joh«  | 
Ernst  Freiherr  von   Belderbusch  erhielt   Befehl  Andr^e  zu  ver- 
haften.    Der   Befehl   w^urde   am    10.  Juni    1779   ausgeführt   und 
er  nach  der  Veste   Rothenberg  abgeführt.     Andr^es  Neffe   war 
Joseph  Utzschneider,  der  sofort  die  Dienste  seines  Onkels  über- 
nahm.    Die   Herzogin  bemülite  sich  nun  ungemein  Andr<^e  zu 
befreien,  es  gelang  ihr  anfangs  nicht,  bis  endlich  persönliches 
Bitten  beim  Kurfürsten,  Andröe  nach  viermonatlicher  Haft  be- 
freite-   Dieser  Andree  ist  dann  der  heimliche  Gemahl  der  Her- 


—     191     — 

zogin  geworden,  denn  sie  schreibt*)  deutlich  am  10.  Nov.  1788 
an  Andr6e  —  1780  lors  de  mon  manage.  War  Andr6e  auch 
wieder  frei  geworden,  so  durfte  er  jedoch  nicht  München  be- 
suchen, erst  mehrere  Jahre  nach  Maria  Annas  Tode,  derselbe 
erfolgte  am  5.  April  1790,  bekam  er  auf  Utzschneiders  Ver- 
wendung die  Erlaubnis,  incognito  wieder  in  München  zu  leben, 
laut  Erlass  an  den  Stadtkommandanten  Generalmajor  Graf  von 
Topor  Morawitzky  vom  12.  September  1795.« 

Nun  hatte,  jedenfalls  um  diese  Rückkehr  zu  erzielen,  auch 
der  Illuminatenorden  sich  bemüht,  denn  in  den  ungedruckten 
Briefen  Weishaupts  Nr.  159  schreibt  dieser  an  Zwackh  in  einem 
Brief  ohne  Datum  jedoch  aus  dem  Jahre  1782: 

»Aus  einer  andern  Beylage  werden  Sie  ebenfalls  ersehen, 
was  dann  ich  in  betreff  des  Andr6  in  Wien  zu  hoffen  habe, 
machen  Sie  dorten  äusserst  behutsam  Gebrauch  und  sagen  Sie 
davon  Archytas  (d.  i.  Professor  Grünberger)  nichts  weiter  als 
uns  Arrian  (Graf  Cobenzl)  rathen  will,  dass  man  ihm  sagen  soll. 
Will  Andr6  nicht  glauben,  dass  man  sich  für  ihn  verwendet  hat, 
so  mag  er  selbst  an  Arrian  schreiben,  welcher  das  nämliche 
bestärken  wird.«  — 

Da  Professor  Grünberger  (Archytas)  zu  den  drei  famosen 
Professoren  gehört,  ist  wohl  anzunehmen,  dass  trotz  des  Miss- 
trauens  Weishaupts,  der  Vorsicht  vorschreibt,  dieser  zu  erfahren 
suchte,  was  irgend  möglich  war,  um  es  der  Herzogin  mitzuteilen. 
Dass  diese  Frau  über  die  Verwendung  des  Ordens  nicht  en^ 
zückt  war,  zumal  sie  fürchten  konnte,  der  Orden  wisse  um  ihr 
Geheimnis,  ist  einleuchtend  und  dadurch  dürfte  schon  1782  eine 
mit  Politik  nichts  zu  tun  habende  Antipathie  gegen  den  Orden 
erzeugt  worden  sein,  die  auch  beim  Kurfürsten  beste  Früchte 
zeitigte. 

Carl  Theodor  suchte  bereits  1779  nach  Opfern  für  seine 
Unzufriedenheit,  als  deren  erstes  Andr6e  gefallen  war  und  dem 
Obermayr  und  Lori  folgten,  welch  letzteren  wir  aus  Weishaupts 
Universitätsbriefwechsel  kennen.  Beide  wurden  verbannt.  Er 
glaubte  in  diesen  Männern  die  Widersacher  seiner  Königspläne 
auf  Burgund  zu  verfolgen   und  gab   bereits,  wie  Lehrbach  in 

*)  Original  in  der  Autographensammlung  der  K.  Hof-  und  Staatsbiblio- 
thek zu  Mönchen. 


—     192     — 


seinen  Berichten  schreibt,  1779  Befehl  die  Forschung  nuch  Xjiy 
Zufriedenen  fortzusetzen.  Es  ist  also  recht  einleuchtend,  dass 
der  Professorbericht  vier  Jahre  später  seinen  Zorn  entttamrate, 
nachdem  der  erste  Schreck  ühenvnnden  war,  namentlich  falls 
die    Herzogin  die  Arbeit  gegen   iJsterreich   betont   haben   sohte. 

Chalgrins  Dai-stellung  der  Unterredung  Baaders  mit  der 
Herzogin  mag  daher  ganz  richtig  sein»  denn  sie  reiht  sich  logisch 
den  ersten  V'orgängen  an,  nur  genügen  diese  noch  nicht  zur 
vöUigen  Erklärung  des  inquisitorischen  Verfahrens,  das  alsbold 
behebt  wurde. 

Da  nun  die  Beziehungen  des  Ordens  zur  österreichischen 
Regierung  herangezogen  werden,  dem  Orden  landesverrälerische 
Pläne  vorzuwerfen  und  namentlich  Österreichs  Pläne  auf  Bayern 
unterstützt  zu  haben,  in  der  Hoffnung,  unter  der  Regierung 
Josef  H,  freieres  Spiel  zu  erlangen,  so  müssen  wir  zunächst 
auch  hier  die  kritische  Sunde  gebrauchen  und  klaren  Bück  zu 
erhalten  suchen. 


Die  Ordeiisbeziehimgen  zur  österreichischen 
Regierung, 

Bis  zum  Jahre  1782  hatte  der  Orden  nur  wenig  Mitglieder 
in  Wien  (Rom  genannt  in  der  Ordensgeographie)  und  wenig  Be- 
ziehungen in  Österreich  überhaupt.  1 

Die  zwei  Berichte  des  Hannibal,  Baron  Bassus,  die  mit 
Streichungen  und  Auslassungen  in  dem  Nachtrag  zu  den  Ori- 
ginalschrirten  Seite  134—139  verölTentlicht  sind,  geben  ziemlich 
gute  Anhaltspunkte  über  die  ersten  österreichischen  Erfolge. 
Hannibal  träumt  zwar  dovün  den  Kaiser  Josef  IL  selbst  einmal  als 
Ordensmitghed  zu  sehen,  docli  das  blieb  Traumerei.  Die  in 
München  im  KgL  Hausarchiv  bewahrten  Originale  lauten  in 
den  betreffenden  Stellen.*) 

d.  14.  Januar  1782. 

*Hier  in  Samos  (Innsbruck)  ist  wirklich  eine  Loge  von 
beyläuflg  50  Brüdern  Maurern,  worunter  recht  viele  wackere 
Manner  sind,    und   man   ti-ilU  in  Tirol   und  Trideotiaischen   in 


*)  In  deo  OHgLiiaiächfiaen  sitid  diese  nur   mit  Auslasiiungen    und  Ge- 
dankenstrichen abgedruckt. 


193     — 


'jedem  angesehenen  Oi'te  Maurer  Der  Fürst  von  Trient  ist 
Maurer  und  so  mehrere  Cavaliere  der  dortigen  Gegend.  Hier 
(Innsbruck)  ist  der  Graf  Kenigel,  Viceprosident,  Meister  vom 
Sluhl.t  — 


Weiter  heisst  es: 


I 

^B  »Der  Kaiser  ist  bis  jelzo  niclit  Maurer  gewesen;  nun  aber 
^P)ey  Gelegenheit,  dass  der  russische  Grossfürst  in  Wien  ist  auf- 
genommen worden,  will  er  auch  zu  dieser  Gesellschaft  tretten, 
»Dieses  wäre  nun  die  herrlichste  Zeit,  dass  der  Bruder  Arrian 
in  Wien  etwas  sehr  Grosses,  ja  so  zu  sagen,  das  Grösste  thun 
konnte,  es  sollen  dort  über  400^  Maurer  seyn;  die  erfahrenen 
Maurer  taumeln  nur  in  allerhand  Systemen  herum  und  suchen 
Licht:  giebt  man  den  Würdigeren  nur  einen  kleinen  Fingerzeig, 
so  laufen  sie  mit  der  brennendsten  Begierde,  und  glühendem 
Herzen  nach.  Ich  habe  mich  auch  hier  nach  einigen  würdigeren 
umgesehen,  w^elche  das  wahre  Licht  zu  sehen  verdienen,  und 
zu  dessen  kluger  Verbreitung  am  schicklichsten  beytragen  können, 
es  sind  Graf  von  Trient,  kaiserlicher  Kämmerer  und  Regierungs- 
rath,  ein  rechtschaffener  Mann,  der  zweite  ist  Professor  Schiuereck, 
^künftiger  Schwager  des  Spartacus.  Der  dritte  Schlosshauptmann 
^Priosser.  Erster  hat  mir  heute  den  Revers  eingehändiget,  und 
die  andern  zwey  packe  ich  moi^en.«  — 

^L         Im  nächsten  Schreiben  vom  25.  Februar  1782  sagt  Hannibal: 

^m  „ —  noch  habe  ich  die  letzte  Nacht  eine  herrliche  acquisition 
^^emocht,  den  Herrn  von  Gasler,  K.  K.  Archivar,  ein  Mann  voller 
Wärme  für  die  ganze  Sache.  Ferners  habe  ich  eifahren,  dass 
der  Kaiser  noch  nicht  Maurer  ist,  aber  dass  man  Hofinung  ge- 
habt, er  würde  sich  bei  Gelegenheit,  da  sich  der  Grossfürst  von 
Russland  wollte  aufnehmen  lassen  zu  Rom,  er  auch  das  gleiche 
thun  würde.  Er  hatte  bisher  dem  Orden  nur  die  Toleranz, 
nicht  aber  die  Protection  versprochen.  Nun  ist  es  die  grösste 
Zeit,  dass  Arrian  sich  in  Rom  an  die  Sach  mit  Muth  wagen 
kann  und  soll"  —  —  ^^^ 
K  Letzteren  Wunsch  hat  Arrian,  auf  den  wir  gleich  zu  sprechen 
H|(|]inmen  werden,  erfüllt.  Aber  auch  Knigge  knüpfte  Beziehungen 
ch  Wien,  die  er  in  einem  Berichte  vom  August  1782  folgender- 
lassen schildert: 

»Ich  habe  auf  dem  Convente  in  Wilhclmsbad  den   Depu- 
iiien  Grafen  von  Kolowrat  angeworben,  und  ihm  den  Namen 


£d|^(,  Geschieht«  dea  IJluTuumtcoc^rdeoi. 


13 


—     19Ö     — 


I 


iehorigen  war  Grii_r  Ci^benzl,  Domprobsl  zu  Eiclislädt,  unter  dem 

amen  Arrian  imT*rden  bekanut,  und  dessen  Bruder,  der  das  Amt 

es  Kanzlers  in  Wien  bekleidelG;  des  letzteren  i*rdensnomen 

"är  Memerades.    Zu  diesen  gesellte  sich  der  Scbrirtsteller  Ge- 

heimrat  Sonnenfels  (Fabius)  ujid  der  Baron  von  Schroeckenstein 

(Mahomet)r^" 

Es  scheint,  dass  diese  sehr  gegen  den  Willen  Weisboupts 
rbeiteten  und  unmöglich  ist  es  nicht,  dass  diese  Männer  poli- 
tische Zwecke  privatim  verfolgten,  für  die  jedoch  in  keinem  Falle 
der  Orden   verantwortlich  zu   machen  ist   und  Weishaupt  erst 
recht  nicht. 

Wie  letzterer  über  politische  Umtriebe  dachte»  geht  klar  aus 
einer  Schrift  im  Zwackh'schen  Nachlass  hervor.  Es  findet  sich 
dort  ein  Brief  von  der  Hand  Zwackhs  an  Spartacus,  korrigiert 
Weisliaupt,  der  folgenden  Wortlaut  aufweist: 


»Überhaupt  werden  wir  die  Versammlungen  nachdrücklich 
J<ouf  eins  der  ersten  Ordensgesetze   verweisen,    nämlich    sich   in 
Heligion  und  Staaten-Verfassungen  gar  nicht  einzumischen,  wir 
wollen  zwar  hierin  keinem  seine  Freiheit  zu  denken  benehmen, 
riber  die  Nothwendigkeit   zeigen,   u^nrum   man   darauf  mit  aller 
Schärfe  besteben  muss,  dass  die  Mitglieder  unserer  Verbindung 
von  jeder  und  besonders  derjenigen  Religion,  welche  in  ihrem 
Lande  die  herrschende  ist,  nur  mit  Ehrfurcljt  und  von  der  Regie- 
rung, unter  w^elcher  sie  stehen,  mit  der  schuldigen  Achtung  reden 
I     ^  sollen,  und  dass  bey  einer  weiteren  Anzeige  derley  unvernünftige 
Bspötter  und  (unleserlich)  als  gefährliche  und  untaugliche  GlieHer 
■  von  unserem  Körper  wieder  abgesondert  werden.«  — 
^  Dieser   Brief  ist    1783   geschrieben,    also   kurz    noch  jener 

Zeit,  als  die  Wiener  Verbindungen  anfingen, 

t  Letztere    gestalteten    sieh    nicht    zur  Zufriedenheit  Weis- 

haupts.  Seine  ungedruckten  Briefe  im  Geheimen  Staats-Arcliiv  zu 
München  lassen  darüber  gar  keine  Zweifel    So  schreibt  er  den 
27.  Nov.  1782: 
»^ —  leider  ist  es  nur  zu  wahr,  das  seine  Direclion  (Arrian) 
keinen  Teufel  taugt,  aber  in  Rom,  da  will  er  keinen  vorkommen 
lassen,  er  tbut  als  wenn  die  ganze  österreichische  Alonar*chie 
zu  seinen   Befehlen  stünde,  ich  habe  mich    erbothen,   ihm  alle 
I  Briefe  aufzusetzen,  den  er  sodann  nur  zu  unterschreiben  braucht, 
[wenn  er  doch  noch  fort  dirigiren  wifi.  — 

13* 


IW 


In  eioem  spätem  Brief  ohne  Datunn  spricht  er  sich  gegen 
Zwackh  ganz  offen  gegen  Arrian  aus  und  sagt: 


I 


Meine  Ursachen  warum  ich  um  das  Etablissement  in  Wien 
nicht  gerne  etwas  leisten  will  und  um  seinen  Plan  mich  be- 
kümmere sind: 

1.  Weil  Arrian  solches  gegründet, 

2.  Elend  gegründet, 

3.  und  noch  elender  dirigirt. 

4.  Weil  er  sich  damit  nothwendig  machen  will  den  Ton 
im  LK  anzugeben,  nichts  einführen,  bessern  will,  ausser 
was  ihm,   Mahomet,   und  seinem   Bruder  anständig  ist. 

Weil  er  sich  stellt,  als  ob  Wien  und  Österreich  sein  Eigen- 
thum  wai-e  —  dieses  ist  mein  Hauptgrund,  denn  darauf  baut 
er  und  Mahomet  seine  stolzen  Pratensionen.  Der  Orden  er- 
scheint  ihm  Sclav  von  Österreich  zu  werden,  darum  will  man 
mich  nach  Wien  locken  und  dann  dort  nach  der  Seite  des  Hofs 
zu  Ungarn, 

Das  merke  ich  gar  wohl,  wir  brauchen  Österreich  gar  nicht, 
unterdessen  kenne  ich  es  leider,  obwohl  das  ein  sehr  unvoll- 
kommenes  Etablissement  dort  ist  und  schlecht  existirt,  man 
sagt  doch  in  Wien  sind  lÜuminaten  e  tanto  bosta.t  —  —      ^^ 

Weishaupt  rat  nun,  Arrian  machen  zu  lassen  was  er  wilK 
denn  ihm  liegt  nichts  daran  und  er  freut  sich  Rulie  zu  hoben. 

Am  L  Üklob,  178i  (S.  222,  Nachtrag  z.  d.  Orig.-Schriften) 
also  nach  dem  ersten  \'erbot  schreibt  Weishaupt: 

*  Weder  ich,  weder  Philo  Iiaben  nach  Wien  Correspon- 
denzen  unterhalten.    Warum  alles  verfallen,  liegt  in  dem  Narren 

S ^  und  in  A — —  fehlerhaft  getroffenen  Einrichtungen; 

gleichwie  auch  in  des  huchweisen  Mahomels  I^rovinz  nichts 
hinter  sich  und  vor  sich  gebt,<^  — 

Aus  diesem  Material  gehl  her\x>r,  dass  die  Ordensangelegen, 
heiten  in  Wien  gründlich  verfahren  wurden.  Zwar  hatte  die 
Loge  Theodor  zum  guten  Hath,  eine  Tochtei'loge,  Augusta  zu 
den  drei  Kronen  in  Wien  begründet,  aber  auch  diese  Loge  hat 
besondere  Erfolge  nicht  erzielt,  sondern  verlief  im  Sande.  — 
Jedenfalls  hat  Weishoupt  keinen  Einfluss  auf  politische  Intrigueii 
gehebt  oder  solche  unterstützt,  dazu  reichten  die  Verbindungen 
für  ihn   und  die  Münchener  Illuminaten  kaum  aus.    Es  zerlallt 


—     197 


lit  aber  dann  die  so  zah  festgehaltene  Behauptung  von  den 
lesverrälerischen  Absichten  des  Urdens,  der  die  Auslieferung 
^Bayerns  an  Öslerreicli  unterstützt  haben  sollte. 

Dass  auch  die  österreichische  Regierung  bemüht  war,  dem 
"Kurfürsten  Carl  Theodor  Klarheit  zu  gel>en,  beweist  eine  Beilage, 
iiie  nebst  einer  geheimen  Instruktion  von  dem  K.  K.  Hofe  an 
<Iie  K.  K.  Gesandlschaft,  an  den  Clun^-Pfalz  Bayrischen  Hofe  zu 
München   gerichtet  ist,  datiert  Wien,  den    23-  November  1784, 

Ials  Antwort  eines  Gesandlschaftsberichtes  vom  5*  Nov.         "— — 
^         Es  heisst  da  zuerst: 
I  Formalia. 

I  Was  die  lUuminaten  betrifil,  so  hat  die  Gesandtschaft 
kuchts  für  sie,  aber  auch  nichts  gegen  sie  zu  thun;  nicht  das 
erste,  weil  die  Abneigung  des  Churfürsten  zu  gross  ist;  nicht 
das  letzte,  weil  die  letzhin  angezeigte  subjeeta  wegen  des  Ein- 
flusses, welchen  sie  in  allen  Gattungen  Geschäfte  haben,  müssen 
äusserst  menagirt  werden. 


Die  Beiloge  ohne  Namensunterschrift  lautet: 

^Erläuterung  der  Cicschichte  und  des  Ursprungs  der  Illuminaten. 
B  Es  verhalt  sich  mit  der  Freimaurerei  wie  gewöhnlich  mil 

dem  Ursprung  aller  Geschlechter  und  Völker;  jedes  sucht  seinen 
Anfang  in  den  entferntesten  Zeiten  und  versteigt  sich  aus  Stolz 
und  Ehrsucht  soweit,  dass  es  darüber  nicht  selten  in's  Lacher- 
liche fällt 

Fast  allgemein  leiten  die  geheimen  Weislieitsschulen,  wie  sie 

sich  nennen,  ihren  Ursprung  von  jenen  ab,  die  ehemals  bey  den 

Ägyptern  und  Griechen  bestanden.    Sie  behaupten,  diese  Schulen 

Bder  Weisheit  waren  stets  bey  allen  Völkern  und  zu  ollen  Zeilen 

^■orlgefülirt  worden,    was  also   im  Alterthum  die  Mysterien   der  | 

^Bsis  bey  den  Egyptern,  und  jene  zu  Eleussis  der  Griechen  waren, 

^Bas  waren   nunmehr  die  Geheimnisse  der  Maurerei,   nacti   den 

Umsländcn  dieses  Zeitpunktes  gemodelt. 

Wirklich   ist  diese  X'ernuitung  so  ungereimt  nicht,  so  ge- 
l'iss  es  doch  ist,  dass  der  Name  Freimaurerei  ungefälir  in  den 
EeiterrHer  Refurmatioi]  —  und  da  sehr  schwach  nur  erscheint,  \ 
'Krst  in  diesem  Jahi4mndert  und  Grössten   teils  vor  der  Hfilfte  ' 
iesselben,   entstand   seine   vollste  X'erbreitung.     Der  Zeitpunkt 
iber,  wo  man  davon  —  wenigstens  in  Deutschland  so  gar  all- 


—     198    — 


gemein  spricht,  ist  jenei"  der  Ti^ennung  in   zwey  Hauptstä 


IUI 


durch  die  Ein 
zu  Braunschweig. 


ruiig  der  strikten  Ohservoiiz  aus  dem  Convente 
Das  ist  der  eigentliche  Zeitpunkt  des  Mi?^ 
Verstands  und  der  Verfolgung  der  Maurer  unter  sich  selbst,  er 

'eroHenbarens  so  vieler 


:h 


id  de 


ler  des  Entstehens 
Sekten  gegen-  und  untereinander. 

Seit  der  Einführung  der  ersten  Loge  sind  noch  kaum  acht- 
zehn Jahre  zu  zälüen.  Zwölf  Jahre  ungefähr  sind  es,  seil  der 
Entstehung  einer  zweiten,  die  Graf  Morawizkische  Loge  genannt. 

Ich  weiss  wenig  oder  garnichls  von  dem  Schicksal  der 
ersteren  und  ihrem  wesentlichen  Verband,  die  zweite  gründete 
sich  auf  die  Auswahl  der  besten  und  reclitscbafliMisten  Glieder 
und  hielt  zu  der  sehr  kurz  vorher  eingefülnlen  stricten  Obser- 
vanz. Demungeachtet  ent3[»ann  sich  bald  Verwirrung  und  Un* 
Zufriedenheit  unter  einigen  Gliedern  von  einer  Dauer  von  nicht 
viel  mehr  als  drey  Jahren,  man  suchte  zwar  eine  \'ereinigung 
wieder,  doch  nimmermehr  wurde  etwas  Haltbares  daraus,  und 
w^enn  ich  nicht  irre,  so  ging  sie  im  dritten  Jahre  der  neuen 
Fiegierung  aus  besonderer  Hücksicht  und  Klugheit  ganz  aus- 
einander. 

Wahrend  des  Entstehens  und  der  Dauer  dieser  Loge  trat 
noch  eine  auf»  und  diese  ist  die  sogenannte  Baden isclie  Loge. 

Sie  hielt  sich  Anfangs  zum  entgegengesetzten  System,  bis 
endlieh  daraus  die  izt  so  viel  Aufsehen  erweckenden  llluminaten 
erwuchsen^  durch  folgende  Veranlassung. 

Weishaupt,  damals  Professor  des  geistlichen  Rechtes  zu 
Ingolstadt  und  Mitglied  der  Graf  Mnrawizischen  Loge,  hatte 
schon,  bevor  er  zu  dieser  Verbindung  gekommen,  grössten  teils 
alles  gelesen,  was  er  von  Freimauerei  alles  auftreiben  konnte; 
sein  Geist  noch  überdies  mit  den  Schriften  der  Alten  genährt, 
und  insbesondere  mit  den  so  mannigfnltigen  Systemen  dei* 
Pliilosophie  vertraut,  vermochte  nichts  zu  linden  darin,  was  ihn 
befriedigen  konnte. 

Bey  der  Entdeckung,  dass  ihm  bey  dieser  Verbindung 
nichts  neues  erschiene  und  unzufrieden,  nach  einem  System  zu 
arbeiten,  das  von  auswärts  betrieben,  er  ganz  sicher  Chimäre  und 
Ungewissheit  zum  Grunde  hat,  tulilte  er  ganz  das  Vermögen  in 
sich,  selbst  ein  System  zu  erfinden,  das  auf  metaphysische 
Neuheit  gebaut,  Aufklärung  des  Verstandes  und  Besserung 
der  Sitten,    zu    seinem    Hauptzweck    habe.     Einsam   zu   leben 


199 


Fjwohnt,  von  unerreiehlmrem  Tnleiit,  war  das  nun  sein  einziges 
enken. 
Vielmals  mit  den  Jesuiten  in  Streit  und  in  Händel  mit 
ihnen,  worin  er  sicher  öfters  zu  weit  ging,  durchlas  er  aucli 
alles  von  ihrer  Verfassung  und  bildete  nach  dieser  Einrichtung 
sein  System. 

Dalier  die  Vermuthung,  besonders  im  Auslande,  als  wäre 
das  Ganze  der  geheimste  Jesuitische  Verband.  Bei  dieser  Ge- 
legenheil, also  vor  zwey  Jolu'en,  wie  ein  Mann  von  eben  so 
grossen  Geistesgaben,  als  wie  Rang  und  Geburt,  gerade  diese 
Vermuthung  gegen  micii  äusserte,  sagte  ich  —  wenigstens  der 
bayrischen  llluminaten  Seliicksal  voraus,  Nemlich,  ich  wäre 
so  gewiss  des  Gegentheils  eines  solchen  Verbandes  überzeugt, 
das  ich  es  vielmehi*  für  ausgcmüchl  halte,  ein  Theil  breche  dem 
anderen  den  Mals.  Wer  dieser  Theil  ist,  ist  bald  zu  erwarten. 
Meiner  Vermuthung  nach  müssen  die  llluminaten  daran^  weil 
sie  ausgeartet,  übei^müthig  und  keck  auf  ihre  Vereinsgrösse.trozen, 
die  anderen  aber  sich  klüger  und  bescheidener  verhalten. 

Freilicli,  sagte  ich  weiter,  wäre  so  ein  Verband  noch  Ein 
führung  der  Malteser  und  Übertragung  der  Schalen  an  die 
Klöster  in  Bayern  leiclü  zu  bewirken  gewesen,  aliein  dazu  hatten 
die  Vorsteher  der  lllumitniten  weder  Bescheidenheit,  weder  Ein- 
sicht, noch  Sitten,  noch  Klugheit  genug,  daher  den  Vorwurf  von 
Begünstigung  des  Meuchelmordes  und  des  Giftes,  wie  dies  schon 
ehemals  den  Jesuiten  angedichtet  wurde. 

Sobald  Wcisliaupt  einen  Theil  seines  Systemes  festgesetzt 
hatte,  suchte  er  die  Ausübung  davon,  und  wählte  dazu,  vermöge 
der  schon  in  den  Universitütsjabrcn  gepflogenen  Freundschaft 
und  aus  Vorliebe  füi'  Talent,  den  Herrn  Professor  Bader  als 
Chef,  und  Politur.  Klugheit  und  nötige  Vorsicht  bei  Seite,  konnle 
er  nicht  besser  wählen.  Ohne  Zweifel  vermulhete  er,  diese  Mängel 
würden  sich  heben.  V^ielleicht  traute  er  wohl  gar  der  Feinheit 
seines  Systems  diese  Urnslürzung  zu. 

Wofür  sich  Weishaupt  sorgfallig  wahrte,  war  die  VerofTen- 
barung,  dass  aiies  nur  seine  Ertlndung.  Er  wusste  zu  gut,  wie 
wenig  ein  Prophet  in  seiner  Heimath  gelte,  und  kannte  zu  gul 
die  Verachtung  gegen  Boyern  im  Auslande,  um  zu  gestehen, 
als  wäre  von  da  aus  nur  Weisheit  zu  holen.  Alles  war  daher 
in  I)unkel  gehüllt;  seinem  System  gab  er  Alterthumsschein  und 
bediente  sich  meist  nur  griecfiischei'  Namen,  wie  diese  bey  den 
Kirchenvätern    und   Fhylosophen    und    in    historischen  Abband- 


200 


langen,    fioubtsächlich   über  die  Eleusinischen   Geheimnisse  zu 
linden. 

Es  war  daher  stets  von  unbekönnten  Obei'en  die  Rede,  und 
der  Name  Illuminoten  selbst  als  der  Haubtnorne  seines  Systems 
war  verführend  weil  dieser  längst  schon  unter  den  Rosen- 
kreuzern bekannt,  einen  besonderen  Grod  unter  ihnen  bezeichnet. 

leb  zweifle  daher,  ob  einer  der  lUuminaten  ganz  zuverlässig 
weiss,  dass  Weislioupt  ihr  Stifter  war. 

Unterdessen  lialte  er  keineswegs  die  Ansicht,  sich  von 
Preymaurereien  zu  trennen;  vielmehr  verflocht  er  mit  seinem 
System  die  drei  mauriscben  Gi^ndo;  nur  suchte  er  sie  schlacken- 
frei  zu  machen,  und  dachte  niemoleu  daran,  sie  zu  verachten. 
In  der  Rücksicht  w^üllte  er  jede  konstitutionsmässige  Verbindung 
mit  anderen  Logen,  so  gar  wohl  einsehend,  dass  aber  dadurch 
sein  S\ Stern  gegen  olle  Kabale  mehr  gedeckt  und  blühender 
werde,  üebrigens  ist  dieses  sein  System  nichts  w^eniger  als 
schon  vollendet,  vielmehr  ist  er  grössten  thoils  so  unzufrieden 
damit,  dass  er  wirklich  schon  vor  Ausbruch  dieses  Gewitters 
nn  vier  Abänderungen  dachte,  aus  dem  gründe,  W'eil  es  unmc^g- 
lieh,  all  das  Fehlerhafte  daran,  gleich  bey  seiner  Entstehung  zu 
merken,  und  weil  es  unvermeidlich  für  ihn  war,  wie  dies  der 
Fall  eines  jeden  Stifters  eines  neuen  Sectionssystemes  ist,  der 
es  aus  Kigen liebe  und  Stolz  zu  geschwind  bekannt  und  in  auf* 
nähme  gebracbt  wissen  will;  dass  nicht  auch  andere,  zumal  im 
Auslande  etwas  beysetzen  wollen.  Er,  der  sich  nicht  für  den 
Rriinder  ausgcljen  wollte,  konnte  dies  um  so  weniger  hindern, 
denn  jeder  daclite  an  einer  ihm  fremden,  nui'  zugetbeilten  Sache 
zu  steigern,  dessen  ist  der  Priestergrad,  soiern  ich  nicht  dai'an 
irre,  der  stärkste  Beweis,  soviel  Unkluges  und  Anstössiges  findet 
sieh  darin,  was  Weishaupt  nie  gethan  haben  würde,  wenn  dieser 
sein  Werk  allein,  und  nicht  viel  mehr  das  Werk  des  Verfassers 
von  dem  Roman  meines  Lehens  wäre  —  Knigge.  leb  äusserte 
ilim  auch  meine  vollste  IJnzufi'iedenheit  darübci\ 

Soviel  ich  micli  erinnere  ist  eben  dieser  Priester^rad  noch 
überdies  der  iezle,  den  die  bayrischen  lUnminaten  besizen. 
Hierin  bleibt  Weisbaupt  immer  zu  tadeln,  er  der  selbst  das 
ungereimte  erkannt;  allein  seiner  Meinung  nach  sollten  ihn  nur 
wenige  wissen  und  vor  des  lilinden  Zutrauens  auf  die  Klugheit 
seiner  Anhanger  glaubte  er  dadurch  nichts  zu  wagen;  wie  viel 
er  ober  w^igte,  zeigt  nun  die  Folge. 

Eine  seiner  Hauplabsichten  bey  Errichtung  seines  Systemes 


—     201     — 


an  bey  jenen  der  Jesuiten  nls  mangellioft  schall,  zu  ver- 
meiden (diess)  denn  soferne  esgepründel,  dass  sich  deren  Entzweck 
ertheilt,  alle  Autkiarung  zu  hindern,  so  schloss  es  so  zum  vor* 
aus  den  Keim  der  Verwesung  in  sich,  weil  die  Natur,  die  nur 
zum  Bessersein  arbeitet,  keinen  Zwang  vertragt,  folglich  muss 
es  endlich  erliegen.  Kam  Weisliaupt  diesem  Mangel  zuvor,  so 
hatte  sein  System  einen  anderen,  nicht  weniger  schädlichen 
Mangel,  nemlich  es  fehlte  geliörige  Ordnung  und  Zucht,  oder 
^rferne  diese  enthaTte^n  darin,  die  Ausübung  aber  zu  schwer 
Hb*f  so  mangelte  es  wiederum  an  der  vorsichtigsten  und  klügsten 
Auswatil  der  Glieder  Ordnung  und  Zucht  waren  bey  den 
Jesuiten  vortrelTlich,  so  wirkts  bis  auf  ihre  Schulen  hinab,  und 
fanden  sicli  daher  unter  ihnen  wirklich  einige  der  Glieder,  die 
unnüz  und    unbrauchbar  waren,  so  schadete  das  nichts,  denn 

rnung  und  Zucht  ersetzte  gleich  alles. 
Von  diesem  Mangel  allein  kömmt  alle  Verwirrung,  alles 
Unheil  seines  Systems.  Jemehr  er  auf  den  Grundsatz  gebaut 
hat,  dass  man  nur  Gutes  zu  wecken  bey  der  Jugend  anfangen 
müsste,  indem  sich  die  Alten  zu  schwer  von  Vorurtheil  heilen, 
desto  mehr  hätte  er  auf  Ordnung  und  Zucht  dringen  sollen, 
desto  klüger  und  überdachter  hätte  er  zu  Werke  gehen  sollen 
in  Auswahl  der  vordersten  Glieder.  Talent  alleine  reicht  nicht 
hin,  es  muss  unterstüzt  sein  von  Sitte  und  Klugheit.  Für 
Jugend  gehört  vortreffliches  Beispiel,  nicht  bloss  in  Dingen  die 
nach  Aufklarurjg  in  Wissenschaft  zielen,  sondern  hauplsächliclj 
darin,  was  Feinheit  des  Denkens,  des  Ausdrucks,  des  Umgangs, 
kurz  was  Sitte  anbelangt. 

Entfernt  sei  all  Unbehutsames  gerade  von  Religion  und 
von  Staat,  und  spricht  man  davon,  so  werde  mit  äusserstem 
Anstände  davon  gesprochen.  Auch  in  der  Auswahl  der  Jugend 
hätte  nicht  minder  Klugheit  zum  Grunde  liegen  sollen,  allein 
wie  konnte  dass,  nach  der  Unklugheil  von  Allen?  Nicht  minder 
ist  es  Verderbniss  der  Jugend,  wenn  sie  zu  früh  in  solche  Ver- 
bindung gerät,  worauf  sie  ihr  Auf  kommen  stüzet.  Sie  wird 
übermütig  und  stolz,  ausschweifend  und  trag,  denn  sie  verlässt 
sich  darauf,  die  Gesellschaft  besorge  alles  für  sie,  beschüze  und 
unterrichte  in  allem. 

H  Dies  zu  vermeiden,  hätte  die  Jugend  und  der  grösste  Theil 
von  den  Gliedern  nichts  mehr  wessen  sollen:  als  es  fände  sich 
eine  Versammlung  der  aufgeklärtesten,  sittlichsten  Männer  in 
der  Absicht  Gutes   zu  wirken,   durch   thätigen  Beitrag  sowohl 


—     202     — 


jeder  nach  seinem  Vermögen,  als  durch  Auszeichnung  des  sitt- 
lichen Lebens.  Ferne  sey  es  als  woUt  ich  behaupten  daduirh 
nur  könne  so  eine  GesellsehatlL  bestehen;  vielmehr  bin  ich  der 
Meinung,  dass  jede  geheime  Verbindung,  ihre  Anhige  sey  immer 
vorlrefl'lich,  zuletzt  doch  ausarten  werde;  daher  ist  wohl  keine 
zu  dulden.  Und  dann  hält  aucli  noch  hierin  olle  Vorsicht  in 
der  AuswTihl  vorangehen  sollen,  denn  nichl  auf  die  Menge 
sondei'n  auf  die  Güte  kam  es  an. 

Es  liätte  sich  deshalb  die  Gesellschaft  nicht  zur  Proseliten- 
macherei  herab%vürdigen  sollen,  man  hätte  sie  selbst  suchen 
sollen*  Allein  dies  Alles  setzt  Zucht  und  Ordnung  voraus  und 
die  klügste  Auswahl  der  vordersten  Glieder, 

Freilich   enthalt  dies   alles   das   System    ganz   vortrefTHch; 
nach  der  Anlage  aber  erzielt  sich  nichts»  denn  jeder  thnt  nach 
seinem  Belieben,  jeder  w^arb,  jeder  fand  in  seinem  Zögling  den 
besten,  es  wurden  Grade  auf  Grade  gegeben,   und  da,  wie  ein 
jeder  einsehen  konnte,  es  gäbe  der  Grade  noch   mehr,  so  war 
jeder  an  seinem  Gi^ade  gesäüigt  und  verlangte  höher  und  Ijoher. 
ja   es  ging  so  weit,   dass  jeder  dem  anderen  ohne   Erlaubniss 
und  Macht,  selbst  Grade  ertheilte,  oder  doch  einsehen  liess,  oder 
nach  selbst  eigener  Willkür  und  Einsicht  erklärte.     Der  Unbe-  i 
sonnene  theilte  Unbesonnenen  mit,   und  hieraus  entdeckt  sich  ^ 
der  Wirrwar,  das  Widersprechende  in  Allem,  der  Unsinn  des 
Ganzen,  die  Anschuldigungen  von   Irreligion,  von  Umstui'z^djei^  ■ 
Staats,  von  VermthereVi  von^'^rdrehung  des  TrecTites"jrnd  der 
Tugend. 

Das  System  enthält  davon  nichts,  alle  Nachforschung  hier- 
über ist  eitel,  in  der  Unbesonnenheit  liegt  es,  mit  der  sich  so 
manche  Glieder  betrugen,  in  dem  Unverstand  derselben,  in  der 
Absicht  sich  höber  zu  scliwingen,  dadurch  in  der  Einbildung 
sich  durch  gewagte  Grundsatze  in  die  Klasse  höherer  Geister 
zu  setzen,  sich  Ansehen  zu  geben,  Parllieien  zu  bilden,  um  Ueute  | 
von  ihrer  Verbindung  zu  ei'heben,  sie  mochten  nun  Inländer  ■ 
oder  Ausländer  sein*  Hierin  liegt  es,  denn,  lag  es  in  dem  System, 
so  müsste  sich  dieses  vorzüglich  aus  dem  letzten  Grade  erweisen, 
die  den  Illuminaten  in  München  noch  unbekannt  sind. 

Mein  innigster  Wunsch  wäre,  davon  Besitzer  zu  seyn,  und 
ich  könnte  sie  dem  Fürsten  erteilen,  erstaunen  würde  er  sicli 
über  die  Neuheil  der  Ideen,  die  noch  niemand  gedacht,  noch 
niemand  gesagt  hat,  ohne  das  geringste  was  onstösst,  zu  finden, 

Unbesonnenheit  also,  mit  Stolz  und   Übermut  verbunden. 


r_     203     — 


ist  der  llluminolen  wohres  Verbrechen.  Sie  gaben  sich  dem 
Argwohn  preis,  erschufen  sich  Feinde  dadur'ch  —  deren  schonien 
sie  nicht  und  dunklen  sich  stark  genug  sie  zu  erdrücken-  Ihre 
Feinde  erkannten  ihre  Schwäche,  entdeckten  ihre  Unbesonnen- 
heilen als  begangene  Laster,  vSeztcn  %'ielleicht  nach  Gutbelinden 
Abzu,  un}  sich  an  ihre  Stelle  zu  schwingen,  und  daraus  entstand 
^ei'st  das  Verbot,  und  weil  sie  sich  diesem  nicht  pflichtmässig 
fügten,  bekamen  ihe  Feinde  neuen  Stoff  gegen  sie,  und  nun 
folgte  Strafe  und  Verweisung. 

»Hier  haben  Euer  S.  den  wahrsten  Grund  von  der  Sache, 
n  allem  Partheigeist  entfernt.  Worum  ich  Sie  bitte,  ist  dies, 
zu  besolden,  dass  nichts  davon  ins  Publikum  komme.  Es 
ist  ein  Gesetz  von  mir,  mich  mit  keinem  Journal  zu  bewegen, 
denn  Lüge  und  Wahrheit  gilt  ihnen  gleich,  sofern  nur  etwas 
zu  schreiben,  wenigstens  was  unseren  Staat  betrifft,  von  dem 
ihnen  alles  Schmöhhche  willkommen;  denn  ausserdem  wäre  es 
nicht  möglich,  dass  ihnen  das  elende,  partheiische  meist  nur 
Bubengeschmier  nicht  auffallen  soHle. 

H  Nur  noch  ein  einziges  Mal  hat  sich  in  der  Verfolgungszeit 
TOS  Ordens  die  österreichische  Regierung  mit  diesem  befassL 
Der  öslerr.  Direktorial- Gesandte  Fi'eiherr  von  Borie  in  Regens- 
bui^  meldete  am  21  May  1785  nach  Wien,  dass  Weishaupt  sich 
in  Regensbui'g  auflialle  und  dass  die  grosse  Loge  des  Ordens 
daselbst  errichtet  werden  solle.  Archiv  und  Casso  sei  unter- 
wegs. Der  Kuriurst  habe  auf  Erlangung  beider  Preise  ge- 
setzt und  deswegen  habe  er  dem  Gesandten  v.  Lehrbach  nach 
Münctien  wie  folgt  Nachiicht  gegeben: 

B  „Der  von  Ihro  Kurfürstl.  Drchlcht.  aus  dero  Bayrischen 
Landen  aus<:2;elrelene  Weishaupt  ist  dahier,  ei'  hat  den  Titul 
eines  Hofrulbes  zu  Gotha  und  damit  den  Schutz  von  dieses 
Hofes  döhiesieger  Gesandschaft  erlangt.  Sein  absehen  gehl 
dahin,  um  die  Loge  der  Illuminaten  dahier  zu  entrichten  und 
damit  Ihro  Kurfürstk  Durchl,  den  Hohn  zusprechen.  Die  Cassa 
und    das   sogenannle   Ai'chiv   dieser   Gesellschaft    solle    in    den 

Flzbui'gischen  Landen  dermalen  seyn  und  aus  solcher  anhero 
diese  Stadt  in  wenigen  Tagen  gebrncht  werden. 
Wann    der   Kurpfalz.    Hof  die    Cassa    und   das  Archiv  zu 
Händen  nehmen  will,  so  ist  dieses  möglich,  weil  solche  nicht 


i04     — 


kann  anhero  gebracht  werden,  ohne  die  Boyr.  Lande  zu  passieren 
und  mit  diesen  die  dasige  Stadt  ganz  umgeben  ist. 

Wenn  auch  dieser  Hof  der  Person  des  Weishoupt  sich 
versichern  will,  so  sieht  es  in  dessen  Willen,  nachdem  derselbe 
öfters  ausser  dem  Burgfrieden  dieser  Stüdt  sich  begiebt. 

Mich  bedünkt  Aveiter,  dass  der  Herr  Herzog  von  Gotha  ihm 
den  Schutz  auwiederum  entziehen  werde,  wann  hochstderse!be 
belanget  werden  sollte. 

Zu  Euer  Excell  etwa  Dienstwissenschaft  melde  oll  dieses 
gehorsamst  und  beharre  —  —'' 

Lehrboch  berichtete  am  29;  Mai  1785  nach  Wien,  dass  er 
den  Kurfürsten  über  die  Absicht,  Kasse  und  Archiv  nach  Regens- 
burg zu  versetzen,  unterrieliten  und  im  nächsten  Monat  mitteilen 
werde.*) 

Anstatt  aber  eine  Ermunterung  hierfür  aus  Wien  zu  er- 
halten, erhielt  er  die  kurze  Antwort: 

Der  Kayser  ist  nicht  gewohnt  sich  mit  solchen 
Possen  aufzuhalten. 

Borrir  muss  sich  also  auch  damit  nicht  begeben. 

Wahrscheinlich  ist  diese  Abweisung  von  Kaunitz  im  Auf- 
trage ausgefertigt.  Geschrieben  ist  sie  auf  kleinem  Oktavzeltel 
und  dem  Gesandtschaftsbericht  beigelegt. 

Die  Wirkung  dieses  Nasenstübers  spiegelt  sich  in  einem 
Briefe  Lehrbuchs  an  Kaunitz  vom  15.  Juni  1785  wider,  den 
Sebastian  Brunner  in  iDer  Humor  in  der  Diplomatie  und 
Regiernngskunde  des  18,  Jahrhunderts,  im  I.  Band  Seite  281 
verofl^entlfcht  hnt. 

Es  heisst  dorl: 


iMit  ehifurchtsvoUster  Danknehmigkeit  verehre  ich  die 
huldreiche  Belehrung,  welche  Euer  fürstt.  Gnaden  mir  unter  1. 
dieses  wegen  der  in  den  hiesigen  Landen  seit  einiger  Zeit  ein* 
geführten  sogenannten  lUuminatengesellschaft  zu  ertheilen  be- 
liebt haben.**)  M 

•)  Diese  Dokumente  ticfluden  sich  im  K.  K.  Staatsarchiv  zu  Wien  unter 

GeseiidUchaflÄbofiehle  Nr.  tl2, 

••)  Bezielit  sicli  jedenfalls  auf  den  bekann  «gegebenen  Wiener  Bericht 
Seite  197. 


setz  ist,  in  keiner  Angelegenheit,  welche  weder  mittelbar  noch 

miltelbor  unsern    allerliöchslen   Hof  betrifft,    einigen  Antheil 

nehmen,   so  habe  ich  in  dieser  Sache  bisher  noch   keinen 

iritt  gemocht,  und  ich  werde  mich  auch  in  der  Folge  umso- 


—     200     — 

weniger  in  dieselbe  einmischen,  als  Hochdero  gnädige  An- 
weisung nnich  hierüber  von  den  eilerhöchsten  Gesinnungen 
unseres  allerhöchsten  Hofes  unterrichtet.«  — 


Seit  dieser  Zeit  findet  sich  auch  trotz  eifrigen  Suchens 
keine  Andeutung  mehr  in  den  GesandtschsfLsberichten  ober 
Verfolgung  oder  Treiben  der  Illuminnten. 

Wem  es  daher  in  Anbetracht  dieser  historischen  Tatsachen 
noch  zu  behaupten  möglich  ist,  der  Illuminatenorden  hahe 
intime  politische  Beziehungen  zum  Wiener  Hofe  gehabt,  —  der 
kann  nur  verleumden,  aber  solche  Unwahrheiten  niclit  beweisen 

AucIj  der  Umstand,  dass  Graf  Riedesel  unter  dem  Namen 
Ptolomäus,  trotz  seiner  Eigenschaft  als  preussischer  Gesandter 
in  Wien,  dem  Orden  angeliörte,  giebt  keinerlei  Anhaltspunkte 
für  eine  bereclitigte  Annohme,  dass  der  Orden  seine  Mitglieder 
für  politische  Zwecke  ausnutzte.  Die  Zugehörigkeit  zu  einer  ve^ 
dächtigten  Gesellschaft  ist  noch  lange  kein  Beweis  dafür,  dass 
<las  hochstellende  Mitglied  nun  sofort  alle  seine  Beziehungen 
gehorsamst  der  Gesellschaft  zur  Verfügung  stellte.  Diese  An- 
nahme wird  aber  von  Feinden  als  conditio  sine  qua  non  gern^ 
daliingestellt,  trotz  der  handgreiflichen  Uacberlichkeit  derselben, 
Der  Graf  hat  dem  Orden  keine  nachweisbaren  Dienste  geleistet, 
hätte  sie  auch  gar  nicht  leisten  können,  da  die  Absichten 
des  Königs  Friedrich,  bezüglich  des  Landertausches,  denen, 
die  dem  Orden  nachgesagt  werden,  schi-olT  entgegengesetzt 
waren.  Seine  Ordenszugehörigkeit  kann  geradezu  als  ein  Belegi 
angesehen  werden,  wie  harmlos  die  Ordenstendenz  in  politischer] 
Beziehung  war. 


I 


Massregeliiiig  und  weiteres  Schicksal  des 
Professor  Weishaupt. 

Der  Leser  wolle  sicli  jetzt  der  anfangs  mitgeteilten  pfipst- 
lichen  Briefe  (s.  Seite  13)  erinnern,  in  denen  dem  Bischof  von 
Freysing  ein  so  hervorragender  Anteil  und  uneingeschränktes 
Lob  eingeräumt  wird,  dafür,  dass  er  der  Sitte  der  Vatc 


—     207     — 

Bischöfe  folgend,  olle  wichtigen  Vorgänge  dem  üpostoiischen 
SiuJile  meldete.  Im  zweiten  Brief  wird  die  Ingolstädter  Uni- 
versität als  von  Grund  ous  entartet  dargestellt  und  der  BisrhoF 
belobt,  dass  er  dem  Kurfürsten  den  Ernst  des  Übels  mit  Kifer 
darstellte.  Diese  vom  Juni  und  November  1785  datierten  Briefe 
beziehen  sich  folgerichtig  auf  vorhergegangene  Tatsachen  und 
sind  einesteils  der  Freudenausdj'uck  über  die  Verbote  des  Kur- 

«,rslen,  andernteils  über  die  endlich  durchgesetzte  Entlassung 
^eishaupts  als  Professor  der  Universität.  Über  die  Gründe  dieser 
mtsenthebung  Weishaui>ts  lasst  sieh  Dr.  Carl  Prantl  in  seiner 
amtlich  verfassten  Geschichte  der  Ludwig-Maximihan-Universität 
wie  folgt  aus: 

I>Die  Veranlassung,  welche  die  Regierung  im  Febi*uar  1785 
m  Zaune   brach,    um  Weishaupt  zu    entfernen,    ist   wahrhaft 
lächerlich   und  zeigt,  dass  man  im  eigenen  Schuldbewusstsein 
nicht  wagen  durfte,  offene  Farbe  zu  bekennen,  welche  nur  von 
der  dümmsten  Sorte  des  Obscurontismus  herbeigeschafft  werden 
konnte.    Weishaupt  nämlich  hatte  wiederholt  darauf  gedrungen, 
^pss   für  die  Universitäts  Bibliotliek   Piei're  Bayles   Dictionaire 
mstont]ue  et  critique,  sowie  die  Werke  des  Richard  Simon  an- 
^eschalTt  werden  sollen,*)  die  Regierung  aber  forderte  eine  Ver- 
antwortung W/s,   über  dies  gewiss  unsträfliche   Begehren   und 
^fcchdem    dieselbe   eingelaufen  war,   erfolgte  die  Entscheidung, 
^rass    an    Stelle    der    gewünschten   Werke    Zabuesnigs   Wider- 
legungsschrift  anzusehatlen  sei  und  Weishaupt  vor  versammelten 
Plenum  bei  geöffneten  Türen  das  tridentinische  Glaubensbekennt- 
nis ablegen  solle,  im  Übi'igen  aber  mit  Ende  des  Studienjahres 
von    seiner   Pi-oiessur    mit    einem    GnadengehaUe    von    400    fl,, 
welchen  er  weder  in    Ingolstadt  noch  in  Münchens  Nähe  ver- 
zehren darf,  entlassen  sei.t**)  — 

"       Die    kurfürstlichen   Vort'ygungen    hat  Wekhi'lin    in    seiner 
Zeitschrift    »Das  graue   Ungeheuer«,    im   4.   Band    ohne  jeden 


•)  Wer  sich  nur  einigermassen  mit  Geschichte  der  wissenschafinchen 
^Oteraluf  beschäfli^le,  weiss,  welche  Fund^Tube  gelehrten  Materials  bei  Bayle 
Hh*liegt,  auch  dem  DileUanLen  ist  es  nicht  unbekannt,  dass  B.  Simon  die  ersten 
^Bfänge  einer  bibJischen  Textkritik  in  die  Theologie  einrührte, 
Wr  ••)  S.  Archiv  der  Univ.  E.  I  Nr,  7.  Mai  1785.  D  Ut  Nr.  70  L  44  ff,  Univ. 
üibliotliek  Cod.  Ms«:r.  475  foL  3.  3»^ 


—     208     — 


Commentar,  nur  mit  der  Überschrift  versehen:  Die  Geschichte 
des  Professor  Weishoupt,  veröffentlicht.  Der  Vorgang  war  aber 
dem  schwedischen  Gesandten  Björnstjerna  ebenfalls  so  wichtig, 
dass  er  dem  schwedischen  Könige  am  14.  März  1785  in  seinem 
Berichte  diese  Veifügungen  mitteille,  gleichsam  als  eine  Be- 
drohung freier  Denkungsart,  die  dem  Protestantismus  gefähr 
lieh  sei.  Im  schwedischen  Reichsarchiv  zu  Stockholm  findet 
sich  folgendes  vor. 

I  Serenissimus  Elector. 

Es  kommt  vor,   dass  der  Professor  Weishaupt  von    dem 
Universitäts  Biblilhekorio   schon    wiederholtermalen    und   zwar 
jüngsthin  sogar  bey  versammelten  Senat  die  Beyschaffung  des 
Bayle  und  Simon  Richards  in  die  universitaets  Bibliothek  an 
verlanget  habe. 

Da  nun  höchst  befremdlicli  fallet,  dass  ein  öffentlicher 
Lehrer  zumal  einer,  welcher  das  Kirchenrecht  docirt,  solch  gott- 
lose Bücher,  worinnen  die  christliche  Religion  in  ihren  ersten 
Grundwahrheiten  angefochten,  und  der  Saamen  des  Unglaubens 
zu  weiterer  FortpHanzung  mit  voller  Maass  ausgestreuet  wird,  in 
einer  der  studirenden  Jugend  offenstehenden  Bibliothek  nicht 
ohne  grosse  Gefahr  ihrer  Verführ-  und  ganzlichen  Verderbung 
eingeführt  wissen  will,  so  liat  der  I^eclor  Universitatis  ex. 
commissione  speciali  von  demselben  ollsogleicli  seine  christlich© 
Verantwortung  hierüber  hegehren,  sofort  solche  mit  seinem 
Bericht,  längst  inner  zweymal  24  Stunden  a  dato  recepti  ad  iii- 
timum  anher  einzuschicken,  annebens  ernieldetem  professor  zu 
bedeuten,  dass  er  sich  selbst  anher  zu  begeben,  bey  schwerster 
Ungnad  nicht  unterstehen,  sondern  die  weitere  kurfürstliche 
Resolution  in  Ingolstadt  abwarten  solle. 


München,  d.  1.  Febr  1785. 
Carl  Theodor 


Freyhen-  von  Kreitmayr 
ad  mundo  tum  Serenissimi 
Domini  Eiectoris  proprium 
gez.  Dom  hoff. 


an  den 

Rectoren  der  Universi- 
tät Ingolstadt,  den 
Professor  Weishoupt 
betreffend. 

II  Serenissimus  Elector. 

Das   Baylische    Dictionaire    historique   et    critique    dessen 

BeyschafTung  in  die  Universitäts-Bibliothek  von  dem   Professor 


-     209     — 

Weishaupt  so  sehr  betrieben  wird,  ist  bekonntermassen  wegen 
des  gegen  die  christliche  Rehgion  und  guten  Sitten  läufenden 
abscheuHchen  Inhalts  ein  hochärgerlich  und  gefährliches  Buch, 
welches  in  einer  öffentlichen  Bibliothek,  worinn  junge  und  un- 
erfahrene Leute  den  Zutritt  haben,  nicht  nur  nicht  geduldet, 
sondern  auch  in  den  übrigen  indifTerenten  passagen  gar  leicht 
entbehrt  werden  kann. 

Der  von  vermeldeten  Professor  in  seiner  ad  Rectoratum 
abgegebenen  Verantwortung  gebrauchte  Vorwand,  dass  er  solches 
zu  seinen  collegien  über  die  philosophische  Geschichte  bedarff, 
[4iient  ihm  zu  keiner  Entschuldigung,  sondern  zeigt  vielmehr  on, 
lass  er  dernehmliehen  philosophischen  Secte,  wie  der  Urstifter 
Bayle  selbst,  ebenfalls  beygethan  sey  und  sein  Werk  in  keiner 
andern  Absicht  heyzuschaffen  verlangt  habe,  als  damit  solches 
auch  den  Schülern  in  die  Hände  gespielt  und  ihnen  das  Gift 
auf  solche  weise  beygebracht  werden  möge, 

Sr.  KurfürstL  üurchl.  befehlen  demnach,  dass  mehrberührter 
Professor  Weishaupt  zur  kristkatholischen  Glaubens  profession 
Ablegung  bey  versammelten  Acadernischen  Senat  appertis  Januis 
angehaUen  und  anstatt  des  Baylischen  Werkes  die  in  Zween 
)ctov-Bänden  bestehende  Zabuesnickische  Christ-  und  Historische 
lachrichten  in  die  Universität  Bibliothek  beygesclmfft  werden, 
lOiit  man  den  Bayle,  Voltaire,  Rousseau  und  andere  dergleichen 
leuen  Afterphilosophen,  welche  von  Zabuesnick  in  ihrer  wahren 
Jestalt  geschildert  sind,  recht  kennen  lernen,  und  sich  von  ihren 
teligionswidrig  und  ansteckenden  Lehr  Sätzen  desto  eher  zu 
hüten  wisse. 

Man  hat  auch  gegenwärtige  Resolution  alsofort  in  pleno 
ienatu  ohne  weitere  Remonstration  zu  publiciren  und  sich  hier- 
lach  gehorsamst  zu  achten. 

Carl  Theodor.  A.  V.  Kreitmayr. 


III  Serenissimus  Eleclor. 

Demnach  Seine  churfürstliche  DurchL  auf  dero  Universität 
^Ingolstadt  das  Jus  Canonicum  wieder  durch  einen  Geistlichen 

es  vor  diesem  allezeit  gewesen,  dociren  zu  lassen  ent- 
schlossen sind,  so  hat  man  solches  dem  professor  Weishaupt 
anzudeuten,  damit  er  seinen  Antrag  hiernach  mache,  und  mit 
Ende  des  heurigen  Schuhl  Jahres  seine  professur  niederlege,  so- 
fort sich  um  andere  Dienste  zu  bewerben  wisse,  bis  dahin  man 
ihm  eine  pension  von  jährL  400  fl.  ex  cassa  Universitatis  ver- 

Eng«l,  Oetclii  eilte  des  TUamtiiAt^iionieits.  X4 


—     210     — 

reichen  lassen  wird,  welche  er  jedoch  Aveder  hier,  noch  in  In- 
golstadt oder  selbiger  Revier  zu  geniessen  habe,  auch  die  höchste 
Stelle  bei  ohnausbteiblicher  Ahndung  hierüber  unbehelligt  lassen 
solle. 

Mit  den  von  der  Weishauptischen   Besoldung  ad  Cassani 
zurückfallenden   600  fl.    aber   gedenken   Sr.   kurfl.    DurchL   den 
künftigen  Professoren  Canonum  zu  salariren. 
München,  d.  11.  Febr.  1785. 

Carl  Theodor,  Kurfürst  A.  V.  Kreitmavr. 


Zu  diesen  drei  in  Stockholm  befindüchen  Abschriften  Set 
Originaldokumente  vei'öflentlicht  das  »Graue  Ungeheuer«  noch 
eine  vierte  Veroi'dnung  des  Kurfürsten.     Dieselbe  lautet: 

Seren iss.  Electon 

Seine  chuifürstlicbe  Durchlaucht  haben  aus  dem  Universi- 
Ifits  Bericlit  vom  16ten  Maj.  und  der  beigefügten  Erklärung  des 
Professor  Weishaupts  mit  mehreren  ersehen,  w^as  gestalt  der- 
selbe das  heurige  Schuljahr  nicht  mehr  ausgehalten,  sondern 
seine  Professur  aüscbon  wirklich  niedergelegt,  und  die  ihm 
verwilHgte  Pension  schlechterdings  ausgeschlagen,  und  sowohl 
die  Stadt  Ingolstadt  als  das  Land  längst  inner  10  oder  12  Tagen 
zu  räumen  sich  erklärt  hat.  Da  man  nun  an  diesem  hoch- 
müthigen  Pocher  weiter  nichts  als  einen  reduzirten  Logenmeister 
verliert:  so  wird  er  auch  hiermit  sogleich  verabschiedet;  und 
hat  man  ihm  von  gegenwartigem  Rescript,  so  wie  er  es  von  den 
vorhergehenden  verlangt,  ebenfalls  eine  vidimirle  Abschrift  auf 
die  Reise  mitzugeben. 

München,  d.  19.  Febr.  1785, 
Carl  Theodor,  Churfür-st. 

A,  \\  von  Kreilmayr 

ad  Mandatum 

Sereniss.  Domini  Electoris  proprium 

Dumhof*) 


Nach  den  kuriürstlichen  Erlassen  I—IIl  sollte  man  meinen, 
dass  Weishaupt   wenigstens  in  allen  Ehren   entlassen   worden 


')  Der  schwedische  Gesandte  schr^il»!  stets  Domhoff,  das  graue  Un- 
geheuer Dumbof,  letztere  Lesart  ist  keine  boshafte  Namens verdi-ehung,  der 
Mann  heilst  Dumhof. 


—     211     — 

H  und  in  Ruhe  seine  weiteren  Wege  gehen  konnte,  das  war 
keineswegs  der  Fall.  Hinter  den  anscheinend  so  gleichgültigen 
Worten  verbarg  sich  die  Absicht,  sich  der  Person  Weishaupts 
zu  bemächtigen,  und  das  abfallige  Urteil  des  4.  Erlasses,  in  dem 
Weishaupt  ein  reduzierter  (?)  Logenmeister  genannt  wird,  an 
dem  man  weiter  nichts  verliert,  verhüllt  nui'  mühsam  den  Ärger, 
dass  die  oben  erwähnte  Absicht  nicht  gelang. 


Hertog  Ernst  von  Gotha. 


Weishaupt  hatte  noch  zuletzt  eine  Unterredung  mit  dem 
^damaligen  Rektor  Kandier,  die  damit  endete,  dass  ersterer  sich 
schleunigst  entfernte,  um  sofort  am  16.  Februar  1785  Ingolstadt 
biu  verlassen.  Nicht  etwa,  dass  der -Rektor  Weishaupt  warnte, 
sondern  letzterer  erkannte,  dass  ein  längeres  Verbleiben  für  ihn 
höchst  gefährlich  sei.  Wie  er  seine  Flucht,  denn  eine  solche 
war  es^   bewerkstelligte,  erzählt  Joseph  Hartmann   in  der  Alt- 


—     212     — 


bayrischen  Monatsschrift,  herausgegeben  vom  Historischen  Verein 
von  Oberbayern,  in  Heft  2/3  vom  Jahre  1900.     Daselbst  heisst  es: 

*Weishaupt  würde  einer  glaubwürdigst  vererbten  Tradition 
zufolge»  sicherlich  nicht  mehr  entkonnmen  sein,  wäre  er  nicht 
im  letzten  Augenblick  noch  Hndig  genug  gewesen.  Denn  schon 
hotten  die  Wachen  der  vier  Tore  den  Auftrag  erhalten,  den  all- 
gemein bekannten  Professor  Weishaupt  nicht  entwischen  zu 
lassen»  als  dieser,  von  anderen  zur  Vorsicht  gemahnt,  auf  folgen- 
den Einfall  kam.  Er  begab  sich  zu  dem  in  der  Ingolstädter 
Kupferstr.  10  ansässigen,  ihm  gut  bekonnten  Schlossermeister 
Joseph  Martin,  der  jedenfalls  auch  Illuminat  war,  und  hielt  sich 
in  dessen  Haus  ein  paar  Tage  \%rborgen.  Dann  steckte  er  sich 
in  Handwerkerkleidung  und  fuhr  mit  einem  ihm  vom  Sclilosser- 
meister  zur  Verfügung  gestellten  Gespann  zum  Harderthor  hinaus. 
Er  war  entronnen  und  gelangte  glücklich  nach  der  freien  Reichs- 
stadt Begensburg,  woselbst  der  Geächtete  vor  Gefangennahme 
sicher  sein  konnte.« 

Bevor  Weishaupt  Regensburg  zum  Aufenthalt  w^ählte,  hat 
er  sich  kurze  Zeit  in  Nürnberg  aufgehalten.  Welche  Gründe 
ihn  dazu  bewogen,  ist  unbekannt. 

Jetzt  sollte  bald  der  Augenblick  für  den  Herzog  Ernst  von 
Gotha  kommen,  um  tatki'öftig  für  Weishaupt  einzutreten.  Er 
hatte  der  Welt  bereits  einen  Beweis  seiner  Gesinnung  zu- 
gunsten  des  Gemassregelten  dadurch  gegeben,  dass  er  ihn  1783 
zum  Hofrat  ernannte,  nun  sandte  er  ihm  nachfolgenden  Brief.*) 

Nehmen  Sie,  werthester  Herr  Hofrathl 
gegenwärtig  geringen  Beweiss  meiner  wahi*en  Achtung  und 
Freundschaft  als  ein  Zeichen  meiner  innig  Theilnehmung  an 
ihren  widrig  Schicksal  auf,  und  sind  sie  überzeugt,  dass  die 
herzlichste  Vorsorg  für  ihre  künftige  Ruhe  und  Zufriedenheit  Ihue. 
Möchten  doch  diese  Zeilen  dazu  beytragen  können,  Ihnen 
ihre  izige  läge  zu  erleichtei'u,  und  sie  von  der  aufrichtigen  Zu- 
neigung versichert  zu    machen,    mit   welcher   ich    lebenslängig 

verharre 

Ihr 

Gotha,  Wohlgeneigter 

d.  14.  April  1785.  Herzog  Ernst. 


•)  Original  in  München,  Geheimes  Haasarchiv. 


213     — 


Als  Herzoglich  Golhaischer  Hofrat   lebte  Weishaupt   nun- 

Ljnehr  in  Regeiisburg,  jedoch  sollte  seine  Ruhe  sehr  bald  daselbst 

fcesiort  werden,  infolge  der  eintretenden  Ereignisse. 

■        Ann  20.  Juli  1785  ging  Weishaupt  mit  seinem  Freund  und 

rOrdensbruder,  dem   Priester  Lanz,  vor  den  Toren  von  Regens- 

^uiTg    spazieren.     Ein    Gewitier  zog    auf  und   Lanz    wurde   an 

^■Teishoupts  Seite  vom  Blitze  erschlagen,  ersterer  blieb  unverletzt, 

H       Laut  den    im    sächsischen   Hauptstaotsarchiv   zu   Dresden 

^tindlichen  Akten    befindet  sich    im  Akt  30150   Nr  32   und  37 

bezeichnet:  Ada  Chur  Bayern,  insonderheit  dessen  Irrungen,  ein 

Bericht  des  kurfürstliclien  Gesandten,  der  den  Vorgang  schildert 

und    angibt,    dass    bezüglich    der   Effekten    des    vom  Blitz   er- 

^p^hlagenen   Priesters  Lanz   ein   Streit    entstand,   zwischen  dem 

^bnsistorium   des   Stiftes  Regensburg  und  der  Churpfälzischen 

Gesandtschaft. 

Ersteres  wollte  nämlich  die  Obsignation  der  Effekten  des 
Verunglückten,  unter  Angabe  wie  dieser  Fall  sich  in  seinem 
Kirchsprengel  zugetragen,  ganz  allein  und  ohne  Konkurrenz  vor- 
nehmen. Hierüber  und  dass  das  Coosistorium  die  bereits  auf- 
gedrückten Churpfälzischen  Siegel  ganz  ungescheut  und  eigen- 
mächtig abgerissen,  aussei'dem  auch  die  in  seinem  Quartier 
zum  schwarzen  Bären  befindlichen  Sachen  wegbringen  und  nach 
Freysingen,  unter  welcher  Diocese  R  Lanz  gehörte,  transpor- 
tieren liess,  berichtete  der  Churpfalziselie  Gesandte.  Es  entstand 
grosse  Empörung  über  dieses  anscheinend  voreilige,  unbefugte 
Tun  und  wurde  infolgedessen  die  Sperre  über  die  Temporal 
Gefälle  der  Diocese  ausgesprochen,  jedoch  bald  autgehuben, 
weil  das  Stift,  in  den  Kleidern  des  Lanz  eingenäht,  Illuminaten- 
B^piere  und  namentlich  eine  Namenslisle  der  Ordensmitglieder 
vorfand,  die  es  sofort  nach  München  sandte. 

Eine  wörtliche  Abschrift  der  bei  Lanz  vorgefundenen  Fapiei^e 
befindet  sich  im  Dresdener  Hauptstaatsarchiv. 

^P  Von  diesem  Augenblicke  an  begann  nun  eine  weitere 
Massregelung,  die  sich  bis  zum  inquisitorischen  \'eifahren  aus- 
bildete. Namentlich  suchte  man  sich  der  Person  Weishaupts  zu 
bemächligen.  In  Regensburg,  der  damaligen  freien  Reichsstadt, 
^^ar  der  neue  Hofrat  allerdings  unantastbar.  Regensburg  war 
MlllOch  von  bayrischem  Gebiet  umschlossen,  sehr  leicht  konnte 
weishaupl  dasselbe  bei  seinen  gewohnten  Spaziergängen  betreten 
und  dieses  hofile  man,  um  ihn  sodann  sofort  gefangen  zu  nehmen. 


—     214     — 


Ein  diesbezüglicher  Befehl*)  lautet t 

Der  Regierung  Stroubing  wird  hiermit  anbefohlen,  auf  den 
geweslen  Professor  Weishaupt,  welcher  seinen  Wohnsitz  der- 
mal in  Regensburg  aufgeschlagen  hat,  durch  die  benachbarte 
Gerichte  gute  Obacht  bestellen  zu  lassen,  damit  er  auf  Betretten 
in  dem  Churfürsllicheo  Terriloria  arretirt  und  bis  auf  erlbigend 
höchste  Resolution  des  Arrestes  nicht  entlassen  werde. 
München,  d.  3L  Augüst  1785. 

Es  hatte  der  plötzliche  Tod  des  Lanz,  durch  die  damit 
verbundene  Auffindung  der  Liste  noch  andere  Folgen.  Zunächst 
die  Massregelung  des  Zwack h  und  die  Oktob.  1786  darauffolgende 
Hausvisitation,  auf  beides  kommen  wir  noch  zurück,  und  w^eiter- 
hin  eine  Haussuchung  auf  dem  Schlosse  des  Baron  Bassus» 
durch  welche  ebeiifolls  mannigfache  Illuminaten-Schriften  und 
Briefe  gefunden  wurden.  Die  bei  Zwackh  gefundenen  wurden 
den  ehemaligen  Mitgliedern  des  Ordens:  Utzschneider,  Renner, 
Cossandey,  Grünberger  zur  Anfertigung  eines  Auszuges  über- 
geben, der  dann  nach  Fertigstellung  den  beiden  Oberlandes- 
regierungsräten  v,  Eckartshausen  und  von  Schneider  laut  Kur- 
fürsthchen  Befehls  vom  2.  Januar  1787  zur  weiteren  Begutachtung 
ausgehändigt  wurde.  Auch  die  bei  Bassus  gefundenen  Briefe 
und  Schriften  gingen  durch  die  Hände  der  letzteren. 

Unter  den  Schriften  fand  sich  nun  ein  Brief  Weishaupts, 
oder  soll  sich  darunter  befunden  haben,  der  Schreiber  behauptet» 
er  wäre  jedenfalls  auf  andei^e  Weise  hinzugekommen,**)  der  be- 
nutzt worden  ist,  um  Weishaupt  als  ein  Ungeheuer  von  Un* 
moral  hinzustellen.  Wir  dürien  diese  diskrete  Angelegenheit 
nicht  übei^ehen,  um  nicht  den  Vorwurf  der  Bescheinigung  und 
Verschweigens  unangenehmer  latsachen  auf  uns  zu  laden,  bringen 
sie  jedoch  in  korrekter  l^eihenfolge  der  Geschehnisse  und  über- 
lassen das  Endurteil  dem  Lesen 

Die  Tatsache  ist  sehr  einfach.  Weishaupt  erzählt  sie  selbst 
in  seiner  Schrift:  Kurze  Rechtfertigung  meiner  Absichten,  Frank- 
furt und  Leipzig  1787,  Seite  56  folgendermassen: 

Gegen  das  Jahr  1777  wurde  meine  erste  Frau  von  einer 
Krankheit  überfallen;  diese  dauerte  bis  in  das  Jahr  1780,  wo  sie 


*)  Original  im  geheimen  bayrischen  Staats- Archiv. 

♦•)  Siehe:    Kurze  Hechtfertigung   meiner  Absichten,   von  A.  Weiahaupt, 
Fpatikfurt  1787,  Seite  13,  Anmerkung. 


—    216    — 


ich  ihr  im  Moiiath  October  des  Jahrs  1779  in  Gegenwart  ihrer 
Mutter,  döss  ich  mich  nach  Kräften  bestreben  würde,  die  Er 
laubniss  zur  Heyroth  mit  ihrer  Schwester  zu  bewürken.  Selbst 
den  Tag  vor  ihrem  Tod  hob  ich  dieses  \'ersprechen  wiederholt, 
Sie  war  darüber  i'uhig  und  starb,  und  meine  Schwägerin  blieb 
bey  mir,  um  meine  Wirthschaft  zu  führen, 

Sie  Ing  noch  im  Hause,  so  gescliahen  mir  besonders  durcli 
die  Geisthclie,  verschiedene  zum  Theil  sehr  voilheilhafte  Anträge 
zu  einer  neuen  Verheyi^athung.  Aus  der  Hartnäckigkeit,  mit 
welcher  ich  solche  von  mir  gewiesen,  schlössen  viele  schon  da- 
mals, und  das  Gei^ücht  verbreitete  sich  in  der  Stadt,  dass  meine 
Absichten  auf  meine  Schw^ägerin  gingen. 

Indessen  war  die  Trauerzeit  vorbey.  Ich  ersuchte  meinen 
geisthchen  Schwager,  er  mochte  durch  die  P.  P,  Franciscaner  in 
Neuburg  sich  in  Rom  erkundigen  lassen,  welche  Hoffnung  ich 
hätte,  mein  Versprechen  zu  erfüllen.  Eine  geraume  Zeit  ging 
vorüber,  endlich  kam  die  Antwort:  Dieser  Fall  sey  äusserst 
schwer,  doch  nicht  ohne  Beyspiel:  Diese  fänden  sich  allein  in 
grossen  Häusern;  die  Hofimng  eines  erwünschten  Erfolgs*)  sey 
also  äusserst  schwach  und  gering.« 

Nun  sollten  neue  würksamere  Wege  ausgemacht  wei'den, 
die  ganze  Sache  beruhte  also  bis  dahin.  Ich  hatte  damahlen 
einen  Schwager  in  Wien.  Meine  Schwiegereltern  wandten  sich 
durch  ihren  Sohn  an  die  dortige  Nuntiatur.  Ich  Hess  meine 
Gi'ünde  vorlegen:  1.  dass  ich  genöthigt  sey,  mich  wieder  zu  ver- 
lieyr'atlien,  2.  dass  ich  wünschte,  dass  solches  auf  die  meinem 
Kind  unschädlichste  Art  gescliehen  könnte.  3.  dass  ich  glaubte, 
dass  eine  leibliche  Schwester  der  verstorbenen  Frau  diese  Ab- 
siclit  besser  erfüllen  würde,  4,  dass  ich  meiner  Fr'ou  schon  bey 
ihren  Lebzeiten  zu  ihrer  Beruliigung,  diese  bedingte  \'ersicherung 
gemacht.  5.  dass  ich  zugleich  durcli  diesen  Weg  eine  Pflicht  der 
Dankborkeit  ert^üllen,  und  so  gut,  als  ich  es  vermag,  alle  so 
grossen  Dienste  belohnen  kann,  die  wir  beyde  von  meiner 
Schwägerin  eifahren.  Liebe  füi-  mein  Kind,  ein  gemachtes  \'er- 
sprechen,  Achtung  für  meine  verstorbene  Frau,  Dankbarkeit, 
selbst  die  Notar  der  Sache,  alles  sprach  für  mich  und  unler- 
stützie   mein  Gesuch.     Aber   alle   diese  Gründe    halfen    nichts, 


In  jener  Zeil  war  die  Heirat  eines  Mannes  mit  seiner  Schwägerin  als 
biuisch&nderisch  verboten,  konnte  jedoch  durch  einen  Dispens  des  Papstes 
gestattet  werden. 


—     217     — 


lian  fand  sie  zu  sclnvach.     Ich  war  der  Meynung,  dass  es  der 
Vernuijfl  angemessener  wäre,  die  Heyrath  mit  der  verstorbenen 

tu  Schwester,  im  Fall  Kinder  vorhanden  sind,  eher  zu  fördern, 
zu  verbieten.  Bey  den  geistlichen  Gerichten  hatte  man  diese 
Meynung  nicht.  Umsonst;  diese  Gi'ünde  schienen  schwach.  Sehr 
viele  Zeit  gieng  über  diesen  Streit  verlohren;  und  schon  damahleii 
im  Jahre  1782  versicherten  mich  viele  angesehene  Miinner,  welche 
die  Praxis  curiae  besser  v^erstanden,  dass  eine  Schwängerung 
das  kräftigste  Beförderungsmittel  bey  ähnlichen  Gesuchen  sey. 
Der  Leser  kann  sich  einbilden,  dass  die  Einladung  und  Ver- 
suchung nicht  gei'ing  war.     Aber  ich  scheute  die  Folgen  und  der 

Vorschlag  unterblieb. 

^  Nach  wiederholten  Schreiben,  kam  man  endlich  dahin  über- 
ein, dass  die  Sache  von  meinem  Bischoff  dringend  emptbhlen 
werden  müsse.  Dieser  Vorschlag  war  vernünftig,  aber  die 
Schwierigkeit  war  niclif  gering.  Der  Herr  Vicarius  generalis, 
dei'  berühmte  Herr  Martin  Lehehbauer,  war  durch  Anempfehlung 
der  Jesuiten,  mein  abgesagtester  Feind;  diese  erhielten  also  auf 
diese  Art  Nachricht  von  meinem  Gesuch,  und  nur  durch  diese 
Hände  konnte  es  gehen.  Ich  konnte  aber  vorhersehen,  welches 
der  Erfolg  seyn  würde.  Meine  Schwiegereltern  erwählten  einen 
Mittelweg,  sie  wandten  sich  geradezu  an  Se.  Hochfürstlichen 
Gnaden.  Hochdieselbe  empfahlen  diese  Sache  nachdrücklichst 
an  ihr  Consistorium.  Dieses  beschloss,  das  Gutachten  der  Theo- 
logischen Faeultat  zu  Ingolslatt  zu  erhohlen.     Diese  berichtete 

^1    meinem   Vorteil    den    3,  Febr.   1783.   L     Woltgang   Fröhhch 

Jlar  der  Concipient,  Mit  diesem  Gutachten  begleitet,  gieng  die 
Sache  endlich  einmahl  nach  Wien,  und  von  da  aus  nach  Rom. 
Alle  Well  versicherte  mich,  nun  könne  es  nicht  fehlen,  in  6  oder 
8  Wochen  w^ürde  ich  unfehlbar  im  Besiz  meiner  Frau  seyn. 

H  Nun  sage  mir  alle  Welt,  w^as  ist  hier  gottloser,  was,  das 
©m  Sittenverderbnis,  eine  Bösartigkeit  verräth.  Jacob  hat 
beynahe  nicht  so  lange  um  seine  Rahe)  gedient.  Schon  im 
Jahre  1779  will  ich  diese  Frau  heyrathen,  drey  ganze  Jahre 
schreibe  ich  in  aller  Welt  und  aller  Orten  um  die  Erlaubniss 
herum.  Ich  habe  Hofnung  sie  zu  erhalten;  meine  Schwägerin 
wohnt  bey  mir  unter  einem  Haus,  alle  Well  versichert  mir  den 
Erfolg  meines  Gesuchs  als  unausbleiblich  und  gewiss;  ist  es  nun 
bey  diesen  Umständen  so  enlsezlich  gefehlt,  wenn  ein  Mann, 
der  sich  so  wenig  zerstreut,  der  mit  solchen  Unmuth  und  Sorgen 
unauniörlich  zu  kämpfen  hat,  der  stündlich  diese  Bewilligung 


—    218    — 


I 


ZU  seiner  Heyratli  erwartet,  —  sich  in  einer  schwachen  Stunde 
dahin  reissen  lässt,  wenn  er  glaubt,  dass  er  sich  noch  so  vielen 
marternden  Stunden,  von  seinem  Kummer  in  dem  Schoos  einer 
Freundin  erhohlt,  deren  Besiz  ihm  olle  Welt,  als  unausbleiblidi, 
als  nächst  bevoi'stehend  versichert?  Wo  ist  nun  die  Schand- 
that?  wo  die  Heucheley?  wo  das  Verderbnis  der  Sitten?  Es  war 
gefehlt,  das  löugne  ich  nicht:  aber  wenige  Menschen  haben  ver- 
zeihlicher gefehlt.  Wo  ist  die  Fertigkeit?  wo  die  böse  Absicht? 
—  Es  ist  trnurig,  wenn  ein  Mensch  geschehen  lassen  muss. 
dass  seine  F.hre,  auf  eine  so  widerrechtliche  Art  so  tief  gekninK 
und  das  weniger  unterrichtete  Pubücum,  so  unnötiger  Weise 
in  eine  solche  Gährung  versezt  werde. 

So  w^eit  waren  wir  indessen  gekommen.  Nun  bekam  die 
Sache  auf  einmal  eine  minder  günstige  Wendung.  Nach  einer 
ziemlichen  Zwischenzeit,  als  ich  nichts  weniger  als  die  würk- 
liehe  Dispensation  erwartete,  kam  über  Wien  von  Rom  aus  die 
Nachricht,  dass  man  von  Seiten  des  vicariats  unterlassen  habe, 
die  nötigen  Producta  lieyzulegen,  und  dass  überhaupt  dies  Vor- 
schreiben nicht  so  nochdrükklich  abgefasst  sey,  als  es  in  solchen 
Fällen  nöthig  und  gew^öbnlich  sey.  Man  stelle  sich  meine  Ve^ 
legenheit  vor.  Ich  musste  mich  also  neuerdings  an  Eichstadt 
wenden.  Ich  erhielt  zwar  nun  die  noch  abgängige  Producte, 
aber  an  eine  weitere  nachdrücklichere  Empfehlung  w^ar  unsers 
Ansuchens  ungeachtet  nicht  zu  denken.  Auf  diese  Art  konnte 
bis  in  das  Monat  Julius  keine  andere  Antwor-t  erfolgen,  als  dass 
ich  an  keine  Dispensation  zu  denken  iiatte,  wenn  mein  Gesuch 
nicht  von  einer  anderen  Seite  nachdrücklicher  von  einem  grossen 
Herrn  unterstüzt  würde.  Indessen  war  meine  Frau  schon  gegen  I 
das  Ende  des  dritten  Monats  in  ihrer  Schwar^gerschatt  voran-  ^ 
gerückt,  und  in  allem  Fall  meine  und  ihre  Prostitution  unver- 
meidlich.    Man  denke  sich  in  meine  Lage. 

Gesezgeber  und  Hicliter!  Ilii*  alle,  die  Ilir  die  Handlungen 
der  Menschen  zu  beurteilen  habt!  Hört  die  Stimme  eines  Men- 
schen, der  sich  selbst  in  dieser  Lage  befand»  der  sich  bey  einem 
besser  ausgebildeten  Verstand  so  wenig  helfen,  so  wenig  den 
reggewordenen  marternden  Vorstellungen  einer  düstern,  alles 
Übel  verkündigenden  Zukunft  widerstehen  konnte,  der  vielleicht 
darum  dies  alles  erfahren  musste,  um  der  Retter  und  Fürbitter 
so  vieler  Menschen  zu  werden,  die  sich  nach  mir  in  einer  ähn- 
lichen Gemüthsloge  befinden  werden.  Hört  mein  Wort:  denkt 
euch  doch  nur  die  Lage  einer  solchen  Person;  denkt,  was  ihnen 


—     219     — 


:er  solchen  Umstanden,  bey  solchen  \'orste]lungen  möglicli 
war  Denkt,  dass  die  Aufforderungen  entsezlich  seyn  müssen, 
welche  eine  sonst  untadelhafte  Mutier  bewegen  können,  gegen 
ihr  eigenes  Eingeweid  zu  wüthen,  und  die  engsten  Bande  der 
Natur  zu  zerreissen.  Ihr  niusst  linden,  wenn  ihr  dies  überlegen 
wollt,  dass  eine  solche  Handlung  nicht  willkührlich  sey;  dass 
ein  Mensch  in  solchen  Fällen  entweder  gor  kein  Gefühl  von  Ehre 
haben  müsse,  oder  dass  er  hinUingliche  Macht  habe,  sich  über  alle 
widrigen  Folgen  der  Verachtung  hinauszusetzen',  wenn  er  den 
Ausgang  ruhig  erwarten  kann*  Ihr  müsst  finden,  dass  diese 
Handlung,  die  Abtreibung  der  Frucht,  eine  unwillkührliche  Folge 
des  ersten  Vergehen  sey,  dass,  wenn  Ihr  also  diesem  leztern 
steuern  wollt,  eure  Vorsorge  dahin  gehen  müsse,  dass  Ihr  die 
Quelle  dieses  Übels,  die  Unzucht,  vermindert*  Ihr  würdet  mit 
mir  vermuthen,  dass,  wenn  es  gleich  weniger  und  nicht  allzeit 
bekannt  wird,  unter  hundert  ehiliebenden  gefallenen  Mädchen 
kaum  eine  einzige  sey,  welche  sich  nicht,  um  ihre  Ehre  zu  retten, 
zu  ähnlichen  äussersten  Mitteln  werkthätig  entschliesst.  —  Hört 
doch  die  Stimme  dei'  Menschheit  und  Vernunft,  und  ich  will 
gerne  diesen  Fehler  selbst  begangen,  diesen  Drang  und  diese 
Schande  selbst  erfalu-en  haben.  Ich  freue  mich,  sie  eifahren  zu 
haben,  wenn  mein  Beyspiel  dazu  dienen  kann,  unsere  Geseze 
menschlicher  zu  verfassen,  hart  zu  diesem  Ende  empfunden  zu 
haben*    Andere  empfinden  ebenfalls  weniger  oder  mehr. 

Ich  sehe  vor  meinen  Augen  eine  Person,  die  ich  so  sehr 
geliebt,  welcher  ich  soviel  zu  danken  hotte,  deren  Glück  ich  zu 
machen  dachte,  eine  Person  von  exemplarischen  Sitten  und 
Tugend,  welche  nun  der  grösste  Trost  meines  Lebens,  und  das 
kostbarste  Geschenk  des  Himmels  ist,  welche  olle  M'^iderwärtig- 
keiten  meines  Lebens  mit  Muth  und  Standhoftigkeit  mit  mir 
theilt,  welche  in  diesem  Stück  der  Stolz  eines  jeden  Römers  ge- 
wesen seyn  würde:  —  Diese  Person  sah  ich  durch  meine  Ueber- 
eilung,  und  durch  die  geflissentliche  Verzögerung  einer  höchst 
natürlichen  Sache,  entehrt,  der  Verachtung  der  Welt,  dem  Un* 
willen  und  Fluch  ihrer  Eltern  und  Verwandten,  und  der  Ahndung 
der  Gesetze  ausgestellt,  preisgegeben,  unglücklich  für  olle  Zeiten, 
Ich  selbst  hatte  ein  unbescholtenes  Leben  geführt,  eben  dieser 
gute  Ruf,  und  die  Reinheit  meiner  Sitten,  hatten  mich  in  den 
Stand  gesetzt,  so  manches  Gute  zu  würken.  Ich  war  öffentlicher 
Lehrer;  mein  widriges  Beyspiel  konnte  so  viele  Jünglinge  ver- 
derben.    Die  Mitglieder  meines  Ordens   hatten   vorzüglich   alle 


—     220     — 


Augen  auf  mich  gerichtet,  auf  meinem  Credit  ruhte  mein  ganzes 
Gehäude:  so  wie  dieser  fiel,  war  ich  iiiclit  mehr  im  Stand»  die 
Sache  der  Tugend  mit  diesem  Nachdruck  zu  verlretten.  loh 
konnte  mir  vorstellen,  dass  jeder  unfolgsame  Jüngling  durch 
eben  dieses  Beyspiel  seinen  mindern  Glauben  an  Tugend  recht- 
fertigen  und  unterhalten,  dass  er  mich  mit  allen  moralischen 
Schwätzern  in  eine  Classe  w^erfen  würde,  dass  nun  alles  ver- 
lohren  seyn  würde,  wenn  keine  Auswege  gefunden  würden,  um 
diese  Mackel  meines  Lehens  zu  verbergen.  Und  was  am  wenig- 
sten in  mir  gewurkt,  ich  hatte  Feinde  von  allen  Seiten,  die  auf 
meine  Schwache  schon  seit  vielen  Jahi-en  gelauert,  die  in  dem 
Taumel  ihrer  Freude  ein  allgemeines  Geschrey  erw^ecken,  die 
Sache  übertreiben,  alles  gegen  mich  empören,  und  meinen  Unter- 
gang befördern  würden.  Dies  alles  sähe  ich  in  der  stärksten 
Ausbildung,  mit  den  grellsten  Farben  gezeichnet.  Ich  war  bey- 
nolie  bis  zur  Vei"zweiflung  getrieben.  In  diesem  Zustande,  den 
niemand  mehr  empfinden  kann,  um  meine  und  meiner  Frau 
Fbre,  und  ich  darf  sogen,  hauptsächlich  um  die  Ehre  der 
Tugend  zu  reiten,  entseliloss  icli  mich  zu  diesem  äussersteu 
Mittel,  zu  dieser  Handlung,  die  euch  so  sehr  empört,  welche  ihr 
mit  meinem  übrigen  Charakter  so  wenig  vereinigen  könnt.  Nun 
tadelt  immerhin  diese  Handlung,  denn  sie  verdientes;  ober  sagt 
mir,  verräth  sie  Bösartigkeit  des  Herzens?  Bin  ich  ein  Heuchler? 
verdiene  ich  diese  Münchner  Invectiven,  welche  mich  dadurch 
als  den  sittenlosesten  Menschen  beschreiben  wollen?  Ist  es 
billig,  dass  man  sich  niclit  begnijgt,  alle  Welt  gegen  mich  zu 
waffnen,  dass  man  auch  noch  über  dies  will,  dass  mein  eigenes 
Kind  mir  fluchen  und  dereinst  seinen  Vater  verabscheuen  soll? 

Also  selbst  dies,  was  das  äi-gste  ist,  be\\eisl  nichts  gegen 
meinen  Charakter,  gegen  meine  Absichten,  es  beweist  eher  für 
mich;  wozu  war  es  also  nöthig,  diese  geheime  Sünde  bekannt 
zu  machen,  ihr  dadui^cli  eine  Art  von  Sanction  zu  geben,  bey 
dem  grössern  Haufen  meinen  Cliarakter  und  mit  solchem  jeden 
Lehrer  der  Tugend  verdächtig  zu  machen?  Wozu  war  es  nötig, 
das  Kind  gegen  seinen  Vater  zu  empören,  und  durch  sein  Bey- 
spiel zu  verderben?  Scliwerlicli  hat  noch  ein  anderer  Mensch 
vor  mir  solche  Misshandlungen  erfahren,  und  sie  so  wenig  ver- 
dient.    Der  Herr  wird  wissen,  warum  ich  sie  erfahre. 

Nicht  genug:  Auch  ein  Meineidiger  soll  ich  seyn,  Ich  habe, 
wie  man  sehreibt,  fälschlich  geschworen,  dass  ich  nichts  von 
diesen    vorgefundenen,    so    gefährlichen    Giften    und    Arzneven 


—    221     — 


risse,    und   icli   selbst   habe   sie    gebraucht? 


Ich    habe   be- 


schworen, dass  ich  niemand  von  meiner  Bekanntschaft  wisse, 
der  sie  angerathen  und  gebraucht  habe.  —  Alles  dies  schwöre 
ich  noch  zur  Stunde.  Ich  wusste  nicht,  dass  Ajax  oder  Cato 
solche  Recepte  besitzen;  ich  würde  mich  ausserdem  vielleicht  in 
meiner  äussersten  Verlegenheit  an  sie  gewandt  haben.  Ich 
weiss  keinen  Menschen,  der  diese  Recepte  angerathen  oder  ge* 
braucht  hätte.  Euriphon  hat  niclit  nur  allein  nicht  mitgewürkt, 
»Sondern  die  UfnnÖglichkeit  ohne  Todesgefahr  dringend  vorge- 
stellt; aufsein  Zureden  sind  alle  weiteren  Versuche  unterblieben, 
und  ich  muss  noch  hinzusetzen,  dass  meine  eigenen,  von  mir 
ausgedachten  Mittel,  Aderlass,  Bad,  und  Bewegung,  mehr  zur 
Stärkung  als  Abtreibung  des  Kindes  beigetragen  haben,  wie 
noch  zur  Stunde  die  Gesundheit  der  Mutter  und  des  Kindes 
augenscheinlich  beweisen.  Marius,  an  welchen  der  Brief  ge- 
richtet  war,  hat  ebgerathen,  und  Celsus  hat  niemahlen  etwas 
davon  erfahren.  Was  er  vor  3  Jahren  sagte,  war  blosser  Scherz, 
indem  er  mich  wogen  meinei"  Schwagerin  railhrte.  Diesen  Scherz 
nahm  ich  nach  3  Jahren,  wo  ich  dessen  leider  benothigt  war, 
für  baare  Münze  auf,  weil  ich  in  meiner  Verlegenheit  nach 
jedem  Schilf  gegriffen,  um  den  üblen  Folgen  voi'zubeugen,  die 
ich  vorhersah.  All  dieses  beschwöre  ich  noch:  Gott  wird  es 
i\issen,  wenn  es  Menschen  nicht  wissen  wollen,«  -    — 


Um  was  es  sich  handelte,  geht  klar  aus  Weishaupts  Er- 
klärungen hervor  Er  hatte  in  dem  Briefe  an  Marius  seine  Ver* 
zweiflung  über  den  Zustand  seiner  Schwägerin  ausgesprochen 
und  gesagt,  dass  zur  Beseitigung  desselben  Euriphon,  das  ist  der 
Arzt  Dr.  Kanzler,  zu  limide  sei.  Letzterem  brachte  diese  Bemer- 
kung später  ein  strenges  Verhör  ein,  jedoch  keinerlei  Beweis 
einer  Schuld.  Im  Grunde  genommen  durfte  dem  Weisliaupt 
auch  gar  kein  tieferer  Vorwurf  gemacht  werden,  denn  der  Papst 
gab  den  29.  Nov.  1783  den  erbetenen  Dispens*)  zur  Heirat,  die 
denn  auch  alsbald  erfolgte.  Seine  Feinde  kümmerte  das  jedoch 
wenig. 

Eine  aus  jener  Zeit  stammende  Handschrift,  die  leider 
nicht  im  Ordensbesitz,  von  der  jedoch  dei*  Verfasser  dieses 
Buches  Abschrift  nahm,  sagt: 


•)  Der  Originaltiispena  liegt  in  Mönchen  im  Kgl.  Geheimen  Slaats-Archiv. 


_     222     -^ 

November  1783  hat  Weishaupt  die  Dispensation  von  Rom 
seine  Schwägerin  heurothen  zu  dürfen»  erhalten  und  sind  darauf 
in  festo  Siephany  beide  von  dem  Heirn  Oberstatt- Pfarrer  in  Ingol- 
stadt in  einem  Wohnzimmer  des  Schloss  zu  Snndhorst,  wo  Baron 
Bassus  als  Hostmarckts-Herr  residirte,  copuliri  worden,  Gezeugen 
waren  Herr  Pfarrer  zu  Schamhaupten,  als  Parochy  Loci,  und 
Assistens;  der  Zeitliehe  Pfarrer  und  Supei*ior  zu  Bettbrunn  bey 
St.  Salvatur»  E.  F.  Ord.  Erem.  S.  Augustini  und  der  Hen^-Ver- 
walter  Joseph  Mayr.  — 

In  dem  Archiv  zu  München  befindet  sich  jedoch  unter  dem 
Titel  ^Dispensations<Act«  eine  ganze  Anzahl  von  Dokumenten, 
die  die  Angelegenheit  besonders  beleuchten.  Es  wurde  dieses 
Aktenstück  1787  zusommengestelli,  nachdem  durch  Auffindung 
jenes  kumpronutlierenden  Briefes  der  KuHurst  Carl  Theodor 
Kenntnis  von  der  Angelegenheit  erhalten  halte  und  nun  Weisr 
haupt  unbedingt  gebrandmorkt  werden  sollte,  als  unmoralischer 
Wüstling  und  Haupt  einer  verbrecherischen  Sekte, 

IHese  r*okumente  geben  nun  ein  so  schaifes  Streiflicht  auf 
die  damahgen  Zustande,  dass  einige  bekannt  gegeben  zu  werden, 
verdienen. 

Der  (»her- Stadt -Pia  i'rer  Wibmer  zu  Ingolstadt,  mit  Weis- 
haupt befreundet,  hatte  sich  namentlich  um  Erlangung  des  Dis- 
penses bemüht;  als  derselbe  einlangte,  nahm  er  selbst  die 
Trauung  voi-  und  schickte  über  den  Verlauf  derselben  nach- 
folgenden Bericlit  ein: 

HL*cliwürdiger,  Hochfüi'stlicher,  Hoch  Bischöfliclies 
General  Vicariat! 

Den  21,  Vorigen  Monaths  und  Jahre  wurden  auf  die  den 
19  ejusdeni  mensis  zugeschickte  Hochfürstlich,  Bischöfliche 
I>elegirte  Ordinariats  Dispensation  beyde  Oratores  Herr  Prof. 
jun  canon,  Doctor  Weishaupt,  und  dessen  Sponsa  Maria  Anna 
Sausenhofern  folgender  massen  Priesterlich  eingesegnet. 

A,  Verfügte  ich  mich  auf  ersuchen  Herrn  Prof.  Weishaupt 
auf  das  Baron  Bassu'sche  gut  Sanderdorf,  als  wo  selbst 
die  Braut  seith  mehi'eren  Monathen  sich  aufhielte. 

B.  Daselbst  Vernamme  ich  bemeldete  Maria  Anna  Sausen- 
hoferin  eydlich  über  die  mir  schon  vormahlen  communi- 
conte  Fragen,  auf  welche  sie  betheuert  hat: 


—     224     — 


ad  1.  dass  Sie  auss  keiner  andere  Absicht  oder  Ursache 
sich  mit  ihrem  Bräutigam  fleischhch  Verfehlt  habe, 
dass  pur  ollein  auss  menschlicher  Schwacliheit 
und  auss  gelegenheit  der  langen  Zusammenwoh- 
nung,  Sie  auch 

ad  2.  Von  gar  Niemand  dazu  ermuntert  worden,  und  sie 
gedenke 

ad  3.  niemahlen,  änderst  als  mit  der  Gnade  Gottes  in 
der  allein  selig  machenden  Christ- katholischen 
Religion  zu  leben  und  zu  sterben,  so  wie 

ad  4.  Sie  gar  nicht  absehen  kann,  dass  auss  dieser  durch 
Päbstliche  Dispensation  gnädigster  bewilligter  Ehe 
einiges  Ai^erniss  entstehen  konnte. 
Nach  diesser  Hesse  ich 

C.  Beyde  das  Juramenta  Libertatis  de  non  abstantibus  aliis 
imperdinertis,  ablegen,  spräche  Sie  dann  nach  der  terae 
der  PäbstUchen  Bulle  ab  strictus  creatibus  loss,  und 
legte  beyden  durch  4  vorher  die  alltägliche  abbetung 
deren  Buss  Psalmen  nebst  der  allen  Heiligen  Lytaney 
und  enverbung  deren  Theologischen  Tugenden,  dann 
einer  Vorzunehmenden  Wallfahrt  und  daselbstiger  öb- 
legung  einer  reumütigen  Beicht  und  Empfangung  der  hl. 
Communion  auf. 
und  ntich  dem 

D.  wurden  von  mir  Beyde  auf  schon  ehvor  erhaltener  Er- 
laubnis des  Schambauptischen  Herrn  Pfarrer  der  nebst 
dem  Sandersdorferischen  Herrn  Ver\vaUher  und  Herrn 
pater  Superior  von  gross  Salvator  als  gezeigen  zugegen 
waren,  ehelich  eingesegnet. 

Und  diesses  ist  es,   was  ich   nebst  remittirung  der  Päbst- 
liclieii  Bulle  berichten,  und  midi  gehorsam  empfehle  als 

Seiner  Hochwürden,  Hochfürstlich 

Hoch-Bischöflichen  General  Vicariats 

gehorsamster 

Dr.  Wibmer,  C^ber  Stadt  Pfarrer. 


War  nun  der  (»berstadt-Pfarrer  Weishaupt  freundlich  ge- 
sinnt, so  war  ilim  der  Unterstadt-Pfarrer  Paulus  Bauer  umso 
feindlicher.  Letzlerer  gab  sich  nachlräglirh  noch  im  Jahre  1787 
durch  die  merkwürdigsten  Auseinandersetzungen  die  erdenk- 
lichste Mühe  nnchzuweisen,  dass  der  Papst  eigentlich  mit  der  Er- 


—     225     — 

teifung  des  Dispenses  betrogen  sei,  weil  dieser  auf  falsche  Vor- 
aussetzungen beruhe«  Es  würde  zu  weit  führen,  die  langatmigen 
Berichte*)  an  den  Kurfürsten  hier  mitzuteilen,  charakteristisch 
ist  jedoch  unter  diesen  ein  merkwürdiges  Attest,  das  als  Beweis 
des  Eifers  jenes  Herrn  UnterstadtJ^arrers  unbedingt  allgemeine 
Kenntnis  verdient.     Es  lautet: 


Attestum. 

Vom  hochchurfürsti.  Bischöfl.  Vicariatswege  allhier  wird 
anmit  geziemend  attestirt,  dass  Herr  I^aul  Bauer,  Thigiae  D.-Ciiur- 
pfalz  Bayrisch,  w^ürklicher  Geistl.  Rath  und  Stadtt>farrer  bey 
St.  Moriz  zu  Ingolstalt  die  Professor  Weishaupt'sche  Dispen- 
sation circa  impedimentum  primi  gradas  aftinitotis  sowohl  durch 
öffleren  schriftlich  als  mündliche  Vorstellungen,  auf  alle  mögliche 

Iiis  zu  hintertreiben  sich  alle  mögliehe  Mühe  gegeben  habe. 
Eichstadii  ex  buria  Vicariatus  Exp.  gratis  die  3te  SeptbHs  1787. 
Jean  Martinus  Lehrbour. 
vicar  im  geistl  Generalis.  (Bischöfl.  Siegel.) 

Am  30.  Januar  1784  ward  dem  Ehepaar  ein  Knabe  geboren, 
r  Wilhelm  Weishaupt  genannt  wurde»  jedoch  bereits  mit 
18  Jahren  1802  in  Gotha  starb.  Sein  Grabstein  befindet  sich 
neben  dem  Weishaupts,  derselbe  zeigt  eine  wahrscheinhch 
von  seinem  Vater  verfasste,  jetzt  jedoch  sehr  schwer  zu  ent- 
ziffernde lateinische  Grabschrift,  deren  Inhalt  %äel  Kopfzerbrechen 
verursacht  hat.  Jedenfalls  ist  der  Stein  in  späteren,  nicht  allzu 
fernen  Jahren  erneuert  worden  und  die  verwitterte  Inschrift  von 
einem  der  lateinisclien  Sprache  ganz  Unkundigen  ausgebessert, 
dabei  jedoch  verbösert  worden.  Es  be linden  sich  jetzt  Worte 
und  Zeichen  auf  dem  Grabstein,  die  kein  Verständnis  ei^eben 
können,  weil  sie  nicht  lateinisch  sind.    Noch  deren  Enträtselung 

tdie  Grabschi'ift: 
Wilhelmus  Weishoupt 
tav.  natus  Ingolstadii  die  XXX  Jan.  MDCCLXXXIIII, 
vixit  multum  aevo  brevi, 
terrae  satur  a  contemplatione  coeli, 
ad  coelum  abiit  die  VI  Jon.  MDCCCH. 
♦)  Abschriften  davon  in  meinem  persönlichen  Besitz. 

Eaf«l,  Geachkbt«  dM  IlltiminmUmordiiQM.  \;t 


Illic  poslquani  se  In m ine  vorn 
imjilevil  stellosrjue  vogas  mirolus  et  astra 
est  ö  polis,  vidit  quonta  siib  Tincte  iaceret 
nostrn  dies  risitque  sui  liidihria  trunci, 

Willjelm  Weishaupl,  ein  Boyer,  geboren  in  Ingolstadtt  der 
30.  Januar  1784,  hnl  viel  erlelit  in  einer-  kurxen  Lebenszeit. 


Erde  .snft  ging  er  von  der  Betrachtung  des  Himmels  zum  Himmel 

Hein  am  6.  Jan.  1802. 

V  Nachdem  er  dort  sich  mit  dem  wahren  Lichte  erfüllt  halte 
und  die  schweifenden  Gestirne  und  die  Sternbilder  von  Himmels- 
höhen aus  hewundert,  sah  ei\  in  welcJier  Nacht  lag  unser  Tag 

^ (Leben)  und  hiclite  übei*  die  Nichtigkeiten  seines  Leibes. 

Ob  Weishaujit  mit  dem  Schlusspossus  nun   auf  seine  Ge- 
^burt  anspielte,   oder  andere  Begebenheiten  damit  meint,   lasst 


I 


SUljouetten  der  ersten  vier  Söhne  WeishaupLs. 


sich   nicht  mehr  feststellen.     Die  Silhouette  dieses  Sohnes,  als 

I Knabe,  ist  auf  einer  nbertüsse  erhalten,  die  sich  im  Besitze  der 
Nachkommen  Weishaupts  in  Gotha  betindet. 
Wir  wollen  diese  Angelegenheit  nun  mit  dem  Hinweise 
bescli Hessen,  dass  auch  Schiller  von  dei*selbcn  ^Kenntuiss  hatte 
und  am  10.  Sept.  1787  dai'ül>ei-  an  Korner  aus  Weimar  schrieb; 
>Weishaupt  ist  jelzt  sehr  das  Gesprach  dei*  Welt.  Seine 
oulgefundeneu  Briefe  wirst  du  gelesen  haben,  sowie  auch  die 
Recension  des  ersten  Bandes  in  dei'  Litcraturzcilung,  welche  von 
Hufeland,  und  nach  meinem  Urlheil  vortrelTlieh  ist.  Was  denkst 
du  denn  von  seinem  unglücklichen  Verbrechen?  —  Alle  Maurer» 


—     228     — 

die  ich  noch  gehört  habe,  brechen  den  Stab  über  ihn  und  wollen 
ihn  ohne  Gnade  bürgerlich  vernichtet  haben*  Aber  der  Orden 
bleibe  ehrwürdig,  auch  nachdem  Weisbaupt  ein  schlechter  Kerl 
sei*  Es  lässt  sich  vielerlei  darüber  sagen  und  ich  muss  ge- 
stehen, dass  mir  die  moraHschen  Declamalionen  dieser  Herren 
etwas  verdächtig  sind.  Ein  Kind  abtreiben,  ist  unstreitig  eine 
lasterhafte  That  —  für  jeden.  Aber  eins  machen,  ist  für  einen 
Chef  de  parti  unverzeihlicher.  Was  sie  mir  von  der  Abscheu- 
lichkeit des  Kindermords  und  von  der  empörenden  Rücksicht: 
dass  ein  V  a  t e r  d  i  e s es  t  h  u e ,  sogen  ist  falsch  und  schief.  Dieser 
Fall  ist  kein  Kindermord.  Es  w^äre  schlimm,  w^enn  man  keine 
triftigeren  Ursachen  hatte,  eine  solche  That  zu  verabscheuen,  als 
jene  schielenden  Raisonnements.  Ich  habe  nur  einen  Massslab 
für  Moralilät,  und  ich  glaube,  den  strengsten:  Ist  die  That,  die 
ich  begehe,  von  guten  oder  schlimmen  Folgen  für  die  Welt,  — 
wenn  sie  allgemein  ist?«  — 

In  Regensbui^  war  Weisbaupt  durchaus  nicht  seiner  Freiheit 
sicher,  wie  bereits  erwähnt  und  bewiesen  wurde,  ja  die  Unsicher- 
heit nahm  zu,  je  mehr  sieb  die\'erfolgungen  in  München  zuspitzten. 
Es  ist  nalüi'licb,  dass  diesem  Zustande  ein  Ende  zu  machen,  W/s 
innigster  Wunsch  war  Dazu  kam  noch,  dass  seine  letzte  van 
fünf  Mädchen  aus  erster  Ehe  ihm  allein  noch  gebliebene  Tochter 
mit  14  Jahren  in  Regensburg  starb,  deren  \'erlust  er  schmerz- 
lichst empfand.  Weishaupt  überwand  seine  früher  gegen  Wien 
ausgesprochene  Abneigung  und  reiste  im  August  1786  nach  dort, 
in  der  Hoffnung;  daselbst  eine  Anstellung  zu  erhalten. 

In  der  Bayreuther  Zeitung  vom  26.  August  1786  findet  sich 
folgende  diesbezügliche  Notiz: 

Wien,  den  16*  August  17fi 
Der  berühmte  Bayrische  Professor  Weishaupt,  welcher  aus] 
bekannten  Ursachen  sein  Vaterland  verlassen  hat,  ist  hier  en-l 
gekommen,  und  wird  ihm  mit  vieler  Hochachtung  begegnet j 
Man  w^eiss  zwar  den  eigentlichen  Endzweck  seines  Hierseins  i 
noch  nicht,  doch  ist  zu  vermuthen,  dass  man  diesen  geschickten 
canonischen  Rechtslehrer  liier  behalten  werde.  — 

Letzteres  geschah  jedoch  niclit  und  Weishaupt  kehrte 
glücklich  nach  Regensburg  zurück.  Er  benutzte  seine  Zeil, 
um  die  immer  stärker  werdende  Flut  der  Verdächtigungen  und 


VVeishaupts  Wohnhaus  in  Regeiisburg. 


4_ 


—     230     — 

Schmähungen  mögliclist  einzudämmen,  konnte  jedoch  einen  wirk- 
samen Einfluss  darauf  nicht,  ausüben. 

Von  München  ous  gab  man  sich  alle  ei'denkliche  Mühe, 
seiner  habhaft  zu  werden,  es  wurde  sogar  noch  Stodtamhof, 
gegenüber  von  Regensburg,  auf  der  andern  Seile  der  Donau, 
ein  Spion  abgesandt,  um  die  Gelegenheit  auszukundschaften,  oh 
Weishaupt  nicht  unbemerkt  in  seiner  Wohnung  zu  überraschen 
wäre.  Der  Oberleutnant  Loi'eozer  ward  mit  diesem  ehretihatten 
Auftrag  betraut  und  berichtet*)  denn  auch  unter  dem  19.  Aug.  1787. 
dass  der  ehmals  gewesene  Professor  Weishaupt  in  des  Seifen 
sieders  Stadlers  Behausung  über  zwei  Stiegen  hoch  in  der  Engeis- 
berger  Strasse  wohnhaft  sich  betindet. 

Diese  Dinge  konnten  nicht  verborgen  bleiben  und  veran- 
lassten den  edlen  Herzog  Ernst  von  Gotha,  den  Gefährdeten  da- 
durch unantastbar  zu  machen,  dass  er  ihn  in  seiner  Gesandt- 
schaft anstellte. 

Am  11.  August  1787  liess  der  Herzog  nachfolgenden  Befehl 
seinem  Gesandten  in  Regensburg  zugehen,**) 


An  den  geheimen  Ratli  und  Comilial  Gesandten 
Freiherrn  von  Gemmingen. 

Wohlgeborener  Herr. 
Nachdem  wir  die  Entschliessung  gefasst  haben,  dem  Hofrath 
Weishaupt  zu  Erweiterung  seiner  Kenntnisse  in  den  Reichstags 
Angelegenheiten  und  um  sich  dadurch  zu  unseren  Diensten 
immer  mehr  geschickt  und  brauchbar  zu  machen,  den  Zutritt 
bey  unserer  dasigen  Gesandtschafts  Canzley  sowohl,  als  dem 
Archive  zu  gestatten,  aucli  denselben  zu  Beyrichtung  eiforder- 
licher  Aufsätze  und  Feiligung  nothiger  Auszüge  aus  den  von 
Zeit  zu  Zeit  erscheinenden  Staalsschriften  gebrauchen  zu  lassen, 
jedoch  unter  der  ausdrücklichen  Einschränkung,  dass  demselben 
nichts  was  auf  das  Religionswesen  im  deutschen  Reiche  über* 
haupt,  oder  auf  die  Gerechtsame  des  Evangelischen  Religions- 
Theils  insbesondere  einige  Beziehung  liaben  dürfen,  zur  Einsicht 
vorgelegt  noch  zur  Ausarbeitung  übertragen  werden  soll,  als 
bleibt  Euch  solches  zu  Eurer  Nachricht  und  Aclitung  hierdurch 
ohnverhallen  und  gesinnen  zugleich  an  Euch,  Ihr-  wollet  ge- 
dachten   Hofrath  Weishaupt  nicht  nur  hiervon  die   nöthige  Er- 


♦)  Original  im  Kgl.  bayr.  Geheimen  Staata -Archiv. 
•♦)  Original  im  Archiv  zu  GoU»a.     U.  U.  VHa— 13. 


-     231     — 


Öffnung  Itiufi,  sondern  auch  sofort  wegen  dessen  Anwersung 
unter  den  bemerkten  Einschränkungen  und  Verpflichtungen  ad 
Silentium  mittesl  Handschlags  an  Eidesstott  das  nothige  besorgen 
und  endiicli  wie  solches  geschehen  mittelst  Einschickung  der 
über  vorstehenden  Actus  zu  feiligeodeu  Registratur  bei  Uns 
Bericht  anzeigen. 
^     Friedenstein,  d.  11.  Aug,  1787. 

^P  Gleichzeitig   erhielt  der  Legations-Sekretär  von  Ernesti  zu 

""Regensbui^  den  Befehl,  den  Brief  an  den  Gesandten  zu  öffnen 

und  danach  zu  handeln,   da  der  Gesandle  selbst   mutmasslich 

verreist   sein    könnte.      Letzteres   war  auch    der   Fall    und   von 

Ernesti  erledigte  die  weiteren  interessanten  Angelegenheiten. 

PKuH'ürst  KaY'l  Theodor  übersandte  zur  selben  Zeit  durch 
seinen  Gesandten,  Graten  von  Lerchenfeld,  dem  Herzog  Ernst 
nachfolgendes  Schreiben,  aus  dem  zu  ersehen  ist,  wie  dringend 
eilend  und  notwendig  der  Schutz  des  Herz*^gs  wurde. 

ICopia  Schreibens,  so  von  Sr,  Churfürstlichen  DchlL  zu  Pfalz 
an  den  H.  Herzogen  zu  Sachsen  Gotha  erlassen  worden. 


München,  d.  9.  Aug.  1787. 


P.  P. 


Ew.  Lbd.   mögen  wir  nicht  länger  beiden,   wie  auffaltend 
und  empfindlich  Uns  sey,  dass  der  geweste  Ingolstädlische  Pro- 
fessor Weishaupt  sich  schon  einige  Jahre  hier  unter  Ew.  Lbd. 
»Protection  in  Regensburg  aufhtiU. 

H  Wir  wollen  von  Ihm  keine  w^eitläufige  Beschreibung  machen, 

Haie  liegt  schon  aus  seinen  eigenen  Briefen,  wovon  sich  die  Ori* 
Hginalien  bey  unsern  Archiv  finden  und  einen  Jeden  auf  Ver- 
klangen zur  Einsicht  vorgelegt  werden,  der  ganzen  Welt  zu  All- 
gemeiner Ärgerniss  in  ofieutlichem  Druck  nunmehr  vor  Augen, 
B  Euer  Lbd.  ermessen   hieraus  von  selbst  ob  dieser  höchst- 

strafbare Böswicht,  welcher  Uns  gleichsam  zum  Troz  und  H<>hn, 
seinen  Wohnplatz  an  einem  mitten  in  unseren  Landen  liegenden 
[Ort  aufzuschlagen  die  Keckheil  hat,  protegirt  zu  werden  verdiene? 
Da   wir   nun  gänzlich   entschlossen    sind,   die  Extradition 
selben  von  dei-  Reichsstadt  Regensburg  zu  begehren,  so  ver- 
iöffen  wir,   Ew.  Lbd.   werden  auch  die  ihm  erteilte  Protection 
wieder  zurückzuziehen  belieben,  sohin  den  Magistrat  an  der  Ex- 
tradition nicht  zu  hindern  zu  suchen. 


-     282     — 

Ew.  Lbd.  lassen  uns  hierdurch  Recht  und  Justiz  wieder- 
fahren. Bezeigen  Uns  anmalens  eine  Gefälligkeit,  welche  wir  in 
ähnlichen  Fällen  zu  erwiedern  nicht  ermangeln  werden,  die  wir 
ohnehin  zur  Erweisung  freund,  vettert.  Dienste  stets  gefliessen 
verbleiben. 

Gleichzeitig  war  aber  auch  der  Rat  zu  Regensburg  drang- 
saliert  worden,  Weishaupt  auszuliefern.  Nach  einem  Bericht 
des  Legations-Sekretärs  v.  Ernesti,  datiert  d,  20,  Aug,  1787  war 
der  SLaatskämmerer  Bössner  in  München  gewesen  und  halle 
vernommen,  dass  auf  alle  Weise  dem  Hofrat  Weishaupt  nach- 
gestellt werde  und  selbiger  gern  ausgeliefert  gesehen  würde. 
Da  nun  der  Regensburgische  Konsulent  Gunipelskörner  dem 
kurbraunschweigischen  Gesandten  v.  Ompteda  gegenüber 
äusserte,  der  Kurfürst  Carl  Theodor  wüide  W.'s  Auslieferung 
von  Regensburg  verlangen,  so  war  der  Rat  darüber  in  ai^er 
Verlegenheit.  Aber  auch  Ernesti  war  es,  denn  der  Befehl 
Herzogs,  Weishaupt  zu  verpflichten,  war  noch  gar  nicht  infi 
der  damaligen  Postverhältnisse  in  seinen  Händen.  Er  erhielt 
dieses  Schreiben  erst  am  3.  September,  vvusste  jedoch  genau, 
dass  der  Herzog  alles  daran  setzte,  Weishaupt  zu  schützen. 

Um  nun  letzteres  zu  können,  verband  er  sich  in  Abwesen- 
heit des  Gothaischen  Gesandten  mit  dem  kurbraunschweigischen 
Gesandten  Herrn  von  Ompteda,  der  ebenfalls  W.  freundschaft- 
lich gesinnt  war  und  übergab  dem  Rat  zu  Regensburg  nach- 
folgendes  Pro  Memoria,  dem  v.  Ompteda  durch  seine  Aner- 
kennung ein  grösseres  Gewicht  gab.  Hierbei  machte  v.  Ernesti 
den  Trik,  dass  er  das  Dokument  zurückdatierte  auf  den  14,  Aug. 
*mit  allem  Fleiss«  wie  es  in  seinem  diesbezüglichen  Bericht 
heisst,  trotzdem  es  am  24.  Aug.  erst  dem  Rat  überreicht  wurde. 

Das  Pro  Memona*)  lautet: 


Pro  Memoria. 

Es  hat  der  bereits  seit  einigen  Jahren  hier  anwesende  Hof- 
rath  Weishaupt  bey  Endesunterzeichneter  Comitial-Gesandschafls 
Canzley,  in  Abwesenheit  diesseitigen  Herrn  Gesandens,  Frey- 
herrn von  Gemmingen,  Excellenz,  zu  erkennen  gegeben,  als  ob 
ilim,  um  sich  seiner  Person  zu  bemächtigen,  auf  mancherley 
Weise  nachgestrebet  werde.    Nun  glaube  er  zwar,  als  Herzog- 


•)  Abschrifl  Im  Archiv  zu  Gotha. 


—    233     — 


mht 


»' 


lieh  Sachsen-Gothaischer  Hofrath,  bey  seinem  ollhiesigen  Aufenl- 
alt  in  dieser  Kaiserlichen  freyen  Reichsstadt  und  der  allge- 
meinen Reichsversammlung  Mahlstatt  Regensburg,  sich  wohl 
alle  Sicherheit,  gegen  etwa  anmassliche  Gewalt  zuverlässig  ver- 
sprechen zu  können  dürfen;  Er  w^olle  aber  doch  zu  allem  Ueber- 
fluss  gebethen  haben,  Ihm  mit  einem  diesfalsigen  Certificat  in 
Ansehung  seiner  Qualität  und  Characters  bey  hiesig  Wohllob- 
liehen  Magistrat  zu  statten  zu  kommen. 

Da  nun  ersagter  Herr  Hofralh  Weishaupt  würklich  in  Sr. 
Durchlaucht  des  regierenden  Herrn  Herzogs  zu  Sachsen  Gotha 
und  Altenbui??,  meines  gnädigsten  Herrn  und  Fürsten  Diensten 
sich  befindet,  und  von  Höchstderoselben  Dero  Comitial-Gesand- 
Schaft  ganz  besonders  anempfohlen  und  untergeben  worden;  so 
hat  man  zu  mehrerer  Vorsicht  nicht  umgehen  sollen,  Einem 
Hoch-  und  Wohlweisen  Herrn  Kammerer  und  Raüi  dahiesiger 
KaiserHcher  freyen  Reichsstadt  Regensburg  hievon  geziemende 
Eröffnung  zu  thun, 
^     Regensburg,  d.  14.  August  1787. 

H  Herzoglich  Sachsen  Gotha-  und  Altenburgische 

^B  Gesandschafts-Canzley 

^^^^^^  Philipp  Friedrich  Ernesti 

^^^^^^  Legations-Secretarius. 

^r         Der  Rat  beruhigte  sieh  jedoch  damit  nicht  und  sandte  dem 
■Herzog  ein   Schreiben,    (Original   in    Gotha)   das   eine    gewisse 
Bauernschlauheit  verrät. 

►  Es  lautet: 
Durchlauchtigster  Herzog, 
Gnädigster  Fürst  und  Herr: 
Euer  Herzogl.   Durchlaucht  sind  die  Landesherr!.  Verord- 
nungen unverboi^en,  welche  Sr.  CurfürstL  Durchl.  zu  Pfalzbaiern 
■  in   Betref  des  sogenannten   lUuminaten-Ordens  erlassen  haben. 
Der   besondere  Anteil,    welcher   in   denen   dahingehorigen 
Druckschriften   dem    Herrn    Hofrath   Weishaupt    zugeschrieben 
wird,  dessen  öffentlicher  und  bekannter  Aufentlialt  allhier,  ohne 
dass  er  zu  einer  Comitial -Verrichtung  oder  besondern  Auftrag 
beglaubigt  ist,   die   ehrerbietigste  Rücksichten,   welche  wir  der 
erklärten  Willensmeinung  Sr.  CurfürstL  Durch L   schuldig  sind, 
—  die  Deutungen,  welche  dem  Aufenthalte  des  Herrn  Weishaupts 
^gegeben  werden  können,  das  unterm  10.  dieses  publicirte  Chur- 
turstL    höchste  Edict,   erfüllen  uns  mit  Besoi'gnissen,  die  Euer 


—     234     ^ 

HerzogL  Durchlauclil  wir  untertänigst  voi-zutragen,  uns  umso- 
mehr  die  Freyheit  nehmen,  als  das  unter  dem  14.  dieses  zu 
Gunsten  des  Herrn  Weishaupt  von  Höchst  dei'o  Comitial-Conzley 
an  uns  erlassen  Pro  Memoria  diejenigen  Gründe  nicht  enthalt, 
wodurch  einer  aJIenfolsigen  Curfürsll.  Requisition  oder  sonstigen 
gerichtlichen  Verfahren  gegen  denselben  mit  Anstand  und  ohne 
unsere  eigene  Blosstellung  begegnet  werden  könnte. 

So  sehr  wir  wünschen,  Bewahrungen  der  tiefsten  Verehrung 
gegen  Euer  HerzogL  Durchlaucht  an  den  Tag  zu  legen,  so  sehr 
müssen  wir  zu  einer  Zeil,  da  noch  kein  Anbringen  gegen  er- 
sagten Herrn  Weishoupt  gemacht  ist,  angelegentlich  bitten,  die 
Abreise  oder  ferneren  Aufenthalt  desselben,  durch  gnädigste 
Maasnehmungen,  andurch  uns  gegen  leicht  eintrettende  Befah- 
rungen  gnädigst  in  Sicherheit  zu  stellen,  die  wir  mit  tiefsten 
Respekt  sind 

Durchlauchtigster  Herzog  Gnädigster  Fürst  und  Herr 
Euer  HerzogL  Durchlaucht 
unterthänigste  Cammerer  u.  Rath  allda 
Regensburg,  d,  25.  August  1787, 

Die  Antwort  des  Herzogs  erfolgte  sehr  bezeichnend  durch 
nachstehendes  Schreiben  : 


An  den  StodtiTith  zu  Regensburg. 

Aus  einem  unterfti  25ten  dieses,  an  Uns  erlassenen 
Schreiben  haben  wir  vernommen,  was  Ihr  wegen  der  von  des 
Herrn  Churfürsten  zu  Pfalz  Bayern,  Churf.  Durcbl.  in  betreff  des 
sogenannten  llluminaten'Ordens  erlassenen  Verordnungen,  für 
unsern  in  Regensburg  sich  aufhaltenden  Hofrath  Weishaupt  zu 
erwartende  unangenehme  Folgen,  für  Besorgnisse  geäussert  habt.   1 

Wie  Uns  nun  Euer  bey  dieser  Gelegenheit  gegen  Uns  zu 
Tage  gelegte  Gesinnung  zu  besonderem  Wohlgefallen  gewesen, 
wir  auch  solche  dankesgeneigt  erkennen,  so  kann  es  Uns  nicht 
anders  als  Vergnügen  verursachen,  dass  Eure  Besoi^nissc  be- 
reits hinlänglich  bezogen  und  die  Verlegenheit  in  welche  eine 
Churpfalzische  Ref[uisition  Euch  hatte  versetzen  können  im  vor- 
aus von  Uns  abgeholfen  worden,  indem  wir  den  Hofrath  Weis-  1 
haupt  vor  kurzem  bey  unserer  Comitial-Gesandschaft  zur  Ge- 
brauchung in  Geschäften  wirklich  haben  anstellen  lassen,  mitbin 
derselbe  nunmehr  vormöge  der  Gesandscbaftsrechtc  und  Reichs- 
tfigigen   Freyheit   Unserer  Jurisdiction    einzig  und   allein  unter- 


1 


—    235    — 

wnrfeii  ist,  welclies  Wir  Euch  hierdurch  zur  Nachriciil  ohnver- 
halten  und  verbleiben  Euch  übrigens  niit  Gnade  gewogen. 
Friedenstein,  den  31.  August  1787,  Ernst, 

f  Da  Weishaupt  noch  nicht  tatsächlich  geschützt  war,  denn 
der  Befehl  des  Herzogs,  ilin  zu  verpflichten,  war  immer  noch  nicht 
eingetroffen,  es  inzwischen  auch  offenbar  wurde,  wie  v.  Ernesti 
in  einem  Schreiben  vom  30.  Aug.  1787  mitteilte,  dass  Lorenzer 
gegen  ein  Douceur  von  100  Dukaten  sich  der  Person  W/s  be- 
mächtigen sollte,  so  ftmdes  Weishouptam  geratensten,  wiederum 
seinen  Koffer,*)  mit  dem  er  bereits  aus  Ingolstadt  geflohen,  zu 
packen  und  Regensburg  zu  verlassen.  Er  begab  sich  nach 
Gotha,  unter  den  direkten  Schutz  des  Herzogs.  Ernesti  berichtet 
über  seine  Abreise: 

Ew.  Hoclifreyheni.  Excellenz  habe  noch  vor  Abgang  der 
Post  unterthänig  zu  vernehmen  zu  geben,  dass  nicht  nur 
an  den  Freyherrn  von  Gemmingen  gnadigsterlassenes  Res- 
script  d.  IL  Aug.  sondei-n  auch  Sr.  Herzogl.  Durchlaucht 
sub,  cod.  Dat.  an  mich  ergangener  gnädigster  Befehl,  nicht 
minder  Ew.  Hochfi-eylierrlichen  Excel  lenz  beyde  hochverehr- 
hche  Antwortschreiben  vom  28.  und  80.  m.  p,  anheute  auf  ein- 
mal richtig  bey  mir  eingegangen.  Nun  würde  ich  zu  unter- 
Ihänigster  Folge  sothanen  Inhaltes  nach  aufhabenden  theuren 
Pflichten,  alsobald  alles  pünktlich  bewerkstelligen  und  dem 
Herrn  Hofralh  Weishaupt  mittelst  Handschlags  an  Eydesstatl 
ad  Silentium  verpflichten  oh  nennangelt,  auch  hierüber  des  näch- 
stens an  Sr.  Herzogliche  Dui'chlaucht  devoLesten  Bericht  er- 
stattet haben;  allein  da  Ew.  HochfreybcrrL  Excellenz  ich  mit 
letztern  Posttag  gehorsamst  hinterbracht  habe,  dass  der  Herr 
Hofrath  Weishaupt  bereits  von  hier  abgereist  und  vielleicht  beim 
Empfang  dieses  nunmehr  schon  in  Gotha  eingetroflen  seyn  dürfte, 
so  sehe  mich  gegenwörtig  ausser  Stande,  diese  gemessene  höchste 
r>rdre  subm issest  zu  befolgen.  Lidossen  höbe  hochdero  hohen 
Anweisung  gemäss,  von  allen  diesen  deji  Churbraunschweigi- 
sehen  Minister  Herr  Baron  von  Ompteda  persönlichst  Eröffnung 
gethan,  und  dagegen  von  ihm  den  Auftrag  erhalten,  Ew.  Hoch- 
freyherrlichen  Excellenz  nebst  seiner  geborsamsten  Empfehlung 
für  sothane  vertrauliclie  Convmunication  den  Verbundesten  Dank 


Dresden 


•)  Dieser   alte  Zeuge    seiner  Leiden   ist  jetzt  im   Hesitx  des  Autors  zu 


—     236     — 


abzustatteo.  Ich  werde  auch  diesen  ganzen  Vorgang  des  Herrn 
Gesandens,  Frei  Herrn  von  Gemmingen,  Excel  lenz  nach  Thalheini 
nächstens  schreiben. 

Ansonsten  abermuss  ich  noch  erwähnen,  doss  vorgestrigen 
Sonnabend  die  Frau  Hofrath  Weishaupt  mich  zu  sich  rufen 
lassen  und  mir  von  ihrem  abgereisten  Manne  einen  von  Fer- 
riedeii  aus  an  sie  erlassenen  Brief  vorgelesen,  worinnen  er  ihr 
meldet,  dass  er  diesen  Weg  von  Regensburg  bis  dahin,  binnen 
12  Stunden,  jedoch  nicht  ohne  alle  Gefahr,  zurückgelegt  habe. 
Dieses  Dorf  Ferrieden  liegt  in  dem  Anspachischen  und  ist  der 
erste  (Jrt  nach  dem  Bayrisch  und  Pfälzischen  Territoria  ohn- 
gefehr  10  Meilen  von  hier 

Dero  ich  unter  Beylegung  eines  hochverlangten,  anden^'eiten 
Exemplars  der  Weishauptischen  kurzen  Rechtfertigung  in  devo* 
tionsvoller  Verehrung  verharre 

Ew.  HochfreyherrL  Excellenz 

unterthänig  gehorsamster  Diener 
Pbih'pp  Friedrich  Ernesli. 
Regensburg,  d.  8.  Sept.  1787. 

Weishaupt  kam  in  Sicherheit.  Er  gelangle  nach  Gotna 
trotz  des  auf  ihn  lauernden  Lorenzer,  fühlte  sich  jedoch,  in 
Gotha  angekommen,  infolge  der  Abwesenheit  des  Herzogs  dort 
nicht  sicher  und  verbarg  sich  di*ei  Tage  lang  in  einem  Kamin 
bei  der  Frau  Mähler  auf  der  grossen  Siebleberstrasse.  Es  scheint 
in  dieser  Zeit  ein  Anschlag  gegen  Weishaupt  gespielt  zu  haben, 
um  ihn  festzunehmen,  einige  unklare  Andeutungen  in  den  Akten 
deuten  das  an,  jedoch  lässt  sich  nicht  mehr  genau  angeben,  wo- 
durch diese  drei  Tage  im  Kamin  notwendig  wurden. 

Herzog  Ernst  hatte  inzwischen  mit  dem  Kurfürsten  einige 
Auseinandei*setzungen,  die  zum  Bruche  aller  freundschaftlichen 
Beziehungen  führten.  Der  Aufforderung,  Weishaupt  auszuliefern, 
begegnete  Herzog  Ernst  durch  das  nachfolgende  Schreiben,  das 
den  Kurfürsten  entschieden  sehr  empHndlich  berühren  mussle. 

Durchlauclitigster 

dass  Ew,  Durchlaucht,  mittelst  des  geehrten  Schreibens  vom  9. 

dss.  uns  zu  erkennen  zu  geben  beheben  wollen: 

Wie  ouffallend  und  empfindlich  es  demselben  sey,  dass  der 
gewesene  Ingolstadter  Professor  Weishaupt  sich  schon  einige 
Jahre  hier  unter  unserer  Protection  in  Regensburg  aufhält. 


I 


—     237     — 


^ 


^ 


ist  uns,  wir  müssen  es  aufrichtig  bekennen,  um  so  unenvarteter 
gewesen,  da  uns  von  dem  gedachten  Weishaupt,  als  wir  ihm 
den  Character  unseres  Hofrathes  beylegten,  nichts  Nachtheiliges 
in  Ansehung  seiner  sittlichen  Grundsätze  und  Betragens,  viel- 
mehr bekannt  war,  dass  Ew.  Durchich t.  ihn  nicht  anders  als 
unter  Begnadigung  mit  einer  lebenslänglichen  Pension  von  der 
Universität  Ingolstadt  entlassen  hatten  und  er  uns  übrigens  als 
ein  aufgeklärter  Kopf  und  mit  vielen  gelehrten  Kenntnissen  ver* 
sehener  Mann  von  schätzbaren  Personen,  die  in  nähere  Bekannt- 
schaft mit  ihm  gestanden,  beschrieben  und  empfohlen  worden  war. 
Wie  wir  nun  nach  der  Hand  uns  entschlossen  haben,  den 
vorbemerkten  Hofrath  Weishaupt  in  Rücksicht  auf  die  bey  ihm 
wahrgenommenen  vorzüglichen  Tolente  in  Canzley-Geschöften  zu 
gebrauchen  und  in  solcher  Absicht,  um  sich  in  diesem  Fache 
die  gehörige  Kenntnis  und  Uebung  zu  verschaffen  bey  unserer 
Comitial-Cantzley  in  Regensburg  anstellen  zu  lassen,  wir  auch 
vor  kurzem  unseren  Com itial- Gesandten  in  Gemäsheit  dieser 
Intention  angewiesen  haben,  so  werden  Ew.  Durchl.  einsehen, 
dass  dem  dortigen  Magistrate  nicht  die  mindeste  jurisdietions 
Befugniss  über  unsern  zur  Reichstägigen  Gesandschafts-t'.anzley 
gehörigen  Diener  und  Hofrat  Weishaupt  zustehe,  Belieben  sich 
aber  zugleich  von  uns  überzeugt  zu  halten,  dass,  wenn  derselbe 
wahrend  der  Zeit,  da  er  noch  Euer  Lbd.  unterthan  und  in  dero 
Landen  und  Diensten  war,  einige  strafwürdige  Handlungen  be- 
gangen zu  haben,  zu  überführen  wäre  und  derselben  gefällig 
seyii  sollte  uns  davon  solche  Anzeige,  welche  einer  gerichtlichen 
Untersuchung  fundiren  könnten,  zukommen  zu  lassen,  wir  so- 
wohl aus  schuldigen  Justizeifer  als  auch  in  Gefolg  der  für 
Ew.  Durchlaucht  hegende  vollkommendsto  Hochachtung,  bereit 
und  willig  seyn  werden,  die  strengste  unpatheiischsle  Unter- 
suchung gegen  unsern  erwähnten  Weishaupt  verhängen  zu  lassen 
und  ihn,  falls  er  seiner  Unschuld  auf  keine  befriedigende  Weise 
darthun  könnte,  nach  dem  Verhältniss  der  von  ihm  zu  Schulden 
gebrachten  gesetzwidrigen  Handlungen  mit  der  verdienten  Ahn- 
dung anzusehen.  Von  Eurer  Lbd  gerechten  Denkungsart 
schmeicheln  wir  uns,  dass  Sie  diese  in  der  Billigkeit  beruhende 
ErkJarung  um  so  günstiger  aufnehmen  werden,  als  wir  der- 
selben die  aufrichtige  Vei*sicherung  beyzufügen  die  Ehre  haben 
Friedenstein  den  29.  August  1787. 


H      Friec 


Der  Kurfümt  liess  seinen  Ärger  sehr  deutlich  in  der  Ant- 


—     233 


wort  Hilf  diesen  Brief  durcliLlieken,  jii  er  Hess  sich  zu  heftigen 
Ausdrücken  hinreissen,  die  Herzog  Ernst  sehr  scharf  zurückwies. 
Ausserdem  zeigt  das  nachfolgende  Schreiben,  w*ie  weniger 
gesonnen  wor,  ein  wirklich  juridisches  Veifahren  einzuschlagen, 
sondern  nur  gewaltsam  vorzugehen  beahsichtigte: 

Cupiö  Schreibens  von  Sr,  Churfürsth  Dchlt.  zu  Pfalz  an  den 
Herrn  Herzogen  von  Sachsen-Gotlia  dda  Münclien  d.6.  Sept,  1787 

R  P, 

Warum  Eure  Lbd.  unsern  freundschaftlichen  Ansinnen  in 
belref  des  Weishaupt,  nicht  zu  willfahren,  sondern  denselben 
in  gesandscluiftlichon  Diensten  beizubehalten  und  ihn  Dero  Pro- 
tection noch  ferner  dadurch  angedeihcn  zu  lassen  fürgut  betlnden, 
ist  Uns  aus  Dero  Schreiben  vom  29ten  Aug.  wider  alle  Er* 
WTirtung  zu  vernehmen  gewesen. 

Nimmermehr  kann  sich  der  Weishaujjt  rühmen,  dass  er 
unserer  Dienste  in  Gnaden  entlassen  w^orden  seye.  Er  w^ar  schon 
vorher  in  grossem  Vcrdnchl,  dass  erder  studirendcn  Jugend  durch 
verbotene  Bücher  und  sonst  bös  und  religioMswidrige  l^rincipia 
hergebracht  habe,  weswegen  er  auch  statt  der  Pension,  welche 
ihm  bey  seiner  Entlassung  lediglich  in  Rücksicht  auf  Weib  und 
Kind  angetragen,  aber  trotz-  und  hochmüthig  ausgeschlagen 
worden  ist,  vielmehr  inquirirt  und  abgestraft  zu  werden  verdient 
hatte,  sofern  Wir  Uns  nicht  eines  so  gefährlichen  Mannes  nach  I 
lielier  auf  solche  Art  zu  entledigen,  als  Unsere  Universitael 
durch  eine  scharfe  Inquisition  und  Strafe  verschreit  zu  machen 
für  rathsam  erachteten. 

Nebst  dem  war  uns  damal  noch  ein  verborgenes  Geheim-  J 
niss,  was  sich  erst  nachher  durch  die  bei  dem  Zwack  und  Baron 
Bassus  erfundenen  Schriften  wider  ihn  aufgedeckt  hat. 

Wir  wussten  von  der  Blutschande,  welche  er  mit  seines 
Weibs  Schwester  verübt,  noch  so  wenig,  als  dem  sub  conatu 
[>roximo  uttentirlen  Kindsmord,  und  eben  so  wenig  war  uns 
bekannt,  dass  er  der  Stifter  und  sogenannte  General  der  in 
unsere  Landen  so  weit  verbreiteten  illuminaten  Sect  seye,  wo-  | 
durch  man  unter  dem  Blendwerk  der  Wahrheits  Aufkhlrung  und 
Sittenverbesserung  die  christliche  Religion  zu  stürzen,  dem 
völligen  Unglauben  dagegen  einzuführen,  in  das  Jus  vitae  et  | 
nccis  t^ollectarum  aritrivi  und  andere  landeslierrliche  Vorrechte 
einzugreifen  von  den  Mitgliedern  einen  beschworenen  und  un- 
begranzien    Gehorsam   zu   fordern,   all  jene,   welche    nicht  von 


-^     239     — 

dieser  Secte  sind,  als  profan  und  verächtliche  Leute  zu  beluindeln 
zu  diflamiren,  zu  verfolgen  und  zu  unterdrücken,  mit  einem 
Wort  alles  an  sieh  zu  ziehen,  und  einer  vollkommenen  Ober- 
herrschaft sowohl  über  Regenten  als  Unterlhanen  sich  zu  be- 
r istern  sucht. 
Um  diese  in  das  Crimen  incestus,  otlenlati,  infanticidü  und 
laesae  Majestatis  einschlagende  Facta,  ist  und  bleibt  uns  der 
Weishaupt  allzeit  noch  responsabl  und  wird  uns  keine  aus- 
wärtige Protection  abhalten,  diesen  aussgeschäniten  Bösswicht, 
welcher  sich  als  einen  Blutschänder,  Kindsmörder,  Volksver- 
führer und  Chef  eines  füi^  die  Religion  und  den  Staat  höchst 
gefahrlichen  Complotts,  durch  eigene  Bekenntnus  selbst  schon 
oHentlicIi  dargestellt  hab,  allenthalben,  w^o  er  sich  immer  be- 
trelTen  lässt,  bey  den  Kopf  zu  nehmen  und  Uns  selbst  die  ge- 
bührende Satisfaction  und  Justiz  zu  verschaffen,  ohne  dass  Wir 
einer  Requisition  hiezu  bedarfen.  Übrigens  zu  ungenetiniorn 
Dienslerweisungen  geflissentlich  verbleibend. 
München  ut  supra. 

H       Als  Antwort  auf  den  Churfürstl.  Brief  wurden  zwei  Schriften 
%t>gefasst,  die  zahmere  und  längere  vom  Herzog  verworfen,  nach* 

»Jgende  jedoch  abgesandt. 
An  den  Churfürsten  von  der  Pfalz. 
Ew.  Lbd.  verargen  uns  nicht,  wenn  Wir  Uns  begnügen, 
derselben  von  dero  Schreiben  vom  6.  dss.  Mon.  blos  den  Em- 
pfang anzuzeigen,  auf  dessen  Inhalt  aber,  dergleichen  Uns  in 
seiner  Art  noch  nicht  vorgekommen  ist,  etwas  zu  erwiedern  Uns 
um  deswillen  enthalten,  weil  Wir  die  darinn  anzutrelTenden  be- 
drohlichen Äusserungen  nicht  anders  als  auf  eine  Art  begegnen 
könnten,  welciie  mit  der  voltkommendsten  Hochachtung,  die  wir 
F'.  L.  jederzeit  zu  bezeigen  wünschen,  nicht  vereinbarlich  scheinen 
mochte. 

tDeroselben  zur  Erwiderung, 
Wollte  der  Kurfürst  jetzt  noch  etwas  erreichen,  so  wäre 
das  WTjId  nur  durch  die  scluirfsten  Massregeln  möglich  gewesen. 
Solche  waren  jedoch   nnmoghcli  und  so  verblieb  Weishaupt  in 
äusserlicher  Ruhe  in  Gotha  bis  zu  seinem  Tode  1830. 

II      Wir   werden    auf  seine   Tätigkeit   in    Gotha    noch    zurück- 
bmmen. 


—    240    — 


Die  Wurzeln  der  IIlainluatenTerfalguug. 

Da$  äussere  Bild,  das  sich  bei  Entstehung  der  Ordensver- 
folgung ergibt,  lässt  sich  in  ein  Vorspiel  zur  eigentlichen  Tra- 
gödie und  diese  selbst  einteilen.  Das  Vorspiel  bildete  einen 
Kampf  mittelst  Druckerschwärze,  Angrifife  in  Zeitschriften 
und  durch  Broschüren,  sowie  Büchern,  die  immer  schärfere 
Anklagen  gegen  den  Orden  enthielten.  Namentlich  war  es  der 
Schriftsteller  Baho,  der  zuerst  in  seinen  Gemälden  aus  dem 
menschlichen  Leben  die  Illuminaten  angriff  und  dann  Ȇber 
Freymaurer,  Erste  Warnungc  anonym  eine  Broscliüre  gegen 
diese  veröfTentlichte.  Diese  fand  ihre  Entgegnung  durch  die 
Loge  Theodor  vom  guten  Rath  durch  die  Broschüre  »Nöthige 
Beylage  zur  Schrift  Über  Freymaurer,  Erste  Warnung*,  in  der 
der  Anonymus  aufgefordert  wurde  hei'\^oi'zutreten  und  seine  An- 
klagen zu  beweisen.  Babo  tat  das  nicht,  infolgedessen  fiel  der 
Verdacht^  diese  Schrift  verfasst  zu  haben,  auf  die  ausgetretenen 
Cosandey,  Grünberger,  Renner  und  Utzschneider,  die  nun  die 
bereits  erwähnte  Schrift  »Grosse  Absichten  des  Ordens  der  Illu- 
minaten c  herausgaben.  Eine  ganze  Anzahl  Fehdescbriften»  An- 
klage und  Verteidigung  enthaltend»  entstand  in  kurzer  Zeit  und 
bildet  das  erwähnte  Vorspiel,  bis  die  bei  Lanz  gefundenen  Listen 
zur  eigentlichen  Tragödie  überleiteten. 

Es  liegen  die  Wurzeln  jedoch  tiefer,  als  die  Folgen  eines 
Federkrieges  zu  erzeugen  imstande  sind.  Sie  leiten  immer 
wieder  auf  klerikale  EinHüsse,  siebe  die  päpstlichen  Briefe,  und 
dann  auf  jesuitische  Umti-iebe,  die  die  Katastrophe  vorbereiteten. 
Diese  letzteren  stehen  nun  wieder  mit  dem  Oi*den  der  Rosen- 
kreuzer in  engster  Verbindung,  dem  wir  unsere  Aurmerksamkeit 
jetzt  schenken  müssen. 

Wir  wissen  bereits  aus  Weishaupts  Munde,  dass  die  Gründe 
zur  Ordensbegründung  teils  darin  zu  suchen  sind,  dass  er  einige 
junge  Leute  von  der  Schwärmerei  rosenkreuzerischer  Ideen  ab- 
bringen wollte.  Die  neueren  Gold-  und  Rcjsenkreuzer  hatten 
sich  in  jener  Zeit  durch  eine  starke  Propaganda  bemerkbar  ge- 
macht und  suchten  sich  durch  phantastische  Versprecliungen, 
unter  denen  die  Verbindung  mit  der  Geistenveit,  sowie  Gold 
herzustellen  eine  Hauptrolle  spielten.  Anhanger  zu  verschaffen. 
Diese  rosenkreuzerische»  mystische  Richtung  hatte  gerade  zu  der- 
selben Zeit  sich  wieder  Einfluss  verschafJl  als  der  Jesuitenorden 
1773  aufgehoben  woitlen  war  und  die  Exjesuiten  erfasslen  die 


»In  den  Landern  nun,  wo  sie  imfgehoben  waren,  brauchten 
tie  Exjesuiten  das  Mitlcl  in  den  geheimen  Gesellschaften  AuC- 
lahme  zu  suchen,  Sie  bildeten  hier  eine  schleichende  und  deS' 
lalb  um  so  sichere  Oppusition  gegen  alle  Aufklärungslendenüen. 
t)  dem  Freimaurerorden  stifteten  sie  die  sogenannten  „inneren 
Systeme'*.     Hier   waren   sie   als  Proselytenmocher  ganz   in  der 

_Eag0l«  Gwctiicbte  de»  lilumXiifttenordeni.  X6 


242     — 


Stille  tätig  und  arbeiteten  mit  Macht  daraufhin,  des  obscuranle 
Pfaffentum  und  die  despotische  Hierarchie  in  beiden  Konfessionen, 
im  Protestantismus  sowohl  als  Katholizismus  wieder  hei'zu- 
stellen.«  — 

Jesuiten  und  diesen  unbedingt  ergebene  Freunde  leiteten 
den  Rosenkreuzerorden,,  standen  demnach  mit  Rom  in  engster 
Verbindung  und  suchten  sich  bei  regierenden  Fürsten  einen  un- 
beschränkten EinHuss  zu  verschafien.  Paler  Frank,  der  Beicht- 
vater des  Kurfürsten  Carl  Theodor,  war  als  Exjesuit  Haupt  der 
Rosenkreuzer  in  Bayeini  und  stand  mit  Wölhier,  dem  späteren 
Königl.  Preussischen  wirkl.  Geheimen  Staats-  und  Justizminister 
in  engsten  Beziehungen.  Letzterer  behen^chte  den  Nachfolger 
Friedrich  des  Grossen,  den  König  Friedrich  Wilhelm  IL  schon 
als  Kronprinzen  vollständig  und  er  war  es.  der  den  Hass  und 
die  Verfolgungssucht  gegen  die  lUuminaten  in  Deutschland  mög- 
lichst zu  schüren  suchte,  während  Pater  Frank  mehr  im  Hinte^ 
gründe  blieb,  jedoch  in  Bayern  allein  die  Verantwortung  für  die 
masslose  \'erfolgung  de!'  Ordensangehörigen  für  alle  Zeiten  zu 
tragen  hat 

Die    versteckten    Machinationen    dieses    allerchristlichstenj 
Vertreters   eines    verabscheuungswürdigen    Pfaffen tums   werden 
durch   einen   authentischen   Brief  des  Paters   an  Wöllner  fesl-_ 
gestellt.  I 

Wöllner   hatte   die  Liste  der  Mitglieder   in  Baiern   ausge- 
wittert und  schickte  sie  an  das  Gross-Priorat  von  Süddeutsch- 1 
land.     Dieses  antwortete  am  L  Sept,  1785  mit  folgendem  Erlass,! 
der  einen  Einblick  in  die  wahre  Gesinnung  der  R.  K.  gibt,  ihr 
wahres  Tun  und  Treiben  offenbart: 


I 


'III 

;eal 
enJ 


»Wie  es  dermalen  mit  der  llluminaten  Sekte  in  Bayern  steht 
und  etwa  noch  w^eiter  gehen  möchte,  erhellt  aus  einem  Bericht 
unseres  ZirkehDirektors  in  München,  eines  dortigen  wichtigeaj 
Staats-Milgliedes,  den  wir  Ihnen  aus  der  Ursache  zuerst  mitteilen/ 
weil  wir  die  Namenliste  der  Sektglieder,  durch  Sie  (Ophiron)  ar 
ersten  erhalten  und  solchen  Anlass  genommen  haben,  dem  ge- 
dachten Zirkeldirektor  (Pater  Frank)  die  ernstliohste  Ordre  zu- 
fertigen  zu  lassen,  solcher  mit  der  ordnungsmassigen  engsten 
Verschlossenheit  zu   seiner  eigenen  Deckung,   nach  Ki'aften  zu 
widerstehen.     Gott  hatte  seine  harten  und  gefahrvollen  Kämpfe 
gese^jnet  und  wir  sind  ihm  mit  Rat,  Tat,  mancherlei  Korrespon- 


-^     243     — 

Imizen  und  eifrigen  Beten  möglichst  beigesprungön-    Sein  dös 
■Zirkeldirektor- Pater    Frank    Bericht    lautet    wörtlich     folgender 
maassen: 


Der  jüngste  Tag  des  Illuminaten  Systems  in  Baiern  scheint 
heranzunahen.  Seit  dem  Tode  des  vom  Donner  erschlagenen 
Priesters  Lanz  zu  Regensburg,  der  neben  Weishaupt  tiel,  und 
als  Emissarius  nach  Berlin  reisen  sollte,  habe  ich  mit  ge- 
spannten Kräften  an  ihrer  Zerstörung  gearbeitet,  zur  Er- 
liallung  der  Religion  Jesu,  zum  Heile  meines  Vaterlandes, 
zum  Heil  der  Jugend  für  die  gute  Ordenssache.  Endlich  nun 
ist  es  dahin  gediehen,  dass  die  zwei  Rädelsführer  zu  Ingolstadt 
kassiert,  zum  Schrecken  anderer  mit  Weib  und  Kind  brotlos 
gemacht  und  fortgeschafft,  ferner  zehn  andere,  meist  junge 
frevelnde  Edelleute,  von  der  Akademie  relegiert,  mithin  durch 
verhinderte  Absolvierung  aller  Dienste  unfähig  gemacht  sind. 
Die  Universität  selbst  hat  strenge  Befehle  und  bittere  Vorwürte 
bekommen,  dass  dort,  wo  alles  Serenissimum  verlachte,  nun 
alles  zittert 

Alle  Offiziers  der  ganzen  Armee  vom  Feldzeugmeister  bis 
zum  Fahnenjunker,  alle  hohe,  mittlere  und  untere  Gerichtsstellen 
■und  Landeskollegien  haben  sich  feierlich  gegen  die  illumina- 
tische  Sekte  reservieren  und  cassationeni  ipso  facto  incurrendam 
unterzeichnen  müssen.  Alle  Gouverneurs,  Kommandanten  Poli- 
zeistellen haben  ebenfalls  bei  Kassation  ohne  Gnade,  Ordre, 
solche  Logen  ohne  Rücksicht  der  Personen  zu  arretieren.  Die 
berüchtigten  Savioli,  Konstanzo  und  Zwackh  sind  ob  offiziös 
suspendiert,  die  Denunzianten  bekommen  recompense.  — 

I  Wegen  unseres  sehr  illuminierten  cleri  bin  icli  der  Mittels- 
name zwischen  Seren issimo  und  dem  Bischof  von  Freisingen, 
dpr  nun  bald  mit  Interdikten,  Suspensionen,  Hirtenbriefen  zu* 
ilfaren  wird*  Mit  der  verwitweten  Herzogin  in  Freisingen  habe 
ich  alles  Übel  vorgebogen  und  kurz,  da  Herr  von  Lehrbach  ab- 

■  wesend  war  und  noch  ist,  Himmel  und  Holle  bewegt,  den  lang- 
mütigen Kurfürsten  zu  dieser  Resolution  zu  determinieren. 
Widerrufen  aber  tut  er  niemals  und  so  wäre  auf  eine  Zeit  Ruhe 

Iund  Frieden  vor  ihnen. 
Ew.  etc.  mögen  leicht  vermessen,  wie  sehr  der  Allmachtige 
meine  Bemühungen  bisher  gesegnet  und  habe  ich  mir  nicht  vor- 
zuweilen,    irgend   einem    individuo   namentlich   geschadet  zu 


—     244     — 

haben,  noch  mich  von  einer  Gewalttätigkeit  meines  Tempera- 
ments hinreissen  lassen!! 

Und  nun  diesem  Allmächtigen  zum  ewigen  Danke,  stehet 
unter  so  vielen  Stürmen,  unter  so  vielen  Tausenden,  die  jetzt 
die  Maurerei  in  ignorantia  zu  schmähen  wieder  Mut  haben, 
unser  heiliger  Orden  wieder  aufrecht  und  auch  die  Ver- 
leumdung nährt  sich  an  keinem  unsrer  Brdr.  Wir  gehen  z^'ar 
still,  ober  mit  mutiger  Stirn  unter  den  gefallenen  After*Brdrn. 
herum,  gehorchen  des  guten  Beispiels  wegen  den  Befehlen 
unsere  Souveräns  und  halten  jetzt  keine  Versammlungen^  sind 
aber  seiner  Gnade  versichert. 

Etnien  non  est  abbreviata  manus  Domini  Dei  omnipotentis^ 
Was  ich  gewagt  habe,  noch  wage  und  wTigen  werde,  ermessen 
Euer,  wenn  Ihnen  Leute  und  Lokale  bekannt  sind.  Allein  spes 
non  constandit  etc,  und  sollte  ich  auch  einst  oder  bald  als  ein 
Opfer  fallen,  jenseits  envortet  mich  ein  Grad,  der  hinieden  nicht 
zu  erreichen  ist.« 

Dieser  Brief  lösst  nichts  an  Deutlichkeit  zu  wünschen  übrig 
und  gibt  die  Fäden  genau  an,  die  gesponnen  wurden,  um  die 
Anhänger  der  Aufkloi'ung  zu  vernichten.  Um  nachzuweisen,  dass 
diese  Fäden  schon  sehr  früh  gesponnen  wurden,  schalten  wir  hier 
noch  einen  Bericht  des  herzogt,  zw^eibrückischen  Residenten  in 
Berlin  ein,  des  Dr  Johann  Carl  Üehichs,  den  derselbe  im  Inter- 
esse des  Herzogs  Carl  IL  aus  Berlin  einsandte.  In  diesem  Be- 
richt vom  12.  Juni  1780  heisst  es: 

iSeit  ein  paar  Jahren  ist  hier,  sowie  an  anderen  Orten  in 
und  ausser  Teutschland,  fürnehmlich  in  der  Schweitz  eine  Ge- 
sellschaft von  hohen  und  geringen  Personen  zur  Beförderung 
einer  Lehre  und  wahren  Gottseligkeit  entstanden,  dazu  auch  der 
verstorbene  Gesandte  Herr  von  Pfeil  gehört  hat,  w^elcher  ver- 
schiedene geistreiche  Schriften  herousgegeben  und  solche  einem 
hiesigen  gewesenen  Kaufmann  Apitsch,  welcher  nebst  dem  Ober- 
consislorialrat  Silberschlag  Häupter  dieser  Gesellscbüft  sind,  zu- 
geschickt, um  sie  an  den  F^rinzen  von  Preussen,  K.  H  gelangen 
zu  lassen,  und  wie  man  sagt  Höchstderoselben  auch  zum  Bey- 
tritt  in  die  Gesellschaft  einzuladen.  Man  glaubt  aber  nicht,  dass 
sie  sich  darauf  eingelassen,  wenigstens  ist  es  aus  der  Antwort 
des  Herrn  Apitsch  nicht  zu  ersehen,  sie  lautet  also: 


—     245    — 


Mein  lieber  Herr  Apitsch. 
Ich  habe  sein  Schreiben  nebst  den  beygetügten  erbaulichen 
Schriften  richtig  erhalten  und  danke  ihm  für  die  wohlgemeinte 
Mittheilung  der  letztern.  Ich  wünsche,  dass  er  bey  Gelegenheit 
dem  Herrn  von  Pfeil  für  die  Aufmerksamkeit,  die  er  gegen  micti 
eini\'eiset,  danken  möge.  Es  ist  sehr  rühmhch,  dass  es  noch 
Männer  giebt,  die  der  reinen  Lehre  und  wahren  Gottsehg* 
keit  nachspüren  und  sie  ausüben  —  von  denen  man  sagen  kann 
sie  wandeln  vor  dem  Herrn  und  leben  im  Glauben  des  Sohnes 
Gottes.  Ihn  ermuntere  Ich,  dass  er  in  dem  bisher  erwiesenen 
Gottseligen  Eyfer  fortfaliren,  nnd  sich  dadurch  der  Belohnung 
versichei*n  möge,  die  der  Gemeine  Smyrna  zugesagt  ist:  Sey  ge- 
lreu bis  in  den  Tod,  so  will  ich  dir  die  Krone  des  ewigen  Lebens 
geben.  OtTenb,  2,  10,  Ich  bin  seyn  wohl  affectionirter 
H       Potsdam  Friedrich  Wilhelm 


d,  12ieo  März  1784 


Prinz  von  Preussen. 


■  Solche  gottselige  Gedanken  dieses  Herrn  werden  vielleicht 
vielen  unerwartet  sein:  Ich  kann  aber  noch  melden,  dass 
S.  K.  H.  mit  Ihrem  Hegt,  öffentlich  zum  Heih  Abendmahl  gehen, 
auch  in  die  Kirche  kommen,  und  wie  man  mir  versichert  hat, 
würden  zu  seiner  Zeit  die  Neuglaubigen  Theologen  in  unserm 
Lande,  welche  sich  jetzt  als  Aufklärer  der  Religion  auszeichnen» 
kein  Glück  bey  ihm  machen,  weil  der  gemeine  Mann  auch  selbst 
der  Soldat  in  seinem  Glauben  dadurch  irre  gemacht  und  treulos 

KVd.«  — 
Da  es  nun  bekannt  ist,  dass  Friedrich  Wilhelm  II,  schon 
3  Kronprinz  ganz  in  die  Hände  WöUners  und  Bischofswerders 
geriet,  die  als  eclite  Rosenkreuzer  ilim  Geistei^erscheinungen  vor- 
schwindelten und  tiefe  Kenntnisse  der  Naturgeheimnisse  heucheh 
len,  so  ist  es  nicht  verwunderlich,  dass  dieser  auch  gegen  die 
lUuminaten,  als  die  entschiedenen  Gegner  der  Rosenkreuzer, 
durch  die  Genannten  eingenommen  wurde.  Der  König  hat  denn 
auch  in  späteren  Jahren  versucht,  andere  Fürsten  gegen  die 
Illuminaten  aufzubringen;  natürlich  stecken  Wöllner  und  Pater 
Frank  und  durch  letzteren  die  jesuitischen  Dunkelmänner  hinter 
diesen  Versuchen.  Ein  interessanter  Beweis  für  die  Art  und 
Weise  dieses  Kampfes  besitzt  das  Dresdener  Staatsarchiv.  Da- 
selbst findet  sich  ein  Aktenband,  benannt:  Venvendungen,  Rei|ui- 
siiiones    und    andere    othcielle   Communicationes    der   Königl. 


—     246     — 


Preussischen  Gesandschaft  de  ans  1780  u.  1789.  Vol.  IX,  2975. 
Dieser  Akt  enUialt  einen  persönltchen  Brief  des  Königs  F'riedrich 
Wilhelm  in  französischer  Sprache  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen. 
In  der  Übersetzung  lautet  dieser: 

Ich  bin  eben  von  sehr  guter  Seite  benachrichtigt  worden, 
dass  eine  Freimaurersekte,  die  sich  lUuminnten  oder  Minenalen 
nennen,  nachdem  sie  aus  Bayern  ausgewiesen  worden,  sich  mit 
einer  überraschenden  Schnelligkeit  in  ganz  Deutschland  und  den 
benachbarten  Ländern  verbreitet  hat.  Da  die  Grundsätze  jener 
Leute  durchaus  sehr  gefährlich  sind,  denn  sie  beabsichtigen 
nichts  Geringeres  als 

1.  die  christliche  Religion  und  jede  andere  Religion  über- 
haupt abzuschatten, 

2.  die  Untertanen  ihres  Eides  der  Treue  gegen  ihre  Landes^ 
herren  zu  entbinden, 

3.  ihren  Anhängern  unter  dem  Namen  »Rechte  der  Mensch- 
heit «^  allerlei  Extravaganzen  gegen  die  in  jedem  Lande  zur 

I  Wahrung  der  gesellschaftlichen  Ruhe  und  Wohlfahrt 
eingesetzte  gute  Ördnungzu  leliren,  ihre  Einbildung  durch 
die  Vorstellung  einer  allgemeinen  Anarchie  zu  erhitzen, 
damit  sie  sich  jedwedem  Gebot  unter  dem  V^onvande  und 
Titel,  das  Joch  der  Tyrannen    abzuschütteln,  entziehen, 

4.  sich  schliesslich  alle  Mittel,  die  scheussliclisten  sogar» 
zu  erlauben,  um  zu  ihrem  Ziele  zu  gelangen,  indem  sie 
besonders  das  aqua  tofana  empfehlen,  dessen  voll- 
kommendste Zubereitungsweise  sie  besitzen  und  lehren. 

glaube  ich  es  meine  Pflicht,  den  Hof  von  Sachsen  unter  der 
Hand  davon  zu  benochrichtigen  und  ihn  zu  ermahnen»  die 
Logen  der  Freimaurer  genau  beobachten  zu  lassen,  umsomehr 
als  diese  Brut  nicht  verhehlen  wird,  heimlich  in  allen  Länderu 
den  Geist  der  Empörung  anzustacheln,  der  Frankreich  verw'üstel, 
denn  es  gibt  Freimaurer  Logen,  wo  die  Illuminaten  sich  ein- 
geschlichen haben,  um  sie  mit  anzustecken,  trotz  der  Aufmerk- 
samkeit der  guten  Logen,  welche  jederzeit  diese  Ungeheuer  ver-  ■ 
abscheut  haben,  1 

leb  würde  \ielleicht  gezögert  haben  einen  solchen  Rat  zu 
geben,  wenn  ich  nicht  aus  sehr  guter  Quelle  (i)  geschöpft  hätte 
und  wenn  die  Entdeckungen,*)  welche  ich  gemacht  habe,  nicht 


*)  Was  für  Eoldeckungen  könnten  es  sein,  die  der  König  selbst  g^ 
macht  hat?  Hier  Hegt  Wönners  Eiriftuss  klar  zutage. 


—    247     — 


so  entsetzliche  wären,  dass  kein  Hof  die  llluminaten  mit  gleich- 
gültigen Augen  ansehen  dürfte. 

NB,  Auf  der  Leipziger  Messe  findet  die  Versammlung 
der  Illuminatenführer  aus  allen  Gegenden  statt,  um  ihre  ge- 
heimen Beratungen  zu  halten,  man  könnte  also  hier  vielleicht 
einen  guten  Fang  machen.  —  —  — 

K  Unterzeichnet  ist  der  Brief: 

H     Berlin  le  3.  October  1789,  signe  Frederic 

^^  ^" Guillaume. 


^ca 


Die  Abschrift  dieses  Briefes  wurde  mit  einem  Begleit- 
schreiben des  preussischen  Gesandten  Grafen  von  Gesler  am 
11.  Oktob.  1789  überreicht.  Am  15.  Oktober  ergeht  ein  Communi- 
Lcat  zum  Geheimen  Consilio,  mit  Vermeidung  altes  Aufsehens 
genaue  Erkundigungen  einzuziehen,  über  den  Erfolg  aber  Vor- 
trag mit  Gutachten  zu  erstatten.  Denselben  Tag  erhielt  der  Ge- 
sandte die  übli<*lie  diplomatische  Danksagung  mit  der  Versiche- 
rung, dass  dei"  Kurfürst  diesem  Gegenstand  seine  Aufmerksam- 
keit widmet.  Augenscheinlich  hat  letzterer  die  Angelegenheit 
nicht  sehr  ernsthaft  genommen,  denn  die  Sache  verlief  gänzlich 
im  Sande,  endigte  also  mit  einem  Misselfolge  der  Rnsenkreuzer, 
nachdem  nachfolgendes  Gutachten  aus  Leipzig  einging,  das  einen 
^fcgewissen  Spott  deuthch  durchleuchten  lässt. 

^^    Ew 


h 

I 

■h 


An  Ihi'o  Excellenz 
den  Herrn  Conferenz  Minister  und  wirklichen 
Geheimen   Hath  von  Wurmb. 
Hochwohlgebo rener  Herr, 
Gnädiger  Herr  Conferenz  Minister. 
Ew.  Excellenz  haben  mir,  dass  icli,  ob  von  der  Geheimen 
Gesellschaft   der  sogenannten   llluminaten    in   der   verflossenen 
Michaelis-Messe   einige   der    vornehmsten   Häupter   hier  gegen- 
artig  gewesen  und  w^öhrend  der  Messe  Versammlungen  gehalten 
werden,  sowohl  überhaupt,  als  auch   untei^  der  Hand  bey  den 
hiesigen  Freymaurer  Logen  zuverlässige  Erkundigung  einziehen 
oll,  unterm  22.  vorigen  Monats  anbefohlen. 

Nun  habe  ich  mir  zwar  nl!e  mögliche  Mühe  gegeben,  elw^as 
hierunter  ausfindig  zu  mnchen,  habe  auch  bei  den  hiesigen  Frey- 
maurer Logen  unter  der  Hand  antragen  lassen,  ob  deig:leichen 
Personen  in  der  letzten  Messe  bey  ihren  Logen  sich  einzu- 
schleichen etwa  Versuche  gemacht;  Allein  alle  meine  bisher  an- 


-      —     248     _ 

gestellte  Nachforschungen  sind  vergeblich  gewesen,  und  die  an* 
gesehendsten  Mitglieder  der  Logen  versichern  heilig,  dass  ihnen 
davon,  doss  solche  erleuchtete  Manner  in  voriger  Messe  sich 
hier  sehen  lassen  oder  Versammlungen  gelioUen  hätten,  etwas 
nicht  bekannt  sey. 

Ob  ich  nun  wohl  unter  diesen  Umstanden  und  da  vielleiclit 
Illuminaten  unter  angenommenen  fremden  Namen  hier  gewesen 
seyn  und  in  versclilossenen  Wohnzimmern  geheime  Zusammen- 
künrie  gehalten  haben  können,  ohne  dass  solches  weiter  bekannt 
geworden,  ich  dermahlen  weitere  Untersuchungen  anzustellen 
anstehen  muss;  so  werde  ich  doch  von  nun  an  auf  diesen 
Gegenstand  meine  Aufmerksamkeit  zurichten  und  sobald  ich 
davon  etwas  in  Erfahrung  bringen  sollte,  solches  Ew%  Excellenz 
der  mir  gegebenen  gnädigen  Erhiubniss  gemäss  ehrerbietigst  an* 
zuzeigen  unvergessen  seyn.  Mit  grösster  \'erehrung  habe  ich 
die  Ehre  zu  seyn 

Ew.  Excellenz  unterthanig 
Leipzig,  geliorsemster  Diener 

d.  4.  November  1789.  Adolph  t^'hristian  Wendler  I>, 

Die  sächsische  Regierung  hat  jedoch  keine  X'eranlassung 
gehabt,  sich  mit  den  Illuminaten  weiterhin  zu  befassen,  es  finden 
sich  daher  auch  keine  aktenmassigen  Berichte  über  den  Orden 
oder  Mitglieder  desselben.  Ungünstiges  ist  niemals  in  Erfahrung 
gebracht  worden,  infolgedessen  fand  auch  der  Orden  mehr  als 
100  Jahre  später  bei  den  sächsischen  Behörden  ein  Entgegen- 
kommen,  das  an  dieser  Stelle  hervorgehoben  werden  muss. 

Wie  Hosenkreuzer  und  Illuminaten  zu  einander  standen, 
geht  auch  aus  einem  kurzen  Briefwechsel  her%^or,  den  Weis- 
haupt in  seinem  jetzt  sehr  selten  gewordenen  Werke:  »Voll- 
ständige  Geschichte  der  Verfolgung  der  Illuminaten  in  Bayernt 
veröffentlichte.  Der  uns  bereits  bekannte  Baader,  Meister  vom 
Stuhl  der  Loge  Tlieodor  zum  guten  Ratli,  war  Rosenkreuzer  ge- 
worden. Dieser  Orden  suchte  gute  Chemiker  zu  werben,  um 
durch  diese  das  Goldmacherrezept  zu  finden.  Baader  war  als 
solcher  bekannt  und  beffuemte  sich  nach  langer  Zudringlichkeil 
zu  diesem  bedenklichen  Schritt,  Er  ward  aufgenommen  und 
erhielt  alsbald  vom  Direktorium  die  Nachricht,  dass  der  w^ürdige 
Bruder  Athamas  (Baader)  sich  nicht  entsehen  solle,  in  einer 
feyei'lichst  misskannten  Loge  der  sogenannten  Illuminaten  von 
der  Royale  York  de  Tamiti^  constiuirt,  das  Direktorium  zu  führen» 


—     249     ^ 

JQ  sogar  von  ihm  Äthamas  abgeschickten  Grafen  Consta nzo  in 
der  WeUerau  und  anderwärts  Proselyten  zu  machen,  und  gut- 
willige leichtgläubige  Mitverwondte  unserer  geheiligten  Ver- 
brüderung zum  Beytritt  in  besagte  Aftergesellschaft  zu  bereden. 
folglich  zu  verführen  suche.  Er  stände  daher  so  lange  unter 
dei"  Suspension,  so  lang  er  nicht  ohne  weitere  Umstände  den 
fatalen  Hommer  dieser  fälschlich  also  genannten  erleuchteten 
oder  vielmehr  verblendeten  Afterer  niederlege,  allen  Briefwechsel 
über  dergleichen  Gegenstände  mit  dem  Emissario  Constanzo 
auf  immer  abschneide  und  sich  lediglich  an  die  von  uns  als  ficht 
erkannte  3  Englische  Grade  der  Freymaurerei  halte  und  im 
übrigen  sich  als  einen  wahren  und  reumüthigen  Rosenkreuzer 
betrage. 

Diese  Zumutung  war  dem  guten  Baader  doch  zu  stark; 
er  Hess  infolgedessen  eine  gründliche  F^pistel  los,  die  an  Deut* 
Hchkeit  nichts  zu  wünschen  übrig  lässt  und  einen  Einblick  in 
das  Rosenkreuzertreiben  damaliger  Zeit   zulässt.     Diese  lautet: 

Antw^ort  an  dos  Oberdirectorium  der  Rosenkreuzer. 

Sollte  ichs  Erstaunen  oder  Verwunderung  nennen,  was 
sich  meiner  Seele  bemächtigt  hat,  da  nur  der  C.  Director  N.  den 
Auftrag  des  Oberdirectorii  bekannt  gemacht,  und  im  Beysein 
des  Bruders  N.  und  N.  vorgelesen  hat. 

Wie  sehr  musste  mich  die  Verachtung  einer  Sache  be- 
fremden, die  Sie  gor  nicht  kennen,  von  der  Sie  nichts  als  den 
Namen  durch  die  Niederträchtigkeit  eines  gezeichneten  Ver- 
rathers wissen. 

Wie  auffallend  müssen  einem  constituirten  Maurer  die 
Ausdrücke  Aftergesellschaft,  verblendete  Afterer  seyn? 

Was  muss  ein  Mann  der  auf  Ehre  hält,  fühlen,  wenn  man 
ihm  sagt:  Er  suche  Leichtgläubige  zu  bereden  und  zu 
verführen. 

Wie  lächerlich  dreist  muss  einem  der  gebieterische  Auf- 
trag klingen:  Er  solle  den  fatalen  Hammer  niederlegen. 

Wer  in  der  Welt  kann  mir  die  Correspondenz  mit  einem 
innigst  verbundenen  Freunde,  den  nicht  nur  ich,  sondern  jeder- 
mann als  den  rechtschaffendsten,  ehrlichen  Mann  kennt,  ver- 
bieten, in  Sachen  verbieten,  die  man  nicht  einsieht,  in  Sachen, 
die  nicht  mein  Geschäft,  sondern  das  Geschäft  mehrerer  und 
meiner  Obern  sind. 


—     250     — 


I 


Welche  ausgeschämte  Grobheiten,  einen  Cavalier  und 
Maurer,  der  in  Geschäften  von  Freunden  und  mehreren  Logen 
reiset,  mit  dem  ei-niedrigenden  Namen  Emissarius  zu  entehren, 

Es  wäre  ja  doch  entsetzHch,  wenn  Mangel  an  eigener 
innerer  Ehre  und  Rechtschöffenheit,  sie  an  Ehre  und  Rechte 
schaffenheit  anderer  zweifeln  machte,  da  Sie  von  Verführern  und 
Emissarien  reden.  Und  endlich  Himmel,  welch  eine  elende 
Schreibart  ganz  eines  angehenden  Musterschreibers,  oder  ei 
Stadtprocurators  aus  dem  vorigen  Jahrhundert  würdigt 

Dieses  beyläufig  waren  meine  Empfindungen,  die  ich  mit 
der  grössten  Aufrichtigkeit  niederschreiben  und  damit  den  Brief 
beschliessen  w^^llte;  aber  einige  Umstände  nöthigen  mich  noch 
mehr  zu  sagen* 

Da  Sie  die  sogenannte  Logen  der  Uluminaten  hochlichst 
misskennen,  muss  ich  Ilmen   hierüber  einige  Nachricht  geben. 

Zum  voraus  aber  bezeuge  ich,  dass  nicht  ich  das  Direc- 
tnriuni  in  derselben  führe,  sondern  dass  ich  andere  als  Obere 
erkenne,  so,  wie  der  M.  von  St,  immer  wieder  von  andern  diri- 
girenden  Br.-Rr,  Befehle  emjjfangt  und  ausführt 

llluminati  heissen  erleuchtete,  sie  können  also  das  seyn, 
was  bei  der  stricten  Observanz  graduirte  Maurer  sind.  Da  sie 
mehrere  Einsicht  haben,  so  kann  ihnen  die  Bildung,  die  Zu- 
bereitung jüngerer  Br.-Br.  anvertraut  werden.  Die  Uluminaten 
sind  also  —  —  —  docli,  das  müssen  ja  die  Herren  Rosen- 
kreulzer  per  raagiam  divinam  selbst  weissen,  oder  heraus  cabolli- 
stisiren  können,  was  sie  sind.  —  Davon  bin  ich  überzeugt,  dass 
sie  nicht  verblendete  Afterer  (wie  Hochdieselben  wohlweiss  in 
einem  plausiblen  Stuhlsclireibertone  zu  spassen  belieben)  sondern 
wirklich  erleuchtet  sind;  denn  von  ihnen  und  durch  sie  wusste 
ich  im  voraus,  dass  ich  bey  Ihnen»  meine  Herren  Rosenkreuzer, 
nichts  von  allem  dem,  was  sie  vorgeben  und  versprechen,  an- 
Ireften  würde.  Ich  trat  auch  bloss  nur  um  Rulie  und  Einigkeit 
in  unsrer-  Loge  zu  erhalten  (obwohl  ich  nicht  nöthig  hätte, 
dergleichen  unnütze  Ausgaben  zu  machen)  bloss  des  Friedens 
wegen  in  diese  Gesellschaft  der  Rosenkreuzer;  aber  wie  starrte 
ich  vor  Erstaunung,  als  ich  sah,  dass  Leute  von  denen  icIj 
glaubte,  dass  sie  auf  Eidschwüre  hiellen,  Winkel-Logen  halten,  1 
Maurer  Grade  ertheilen,  selbst  Maurer  aus  andern  Logen  zu 
höhern  Gi'oden  befördern.  So  etwas  vertragt  sich  mit  meinem 
Amte  in  der  Loge,  mit  der  Stelle  eines  Repräsentanlen  von  der 
erhabenen  Mutlerloge,  und  mit  meinen  Pflichten  nicht. 


—     251     — 

Ich  ergreife  also  aus  obigen  mehrern  Gründen  diese  Ge- 
jnheit  begierig,  um  mit  Vergnügen  wieder  auszutreten,  mit 
der  theuersten  Versicherung  eines  ewigen  Stiltschw^eigens.  — 
Besonders  in  Betreff  der  Geheimnisse,  von  deren  Verrath  ein 
hohes  Oberdirectorium  noch  lange  gesichert  bleiben  wird,  denn 
unter  uns  gesagt,  Hochdieseiben  haben  —  —  —  keine. 

Übrigens  verbitte  ich  mir  alle  ihre  Canzleystil  duftende  be- 
leidigende Ausdrücke,  und  versichere  sie,  driss  weder  unsere  er- 
habene Mutterloge,  noch  unsere  Loge  hier,  noch  weniger  ich,  der 
ich  ein  blosses  Mitglied  und  zeitlicher  Mr  vom  Stuhl  dieser  Loge 

tn,  Emissarius  brauche  um  Leichtgläubige  zu  bereden  oder 
i  verführen,  am  wenigsten  von  ihrer  sogenannten  geheiligten 
(sollte  gewiss  heissen  nicht  heiglichen)  Verbrüderung,  denn  Leute, 
denen  Sie  einmal  das  Gehirn  verbrannt,  und  den  Verstand  ver* 
rückt  haben,  die  sind  zu  andern  Gesellschaften,  wo  Wahrheits- 
liebe und  Wissensbegierde  herrscht,  meistens  schlechterdings 
untauglich. 

K  Nachschrift. 

Ich  bitte  ein  hoclnvürdiges  Oberdirectorium,  wenn  sie  die 
Verblendete  seyn  sollten,  diesen  meinen  Aufsatz  bis  an  die  Ver- 
ölender laufen  zu  lassen.  Baader. 


'  Dass  nach  diesem  obralligen  Urteile  die  lUuminaten-Frei- 
maurer  durch  die  Häupter  Pater  Frank  und  Wöllner  erst  recht 
mit  grimmigen  Hass  beehrt  wurden,  ist  sehr  einleuchtend  und 
gibt  auch  dem  Urteile  des  Preussischen  Gesandten  Schwortzenau 
eine  besondere  Stütze,  das  den  Hinweis  auf  personliclie  Bache 
enthält. 

Jedenfalls  waren  die  Münchener  Illuminaten,  die  dem 
Begimente  Baaders  unterstanden,  am  meisten  gefährdet,  nament- 
lich je  näher  sie  Weishaupt  standen.  Einer  dieser  Vertrauten 
war,  wie  bereits  bewiesen,  Zw^ackh,  auf  diesen  richtete  sich  nun 
besondei^  der  Zorn  der  versteckten  Feinde  in  der  gehässigsten 
Weise. 


Die  Massregelniig  Zwaekhs« 

Unter  dem    schon  öfter   erwähnten    schriftlichen   Nachlass 
mckhs,  der  sicti  jetzt  im  Besitze  des  Autors  befindet,  ist  ein 
Schriftstück    bemerkensw^ert,    tPro   Memoria«    bezeichnet,    das 


dft 


—     252     — 


nähere  Angaben  über  den  Werdegang  Zwackhs   enthält*    Mao 
liest  in  diesem  folgendes: 

a>Noch  unter  der  Regierung  des  seeligen  Kurfürsten  Maxi 
milian  Joseph  wurde  Endesunterzeichneter  auf  die  von  der  Hohen 

schule  zu  Ingolstadt  pro  grada  und  von  dem  Kurfürstlichen 
Hofrath,  wo  er  seine  Probrelation  ablegte^  hergebrachte  gute 
Zeugnisse  vorzüglich  in  Rücksicht  der  von  seinem  Vater  und 
Grosseltern  dem  Hauss  Bayern  treu  geleisteste  Dienste,  als  bei 
geordneten  Sekretoire  bey  dem  Departement  der  auswärtigen 
Geschäfte  angestellt.  Der  Todt  des  erwähnten  Fürsten  benahm 
ihm  in  diesem  Fache  die  besseren  versprochenen  Aussichten 
und  er  suchte  dalier  eine  Hofraths  Stelle  nocli,  welche  ihm  auch 
Seine  jetzt  regierende  Kurfüi'stliche  Durchlaucht  mit  einem  Ge* 
halt  von  600  fl.  ertheilten. 

Durch  eine  von  ihm  in  Druck  erschienene  Deduction,  die 
Widerlegung  der  vom  Erzstift  Salzburg  an  Bayern  aufgestellten 
beträchtlichen  Forderungen  betreffend,  erwarb  er  sich  auch  noch 
die  Kommerzien-Raths- Stelle  mit  200  fl.  Besoldungszulage,  und 
bald  darauf  auch  das  beträchtliche  Amt  eines  Fiskalen  nebst  Sitz 
und  Stimme  in  der  Hofkammer,  bey  welchem  collegia  er  nach 
und  nach  zu  den  wichtigsten  Deputationen  gezogen  würde  und 
davon  noch  besonders  800  fl.  nebst  der  Rrtragniss  von  den  damit 
verbundenen  grossen  Kommissionen  bezog,  welche  sich  auch 
damit  vergrösserten,  dass  er  als  alleiniger  Gräntz  Commissaire 
ernannt  w^orden. 

Im  Jahre  1784  erschien  das  erste  Mandat,  welches  alle 
gelieime  Maurische  Verbindungen  verboth,  und  obgleich  Endes* 
gesetzter  sich  diesem  allerdings  gehorsamst  fügte,  so  musste  er  I 
docli  im  Jahre  1785  auf  Kuifürstlichen  Kabinets  Befehl  aus 
München  mil  Verlust  seiner  ansehnlich  und  einträglichen  Ämter 
nach  Landshut  als  Regierungs  Rath  wandern. 

Anfangs  batb  er,  ihm  die  Ursachen  dieser  Permutation  zu 
eröffnen,  ihn  doch  wenigst  zu  vernehmen  oder  förmlich  zu  unter* 
suchen,  allein  da  dieses  vergebens  war,  so  bezog  er  den  ihm 
angewiessenen  Platz  mit  dem  schriftlichen  Vorbehalt,  dass  es 
seiner  Ehre  onnachlheilig,  und  er  als  ungehört  nicht  aus  Strafe, 
sondern  bloss  wegen  der  höchsten  Willkühr  als  Unterthan  ge- 
horchte. €  

Dieser  plötzliche  Befehl,  nach  Landshut  zu  w^andern,  war 
der  erste  Streich,   den  die  Feinde  Zwackhs  durchsetzten,   noch  1 


I 


I 


—    253    — 


dazu  unter  recht  kompromittierenden  Umständen,  Zwackh  war 
amtlich  nach  Burghausen  geschickt  worden  zur  Berichtigung  der 
Grenzen  und  um  dem  Holzmangel  in  dortiger  Gegend  abzuhelfen. 
Er  hatte  nach  seinen  eigenhändigen  Aufzeichnungen  den  ge- 
heimen Slaotskanzler  um  private  Instruktion  gebeten»  ob  es  bei 
den  gegenwartigen  kritischen  Umständen  nicht  allenfalls  be- 
denklich  sei,  dass  er  mit  dem  Hofkommerrat  und  Ingenieur 
Leutnant  von  Michel >  einem  ehemaligen  Illuminaten,  nach 
Burghausen  abgehe,  wo  deren  noch  mehrere  sind.  Ais  Antwort 
erhielt  er  die  Aufmunterung,  durch  die  Freimaurergeschichte 
müsse  der  höchste  Herrendienst  nicht  leiden,  diese  hätte  mit  der 
Kommission  keinen  Zusammenhang  und  er  solle  also  darüber 
ohne  Soi^e  sein.  In  Burghausen  angekommen,  erhielt  er  den 
Befehl,  umzukehren.  Er  eilte  nach  München  zum  Staatskanzler, 
um  den  Grund  zu  erfahren  und  um  förmliche  Untersuchung  zu 
bitten,  konnte  jedoch  nichts  erfahren,  und  musste  sich  fügen, 
wie  das  Pro  Memoria  angibt.  Diesem  Willkürakt  sollten  nun 
alsbald  weitere  folgen,  denn  die  Partei  Pater  Franks  sorgte  dafür, 
den  Kurfürsten  immer  mehr  gegen  die  Illuminaten  aufzuhetzen. 
In  Landshut  verhielt  sich  Zw^ackh  sehr  ruhig,  er  war  jedoch  bei 
seiner  Ankunft  schon  so  verschrien,  dass  er  keine  Wohnung 
fand  und  bei  seinem  Vetter,  den  FVeiherrn  von  Ickstatt,  zu 
bleiben  gezw^ungen  war.  Dieser  verschafifLe  ihm  endlicli  im 
dritten  Stockwerk  ein  Logis.  Seine  Familie  folgte  nach  einigen 
Monaten.  Bald  darauf  wurde  Zwackh  gefährlich  krank.  Ais  ihn 
einige  Freunde,  frühere  Illuminaten,  während  seiner  Krankheit 
besuchten,  wurde  nach  München  berichtet,  dass  heimlich  bei 
ihm  Logen  abgehallen  würden,  Zwackh  erfuhr  diese  Verleum- 
dung, eilte  noch  krank  nach  München  zu  seinem  Vater,  eines- 
teils um  dem  Geschwätz  ein  Ende  zu  bereiten,  andernteils  um 
seinem  alten  Arzte  näher  zu  sein;  seine  Frau  und  Kinder  folgten 
bald^  die  Sorge  für  seine  Wohnung  dem  im  ersten  Stock  wohnen* 
^en  Registrator  Müller  überlassend. 

"  Diese  Angaben  enthalt  der  Nachlass  Zwackhs,  er  sagt  dann 
wörtlich: 

iP  »Zwei  Monate  gingen  vorüber  bis  die  Gesundheit  des  Zwackh 
hergestellt  und  dann  begab  er  sich  auf  die  Güter  des  Baron 
Bassus,  wohin  ein  KurfürstL  Hofkammerer  und  oberstliche  Hof- 
commission zur  Extradition  vei'schiedener  Lehen  abgeordert 
wurde.     Nach  diesem   Geschäft  reiste  er  auf  die  Güter  des  Gr. 


ifa 


—     254     — 


von  Preising,  und  dort  erhielt  er  schon  die  Nachricht,  dass  man 
ihn  neuerdings  wegen  Übertretung  der  landesherrlichen  Mandate 
in  lUumin,  Sachen  in  Verdacht  habe,  und  eine  Haussuchung 
vornehmen  wollte.  Er  erzählte  diese  Nüchricht  sogleich  mit  dem! 
Beisatz,  dass  es  ihn  zwar  sehr  kränke»  gar  keine  Ruhe  zu  haben, 
allein  es  werde  sich  eben  bei  dieser  neuen  Untersuchung  zeigen, 
wie  ungegründet  man  ihn  beschuldige,  dahero  gab  er  auch  garj 
keinen  Auftrag  von  seinen  Schriften  etwas  aufzuräumen.« 

Diese  Sorglosigkeit  sollte  sich  rächen,  denn  Zwackh  wussle 
selbst  nicht  mehr,  was  sich  unter  seinen  vielen  Schriften  befand, 
die  nun  bei  der  am  11.  und  12.  üklober  1786  stattgefundenen 
Haussuchung  gefunden  wurden. 

Es  existiert  im  bayrischen  Geheimen  Hausarcliiv  das  Pro- 
tokoll, welches  den  Verlauf  dieser  ungeheuer  viel  Lärm  ver- 
ursachenden Haussuchung  genau  angibt.  Dasselbe  liiutet  in» 
ganzen  Umfang: 

Act.  Landshut  den  ISten  October  1786. 

Präsentes. 

J,  B.  von  Zabeh  Stadtcommandant. 

Damian  Hugo. 

von  und  zu  Lehrbach. 

Prielmaier,  Kanzlei', 

Josef  Kratzl,  in  BetretT  des  Syndikus  Wieland. 

Baunigartner,  Leib  Reg.  Auditor. 

Nachdem  S'*  Ch.  D.  unterm  7ien  diess  Special iter  gnädigst 
befohlen  haben,  bei  dem  Syndikus  Wieland  und  Regierungsratli 
Zwackh  allhier  eine  schleunige  und  unversehene  Visitation  vor- 
nehmen und  die  in  puncto  lUuminütismo  daselbst  vorfindigen 
verdächtigen  Papiere  zu  banden  bringen  zu  lassen,  und  die 
gnädigste  Hofkriegsräthe  t*rder  unter  dem  9ien  diess.  an  die 
Kommandantschaft  Landshut  ausgefertigt  wTu-den  ist. 

Also  hat  sich  in  diesem  Geschäfte  als  \  ertreter  ernannter 
Auditor  Baumgortner  des  churf.  Leib  Regimentes  in  der  aus- 
gefertigten Ördei"  ölsogleich  auf  den  Weg  gemacht,  und  isl, 
den  10.  diess  Nachmittag  in  Landshut  eingetroffen  und  hat  an 
befohlenermassen  erwähnte  Order  dem  Herrn  Stadt- Gomman» 
danten  Baron  von  Zabel  überreicht,  welcher  dies  Geschäft  sogleich 
dem  Herrn  Regierungskanzlei*  Baron  von  Prielmayer  eröffnet, 
welcher  allsogleich  fortgegangen  um  sich  umzusehen,  ob  der  eis 


255 


!Iommissarius  ernannte  Baron  v.  Lehrbach,  dann  Hr.  Wieland 

*d  Herr  von  Zweekh  in  loco  seyen. 
Damit  diess  erfahren,  benahm  man  sich  in  diesen  Sachen 
miteinander,  wo  sich  denn  fand,  dass  Herr  Baron  von  Lehrboeh 
hier,  H.  Wieland  und  Herr  von  Zwackh  aber  nicht  hier  seyen. 
Nichtsdestoweniger  beschloss  man  die  anbefolilene  Visitation 
vorzunehmen,  weil  Herr  v.  Zwackh  mit  Geheimralhserlaubniss 
sich  in  München  befindet,  und  zur  guten  Vollendung  des  Ge- 
schäftes die  gnädigste  Weisung  dahin  gehen  wird  auch  in  Ab- 
wesenheit obiger  Subjecte  zu  visiliren. 

Weil  nun  doch  in  der  früh  Stadtrath  war,  so  entschloss 
man  sich  das  Geschäft  Nachmittage  in  aller  Stille  vorzunehmen. 
Herr  Regierungs- Kanzler  von  Frielmaier  erinnerten,  dass  vor 
dem  Landthore  sich  eine  sichere  Kletzl-Mühl  befinde,  die  den 
Schwiegereltern  des  Wieland's  angehört,  dass  Herr  Wieland  mit 
Herrn  von  Wiedemann  daselbst  öfter  Zusammenkünfte  gehabt, 
und  dass  daselbst  allenfalls  etwas  verboiigen  sein  könnte.  Man 
erbalh  sich  nun  von  der  Stadt  eine  Deputation,  welche  in  der 
Person  des  Herrn  Bui'germeister  Krätzl's  erschien.  Nun  verfügte 
man  sich  theilweise  nach  der  Mühl,  visitirte  die  daselbst  aus- 
gemahlenen Zimmer,  fand  aber  nichts  vor,  dann  begab  man  sich 
in  das  Quartier  des  Herrn  Syndikus,  visitirte  dort  den  Schreib- 
tisch, die  Kommode,  Schränke  und  anderes  auf  das  fleissigste, 
fand  aber  nichts  anderes  vor,  als  was  im  anliegenden  Verzeich- 
nisse angemerkt  ist.  Nun  trat  der  Herr  Bür'germeister  ab  und 
man  verfügte  sich  ganz  unbemerkt  in  das  Quartiei'  des  Herrn 
Regierungsraths  Zwackh,  wo  man  niemand  antraf,  abei"  erführe, 
dass  der  Landschaftskanzlist  Müller  die  Schlüssel  habe.  Von  dem 
holte  man  sie  ab,  durchging  alle  Zimmer,  weil  nun  Schreibereien 
zu  viel  waren,  und  die  Nacht  schon  eingetreten  war,  und  man 
also  nicht  mehr  fortfahren  konnte,  schloss  man  alles  wieder  zu 
und  nahm  die  Schlüssel  zu  sich,  legte  aber  einen  vertrauten 
Dragoner  die  Nacht  über  in  dies  Haus.  Theils  damit  bei  Nacht 
niclit  etwa  Anhanger  des  Herrn  von  Zwackh  mit  einem  Schlosser 
in  das  Haus  komme,  die  Schlös.ser  Öffnen  und  das  Verdächtige 
herausnehmen.  Den  12iet^  diess  verfügte  sich  die  ganze  Com- 
mission,  wir  3  in  das  Quartier  des  Herrn  von  Zwackh,  ößneten 
mit  den  vorhandenen  Schlüsseln  und  wo  es  nicht  möglich  war, 
durcli  den  vorher  geliolten  Hot^Schlosser  alle  Kästen,  Verschlage 
und  Kommoden  und  fand  die  in  anliegendem  Verzeichniss  be- 
merkten verdächtigen  Papiere,  welche  aber  ganz  verstreut  unter 


—     256     — 

verschiedenen  Geschäfts  Papieren  des  Herrn  von  Zwackh,  dann 
in  spezie  das  Packet  an  Herrn  von  Frank  und  das  Schurzfell 
nebst  Kreuz  unter  der  Frauenzimmer  Wäsche  und  Kleider  sich 
befanden.  Als  man  vollendet  hatte,  schloss  man  alles  wieder 
zu,  extradirte  die  Schlüssel  an  den  Kanzellisten  Müller  und 
brachte  die  Papiere  in  das  Quartier  des  Herrn  Stadtcoramün' 
danten. 

Den  ISten  wurden  die  Papiere  sortirt  in  Packeter  getheill 
darüber  ein  Verzeiehniss  verfasst,  in  ein  hölzernes  Trüherl  ge- 
packt  und  absignirL 

(Folgen  die  schon  zuerst  angegebenen  Namen  als  Unter- 
schriften,) 

Es  ist  nun  zur  Klai'ung  der  oft  aufgeworfenen  Frage, 
die  unter  dem  Titel:  »Einige  Onginalschriften  des  lUuminat 
Ordens,  welche  bey  dem  gewesenen  Regie rungsrath  Zwackh 
durch  vollgenommene  Hausvisitation  zu  LandshuL  den  IL  u* 
12.  Öctober  etr.  178ß  voi-gefunden  worden«  s.  Z.  verötfentlichten 
Schriften,  derartig  zusammengestelU  worden,  dass  sie  ein  mög- 
lichst hassliches  Bild  des  Ordens  geben,  notwendig,  gerade  diese 
Vorgänge  genau  zu  beleuclüen,  —  Bisher  haben  manche  Forscher 
angenommen,  darunter  aucli  Graf  Du  Mouliii  Eckart*),  dass  die 
ganze  Haussuchung  ein  Akt  privater  Natur  gewesen  wäre,  dem 
man  erst  später  amtlichen  Charakter  gegeben  habe,  das  ist  nicht 
der  Fall  nach  dem  bekannt  gegebenen  Protokoll,  sondern  alles 
ging  direkt  \om  Kurfürsten  aus,  unter  Umgehung  der  Behörden; 
den  direkten  Beweis  werden  wir  durch  eine  Urkunde  später 
liefern.  Weil  dies  aber  der  Fall  war,  so  wurde  auch  nur  dar- 
nach getrachtet,  alles  dem  Kurfürsten  so  mundgerecht  wie  mög- 
lich zu  machen,  damit  er  die  von  Jesuiten  präparierte  Speise 
nach  ihren  Wünschen  vertilge.  Der  Kurfürst  selbst  kümmerte 
sich  direkt  nie  um  Untersuchung  dieser  Dinge,  er  überliess  die 
Ordnung  seinen  Plofräten,  widerrief,  wie  P.  Frank  freudig  betont, 
nie  einen  ausgesprochenen  Befehl,  folglich  war  das  Handeln 
nach  eigenem  Belieben  der  Ratgeber  sehr  leicht.  —  Letztere 
Behauptung  tindet  durch  die  im  bayrischen  Haus-Archiv  befind* 
liehe  Kopie  eines  Befehles  des  Kurfürsten  volle  Bestätigung. 


•)  Siehe:  Aus  den  Papieren  eines  Illuminaten  in  Forscliungen  zur  Kul 
tur*  und  Lilleraturgeschichte  Bayerns,  herausgegeben  von  K.  v,  Reinhard- 
«töttner,  drittes  Buch,  Seite  197. 


n  den  merkwürdigen  Stücken  einen  Auszug  zu  machen.  So 
ben  Sr,  Churf-  D.  nunmehr  auch  dero  beyden  Hof- Käthen 
^erlandesregierungsräthen  von  Eckartshausen  und  von  Schneider 
B  Commission  übertragen,  dass  sie  sich  vermeldeten  Auszug 
n  den  Verfassern  sammt  den  Urschriften  selbst  Stück  für 
ück  vorlegen  zu  lassen,  solche  fleissig  mit  einander  zu  Colla- 

Oeichlelit«  de«  IHntnliiAteaordtM.  17 


—    258    — 


tioniren,  durch  den  als  Actuorius  hierzu  enmnnten  geheimen 
Kaiizehsten  Ball  ein  Protokoll  darüber  zu  halten  und  selbes  mil 
,dem  Commissions  Bericht  und  merkwürdigeren  Stücken,  welche 
etwas  zu  bedeuten  liaben,  md  intinium  einzuschicken,  all  übrigem 


über  einsweilen  ad  Archivum  in 
München,  den  2.  Jänner  1787. 

Carl  Theodor 
An  die  beiden  geheimen 
Archivare  \\  Eckartshausen 
und  von  Schneider 
die  Zw^ackhschen  Papiere 
betreffend. 


Verwahr  zu  nehmen  halten. 

W.  Kreitmaver 

Act  Mandatum 

Serenissimo 

Manum  Eleetoris  proprium 

H.  Schneider. 


Der  hier  genanjite  Ivckarlshausen  ist  als  Mystiker,  Theo- 
soph  und  üeculist  noch  heute  sehr  bekannt,  um  so  verwunder- 
licher ist  die  Art  seiner  Anstellung,  die  da  beweist,  dass  in  jener 
Zeit  auch  geistig  hochstehende  Männer  moralische  Defekte  auf- 
wiesen, denn  seine  Unkenntnis  der  näheren  Umstände  dieser 
Aratserwerbung  ist  nicht  anzunehmen. 

Die  Anstellung  des  v.  Eckartshausen,  natürlicher  Sohn  de^ 
Grafen  V.  Heimlieusen,  als  Archivar  gibt  ausserdem  eine  [likante] 
historische  lllusti'ation  zu  der  bekainiten  Novelle  von  Zsctiokke,  I 
>Wer  regiert  denn?^  —  Der  französische  Gesandtschaftsberichl 
Chalgrins  vom  2.  März  1784  gibt   über  die  Anstellung  genauen 
Einblick,  aus  diesem  ist  folgendes  zu  eiitnelimen.    Dem  Prinzen 
Maximilian   von  Zweybrücken   (spaterer  erster  König  Bayerns)' 
wurde  empfohlen  durch  Eckartshausen  das  Archiv,  das  sich  in 
grösster  Unordnung  befände,   oidnen  zu   lassen  und  ihm  des-  ■ 
wegen  seine  Fürspraelie  zur  Anstellung  zu  gewähren,  die  vom  1 
Kurfürsten  abhing.    Er  tat  das  gerne,  da  er  mit  Frau  \\  Eckarts- 
Imusen,  wie  Clialgrin  zart  sagt,  sich   liiert  luitte.    (avait   vK*  Ik 
avec  lo  femme  de  ce  dernier.)    MaximiHan  gibt  seinem  Bruder. 
dem  Herzog  Karl  sein  Fürwort,  dieser  sagt  den  Wunsch  dem 
Baron  von  Castell,    um   ihn   dem   Kurfürsten   vorzutragen,   von 
Castell  rückt  Sr.  Durchhiucht  mit  dem  Anstellungssgesuch  näher 
Durchlaucht    will    nicht.      Ptuu   v.    Eckarlshausen    erUingt    ver- 
schiedene Audienzen  beim  Kurfürsten  und  —  ihr  Gemahl  wirdl 
mit  700  fl>  Gehalt  angestellt.     Chalgrin  sagt  von  Frau  v.  Eckarls- 
hausen wörtlich:  Cette  femme,  assezjolic^  inspiröe  dans  cette  cir^ 
constance  par  une  m^re  intrigante  et  d'une  conscience 
peu  timoröe,  a  vaincu  la  rßsistance  de  S.  A.  Ele  par  des 


I 


sutiout  I 

1 


—     259     — 

fices  dont  l'affectatidn  qu'elle  met  actueUement  ä  vouloir  rem- 
placer  Md©  la  Comtesse  de  Paumgarten.  —  —  —  Der  Leser 
entschuldige  diese  kleine,  zur  Charakterisierung  jener  Zeit  nicht 
unnötige  Abschweifung. 

Aus  dem  vorher  genannten  Befehl  ist  zu  erkennen,  dass 
dem  Kurfürsten  nur  ein  Auszug  vorgelegt  wurde,  der  als  »Einige 
Originalschriften«  gedruckt  worden  ist  und  dass  die  Behauptung 
Zwackhs,  es  seien  Schriften  mit  untermengt  worden  (z.  B.  die  Er- 
richtung eines  Weiberordens,  die  famosen  Aqua  Tofana  Rezepte 
und  andere,  sodann  die  Zubereitung  einer  explosiven  Höllen- 
maschine), die  gar  nichts  mit  dem  Orden  zu  tun  haben,  völlige  Be- 
rechtigung besitzt. 

Vergleicht  man  nun  das  vorhandene  Verzeichnis  der  in 
seiner  Wohnung  aufgefundenen  Papiere  mit  der  Spezifikation  und 
Auszügen  aus  diesen  Schriften,  die  ebenfalls  im  Archiv  liegen 
und  gedruckt  wurden,  so  ergibt  sich,  dass  ganz  unzweifelhaft  viel 
unterdrückt  wurde,  was  anscheinend  im  Archiv  nicht  mehr  auffind- 
barist.  Das  damals  verfasste  Verzeichnis  lautet  folgendermassen» 

Verzeichniss  derjenigen  in  lUuminatismo  verdächtigen 
Papiere,  welche  durch  die  bei  dem  Syndicus  Wieland  und  Herrn 
Regierungsrath  Zwack  in  Landshut  den  11.  und  12ten  October 
1786  vorgenommenen' Visitation  vorgefunden  wurde. 

Bei  Syndicus  Wieland. 

1.  Notata  ex  Bacone  de  Verulama. 

2.  Adresse  an  Herrn  Baron  v.  Wiedemann,  Pfleger  in  Erding. 

3.  Geschichte  aus  der  persischen  Chronik. 

4.  Ein  Anliegen  von  dem  Hof-Pfistermstr.  Schiessl. 

5.  Etwas  über  ächte  Freymaurerey, 

6.  Die  3  Säulen  der  unbekannten  Lande. 

7.  Erste  Warnung  an  Freymaurer. 

8.  Über  Jesuiten,  Frevmaurer  und  Rosenkreutzer. 


Bei  Regierungsrath  V.  Zwack.. 
Lit.  A.  Zwei  Jahrgänge  von  dem  Freymaurer  Journal,  bestehend 

aus  8  Bänden,  nebst  dem  dazu  gehörigen  Schreiben  des 

Herrn  Blumauer  aus  Wien. 
Lit.  B.  Zwei  Hefte  des  grauen  Ungeheuers  die  Illuminaten  be-- 

betreffend. 
Lit.  C.   Ein  Packet  von  vei'schiedenen  wichtigen  franz.  und  ital. 

Briefen,    worunter    verschiedene    Originalien    mit    dem 

17* 


—     260     — 


höchsten  Hondzeichen   —   am  Ende   auch   einige  Brief* 
formulärs. 

Lit.  D.  L  Abhandlungen,    die  Herr  Zwack    füi'   den    Orden  ge- 
schneben. 
2.  Wer  eine  Lampe  nöthig  hat,  der  giesst  auch  ül  darauf, 
8.  Gedanken  über  die  Frage,   ob  einer   unserer  Brüder 
jemals  wahrhaft   unglückhch  sein  könne?    Hinten  aiv 
gehängt  die  Art  der  Kunstgriffe,  wodurch  die  Gesell- 
schaft muss  soutenirt  werden. 
Lit  E.  Ein  zugeschnürtes  und  versiegeltes  Paquet  Überschrieben 
an    den   Churfurstl    wirklichen    geheimen    Rath    vou 
Frank,  Wo  hl  geh,  elc- 
Lit  F.  Ein  Paquet  betitelt  Caballa  Major. 
Lit,  G.    Rio  Paquet  wichtiger  lUuminaten  Schriften,  enthaltend: 


1. 


oder    die   7    wie    und    wai'uiii'^ 


Lit.  H. 


Besser    als   Horus, 

Amsterdam  1784. 

2.  Noten  über  die  für  den  Bruder  Xenocrates  gesammel- 
ten Gelder. 

3.  Zwo  Ilhiminaten  Tabellen, 

4.  Nolamina  aus  gelelirten  Zeitungen. 

5.  Zeichnung  eines  lUuminatenleuchters. 

6.  Eine  Wappensammlung  des  Phili[>p  Zwackius 

7.  Aufnahme  Protokoll  des  Juristen  Stägers. 

8.  „  „  „  ,,         Bauhofs. 

9.  Verzeichnis  von  Zwackischen  Reisen. 
10.  Sendschreiben    an  die  Versammlung  in  Athen  115 
IL  Ein  Sendschreiben  von  Spartacus. 

12.  Sechs  wichtige  einschlägige  Zeddel. 

13.  Etwas  in  Betreff"  des  Zoroasters, 

14.  Ewas  über  Verbrecher  und  Strafen. 
Ein  fascieul  verschiedener  Briefe,  worunter 
1  Arian  an  Calo, 

1  Spartacus  an  Tiberius. 

2  Mohamet  an  Calo. 
1  Philo  an  Cato. 

1  Scipio  an  Cato. 

3  Attila  an  Gate. 
8  Agrippa  an  Gato, 

4  Tiberius  an  Goto. 
1  von  Canstanzo  an  Zwack. 
1  von  Berger  an  Zwack. 


—    261     — 


2  Zwack  an  seine  Frau,  worin  die  Rede  von  Consta nzo. 

1  Knorr  an  Zwack. 

1  Kessler  an  Zwack, 

1  Meckenhofen  an  Zweck.    (Meggenhofen.) 

1  Kobenz]  in  Eichsffidt  an  Zwack. 

2  Spaner  Grf.  an  Zwack. 
1  Schreiben  von  Stuttgart  an  die  Müncliener  Loge. 

5  Schreiben  von  Ungenannten. 

1  Adresse  w^>rauf  Freyniourer  Büchei-  angezeigt  sind. 
1  Paquet  an  Zwack  worin  ein  Geschäft  zwischen  Bayern 

und  Württennberg.     (Einer  ist  von  Wildenwort,) 

3  von  Branneriburg  an  Zw^ackh. 
1  Billet  w^orin  die  Wiederzuriickbringung  des  Odeus  die 

Rede  ist. 

6  Beschw^erdezettel  von  einem  Sabinus^CIeomenes,  Curtius, 
Pylades  et  Orestes. 

12  Pieren  von  einem  Philippus. 

7  Quibus  licet  von  Xenoplianes,  Mascentius,  Democedes, 
Dionysius,  Halicarnassus,  Philetes  Achias  und  Pytha- 
goras. 

J.    Briefe  des  Spartacus  und  Cato  und  Modus  mit  68  Pieren. 

K.  Corrcspondenz  des  Ajax  (Massenhausen)  und  Spartacus 
mit  27  Pie<,-en. 

L,   Ein   Packet  von   Briefen    zwischen    Hannihal    und    Cato 
mit  14  Piecen. 
.iL  M.  Ein  Packet    betreffend   die    keimende   Eichstadter  Loge 
mit  35  Pieren. 

N.  Ein  Packel  betreffend  die  Loge,  enthält  9  Piecen. 

O.  Ein  Paquet  betreffend  Burghauser  Orden  10  Pieeen, 

R   Di*ei  noch  unentsiegelte  Briefe  von  Späth,  Beck  und  Lob- 
meyer. 
Jt.  Q.  Illuminatenorden  Insignien  bestehend  in 

8  simplen  messingenen  Sternen 

6  grossen  „  „ 

1  grossen  derlei  Stern  am  grünen  Bande 

1  andern  Stern  an  einem  blauen  Bande 

1  anderes  Ordenskreuz,  auf  der  einen  Seite  mit  hebräi- 
schen Buchstaben,  am  Bande  ein  Andreas  Kreuz  mit 
braunen  Schnüren. 

1  Maurer  Schurzfell* 
Etliche  gelbe  Maschen. 


—     262     — 

folgen  Unterschriften, 

Comniandant  von  Zobel,  Damian  Hugo  von  und  zu  Lehr- 
bach, Prielmaier,  Kratzl,  Bürgermeister  zu  Landshut, 
Baumgartner,  Leib.  Reg.  Auditeur. 


Weiterhin   folgt    noch    ein  Verzeichnis   der    etwas    später 
sortierten  Schriften,  datiert  Landshut,  den  18.  Oktober,  die  samt* 
lieh  gedruckt  wurden,  deren  Aufzählung  daher  unnötig  ist.    Ver-     , 
gleicht  man  die  Druckschrift  mit  diesem  amtlichen  Verzeichnis,  ■ 
so  sieht  man  sofort,  dass  die  mit  Lit.  A,— J.  bezeichneten  Schriften 
fast  sämtlich  fehlen.    Die  Commission  Utzschneider,  Grünbei^er,  _ 
Cossandi,  Renner  und  dann  v.  Eckartshausen  und  von  Schneider»  f 
lioben  ihres  Amtes  jedenfalls  ganz  im  Sinne  Serenissimi  gewaltet, 
ja  sie  haben,  trotzdem  die  ersten  fünf  Uluminaten  w^aren,  nicht 
einmal  den  Versuch  gemacht,  entlastende  Erklärungen  zu  geben. 
Es  ist  z.  B.  unter  Lit  V.  in  dem  Nachtrag  vom  18,  Oktob*  an* 
gegeben,  dass  zwei  verschiedene  Bande  von  geschriebenen  Pie<^en 
zur  Verteidigung  des  Selbstmordes,  wovon  eines  den  Titel  hat: 
Gedanken   über  den  Selbstmord,   Va  Bogen  in  Quart»  gefunden 
wurden.     Hieraus  wurde  die  Anklage  ersonnen,  der  Orden  ver*-  m 
teidige    den   Selbstmord,    demoralisiere   also    seine   Mitglieder,  ™ 
Zwackh  erklärte  später,  dass  diese  Gedanken  von  Goethe  stam- 
men, aus  Werthers  Leiden.    Sollten  die  gelehrten  Professoren   ■ 
das  nicht  gewussl  haben?    tjoethes  Buch  hatte  allgemeines  Auf* 
sehen   erregt   und  war  allbekannt,  aber  diese  gelehrten  Herren 
benutzten  ruhig  die  Auszüge  ohne  erklärenden  Kommentar,    Ist 
das  also  Bosheit  oder  Unwissenheit?     Eins  scheint  so  schlimm 
als  das  andere,  man  ist  jedoch  entschieden  geneigt,  ersteres  an- 
zunehmen,  denn  die  Kommission  ist  im  übrigen  sehr  sor^ältig 
vorgegangen,  wie  die  im  Archive  betindlichen,  mit  genauen  An- 
merkungen   versehenen ,    weiteren    durchgearbeiteten    Verzeich- 
nisse beweisen. 

Interessant  ist  es  aucli,  dass  das  unter  Lit  E,  bezeichnete 
Paket  an  den  Geheimen  Rat  von  Frank,  das  ist  Pater  Frank, 
jetzt  spurlos  verscliwunden  ist.  Es  enthielt  Ftosenlcreuzerschriften, 
wie  klar  aus  einem  der  Commissions- Verzeichnisse  hen'oiTgeht, 
die  Zwackh  zur  liückgabe  verpackt  und  versiegelt  hatte.  Die 
Kommission  bemerkt:  Das  Packet  sub  Lit  E.  mit  der  Aufschrift 
an  den  churfürstl.  wirkl.  geheimen  Rath  von  Frank,  wohlgeb. 
ist  unversiegelt  an  uns  gekommen.  —  Das  kann  nicht  über- 
raschen,  wenn   die   Umstände   envogen   werden.     Pater  Krank 


—    264     — 


um  von  dort  seine  Rechliertigung  zu  versuchen.  In  seinem  Pro 
Memoria  erzählt  er,  dnss  er  aussergerichtlich  Nachricht  erlnell, 
seine  Arretur  sei  anbefohlen  und  Freiherr  von  Belderbusch  be* 
sonders  als  Inquisitor  in  den  Ma<;*ons  und  Illuminaten-SHchen 
bestellt.  Er  sandte  von  Augsburg  aus,  datiert  den  15.  Öktob.  1786* 
eine  Bittschrift'*'),  enthaltend  eine  Widerlegung  der  Anklagen 
und  Bitte  um  Untersuchung  an  den  Kurfürsten,  die  der  Comes 
Palatinus,  simul  et  Notarius  Publicus  Joh.  Martin  Maximihan 
Einzinger  von  Einzing,  laut  von  diesem  am  22.  Okt.  beglaubigter 
Abschrift  dem  Baron  von  Kreitmayr  persönlich  überbrachte, 
durch  den  v.  Belderbusch  sie  jedenfalls  erhielt,  denn  dieser 
schreibt  an  Zwackh: 


n 


W  o  1 1  Ige  bore  n  e  r  **) 
Hochgeehrter  Herr. 
Heute  habe  das  Erlassene  schreiben  mit  der  Abschrift 
Seine  churfürstL  Dchlcht*  Erhalten,  und  die  Ehr  gehabt  zu 
höchsten  Händen  zu  übei^eben,  weil  dass  begehren  vom  civile 
abhängt  so  hat  man  sich  der  antwort  halber  bey  dem  Herrn 
geheimen  Cantzler  Frh.  v.  Kreytmaier  zu  melden, 

ich  kann  aber  nicht  übei?;ehen  zu  bemerken,  dass  dieselbe 
nicht  wohl  gethan  schriffHen  von  denen  illuminaten  aufzuheben» 
wo  sie  doch  versichert  haben  keine  mehi*  in  Händen  zu  haben, 
der  ich  übrigens  mit  der  Hochachtung  bestehe 

Euer  Wohlgebohren 
München,  schuldiger  Diener 

d,  21te"  Octobris  1786.  von  Belderbusch 


Zwackh  suchte  sich  zu  rechtfertigen  durch  ein  Schreiben*** 
vom  2.  Nov.  aus  Wetzlar. 


Hochwohlgeborener  Reichsfreyherr l 
Die  gnädige  Zuschrift,   mit  welcher  mich  Eure  Exellence 

den  2ten  vorigen  Monats  beelirt  haben,  war  in  meinem  elenden 
Zustande    nebst   dem    Bewusslseyn   meiner   Unschuld    bissh« 
noch  der  einzige  Trost  ich   nehme  es  als  einen  Beweiss 
Menschenliebe  und  christlichen  Mitleid. 


*)  Dieses  s.  Z.  in  Duplo  ausgefertigte  Dokument  ist  im  Privatbesitz  des 


Autors. 


•)  OriRinsl  im  Besitz  des  Autors. 

•)  OrigiDalabscliHfl  Zwackhs  im  Besitz  des  Autors. 


—     265     — 


Es  sind  mir  die  Anstalten,  welche  gegen  mich  in  Bnyern 
getroflen  werden,  nun  bekannt,  zwar  unvereinbare,  aber  doch 
als  Befehl  des  Herrn  noch  verhelig.  Indessen  glaubte  ich  mich 
^  Augspurg  nicht  mehr  sicher  genug,  und  bin  liiehero  gereiset, 
um  selbst  noch  in  dieser  traurigen  Lage  die  Gelegenlieit  zu 
benutzen,  einst  meinem  Vaterlande  durch  die  Erlernung  des 
Kiimeral -Praxin  nützlicher  zu  werden,  mittlerweile  aber  von 
Gott,  als  dem  Richter  meines  Gewissen,  von  der  allbekannten 
Milde  unseres  gnädigsten  Kurfürsten,  und  der  Unterstützung 
rechtschaffener  Männer,  die  ich  mich  gewiss  nicht  unwürdig 
gemacht  habe,  die  Entwicklung  meiner  Unschuld  zu  erwarten. 

Erlauben  Euere  Excellenz,  dass  ich  im  vollen  Vertrauen 
hier  meine  Rechtfertigung  darstellen  darf. 

Seit  der  Entfernung  aus  meinem  Vaterland  beschäftige  ich 
mich  Tag  und  Nacht,  mich  selbst  in  dem  Innersten  zu  prüfen 
und  die  Ursachen  zu  entdecken,  welche  ein  solches  slrenges 
Veriahren  mich  durch  Commando  aufzuheben  und  in  den 
Taschenthurm  liefern  zu  wollen,  veranlassen  konnten,  und  bey 
Gott,  mein  Gewissen  sagt  mir  keine,  denn  soll  es  wegen  Frey- 
maurerey  und  llluminatismus  und  denen  dazu  einschlägigen 
bey  mir  voiigefundeuen  Papieren? 

»Wegen  anderen  Privatschriften? 
Oder  wegen  Gebrechen  in  meinen  Ämtern  geschehen? 
Bey  dem  ersteren  unterscheide  ich  zwischen  Schriften  vor 
und  nach  dem  Geboth.  Von  letzteren  können  gar  keine  gefunden 
worden  seyn,  weil  weder  ich  an  jemand,  noch  mir  von  dem 
ehemaligen  Orden  etwas  geschrieben  worden,  also  von  der 
ersteren  Gattung,  worüber  mir  auch  F'uere  Excellenz  den  Vor- 
wurf bemerken,  dass  ich  gegen  meine  Versiclierung  keine  solte 
aufbehalten  haben. 
h  Dabey  muss  ich  vorläufig  erinnern,  dass  ich  gleich  bey  der 
^m  vorigen  Jahre  ausgebrochenen  Inquisition  meine  Wohnung 
in  der  Burggasse  räumen,  eine  andere  vor  meine  Frau  und 
Kind  in  der  Löwengruben  beziehen,  ich  aber  selbst  nach  Lands- 
hutt  wandern  musste.  Bey  dieser  Uebereilung  und  öfterem 
Herumziehen  wurden  meine  in  Menge  seit  vielen  Jahren  ge- 
sammelte Schriften  unter  den  Büchern  und  anderen  Mobilien 
theils  durcli  mich,  theils  meine  Frau  und  Schreiher,  je  wie 
man  an  einen  Schranken  kam,  eingepackt,  da  ich  m  Landshutt 
keine  geräumige  Wohnung  fand,  so  blieben  den  Winter  hin- 
durch  die   meisten  Küsten  in  München,  sogar  in  dem   Garten 


—    266    — 

meines  Vaters,  endlich  im  Frühjahr  zog  ich  mit  der  ganzen 
Familie  nach  Landshutt,  Hess  alles  dahin  kommen,  aber  meine 
5  Monate  angehaltene  Krankheit  gestattete  mir  nicht  etwas 
selbst  auszupacken,  sondern  das  geschah  von  meiner  Frau  und 
Bedienten,  welcher  den  Auftrag  hatte,  nur  olles  zur  Pausch 
einsweilen  in  die  Küsten  zu  legen,  ich  wusste  als  nicht  einmal 
mehr,  welche  Papiere  ich  vom  Ilium,*Orden  hatte,  wo  sie  vor 
und  nach  dem  Auspacken  lagen,  ich  glaube  auch  nichts  mehr 
von  Graden  gehabt  zu  haben,  weil  ich  ja  schon,  was  in  deti 
dazu  bestimmten  Schupladen  gewiesen  ist,  bey  der  ersten  Inqui- 
sition freywillig  übergeben  habe,  und  wenn  man  noch  Briefe 
gefunden,  so  müssen  diese  alt  seyn  und  werden  sogar  in  unver- 
sperrten  Kästen  gelegen  seyn.  Wie  kann  bey  diesen  Umständen 
mir  autgebürdet  werden,  dass  ich  wider  meine  Anversicherung 
diese  Schriften  verheimlichte,  anbey  ist  mir  von  derley  Ver- 
sicherung nichts  erinnerlich,  man  verlangte  auch  von  mir  nie* 
malen  einige  Ordenspapiere,  weil  ich  gar  zu  keiner  Kommission 
gerufen  wurde.  Ferners  wird  es  darauf  ankommen,  ob  dann 
diese  alten  lllumin.  Sclirifften  etwas  unerlaubtes  enthalten? 

Es  w^ar  mir  doch  in  dem  lUum.'Systeme  alles  genau  be- 
kannt, und  ich  w^eiss  nichts,  was  es  gegen  die  Religion,  gute 
Sitten,  den  Staat  und  die  Fürsten  jemals  s< »Ute  enthaltCTi  haben, 
ich  könnte  mir  auch  nicht  vorstellen,  wie  einzelne  Briefe  einen 
anderen  widrigen  Beweis  machen  sollten?  Ausserdeme  waren 
diese  ja  nicht  von  mir  geschrieben,  ihre  Verfasser  müssen  den 
Sinn  darüber  erklären,  und  sich  rechtfertigen,  wenn  man  ja 
nicht  in  Erwägung  ziehet,  dass  Seine  Kurfürstliche  Durchlaucht 
unter  ihrem  höchsten  Wort  durch  ein  gedrucktes  Mandat  heilig 
vei*sjcherten,  alles  vergangene  zu  vergessen  und  ihi^e  Gnade 
immer  wiederum  zu  schenken,  welche  dieser  Gescllsclioft  ent- 
sagen, dieses  that  ich,  und  hielt  es  gehorsam.  Vor  alles  das 
bin  ich  zum  vollkommensten  Beweiss  unterthänigst  erbietig. 

Wegen  anderen  Privatschriften?  Es  müssen  deren  ziemlich 
viele  in  %'erschiedenen  Fächern  vorhanden  seyn,  ich  habe  von 
Jugend  auf  viele  Auszüge  aus  Büchern  und  Acten  gemacht, 
vieles  übersetzt,  während  meiner  ansehnlichen  Dienststellen  alles 
merkwürdige  selbst  abgeschrieben,  Doeumenten  copiren  lassen, 
viele  gesammelt  und  darüber  Bemerkungen  meist  in  abge- 
brochener nur  mir  verständlicher  Schrift  gemacht,  darauf 
gründen  sich  meine  wenige  Bekenntnisse  und  Einsichten,  das 
wird  jeder  Geschäfts  Mann  gethan  haben,  wegen  der  Menge  und 


267 


dem  vielen  Herumziehen  ist  es  ohnmögHch,  dass  ich  mich  aller 
erinnere,  die  Sammlung  bleibt  indes  immer  mein  Eigenthum  und 
es  ist  sehr  schwer  von  derley  Privatarbeiten,  die  nur  dem,  der 
sie  sammelte,  eigen,  verständlich  und  heilig  sind,  Rechenschaft 
zu  geben.  Vieleicht  können  darunter  einige  seyn,  die  gegen  die 
Religion,  den  Staat  und  Fürsten  auszulegen  wären,  es  fragt 
sich  aber,  in  weichem  Sinn,  zu  welcher  Zeit,  in  welchen  ter- 
minis  und  zu  welchem  Gebrauch  all'  diese  Aufsätze  gemacht 
worden?  Es  kommen  dabey  auch  die  geringsten  Umstände, 
vorzüghch  nicht  auf  einzelne  Worte  und  Perioden,  sondern  auf 
den  ganzen  Zusammenhang  an,  ohne  dieses  alles  zu  können, 
phne  meine  Erläuterungen  kann  ohnmöglich  eine  Auslegung 
U|emacht  werden,  und  dann  ist  noch  nicht  ei'wiesen,  ob  es 
meine  eigene  oder  entlelmte  Gedanken  waren,  oh  ich  danach 
meinen  Glauben,  meine  Handlungen  eingerichtet  liohe,  oder 
dass  ich  andere  darnach  lehrte,  oder  öflentHch  bekannt  ge- 
macht hätte. 

Auch  muss  dabey  wirklicli  Rücksicht  auf  meine  ansehn- 
liche Dienststelle,  auf  die  damit  verbundene  Freyheilen,  und 
vorzüglich  das  Amt,  welches  mich  als  Censur  Rath  bemächtigte, 
auch  die  sonst  anderen  verbothenen  Staats  und  Religionsbücher 

fiesen,  genommen  werden. 
Endlich  bitte  ich  Eure  Excqllenze  bey  diesen  Punkten  noch 
zu  bedenken,  ob  es  mit  meinem  moralischen  Karakter,  mit  den 
sonstigen  Beweisen  meiner  untadelhaften  AulTührung,  mit  meiner 
Erziehung,  mit  dem  Verhällniss  gegen  meine  Familie,  Anver- 
wandte und  sonstige  Bekannte  so  leicht  zu  vermuthen  seye, 
dass  ich  gegen  die  Religion,  den  Fürsten  oder  Staat  ein  Ver- 
brechen und  nun  aucli  ein  Halsstarriger,  lügenhatter  Verbrecher 
wäre?  Um  aber  eijiem  ähnlichen  Verdachte  noch  mehr  zu 
entkräften,  so  will  ich  noch  micli  selbst  untei'suchen.  üb  nicht 
Gebrechen  in  meinen  Aemtern  das  strenge  \'eifai)ren  in  meinen 
Aemtern  möcliten  veranlasset  haben.  Ich  diene  nun  seit  11  Jahren, 
Die  erstere  Zwey  als  Beygeord neter  Secretaire  beym  auswärtigen 
Departemente  unter  dem  wüj-digen  Ministre  Gr.  von  Seinsheim, 
Dieser  ehrwürdige  Greis,  dem  ich  alles  zu  danken  habe,  der 
mich  zu  den  Geschäften  erzog,  wird  mir  das  beste  Zeugniss 
von  dortigen  Zeiten  nicht  entsagen  können.  Dann  kam  ich  zum 
Hofrath,  bald  zugleich  in  das  Kommerzien  CoUegium,  in  die 
Censur  und  in  die  Hnfkammer  zum  I^'iskalat,  jedes  aus  diesen 
ansehnlichen  Collegiis  nebst  ihren  Vorständen  hat  dadurch  das 


268 


volle  Vertrauen  auf  meine  Kenntnissen,  Rechtschaffenheit  und 
Fleiss  mir  jederzeit  bewiesen,  da  es  mir  die  wichtigste  Ge- 
schäfte übertrug,  und  zu  ollen  Deputationen  zog,  wirklich  mehr 
X'erti'auen,  als  meine  Einsichten  und  Erfahrung  jemals  verdiente, 
aber  durch  treue  Arbeit  und  Integritaet  war  ich  dessen  gewss 
werth,  da  sogar  der  Öffentliche  Ruf  vor  mich  stehet,  da  man  es 
von  jedem  Vorstand  und  Rath  erfragen  kann,  da  es  Euerer 
Excellenze  selbst  bekannt  ist,  so  bedarf  ich  keiner  Beylage  von 
Zeugnissen.  In  Landshutt  habe  ich  das  Bestreben  um  ähn- 
liches Vertrauen  fortgesetzt,  und  was  der  dortige  Vicedom  Frey- 
herr  von  Daclisberg  FCuerer  Excellenze  und  anderen  geschrieben 
oder  gesprochen  hot  und  worüber  ich  selbst  so  viele  Briefe  habe, 
stellen  ausser  allen  Zweifel,  dass  ich  dort  ebenso  wie  in  meinen  ■ 
vorigen  Posten  geschätzt  war.  Davor  ist  auch  das  ganze  doiiige 
respectable  Regierungs  Plenum  Bürge.  Sicher  und  kühn  kann 
ich  Öffentlich  auffordern,  ob  jemand  mich  jemals  im  geringsten 
bestochen  hat. 

Indessen  will  ich  doch  zwey  Gegenstände  berühren,  welche 
man  mir  hierin  zu  Schuld  legen  könnte.  Vielleicht  fanden  sich 
unter  meinen  Papieren  noch  einige  Konferenz,  oder  Kameral 
akten  Producten?  Bewusst  sind  mir  keine,  aber  eben  wegen 
der  Menge,  die  ich  im  Hauss  hatte,  die  ich  gegen  rekognitionem 
an  die  regisiraturen  ablieferte,  dem  Übereilen  beym  Hin  und 
Herziehen,  und  weil  ich  nichts  ausgepackt  und  in  Ordnung  ge- 
bracht habe,  wäre  es  möglich,  ich  habe  dieses  schon  einmal  zur 
Hofkammer  erinnert,  und  mir  vorbehalten,  wenn  ich  etwas 
fände,  solches  sogleich  einzusenden.  Indessen  stand  ich  noch 
immer  in  den  nämlichen  Kuifürstlichen  Pflichten  und  man 
wird  mir  nicht  beweisen  können,  dass  ich  aus  böser  Absicht 
oder  nur  geflissentlich  ein  Producte  entzog,  oder  verheimlichte, 
Ausserdem  wird  vieles  darauf  ankommen,  ob  derley  Producten 
wichtige  Gegenstände  betreffen,  worüber  ich  jetzt  aus  Unwissen- 
heit nichts  sagen  kann. 

Der  zweyte  Gegenstand  wäre,  dass  ich  aus  Bayern  schrift- 
liche Nachrichten  habe,  dass  der  von  Weitzenbeck  in  Betreff 
desjenigen  Prozess,  welchen  der  Gr  Minucci  mit  seinem  ge- 
westen  Jager  Radiel  und  ihn  beym  Kuifürstlichen  Hufrath  ab- 
gestritten und  vei^lichen  hat,  und  wo  ich  Coreferent  gewesen, 
von  mir  sehr  ehren  rührend  spreche,  und  die  Schuld  beym  essen 
will,  als  hätte  ich  die  Graflich  Minuccische  Familie  zum  Besten 
des  Radiel  zum  Vergleich  übeiredet.     Es  sind  mir  von  diesem 


—     269     — 


iiosen  Prozess  noch   alle  Kleinigkeiten  gut  erinnerlich,  es  ist 

leicht  möghch,  dass  derley  Verläumdungen  auch  bey   meinem 

gnädigsten  Landesfürsten  Gehör  gefunden  hatten,  allein  ich  bin 

darin  gerade  wie  ein  Justitiorius  zu  Werk  gegangen,  ich  habe 

^ichis   einseitiges   unternommen,   ich    war   nur   Coreferent    der 

ifbn  Eckertshausen  Haupt  Commissaire»  wir  thaten  nichts  ohne 

den  Kurfürstlichen  Hofroth.     Die  acten  der  von  Eckertshausen, 

die  Vorstände   und  Assessoren   des   dortigen  Senat,   selbst   die 

Gräflich  Minuccische  Familie  niussmir  darüber  Zeugschaft  leisten. 

^^er  Haupt  Commissaire  und  ich  riethen  auf  Befehl  Seiner  Kur 

füi^tlichen   Durchlaucht   auf  das  Conclusum    des  Hofralh    zum 

Vergleicli,   wozu   auch   Gründe    genug  vorhanden   waren.     Ich 

wollte  Euerer  Excellenze  darüber  nur  zum  voraus  praeveniren, 

denn  ich  behalte  mir  bevor,  den  von  Weizenbeck  ex  Lege  Diffa- 

rari  zu  belangen. 
Zum  Schluss  dieses  Briefes  muss  ich  Euere  Excellenze 
noch  gehorsamst  ansuchen,  bey  Gelegenheit  Seiner  Kurfürst- 
Hellen  Durchlaucht  von  dieser  gegründeten  Flechtfertigung  zu 
sprechen  und  Höchstselben  vorzustellen,  doss,  wenn  ich  auch 
wirklich  einiges  Verschulden  trage,  ich  empfindlich  genug  durcli 
die  viele  Kosten,  das  ängstige  Hin-  und  Herreisen,  welches 
meinem  durch  Krankheit  geschwächten  Körper  doppelt  fühlbar, 
durch  die  erlittene  Prostitution,  durch  das  Jammern  meiner 
Familie,  durch  die  Trennung  von  meinem  liebsten  kleinen  Kinde, 
meinen  alten  Aeltern,  %'Orzüglich  meiner  sorgfältigen  Mutter,  die 
vielleicht  das  erste  Opfer  von  diesem  Verfahren  wird,  durch  die 
marternde  Ungewissheit  und  vor  allem  durch  die  fürchterliche 
Erinnerung  an  die  Ungnade  des  so  mächtigen  Landesfürsten, 
der  mir  sonst  in  vollem  Maass  Vater  und  die  einzige  Stütze 
gewesen,  genug  bestrafet  bin. 

Wetzlar,  den  2ien  November  1786. 

y  Da  das  Schreiben  an  den  Kurfürsten  ohne  Erfolg  blieb, 
sandte  Zwaekh  ein  zweites  ab,  datiert  vom  16.  November  1786, 
beglaubigt  von  demselben  Notar  München,  den  IL  Dezember.*) 
Letzterer  überbrachte  dieses  Gesuch  wiederum  dem  Baron 
Kreitmayer,  jedoch  hatte  es  ebensowenig  einen  Erfolg.  Zwaekh 
blieb  verfehmt,   seiner  Ämter  entlassen.    Sein   Rufen  nach  Ge- 

jechligkeit  und  Untersuchung  verhallte  ungehört. 

if       Es  ist  augenscheinlich,  dass  die  hier  geschilderten  Ereig- 

■ <►- 

•)  Aueti  dieses  Original  im  Privatbesitz  des  Autors. 


—     270     — 

nisse  nicht  genügen,  um  die  tiefe  Abneigung  des  Kurfürslei) 
gegen  Zwackli  zu  erklären,  es  müssen  noch  besondere  Gründe 
vorliegen,  die  bisher  unbekannt  waren.  Solclie  Gründe  siiui 
vorhanden  und  linden  sich  genau  in  den  Gesandtschaftsbe- 
rieliten*)  Montezans  im  Pariser  Archiv  aufgezeichnet.  Diese 
geben  ein  vollständig  klares  Bild,  sodass  die  bezügliche!) 
Stellen  in  Übersetzung  ohne  Kommentar  wiedergegeben  werden 
können. 


Tome  171  page  268. 


München  d.  18.  Octob.  1786. 


Der  Abbt5.  Frank,  welcher  dem  Herrn  v,  Lehrbach  sehr  er. 
geben  ist,   beschäftigt    nun   den  Clrurfürsten   abermals  mit  den 
Illuminaten    und   verdächtigt  sogar  den   Nuntius,    dass   er  auf 
ihrer  Seite  sei,  da  er  sicli  einschmeicheln  will.     In  Beiziehung 
des  Domlierrn  von  Lelirboch  hat  man  in  Landshut  in  Abwesen- 
heit    des    Herrn    von   Zwackh    dessen   Papiere   sich    angeeignet, 
ausserdem  wurde  befohlen,  ihn  am  14teii  hier  anzuhalten;   der 
Herr  Graf  von  Freising,  Vicepräsident  des  Reichshofrathes,  ver- 
barg  ihn  bei  sich   und  Hess  ihn   in  Begleitung  von  vier  seiner 
Diener  entwischen.     Seitdem   wurde   be.stimmt,   dass   man   die 
Festnahme    der    Illuminaten    in    die   Hände   des    Herrn   Beider- 
busch,  Kriegsreferendar  und  Gardemajor   legen    wolle.     Das  ist 
es  nun,  was  den  Kurfürsten  hauptsächlich  beschäftigt  und  indem 
man  seiner  Leidenschaft  schmeichelt,    ist   man   sicher   ihm    zu 
gefallen. 

Im  Brief  vom  28.  October  1786. 
Man  versichert,  dass  man   unter  den  Papieren  des  Herrn 
Zwackli  einen  Plan  fand,  der  eine  sehr  wenig   schmeichelhafte 
Geschichte  für  den  Churfürsten  enthielt  und  von  der  man  an- 
nahm, dass  sie  sich  als  glaubwüi'dig  erweisen  würde.**) 

München  d.  IL  November  1786. 
Ein  vom  Chuifürsten  untei'zeichnetes  Decret  erklärt  die 
St!e!le  des  Herrn  Zwackh  unbesetzt,  ihn  selbst  seiner  Bezüge 
%'erlustig,  zugleicti  entliieltes  den  Befehl  ihn  festzunehmen,  .sobald 
er  sich  in  den  Bavar.  Palatinischen  Staaten  zeige.  Der  eigent- 
liche Grund  dieses  Erlasses  war  aber,  dass  man  in  den  Papieren; 

•)  Abschriften  im  Besitz  des  Autors. 

•*)  Könnte   sich  auf  die  Seite  259/60    unter  Lit.  C   und  D    angegebenen 
Papiere  beziehen. 


17^        ^ 

*  1 1^        ^^ 


welche  wahrend  seiner  Abwesenheit  ergriffen  wurden,  ausführ- 
liche Notizen  über  die  Führung  der  Finanzen  fand,  an  denen 
er  lange  Zeit  unter  den  Herrn  Caslell  gearbeitet  hatte.  Er  be- 
weist  darin ,  dass  ausser  der  schwierigen  Leitung,  welche  1781 
mit  Salzburg  beschlossen  worden  war,  und  wovon  ich  Ihnen 
Monseigneur  s.  Zt.  einen  Auszug  übersandt  hatte,  der  Erzbischof 
nur  die  Hälfte  der  enornnen  Summe  angegriffen  hatte,  welche 
man  von  Bayern  bezahlen  liess,  wahrend  die  andere  Hälfte 
unter  mehreren  Ministern,  Herrn  von  Lehrbach  und  der  Kasse 
der  nntürlichen  KindeO  geteilt  wurde.  Der  Herr  Zwockh  hatte 
von  Wetzlar  aus  einen  sehr  ))ikanfen  Brief  an  den  Herrn  Beroii 
von  Belderbusch  gerichtet,  wahrend  er  einen  zw^eiten  an  einen 
Geschäftsmann,  der  ihn  beschützte,  richtete,  worin  er  anführt, 
dass  er  sich  an  das  Reichsgericht  wenden  \^'erde,  um  der  Ge- 
rechtigkeit zuteil  zu  werden,  die  man  ihm  hier  verweigert.  Und 
das  eben  sind  die  Venvirrungen  und  Verfolgungen»  die  unvorher- 
gesehen den  Münchener  Hof  beschäftigen.  Montezan. 

Diese  Gründe  und  dann  ein  Brief,  den  Zwackh  an  den 
Verwalter  des  dem  Baron  Bassus  gehörigen  Gutes  Sanders- 
doif  schrieb  (derselbe  tindet  sich  im  nächsten  Kapitel)  waren 
die  Ursachen  des  unvertilgbaren  Zornes  des  Kurfürsten  und 
seines  sich  steigernden  Illuminatenhasses. 


I 


Yerfolgimg  des  Baron  BassuB. 

Zu  den  Ordensangehörigen,  deren  Name  und  Massr^eh 
durch   die  Veröffentlichung  von  Schritten   dem  weiteren  Publi- 
kum  bekannt  geworden   sind,  gehört   Freiherr  Thomas   Franz 
Maria  von  Bassus. 

Derselbe  gelangte   durch    Erbschaft,   infolge  Todes   seines! 
Vetters,   des    Generalmajors    von   Bassus,    in    den    Besitz    der' 
Familiengüter  in  Sandersdorf  bei  Ingolstadt,  lebte  jedoch  meist 
in  Graubünden,  wo   er  Alt-Podesta  zu  Poschiavo   und  TraonaJ 
war.    Er  w-ar  im  Jalire  1778  durch  Weishaupt  selbst  geworben 
worden,  jedoch  ward  ihm  weder  ein  Aufnahmerevers  abverlangt,, 
noch  wurde  er  mit  besonderem  Zeremoniell  aufgenommen. 

Er  sagt  hierüber  folgendes  in  seiner  Verteidigungsschrift: 

•)  Des  Kurfürsten. 


—     273     ^ 


>Auf*)  diese  Art  wurde  ich  also  ein  Illuminat,  ohne  dass 
Jemand  von  mir  ein  Revers  um  vielweniger  einen  Kid  gefordert 
hätte  und  dadurch  zeigten  die  ersten  Ordensbrüder,  dass  sie 
^^ne  einigen  Ceremonienland  und  ohne  einiges  Engagement 
^P^s  auf  meine  RechtschalTenheit  ihr  Zutrauen  setzten,  so  dass 
sie  mich  sogar  unter  die  Areopagiten,  welchen  Namen  die 
höchste  Classe  der  llluminaten  führte,  setzten.  Das  heisst  unter 
die  Classe  der  Mitwisseoden,  Ich  wusste  nehmlich,  dass  der 
Professor  Weishaupt  der  Erfinder  und  Stifter  dieser  Gesellschaft 

rr,  w^elches  noch  einige  wenige   andere   und   sonst  Niemand 
sste.i 

Seine  Freundschaft  mit  Zwackh  hatte  ihn  verdächtigt.   Es  war 
bekannt  geworden,  dass  dieser  öfters  in  Sandersdorf  anw^esend 
war,    jedoch    wusste    man   nicht   die   Gründe    dieser   Besuche, 
die  teils  aus  einer  Fi-euodschaft  zu  des  Barons  Gutsverwalter 
Franz  Joseph  Meyer  stammten,   dann  aber   notwendig  w^urden, 
weil  ihm  die  Oberadmiriistration  aller  Geschäfte  des  Barons  für 
Bayern   anvertraut  war.     Bassus  selbst  lebte  seilen  in  Sanders- 
m)rf,  zuletzt  im  Herbst  1785,  er  bedurfte  also  eines  Vertreters 
Jür  seine  in  Bayern  liegenden  Güter,  den  er  in  Zwackh  gefunden 
Bktte.     In  dem  vorigen  Kapitel  haben  wir  gesehen,  wie  schlecht 
Zwackh  höheren  Ortes  angeschrieben  war,  es  ist  daher  begreif- 
lich, dass  nach  seiner  Flucht  namentlich  jede  Verbindung,  die 
er  mit  EinwohneiTi  Bayerns  hatte,   sobald  eine  solche  bekannt 
wurde,  diese  verdächtig  machte.   Er  schrieb  nun  am  30.  März  1787 

im  Verwaller  Meyer  nachfolgenden  Brief  aus  Wetzlar: 
I  Liebster  Herr  Verwalterl 

Ich  will  Ihnen  nunmehr  die  angenehme  Nachricht  7Aigeben, 
SS  ich  wirklich  in  einen  erhabenen  Posten  eines  der  ansehn- 
lichsten Reichsfürsten**)  mit  BewilhgiingdesZweibruckener  Hofes 
getreten  bin,  und  von  diesem  letzteren  die  Zusicherung  erhalten 
habe  im  Successionsfalle  wiederum  in  meine  erste  Stelle  als  Fiscal 
einzurücken.  In  Zeit  zwey  Monathen  muss  ich  von  hier  an 
meinen  Bestimmungsorth  ab,  nachdem  ich  zuvor  noch  in  Zwey- 


•)  S,  Vorstellung  denen  hohen  Standeshfiuptern  der  Erlauchten  Bepublik 
Graubünden  in  Ansehung  des  lUuminateii  Ordens  auf  hohen  Befehl  vorgelegt 
von  Thomas  Franz  Maria  Freyherro  von  llasauH,  Herrn  zu  Sandersdorf,  Men- 
dorf,  Eggerscbberg,  Harlanden  und  Dachenstein  etc. 
••)  Der  Fürstbischof  von  LQllich. 

Eb9«1,  6e««bleht«  d««  DlozuiiuteQordMia.  18 


—     274     — 


bruGken  meine  Aufwartungen  mache.  Ich  empfehle  Ihnen  die 
versprochene  Einsendung  der  Cassa  Gelder  an  meinen  Vater, 
weil  bereits  meine  Anweisungen  und  die  allforderungen  dringend 
werden.  Aus  Graubünden  habe  ich  Briefe,  doss  dort  alles  ge- 
sund und  sich  mein  Freund  unendlich  freut,  weil  ich  die  Gegend 
von  Sandersdorf  in  meinen  Aufenthalt  regulirt  habe;  mündlich 
seiner  Zeit  das  Nähere.  Leben  Sie  indessen  recht  wohl  und 
empfehlen  uns  Ihrer  Frau.  Kann  sie  mir  auf  diesen  Brief 
antworten,  so  schicken  sie  diese  nicht  über  München,  sondern 
Direcle  durch  ein  Couvert  an  meinen  Schwager  anhiero  unter 
meiner  Adresse  durch  die  Post  zu  Ingolstadt. 

Der  Ihrige, 

Dieser  Brief,  jetzt  im  Bayrischen  Staats-Archiv,  wurde  unter 
schlagen,  ebenso  wie  ein  zweiter,  den  Chalgrin,  der  entgegen- 
gesetzt von  Montezan  Gegner  der  Illuminaten  war,  in  seinem 
Bericht  nach  Paris  vom  7.  Mai  1787,  angibt.  Es  heisst  da  in 
Übersetzung: 

»Ich  habe  die  Ehre  Monseigneur  in  meiner  Depesche  Ihnen 
über  das  Betragen  und  Stellung  des  Herrn  Zwack  zu  sprechen. 
Dieses  Individuum,  welches  noch  immer  keine  Ruhe  giebt,  hal 
es  gewagt  einen  neuen  Brief  hierher  zu  schreiben.  Derselbe 
war  an  einen  Landshuter  Privatmann  gerichtet.  Herr  Zwack 
führt  darin  an,  dass  er  um  die  Gunst  des  Herzogs  von  Zwey- 
brücken  sich  beworben  und  da  seiner  Ansicht  nach  der  Chur- 
fürst  nicht  mehr  lange  leben  könne,*)  würde  er  bald  wieder  in 
Bayern  erscheinen  und  würde  durch  die  Gnade  des  Herzogs  in 
seine  alten  Ämter  und  Würden  wieder  eingesetzt  Diesen  Brief, 
den  die  Regierung  unterschlagen  hatte,  bekam  der  Churfürst  zuJ 
gleicher  Zeit  mit  einem  andern  Bi-ief  zu  lesen,  worin  er  Kennt- 
niss  bekommt  von  einem  andern  seiner  ünterthanen,  des  Herrn 
Baron  von  Montgelas.c 


Das  Original  dieses  unterschlagenen  Briefes  ist  vorhanden 
und  sandte  die  Herzogin  Maria  Anna  eine  Abschrift  desselben 
an  Herrn  v.  Hohenfels  nach  Zweihrücken  mit  heftigen  Ausfällen 
gegen  Zwackh,  um  ihn  dort  unmöglich  zu  machen.  Sie  sagt: 
»Monsieur  je  vous  joins  ici  la  copie  d*une  lettre  de  ce  vilain 


1 


•)  Diese  Worte  stehen  nicht  im  Briefe  Zwackhs,  er  spricht  auch  dort^ 

nur  vom  —  Successionsfan,  ohne  das  wann  zu  berühren. 


—    Ztb 


^wackh  dont  l'onginol  ecrit  de  sa  moin  est  dans  celle  de  FElec- 
leun*  — 
H  Wir  haben  hier  in  diesen  Briefen  die  Veranlassung  zu  der 
Bassus'schen  Haussuchung,  sowie  der  Sequestrierung  der 
Güter  des  Barons.  —  Zorn  gegen  Zwackh  war  die  Ursache  und 
darunter  mussten  dessen  Freunde  leiden. 

tDer  Befehl  zu  der  Visitation  und  Sequestrierung  lautet: 
■  Serenissimus  Elector. 

Demnach  seine  Churiurstl  Durchlaucht  etc.  bey  dem  Baron 
assus  zu  Sandersdorf  nicht  nur  eine  Visitation  der  dortigen 
apiere  vornehmen,  sondern  auch  seine  hierländischen  Güter, 
sequestrieren  zu  lassen  entschlossen  ist,  als  haben  sich  beyde 
Hofrälhe,  Engel  und  von  Stock  auf  Kosten  desselben  also  gleich 
mit  Beyziehung  eines  Canzelisten  nach  Sandersdorf  zu  begeben, 
die  dortigen  Papiere  zu  durchsuchen,  und  was  davon  nach  dem 
Illuminatismus  riecht  oder  sonst  verdächtig  ist  an  sich  zu 
bringen,  wie  nicht  w^eniger,  den  Hofmarschverwalter  sowohl  als 
die  Unterthanen  in  die  Pflicht  zu  nehmen,  sohin  mit  dem  künf- 
tigen Prästandis,  dann  dero  getreuen  Vei*walt,  und  Verehrung 
an  den  Hofrath  zu  weisen,  desgleichen  sich  über  den  vor- 
kommenden Umstand  dass  der  Zwack  dato  noch  Sanders* 
dorf  in  Pacht  haben  solle,  gründlich  zu  informiren. 

Carl  Theodor 
München,  den  2,  May  1787,  ChurfürsL 

Der  Passus   im  Zwackhschen  Brief,   der  Verwalter  Meyer 
fsoUe  die  Gelder  dem  Vater  Zwackhs  einsenden,  der  jedenfalls 
für  den  Sohn  in  die  übernommenen  Pflichten  der  Oberadmini- 
fStration*)    eingetreten   w^ar,    ist  ganz   verstandlich,    wenn   man 
Kenntnis    von    dieser  Oberadministration    hat.     Höheren  Ortes 
hatte   man   damals   augenscheinlich   diese  Kenntnis   nicht   und 
schloss  demnach  aus  der  Briefstelle,  Zwackh  sei  Pächter  und 
Eigentümer  der  geforderten  Summen.     Deswegen  im  Befehl  der 
Hinweis,  man  solle  sich  informieren,  ob  Zwackh  Sandersdorf  in 
Pacht  habe.    War  letzteres  der  Fall,  'so  konnte  man  sich  be- 
quem durch  den  Sequester  an  Zwackh  für  dessen  Flucht  rächen 
und  der  kurfürstlichen  Kasse,  die  stets  Geld  brauchte,  aufhelfen. 
Leider  war  jedoch  Zwackh  nicht  Pachter,  und  nur  der  Ura- 
[stand,  dass  auf  Sandersdorf  weitere  Illuminatenpapiere  gefunden 


'J  S.  Seite  53,  VorsteUung  denen  hohen  Slandeshäuptern. 


18* 


—     276     - 

wurden,  verschleierte  die  ganz  ungesetzliche,  vor  Auffindung  der 
Papiere  schon  beschlossene  Sequestrierung,  die  nur  ein  Gewall- 
eingriff  war,  ohne  jede  Berechtigung.  Die  gefundenen  Papiere 
wurden  nun  als  Nochtrag  von  Originalschriflen  auf  kurfürsthchen 
Befehl  gedruckt  und  enthalten  jetzt  wertvolle  Urkunden  über  die 
Entwicklung  des  Ordens,  Bassus  gibt  über  den  Erhalt  dieser 
Scliriften  in  seiner  schon  mehrfach  envahnten  Schrift  folgende 
Erklärung: 


Dieses  neue  scharfe  Verboth  (gemeint  ist  das  zweite  Ver- 
bot vom  August  1785)  setzte  alle  dortige  Maurer  und  Illu- 
minaten  in  Bewegung,  alle  eilten  mit  ihren  anbelbhlenen 
Reversen  zur  höchsten  Stelle,  oder  zu  ihren  Vorständen,  und 
suchten  ohne  Zeitverlust  den  höchsten  Befehl  zu  erfüllen.  Hey 
dieser  Gelegenheit  wurden  mir  vom  Canonicus  Hertel  oder  vom 
Grafen  von  Constanzo  dessen  ich  mich  eigentlich  nicht  mehr  e^ 
innere,  einige  versiegelte  Paquete  Schriften  eingehändigt,  mit 
dem  Ansuchen,  ich  möchte  solche  aufbewahren  und  dann  mit 
sicherer  Gelegenheit  Weishaupt  überschicken,  als  ich  mich  er- 
kundigte, was  darinn  enthalten  sey,  hiese  es,  es  wären  die 
Rechnungen,  von  der  zu  München  gehabten  Loge  S.  Theodor 
vom  guten  Hath,  welche  man  aufzubewalii*en  verlangte,  um  sich 
wider  alle  Vorwürfe  die  etwa  mit  der  Zeit  gegen  die  treue  Ver- 
waltung der  Gelder  gemacht  werden  könnte,  zu  schützen,  denn 
es  sey  heut  zu  Tage,  ohnedem  nichts  von  den  schwärzesten 
Verläumdungen  sicher.  Da  ich  den  folgenden  Herbst  nach 
Sandersdorf  ging,  nahm  ich  die  Paquete  mit  mir,  erfuhr  da, 
dass  Weishaupt  auf  Reisen  sey,  legte  sie  also  in  den  Schreib- 
kasten in  mein  Cabinet,  und  um  eben  niclit  jedem  zu  entdecken» 
woher  ich  solche  erhalten  hatte,  und  damit  sie  doch  im  Fall 
meines  Absterbens  an  seine  Behörde  gelangen  könnten,  schrieb 
ich  mit  meiner  eigenen  Hand  darauf,  dass  mir  diese  Schriften 
so  verschlossen  für  den  Herrn  Professor  Weislmupt  zur  Ver- 
wahrung seyen  überschickt  worden,  gegen  Ende  des  Herbstes 
(1785)  verliesse  icli  Sandersdorf  und  kam  nach  Poschiavo  zurück, 
wo  ich  meine  ganze  Familie  vei-sammelt  halte  und  nun  ganzer 
zwey  Jahre  zugebracht  habe,  ohne  mich  von  Haus  weg  zu  be- 
geben.« —  — 

Selbstverständlich  sollte  nun  dem  Baron  Bassus  aus  diesem 
neuen    Funde    von    Illuminatenschriften    ein   Verbrechen    kon- 


—     277     — 


liert  werden.  Die  Kommissare  Engel  und  Stock  Hessen  sich 
fSOl  tL  57  Kr.  an  Kosten  der  Reise,  sowie  Deputaten  für  7  Tage 
zahlen,  über  die  am  8,  Mai  1787  quittiert  wurde  und  brachten 
die  Schriften  zur  näheren  Untersuchung  und  Beurteilung  nach 
München. 

Inzwischen  protestierte  Bassus  kräftig  gegen  das  gegen  ihn 
beliebte  X'erfahren,  namentlich  gegen  den  Sequester.  —  Carl 
Theodor  konnte  sich   nicht    verschweigen,    dass  ihm    siclierlich 

k Angelegenheiten  entstehen  müssten,  zumal  Bassus  wohl  sein 
V'ösall  als  Gutsherr  war,  aber  nicht  als  sein  Untertan  angesehen 
^*ei*den  konnte,  infolge  seiner  Zugehörigkeit  nacli  Gi^aubünden. 
eb 


Die  wahre  Sachloge,  dass  Zwackli  nicht  Pächter  war,  kam 


abenfalls  bald  zum  Vorschein  und  so  blieb  als  Entschuldigung 
der  Sequestrierung  nur  die  Stempelung  des  Schlosses  Sanders- 
dorf als  gefülu'iiches  Illuminalennest,  wie  es  oftiziell  benannt 
wurde,  übrig.  Klar  geht  das  alles  aus  nüchfolgendera  Befehl 
henorr 

(Serenissimus  Elector. 
Welcher  Gestalt  sich  der  Baron  Bassus  sowohl  über  die 
u  Sandei'sdorf  vorgenommene  Visitation,  als  Sequestration  be- 
chwert,  gibt  der  Anschluss  mit  mehreren  zu  vernehmen. 
Gleichwie  nun  die  Visitation  nicht  ohne  vorlaulig  genüg- 
samen Verdacht  vorgenommen  worden  ist,  so  hat  man  auch 
durch  den  vei'hängten  Sequester  nur  mit  der  sandersdorfer 
Administration,  weil  der  Boron  Bassus  solche  dem  Zwackh 
übertragen  hatte,  eine  andere  Anstalt  zu  machen,  und  den 
H||iveiteren  Conventiculis  an  diesem  renomirten  Illuminaten-Nest 
vorzubeugen  gesucht. 

Die  Beschwerde  hat  also  weder  in  einem  noch  andern 
Punkl  den  geringsten  Grund,  und  obwohl  hiernächst  der  Baron 
Bassus  ein  Mitglied  des  Illuminaten  Ordens  gewesen  zu  seyn 
widerspricht,  so  kann  er  doch  den  ihm  beigelegten  Urdensnamen 
Hannibal  selbst  nicht  ableugnen  und  wird  auch  durch  seine 
igenhändigen  Briefe  ül)e!'wiesen,  worin  er  nicht  nur  das  Ordens- 
Apostolat  ongetietcn  zu  Iiaben  meldet,  aucli  die  angeworbenen 
Recruten  versiehe it,  dass  dem  Orden  das  chuifürstliche  V'erbolli 
mehr  beförderlich  als  obbrüchig  seyn  werde. 

Was  nun  der  Apostel  einer  solchen  Secte,  welche  unter 
dem  Blendwerk  der  Aufklarung  die  wahre  Religion  zu  unter- 
graben, die  landesherrlichen  Vorrechte  mit  angemosstem  jure 


—     278     — 

vitoe  et  necis,  collectarum  orchivi  und  sonst  einzugreifen,  die 
Mitglieder  durch  leiblichen  Eid  in  unbegranzten  Gehorsam  zu 
erhalten  und  endlich  sich  der  völligen  Oberherrschaft  in  dem 
Staat  zu  bemeistern  sucht,  für  eine  Strafe  von  Rechtswegen 
verdiene,  das  wird  und  kenn  zwar  ein  jeder  selbst  leicht  beur- 
theilen. 

Seine  Churfürsll.  Durchlaucht  wollen  ober  denselben  nicht 
ungehört  condemniren,  und  haben  dalier  eine  eigene  Deputation 
und  Untersuchungs  Com  misston  von  Hofrevisions  und  Ober- 
landesregierungs  Räthen  verordnet,  wozu  von  diesen  der  Till, 
von  Klieber  und  von  Lippert,  von  jenen  der  TitL  Aichberger  und 
Kappler,  denen  von  den  Hofrathen  der  Till.  Engel  und  von 
Stock  unter  dem  Vorstand  des  Hofratlis  Präsidenten  mit  dem 
Auftrage  ernannt  sind,  dass  der  Baron  Bqssus  in  Person  anher 
berufen,  ordentlich  constituirt  uud  mit  seiner  Verantwortung 
vernehmen  Ihm  auch  gleich  von  den  gedruckten  Briefen  jene 
Stücke,  welche  denselben  betreffen,  auf  Begehren  originales  vor-  ■ 
gelegt  und  endlich  nach  genugsam  instruirlen  Sachen  ein  wohl 
überlegt  rechtliches  Gutachten  ad  manus  darüber  erstattet  werde.    „ 

München, 

d,  16.  August  1787.  Carl  Theodor. 

Baron  Bassus  stellte  sich  dieser  Deputotion  im  Dez.  1787, 
die  unter  dem  Vorsitz  des  Freiherrn  v.  Füll  tagte;  an  Stelle  des 
von  Klieber  war  Oberlandesgerichtsrat  Wilhelmseder  getreten. 
Er  betonte  namentlich,  dass  er  eigentlich  kein  Illuminal  sei, 
infolge  der  bereits  erwälmten  Umstände  bei  seiner  Aufnahme, 
dass  nur  private  Zusammenkünfte  harmloser  Art  in  Sanders* 
dort*  stattfanden,  w^obei  von  Ordenssachen  gar  nicht  gesprochen 
worden,  und  dass  er  niemals  dem  Orden  Beiträge  gezahlt  habe. 
Über  die  Herkunft  dei'  Pakete  machte  er  dieselben  Angaben 
wie  in  seiner  Rechtfertigungsschrifl, 

Die  Deputation  gab  am  28.  Januar  1788  ihren  Bericht  dem 
Kurfürsten  ab,  der,  jedenfalls  nicht  wenig  bewogen  durch  ein 
vom  31.  des  Christmonats  1787  datierles,  für  den  Baron  ein- 
tretendes Schreiben  der  Häupter  von  Graubünden,  eine  dem- 
selben nicht  ungünstige  Entscheidung  frillte. 

Bassus  musste  sein  Amt  als  Kämmerer  niederlegen,  der 
Sequester  wurde  widerrufen,  ihm  jedoch  aufgelegt,  das  kurfürst- 
liche Gebiet  für  jetzt   und    künftig  zu   meiden   und   namentlich 


—     279     — 


einen  bindenden  Revers  zu  unterschreiben, 
den  Revers;  derselbe  lautet: 


Bassus  unterschrieb 


I  Revers. 

Ich  unterthänigst  endesgeselzter  mache  mich  mit  Verzicht 
uf  allen  geheimen  Vorbehalt  und  bei  meiner  adelichen  Ehre» 
Treue  und  glauben  kraft  diess  hiermit  verbindlich,  dass  ich  in 
gemässheit  der  mehrfölüg  erlassenen  Churfürstlichen  höchsten 
Verordnung  aller  immer  erdenklichen  Verbindung  mit  dem  dei- 
Religion,  dem  Staat  und  guten  Sitten  höchst  gefährlichen  lUu- 

Kinaten-Orden  mich  vollkommen  entschlage.  Fürderhin  weder 
nventiculis  mehr  be\ wohnen,  noch  zur  anwerbung  derley 
rdensglieder,  weder  im  Inn*  noch  im  ausstände  gebrauchen 
lassen,  noch  auch  die  Ordensglieder  weder  mit  Hilfe,  Rath  und 
Thal  unterstützen,  ingleicben  denenselben  weder  auf  meinen  hol- 
ländischen gütern,  noch  ausser  Landes  einige  Zuflucht  oder 
Aufenthalt  gestatten  oder  mit  ihnen  in  eine  coirespondenz  trete 
und  ürdensschriften  ferners  mehr  aufbew^ahre,  sofoil  aller  mittel 
und  unmittelbaren  gemeinschaft  und  anhänglichkeit  wie  diese 
immer  Namen  haben  kenn  und  mag,  vollkommen  entsage;  euch 
denen  diessfalls  erlassene  churfürstliche  Verordnung  schuld  ge- 
horsamst nochkommen  und  denenselben  in  allen  unterthänigst 
Folge  leisten  wolle,  und  zwar  dergestalten,  dass  im  Fall  ich 
dieser  nun  im  mindesten  direct  oder  indirect  entgegen  handeln 
solle,  ich  mich  davon  in  Bemerk  churfürstlich  höchster  Ver- 
ordnungen und  besonders  in  jener  de  dato  16.  August  1787, 
(w^elche  mir  dessentwillen  ousdi'ücklieh  und  worttreulich  com- 
fcmissionaliter  voi^gelesen  worden  ist)  auf  dem  Überti-eftungsfall 
^gesetzten  confiscntions-relegations  auch  aücnfalsigen  Todes  Strafe 

gehorsamst  unteiAverfen  wolle. 
H  Zu   mehrerm  Bekräftigung  dessen  habe  ich  gegenwärtigen 

Revers  unter  meiner  eigenen  Handunterschrifl,  und  beygedruekte 
adliche  Insiegl  zu  hohen  Commissions  Händen  schuldgehor- 
samst ausgestellt. 
»geschehen  München  d.  18.  Febi\  1788, 
Der  Hinweis  auf  die  neue  Verordnung  vom  16.  August  1787 
bedarf  einer  Beleuchtung.  Carl  Theodor  war  seit  seinen  ersten 
Erlassen  in  immer  grössere  Angst  vor  den  llluminaten  gehetzt 
worden,  jedenfalls  durch  die  phantastischen  Aussagen  eines 
Baron  Mandel,  auf  den  wir  noch  zurückkommen,  und  hatte  in- 


—    280    — 

folgedesseo  unter  Trompetenschall  in  München  nachfolgende 
unghiubliche  Verordnung  verkünden  lossen,  die  auch  sofort  im 
Druck  erschien. 

»Es  entdeckt  sich,  je  länger,  je  mehr,  wie  schädlich  uod 
gefährlich  die  sowohl  in-  als  ausser  Landes  schon  so  w^eit  ver- 
breitete Illuniinalensecle  für  den  Staat  und  die  Religion  seye. 

Die  oller'bösesten  Folgen  und  Würkungen,  welche  davon 
endlich  auf  die  spateste  Nachkommenschaft  ausrinnen  müssen, 
lassen  sich  kaum  in  die  Ferne  übersehen,  so  fern  nicht  noch 
in  Zeiten  auf  die  Ausrottung  eines  so  grassierend,  und  weil 
mehr,  nls  die  Pest  selbst,  zu  verabscheuenden  Übels  der  ernst- 
haftest  Bedacht  genommen  wird. 

Es  werden  daher  die  hierinfalls  schon  ei^angenen  General- 
Mandata  nicht  nur  widerhollt  und  erneuert,  sondern  auch  der 
gestalt  hiermit  geschärft,  dass  sowohl  derjenige,  welcher  sich 
hielühro  in  oder  ausser  Landes  von  llluminaten  anwerben  lässt, 
oder  selbst  Jemand  dazu  riiiwir-ht,  ohne  l'nter'scliied  der  Person, 
von  was  Würde,  Stand  oder  Wesen  sie  immer  seyii  mag,  dem 
Criminal-Process  unlerwoifen,  sofort  der  Anw^erber  am  Leben 
mit  dem  Schwerd,  der  Angeworbene  aber  mit  der  Confiscatioo 
seines  Vermögens  und  der  ewigen  relegation  aus  allen  Chur- 
fürstlichen  Ländei'eyen  gegen  geschworene  Urfed  bestraft  werden 
sollte. 

Unter  der  nem liehen  contiscations-  und  relegations  Straf 
werden  die  illuminaten  Logen,  sie  mögen  gleich  auf  diesen  oder 
anderen  Namen  umgetauft  seyn,  ebenfalls  verbothen,  worauf 
man  auch  allenthalben  gute  Spehr  (Späher)  bestellen,  und  die 
Gesellschaften,  welclie  entweder  in  Wirth-  oder  Privatbäusei*n 
mit  versperrten  Tbüren  oder  sonst  auf  verdächtige  Weise  ge- 
halten w^erden,  als  wahre  Logen  behandeln  lassen,  und  die  so 
leer  als  gewöhnliche  Ausrede,  das  es  nur  ehrliche  Compagnien 
von  guten  Freunden  sind,  zumal  von  jenen,  welche  sich  des 
Illuminalismi  und  der  Freygeisterei  vorhin  schon  suspeet  ge- 
macht haben,  nicht  annehmen  wird*«  —  —  — 

Dieses  Verbot,  in  dem  sich  die  Despotie  bis  zur  Todes- 
strafe versteigt  gegen  Mitglieder  einer  Gesellschaft,  deren  böse 
Absichten  durch  gar  kein  Gerichtsverfahren  erwiesen  worden 
sind,  die  zu  erweisen  nicht  der  geringste  Versuch  gemacht  w^urde, 
trotzdem   Weishaupt    sowie    seine   Anhänger"    dringend    darum 


—     281     — 

baten,  ist  wohl  der  Gipfelpunkt  ungeheuerlichster  Rechtsbeugung. 
Der  Herzog  Ernst  von  Gotha  hatte  in  seinem  Brief  vom 
29,  Aug*  1787  zugesagt,  dass  Weishaupt  bestraft  werden  würde, 
falls  eine  Anzeige  eine  gerichtliche  Untersuchung  fundieren 
könnte  und  diese  ihn  schuldig  findet,  über  Carl  Theodor  dachte 
nicht  daran,  ein  öffentliches  Verfahren  einzuleiten,  das  doch  nur 
zu  seinem  Ungunsten  auslaufen  konnte.  Nachdem  die  Bassus- 
sche  Angelegentieit;  die  ebenfalls  kein  gerichtliches  Verfahren 
darstellte,  in  der  geschilderten  Art  verlaufen  war,  gab  der  Kur- 
fürst sogar  folgende  Erklärung  ab: 

I  Serenissimus  Elector. 

Nachdem  Sr.  Churfürstliche  Durchlaucht  missfalligst  ver* 
nohmen,  dass  man  sich  von  Seite  höchstdero  Hofraths  aulTmlt- 
dass  über  die  in  Illuminatensachen  erfolgte  gnädigste  Rescripten 
nicht  öfientlich  pröpooieret,  auch  die  von  denen  selbst  gnadig 
ernannte  Commissarien  von  Engel  und  von  Stockli  nach  Aus- 
weiss von  Rescripten  erhobene  Erfahrungen  und  Constiiuten 
gleichfalls  nicht  öfientlich  abgelessen  worden  sind;  als  declariren 
Höchstdieselben,  dass  dero  höchste  Willens  Meinung  niemohlens 
gewiesen,  dieses  llluminaten-Wessen  in  Hochdero  Hofrath  öfent, 
lieh  tractiren,  und  die  hierin  gleichfnhls  gesammelte  acta  kund 
werde,  oder  ein  Gutachten  von  demselben  oder  von  dem  Com- 
missarien  abfordern  zu  lassen.  Übrigens  bezeigen  Höchstdie- 
selben  in  all  denjenigen,  was  denen  beiden  Commissarien  von 
examinirungswillen  übertragen,  und  von  ihnen  genauest  mit  all- 
mehligem Vorwissen  Dero  Hof  Ralhs  Proesidenten  anbey  ge- 
naust befolgt  worden  ist,  dero  höchste  Zufriedenheit  und  lassen 
es  dahero  dem  Churfürstl.  Hofrath  zui'  Nachricht  andurch 
gnfidigst  ohnverhalten. 

München,  d.  14t«?n  January  1788. 
K  Carl  Theodor.  v.  Kreitmayen 

dass  original  liegt  bey  denen  Directorio  actis 
Sigl.  d.  28.  Febr.  1788.  Hofroth  v.  Engel 

ChurfürstL  gnadigste  Geheime  Rescript  Abschrift. 


Dieses  Dokument  beweist,  dass  aussei-gerichtliches  Vei^ 
fahren  beliebt  und  anhefolilen  wurde,  —  und  sogar  Todesstrafe 
für  unbewiesene  Vergehen  in  dieser  Zeit  der  Hechtsbeugung  an 
zusetzen  möglich  war. 


—     282     — 

Die  Angelegenheit  des  Baron  Bassus  gab  auch  den  drei 
schon  genannten  Anklägern  von  Cosandey,  Vitus  Renner,  Georg 
Grünberger,  jedenfalls  unter  dem  Druck  des  unvermutet  hoch- 
gewachsenen Verfolgungseifers,  Veranlassung,  gegen  eine  weitere 
Heranziehung  ihrer  Personen  zu  protestieren.  Unter  dem  Datum 
des  6.  Februar  1788  reichten  die  Genannten  eine  untertänigste 
gehorsamste  Vorstellung  ein,  in  der  sie  den  Kuifui'sten  bitten, 
er  wolle  sie  in  Rücksicht  dessen,  was  sie  bisher  in  den  Sachen 
wider  die  Gesellschaft  der  Illuminaten  getan  haben,  von  allen 
dem  gnädigst  verschonen,  was  ihnen  den  Hass  derselben  noch 
mehr  zuziehen  könnte.  Sollten  sie  auf  höchsten  Befehl  noch- 
mal in  diesen  Sachen  zu  erscheinen  gezwungen  sein,  so  würde 
man  nicht  ermangeln,  sie  als  Denunzianten  und  unvei'söhn* 
liehe  Menschen  neuerdings  überall  zu  verschreien  und  verhasst 
zu  machen.  «— 

Wir  können  jetzt  die  Angelegenheit  des  Baron  Bassus  be- 
schliessen  und  müssen  zur  weiteren  Orientierung  etwas  zurück- 
gehen. 


Die  Loge  Theodor  yom  guten  Rat. 

Die  Aussagen  zweier  Priester. 

Um  dem  chronologischen  Gang  der  Ereignisse  nicht  zu 
sehr  vorauszueilen,  müssen  wir  zu  der  Zeit  des  zweiten  Ver- 
botes,  also  März  1785,  zurückkehren.  Es  waren  in  diesem  Ver- 
bote die  Illuminaten  und  Freimauj'er  zum  ei'sten  Male  genannt 
worden  und  damit  wurde  besonders  die  Loge  Theodor  zum 
guten  Rat  in  München,  deren  Meister  vom  Stuhl,  wie  wir 
wissen,  Baader  war,  harl  gelroffen.  Den  Mitgliedern  war  das 
drohende  Unheil  bereits  vorher  bekannt  geworden,  sie  hatten 
daher  versucht  demselben  vorzubeugen  und  beortlerten  den 
Theaterintendanten  Graten  Seeau,  eine  Audienz  beim  Kurfürsten 
nachzusuchen,  und  ihm  ein  Memorial  der  Loge  zu  überreichen. 

Diese  Audienz  ward  am  4.  März  1785  gewahrt,  jedocli  mit 
negativem  Erfolg,  denn  der  Kurfürst  Hess  den  Grafen,  sobald  er 
merkte,  dass  derselbe  übei-  freimaurerische  Angelegenheiten 
sprechen  wollte,  gar  nicht  zu  Worte  kommen  und  hess  ihn 
stehen.     Ei'  nahm  das  Schriftstück  nicht  entgegen,  nichtsdesio 


J 


—     283     —        , 

weniger  findet  es  sich  im  Münchner  Poütischem  Archiv  aufbe- 
wahrt. Da  dieses  Schrittstück  bisher  nicht  im  ganzen  Wortlaut 
veröffentlicht  worden  ist,  dasselbe  deutlich  zeigt,  worüber  die 
Illuminaten  sich  zu  beklagen  hatten,  so  schallen  wir  es  mit 
verschiedenen  Fussnoten  hier  ein. 

^^m  Memorial -abschrift 

^Wlches  die  Münchner  Maurer  Loge  Sr.  Kurfürstl.  Durchlaucht 
überreicht  1785. 

b        Im   Namen  der  sommtlichen  Mitglieder  der   ausseinander 
^elrettenen    Loge    Theodor   \'om    guten    Rath    im    Aufgang    zu 
München, 

I  Gnädigster  Herr! 

Verfolgungen  mit  gedult  ertrogen,  seinen  Feinden  verzeihen, 
sind  Pflicht,  die  ein  jeder  Christ  gern  erfüllt;  wenn  aber  die 
Verfolgung  biss  zur  Drückung  anwächst,  wenn  sie  Erlicher 
Männer  Hasslicher  Schandthaten  beschuldiget,  Ehre  und  guten 
Namen  brandmarkt,  selbst  die  Ruhe  des  Publikums  stört,  dann 
wird  die  Vertheidigung  eine  Pflicht  gegen  sich  selbst,  gegen 
den  Staat. 

Gnädiger  Herr  Herr!  nicht  Trieb  zur  Unruhe  oder  einer 
faction,  sondern  abgedrungene  Nuthwehr  für  eigene  Ehre  und 
Sicherheit  ist  es,  die  die  ehemaligen  Mitglieder  der  aufgehobenen 
Loge  »Theodor  vom  guten  Rath^^  an  den  Tlirohn  E.  K.  D.  bringt, 
um  dortGerecIitigkeit  undSehuz  gegen  die  Wuth  Pasf[uitantischer 
Schriften  suchen. 

Wie  man  gegen  die  Mitglieder  dieser  Loge  vor  Verkün- 
digung des  gnadigsten  Verbots  der  gelieimen  Gesellschaften 
verfuhr,  wie  man  dieselben  selbst  von  den  Kanzeln,  \\'o  immet^ 
Gottes  Wort  und  Wahrheit  herrschen  sollten,  rlen  \'erräther 
des  Göttlichen  Erlösers  verglich,  ist  jedem  bekand.*) 


♦)  Schon  im  Jahre  1781  hatte  P,  Frank,  nach  dem  handschriftlichen 
Bericht  eines  Ohrenzeugen  in  einer  Passionspredigt  die  Freimaurer,  ohne  von 
dem  niuminalenlum  etwas  nfiheres  zm  wissen,  eis  Judosbrüder  geg^eisselt»  «diese 
Leute  machen  Anstalt  xu  dem  Reich  des  Anlichristen  und  allem  Ansehein 
nach  kann  das  Ende  der  Well  nlf^ht  mehr  fern  sein.*  —  —  Der  Jesuit  Gruber, 
die  Kapuziner,  namentlich  P«  Bornai-dinus,  zeterten  gegen  die  Illuminaten. 
Letzlerer  rühmte  sich  später,  der  erste  gewesen  zu  sein,  der  die  niuminaten- 
gesellschart  verraten  habe.  Vergh  Kluckliohri:  Die  niuminaten  und  die  Auf- 
klärung in  Bayern, 


—     284     — 

\'on  unserer  Unschuld  überzeugt,  ertrugen  wir  alles  mit 
gedult,  und  würden  es  noch  tliun,  wäre  es  bey  diesem  Stand- 
punkt geblieben,  da  man  uns  aber  durch  eine  Schrift,  unter 
dem  Titel  Über  Frey- Mauerer  erste  Warnungc  der  Über* 
trettung  des  Londesherrlicln?n  Verbots  und  der  Schändlichsten 
Verbrechen  ohne  Beweiss,  ohne  Anzeige  besonderer  Falle  be- 
schuldigte:  so  wurde  die  Vertheidigung   nothwendig. 

Wir  riefen  durch  eine  Ankündigung  die  Beschuldiger*)  vor 
einem  ime  selbst  beliebigen  Richter  zum  Beweiss  auf,  aber 
statt  desselben  erschien  eine  zweyte  Schrift  unter  dem  Titel: 
>Auch  eine  Beylage  zur  Ersten -Warnung*.  Welche  Be- 
schuldigungen auf  Beschuldigung  häufllG,  den  Landes  Dica- 
sterien  zu  nahe  Iralt,  selbst  E.  K.  1>.  der  Sorglosigkeit  be- 
schuldigte. 

Bey  dieser  Lage  bleibt  uns  also  nichts  übrig,  als  zur  Ge- 
rechtigkeits  Liebe  unseres  gnädigen  Landesherrn  uns  zu  flüchten, 
Höchst  dero  Person  die  ganze  Saclie  voi^zulegeii  unsere  Unschuld 
zu  veilheidigen,  und  wann  noch  ein  Zweifel  übi'ig  bleiben  sollte, 
um  gerichtliche  Untersuchung  gegen  die  uns  gemachten  Be- 
schuldigungen anzuflehen. 

Jede  Bescliuldigung  ist  in  den  Rechten  ungegründel,  bis 
sie  bewiessen  wird,  wir  konnten  iiihig  den  Beweiss  entgegen 
sehen.  Doch  nüzet  in  diesem  Falle  die  Prüfutig  schwerer  Be- 
schuldigungen, damit  ihr  Unwei'th  den  Werth  der  übrigen  zeuge. 

L  Die  ausseinander  getrettene  Loge  Theodor  vom  guten 
Rath  soll  dass  gnädigste  Verbot  gelieimer  Gesellschaften  über- 
tretten  haben.  — 

Die  erste  Pflicht  der  Freymaurer  ist,  den  Gesezen  ihres 
Staates  und  den  Befehlen  ilires  Fürsten  unterthänig  zu  seyn, 
So  bald  E,  K.  D.  durch  ein  General  Verbot  alle  geheimen  V'er- 
bindungen  aufgehoben  haben,  so  wurde  den  mil-Gliedern  die 
Einstellung   aller  Maurerischen  Arbeiten    durch   ein   Cir-cular**) 


*)  wie  schon  gesagt,  war  das  der  Schriftsteller  ßabo. 
**)  Der  tnhall  dieses  Zirkulars  geht  aus  nachfolgendem  Briefe  Constaozos 
hervor;  Origioal  im  Besitze  des  Autors: 

Diomedes  (Graf  Constanze)  Consilio  national!  S.  p.  D, 

Wir  haben  zuviel  auf  die  Güte  unserer  Sache  getrauet^  zu  sehr  auf  unsere 

Kräfte  gerecliriet   und  zu   Sorgenlos  unsern   Feinden  enigegen  gearheileL     Es 

ist   in   dem  Kurfürstlichen   Kabinet   beschlossen    unsere  Gesellschaft   zu   ver- 

stören  und  so  geneigt  uns  aonst  der  beste  Fürst  gewesen  ist,  so  bat  es  doch 


285     — 


bekannt  gemacht,  nach  dem  X'erbot  dnss  bissherige  Logenlieuss 
verkauft,  und  wir  können  keckUch  jedermann  aiifrulen,  den  Be- 

der  Kabele  gelungen,  ihn,  Gott  weiss  durch  welche  Vorstellungen  und  falsche 
ßeschuldlaungen  des  Ordens  auf  das  heftigste  aufzubringen,  und  ein  Mandat 
abzunöthigen,  durch  welches  in  ganz  Bayern  alle  geheimen  Verbindungen  und 
namentlich  die  unsrige  verbothen  werden  solle.  Zwar  ist  das  Mandat  noch 
nicht  publicieret,  aber  wir  haben  dennoch  in  gestriger  ausserordentlicher  Ver- 
sammlung beschlossen ,  sogleich  den  genauesten  Gehorsam  zu  bezeigen  und 
eben  dadurch  dem  Kurfürsten  einen  Beweiss  zu  geben,  dass  wir  diejenigen 
nicht  sind,  vor  welche  man  uns  mag  geschildert  haben,  vielleicht  gelingt  es 
uns,  ihn  nach  und  nach  wieder  einem  günstigeren  Entschluss  zu  bringen,  und 
dann  wollen  wir  mit  gedoppellem  Eyfer  an  der  Pyramide  arbeiten  und  das 
versäumte  gewiss  ersetzen,  machen  Sie  nur,  dass  in  den  andern  Landen  um 
so  thäliger  gearbeitet  w^erde.  Von  der  Anhänglichkeit  unserer  Leute  sind  wir 
überzeugt,  dass  sie  auch  ausser  allen  Ordens-Zusammenkünften  und  Graden 
dennoch  bey  der  ersten  Regierungs  Erlaubniss  oder  Tolleranz  mit  ganzer  Seele 
wieder  zu  dem  Institut  zurückkehren.  Indessen  ist  an  alle  auswärtige  Logen 
unterm  heutigen  das  Circular  erlassen  worden,  dass  man  auf  höchst  Landes- 
herrlichen Befehl  die  maurerischen  Arbeilen  einstelle  und  man  sich  also  die 
Logen-Gorrespondenzen  und  Verhältnisse  biss  auf  weiteres  verbitte,  dagegen 
aber  zu  anderer  freundschaftlicher  Gefälligkeit  jederzeit  bereit  seyn  werde. 
Eben  diesen  Auftrag  erhielten  alle  Illuminaten  Kirchen  in  Griechenland  (Bayern) 
und  ersuche  ich  Sie,  davon  auch  den  Fremden  Nacii rieht  zu  geben.  Die 
Ordens-Papiere  haben  wir  auf  jeden  Fall  in  Sicherheit  gebracht  und  werden 
diese  entweder  vernichtet,  oder  die  Brauchbaren  an  Behörden  geschickt  worden. 
Vielleicht  dass  unsere  Mächtigen  am  Hof  den  Churfürsten  bereden,  dass 
Er  von  unsern  Satzungen  und  Graden  Einsicht  nehme,  dann  legt  man  ihm 
solche  in  Ordnung  vor  und  es  wurde  gewiss  von  guter  Wirkung  seyn.  zumalen 
wenn  man  ihm  den  Ursprung,  die  Stifter  und  das  lächerliche  zeigte,  welchen 
manchmal  dabey  vorgekommen  ist,  daraus  Könnte  Er  sich  wohl  am  meisten 
Überzeugen,  wie  man  unsere  Macht  vergrössert,  und  wie  wenig  fürchterlich 
wir  sind.  Allein  es  versteht  sich,  dass  man  vorläufig  versichert  wäre,  der 
Kurfürst  eröfne  das  nicht  weiter,  oder  höchstens  nur  einem  Meister. 

»Der dürfte  es  am  wenigsten  seyn. 
tfasern  jungen  Leutben  könnte  man  ja  wohl  die  fdee  von  einar  Lasse 
Geaellschafl  beybringen,  darin  könnten  sie  sich  immerl»in  nach  der  Anleitung 
unserer  Statuten  bilden  und  beschäftigen,  Pythagoras  wäre  der  Mann  einen 
solchen  Plan  zu  entwerfen.  Diese  LesBe-Gesellschaft  wäre  ÖfrenlHch  und  atao 
Dicht  unter  dem  Verboth  begriffen»  und  im  Grunde  bliet»  es  doch  die  herr- 
lichste Pflanzscbule  vor  künftige  Zeiten.  Nöchstens  mehr  darüber.  Vor  heute 
mllssen  Sie  meiner  Verwirrung  verzeihen. 

Eben  erhalte  ich  eine  Nachricht  des  Mandats.  Sie  sehen  daraus,  dass 
es  in  Generellen  Ausdrücken  abgefasst  und  unser  Orden  nicht  namentltcb  vor- 
kommt. Ich  bin  begierig  wie  sich  die  fralrea  aureae  crucia  dabey  verhalten» 
Ich  folgere  daraus  vor  uns  einigen  Vorlbell,  doch  musa  man  geborcben  und 
das  fernere  abwarten.  Nicht  einmaJ  die  lohannla  Loge  wird  mehr  gefeuert. 
Osculor  te  osculo  aancto. 

Athen  r  23  Chardad  1154/ d.  l  München  d.  23  Juni  1784 


—     286 


weiss  zu  machen,  dnss  nach  dem  Verbote  in  den  Logen  oder 
einem  andern  Hauss  in  oder  ausserhalb  der  Stadt  eine  Loge  ge- 
gelialten  worden  sey, 

2.  Dqss  Mfiui*erische  Sistem,  nach  welchem  Wir  gearbeitet 
haben,  soll  kein  achtes  Sistem,*)  mit  Keiner  ächten  Freymauei'ey 
verbunden  seyn,  der  Religion  und  dem  Staate  entgegen  arbeiten. 
Kenner  in  diesem  Fach,  und  die  Directorial  Logen  der  eklek- 
tischen Mauerey  in  Frankfurt  und  Wetzlar,  welche  uns  im 
Namen  der  zui*  Aufrechthaltung  der  alten  und  ächten  Frey- 
mauerey  verbundenen  Logen  einen  Constilutions  Brief  ertheilel 
haben,  werden  für  uns  sprechen  und  das  gegen  Theil  des 
Letzteren  erhellet  aus  dem,  dass  jedem  bey  der  Aufnahme 
heilig  versichert  wurde,  dass  nichts  wider  die  Religion,  den 
Staat,  und  die  guten  Sitten  vorkommen  werde  und  lasst  sich 
wohl  von  einer  geheimen  ganz  der  Gewalt  beraubten  gesellschaft, 
wass  anderes  versichern  und  anders  Handeln,  ohne  selbst  dem 
\'orwurfe  des  Betruges  von  seiten  der  mitglieder  entgegen  zu 
eillen. 

Wir  sind  Bürger  des  Staats,  kennen  keine  Geheimnisse 
gegen  den  Landes  Regenten  und  sind  bereith  E,  K.  D.  jedoch 
ti Heine,  alle  unssere  Schriften  vorzulegen.  Eben  so  sind  wir 
bereit  ein  authentisches  Verzeichnis  der  Mitglieder,  welche  die 
hiesige  Loge  niemahls  frequentirt  haben  um  so  mehr  zu  zu- 
stellen als  die  verschiedentlich  circulierenden  Listen  einen  un- 
vortheilhaften  Schotten  auf  uns  werfen  könnten. 


I 


•)  Weishaupt  erklärt  zur  RichtigsteUung  dieseß  Punktes  in  der  Schrift: 
Schilderung  der  niuminalen  1786  folgendes:  _ 

S.  33.    Wenn  es  wahr  ist,  so  soll  sich  der  Kurfürst,  ehe  er  das  Ver»  1 
fahren  gegen  sie  entschied,  eine  treue  Liste  aller  in  Teutschland  exisUrenden 
Logen  haben  verschaffen   lassen,  und  da  er  München  nicht  darin  fand,  auch 
auf  Privat*Erkundigung  versichert  wurde,  das«  der  wahre  Orden  die  Münchener  J 
Loge  misskenne,  sich  erst  zur  Inquisition  enlschtossen  haben.  ■ 

S.  34.  Dass  der  Regent  die  Münchner  Loge  nicht  in  dem  Verzeichnis 
gefunden,  kann  sehr  nalQHich  sein;  es  durfte  nur,  wie  alle  Vermythung  daför 
ist,  das  Verzeichnis  der  vereinigten  Logen  von  der  stricleo  Observanz  sein. 
Gibt  es  denn  aber»  ausser  solchen  keine  wahren  und  ächten  Logen?  Die 
erste  Loge  der  Well,  die  zu  London  selbst»  ist  nicht  von  diesem  System.  Alle 
englischen  Logen  in  Teutschland,  alle  Zinnendorlische,  alle  eklektische  Logen 
gehören  nicht  dazu.  Die  stricte  Observanz  selbst  ist  nur  eine  abgerisaene 
Tochter  von  der  gemeinschaftlichen  Mutter,  Die  Loge  Royal  York  zu  Berlin, 
die  zu  Manheim»  gehören  eben  so  wenig  dazu.  Was  kann  aiso  diese  der  Aecbt- 
heit  der  Loge  Theodor  schaden,  dass  sie  der  Übergebenen  Liste  nicht  eiaTar* 
leibt,  oder  vielleicht  mit  Fleiss  ausgelassen  worden? 


—     287     — 

3.  Wirft  man  uns  vor,  dass  wir  Deismus  lehren.  —  Wie 
ungegründet  diesser  Vorwurf  seye^  wird  jedem,  dem  die  Mauerei 
nur  von  fern  bekannt  ist,  darauf  einleichten.  Weil  Christen- 
ihum   und  Mauerei   unzertrennlich   sind,   und   das  Bekenntniss 

^zum   Clinstlichen  Glauben  ein  gesetzmässiges  EHbrderniss  zur 
iufnahme  ist.*) 

4.  Die  Loge  soll  durch  Cabalen  sich  in  die  innere  Staats- 
^'geschäfte  gemacht  haben.  — 

Wir   bauen    auf  dos   Zeugniss   des  ganzen    Ministeriums, 
dass    wir    niemals    unaufgefordert    und    ohne   Amts- Pflicht    in 
Staatsgeschäfte  drangen,  diess  zeugniss  ist  zu  verehrungswürdig, 
Kais  dass  jemand  an  dessen  Ächtheit  zweifeln  sollte.  — 

H  5.  Auf  gleiche  Arth   ist  es  Verleumdung,   doss  wir  jemal 

Rainen  Einfluss  in  die  ausswertigen  Geschäfte  suchten,  und  uns 
des  Staats  Verrath  schuldig  machten. 

■  Wass  sollen  wir  verrathen,  da  wir  keine  Geheimnisse  wissen, 

~  Keine  zu  wissen  verlangen?  und  gegen  w^en  sollen  wir  es,  da 

Bayern  mit  den  ausswörtigen  Höfen  in  dem  besste^i  Verhältniss 

stet,  und  die  vormals  streitigen  Puncten  berichtigt  sind?   Selbst 

dass  von  dem  oben  einigen  Mitgliedern  ertheilte  und  der  Bey- 

lage   zur  Beylage   eingerückte  Absolutorium   zeigt   von    unserer 

Unschuld;  Wir  können  uns  (heisst  es)  zwar  nicht  bereden,  dass 

der   Ruf,   dass   man   den    Orden    missbraucht,   gegründet  seye, 

aber   sollte   er  grund    haben!    so    schonen    sie   niemand.<^.     Die 

Seele,  der  es  möglich  ist,  mit  dem  erlauchten  Orden  Politisches 

Spill  zu  treiben,  ist  sehr  krank,  und  ihre  Krankheit  ist  unheil- 

Hbar,  ist  noch  oben  darein  ansteckendl.     Die  Glider,  in  welcher, 

eine    so    beklagenswerthe    niedrige   Seele   wohnt,    müssen   von 

^  unserm  Körper  getrennt  werden,  wären  sie  auch  Obere,  je  eher 

■wir  eine  dergleichen  Entweihung  der  heiligsten  Aschen  zugeben 

"  und  die  Asche  unserer  Erlauchten  Stifter  zu  entheiligen  gleich- 


•)  In  diesem  Hinweis  liegt  ein  Hieb  gegen  den  Kurfürsten,  denn  Carl 
Theodor  —  war  selbst  Ppelraaurer.  Montezan  gibt  in  seinem  Bericht  nacti 
Paris  vom  26.  Nov.  1785  an^  dass  der  KurfQrst  von  dem  verstorbenen  Herzog 
von  Zweibrüeken  seiner  Zeit  aufgenommen  worden  ist  und  25  Jahre  dem  Bunde 
angehörte,  bis  Pater  Frank  ihn  zu  überzeugen  wusate»  dasa  die  Freimaurerei 
ein  Greuel  sei. 

Dieser  Umstand  gibt  auch  die  Erklärung,  warum  der  Kurfürst  den  Ke- 
richt  des  Grafen  Seeay  nicht  hören  wollte  und  die  Audienz  abbrach. 


—     288     — 


gleichgiltig  zusehen  können,  wollten  wir  lieber  nicht  bloss  ein 
oder  das  andere  Mitglid,  sondern  eine  ganze  Provinz  preiss- 
geben,  und  uns  damit  bescheiden,  dass  die  Zeit  der  Reife  da- 
selbst noch  nicht  gekommen  seye,  die  reine  Absicht  des  erl. 
Ordens  zu  vertragen.  Überdiess  erklären  wir.  dass  wir  alle 
ohne  Aussnahme  bereit  sind  für  E.  K.  D.  wie  das  Hauss 
Wittelspöch  und  das  Vaterland  Gut  und  Blut  aufzuopfern. 

6.  Die  Löge  solte  Schriften,  die  die  innerliche  Verfassung 
des  Landes  betreffen,  zum  Drucke  geliefert  haben.  —  Dergleichen 
Schriften  liegen  in  den  Archiven  und  Registraturen  und  alle 
Registraturen  und  Archivarien  müssen  uns  Zeugniss  geben, 
dass  wir  deren  keine  bekommen,  keine  verlangten,  solte  man 
erwiedern,  dass,  der  von  EckarLsliausen  Maurer  unseres  Sistems 
seie^  so  erhielt  er  den  Zutritt  in  das  geheime  Archiv  erst  nach 
der  Erscheinung  dergleichen  Schriften,  er  konnte  also  nicht 
mittheilen,  wass  er  nicht  hatte* 

7.  Man  beschuldigt  die  Loge  des  antheils  an  den  Briefen 
eines  Reisenden  Franzosen,  Faustin  Salvator,  Fantasten,  Alma- 
noch,  Wiekppps  Journal  und  anderer  Schriften,  welche  Be* 
leidiguügen  gegen  E.  K.  D.  und  Höchst  dero  Ministerium  ent* 
halten.  Wir  können  um  so  glaubwürdiger  erklären»  dass  wir 
weder  an  dieser  noch  an  einer  strafbaren  Schrift  antheil  haben» 
also  die  Verfasssten,  als  die  Verfasser  der  Ersteren  bereits 
nahmhaft  gemacht  worden  sind,  und  wegen  der  letzten  Schriften, 
der  Verdacht  auf  solche,  welche  mit  uns  niemals  verbunden 
waren,  gefallen  ist,  und  wenn  man  uns  auf  der  einen  Seite,  des 
Einflusses  in  die  Staatsgeschafte  beschuldigt,  würden  wir  wohl 
auf  der  andern  jenen  schimpfen,  durch  welchen  wir  diesen  Ein- 
fiuss  erhalten? 

Der  Ungrund  der  einen  oder  der  andern  Beschuldigung 
liegt  am  Tage,  und  unsere  Gewissen  Pfliclit  muss  uns  von 
Beyden  frey,  sowie  überhaupt  unser  Stand,  unser  Betragen, 
unsere  Handlungen  für  uns  sprechen. 

8.  Die  Logen  solten  sich  in  Justizgeschäfte  mengen,  ihre 
Glider  sollen  partheiisch  handeln:  —  von  dem  Gegentheil  können 
die  Directorien  und  Amter  Zeigniss  geben.  Wir  berufen  uns 
auf  dieselben,  sind  bereit  zu  beweisen,  dass  wir  unsere  Mit- 
glider  wie  Fremde  behandelten,  und  solte  einer  von  uns  straf- 
bahr befunden  werden,  so  bitten  wir  selbst,  dass  man  desselben 
nicht   schone,  jede  Pariei,   die   im   Streite  unterliegt  ruft  über 


I 


—    289     — 

Ungerechtigkeit  und  leiderl  musste  die  Mauerey  den  Mangel  an 
deren  Titel  ersetzen. 

9.  Entlichen  sollten  die  Mitglider  der  Loge  Gift  mischen, 
den  Selbstmord  befördern  und  Sodomiten  seyn.  Lauter  Be- 
schuldigungen, die  nur  Leidenschaft  hervorbringen  konnten  und 
deren  Ungrund  von  selbst  erhellet.  Wer  starb  in  München 
vei^ftet?  Die  Verteidigung  des  Selbstmordes  war  nie  unsere  ' 
Sache,  so  dass  wenn  auch  einige  Freymaurer  sich  selbst  todeten, 
der  Schluss,  dass  solches  aus  dem  Sistem  erfolgte,  ebenso  un- 
wahr ist,  als  dass  alle  jene,  welche  sich  selbst  entleibt,  unsere 
Mitbrüder  waren.  Und  sollte  wohl  der  Vorwurf  der  Sodomie 
ohne  Beweisse,  ohne  gegründeten  Verdacht  gelden?  Ein  Vor- 
wurf, welchen  geheime  gesellschaften,  Ordens-Priester  und  selbst 
die  Christen  in  den  ersten  Jahrhunderten  nicht  erkannten.  Sind 
nun  solche  Beschuldigungen  von  solcher  Natur,  dass  sie  theils 
unmöglich  theils  ungegründet  sind:  so  haben  wir  keine  Unter- 
suchung zu  scheuen  und  die  Verfasser  der  anonymischen 
Schriften,  sind  im  Nicht-Erscheinungs-  oder  Vertheidigungsfalle 
nach  den  Landesgesetzen,  und  dero  letztere  gegen  Pasquillanten 
erschienenen  Mandats  zu  behandeln. 

a)  Wir  bitten  also  dass  E.  K.  D.  höchst  dieselben  geruhen 
möchte:  Die  Verfasser  dieser  zwo  Schriften  unter  einen 
bestimmten  Termin  mit  aussdrücklicher  Beyrückung,  dass 
solches  auf  unser  Ansuchen  geschehe,  aufzurufen,  damit 
sie  mit  Beysetzung  ihres  Namens  die  Thäter  anzeigen,  und 
die  Beschuldigungen  abweissen,  soften  aber 

b)  die  Ankläger  nicht  erscheinen,  so  flehen  wir  gehorsamst 
um  eine  nähere  Untersuchung  und  dass  man  sie  als  Ver- 
leumder, und  ihre  Schriften  als  Pasquillen  erkläre.  —  End- 
lich da 

c)  die  irre  geführte  Geistlichkeit  durch  das  Lärmen  auf  den 
Kanzeln  die  Ruhe  des  in  Rücksicht  dieses  Gegenstandes 
ganz  begreiflflosen  Publikums  stört,  und  der  erweckte  Hass 
unsere  Sicherheit  und  Staats  Ruhe  in  Gefahr  sezet:  so 
ergehet  unsere  gehorsamste  Bitte,  dass  E.  K.  D.  dem 
Übel  vorbeugen  und  dergleichen  anzügliche  Predigten  ver- 
bieten. 

Recht,  Billigkeit  und  allgemeine  Ruhe  unterstützt  unser 
gehorsamstes  Flehen,  die  angebohrene  Gerechtigkeit  E.  K. 
D.  welcher  Keinen  höchst  dero  Unterthanen  ohne  Unter- 
suchung der  Schuld   oder  Unschuld  seiner  Ehre    und   Staats 

Engel,  Gesobiebt«  des  IllamlnAtenordent.  j.9 


—      290    — 


/) 


Ruhe   berauben    lassen   versichert  uns   gnädigsten    erhör   und 
wir  empfehlen  uns  geliorsanist  zu  höchsten  Gnaden. 
Euer  Kurfürst!.  Durchlaucht 
unterthnnigst  treu  geliorsamsie 
Grof  von  Seeau. 
Graf  von  Seinsheim. 
Revisions  Rath  v.  Krenner. 
Revisions  Rath  v.  Berger. 
im  Namen  sammtlicher  Mitglider  der  ausseinander 
getrettenen  Loge  Theodor  vom   Guten   Rath  im  Aufgang^ 

in  München. 

Aus  verschiedenen  Aussagen  geht  hervor,  dass  die  Illurai- 
naten  das  erste  Verbot  teils  gar  nicht  auf  sich  gemünzt  hielten, 
teils  glaubten,  dasselbe  habe  keine  seliwerwiegende  Bedeutung* 
Erst  das  zweite  Verbot  und  die  Erfahrung  des  Grafen  Seeau 
als  Vertreter  der  Loge  bewies  den  Ernst  der  LagQ  und  nun 
wurden  auch  olle  Korrespondenzen  untf  Ordensarbeiten»  namenU 
lieh  jedoch  die  eingeiichteten  Privatcharakter  tragenden  Lese- 
zirkel aulgeliohen.  In  einem  späteren  Verliöre  des  Johann 
Nepomuk  Schiessl,  kurfürstl.  Rat  und  Hofkammersekretär  ia 
München  gibt  dieser  an,  dass  gemeiniglicli  des  Monats  einmal 
oder  höelisteos  zweimal  in  seiner  Woimung  diese  Vorlesungen 
stattfanden,  bei  denen  aus  dem  Abt  seinem  Verdienst,  aus 
Seneca,  Epictet  und  anderen  voi*gelesen  wurde. 

Solche  Lesegeseliscliaften  %\'ai"en  zur  Heranziehung  neuer] 
Kandidaten  sehr  behebt  und  erfolgreich,  belnnden  sieh  in  vielen 
Stadien  und  entnahmen  den  Stoff  zu  ihren  Vorlesungen  meist 
jenem  Bücherverzcicimis,  das  Weishaupt  ausgearbeitet  hatte 
und  in  den  Statuten  uirter  Punkt  25.  bereits  angegeben  ist. 
Auch  in  Ingolstadt  befand  sich  solcher  Zirkel.  Haupt  desselbeil| 
war  Professor  Ki-enner,  der  mit  anderen  Kollegen  später  in 
Untei-suchung  gezogen  w^urde,  ohne  jedoch  eine  besondere 
Sti'afe  zu  erleiden,  aber  erst  im  Jalire  1791  wurde  ihm  seine 
frühere  Illuminaten-Eigenschaft  ausdrücklich  verziehen  und  ei 
1792  sogar  in  den  Adelstand  erhoben.  Alle  derartigen  Zirkel 
(denn  die  offiziellen  Vei'sammlungen  Imtten  bereits  nach  de 
ei'steu  Verbot  ihr  Ende  gefunden)  hörten  nunmehr  ganzlich  auf*^ 
Dieser  Gehorsam  konnte  jedoch  den  rastlos  arbeitenden  Feinden 
kein  Hindernis  bieten,  ihre  Vernichtungswut  einzudämmen,  sie 
wollten  mehr  Opfer  und  fanden  sie. 


—     291     — 


Es  ist  bereits  ongedeutel,  dass  jenos  Schriftstück,  das  ein 
Professor  der  Herzogin  Moi'ia  Anna  als  Änklogeschrift  gegen 
die  Illuminoten  überreichte,  von  dieser  nach  Berlin  an  den 
Grnfen  Herzberg  geschickt  und  in  Abschrift  durch  Chalgrin  nach 
Paris  gesandt  wurde,  recht  verdächtige  Ähnüchkeit  zeigt  mit 
den  Aussagen,  die  der  Priester  und  Professor  Cossandey  dem 
Fürstbischof  von  Freising  gegenüber  schriftHch  niederlegte. 
Letzterer  hatte  Cossandey  ann  30.  Mai  1785  zu  sich  befolilen 
und  verlangte  von  ihm,  dass  er  alles  aufdecke,  was  in  der  Ge* 
Seilschaft  der  Illuminaten  ihnn  bekannt  geworden  sei.  Ebenfalls 
^erhielt  Vitus  Renner  dieselbe  AulTorderung.  Die  Aussagen  beider, 
"die  durch  eine  Namensüste  der  ihnen  bekannt  gewordenen  Illu- 
minaten besondere  Bedeutung  erhielten,  wurden  nunmehr  der 
Anhaltepunkt  der  bis  ins  masslose  gesteigerten  Verfolgung.  Zur 
gerechten  Beurteilung  der  ganzen  Zeitperiode  ist  es  notwendig; 
beide  Anklageakte  hier  im  Worllaui  bekannt  zu  geben,  nament- 
lich da  in  andern  Schriften  über  den  Orden  stets  auf  diese  hin- 
gewiesen wii'd,  jedoch  nur  Bruchstücke  als  Beweis  für  den  einen 
»oder  andern  Punkt  bekannt  gegeben  wurden. 
'  Der  Inhalt  der  Schriften  zeigt  deutlich,  dass  Cossandey 
der  gehässigere,  Renner  der  gemässigtere,  vorsichtigere  An- 
kläger ist. 

^Die  Schriftstücke  lauten: 
'  Bericht  von 

r  Joannes  Sulpitius  Cosandey. 

Nachdem  Seiner  Hochfürstlichen  Gnaden  der  Hochwürdigste 
Fürst  Bischof  zu  Freysing  mein  gnädigster  Ordinarius   sowohl 
in  Hochstdero,  als  auch  in   Seiner   Churfürstl.  Durchlaucht   zu 
Pfaizbayern    meines  gnädigsten   Landesherrn    Höchsten  Namen 
^biich  Endesunterschi-iebener  den  30t«n  März   1788  zu  Sich  vor- 
zurufen  und  mir  zu  befohlen  gnädigst  geruht  haben,  alles  das 
»geti-eulich  und  ohne  Gefährde  zu  offenbaren,  was  in  der  Gesell- 
schaft der  Illuminaten   wider  die  christliche  Moral  und  unsere 
liebe  katholische  Religion  vorkommt.     So  bezeuge  ich   hiermit, 
Kdnss   ich  diese  mir  von   meinen   höchsten  (Jbrigkeilen  gnädigst 
Böuferlegte  Pflicht  nach  bestem  Wissen  und  Gewissen  mit  folgender 
■Aussage  erfülle. 

H  Wenn  Menschen  eine  thätige  und  geheime  Gesellschaft  er- 
^richten,  so  wählen  sie  sich  einen  gewissen  für  sich  interessanten 
Zweck.     Das  gemeinschaftliche    Interesse   ist   allein    im  Stande 

ir 


—    292     — 


I 


die  Glieder  jeder  Gesellschaft  aneinander  zu  schliessen.  Dieses 
Interesse  mag  nun  in  Reolitaten  oder  eingebildeten  Chymaren 
bestehen,  seine  Wirkungen  machen  doch  immer  die  Bande 
der  Gesellschaft  aus.  Der  vorgesteckte  Zweck  setzt  gewisse 
Mittel  voraus,  welche  zum  Zwecke  führen,  die  mir  gnädigst  ge- 
machte Frage  reduciret  sieh  also  auf  die  folgende: 

Ist  die  geheime  Gesellschaft  der  Illuminaten  thätig 
und  vertragen  sich  Zweck  und  Mittel  derselben  mit  den 
Pflichten  gegen  den  Staat  und  die  Religion? 

Von  derThötigkeit  dieser  Gesellschaft  welche  bei  den  Oberen 
und  Unterobern  bis  zur  Schwärmerei  geht,  war  ich  einige  Jahre 
hindurch  ein  Augenzeuge,  und  Bayern  hat  leider!  nur  allzu 
sichtbare  Bew^eise  davon,  Folgende  Bemerkungen  über  die 
inneren  Einrichtungen  dieses  Institutes  über  die  Wahl  und  die 
Behandlung  der  Mitglieder,  über  das  listige  Betragen  und 
schändlichen  Grundsätze  der  TJberen  endlich  über  einige  Ab- 
sichten dieser  Gesellschaft  werden  es  entscheiden,  ob  der, 
Zweck  und  die  Mittel  derselben,  sich  mit  den  Pflichten  des 
Menschen,  des  Bürgers  und  des  Christen  vereinbaren  lassen. 

Die  Freymauerei  ist  bloss  die  Hülle  und  der  Deckmanlei 
der  Gesellschaft  der  Illuminaten.  —  Sie  wird  von  dieser  dirigirt, 
getauscht  und  missbraucht. 

Der  Grad  der  Minervalen  ist  in  der  Illumination  der  unterste, 
folglich  der  unschuldigste.  Er  hat  den  Schein  einer  gelehrten 
Gesellschaft,  ist  aber  in  der  That  eine  Vorbereitungsschule  für 
die  Illumination.  Tauget  der  Minerva!  hiezu  nicht,  so  wird  er 
bloss  in  die  Loge  oder  Freymauerei,  worin  er  keine  Aufschlüsse 
bekommt,  befördert.  Alle  Illuminnten  sind  zugleich  Freymauerer; 
nicht  aber  alle  Freymauerer  sind  Illuminaten,  Desw^egen  sagen 
sie:  multi  vocati  et  panei   electi!  — 

Sie  nehmen  junge  hoffnungsvolle  Männer,  lenksame,  gut- 
herzige, wissbegierige,  fähige  Köpfe,  auch  anselinliche.  reiche, 
verschlagene  Leute  auf.  Staatsbeamte  und  Geistliche  sind  ihnen 
willkommen,  wie  auch  Mediziner,  Professoren,  Archivare,  Sekre- 
taire,  Bibliothekare,.  Hofmeister,  Postoffiziers,  Wirthe,  Apo* 
theker  pp. 

In  der  Bildung,  Lenkung  und  Behandlung  des  Novizen 
und  Minervalen  brauchen  sie  zu  Anfangs  sehr  gelinde,  ein- 
nehmende, verführerische  Mittel,  z.  B.  die  Larve  der  Tugend, 
der  Menschenhebe,  der  F^reundschatt;  Versprechungen  grosser 
moralischer  und  physischer  Vortheile.    Die  geben  sich  in  ihrer 


-     293 


Jesellschafl  den  Schein  von  Macht,  von  Ansehen,  von  Weis- 
heit;  und  vom  Besitze  wichtiger  Mysterien.  Sie  suchen,  durch 
erkünstelte  Aufrichtigkeit  seine  schwache  Seite  auszuspähen  und 
ihnfi  seine  Geheimnisse  abzulocken:  Sie  legen  ihm  häufig  ver- 
fängliche Fragen  vor,  die  er  schriftlich  beantworten  und  da- 
durch biosgeben  muss,  Sie  verleiten  ihn  zu  Fehltritten, 
forschen  seine  begangnen  Fehler  aus,  und  halten  seine  einge- 
gebenen Schriften  und  eigenhändigen  Bekenntnisse  sorg- 
fältig zurück.  Sie  fordern  von  ihm  seine  eigene  Lebens* 
geschichte,  wie  auch  umständliche  mit  Thatsachen 
bewiesene  Schilderungen  von  der  guten  und  bösen 
Seite  seiner  Bekannten,  Dadurch  muss  er  sich  und  andere 
nolhwendig  entziffern  und  schriftlich  compromittiren. 
Kurz  sie  versichern  sich  seiner  durch  alle  möglichen,  durch  die 
feinsten  Kunstgriffe,  das  ist  oft  das  Werk  einiger  Jahre.  In- 
dessen steht  er  schon  und  auf  immer  unter  den  blinden  Ge- 
horsam, der  ihm  vollkommen  unbekannten  erlauchten  Obern, 
die  er  als  vollkommen  gute  Menschen,  ja  als  Halbgötter  anzu- 
sehen und  zu  verehren  gezwungen  ist.  Er  steht  mit  ihnen  in 
linem  unmittelbaren  Briefwechsel,  doch  mit  dem  wesent- 
^lichen  Unterschiede,  dass  die  Obern  die  kleine  Vorsicht  ge- 
^bruuchen  und  seine  Originalien  sorgfältig  zurückbehaUen,  da 
%ie  zugleicli  die  Ihrigen  ebenso  vorsichtig  von  ihm  zurück- 
fordern. In  diesem  Briefwechsel  ist  er  schuldig  alles,  was  ihm 
immer  für  den  Orden  erheblich  vorkömmt  den  Obern  zu  ent- 
decken. Er  kann  diesen  monatlichen  Bericht  dem  Provinz- 
Collegium  unter  der  Aufschrift  :*Quibus  licet^  dem  Provinzialen 
unter  der  Aufschrift  *SoIic  und  dem  Generale  des  Ordens  unter 
Aufschrift  vpamio^^  einsenden;  Niemand  als  die  iJbern  wissen 
die  details,  die  darin  vorkommen;  denn  alle  Briefe  laufen  durch 
die  Untern.     Der  solche  Briefe  nicht  richtig  und  getreulich  be- 

» sorgte  würde  gewiss  suspendiert  oder  gar  ausgeschlossen 
werden.  Auf  die  Weise  erfahren  die  Obern  alles,  was 
immer  sie  zu  erführen  verlangen  mögen.  Daher  sagen 
sie  mit  Zuversicht  von  sich  selbst:  ^Wir  sind  im  Stande 
mehr  zu  weissen  alsandere»  mehrzu  wirken  als  andere.« 
B  Gesetzt  nun  ein  Einziger  unter  den  Obern  wäre  ein  böser 
Mensch,  oder  gar  ein  Landesverräther.  was  könnte  er  nicht 
unternehmen?  Ein  Maxime  der  Obern  ist:  »nihil  agenti 
similis  multa  agens.«  —  Kann  ein  solches  System  wohl  ge- 
duldet  werden?     In    Rücksicht    seiner   gibt  es   sichtbare,   ver- 


-     294     — 


seh  wunden  e,  und  garanlirte  Mitglieder.  Man  macht  ihn  nur  mit 
jenen  wenigen  bekannt,  die  er  ohnehin  als  rechtschaffene  Leute 
hochschätzt  und  liebet,  und  w^elche  ein  Ascendant  über  ihn 
haben.  Alle  übrigen  müssen  das  strengste  Incognito  gegen  ihn 
beobachten:  so,  dass  er  niemals  wissen  kann,  ob  Personen  die 
er  sonst  kennet,  oder  mit  denen  er  umgehet,  seine  Mitglieder 
sind  oder  nicht.  Er  befindet  sich  in  der  Lage  eines  gemeinen 
Soldaten,  welcher  nur  vier  Unteroffiziers  und  zehn  bis  zwanzig 
Kameraden  kennen  würde,  ihm  aber  das  übrige  F^egiment  be- 
sonders die  Stabsoffiziere,  und  der  Kriegsrath  gänzlich  unbekannt 
waren,  und  der  doch  unter  der  Kriegs-Disciplin,  und  strengsten 
Subordination  stünde,  ohne  zu  wissen,  was  er  wäre,  was  er 
werden  wollte,  wenn  er  diente  und  wozu  man  ihn  endlich 
brauchen  würde.  Auf  diese  Art,  bekömmt  mancher  Minen^al  oder 
Mauei*ei'  sein  ganzes  Loben  hindurch  keine  Gelegenheit,  die 
Hälfte  seiner  Ordensbrüder  kennen  zu  lernen.  Er  muss  sich 
immer  mit  literürischen  Arbeiten,  mit  Spionerey  und  scheinbarer 
Leitung  der  Tyranen,  mit  unschuldigen  für  ihn  ganz  räthselhaften 
Zeremonien  beschäftigen. 

Ist  er  hinlänglich  gefesselt,  geprüft,  und  vorbereitet,  so  wird  | 
er  in  die  Illumination  befördert.  Hier  lernt  er  das  eigentliche 
System  des  Ordens  etwas  mehr  kennen.  Doch  geschieht  dieses 
wieder  sehr  langsam  und  mit  moghchster  Behutsamkeit.  Hier 
lernt  es  mehrere  Mitglieder  und  Unterobere  kennen,  doch  sind 
die  ei*lauchten  Oheni  immer  für  ihn  unsichtbar.  — 

Zu  dieser  Beförderung  muss  er,  nach  ihrer  Sprache  zu 
reden  die  Hcligions-Vorurtheile  abgelegt  haben,  oder  ihnen 
dieselben  abgelegt  haben  scheinen,  denn  kein  Religionar  (es 
ist  ihr  Ausdruck)  wird  in  die  höhern  Grade  aufgenommen. 

Die  eiiauchten  Obern  sind  es,  die  durch  alle  Grude  den 
Ton  angeben.  Ilire  Befehle,  ihre  Maximen,  ihre  Meinungen,  und 
ihre  Lehren  machen  überall  die  Seele,  die  Vorschrift,  den  Geist, 
und  alle  Triebfeder  dieses  Institutes  aus.  Die  Obern  oder  LTnter- 
obern  sind  entweder  künstliche  Betrüger  und  schwarz 
syslemathische  Bösewichter;  oder  sie  sind  von  andern 
beseelte  oft  sehr  gut  meinende  Enthusiasten  und 
schändlich    betrogene   Schwärmer. 

Beweise  hievon  sind  folgende  Kerns]»rüfhe  und  Grundsätze 
die  sie  zwar  bloss  mündlich  ^das  versteh!  sich)  ihren  Unter- 
gebenen unaufhörlich  einprägen. 


^. 


—    295    — 

1.  Wenn  die  Natur  uns  eine  allzu  grosse  Bürde 
aufleget,  so  muss  der  Selbstmord  uns  davon  befreyen 
Patet  exitus. 

So  geneigt  ich  bin  die  Selbstmörder  als  verzweifelte, 
kleinmüthige  oder  wahnsinnige  Leute  zu  entschuldigen;  so 
sehr  halte  ich  die  Lehre  des  Selbstmordes  für  gefährlich  und  verab- 
scheuungswerth.  Doch  Selbstmörder  müssen  den  Obern  zur 
Ausführung  wichtiger  Dinge  unentbehrlich  sein.  Denn  was 
wird  derjenige  fürchten,-  der  den  Tod  und  die  Folgen 
des  Todes  nicht  fürchtet?  Man  sagte  uns,  ein  Illuminat 
müsse  eher  sich  den  Tod  anthun,  als  die  Gesellschaft  verrathen; 
und  den  Selbstmord  pries  man  uns  als  eine  himmlische  Woll- 
lust an. 

2.  Rien  par  raison,  tout  par  passion  der  Zweck,  das 
Wachsthum,  und  der  Nutzen  des  Ordens  wird  ihnen  Gott,  Vater- 
land und  Gewissen.  Pflicht  ist  alles,  was  dem  Orden  vor- 
theilhaft  ist,  und  das  Gegentheil  ist  Laster,  ist  schwarze  Ver- 
rätherey. 

3.  Der  Zweck  heiligt  die  Mittel.  —  Also  Verläum- 
dungen,  Giftmischungen,  Todesschläge,  Verrätherey,  Rebellionäre 
alle  Schandthaten  sind  erlaubt,  sind  löblich,  wenn  sie  zum 
Zwecke  führen. 

4.  Den,  der  uns  verräth,  kann  kein  Fürst  schützen. 
Also  gehen  Dinge  bey  dieser  Gesellschaft  vor,  welche  dem 
Interesse  der  Fürsten  entgegengesetzt  sind;  Dinge,  die  ihrer 
Wichtigkeit  halber  verdienen  entdeckt  zu  werden  —  und  diese 
Entdeckung  wäre  in  den  Augen  der  Illumination  eine  Verrätherey, 
welche  sie  im  Voraus  zu  rächen  droht.  —  Vor  ihrer  Rachgierde 
können  also  weder  Fürstenschutz,  weder  Gerechtigkeit,  weder 
Polliezey  den  Rechtschaffenen  schützen  und  sichern.  Sie  müssen 
also  Mittel  besitzen,  ihre  Ankläger  unbestraft  aus  dem  Wege  zu 
räumen,  diese  Mittel  lassen  sich  errathen. 

5.  »Tous  les  rois  et  tous  les  Prötres 
Sont  des  Fripons  et  des  Traitres.« 

Oder  auch:  alle  Pfaffen  sind  Spitzbuben. 

Religion,  Vaterlands,  und  Fürstenliebe  müssen  sie  ihrem 
Plan  gemäss  untergraben,  weil  doch  Religion,  Vaterland  und 
Fürstenliebe  die  Menschen  für  einzelne  Staaten  allzusehr  ein- 
genommen und  von  dem  »weit  aussehenden  Gesichtspunkt  der 
lUuminaten«  (alles  ihre  Sprache)  abgeführt  werden. 


—     296     — 


Unter  andern  Absichten  suchen  sie  ein  Sitten regimenl 
einzuführen,  welches  sie  in  jedem  Lande  in  ihrer  Gewalt  hätten. 
Von  diesem  Collegium  würden  alle  Gnadensachen,  Dienstver- 
leihungen, sine  Adpellatione  ad  Principem  abhängen.  Ua- 
durch  würden  sie  sich  das  unbegränzte  Recht  anmassen  über 
die  Ehriichkeit  und  Brauchbarkeit  der  Individuen  das  End- 
urtheil  zu  sprechen;  dadurch  würden  sie  den  Fürsten  (nach 
ihrer  Sprache)  durch  eine  geheiligte  Legion  ihrer  ge- 
treuen Anhänger  umringen,  .fesseln  und  nach  Will- 
kühr  beherrschen.  —  Durch  ein  solches  Siltenregimenl) 
auch  Sitten -Comission  (oder  Fiscat  genannt)  würde  diese 
Gesellschaft  die  fürchterlichsten  Despoten  der  vier  Weltheile, 
und  die  Regenten  verächtliche,  unmächtige  Phantome,  und  ge- 
krönte Sklaven  derselben  werden. 

Dass  der  in  der  ersten  Warnung  gedruckte  Ordensschwur 
wahr  ist,  kann  ich  auch  mit  einem  Originale  beweisen.  — 

Diese  getreue  Aussage  bin  ich  bereit  mit  einem  korper 
liehen  Eide  zu  bekräftigen. 

(L.  SO 

München  den  3ten  April  1785, 

Joannes  Sulpitius  Cosandey 

Priester  und  Professor  bey  der  Herzoglichen 

Marianischen  Landesakademie. 


Bericht  von 
Vitus  Renner. 

De  Seine  IlHcljCürstlichen  Gnaden  der  HochwürdigsE 
Bischüf  zu  Freysing  mein  gnädigster  Oi'dinarius  den  30teri  März 
1785  mich  vorrufen  zu  lassen  und  in  Höchst  Dero  sow'olil  als 
im  Namen  Seiner  Churfürstlichen  Durchlaucht  zu  Pfalzbayern 
meines  gnädigsten  Landesherrn  aufzutrogen  gnädigst  geruht 
haben,  von  alten  dem,  was  ich  im  <)rden  der  Illuminaten  wider 
Religion  und  gute  Sitten  augelrofen  habe,  ein  christliches  Fer-  ■ 
zeichnis  unterlhanigst  zu  ühermaclien;  so  bekenne  ich  Endes- 
gesetzter mit  bessten  Wissen  und  Gewissen  alles,  was  ich 
immer  in  diesem  Orden  für  die  Religion  und  gute  Sitten  Nach- 
theiliges und  Anstossiges  gesehen,  gehört  und  angetrofen  habe. 

Es  ist  der  ftrden  der  Illuminaten  wohl  von  der  Frey- 
mauerei  zu  unterscheiden.  Ein  Unterschied  welclier  nicht  ein- 
mal von  Minervalen  (denn  so  heissen  die  Neueingeweihten, 
odei'  die  vom  ei"sten  Grad  des  Ordens)  am  allerwenigsten  aber, 


—     297     — 

von  blossen  Freymaurern  bemerkt  werden  dürfte.  Mir  selbst 
blieb  er  immer  eine  versteckte  Speise,  bis  man  endlich  nach  einer 
langen  Prüfung,  für  gut  befunden  hat,  mich  zu  einen  höheren 
Grad  zu  erheben,  und  aus  mir  einen  Illuminaten  minoram 
(in  dem  zweiten  Grad  fängt  man  erst  an  Illuminat  zu  heissen) 
und  endlich  gar  zu  einer  kleinen  Obrigkeit  zu  machen.  Da 
wurde  mir  auf  einmal  der  Aufschluss  gegeben,  und  es  stund 
mir  eben  nicht  mehr  frey,  Freymauerer  zu  sein;  denn  es  war 
aus  weisen  Absichten,  des  Ordens  festgesetzt,  dass  jeder,  der  in 
den  zweiten  Grad  des  Ordens  noch  bey  einem  halben  nach- 
gesehen hat,  bis  ich  mich  gleichwohl  auf  das  viele  Murren 
meiner  illuminaten  Brüder,  welche  glaubten,  dass  mir  der  Orden 
zu  viel  traue,  bequemen  musste,  auch  in  die  Mauerer-Gesell- 
schafl  zu  tretten.  Ich  fand  dabei  freilich  wenig  Vergnügen, 
doch  erhielt  ich  dadurch  den  Vortheil  einzusehen,  zu  welcher 
Absicht  die  Freymauerer  dem  Orden  dienen  müsste.  Die  Illu- 
minaten scheuten  nichts  mehr,  als  unter  diesen  Namen  be- 
kannt zu  werden.  Sie  suchten  desshalb,  nur  für  Freymauerer 
angesehen  zu  werden;  wohl  überzeugt,  dass  sie  unter  dem 
Schilde  dieser  anscheinenden  Unrichtigkeit  sicher  genug  wären.  — 

Die  Freymauerei  ist  also  der  Deckmantel  des  feinen  Systems, 
nämlich  des  erlauchten  Ordens. 

In  der  Gesellschaft  der  Freymauerer  allein  ist,  nach  den 
Ausdrücken  der  Illuminaten  selbst,  nur  der  Tross  von  Leuten; 
wovon  es  für  einige  wenige  noch  Glück  sein  muss,  wenn  man 
nach  einer  harten  und  kostbaren  Prüfung  würdig  findet,  sie 
ganz  in  der  Stille  ins  innere  Heiligthum  des  Ordens  aufzu- 
nehmen. Die  Übrigen,  sie  mögen  denn  Lehrlinge,  Gesellen 
oder  gar  Meister  seyn,  müssen  mit  Geremonien- Werke  zu- 
frieden, am  Joche  fortziehen;  vielleicht,  weil  ihre  Augen  zu  blöde 
wären,  und  das  Licht  des  Ordens  nicht  ertragen  könnten, 
vielleicht  auch,  weil  man  auf  eine  so  grosse  Anhänglichkeit  und 
Verschwiegenheit,  welche  wesentliche  Dinge  des  Ordens  sind, 
nicht  viel  rechnen  dürfte.  Es  war  daher  einmal  von  den  Obern 
für  sie  festgesetzt:  ex  Inferno  nulla  redemptio.  Demungeachtet 
wussten  die  Illuminaten,  von  welchen  sie  ohne  ihr  Wissen  ge- 
leitet werden,  sich  den  herrlichsten  Nutzen,  von  ihren  Ansehen 
und  Vermögen  zu  schaffen.  — 

In  meinen  Zeiten  gab  es  hier  zwar  solche  Klassen,  welche 
den  Namen  Kirchen  hatten.  Jede  von  dieser  wird  von  vier 
Männern,  nämlich  von  einem  Superior,  Gensor,  Quaestor 


—     298    — 

und  Secretair,  welch  miteinander  den  Megistrat  ausmachen» 
und  in  höhern  Gnaden  seyn  müssen,  ganz  nach  der  Intention 
des  Ordens  dirigirt 

Es  wurde  daher  monatlich  wenigstens  eine  öffentliche  Ver 
Siimmlung  gehalten,  wobey  alle  znv  nämlichen  Kirche  gehörigen 
Mitglieder  erscheinen  und  in  einem  verschlossenen  Zettel  unter 
der  Aufschrift  »Quibus  licetc  oder  »Soli«^  oder  iPrimoc  ein 
genaues  Verzcichniss  aller  Handlungen,  Worte  pp.  welche  sie 
an  andern  wahrgenommen  haben,  den  Obern  iiberreicben  müssen. 
Von  Einsendung  des  Quibus  licet  ist  kein  Mitglied  des  Ordens, 
ausgenommen:  sie  gehen  durch  alle  Grade  durch  und  müssen 
von  dem,  welchem  selbe  eingehändigt  werden,  unerbrochen 
immer  an  hohe  und  höhere  Obern  übergeben  w^erden. 

Die  übrigen  Geschäfte  der  Versammlung  bestehen    neben 
wenigen  Ceremonien  in  Verlesung  der  Ordensstaluten,  wenigen' 
Stellen   aus  einem  alten   Phylosophen   und  einer  Rede,  welche 
VOM  den  Mitgliedern  wechselweise  verfertigt  werden  muss,  und 
von  verschiedenen  Stoffen  sein  kann.    Und  da  man  überhaupt! 
die  Religionairs    nicht   liebt,   so    erwirbt   sich    ein   Mitglied  viel 
Rhre,  ja  selbst  den  Ruhm  eines  aufgeklärten  Kopfes,  wenn  seine 
Rede  etwas  frey  abgefasst  ist,   obschon  der  Obere  im  Beyseynf 
anderer  hinwieder,  schwachen  und  unzuverlässigen  Köpfen  eine 
Miene  einer  kleinen  Unzufriedenheit  machen  muss.    Bei  solcher 
Gelegenheit  brauchten  die  Obern  alle  Vorsicht,     Und  es  würde 
wider  das  System  des  Ordens  grob  gefehlt  seyn,  wenn  sich  derj 
Obere  einfallen  liesse,  in  öffentlicher  Versammlung  frei  zu  reden 
und  die  Ordensgrundsätze  zu   verbi'citen;  jedes  Mitglied   wüixldj 
dieses  Verfahren   des  Obern    für    eine   Folge  des   Systems  an-j 
gesehen  haben. 

Um  also  diesen  Verdacht  zu  vermeiden,  stellte  man  reichent- 
lichc  Zusammenkünfte  an,  wobei  die  Mitglieder  frey  von  Cere- 
monien  und  Zwange  sich   übei*  jeden  Gegenstand   dissputieren 
dürften.    Bei  dieser  Gelegenheit  wussten  die  Obern,  und  andere, 
welche  den  Geist  des  Ordens  einsogen,  die  Religions-Vorurtheile 
st>   lange   lächerlich   darzustellen,    (denn   alles  beisst  X'ni'urtheil, 
was   ihrem   Zwecke   zuwider   ist)   und   durch  Scheingründe  didl 
Grundsätze  desfn^dens  so  anzüglich  zu  machen,  bis  gleichwohl 
der  Schüchterne  durch  das  Beisjjiel  vieler  anderer  aurgefrischt,  ■ 
von  Schlacken  Heligions-Vorurtheilen  gereinigot,  und  mit  ihren | 
Grundsätzen    beseelt,   den  andern    Brüdern   vollkommen   gleich 


—    299    — 

geworden  ist  —  Gelingt  es  bei  Einigen  nicht,  so  sind  sie  für 
den  Orden  verloren. 

Das  Auflfallenste  was  ich  im  Orden  antraf,  ist  unstreitig  die 
Art,  womit  sie  die  Leute  zu  fesseln  und  dann  zu  behandeln 
pflegen.  Man  bemüht  sich  den  Orden  gross  zu  schildern,  von 
selben  mit  Ehrfurcht  und  Würde  zu  reden,  mit  Versprechungen 
zu  betäuben  und  mit  dem  Anhange  vieler  ansehnlicher  Leute, 
welche  alle  auf  den  Befehl  der  Obern  an  der  Beförderung  anderer 
arbeiten  müssen  gross  zu  thun,  bis  gleichwohl  das  Mitglied  die 
Erfüllung  jedes  Auftrages  für  Pflicht,  und  das  Wohl  des  Ordens 
für  sein  eigenes  ansieht,  oder  anzusehen  scheint.  Und  hat  ein 
solcher  das  Unglück  eine  unbesonnene  Handlung  oder  dem 
Orden  in  einem  Quibus  licet,  Soli  oder  Primo  ein  Geständ- 
niss  von  dem  vertrauten  oder  abgefischten  Geheimnisse  seines 
Freundes  oder  eines  Andern  gemacht  zu  haben,  so  ist  er  für 
sich  verloren,  und  gehört  ganz  dem  Orden.  Hat  er  nun  einmal 
die  Fesseln  an,  so  ist  ihr  Verfahren  stolz:  sie  achten  seiner  nicht 
mehr,  er  kann  austretten,  heisst  es,  wir  bedürfen  seiner  nicht. 
Ich  glaube  nicht,  dass  es  ja  einer  wagt,  oder  wagen  werde,  nur 
eine  unzufriedene  Miene  zu  machen,  am  allermindesten  aber, 
davon  zurückzutretten ,  besonders  wenn  er  sich  der  fürchter- 
lichsten Drohungen  erinnert 
Kein  Fürst  kann  den  schützen  —  der  uns  verräth.  — 
Ihr  Geschmack  in  Auswahl  der  Mitglieder  war  gewiss  der 
besste.  Sie  suchten  nur  solche  Leute  in  ihr  System  zu  ziehen, 
welche  sie  zur  ihren  Absichten  benügen  zu  können  glaubten. 
Leute  von  Stand,  Ansehen,  Vermögen,  Räthe,  Archivarien,  Sekre- 
tairs, Landbeamte,  Professoren,  Geistliche,  Hofmeister,  Haus- 
secretairs,  Mediciner,  Apotheker,  waren  ihnen  also  die  ange- 
nehmsten und  willkommensten  Gäste. 

Der  zweite  Grad,  welcher  aus  einem  grösseren  Ordens- 
bande, einem  andern  Handdruck,  und  wenigen  Kleinigkeiten, 
weiter  nichts  von  Ceremonien  enthält,  ist  eigentlich  die  Schule, 
worin  die  MitgHeder,  wenn  ich  micht  recht  ausdrücken  darf, 
wie  die  wahren  Spürhunde  abgerichtet  werden.  Es  empfängt 
da  jeder  eine  auf  genaue  Beobachtung  und  Erfahrung  sich 
gründende  Instruction,  wodurch  er  im  Stande  gesetzt  wird,  die 
Gesinnung  und  Meinung  eines  jeden  zu  erforschen,  selbe  zu 
benüzen,  Geheimnisse  abzulocken  p.  p.  Kurz  den  Menschen 
durch  und  durch  zu  kennen,  und  den  daraus  zu  machen,  was 


—     300     — 


er  will.  Mit  dieser  Instruction  ausgerüstet,  muss  er  gleichwohl 
den  ehrlichen  Mann,  welchen  nach  Befehl  des  Obern  das  Loos 
trifTt,  vom  Scheitel  bis  zur  Zehe   nach   folgenden  Formular  ge* 

treulich  protoeolliren, 

Gemüthsart:  Handelt  er  gerade  aus;  oder  verstellt 
er  sich?  gegen  wem?  interessiert  ihn  das  Schicksal 
anderer?  oder  sorgt  er  nur  für  sich?  arbeitet  er  gern? 
Ist  er  in  seinen  Handlungen  rechtschaffen?  Lässt  er 
sich  davon  abbringen?  durch  Drohung?  Liebkoseu? 
Geld?  Frauenzimmer?  Ungnade?  Verfolgung?  Unglück? 
Freundschaft?  Hass?  Rachgier?  Versprechungen?  Be* 
förderungen?  wenn  er  ungestraft  das  Gegentheil  thun 
kann?  Ist  er  im  Schmerze  wortreich?  geschwätzig?  oder 
still?  oder  stumm?  Ist  sein  Schmerz  lang  anhaltend? 
Hat  er  starke  Leidenschaft?  welcher  ist  er  am  meisten 
ergeben?  Kann  er  ziement  gegenwärtigen,  lebhaften 
peinlichen  Eindruck  widerstehen?  Hat  er  einen  Hang 
zur  Schwermuth?  die  Leidenschaft  zu  Grunde  hnt?  oder 
ist  es  blos  Temperament?  Ist  er  geizig  oder  zur  Ver- 
schwendung geneigt?  Und  zu  welcher  Zeit  liebt  er 
die  Jagd?  Welcher  Art  Jagd?  Hört  er  gern  vrm  Mord- 
geschichten? 

Alter?  Namen?  Vaterland?  Gestalt?  Gesichtsbildung? 
Haar?  Stimme?  Gang?  Anstand?  Gesundheits-Zustand? 
Sprache?  Vortrag? 

Die  Eidesfnrmul  des  erlauchten  Ordens  (die  Mauerer  haben 
eine  ganz  verschiedene)  und  die  übrigen  Tabellen  und  Vor- 
schriften sind  in  der  ersten  Warnung  für  Freimauerer  Seite  29 
und  52  v(in  Wort  zu  Wort  zu  lesen.  | 

Freilich,  eine  gute  Einrichtung!  ob  sie  aber  ebenso  gut  für 
Religion,  den  Staat,  und  gute  Sitten  seyen,  würde  ich  schwer- 
lich Beweise  finden.     Doch  darum  fragt  sich  nicht! 
Nihil  inleresset  quo  modo:  Zweck  heiligt  die  Mittel! 

Diese  Art  Beleuchtung  wechselt  nun  mit  jedem  höheren 
Grade^  denn  der  erste  Grad  schon  odelt,  Ist  es  der  Ausdruck  der 
nbem,  was  wird  sich  erst  von  höhern  hoffen  lassen!  Doch  ist! 
dabei  mit  vieler  Vorsicht  die  Veifugung  getroffen,  dass  jedes 
Mitglied  zwar  alle  andern  von  nämlichen  Grade,  und  umsomclir 
Vom  untern  Grade,  aber  keinen  von  höhern  kennen  dürfen, 
ausser  diejenigen,    welche   zur   Direktion   seines   Grades,   oder 


I 


—     301 


i  als  Visitaloren  oder  Spionen,  von  den  höchsten  Obern  be- 
istimmt worden  sind.     Die  übrigen  alle  sind  für  ihn  verschwun- 
dene Dinge. 

Diese  Einrichtung  macht  nun  unstreitig  die  grösste  Stnrke 
des  Ordens  aus.  Dadurch  können  die  Obern  unbemerkt  ihre 
Untergebenen  beobachten,  ihre  Verschwiegenheit,  und  Anhäng- 
Hchkeit  prüfen,  und  was  noch  das  Vorzüglichste  ist,  selbst  im 
falle  der  schon  lange  gefürchteten  trüben  Tage  ihre  unter- 
drückten Brüder  bei  allen  Gelegenlieiten  unterstützen,  ohne  den 
mindesten  Verdacht  zu  erregen,  dass  sie  selbst  an  dem  Systeme 
Antheil  haben,  da  sie  ihrer  Einrichtung  gemäss  allen  Brüdern, 
und  umsomehr  allen  Profanen  unbekannt  seyn  müssen.  Wer 
diese  Einrichtung  überlegt,  wird  mit  mir  gestelien  müssen,  dass 
ein  feineres  System  wohl  nicht  mehr  möglich  sey.  Wenn  ich 
mich  daher,  dieser  unbekaniiien  Brüder,  ihrer  Verfassung,  und 
noch  obendrein  dei-  Sittencomission,  wovon  unten  eine  kleine 
Bemerkung  vorkommen  wird,  hinwieder  erinnere,  so  wird  es 
mir  immer  begreiflicher  wie  der  Ordenssatz  wahr  sein  könne: 
Kein  Fürst  kann  den  schützen  der  uns  vorräth! 
Noch  gibt  es  Leute,  und  man  kann  sie  wohl  bemerken, 
welche  den  Orden,  ohne  doch  dabei  seyn  zu  wollen,  mit 
vieler  Hitze  vertheidigen.  Ein  Verfahren!  welches  gewiss 
eine  Anmerkung  zu  verdienen  seheint.  Entweder  sind  diese 
Lobredner  in  den  Oi'den,  oder  nicht?  sind  sie  niclit  darinnen, 
■do  ist  unmöglich  das  zu  loben,  und  zu  vertheidigen,  was  sie 
■  nicht  wissen  können:  sie  sind  aber  selbst  beym  System,  so  ver- 
dienen sie  eben  darum  keinen  tilauben,  auch  dann  nicht,  wenn 
sie  ihre  zum  Schein  entworfenen  Papiere  von  der  Ordens- 
einrichtung  zu  ihrer  Vertheidigung  vorzeigen,  oder  auch  alles 
Gute  bey  ihrer  Ehre  bei  heuern  würden.  Man  würde  daher, 
wenn  man  die  Unmöglichkeit  etwas  vom  <Jrden  ausserhalben 
zu  wissen,  und  die  Art  des  Verschwindens  wohl  zusammen  holt 
gewiss  so  unrichtig  nicht  Schlüssen,  wenn  man  Schlüssen  wollte, 
dass  die  Vertheidiger  selbst  im  Orden,  und  zwar  von  jener  Art 

tseyn  müssen,  welche  man  in  der  Ordenssprache  »Verschw^undene« 
nennt 
Dieses  ist  nun  die  Grundlage  des  ganzen  Orden-Syslems  so 
weit  es  mir  bekannt  ist.  —  Setzet  man  noch  einige  Kernsprüche» 
als:  »tousle  i'oiset  tous  les  Pretres,  sont  des  Fripons  et 
desTraitres«  und  folgende  Grundsätze  hinzu:  so  wird  es  von 


^ 


302 


selbst  auffallen,  ob,  und  wie  weit  sich  der  Orden  mit  Religion, 
und  der  christlichen  Moral  vertrage. 

Der  Selbstnnord,  welchen  die  Obern  den  Brüdern  predigten, 
wenn  sie  selbige  zu  trüben  Tagen  vorbereiten  wollten,  gehört 
unter  jene  Sätze,  die  am  meisten  Aufmerksamkeit  verdienen, 
Sie  wussten  diese  Handlung  als  ein  so  leichtes  und  in  gewissen 
Fällen  vortheilhaftes  Mittel  zu  schildern,  dass  es  mich  nicht 
wunderte,  wenn  ein  oder  der  andere  zu  dieser  Handlung  schritt, 
besonders»  da  man  durch  Beyspiele  dem  Selbstmorde  noch  eine 
gewisse  Wohllust  anzudichten  sucht.  Meinetwegen  mag  das 
Beyspiel  welches  ein  gewisser  Oberer  von  einem  Engländer  er- 
zählte, der  sich  selbst  erhängt,  aber  noch  zur  rechten  Zeit  voni 
Strick  losgemacht  worden,  wahr  oder  erdichtet  seyn:  so  würde 
ich  doch  nicht  der  Narr  sein,  mich  durch  die  blosse  Aussage 
dieses  Mannes,  dass  er  die  schönste  Harmonie  von  Tönen  in 
den  Ohren  gefühlt  habe,  verleiten  lassen,  meinen  Ohren  auf 
Kosten  meines  Lebens  diesen  angenehmen  Kitzel  zu  verschaffen. 

Unter  allen  bösen  Grundsätzen  aber,  scheint  mir  der  ge*. 
ffihrlichste  zu  seyn  . .  , 

Zweck  heiligt  die  Mittel!  Wollte  einer  diesem  Grund- 
satze zu  Folge  Iiandeln,  so  dürfte  er,  welches  sonst  gerne  und 
getreulich  geschieht,  jeden  ehrlichen  Mann  verläumden,  soga 
auch  jenen,  von  dem  mon  nur  zu  vormuthen  hätte,  dass  er  einst 
den  Absicliten  des  Ordens  im  Wege  seyn  könne,  er  dürfte  den 
andern  aus  seiner  Stelle  drängen  und  vei^iften,  morden  pp. 
Kurz!  Ihun,  was  er  wollte,  wenn  es  nur  zum  gi*ossen  Zwecke 
führte.  Und  gesetzt  auch,  es  ereignete  sieh  der  Fall  entdeckt 
zu  werden:  —  Patet  exitus:  eine  Kugel  für  den  Kopf — 
und  man  ist  der  Gerechtigkeit  entrissen. 

Ich  würde  zu  keinem  Ende  kommen,  wenn  ich  alle  Folgen, 
welche  für-  die  Religion,  und  den  Staat  aus  diesen  Grundsätzen 
entspringen  könnten,  hier  en  detail  niederschreiben  wollte.  Ich 
eile  also  zur  Bemerkung,  wovon  ich  schon  gesprochen  habe* 

Das  Sittenregiment,  Sittencomission  oder  auch 
Tyscalat,  wie  sie  es  nennen  pflegen,  wäre  ein  Collegium  aus 
den  geschicktest,  fähig t  und  rechtschaffensten  Männern,  das  ist 
nach  ihrer  Sprache  meist  aus  verschwundenen  Illuminalen, 
welche  das  vollkommenste  Vertrauen  des  Fürsten  besitzen  und 
ilires  Auftrags  gemäss  von  Sitten,  und  Etn'lichkeit  eines  jeden 
einen  souverainen  Ausspruch  machen,  und,  weil  ohne  Ehrlich- 


i 

=1 


I 


303 


^ 


keil  Niemand  Ämter  und  Stellen  besitzen  soille,  dadurch  erst 
jeden,  zur  jeden  Bedienung  fähig  machen  würden.  Eine  herr- 
liche Erfindung,  wenn  sie  zu  Stande  gekommen  wäre!  wie 
würde  es  aber  mit  den  Profanen  ausgesehen  hoben,  wenn  man 
den  Ordensmaassstab  angelegt  hatte?  Ohne  Zweifel  würden  hey 
dieser  Abmessung  von  Ehrlichkeit  Brüche  herausgekommen 
seynl  zum  Glück  aber  wurde  das  System  noch  bei  Zeiten  ent- 
deckt, sonst  wäre  vielleicht  wahr  geworden,  was  ein  Oberer 
welcher  von  einem  andern  noch  Höheren  ganz  glühend  zurück- 
kam, prophezeiht  hatte:  wenn  noch  ein  und  andere  Posten 
besetzt,  und  die  Anzahl  der  Brüder  600  Köpfe  stark  seyn 
wird,  so  ist  nichts  mehr  im  Stande,  uns  zu  wider- 
stehen! — 

I  Dieses  ist  nun  die  Einrichtung:  dieses  sind  die  Grundsätze 

des  Ordens.  Den  letzten  Zweck,  welcher  von  den  höchsten 
Obern  des  Ordens,  als  ein  Geheimniss  aufbewalnl  wird,  weiss 
ich  zwar  nicht,  weil  sie  nur  immer  vom  Zweck  reden,  ohne  zu 
sagen,  worin  er  eigentlich  besteht.  Aus  der  Einrichtung  aber 
und  den  Grundsätzen,  kann  er  nicht  anders  als  gross  seyn,  ob 
er  sich  aber  nach  dem  bisher  Gesagten  mit  der  Religion  und 
dem  Staat  vertrage,  überlasse  ich  jedem  zu  urtheilen.  Ich  kann 
und  will  daher  mit  meinem  Gewissen  nicht  mehr  betheuern,  als 
dass  ich  alles,  was  mein  christlicher  Aufsatz  enthält,  so  gesehen, 
so  gehöret  und  angetrofen  habe. 
München  den  9ten  April  1785. 

Vitus  Renner  Priester  und 
(L.  S.)  Professor  in  der  HerzogL 

Marianischen  Hausakaderaie. 
folgen:  Illuminaten-Liste: 

Zwackli 

Costa  nza 

Merz 

Weishaupt 

Bader  pp. 

md  ferner  von  Cossandey  und  Renner  zusammengestellt: 
Baron  von  Verges  —  Leutenant 
Baron  Max  von  Veiiges  —  Reg,*Ratli  zu  Straubing 
Gi'af  Clement  von  Seefeld  —  Hofrath 
Baron  von  Füll  —  bei  der  Leibgarde 
Waschinka  —  Medicus 


—     304     — 

Hatnpel  —  Hofmedicus 

Graf  \xin  Seeau 

von  ßeglioni  —  General 

vrm  Hopo  —  Major 

Baron  von  Gumpenberg  —  H ntVu tii 

Graf  v(in  Spaner  —  Major 

Graf  von  Freising  —  Hauplnionn 

Graf  von  Taufkirchen  —  Major 

Graf  von  Lerchenfeld 

von  Sissbach  jun. 

Bai'on  von   Hornstein 

von  Barth   —  Oberrichter  in   München   (ausgetreten  soviel  j 

wir  hören) 
de  Haiidl  ~  Hauptmann 
von  Vollmnyer  —  Seki'elair 
letztg.  de  Jlande  Hauptmann 

NB.  die  übrigen  Ausgetrelenen  kennen  wir  nicht.     Die  Ver^ 
scbwundenen  kennen  wir  nicht,  ebensowenig  diejenigen,  welche] 
seit  unserm  Austritt,  der  am   6.  Fbris  1783  geschehen  ist,  auf- 
genommen worden  sind.   Die  3  ersten  scheinen  uns  die  Tätigsten  I 
ÄU  sein. 

Das  bescheinigen  w^ir  den  9.  April  1785. 

Joonn.  Sulpii.  Cosandey 
Priester  und  Professor 

Vit  US  Bonner, 
Priester  und  Professor- 


Weitere  VerorcliiuiigeH  des  Kürfüi*§teii 
und  Yerfolgaiigen. 

Nachdem  die  Namenshste  der  Illuminalen,  wenn  auch  nur' 
zum  geringen  Teil,  durch  Renner  und  Cossandey  dem  Kurfürsten 
übergeben  worden  war  und  derselbe  ersehen  hatte,  doss  diese  die  , 
Namen  höherer  Beamte  und  Mililfirpersonen  enthielt  (es  finden 
sich  von  letzteren  noch  folgende  vor: 

V.  Meggenhofen,  Auditour,  Baron  v.  An,  Hauptmann;  Dabei, 
Hpt.  zu  Ingolstadt;  Buckinghani,  Leutnant;  v.  Satzenhofer,  Hpt.; 
Stiegralh,  Lt.;  Gutmann,  ünterlt.;  Ewald,  Lf;  G.  v.  Patze,  LU; 


—     305     — 

V.  PleUrich,Lt.;  Kaltner,  Lt.;  v.Geisitzheim,  Hpt.;  v.  Türnitz,  Major) 
wurde  nachfolgender  Erlass  bekannt  gegeben: 

Karl  Theodor,  Kurfürst. 
Unsern  Gruss  zuvor  Wohlgeborene,  liebe,  getreue,  demnach 
wir  missfiallig  vernohmen,  was  gestalten  sich  auch  unter 
unserm  Militair  Stand  noch  Viele  befinden,  welche  der  Illu- 
minaten  Bruderschaft,  ungeachtet  der  dagegen  ergangenen  Gene- 
ral Verordnung  beygethan  sind,  so  wird  in  gemessheit  des  hier- 
unter emanirt  höchsten  Rescripts  de  dato  3.  curr. 

Imo. 
sämmtlichen  Generalen  Gouverneuren  und  Commandirten  Regi- 
ments Officieren,  sofort  durch  diese  auch  allen  Officieren  und 
sonstigen  Personali,  jedoch  ohne  Erweckung  Welen  Aufsehens, 
in  möglicher  Stille  andurch  bedeutet  und  weiteres  deren  unter- 
geordneten bedeuten  zu  lassen  hiermit  gnädigst  verordnet,  dass 
bey  Vermeidung  unserer  höchsten  Ungnade,  Kassation  oder 
Strafe,  sich  nicht  nur  in  Zukunft  keiner  mehr  bey  gedachter 
Secte  associren,  sondern  auch:  wenn  schon  engagieret  ist,  den 
Zusammenkünften  derselben  unter  keinerley  Vorwand  bey- 
wohnen,  vielweniger  andere  dahin  anwerben  unter  falscher  Vor- 
spiegelung dahin  zu  engagieren  suchen  solle,  worauf  obgedachte 
Commandanten  sowohl  selbst,  als  durch  vertraute  Leuthe  gegen 
billigen  Recompens  gute  obacht  zu  halten  und  die  Übertretter 
also  gleich  ad  manus  einzuberichten  haben. 

2do. 

Wird  aber  die  Versicherung  beygefüget,  dass  alle  jene  Illu- 
minaten,  welche  sich  längst  inner  6  Wochen  entweder  bey  ihren 
Commandanten,  oder  Generale,  oder  bey  unserm  Kriegs-Referen- 
dar titl.  Freyherrn  von  Belderbusch,  angegeben,  und  durch  schrift- 
lichen Revers  ermeldeten  Secte  gänzlich  entsagen  werden,  ihren 
begangenen  Fehltritt  vergeben,  hingegen  die  andern,  welche  den 
Termin,  ohne  sich  anzugeben,  verstreichen  lassen,  und  nach  der 
Hand  erst  kund  und  entdeckt  werden,  oder  ohnehin  schon  satt- 
sam bekannt  wären,  nur  desto  schärfer  und  unnachlässig  ge- 
straft werden. 

Stio. 

Werden  auch  mehr  berührte  Kommandanten  und  Chefs 
gnädigst  beordert,  dass  sie  bey  solch  verbothenen  Zusammen- 

Engel,  GMchichte  des  Illaminateiiordens.  20 


—     306     — 


künften  Betretlene,  sowohl  Militair  als  Civil  Peisonen  zwar  alle-] 
mal  gleich  anzuzeigen,  indessen  aber  zu  arretiren,  und  bis  aul 
erfolgende  unserer  höchsten  pjilschliessung  nicht  zu  entlasseuj 
haben.  Solchen  noch  ist  diess  unser  höchste  circular  Verord- 
nung und  Willens  Meinung  von  euch  sänimtlichen  untergebenen 
Cocnmandantschaften,  dann  Proviant-  und  Caseruen-amls  Indi- 
viduen, sowohl  denen  gegenwärtigen  als  abwesenden,  und  zwar 
letztern  schriftlicli  bekannt  zu  machen,  um  sich  so  nach  zu  achten 
zu  wissen. 

Sind  euch  anbey  mit  gnaden 

Ihro  Kurfürsth  Durchlaucht 
München  11.  Aug.  1785.  zu  Pfelz-Bayern  Hofkriegsrath* 

Die  Offiziere  kamen  diesem  Befehle  nach^  keineswegs 
schützte  dieser  Gehorsam  jedoch  vor  allerhand  Verdächtigungen 
und  merkwürdigem  Strofverfahren. 

Ein  weiteres  Beispiel  willkürlichen  Verfahrens  ist  z.  B.  das 
Schicksal  des  Auditor  im  Hegnenbergischen  Regimentes  Frei- 
herrn V,  Meggenhofen,  der  einestheils  in  seiner  Apologie.*y' 
andernteils  in  einem  Briefe,  s,  Z.  im  deutschen  Zuschauer  ab- 
gedruckt, sein  Schicksal  selbst  erzählt.  Es  ist  historisch  be- 
wiesen, dass  im  nachfolgenden  Briefe  keinerlei  Unwahrheiten 
oder  Übertreibungen  enthalten  sind,  sondern  sich  tatsachlich 
alles  so  verhielt,  wie  es  geschildert  ist 

Gerichtet  ist  der  Brief  an  Weishaupt,  dem  er  die  fi*eund* 
schaftlichsten  Gefühle  bewahrte,  v.  Meggenhofen  hatte  sich  am 
24.  Aug.  1785  often  als  früheres  Ordensmitglied  bekannt  mit  def 
Vei^icliei'ung,  dass  er  bereits  nach  der  Generalverordnung  der 
besagten  Gesellschaft  entsagt  habe.  Nach  seinen  Aussagen 
war  er  1779  aufgenrimmcn  unter  vollkommenen  Erlnss  aller 
Gelderlagen,  er  hatte  olle  maurerischen  Stufen  erreicht,  sowie 

den  eigentlichen  Illuminötengrad  durch  Weishaupt  selbst. 

Lassen  wir  ihn  jetzt  sprechen; 

München,  im  Franziskanerklosler,  den  29ien  Nov.  1785. 

Mein  Lehrer,  mein  Freund! 

Hier  sizze  ich  in   dieser  einsamen  Zelle,  mein  Teurer,  wo 

Aberglauben   und  Fanatismus   mich   verbaut   haben,  und  mein 

erster   Gedanke    ist  an   Sie,   und   mein  Wille,  Ihnen    mif   der 


•)  Meine    Geschichte     und    Apologie ,     ein    Beitrag    zur    Utyixiiuatcif 
g««chichte  1786. 


—     307     — 

ganzen  wunderlichen  Geschichte  meiner  Inquisizion  bekant  zu 
machen.  Hätten  Sie  es  je,  mein  Lehrer,  vor  einigen  Jaren  ver- 
muten können,  da  wir  uns,  so  unter  uns,  über  die  Fortschritte 
unseres  Instituts,  und  über  den  Riesenschritt,  den  eben  unser 
Vaterland  in  Aufklärung  und  Kultur  machte,  so  inniglich  er- 
freuten, hätten  Sie  es  damals  geglaubt,  dass  das  einst  der  Lohn  , 
unserer  Bemühungen  sein  würde,  dass  Sie  mit  Weib  und  Kindern 
im  Auslande  verbaut,  und  ich  in  ein  Kloster  gesperrt  würde, 
zur  Strafe,  dass  wir  unsere  Landsleute  aufklären  und  einen  so 
nötigen  Dam  dem  zu  stark  einreissenden  Strome  des  geistlichen  i 
Despotismus  sezzen  wolten.  —  Doch  eine  schwache  Regierung  / 
hatte  das  Uebel,  das  wir  bekämpfen  wolten,  zu  stark  Wurzel 
fassen  lassen,  und  wir  unterlagen.  O  Freund!  ich  möchte  wie 
Jeremias  über  das  Verderben  meines  Vaterlandes  klagen,  und  auf 
den  Ruinen  eines  so  schönen  Werks  bittre  Zähren  weinen.  — Aber 
warum  Ruinen?  —  Die  Eiche  steht  noch  fest  eingewurzelt  da. 
—  Einige  Aeste  hat  der  Blitz  des  Fanatismus  wol  abgeschlagen, 
und  sie  verteilt  —  in  anderen  Gegenden  seinen  Willen  ange- 
pflanzt, damit  sie  desto  besser  und  ruhiger  sprossen  und  zu 
Bäumen  werden. 

Doch  nun  zu  meiner  Geschichte  —  dessen  Anfang  sich  schon 
vom  vorigen  Sept.  datirt.  Nachdem  der  K.  Befel,  vermög  dessen 
alle  Offiziers,  die  zu  den  Illuminaten  gehörten,  in  Zeit  von  6 
Wochen  sich  erklären  mussten,  der  Gesellschaft  nicht  mer  an- 
zuhängen, eingelauffen  war,  so  bekäme  3  Wochen  nachher  der 
Kommandant  zu  Burghausen  einen  speziellen  Befel,  mir  eine 
Norme,  nach  welcher  ich  meinen  Revers  einzuleiten  hätte,  zu 
behändigen.  Die  Kommandantschaft  erteilte  mir  Stägigen  Termin 
dazu.  Die  Norme  enthielt  26  Punkte,  die  ich  als  Fragpunkte 
beantworten  musste,  war  also  ein  wirkliches  Verhör,  an  dessen 
Ende  ein  honetter  Revers  angehangen  war.  Ich  sezte  meine 
und  meines  Landesherrn  Rechte  und  deren  Gränzen  in  eine 
gehörige  Wagschale  und  schwankte  wirklich  anfangs  im  Zweifel, 
ob  ich  wol  diese  Fragen  beantworten  solte  und  könte,  fand  aber 
endlich  doch  mer  Gründe  dafür  als  dagegen,  besonders  da  ich 
aus  Briefen  des  Paulus  schliessen  konnte,  dass  es  bei  diesem 
Falle  sein  Wil  und  Befel,  den  Revers  binnen  des  gegebenen 
Termins  auszustellen,  gewesen  wäre.  Ich  beantwortete  also  die 
Fragpunkte  (so  viel  ich  glaube)  mit  Freiheit  und  Wärme,  und 
erklärte  von  dem  0.  ausgetreten  zu  sein.  Ich  war  auf  die 
Wirkung,   die   mein  Revers  machen  würde,  äusserst  begierig, 

20* 


—     308     — 


I 


auch  schmeiclieüe  ich  mir,  er  würde  eine  neue  Resolution  ve^ 
nnlassen,  wodurch  ich  neue  Gelegenheit  zu  reden  und  zu  handleii 
erlangen  würde.     Doch  ich  horte  und  merkte  weiter  nichts,  al 
dass  der  Kommandontschaft  aufgetragen  wai*d,  ein  w^oclisames 
Aug  auf  mich  zu  halten. 

Mitlenveile  ereignete  sich  der  Fal,  dass  ich  dem  jungen 
Baron  Leiden  schrieb,  worin  ich  ihm  den  rechtschaffenen  und 
geschikten  Kaptinger  zur  weitern  Empfelung  an  seinen  Schwieger- 
vater, wegen  der  erledigten  Venvaltersstelle  zu  Armenstorf, 
empfal.  Nebenher  gebrauchte  ich  in  diesem  Briefe  folgende 
Ausdrükke:  »Während  Ihrer  Abwesenlieit  (er  war  in  die  Schwei 
gereist)  haben  sich  Vorfälle  und  Auftritte  ereignet,  worüber  Si 
Sich  wundern  werden;  herHche  Geschichten,  ich  hätte  sie  ni 
vor  möglich  gehalten.  Bei  allem  dem  steht  noch  immer  die 
Überzeugung  in  mir  fest,  dass  alles,  w^as  gescliieht,  zum  besten 
Zwek  seie,  und  dass  das  Vergangene  den  bittern  Verfolgern  der 
Tugend  und  Aufklärung  noch  grosse  Wehen  bereite.« 

Der  Brief  kam  an  dem  Hochzetttage  des  Baron  Leiden  in 
Eblkofen  (des  Vicedoms  Baron  Daxbei^  Schloss)  unter  Tisch 
zeit  an.  Das  Schicksal  weite,  döss  Baron  Leiden  unter  W^n 
krank  wurde,  und  nicht  am  bestimmten  Hochzeittage  im  Schlosse 
eintraf;  der  Brief  wurde  also  Baron  Daxberg  übergeben.  Diesem 
gehel  es,  ihn  zu  ÖtTnen,  und  an  die  Inquisitoren  nach  München 
zu  schikkeo.  Diese  Schui-kerei  und  Schlechligkeit  des  Daxbeiigs 
verdient  wirklich  meine  und  aller  Welt  \'erachtung  und  Mit- 
leid. —  Und  dennoch  dank  ich  ilini  noch  dafür  und  kan  keinen 
Grol  gegen  ihn  hegen  —  denn  er  hat  mich  durch  diese  Hand- 
lung in  den  Stand  gesezt,  meine  Philosophie,  die  bis  nun  bloa 
spekulativisch  war,  in  Ausübung  zu  bringen.  —  Überhaupt, 
(weil  es  eben  apropos  ist,  wil  ich  Ihnen,  mein  Freund!  ein 
Geständnis  machen)  überhaupt,  sage  ich,  befinde  ich  mich  seit 
einiger  Zeit  in  einem  Zustande  des  Geistes,  der  sonderbar 
scheinen  könnte.  Mit  dem  innigsten  Gclül  für  Gute  und  Schöne 
kan  ich  jeden  unangenemen  \  orfal,  der  mir  in  Weg  kömt,  mit 
grösster  Gleichgültigkeit  ertragen.  Niclits  kan  mich  mer  äi'gern 
—  alles  ist  mir  recht  Bin  ich  den  diese  glückliche  Apathie  der 
(K  Lehre  schuldig *  ich  glaube  es. 

Bald  nach  diesem  Vorfalle  mit  dem  Briefe  an  Leiden  ei"^ 
hielt  der  Kommandant  zu  Burglniusen  den  K.  Betel,  sich  gleich 
nach  Empfang  derselben  meines  Quartiers  und  meiner  Papiero 
mit  möglichster  Vorsicht  zu  bemeislern,  welches  auch  geschah 


I 


309     — 


U'lit  Tnge  darauf  bekam  das  Regiment  die  Weisung,   dass   ich 
einstweilen    ab   officio  suspendirt  und  nach  München    zu   dem 
Hrn.  Geheimen  Rat  Hausler  zitirl  seie»  um  dort  denen  mir  vor- 
^Kulegenden  Furagen  Rescheid  zu  geben.     Ich   hielt  eben   Kriegs* 
H^richt,  als  man  mir  den  erhaltenen  Betel  insgeheim  eröffnete. 
^L.  Wars  Vorbereitung   oder    meine   angewönte  Gleichgiltigkeit, 
diese  Nachricht   brachte    mich  gar  nicht  aus  der  Fassung  und 
^ch   bin   mit  meiner  damaligen  Stimmung  recht  sehr  zufrieden: 
Bbh   machte  diesen  Befel  gleich  den  Offiziers,   die   mit   mir  im 
Kriegsgerichte  sassen,  kund,  und  fuhr  in  meinen  Proposizionen 
fort,  —  Das  Schwerste   stand    mir   noch  bevor,  nämlich   meine 
^^eltern   davon   zu    benacht'ichtigen.     Nach    geendigtem    Kriegs- 
Bpierichte   ging   ich   zu   ihnen,  und  eröfnete  endlich   nach  vielen 
^^^"endungen  und  mit  mögUchster  Schonung  ihnen  diese  meine 
Suspension  und  Zitazion.  ~  *-  0  Freund:  da  hatte  icli  mer  als 
jemals  meine  Philosopliie  nötig,  um  nicht  aus  der  Fassung  zu 
kommen!   Werfen  wir  den  Schleier  über  diese  grausame  Szene, 
sonst  bricht  mir  mein  Herz  und  ich  wei^de  zur  Memme.  —  Von 
^dori  ritt  ich  auf  die  Parade.     Wer  von  einer  erlialtenen  Ordre 
Btich  etwas  zu  sagen  nicht  getraute,  war  der  Oberst  Lieutenant 
(der  Oberst   war  schon    auf  Urlaub).     Ich    sähe,    dass   ich    die 
_§rsten  Avancen  mnchen  müsste,  und  fragte  ihn  also  nach  einer 
^pA^'eile,  ob  er  in  Beli-ef  meiner  keine  (Jrdre  erhalten  hatte?  — 
Froh  (wenigstens  so  schien  es  mir)  aus  dieser  Verlegenheit  ge- 
zogen zu  werden,  bejahe te  er  meine  Frage,  und  behändigte  mir 
die  r>rdre.    Ich  meldete  mich  also  gleich  meiner  Abreise  we^en, 
und  nachdem  ich  bei  den  Korps  Offiziers,  welche  mich  liebten, 
mich  beurlaubt  hatte,  ging  ich  zu  House,  nahm  einen  traurigen 
Abschied  von  meinen  Aeltern,  machte  mich  i-eisefertig,  und  auf 
den  Weg  hierher; 
^b         Den  Tag  nach  meiner  Ankunft  meldete  ich  mich  bei  allen 
^neinen   Chefs,   und   dann    bei    Herrn    Geheimrat   Hausler,   der 
mich    um   10  Uhr  zum  Vei'bör  bestelte.     In  2  Tagen   sass   ich 
H|5  Stunden  im  Verhör.    Nie  hab  ich  senlicher  gewünscht,  zeich- 
nen zu  können,  als  wahrend  demselben.     An  meinem  Exami- 
nator hatte  ich  den   leibhaftigen  Doktor  Stauzius  vor   mir;    ein 
dikker,  runder  Kerl,  von  Kopf  bis  zu  Füssen  schwarz  gekleidet, 
der   in   einem  weiten  Lehnstul   sass;   wenn    ich   manchmal   zu 
lang  diktirte,  schlief  mein  Examinator  darunter  sanft  ein.     Der 
geschäftigste  dabei  war  derjenige,   der  das   Protokol    fürte;   ein 
naseweiser,  schalkhafter  Bube,  der  immer  meinen  Stauzius  mit 


—    310     — 

einer  schadenfrohen  Mine,  was  er  /.u  fragen  habe,  erinneile. 
()  mein  Hogort  Kodowiezkil  wfirst  Du  dabei  gewesen!  hier  hätte 
dein  meisterhafter  Griffe!  noch  einen  Stoff  mer  gehabt,  das  Hidi- 
kül  zu  peitschen, 

Anfangs  legte  man  mir  die  mir  abgenommenen  Briefe 
meiner  Freunde,  einen  nach  dem  anderen  vor,  und  zog  mich 
über  jeden  Ausdruk  zur  Verantwortung.  Ich  erklärte  gleich 
anfangs,  dass  es  mir  sonderbar  schiene,  dass  S.  K,  DurchL  Ver 
antwortung  über  fremde  Ausdrükke  von  mir  fordern  könten; 
da  man  aber  noch  immer  auf  meine  Meinung  drang,  so  erklärte' 
ich  die  bedenklich  geschienenen  Stellen  auf  eine  Art,  der  War- 
heit  und  meinen  Korrespondenten  unbeschadet  gemäss.  (}  des- 
potisches Misstrauen!  wie  klein,  lächerlich  und  grausam  bist 
du  nicht?  in  deinen  schon  verblendeten  Augen  sind  die  kleinsten,' 
unbedeutendsten  Ausdrükke  der  Freundschaft,  und  die  frey© 
Sprache  eines  vorwurfsfreien,  gekränkten  Herzens  \'erbrechen 
und  Beleidigungen.  Man  sol  keinen  andern  Laut  von  sich 
geben,  als  wozu  du  den  Takt  angiebst  —  Gr-ousame  Fordeininj 
der  Übermacht!  Hier  folgen  die  so  bedenklich  gesehiene 
Stellen; 

Aus  Drexels  Briefe. 
»Quoties  voluminum  congregare  pullus  et  nocuit.« 
»Ich  gedenke  mein  Vaterland  sobald  als  möglich    zu  veP 
lassen.     Es   tödet   seine  Proplieten*  —  Ajn   Ende   alinde,   hoffe 
ich,  sind  wir  doch  die  gewinnende  Partie,  w^enn  wir  nur  Rö- 
mer sind.« 

Aus  Boron  Keers  Briefe. 
>lch  habe  meinen  Revers  biedei",  frei,  als  ein  selmldloser 
Mann  eingerichtet;  docli  was  wird  das  alles  helfen?  Es  empört 
nur  die  Elenden.  Das  Salz  des  deutschen  Zuschauers  beist  die 
Herren.  —  Frank,  der  sich  an  der  Familie  zu  wezzen  suchtr 
griesgraml  über  mich.« 

Aus  Schelles  Briefen, 
dessen  Ordensexistenz  ich  nicht  anzugeben  weiss. 

»Bis  den  November  kom  ich  gewiss  zu  Hinen,  machen 
dass  ich  wenigstens  eine  Nacht  mit  Ihnen  schwäzzen  kan.    Ich 
habe  so  viel   und  wichtige  Sachen   mit  Ihnen  auszumachen.  — 
Steigen  ttt  schreibt  mir,  dass  der-  Bischof  von  Freisingen  mi 


—    811     — 

seinen  4  Hauptwinden  nach  München  sei,  und  man  nicht  wisse, 
was  dort  zusammengeblasen  werde.« 

Diese  Stellen  aus  Briefen  meiner  Freunde  machen  mein 
erstes  Verbrechen  aus.  Das  2te  war  einige  Besuche  des  Drexels 
und  Schelles,  die  sie  mir  zu  verschiedenen  Zeiten  machten. 
Der  Herr  Examinator  konte  nicht  fassen,  wie  zwei  Menschen 
ein  paar  Stunden  zusammen  schwäzzen  könten,  ohne  Illuminaten 
zu  sein  und  sich  über  Staatsrevoluzionen  insgeheim  zu  ver- 
schwören; deswegen  fragte  er  auch  ganz  naiv,  was  zwischen 
uns  geredet  worden  wäre?  ich  antwortete  ihm,  dass  Freunde, 
die  sich  liebten,  sich  nicht  genug  sehen  und  nicht  genug  sprechen 
könten;  dass,  so  viel  ich  mich  sonst  erinnerte,  unsere  Gespräche 
scientivischen  Inhaltes  gewesen,  und  wir  uns  auch  ziemlich  über 
die  gegen  uns  herausgekommene  Pasquil  lustig  gemacht  hätten. 
Diese  trokkenen  Antworten  gefielen  meinem  D.  Stauzius  gar 
nicht,  der  den  Kopf  darüber  gewaltig  schüttelte.  Mein  3tes  Ver- 
brechen war,  dass  ich  Drexels  wegen,  der  mich  in  einem  Schreiben 
fragte,  ob  es  nicht  möglich  wäre,  sich  irgendwo  im  Salzburgischen 
bei  einem  Pfarrer  2  Monat  lang  aufzuhalten,  mit  Schelle  korre- 
spondiert, mich  also  des  verbauten  Drexsels  wegen  interessiert 
hätte?  —  Also,  sagte  ich,  ist  es  in  Ihren  Augen  ein  Verbrechen, 
sich  seiner  Freunde  anzunehmen?  Meinem  ärgsten  Feinde, 
wenn  er  in  der  Not  mich  um  etwas  bäte,  wolte  ich  es  ihm 
nicht  abschlagen,  um  destomer  würde  ich  immer  mit  Rat  und 
Tat  denen,  die  ich  liebe,  beistehen.  —  Dies  lehrt  mich  Natur 
und  Pflicht.  Und  sonst  hat  es  ja  der  Kurfürst  selbst  gewolt, 
dass  Drexel  zu  einem  Pfarrer  gehe.  0  Freund,  hier  könte  sich 
mein  ganzes  Blut  empören,  dass  eine  Regierung  mich  zu  einem 
undankbaren,  gefühllosen  Schurken  machen  möchte. 

Doch  weiter  mit  den  lächerlichen  Verbrechen,  die  man  mir 
andichtete.  Das  4te  bestund  darin,  dass  man  noch  2  Reden  und 
ein  Protokol  von  1783  bei  mir  gefunden  hätte,  da  ich  doch,  ver- 
möge meines  eingegebenen  Reverses  alle  Ordenspapiere  hätte 
einsenden  sollen.  Zur  Antwort  zeigte  ich  ihnen  ein  Couvert, 
das  unter  den  mir  abgenommenen  Papieren  auch  da  lag,  worin 
geschrieben  stund,  dass  ich  diese  Papiere  3  Wochen  später  als 
die  Zeit,  wo  ich  diesen  Revers  ausstellte,  überkomen,  da  mir  näm- 
lich Kapfinger  solche,  als  noch  vorgefundene  Papiere  zugeschikt 
hätte.  Umsonst,  sezte  ich  hinzu,  können  Sie  aus  diesen  0.  Papieren 
urteilen,  ob  unsere  Lehre  gefärlich,  und  wir  diese  Verfolgungen 


312 


verdienten:    sie   sollen  sie  nur  mit  Bedacht  genau  durchle^^enj 
dann  urteilen,  wenn  sie  es  könten  und  wollen. 

Dann  schämte  sich  mein  Examinator  nicht,  mir  die  Fi*ag« 
zu  Stelen,  warum  ich  alle  Briefe  meiner  Freunde,  worin  von 
O.  Sachen  die  Hede  wäre,  nicht  eingesendet  hätte?  —  weil, 
sagte  ich  ihm  mit  einem  Blikke,  der  meine  ganze  Verachtung 
beweisen  musste,  weil  S.  K.  Durchl.  unmöglich  fordern  können 
dass  ich  an  meinen  Freunden  zum  Verrater,  und  gegen  alld 
Pflichten  der  Ehre  und  Hechtschaflenheit  hau  dien  solle. 

Endliel»  zu  allerlezt  kam  das  grosse  Corpus  Delicti  zum 
Vorschein,  und  mein  Examinator  diktierte  die  schon  oben  an* 
geführte  Stelle  meines  Briefes  an  Leiden,  und  fragte  mich,  ob 
ich  diese  Stelle  geschrieben  hätte.  Mun  wusste  ich,  woran  ichj 
seie,  denn  bis  diesen  Augenblik  war  ich  immer  der  Meinung» 
mein  mit  Freiheit  und  Warme  au.sgestellter  Revers  hatte  meiner 
Zitation  und  das  \'erhör  veranlasst.  Ich  antwortete,  ich  hätte 
nicht  allein  die  Stelle  sondern  auch  den  ganzen  Brief  geschrieben 
und  w^äre  eben  auch  nicht  sehr  verlegen  darüber.  In  dem 
wahren  innigen  Bewusstsein,  dass  der  Zwek  der  Illuminaten- 
geselschaft  gut,  notw^endig,  auf  die  Wahrheits- Bedürfnisse  der 
Menschen  und  des  Zeitalters  gerichtet  seien,  dass  sie  ihre  Mit- 
glieder nur-  zur  Tugend  und  w^ahren,  notw^endigen  Aufklärung 
aufmuntere,  hätte  ich  natürlich  geschlossen,  dass  das  Resultat 
der  vom  Landesherrn  beorderten  Untersuchung  mit  derselben 
Beendigung  zeigen  werde,  dass  die  den  Illuminalen  angedichteten 
Verbreclien  von  boshaften  dabei  interessirlen  Menschen  erdichtet» 
die  eben  dadurcli  dem  Landesherrn  den  grössten  Nachteil  fü! 
seinen  Ruhm  im  Auslande  zugezogen,  und  sobald  die  Sache 
genauer  zu  untersuchen  sich  die  Mühe  geben  wollte,  diese  Ve^ 
läumder  und  böse  Ratgeber  gewiss  mit  Verachtung  anseheOi 
und  als  solche  behandlen  werde,  Dass  ich  ausserdem  nocli 
diesen  Verla umdern  und  Ansclnvärzern  (jewissensbisse  zu* 
traue,  und  dass  der  innere  Ruf  ihres  Gewissens  uns  nochf 
gewiss  einmal  an  ihnen  räclien  w^erde.  Dies  alles  hätte  mich 
also  leicht  veranlassen  können,  zu  sagen,  dass  das  Vergangene 
noch  einst  den  Feinden  der  Tugend  und  Wahrheit  noch  Wehen 
bereite. 

Wahrend  ich  dies  alles  dictirte,  geriet  mein  Examinatori 
Hizze,   und   sagte:    dies   alles,  was   ich   ihm   da   erzählt   halle, 
schlüge  in  Majestätsverbreehen  ein,  indessen  gieng  es  ihm  gar 
nichts  an,  indem  er  keine  Judikatur  hätte.  — 


-    313    — 

Die  nächste  Frage  war:  die  Vorfälle,  über  welche  sich  Baron 
Leiden  hätte  ver^vundern  sollen,  wären  alle  auf  höchsten  Befel 
geschehen  — -  ich  hätte  also  diese  Vorkerungen  kritisirt?  —  Ich 
antwortete,  dass  dies  mir  nie  in  den  Sinn  gekommen  wäre,  wol 
hätte  sich  aber  Baron  Leiden  und  ich  über  die  erfolgten  Auf- 
tritte verwundern  könen,  da  sie  neu  und  wirklich  unerwartet 
gewesen  wären. 

Nun  kam  eine  verfängliche  Frage:  ob  der  Landesherr 
schuldig  seie,  eine  sich  eigenmächtig  aufgeworfene  Geselschaft, 
wenn  sie  auch  den  besten  Zwek  hätte,  zu  dulden?  —  Ich  ant- 
wortete: der  Landesherr  könne  alles,  was  ihm  nur  gefällig  wäre; 
indessen  hofte  ich,  dass  man  mir  nie  beweisen  würde,  dieses 
Recht  je  bestritten  zu  haben. 

Dies  ist  die  Hauptsache  meines  langen  Verhörs.  Im  ganzen 
bin  ich  mir,  was  mein  Betragen  betrift,  bewusst,  dass  ich  meine 
Rolle  ehrlich  gespielt  habe.  Ich  weiss  wol,  dass  ich  auf  die 
mir  vorgelegte  Fragen  oft  richtiger  und  freier  hätte  antworten 
können,  teils  fanden  sich  aber  bei  der  ruhigsten  Fassung  doch 
nicht  gleich  die  richtigst  und  vollständigsten  Ideen  ein,  die  sich 
erst  nachher  in  meiner  Sele  vermerten,  teils  hielte  mich  der 
Gedanke  auch  öfters  zurük,  dass  ich  durch  einen  höhern  Grad 
von  Wärme  und  Freiheit  andern  rechtschaffenen  Freunden 
hätte  schaden  können;  dies  alles  mit  der  Maxime  vereinbart, 
dass  der  Weise  nicht  sagen  müsse,  was  er  besser  verschweigen 
könte,  legten  mir  den  Finger  auf  den  Mund,  uud  gaben  meiner  / 
Sprache  eine  gelindere  klügere  Modulation,  Endlich  hab  ich 
mir  ein  Ideal  eines  Untertans  gebildet,  welcher  in  seinem  Un- 
schuld und  Vorwurfs  freien  Gewissen  gehüllt,  ohne  zu  kriechen, 
und  auch  ohne  den  schuldigen  Respekt  gegen  seine,  wenn  auch 
ungerechte,  Richter,  zu  verlezzen,  sich  vor  solchen  ruhig  und 
sich  immer  gleich  rechtfertigt.  Diesem  Ideale  habe  ich  zu 
folgen  gesucht,  und  werde  es  noch,  bis  meine  Untertansrolle 
ausgespielt  sein  wird,  von  welchem  Zeitpunkte  ich  nachher 
reden  werde. 

Acht  Tage  nach  meinem  letzten  Verhör  wurde  ich  ins 
Kriegsratskollegium  citirt;  ich  erschien  und  erwartete  nichts 
weniger,  als  Kassation,  welche  auch  ganz  gewiss  erfolgt  wäre, 
hätten  sich  einige  vom  Adel  in  der  Stadt  über  meinen  Prozess 
zu  ärgern,  nicht  angefangen.  Hausler  las  mir  meinen  Sentenz 
vor,  welcher  so  lautet: 


3U 


»Die  voi'cfefundene  Brierschofteii  und  Papiere  halten 
entdeckt,  dass  ich  der  Illum.  Sekte  durch  meinen  Revei's 
nur  in  blosen  Worten  nicht  aber  im  Werk  entsagt  hätte, 
viehiiehr  durch  geheimen  Briefwechsel,  unter  dem  Vorwand, 
diiss  dadurch  Tugend  und  Aufklärung  erzielt  würden,  die 
Illumination  fortzusezzen  gesucht  Um  nun  mich  nase- 
weisen Philosophen  und  IHuminoten  von  einer  so  ver- 
fürerischen  Sekte,  von  der  man  weder  an  mir,  noch  an 
meinen  Mithrüdern  die  vorgespiegelte  Verbesserung  der 
Sitten  und  Aufklärung  des  Verstandes  wahrneme,  auf  den 
rechten  Weg  der  Tugend  und  Aufklarung  zu  bringen,  solle 
ich  auf  unbestimte  Zeit  in  das  hiesige  Franziskaner- 
kloster überbracht,  um  dort  in  der  kristkatolischen  Sitten- 
&  Glaubenslehre  unterrichtet  zu  werden.« 


Ich  versezte  nur,  dass  ich  die  Gesezze  der  Subordination 
wüsste;  sonst  nichts,  und  gieng  ganz  gelassen  und  ruhig  mit 
dem  Plnzhouptmann,  dem  ich  meinen  Degen  behandigte,  in  den 
ArresL 

Der  R  Guardian  cmptieng  mich  ganz  höflich  und  wiese  mir 
eine  Zelle  an.  Das  erste,  w^as  sich  darin  meinen  Augen  darbot, 
w^ar  des  P.  Merz  und  Schönbergs  Schriften,  die  seitwärts  in 
einem  Bücherschranke  lagen.  Sie  solten  meine  Lektüre  aus- 
machen: dies  war'  wirklich  erkünstelte  Bestrafung  meiner 
Bichter.  Bald  darauf  kam  der  P.  Lektor,  dann  der  Provinzial 
und  wolten  mir  Trost  einsprechen.  —  Ich  versezzle,  dass  sie 
in  Bälde  sehen  würden,  dass  ich  keines  bedürfe,  indem  es  mir 
ser  w^ohl  zu  Mute  wäre.  Der  P.  Lektor  versicherte  mich  des 
anderen  Tages,  dass  er  gewiss  an  keinen  Religionsunterricht 
dächte,  und  dass  mir  ihre  ganze  Bibliothek  offen  stünde.  Bald 
darauf  wurde  ich  mit  diesen  Mönchen  vertraulicher,  und  sie  be-* 
zeugten  mir  die  grösste  Achtung. 

Sonst  bin  ich  ruhig  und  froh,  und  warum  solte  ich  es  nicht 
sein?  hier  sind  ja  auch  Geschöpfe  —  Menschen,  mit  denen  ich 
simpatisircn  kan;  man  versezze  mich,  wohin  man  wil,  in  der 
Sandwüste  Libiens,  oder  im  kalten  Siberien,  und  ich  wil  Narung 
für  meine  Gefühle  finden:  und  sonst,  wenn  man  den  Mönch  von 
den  Schlakken  und  Dunst,  womit  Erziehungsvorurteil  und  sein 
Stand  ihn  umnebeh,  reinigen  kon,  so  tindet  man  auch  unter 
der  Kutte  gefühlvolle,  und,  was  mir  zwekmäsiger  ist  —  leidend^ 
Herzen. 


—     315     — 


Ich  sehe  mich  wie  einen  Missionär  an,  den  der  ( ).  irgendwo 
in  unwirtbare,  barbarische  Länder  versezt  hat  —  ich  predige  nun 
den  Mönchen  unsere  Lehre.  Meine  Lebensart  (denn  ich  esse 
weiter  nichts,  als  eine  Kierspeise  zu  Mittag  und  früh  und  abends 
trinke  ich  kalte  Milch)  meine  Ruhe  und  Heiterkeit,  alles,  was  icli 

Isage  und  lue,  ist  den  guten  Patern  neu  und  paradox;  sie  fangen 
ßchon  an,  in  der  Stadt  die  llhiminaten  zu  verteidigen,  und  w^enn 
es  noch  lange  so  währt,  so  bin  icli  im  Stande,  Ihnen  das  ganze 
Kloster  zuzuführen. 

H  So  steht  es  bisher.     Izt,  was  ich  zu  tun  willens  bin.     Ich 

denke  den  Zeitpunkt  alizuwarten,    bis  es  meinen   Richtern  ge- 

t falle,  mir  meine  Freiheit  wieder  zu  schenken,  dann  will  ich,  wie 
es  die  Militärordnung  mit  sich  bringt,  dem  F^egiment  eine  Schrift 
leinreiclien,  worin  ich  sagen  werde,  dass  ich  überzeugt  wäre, 
mich  durchgehends  als  einen  folgsamen  Untertanen  bewiesen 
zu  haben,  dass  nun  meine  Rolle  ausgespielt  wäre,  und  dass  ich 
Kum  die  Erlaubniss  bäte,  zu  quittiren:  welches  ich  ihnen,  der 
Sache  und  mir  schuldig  bin.  Ich  erwarte  sehnlichst  ihre  Ant- 
wort über  dos  Ganze,  und  ob  Sie  mit  rnir  und  meiner  gehabten 
Auffürung  zufrieden  sind,  auch  ob,  wenn  icli  das  Kloster  ver- 
lasse, irgendwo  in  der  Ferne  nebst  einem  Zimmer,  täglich 
eine  Milch-  und  Eierspeise  umsonst  bekommen  könte,  denn 
ich  kan  kein  Handwerk  und  habe  auch  kein  Geld.     Leben  Sie 

Iwol,  und  halten  Sie  mich  noch  immer  wert,  mich  Ihren  Schüler 
zu  nennen,  J.  Meggenhofen. 

Meggenhofen    führte    nach    seiner    Entlassung    aus    dem 
Kloster  seinen   Entschluss   aus.     Er   erbat   und   erhielt  seinen 
Abschied.     Leider  endete  das  Leben   des  noch  jungen  Mannes 
_  am  26.   Oktober    1790    tragisch.     Bei    einer   Übeifahrt   an    einer 
^ reissenden  Stelle  des  Inn    schlug    das  Boot   um    und  Meggen- 
hofen ertiTiok;  sein  Leichnam  wurde  nicht   sogleich  gefunden. 
Ein  w^ürdiger  Vertreter  des  Pfaffentums  behauptete  infolgedessen, 
dass  der  junge  Mann  als  ehemaliger  llluminat  gleich  mit  Seele 
Hund  Leib  zur  Hölle  gefahren  sei.    Das  Auffinden  der  Leiche  am 
10.  Januar  1791   machte  dieser  menschenfreundlichen,  priester- 
liehen  Aussage  jedoch  ein  Ende. 

■  Durch   den   bereits  geschilderten  Tod  des  Priesters  Lanz, 

■  der  in   der  Broschüre  >Volksaufkläi'ung<t  (s*  S.  3  die  Fussnole) 
Bnicht    ohne   Absicht    ausdrücklich    als   Protestant    bezeichnet 

^ ^ i^ 


—     316     — 

wird,  trotzdem  er  Katliolik  wor,  war  es  möglich,  die  bei  ilim 
gefundene  Namensliste  nun  mit  der  von  Cossondey  und  Renner 
ongetertiglen  zu  vergleiclien.  Es  ging  aus  derselben  hervor,  dass 
die  lUuniinoten  noch  existierten  und  es  erfolgte  ein  drittes  Vev 
bot,  dem  dann  später  das  bereits  bei  Besprechung  des  Falles 
Bossus  bekannt  gegebene,  in  späteren  Jahren  möglichst  totge- 
schwiegene Todesverbot,  als  viertes  folgte. 
Dieses  dritte  Verbot  lautet: 

HochlandesherrHche  Verordnung 

vom  16.  August  1785  ein   tdle  kurtür'stlichen  Collegia   in   Betreff 

d^'^'Freimaurer  und  lUuminaten. 

Man  weiss  höchster  Orten  ganz  gewiss  und  veriössig,  das* 
die  Freimaurer  und  lüuminaten  ihr  schädliches  Handwerk 
durch  Zusammenkünfte,  CoUecten  und  Anwerbungen  neuer  Mit- 
glieder gegen  wiederholt  landesherrliches  Verbot  noch  immer 
forttreiben  und  sogai-  in  den  Justiz  und  anderen  Collegien»  wo 
solche  am  w^enigsten  Eingang  Hnden  sollten,  sich  soweit  ver- 
breiten, duss  sie  in  einigen  derselben  schon  die  Oberhand  und 
Mehrheit  der  Stimmen  erreicht  haben.*) 


•)  Dieser  belieble  und  später  nachgeschwaUte  Vorwurf  wird  völlig  enl- 
krauet  durch  eine  Naraensaufslellung  der  in  Frage  kommenden  Beamten 
duH^ti  Graf  Constanzo,  Original  aus  dem  Zwackhsehen  Naclilass  im  Besitz  des 
Autors, 

Verzeichnuss. 
In  der  Obern  Landes  Regierung  unter  15  Käthen  ein  einziger,  Graf  Seins* 

heim,  Viceprasident. 
In  dem  Revisions  Gericht   unter   13  drey:   von  Werner;   von   Berger;  Graf 

Lüdron  jun. 
Im  Hofrath    unter   38    n^yn:    Bar.   Montjellaz;    Bar.  Erdt;    Br.   Gumpenherg; 

V.    Peltenkofer;   v.   Keatler;   Graf  Sa%'ioli;   v.   Zwackh;   Grf»  v.   Seefeld  jun.: 

w  Eckartshausen. 
In  der  Hofkammer   unter  54    drey:  Graf  Conslanzo;   v.  Zwackh;  v.  Massen* 

hauser  jun. 
Im  geistlichen  Bath  unter  13  zwey:  v.  Haesselein,  Viceprasident;  \%  Petteit- 

k  0  f  e  r. 
Im  ComerzienCollegio  unter  9  drey:  Graf  Savioli;  v,  Zwackh;  v*  Troponegro. 
Bey  der  Begierung  Landshul  unter  22  Keiner. 

Bey  der  Regierung  Straubing  unter  21  /woy:  von  Jung;  von  Rieth* 
Bey  der  Regierung  Bui'j^hau.seii  unter  23  einer:  Freiherr  v.  Armensperg  Jun. 
Bey  der   Regierung  Amberg  unter  3a   vier:  Grf.   Höllenstein,   Statthalter; 

Frh.  V.  Löwenthal;  Grf.  Hollenstein  jun.;  v.  Grafenstein. 


I 


—    317     — 

Gleichwie  ober  S,  K.  D.  aufilii-er  hierin  ergangenen  Genernl- 
rerordnung  ganz  unbeweglicli  bestehen,  sofVnl  solche  nirgend 
nit  grösserer  Genauigkeit  als  bei  ihren  CoUegien  und  Gesetz 
^ewahrern  gehorsamst  befolgt   wissen  wollen,  so  ergehet  auch 

("eriTiit  der  weitere,  ernsthafteste  Befehl,  dass  sich 
il.  Alle  und  jede  dieser  Sect  noch  anhangende  Vorstände  und 
Mitglieder  der  Collegien  längst  in  8  Tagen  von  Zeit  der  iit 

Iplena  Sessione  beschehenen  Publikalion  schriftlich,  und 
zwar  die  \'orstände  unmittelbar  bei  der  höchsten  Stelle, 
die  andere  Mitglieder  aber  entweder  ebenfalls  alldort  oder 
bei  ihrem  Vorstand  sich  angeben  und  manifestieren  sollen, 
mit  der  Erklärung,  dass  sie  von  dieser  Sect  gänzlich  ab- 
stehen, sohin  wieder  ihre  Winkel-Conventicula  mehr  be- 
suchen noch  andere  dazu  verleiten  und  anwerben  oder  da- 
hin contribuiren,  viel  weniger  sich  bei  auswärtigen  Logen 
engegieren  wollen  und  werden. 

Wer  sich  nun 

2,  von  den  noch  existierenden  Freimaurern  und  llluminaten 
dem  Kurfürstl.  Befehl  in  allem  gehorsamst  submittieren, 
sofort  die  anvcrlangte  Manifestation  und  Erklärung  inner 
dem  gesetzten  peremptorischen  Termin  abgeben  und  seinen 
begangenen  Fehllrilt  bereuen  wird,  dem  wird  man  solchen 

Iauch  vergeben  und  die  verdiente  Strafe  nachlassen. 
Jene  hingegen,  welche 
3.  das  General*Mandat  weiter  übertreten,  keine  vollständige 
Parition    leisten    oder    obigen    Termin    ohne    verstandene 
Manifestation   und  Erklärung  verstreichen  lassen  und  erst 

inach  der  Hand  entdeckt  würden,  sollen  nicht  nur  ipso 
facto  cassiert  sein,  sondern  auch  mit  eigiebiger  Geld-  oder 
anderer  emptindlicher  Strafe  belegt,  die  Denuncianten  aber 
recompensiert  und  geheim  gehalten  werden* 

Mit  dem  letzten  Hinweis  hatte  die  Regierung  den  klög- 
ichsten  Weg  wiederum  beti'eten,  der  nur  möglieh  ist,  und  sie 
lat  ihn  auch  weiterhin  bei  weiteren  \'erordnungen  nicht  ver- 
assen,  nämlich  einem  gehässigen  Denunziantentum  alle  Toi*e 
:u  öffnen.  In  ausgiebigster  Weise  ist  davon  Gebrauch  gemacht 
vorden. 

Im  Auslande  riefen  diese  Verordnungen  natürlich  Aufsehen 


m 


—     318     — 

und  Entrüstung,  aber  auch  Spott  hervor.  Ein  Beispiel  dieser 
Wirlvung  ist  in  einem  Briete  des  bekannten  Geologen  und 
Mineralogen  Ignaz  v.  Born  in  Wien  bewahrt  worden,  der  in 
demselben  seiner  satyrischen  Ader  Belderbusch  gegenüber  herz- 
litift  freien  Lauf  lässt.  Dieser  Brief,  seinerzeit  im  Deutschen 
Zuschauer  veröflentliclit,  verdient  hier  wieder  bekannt  gegeben 
zu  werden. 

Derselbe  lautet: 

An  des  Freih.  von  Kreitmaier  Exzellenz. 
Hochwolgeborener  Freiherr! 

Sobald  durcli  die  im  Namen  Ihres  gnädigsten  KurfürstelT 
ausgefertigte  Verordnung  kund  gemacht  worden,  dass  jeder* 
mann,  der  zu  einem  Kurfl.  Kollegio  in  Bayern  gehört,  sich 
manifestiren  solle,  ob  er  Freimaurer  sei,  oder  nicht;  erklärte 
ich  dem  Präsidenten  der  Kurfl.  Akademie  der  Wissenschaften 
zu  München,  dass  ich  Frcyrnaurer  sei,  und  bat  ihn,  meinen 
Namen  aus  dem  X'erzeichnis  der  Mitgliedei-  der  Akademie,  in 
die  ich  vor  8  oder  0  Jahren  aufgenommen  wurde.  Öffentlich  aus- 
streichen zu  lassen,  um  mich  dadurch  aller  Jurisdiction  zu  ent- 
ziehen, die  man  sich  etwa  in  Baiern  über  mich  als  Akademiker 
und  Freimaurer  erlauben  dürfte. 

Eure  H\\\  Namen  ist  mir  aus  den  Baierischen  Verordnungen 
gegen  die  Freimaurer,  und  aus  den  Winkopischen  Schriften, 
die  in  unserem  helldenkenden  Oesterreicli  jeder  lesen  darf, 
ohne  als  ein  Statsverbrecher  angesehen  zu  werden,  bekannt 
geworden,  und  ich  weiss  nun  auch,  dass  Euer  Hochwl  in  dem 
löblichen  Freimaurerinquisitionsgerichte  zu  München  den  Vorsiz 
haben.  Ich  glaube  also  meinen  Zwek  nicht  zu  veifelen,  wenn 
ich  mich  gerade  an  Sie  mit  der  Bitte  wende,  der  Kurfür^th  Aka- 
demie zu  befeien,  dass  sie  meinem  Ansuchen,  so  bald  möglich, 
vvilfare. 

Euer  Hochw.  haben  aus  einem  rühmlichen  Eifer  für  das 
Heil  und  die  F.hre  ihres  Vaterlandes  Mittel  und  Wege  gefunden, 
rnerere  der  vernünftigsten  und  aufgeklärtesten  Männer  von 
München  und  von  Baiern  zu  entfernen,  und  andere  um  Amt 
und  Pfründe  zu  bringen!  Wie  konten  Sie  wol  Anstand  nemen, 
dem  Namen  eines  unbekannten  Fremden  eben  diesen  Liebes- 
dienst zu  eiAveisen?  besonders,  da  ich  Ihnen  offenherzig  ge- 
stehe, dass  ich  es  nicht  bereue  Freimaurei"  zu  sein.    Zu  diesem 


—     319     — 

Ihre  und  des  Hochw.  R  Franks  Ohren  vei'mutlich  höchst  be- 
leidigenden Bekenntnisse  sezze  ich  mit  der  mir  eigenen  Frei- 
mütigkeit noch  hinzu:  dass  ich  Zaupsers  Gedichte  üher  die 
Inquisizion  für  eins  der  schönsten  Produkte  des  Boierischen 
X'erstandes  ansehe,  dass  ich  alle  Kezzergerichte  für  unmensch- 
liclie  Kanibalengericht  halte,  dass  ich  Bayles  Dikzionar  Heissig 
gelesen  habe,  und  selbst  besizze,  dass  ich  Zabuesniks  kiistliches 
oder  kri.stlich  sein  sollendes  Buch  für  ein  höchst  albernes  Ge- 
schmiere ansehe,  dass  ich  alle  gute  Bücher  lese,  dass  ich  ein 
.erklärter  Feind  unwissender  MÖnclje  seie,  sie  als  die  Pest  des 
menschlichen  Verstandes  ansehe,  denen  man  nie  Ausschliessungs- 
weise  die  Erziehung  der  Jugend  anvertrauen  solle,  dass  ich 
Jesuitismus  und  Fanatismus  für  gleiclibedeutende  Wörter  mit 
Schalkheit  und  Unwissenheit,  Aberglauben  und  Dummheil  gelten 
lasse;  kurz,  dass  meine  Denkart  jener,  die  man  in  Baiern  haben 
sol,  gerode  entgegengesezt  sei. 

Euer  Hochw:  werden  aus  allem  diesen  schliesen  können, 
was  für  einen  wichtigen  Dienst  Sie  ihrem  Vnterlande  und  mir 
leisten,  wenn  Sie  mich  von  aller  Verbindung  mit  Baiern  durch 
die  Befriedigung  meines  Wunsches,  und  die  Erfüllung  meines 
Gesuches  losreisen.  In  welchem  Falle  ich  mir  von  Ilirer  Wil- 
farigkeit  baldige  Nachricht,  allenfals  auch  nur  durch  Ihren 
würdigen  Sekretair  Hr.  Dummhof  (Plenissimo  titulo)  erbitte. 

Solte  aber  dieses,  mein  wiederholtes  Gesuch  unbeantwortet 
bleiben,  so  werde  ich  gewiss  Wege  finden,  mich  unmittelbar 
an  S.  K.  Gnaden  wenden  zu  können,  von  dessen  Gnede  und 
Gerechtigkeit  ich  mir  sichere  Gewährung  meiner  Bitte  ver- 
sehen darf. 

Ich  bin  mit  aller  dei*  Hochachtung,  die  Ihrem  Amte  ge- 
bührt, 

Wien,  den  9.  Xber  Born, 

1785. 


Als  Gegenstück  zu  diesem  Briefe  geben  wir  einen  ebenfalls  in 
derselben  Zeitschrift  bewahrten  Brief  eines  Erzpfaffen  bekannt, 
aus  dem  die  ganze  niedrige  Gesinnungsart  mancher  damaligen 
Pfaffen  spricht. 

Ob  derartiges  wohl  auch  heute  noch  möglich  ist?  —  Man 
geniesse  ohne  jeden  weiteren  Kommentar  das  nachfolgende  Ge- 
schreibsel: 


—     320 


An  den  Bayerischen  General  Baron  Belderbusch. 

Mit  einem  Exemplar  von  P.  Fasts  katholischen  Unterricht 

Hochgebohrner  Reichsfreyherr 

Gnädiger  Herr! 

Euer  Exzellenz. 

Die  mit  der  Aufklarung  zu  Wien  in  bestfindigem  KampT 
liegende  und  unter  dem  Joch  der  Vernunft  fast  erliegende  Kirch 
Gottes,  und  das,  obsebon  kleine,  Häuflein  der  ächten  katho- 
lischen Gläubigen  freute  sich  mil  mir  wegen  des  weisen  und 
erleuchteten  Ausspruchs  Eurer  Exzellenz»  und  des  seiner  An- 
dacht wegen  von  jeher  hochgelobten  Bayerischen  Hofkriegsratiis, 
über  den  naseweisen  Philosophen  Meggenbofen,  der  von  Rechts- 
w:egen  zur  Abbüssung  seines  Frevels  und  zur  Erspiegelung  aller 
Bayern  in  ein  Mönchskloster  verui-theilt  worden  ist,  weil  er 
sich  nicht  schämte,  die  heidnischen  Bücher  eines  Cicero  Salustius 
und  Livius  öffentlich  in  seiner  Bibliothek  aufzustellen,  und,  was 
noch  ärger  ist,  sogar  zu  lesen.  Rechte  so,  Euer  Exzellenz! 
Compello  eos  intrare!  Hinein  in  das  Franziskanerkloster  mit 
diesen  naseweisen  Philosophen,  die  nicht  glauben  wollen,  was 
P,  Frank,  R  Merz  und  meine  Wenigkeit  lehren;  und  wenn  etwa 
zu  der  Bekehrung  dieses  Philosophen  die  Argumente  der  hoch* 
gelehrten  P.  P.  Franciscanorum  nicht  zureichen,  so  nehmen  sie 
die  Ruthe,  mit  der  einst  ein  Engel  einem  lateinisclien  Kii-chen- 
vater  den  H^t— n  durchgerbte,  zur  Hilfe,  und  lassen  sie  ihm 
auf  jeden  Hieb  ein  paar  mal  ins  Ohr  rufen:  Ciceronianus  es 
non  ChristianusI 

Da    mir   als   einem   geisilichen   Hirten    an  dem  Seelenheil 
dieses   verirrten    Schäfieins    nicht   weniger   als    llochderoselben     I 
gelegen  seyn  muss,  so  nehme  ich  mir  die  Freyheit,  Euer  Exzellenz   I 
hier  zugleicli  ein  Exemplar  meines  katholischen  Unterrichts  in 
aller  Demuth  zu  übersenden,  der,  ohne  Ruhm  zu  melden,  denen    , 
berühmten  Zabuesnikischen  Werken  an  die  Seite  gesetzt  wei*den    l 
kann,  und  vielleicht  die  Bekehrung  dieses  bestias  damnati  Frey- 
geistes   nicht    wenig   befördern    dürftel    wirkt  es,  und  bringt  es 
die  gewünschten  Früctile  iiervor,  so  offerire  ich  einige  tausend 
Exemplare    für    die    Bayerische,   unter  Hochdero   allein    seelig- 
macliendem  Kommando  stehende  Armee.    Diese  geistliche  Leck- 
türe wird  gewiss  eine  bessere  Wirkung  liervorbringen,  als  der 
heidnische  Polvbius,    der  den  Ofhziereri    der  K.  K.  Armee   vor 
einigen  Jahren   gratis   ausgetheilet  worden;   denn  es  stehet  ge- 


schrieben:    et    portae   inferi    iion   praevalebunt    adversus   eam; 
"wenn  also  der  leidige  Solanas  so  einer  Armee  nicht  mal  was 

raben  kann,  wie  sollte  es  dann  der  weltliche  Arm? 
In  hoc  Signo  vinces  —  Sollte  aber  auch  aus  besonderer 
gottlicher  Zulassung;  ungeachtet  meines  katholischen  Unterrichts, 
die  Armee  in  diesem  zeitlichen  Leben  unterliegen  müssen,  so 
ist  sie  wenigstens  für  das  bessere  Leben  mit  dem  undurchdring- 
lichen Schilde  des  Glaubens  gepanzert;  und  was  ist  wohl  ein 
zeitlicher  Sieg  gegen  den  ewigen? 

Im  Vertrauen  gesagt,  Euer  Exzellenz!  wir  ächte  Katholiken 
müssen  zusammenhalten.  Meinen  katholischen  Unterricht  will 
in  dem  halbketzerischen  Wien  kein  Mensch  kaufen;  die  Druek- 
kosten  liegen  mir  schwer  auf  dem  Herzen;  ein  Befehl  von  Euer 
Exzellenz  an  Ihre  Ai'mee,  die  nach  der  Anzahl  der  Generale 
und  Oftiziere  wenigstens  aus  100000  Mann  bestehen  muss»  hilft 
mir  von  meinem  ganzen  Verlage,  wenn  nur  bey  jeder  Compagnie 
ein  Exemplar  —  das  ich  für  einen  Batzen  liefere  —  abgenommen 
wii-d.  P.  Frank  wird  sein  Plocet  zu  diesem  Befelil  gewiss  geben, 
wenn  ihm  Euer  Exzellenz  nur  im  vorbeygehn  merken  lassen, 
dass  ich  von  den  P.  P.  .lesuiten  auch  in  ihre  Geheimnisse  ein 
geweihet  worden  sey,  und  etwas  von  der  gewissen  Schatulle,  die 
er  aufbewahret,  wisse.     Sapienti  sat. 

tFür  die  Frau  Kreitmaier,  der  ich  meinen  Handkuss  abzu- 
en  bitte,  und  für  noch  eine  Dame,  die  Euer  Exzellenz  auch 
kennen,  wird  ein  sauber  gebundenes  Exemplar,  und  extra  noch 
ein  Pötscher  Bildet,  das  für  Hieb  und  Stich  bewahret,  für  Euer 
Exzellenz  nachfolgen, 

Bitte  Euer  Exzellenz  woUens  mir  nicht  ungnädig  aus- 
legen.  Ich  habe  eine  wehre  Herzensfreude  mit  einem  so  an- 
dächtigen Generalen  in  Bekanntschaft  zu  kommen,  der  würdig 
wäre,  einst  Gross  Inquisitor  in  Madrid  oder  Lissabon  zu  wei'den. 
Ich  empfehle  mich  in  des  Herrn  Generalen  Gebeth,  und 
bin  mit  wahrer  christlicher  Demuth  Euer  Exzellenz 
B  in  Christo  ei^gebener 

*Wien  den  lOten  October  P.  Fast. 

1785.  Chormeisler  zu  St.  Stephan, 


Das  dritte  Verbot*)  kann  als  ein  Vorläufer  der  direkten,  d.  h, 
persönlichen    Verfolgung    des    Kurfürsten     angeselien    w^erden. 


*)  Original  rm  Preuss.  Staatsarchiv  in  Berlin. 
£Dg«l,  0«whlcht«  dt«  Utamiiiktfloordmitt. 


21 


—     322     — 


Bfild  nach  diesem  wurden  die  ersten  Opfer  bekannt,  die  auf 
Befehl  Cnrl  Theodors  in  aussergerichtliche  Verhöre  vervvickell 
wurden  und  trotzdem  der  Bestrafung  entgegengingen. 

Der  Stadtoberrichter  Fischer  zu  Ingoistödt  wurde  zuerst 
seines  Amtes  entsetzt  und  mit  seiner  Familie  einfach  dem 
Elende  preisgegeben.  Als  sein  Kollege,  der  Stadtrat  von  Dilling, 
einigen  Bekannten  gegenüber  sein  Mitleid  darüber  äusserte, 
wurden  dessen  Worte  sofort  dem  Kuifürsten  h inierbracht,  und 
er  beorderte  den  Stadtmagistrat  von  Delling,  diesen  ohnehin 
sehr  renommierten  Freigeist  und  Illuininaten,  zur  Verantwortung 
zu  ziehen.  Als  Hauptverbrechen  gibt  der  Befehl  (den  der 
preussische  Gesandle  v.  Schworzenau  sogar  abschriftlich  dem 
König  von  Preussen  als  ein  Beweis  der  Nichtigkeit  solchen 
Verfahrens  einsandte)  an,  dass  verschiedene  Winkoppische 
Druckscliriften  bei  ihm  eingelaufen  und  aus  seiner  Hand  in 
andere  Hände  gegangen  wären. 

Im  Verhör  sagte  von  Delling  aus»  er  habe  nur  gesagt,  dass 
es  ihm  unbegreiflich  sei,  dass  ein  ihm  zwei  Jahre  lang  bekannter 
Mann,  dessen  Charakter  ihm  sehr  schätzbar  geworden,  nunmehr 
Verbrechen  habe  begehen  können,  die  den  Kurfürsten  veran- 
hissen,  ihn  mit  Weib  und  Kind  unerwartet  und  schnell  brotlos 
zu  machen,  dass  die  Ursachen  zurzeit  noch  dem  Publikum 
unbekannt  sein  müssten.  Bezüglich  der  Drucksachen  gestellt 
er,  den  Winkoppischen  Deutschen  Zuschauer*)  gekauft  und  ge- 
lesen zu  haben,  es  sei  ihm  nicht  eine  Verordnung  bekannt,  die 
die  BeschütTung  und  Lesung  dieses  Journals  verbiete,  noch 
weniger  könne  man  aus  dem  Besitz  desgelben  schhessen,  er 
billige  alles,  was  die  Schrift  entliölt,  er  werde  es  ferner  aber 
weder  kommen  lassen,  noch  lesen. 

Am  24.  Augusl  1785  kam  von  Serenissimi  das  Urteil  über 
von  Delling.  Dasselbe  ist  ein  bleibendes  Zeugnis  der  Despotie 
jener  Zeit  und  lautete  auf:  —  sctiarfen  Verweis,  dreitägigen 
engen  Arrest,  Kassation  unter  Bedrohung  einer  noch  weit 
emptindJicheren  Strafe,  wenn  er  sich  weiter  mit  respekl widrigen 
Reden  oder  mit  Reischatfung,  Bewahr  oder  Veibreilung  ve^ 
botener  Scliriften  betreten  lassen  würde.  Wegen  des  auf  sich 
geladenen  Verdachtes  sind  von  Zeit  zu  Zeit  unversehene  Vish, 
tationen  vorzunehmen.  —  — 


•)  Dass   dieses  Blatt,   aus   dem    wir   die   vorhergegangenen  Briefe  eo^ 
nahmen,  dem  Kurfürsten  wegen  seiner  offenen  Rede  besonders  verhasst  wsf^ 

ist  begreiflich. 


—    323     - 


Wahrscheinlich    infolge    Versuche    einiger    Freunde,    die 
Kassation  aufzuheben,  wurde  vom  Kurturslen  am  17.  September 

re  Behelligung  mit  Vorstellung  oder  Fü!'bitte  verbeten. 
Nach    dieser  Probe   willküi-liclisten   Verfahrens    kann    das 
Weitere  nun  nicht  mehr  verwundern. 

Die  Grafen  Savioli  und  Constanzo  wurden  ab  officio  im 
August  suspensiert  und  in\'erhöre  venvickell;  letzterer  auch  über 
den  Zweck  seiner  Berliner  Reise  vernommen;  beide  dann  unter 
Belassung  einer  Penston  von  800  und  400  Gulden  nach  Italien 
ausgewiesen.  Der  junge  Hofrat  Graf  Montgelas  mit  Ordensnamen 
Musäus,  der  denunziert  worden  war,  das  Illumioatensiegel  auf- 
zubewahren, wurde  aufgefordert,  dasselbe  abzuliefern. 
K  Es  war  behauptet  worden,  dass  dieses  Siegel  ein  Schiff 
^nit  der  Sonne  darstelle  und  die  Aufschrift:  Tempestatibus  ob- 
stat trage.  Montgelas  schrieb  am  20.  September  dem  Kurfürsten, 
dass  ihm  ein  solches  Siegel  gänzlich  unbekannt  sei,  die  Behaup- 
tung, dass  ein  solches  in  seinen  Händen,  wäre  ein  verleumde- 
risches Vergehen,  und  er  bitte,  gegen  seinen  Kläger  den  Üechts- 
t^  eröffnen  zu  dürfen. 
Montgelas  hatte  nicht  gelogen,  wenn  er  sagte,  solches  Siegel 
i  ihm  unbekannt,  denn  dasselbe  zeigt  zwar  die  Sonne,  die 
jedoch  ein  blühendes  Koi'nfeld  bescheint,  vor  demselben  stand 
unter  einem  Baum  ein  angebundenes  Pfei'd,  das  diese  Saat  be- 
trachtet, aber  nicht  zu  ihr  gelangen  kann.  Eine  Inschrift  hat 
das  Siegel  nicht.  Das  Pferd  soll  das  Volk  bedeuten,  resp.  die 
■afesselte  Kraft  und  Sehnsucht  nach  Freiheit.  Dieses  Siegel 
war  nach  Bekanntgal)e  des  Verbotes  verschwunden,  ist  jedoch 
gerettet  worden  und  nunmehr  im  i  »rdensarchiv  zu  Dresden,  -- 
Montgelas  behielt  seine  amtliche  Stellung  zwar  trotz  aller  Ver- 
dächtigungen, wurde  jedoch  wenig  befnrdei'l  und  suchte  sich 
deswegen  zu  vei-bessern.  Er  wurde  laut  Drekret  vom  29.  April 
1787  am  Zweibi'ückisclien  Hof  dui'ch  Carl  IL,  Pfalzgrafen  bei 
Rhein  angestellt  und  ist  dann  später  berufen  gewesen,  Bayern 
nach  dem  Tode  des  Kuifürsten,  unter  dessen  Nachfolger,  als 
erster  Minister  zu  regieren  und  den  Grund  zu  dessen  jetziger 
Stellung  im  Deutschen  Reiche  zu  legen. 
K  Der  Kuifürst  Carl  Theodor  hatte  vergebens  sich  der  An- 
stellung bei  dem  von  ihm  gefürchteten  Hofe  widersetzt,  er  wdllte 
den  llluminaten  nicht  als  Bei-ater  seines  Nachfolgers  wissen, 
immerhin  ist  es  aber  dieser  Einfluss  gewesen,  dass  Montgelas 
in  seinem  Treueide  nachfolgenden  Passus  beschwören  musste:« 

21* 


—  ^  —  (ihr  werdet)  eure  mit  denen  Illuminaten  gehabte 
Verbindung  gänzlicli  verlassen,  zu  derselben  Erlialtung  oder 
Beförderung  das  geringste  nicht  beitragen,  auch  Euch  alles  da- 
hin einschlägigen  Umgangs  und  Briefwechsels  enthalten  und 
überhaupt  Euch  so  betragen,  wie  es  einem  treuen  Diener  eignet 
und  gebührt. 


SigÜlum  des  lUumiiialeüordens. 


Weitere  Entlassungen  aus  ihrem  Amte  betraf  die  Schulräte' 
Fronhofer,  Bucher,  Socher,  dann  den  Vicescbulinspektor  Augustin 
Sedlmair    Verschiedene  Geistliche  wurden  auf  ihre  Pfarren  verJ 
wiesen  und  duiften   sie  nicljt  verlassen.     In  Ingolstadt  wurden 
der  Repetitor  Duschel    und    der  Bibliothekar  Drexl    in    strenge^ 
Untersuchung  gezogen,  die  Professoren  Krennei*  und  Semer 
Illuminaten  erkannt  und  offiziell  venvarnt,  wofern  sie  sich  ni' 


-    325     — 

,    drohe    ihnen    das    Schicksal   Weishaupts.      Mehrere 
Studierende  wurden  relegiert. 

GlaulH  man  nun,  die  Universität  Ingolstadt  sei  ein  be- 
sonderer Hort  des  t  »rdens  gewesen,  so  ist  solche  Annahme  irrig, 
Tiäenn  ausser  den  Genannten  ist  das  Register  der  wirklichen 
Illuminaten  erschöpft,  wenn  noch  der  Repetitor  Hübner,  der 
Aktuar  Bauer  und  von  Studierenden  Baron  Bartels,  Frauenberg, 
Danzer  genannt  wei^den.  Einige  Studenten,  deren  Namen  unbe- 
kannt geblieben,  sind  vielleicht  noch  hinzuzuzäliien.  —  Es  ist 
aus  dieser  kleinen  Anzahl  zu  erkennen,  dass  die  Anwesenheit 
der  Illuminaten  die  Universität  keineswegs  entarten  konnte,  wie 
der  Papst  meinte;  wie  aber  soll  man  den  nach  der  Verfolgung 
des  Ordens  entstandenen  Zustand  der  Universität  nennen,  den 
PrantI  in  seiner  bereits  oft  angezogenen  Geschichte  der  Uni- 
versität auf  Seite  638  mit  folgenden  Worten  schildert?  » —  aber 
anderseits  liegt  ein  zweiter  mittelbarer  Berührungspunkt  in  der 
Strömung,  welche  seitens  der  Regierung  bei  Aufhebung  des 
Ordens  und  Verfolgung  der  Mitglieder  desselben  eintrat,  denn 
von  da  an  waren  die  finsteren  Mächte  überhaupt  entfesselt  und 
jeder  bessere  Universitäts-Lehrer  schwebte  in  der  Gefahr,  auf 
die  niedrigste  Denuncialion   hin   als  IlUiminat  schw^ere  Leiden 

■  Oiltrezepte  der  Illnmiiiaten  nnd  ein  berüchtigteM 

■  Protokoll. 

V  Die  genannten  finsteren  Machte  entfesselten  sich  zügellos, 
nachdem  die  bei  Zwackh  gefundenen  Papiere  veröffentlicht 
worden  waren.  Durch  diese  erhielt  man  allerhand  Handhaben, 
die,  geschickt  benutzt,  selbst  Unschuldige  zu  Verbrechern 
stempeln  konnten.  —  Es  befanden  sich  unter  den  Papieren  auch 
allerhand  Rezepte;  eines  sollte  die  Herstellung  des  aqua  tofana 
betreffen,  die  Massenhausen  (Ajax)  gesammelt  hatte,  der  ausser- 
dem in  den  Briefen  Weishaupts  nicht  nur  oft  genannt 
wird,  sondern  von  dem  auch  Briefe  sich  vorfanden.  Es  war 
natürlich,     dass     der     inzwischen     Hof  kammerrat     gewordene 


—     226     — 


Massenhousen  das  besordere  Interesse  des  Kurfürsten  wegen 
der  mörderischen  Rezepte  erweckte,  dos  sich  denn  öuch  in 
nachfolgendem  Befehl  an  den  Präsidenten  Grafen  von  Törring 
aussprach: 

R  P. 

Aus  Churfürsth  gnädigstem  Befehl  soll  der  junge  Hof- 
kammen*alh  Massenhausen  oder  sogenannte  Ajax  heut  noch  in 
das  Schottenstübel  gcbrücht  und  dessen  sämmtliche  Papiere  zu 
Obrigkeit  Händen  genohmen  werden. 

Die  Beyde  Herren  Hofi-öthe  Engel  und  von  Stockh  sind 
als  comissarii  ernannt,  worüher  dos  weitere  per  rescriptüm 
erfolgen  wird.  Euer  Excellenz  belieben  einstweilen  nur  den 
Arrest  sowohl  (juo  od  personam  als  scripturas  zu  verfügen. 

München  13.  April  1787*) 
A.  V.  Kreilmayer. 


Am  nächstfolgenden  Tage  den  14.  April  beorderte  Sere- 
nissimus Elector  gnädigst,  dass  Massenhausen,  der  bereits  im 
Schottenstübel  sitzt,  zutorderniss  über  die  der  Zwackh'schen 
Brielsammlung  einverleibten  recepten**)  befragt  werde,  nemlich 
von  wem  und  zu  was  Ende  er  solche  erhalten  habe,  worum  sia 
den  Zwackh  comniuniciret,  auch  ob  davon  kein  Gebrauch 
nach  dem  jure  vitae  und  necis  von  ihm  oder  andern  würck- 
lieh  gemacht  worden  sey.  Weiterhin  gibt  die  Order  Anwei- 
sungen, wie  seine  in  Beschlag  genommenen  Papiere  zu  be- 
handeln waren.  — 

Liest  man  nun  das  umfangreiche  Protokoll,  das  in  sieben 
Verhörstagen  vom  24. — 30.  April  1787  aufgezeichnet  wurde,  so 
begreift  man  tntsiichlicli  heute  nicht,  wie  es  möglich  war,  ernst- 
haft an  eine  Schuld  des  liiliaftierten  zu  glauben.  Massenhausen 
gibt  zuerst  eine  genaue  Schilderung  seiner  Aufnahme,  resp, 
Annahme  durch  Weishaupt,  Er  gehorte,  wie  wir  bereits  wissen, 
zu  den  er^sten  Ördensangehörigen  und  war  mit  Zwackh  der 
Vertraute  Weisliaujits,  Er  ziililte  damals,  1770,  16  Jahre,  war 
völlig  für  Weisliaupt  eingenommen    und   traute   ihm    keinerlei 


•)  Original  im  Bay.  Geh.  Haus-Archiv. 

••)  Hier  ist   das  Eiogestfmduis,    dass   nur  der  Slimmungsmache   wegen, 

die  gar  nicht  von   Zwackh   herrührenden  Hezeple,   der   Briefsammlung  einver* 

leibt  wurden.     Der  Druck  ist  so  arrangiert,  als  wSren  diese  Rezepte  und  andere 

Dinge  offizielle  Ordenssachen* 


—     327     — 


irecht  zu;  infolgedessen  erschienen  ilim  auch  die  ersten  Auf- 
nahniefrügen,  die  der  Kommission  höchst  auffallend  schienen 
und  Gehorsam  gegenüber'  dem  Orden  verlangten,  keineswegs 
bedenklich.  Über  die  Rezepte  gibt  er  genau  an,  doss  er  sie  der 
Kuriosität  halber  sammelte,  nie  daran  dachte,  sie  zu  gebrauchen, 
und  dass  sie  auch  von  niemandem  jemals  gebraucht  worden 
wären.  Das  so  geffihrliche  A([ua  tolana-Rezept  entpuppt  sicli 
als  alberne  Mystifikation.  Man  sollte  nach  diesem  ein 
Schwein  in  besonderer  Art  futtern  und  dann  aus  seinem 
Fett  dos  tödliche  Gift  lierausdeslillifiren  köiineiill  Die 
unter  den  Papieren  gefundene  Beschreibung  und  Zeichnung 
einer  Brennkiste,  zu  dem  Zw^ecke,  die  in  solcher  Kiste  befind- 
lichen, auflijewöhi'ten  Papiere  plötzlich  verbrennen  zu  lassen, 
war  einem  alten  Folianten  entnommen,  Versuche  zur  Herstellung 
dei'selben  nie  unternommen.  Ebenso  verhielt  es  sich  mit  der 
Herstellung  eines  gelieimeo  Schlosses.  Die  berüchtigten  Ahortus- 
rezepte,  von  denen  vermutet  wurde,  Weishaupt  habe  sie  bei 
seiner  delikaten  Angelegenheit  benutzt,  während  M.  nachweist,  dass 
dieser  sie  gar  nicht  kennen  konnte,  sind  unschädliche  Aufgüsse 
von  Petersilienkraut,  Kamillen  und  Knoblauch.  Nur  ein  einziges 
angegebenes  Mittel  kann  wirksam  sein;  nafiuiich  nennen  wir  es 
tiier  nicht  Alle  diese  Dinge,  sowie  weitere  Ftezepte  zu  sympathe- 
tischen Tinten  und  anderen  Dingen  waren  alten  Bücliern  (es  werden 
Wiglebs  und  Kii'chers  Schriften  angegeben)  entnommen,  und 
J778  schon  Zwiickli  ühei'gei)en  worden,  weil  der  nocij  sehr  jugend- 
liche Massenhausen  sich  vom  Orden  zurückzog,  öfter  liatte  er 
im  Lauf  der  Jahre  Zwackli  gebeten,  den  Plunder,  wie  er  sagte, 
zu  verbrennen,  es  war  jedoch  nicht  geschehen;  wie  wir  aus 
Zwackhs  Angaben  schliessen  können,  rein  aus  veigesslicher  Sorg* 
losigkeit,  und  nur  dadurch  wui^de  beiden  später  ein  böser  Strick 
gedreht,  li^end  eine  böse  Absicht  komml  bei  dem  ganzen  Verliör 
nicht  zum  Vorschein,*)  man  mag  die  Sache  drehen  wie  man  will. 
Auch  die  Kommissäre  haben  trotz  aller  getreulicli  aufgezeich- 
neten, verfänglichen  Fragen  eine  solche  nicht  nachweisen  können. 

Eine  Schuld  musste  aber  um  jeden  Preis  nachgewiesen 
werden,  sonst  wäre  das  ganze  Verfolgungssystem  zusammen- 
gefallen, infolgedessen  blieb  Massenhausen  in  Arrest. 

Nach  22tägiger  Haft  .schi'ieb  er  crfr^lglos  dem  Hat  h!ngcl 
einen  Brief  mit  der  Bitte,   den   Kuifürsten  um   Haftentlassung 


•)  Abschrift  des  Protokolls  in  Händen  des  Aulora. 


—     328     — 


anzugehen,  es  war  vergebens.     Der  August  kam  heran  und  der 
Inhaftierte  soss  immer  noch  im  Scholtenslübl    Am  9.  Aug,  kam 
ein   kurfürstliches   Hescript   heraus,    das  Massenhausen   seiner 
Ratsstelle  entsetzte  und  ihn  zu  weiteren  försllichen  Diensten  für 
unfähig  erklärte,  welches  ihm  der  Kurfürstliche  Hofrat  per  Com- 
mission   bedeuten  zu   lassen.     Merkwüi-digerweise   lautete  eine 
Order  vom   13,  Aug,  mit   dieser  Eröffnung  einzuhalten    und  in 
der  Nacht  vom  13.  zum   14.  Aug.   fand  sich  Massenhausen  so 
schlecht  bewacht,  dass  er  entwischen  konnte  und  nicht  wieder 
gefasst  wurde*     Es  scheint  fast  gewiss,  dass  hier  eine  Absicht 
vorlag.    Ein  klares  Vergehen  konnte  nicht  nachgewiesen  werden,  I 
die    Rezepte    waren    geradezu    lächerlicher    Natur,    entwnschte 
Massenhausen   aber,   so   blieb  auf  ihm   alles   odium    angeblich 
verbrecherischer   Rezepte    für   Giftmischung    sitzen»    und     möii 
brauchte  namentlich  diese  Angst  vor  atjua  lofana  dringend,  umJ 
einesteils   den    Kurfürsten,    andernteils   das   F'ublikum    in    Mlu- 
minaten-Angst  zu  erhalten.     Der  Kurfürst  wird  das  aqua  tofaoa 
Rezept  aus  Schweineschmalz  gewiss  nicht  eifaliren  haben,  denn 
es  heisst  ausdrücklich   in  seinem  Urleil  vom  9.  April,  er  habe 
sich  die  Akten  vortragen   lassen,  also  hat  er  sie  nicht  selbst 
gelesen^    sondern   erhielt    nur  Auszüge,   wie   er  s.  ZL   bei   der 
Zwackhschen  Angel egentieit  selbst  befohlen  hatte.    Es  w^ar  daher 
sehr  leicht  die  famose  Herstellung  dieses  aqua  tofanae  ihm  zu 
verschweigen.     Massenhausen  sass  bereits   Monate  lang,   seine 
Sehnsucht  nach  Freiheit  war  gewiss  gross,  blieb  er  nun  in  Un»| 
kenntnis  darüber,  dass  sein  Urteil  eigentlich  durch   die  Order 
vom  9.  Aug.  gesprochen  war,  seine  Entlassung  demnach  bevoi^ 
stand,  und  gab  man  ihm  Gelegenheit  zur  Entweichung,  so  war 
sicher  anzunehmen,   dass  er  sie   eingreifen   würde.     Daher   die 
Contre-Order,  die  einem  Frank  nicht  schwer  werden  konnte,  zu 
erlangen.     Die  Clique,    die   hauptsachlich   die   llluminaten*Ver 
folgung    inszenierte,    konnte     nur    den    grössten    Vorteil    votk\ 
Massenhausens  Entweichung  haben,  von  deren  absichtlicher  Zu- 
lassung der  Kurfürst    natürlich   keine  Ahnung   hatte,   denn  sie 
wurde  das  Mittel  ihn  selbst  durch  Furcht  zu  fesseln.     Er  wird 
sicher  über  die  gelungene  Flucht  sehr  erzürnt  gewesen  sein,  eiol 
Befehl   von    ihm    fordert    auch    strenge   Untersuchung,    ob   die 
Wäcliler  immer  die  Schlüssel  gut  bewahrt  und  an  jenem  Abend  . 
nicht  etwa   betrunken   gewesen  wären,    aber   der   beabsichtigte/^ 
Zweck  wurde   erreicht,   wenn  Massenhausen  nur   nicht   wieder 
erwischt  wurde.     Es  w^urde  deswegen  auch  erst  am  17.  Augusl 


i 


—     329     — 


Jiinier  ihm  ein  Steckbrief  erlassen,  dessen  Personolbeschreibung 
enulig  ist,  dass  Massenhausen  wegen  seiner  Ergreifung  recht 
eruhigt  sein  konnte.     Es  hcisst  da: 


I 

b 

r 


Anton  Massenhousen  28zig  jährigen  Alters  von  München, 
isl  grosser  Statur,   6  Schuh   hoch,    mager,   blassen  Angesichts, 

ot  rötliche  Haare,  dann  derley  Bart  und  Augeiibraun,  eine  hohe 
breilhe    Stirne,    mitlmässige   Nasse,    ist  schlanken    Leibs   und 

brigens  wohl  gewachsen,  oh n wissend  dessen  Kleidung.  — 


w 

»Ai 
m 


Nach  solcher,  auf  viele  Menschen  passende  Beschreibung, 
ausserdem  am  4.  Tage  nach  seiner  Entweichung,  die  in  der 
Nachl  vum  13.  zum  14.  stattfand,  würde  der  beste  nioderiie 
Detektiv  Massenhausen  unmöglich  gefangen  haben.     Das  dürfte 

uch  mehr  als  wahrscheinlich  gerade  die  Absicht  gewesen  sein.  — 
Die  Angst,  durch    aqua    tofana    der   Illuminaten    um    sein 
Leben  zu  kommen,  ist  erwiesenermassen  systematisch  dem  Kur- 
fürsten beigebracht  worden,  diese  Furcht  diente  dazu,  die  Fürsten 
der  Rachsucht  der  Verfolger  gefügig  zu    machen.     Wir   haben 

ereits  gesehen,  dass  der  Konig  von  Preussen  in  seinem  Briefe 
^an  den  sächsischen  Kurfürsten  später  auch  schaudernd  dieser 
Hersteliungskunst  gedenkt,  in  der  die  Illuminaten  solche  Fertig- 
keiten besitzen  sollten;  ihm  hatten  die  Rosenkreuzer,  die  Erz- 
feinde der  Illuminaten,  diese  Furcht  beigebracht.  Bevor  wir 
jedoch  den  Beweis  für  die  erste  Behauptung  antreten,  müssen 
wir  noch  einer  Episode  gedenken,  die  charakteristisch  ist  für 
die  ausgesprochene  Ansicht  und  4uv  die  damalige  Zeit. 

Es  wiixl  erinnerlich  sein,  dass  die  Veröffentlichung  der  bei 
Zwackh  gefundenen  Papiere  unter  dem  Hinweis  geschah,  jeder 
könne  sich  von  der  Echtheit  derselben  überzeugen;  das  w^agte 
jedoch  so  leicht  keiner  von  den  getreuen  Untertanen,  sicherlich 
witterten  diese  Geiahr  bei  solchem  Unterfangen,  und  mit  Reciit. 
Am   13.  April  1787   erschien    plötzlich  im   geheimen  Archiv  ein 

oktor  Friedrich  Munter  aus  Kopenhagen,  dei'selbe  stellte  das 

Ersuchen  ihm  einige  der  Illuminaten- Papiere  voi'zulegen.  Es 
geschah.  Ein  Pr'otokoll  %vurde  aufgesetzt  und  Munter  verlangte 
einige  Briefe,  in  denen  die  Namen  der  Herzoge  Ferdinand  von 
Braunschweig  und  von  Gotha  sich  befinden.  Er  sollte  sein 
Ehrenwort  für  Verschwiegenheit  geben,  tat  es,  setzte  jedoch  in 
dem  vom  Archivar  Eckartshausen  vorgelegten,  zu  unterschreiben- 
den Protokoll  wörtlich  hinzu: 


—     330     — 


Ich  vei*spreche  bey  meinem  Ehrenwort,  dass  ich  niemals 
öffenllich  in  Druck  die  Nomen  nennen  werde,  die  in  den  mir 
zufolge  der  gnädigsten  Erlaubniss  Sr.  Churf.  Durchl.  zum  Durch- 
sehen verstölleten  Briefe  genannt  worden  sind.  Kann  mich  ober 
nicht  dazu  verbinden»  dasselbe  Geheininiss  in  Gesprächen  mit 
meinen  Freunden»  wenn  auf  diese  Saclie  die  Rede  kommen 
sollte,  zu  bewahren. 

München,  d.  13.  Apill  1787.  Dr.  Friedrich  Munter 

aus  Kopenhagen. 

Die  Einschränkung  seines  Ehrenwortes  ist  wohl  auf  einen 
Äi'ger  darüber  zurückzuführen,  doss  er  auch  die  berüchtigten 
Rezepte  einsehen  wollte,  was  ihm  jedoch  verweigert  wurde. 
Sein  Verfahren  war  jedenfalls  unklug,  denn  sofort  wurde  er 
heimlich  beobachtet.  Sein  für  die  Zeit  seines  kurzen  Aufent- 
haltes engagiert  gewesener  Diener  Joseph  Freysinger  wurde  in 
ein  Verhör  gezogen  und  nach  allem  Möglichen  über  Munter 
ausgefragt.  Dabei  kam  zum  Vorschein,  dass  er  den  Professor 
Baader  besucht  hatte,  Hertel  und  Massenhausen  und  dann  nach- 
dem am  Sonnabend  den  14.  April  Massenhousen  verhaftet  w^urde, 
Montag  früh  den  Ui  allein  nach  Salzburg  zu  fortgefahren  sei. 
Auch  Massenhausen  wurde  in  seinem  Verhör  über  Munter  be- 
fragt und  gab  an,  dass  er  am  Abend  des  13.  April  mit  ihm  bei 
Baader  zusammengetroffen  sei,  Munter  habe  auch  dort  die  Ab- 
schrift seines  schriftlich  gegebenen  Ehrenwortes  vorgelesen. 

Aus  solchen  Umstanden  schien  Munter  natürlich  Iiöchsl 
verdäclitig.  Man  vermutete  in  ihm  einen  auswärtigen  Minenal 
des  Ordens,  glaubte,  bei  Baader  sei  eine  Loge  abgehalten  worden 
und  sicherlich  müsse  das  Fragen  nach  den  Rezepten  auch  seine 
tieferen  Gründe  haben*  — 

Am  {l  Mai  1787  berichtete  der  Gesandle  v:  Lerchenfeld  aus 
Regensbuig,  dass  Munter  sich  in  der  Stadt  aufgehalten  habe 
und  aussagte,  es  habe  der  ihm  vorgelegte  Revei*s,  ausser  der 
Beglaubigung,  die  Schi-iften  gesehen  und  gelesen  zu  haben,  noch 
einen  zweiten  Teil  enthalten,  in  dem  er  die  Sekte  als  gelahrlich 
anzuerkennen  sich  verpflichle.  Munter  habe  gesagt,  dase  er 
bereit  war,  den  ersten  Punkt  zu  unterschreiben,  nicht  aber  den 
Schluss,  und  dass  seine  Freunde  ihm  rieten,  München  so  schnell 
als  möglich  zu  verlassen.  Seitdem  habe  man  ihm  geschrieben, 
wenn  er  nicht  am  andern  Tag  abgereist  w/ire,  so  wäre  er  ver- 
haftet   worden.      Der   Gesandte    bezweifelt    zwar  die  Wahrheit 


—    331     — 


I 


dieser  Angaben  in  seinem  Bericht,  glaubt,  die  Illuminaten  wnlUen 
durch  solche  Ausstreuungen  nur  die  Fiegierung  btomieren,  — 
aber  er  irrte  sich  in  dieser  Meinung  sicherlich.  Münler  tat  sehr 
wohl  daran,  sich  zu  entfernen,  er  hotte  andernfalis  Kopenhagen 
nicht  sobald,  vielleicht  gar  nicht  wiedergesehen.  Nach  der  Her- 
stellung des  aqua  lofana  aus  Schweinefett  sich  ei"kündigende 
Fremde  waren  damals  mindestens  Verbrecher,  man  pflegte 
kurzen  Prozess  mit  unbeliebten  Ausländern  zu  maclien. 

In  dieser  Episode  spielt  die  Frage  nach  den  Rezepten 
jedentalls  eine  Hauptrolle.  Furcht,  unversehens  vergiftet  zu 
werden,  war  ein  vortrefliiches  Mittel,  den  Kurfürsten  zu  be- 
herrschen und  Kreaturen»  die  diese  Furcht  durch  selbst  groteske 
Anklagen  möglichst  schürten,  fanden  sich.  Eine  solche  Kreatur, 
oder  ein  Narr,  dessen  geringe  Denkfähigkeit  missbraucht  wurde, 
war  der  Hof-  und  Kammen*at  Baron  von  Mandl,  dessen  Ver- 
nehmungs  Protokoll)  vorhanden  ist,  von  ungeheuerlichen  Aus- 
sagen, denen  die  Lüge  offenbar  anklebt,  wimmelt  und  in  sich 
den  Beweis  enlhält,  den  wir  zu  geben  versprachen,  —  Mändl 
wer  Ordensmitglied,  ein  Beweis,  wie  wenig  sor^altig  die  Per- 
^-aORen  ausgew^ählt  wurden.  Graf  Savioli  hatte  ihn  erst  der 
Baadei^schen  Loge  zugeführt,  si>äter  wurde  er  Illuniinat.  Mändl 
gibt  über  die  Baadersche  Loge  nocfifolgende  protokollarisch  fest- 
gelegte Angaben,  die  meist  gänzlich  unwahr  sind; 


»Diese  Baederische  Loge  hatte  überhaupt  97  grad,  welche 
alle  vill  Geld  kosteten  und  nicht  vill  lehrten;  so  kostete  der 
Lehrlinggrad  50  fl.,  2  Pf.  Wachs  und  *A  ti  fiir  das  Ordenszeichen, 
der  Gesellongrad  7  fl,  und  abermahl  2  Pf.  Wachs,  der  Meister- 
grad 25  fl,  der  Elu  50  fl.  der  Schott  150  fl.  und  so  vermehrte 
es  sich  von  50  zu  50  fl.  durch  alle  97  grad  und  jeder  Lehrling 
musste  allzeit  ein  kleines  Souper,  welches  beim  Priem  getiaUen 
wurde  auf  seine  Kosten  geben.  Nebstdem  zailet  jeder  des 
Monats  1  fl.  Deponent  war  in  der  Loge  Secretaire  der  untere 
grad,  wurde  darauf  Hediter  und  endlich  frere  terrible,  sowohl 
bei  der  teutschen,  als  französischen  und  polnischen  von  dem 
Altmeister  Grafen  von  Seefeld  gehaltenen  Loge. 

Er  war  zur  Zeiten  ersler,  oder  2 ter  Oberaufseher  und  einige- 
mahl  de|>utirter  Meister  vom  Stuhl,  in  Simcie  wie  das  Haus  von 
dem  Prtizka  erkauft  wurde,  wo  sich  Baader,  Seefeld,  Zwackh  und 


•)  Abschrift  zu  Händen  des  Autors. 


^     332     — 

Berger  nicht  hineintrauten,  ohne  von  der  uniHegenden  Billiger 
Schaft  sich,  oder  das  Haus  misshandelt  zu  sehen.«  —  — 

Für  alle  übrigen  maurerischen  Grade,  Bänder,  Schurzfell 
und  Schriften  will  er  100  Dukaten  gezahlt  haben,  in  den  Illu- 
minatenorden will  er  durch  Baaders  Betreiben  durch  Savioli 
aufgenommen  seyn.  — 

Das  ganze  Protokoll  ist  sehr  weitläuflg,  teilweise  auch  un- 
interessant. Es  ganz  abzudrucken  ist  ermüdend,  wir  geben 
es  daher  teils  wörtlich,  teils  im  Auszuge  wieder,  damit  man 
erkennt,  in  welcher  raffinierten  Weise  die  den  Kurfürslen  am 
meisten  interessierenden  Dinge  ausgeputzt  wurden,  um  die  Illu- 
minaten  als  äusserst  gefahrtiche  Menschen  hinzustellen,  Mändls 
Aussagen  luit  der  Kurfürst  zweifellos  wörtlich  gelesen,  denn  bald 
nach  dessen  Verhör  am  18,  Juli  und  weitere  Tage  erschien  das 
Verbot,  das  den  Anwei'ber  zum  Tode  durch  das  Schwert  verur- 
teilte. Dieses  Verbot  wäre  gei*echt,  wenn  Mandls  Aussagen  nur 
zur  Hälftewohr  gewiesen  wären.  Man  urteile  nun  selbst.  Über« 
all  wo  eine  besonders  leicht  nachweisboi-e  Lüge  vorliegt,  steht 
das  Zeichen  (!?). 

Nach  seiner  Aufnalime  als  Minen^al,  die  25  fl.  nebst  3  fl. 
für  das  Drdenszeichen  gekostet,  musste  er  verschiedene  pensas 
bearbeiten,  worunter  ihm  immer  das  AunaUendste  war,  dass  er 
bei  Ankunft  des  Pabstes  in  München,  sowie  seiner  Anwesenheil, 
das  Hofceremoniel  beobachten  und  darüber  schriftlich  berichten 
musste.  El*  musste  beschreiben,  welchen  Einfluss  der  Pabst 
auf  die  Fürsten,  tlieistlichkeit,  Adel,  Kanzleien,  Collegien,  die 
Bürgerschaft  und  Bauern  habe,  welchen  nämlichen  Auftrag  Baron 
F^^ger  und  Fronhofer  bekam.  Er  will  dann  einige  dreissig  Per- 
sonen geworben  haben,  die  aber  meistenteils  vor,  teils  nach 
seinem  Austritt  davongelaufen  sind.  Er  bekam  endlich  ganz 
besondere  Aufträge  zur  Correspondenz.  Endlich  wurde  er  ein 
Magistratsgliod  (!?),  machte  also  die  quibus  licet  auf  und  durfte 
sie  auch  ohne  Anfrage  befördern  und  wui-de  als  Areopagit  ([?) 
zum  ewigen  Magistrat  (!?)  und  geheimen  Kapitel  vorgeschlagen; 
als  aber  in  des  Baaders  Haus  bei  offenen  Fenstern  eine  so  be- 
titelte Elü-Lnge  (wobei  jedoch  Baader  ohne  alte  Maurerische 
Zeiclien  mit  dem  breiten  roten  Band  als  Provinzialoberer,  dann 
der  Major  Ob  und  Baron  Bassus  als  Assistenten  sassen)  ge- 
hnllen  ward  (!?),   erstaunte   ihn    tolgender  Vortrag  nicht  wenig, 


I 


^     333     — 

und  es  waren  doch  praesentes,  Seefeld  Valer  und  Sohn,  Graf 
Seeau,  Baron  Montgelas,  Savioli,  Berger,  Zwack h,  Hertl,  Massen- 
hausen,  Constanzo,  Cossandey,  Renner,  Grünberger,  Fronhofer, 
Krenner,  Buecher,  —  jeder  der  etwas  von  den  neu  vorkommen^ 
den  Sachen  ausschwätzen  würde,  sei  auf  Gottes  Erdboden, 
in  allen  Logen  ausgeschrieben,  sein  Leib  und  Leben, 
Gut  und  Blnt  niclU  sicher  (!??)*) 

Es  ist  unser  Bruder  Constanze  in  grösstor  Gefahr.  Wir 
haben  ilin  mit  200  H.  (wie  wir  dies  alle,  so  wir  im  geheimen 
Capitel  sind,  ja  alle  wissen)  nach  Berlin  geschickt,  um  den  Kon  ig 
zu  sondiren,  was  er  wegen  einen  gewissen  Veränderungs  Fuess 
(lies  Verönderungsfuss)  in  Bayern  sagen  würde.**)  Er  sollte 
auch  zugleich  sehen,  ob  es  Mluminaten  in  Berlin  gebe,  was  sie 
für  ein  System  haben,***)  (1?)  allenfülls  das  Unsere  etabheren  (1?) 
und  uns  achte  Grade  bringen  und  bewirken,  dass  unsere  Mutter 
Loge  Royal'York  an  den  von  jedem  Maurer  jahrlicfi  einzusenden- 
den 3  fl.  2  nachlassen  und  dann  uns  einen  District  vom  Pofluss 
bis  an  dtie  Sau  einräumen,  nachdem  jede  Loge  die  7  Filialen 
hat,  selbst  Mutterloge  ist 

Nun  hat  sicli  Constanzo  an  einen  echten  Maurer,  den  ge- 
heimen Schreiber  des  Königs  gewendet,  und  dieser  ist  ein  S|>itz- 
bube  gew^orden  und  hat  dem  König  alles  entdeckt;  der  König  hat 
ihn  also  unter  Bedrohung,  nach  Spandau  zu  liefern,  eiligst  aus 
Berlin  geschaflft,  und  da  retirierte  er  sich  in  ein  3  Stunden  von 
Berlin  gelegenes  Märkll  und  als  er  auf  unsere  Aufforderung 
noch  weiteres  über  diese  Gegenstande  zu  korrespondieren  suchte* 
musste  er  sich  eilends  aus  dem  Preussisclien  Lande  entfernen, 
sonst  hatte  ihm  der  König  den  Kopf  zwischen  die  F'üsse  ge- 
legt (!?)t)»  und  nun  sitzet  er  zu  Aachen  ohne  Geld,  und  wir 
sind  verraten.  (!??)tt) 


Mändl  erzählt  nun  weiter,  dass  er  aus  dem  Protokoll  habe 
an   Constanzo   einen    Brief  sehreiben    müssen,  er  solle  zurück- 


*)  Hier  findet  sich  die  Vorbereiturjg  auf  die  später  verstärkte  Behaup- 
tung, dass  die  Iliuminatefi  vergiaen. 

**)  Gemeint  ist  der  Länderaiistausch. 

•*•)  Das  musste  doch  senislversländlich  das  Geheime  Kapitel  längst  wissen; 
was  für  ein  System  hätten  denn  Itluminaten  hesitzcn  sollen,  doch  nur  do.s 
voa  ihnen  ausgegebene l 

t)  Der  König  schrieb  aber  dem  Grafen  Seeau,  die  Aufi\v eisung  berühre 
die  Ehre  Conatanzos  nicht,  —  und  dann  köpfen??  — 

ff)  Unter  den  Präsentes  zählt  Mändl  aber  Constanzo  auf. 


I 


kehren,  das  Geld  würde  ihm  geschickt;  ein  zweiter  Brief  wurde 
an  Sonnenfels  in  Wien  gerichtet,  des  Inhalts,  der  Länder- 
lausch  sei  in  Preussen  kund,  dass  man  den  König  als  contra- 
dictor  mutmasse  und  deswegen  in  Wien  sehr  behutsam  sein 
müsse.*) 

Von  dieser  Zeit  getiel  es  ihm  angeblich  nicht  mehr  im 
Orden,  er  besuchte  wedei*  Logen  noch  Illuminatenversamm- 
lungen,  versagte  den  Beitrag,  bis  man  ihm  mit  Suspension 
drohte.  Jetzt  begehrte  er  seine  P^ntlassung,  die  ihm  endHch 
nacfi  vielen  angebhchen  Versuclien,  ihn  zurückzuhalten,  gegeben 
wurde.  Er  sagt  dann  weiter  über  dos  System  des  Uluminaten- 
ordens:  es  besteht  kürzlich  darin,  so  viel  Glieder  anzuwerben, 
und  zwnv  in  allen  Fachern,  dass  ausser  einem  Mitglied  von  ihnen 
keiner  zu  eintnigliclien  und  Ehrenstellen  kommt,  mittels  der 
angeworbenen  Medicarum  (Arzte)  und  Apotheker  auch  jene  i 
aus  dem  Weg  zu  räumen,  welche  diesen  Absichten 
hinderlich  sind,  mittels  dei' angeworbenen  Geistlichkeil  denen 
Leuten  glauben  zu  machen,  dass  nur  dieses  Lastei'  und  Tugend 
sei,  was  sie  Laster  und  Tugend  nennen.  (I?) 

Durch  die  angeworbenen  Domherrn  Bischöfe  (I?)  zu  machen, 
die  in  quemcumque  casum  mit  ihi'en  votis  eine  ihnen  beliebige 
Reichsveränderung  verursachen  und  dass  also  unter  einem  nur 
den  Nomen  tragenden  Oberhaupt  nur  ihre  Absichten  in  Er- 
tullung  gehi-acht  und  all  übrige,  so  sich  nicht  zu  ihnen  schlagen, 
oder  von  ilmen  aus  Geld,  Vernunft  oder  Freundemangel  ve^ 
Wolfen  werden,  kriechen  müssen.  —  — 


Aus  vorstehendem  sieht  man,  dass  in  Mfindels  Einbildung 
strebende  Menschen  ungeheuer  leicht  zu  Schurken  umgewandelt 
werden  können.  Er  sucht  nun  in  unklarer  Darstellung  durch 
Behaujjlungen  den  Beweis  zu  ersetzen  für-  seine  Aussagen,  bringt 
eine  interessante  Wechsetgeschichte  vor  und  schiessl  dann 
wieder  nachfolgenden  Pfeil  ab: 


»Der  erste  Antrag  welchen  Serenissimo  gegen  Verwendung 

der  Jesuiten  Güter  zum  Maltheser  Orden  gemocht  wurde,  rülirt 
von  den  llluminaten  her,  und  diesen  Entwuif  machte  ein  da- 
maliger Jesuit-Deputations  Kanzellist,  Schwager  des  Professor 
Baaders»    den    er    nicht    zu     nennen    weiss,  (?1)  und   Pro- 


I 


*)  Wag  von  diesen  DUigeti  zu  haUen  ist,  wurde  weUläuflg  bereits  bOr 


wiesen* 


I 


I 


fessor  Baader  cum  suis  arbeitete  ihn  aus  dem  Rohen  in  das 
Reine.«  — 

Dieser  Pfeil  musste  jedenfalls  verletzen,  nach  dem  Rezept: 
»Verleumde  nur  frisch  darauf  los,  etwas  bleibt  immer  kleben!,« 
weil  Carl  Theodor  diese  Malteserzunge  aus  den  konHszierten 
Gutern  des  aufgeliobenen  Jesuitenordens  nur  zu  dem  Zweck 
bildete,  um  GünsUinge,  Favoritinnen  und  seine  unehelichen 
Kinder  zu  versorgen,  anstatt  die  Gelder  für  Schulzwecke  zu  ver- 
wenden, wie  allgemein  erwartet  wurde.  — 

Als  Mondl  nach  dem  Stand  und  Aufbewahrungsoll  der 
Ordenskasse  gefragt  wird,  über  die  der  Kanonikus  Hertel  als 
Ordensschntzmeister  sehr  genaue  und  wahre  Angaben  in  einem 
Bericht,  auf  den  wir  noch  näher  eingehen  w^erden,  gibt,  versteigt 
er  sich  zu  nachfolgenden  Angaben: 

Die  llluminiiten  Cassa  sowohl,  als  das  Archiv  hat  sich 
gleich  nach  dem  ersten  churfürstL  Verboth,  das  die  Maurer  und 
Illuminaten  bestrate,  da  sie  auseinander  gehen  sollen,  flüchten 
müssen.*)  Beides  w^ar  eine  Zeitlang  bey  Widmann  in  Arding, 
bey  Fischer  Stadtoher  Richter  in  Ingolstadt,  bey  Bassus  in 
Sandersdorf,  bey  Bellet  zu  Straubing,  bey  Wolfegg  in  Augsburg 
und  endlich  beim  jungen  Grafen  Seinsheim,'*'*)  (!?)  welcher  es 
vor  2  Jahren  bey  dem  grössten  Schnee  mit  dem  Grafen  Wolfegg 
nach  Salzburg  in  die  Hände  des  Domherrn  Grafen  Spaner  und 
Hofrath  Gillapzky  transportierte,  welche  Deponent  selbsten  am 
Freytüg  nach  dem  Aschermittwoch  anno  1785  nachts  um  halb 
8  Uhr  damit  begegnet  sind.  Dessen  Wagen  mit  gi*ossen, 
schw^eren  Kästen  hint  und  vorn  beladen,  so,  dass  sich  der 
Schlitten,  worauf  es  gebunden  war,  vast  geborsten  hat,  und  sie 
machten  ihm  noch  darüber  Zeichen,  dass  er  sie  nicht  verrathen 
möchte. 

Die  Starke  der  Gasse  belangend,  kenne  Deponent  theils  in, 
theils  ausser  Land  zu  den  hiesigen  Kirchen  gehörig,  6000  Illu- 
minaten***) aus  Schriften,  eingeloffencn  Briefen,  und  auch  einige 
persönlich. 


♦)  Vergteicbe  die  naeli  folgenden  Aussagen  Hertels. 

**)  Er  nennt  alle  möglichen  Namen,  nur  den  wirklichen  Ordensschatas- 
meister  Hertel  nicht. 

••*)  UaverschSrate  Löge^  da  der  Orden  noch  nicht  3000  Mitglieder  ymfasste. 


—     336 


Wenn  man  nun  anniinmt,  dass  jeder  für  acception  einen 
Ducaten,  für  das  Zeichen  3  ü.  und  für  die  inlroduelion  25  fl, 
nebst  dem  dass  jeder  von  1779-^82,  wo  er  ausget reiten  ist. 
monathlich  50  X  befallen  haben  müssen,  so  wirft  sich  schon 
eine  grosse  Summe"^)  heraus,  wenn  man  nun  weiteres  annimmt, 
dass    unter  6000,  Xvenigstens    2000    Freymaurer    sein    müssen» 

— ,  (Zwischensätze  unwesentHch)  — ,  dass   also  jeder  von 

diesen  2000,  den  Lehrling  grad  mit  50  fl.,  3  fl.  für  Logenzeichen 
und  2  €/  Wachs,  den  Meistergrad  mit  25  fl.  und  2  &  Wachs 
und  noch  durüherhin  7  fl.  hezallet  hat,  so  wird  oddendo  mit 
der  Illuminalen  Cassa  eine  ungeheure  Summe  herauswerfen, 
welche  sich  seit  seinem  Auslriti  durch  wiederholte  Auf* 
nahmen  und  grad  Erteilung  noch  ansehnlicher  vermehrL  haben 
muss.«  —  — 


Im  weiteren  Verlauf  des  Verhörs  gibt  ei*  nach  geschehener 
Befragung  an,  dass  nach  dem  ersten  Verbot  die  Illuminalen  nur 
darüber  gespottet,  dass  sie  an  verschiedenen  (»rten  Zusammen-  J 
künfte  gehabt  hätten,  schafften  sich  Pferde  an,  fuhren  auswärts, 
liielten  dort  Versamnilungen,  natürliciiei-weise  auch  einen  Frass, 
wobei  die  Professorin  Baadei-n  und  ihre  Töchter  {!?)  die 
Speisen  auftragen  mussten.  Si>äter  wurden  sie  vorsichtiger, 
kamen  nur  nachts  zusammen  und  verkleideten  sich  sogar  als 
Frauenzimmer**)  (l?)  und  dies  geschah  nicht  einmal,  sondern 
öfter.  — 

Den  Hauptschlog  führte  nun  Mandl,  nachdem  durch  die 
bislierigen  Aussagen  alles  gut  vor-bereitet  war,  nticli  der  ihm  ge- 
stellten Frage,  ob  er  noch  etwas  von  den  Handlungen  anzu- 
geben weiss,  durch  nachfolgende  Aussage: 


»Hätte,  als  er  sich  wegen  seiner  kranken  Tochter  zum 
Professor  Baader  veifügte  und  dort  um  Rath  fragte,  15  bis  18 
Personen  in  2  Zimmer,  3  aber  ihm  nicht  mehr  erinnerlich 
vornen  am  Fenster  ohngefehr  haec  formolia  äusserst  gemustert, 


I 


•)  Wenn  diese  Angaben  wahre  gewesen  wären,  so  halle  der  Orden  an  Auf- 

iiahmegeldern  6000  Dukaten  =  Mk.  57,600,  an  EinfQhrungsgeldern  und  hisignien 
600Ü  ä  28  rt.  =  168(]0Ü  fl.  und  an  Beilrägen  monatlich  50  Kreuzer  « jährlich 
6  fl.  =  36000  Ü,  jährlich  eingenommen,  Summen»  die  m  damaliger  Zeil  min- 
destens den  fijnrrachcn  Werl  von  heute  hahen  und  &chon  deswegen  als  normale 
Einkünfte  unwahrscheinlich  sind. 

'*)  Woher  Man  dl  das  nur   alles   weiss,   da  er  doch  1782   schon    ausge- 
treten war. 


—     337     — 

wahrgenommen,  das  Ding  hat  doch  in  Zweybrück  gut  reussirt; 
denn  den  Abend  wo  ein  gewisser  schrieb,  »das  Überschickte  hat 
guet  reussiret«  starb  auch  der  Prinz.  Ihm  schauderte  vor  dem 
Ausdruck  und  gienge  davon,  weill  er  ohnehin  nichts  mehr  da  zu 
machen  hatte.« 

Dieser  Prinz  war  der  Erbprinz  von  Zweibrücken,  Sohn  des 
Karl  August,  durch  dessen  Tod  der  Bruder  des  letzeren,  Maxi- 
milian Joseph,  der  spätere  erste  König  von  Bayern,  Herzog  der 
Pfalz  und  Nachfolger  des  Kurfürsten  wurde.  Der  plötzliche  Tod 
des  Prinzen  am  21.  August  1784  hatte  zu  dem  Gerücht  Veran- 
lassung gegeben,  er  sei  vergiftet  worden.  Natürlich  konnte  nur 
das  aqua  tofana  der  Illuminaten  dieses  Verbrechen  bewerkstelligt 
haben,  und  dieser  Verdacht  sollte  unbedingt  erregt  werden.  Die 
Illuminaten  sollten  sich  das  Recht  über  Leben  und  Tod  ihrer 
Mitglieder  vorbehalten  haben,  dazu  brauchten  sie  das  Gift,  so- 
wie zur  Racheausübung  gegen  andere  Personen.  Mändl  schob 
ein  ähnliches  Vergehen  auch  den  sämtlichen  Freimaurern  zu 
und  sagte: 

»Belangend  aber  das  jus  vitae  et  necis  ist  dieses  für  einen 
Illuminaten   kein   neuer  Vortrag,   denn  alle  Freymaurer  Logen 
auf  Gottes  Erdboden  exerciren  das  jus  gladii  und  haben  sogar 
ihre  Kerker  um  denen  nach  ihrem  System  fehlenden  den  Pro- 
zess   zu   machen,   und   der  grösste  Prinz,  sowie  der  geringste  j 
Bürger  wird  so  aufgenohmen,  dass,  wenn  man  ihn  fraget,  ob  er   ; 
das  Licht  sehen   wolle,   und   ihm   der  erste   Oberaufseher  die    i 
Binde  von  den  Augen  abnihmt,  ein  Feuer  aus  einer  mit  Kalkstein    \ 
gefüllten  Maschine  mit  denen  Worten  anblasset  —  »sie  transit    \ 
gloria  mundi«  —  so  stehen  alle  Brüder  mit  entblösstem  und  gegen    ' 
den  Aufzunehmenden  haltenden  Degen,  der  erschröckliche  Bruder 
aber  sezet  seinen  Degen  auf  des  Aufzunehmenden  Brust,  und 
der  Meister  vom  Stuhle   spricht   diese  Worte,   hier  siehst  du 
alle  Brüder  in  Waffen  dich  zu  verteidigen,  so  lang  du  ein  Mit- 
glied bleibst,  aber  auch  dich  zu  verfolgen,  wenn  du  einst  mein- 
eydig  werden  solltest;  und  daher  haben  die  Illuminaten  sich  viel- 
leicht das  Römische  Recht  angemasst.c 

Mändl  wurde  gefragt,  ob  er  seine  Aussagen  beschwören 
würde.  Er  bejahte  es  und  leistete  den  Eid  am  24.  August  1787 
ungescheut  des  so  leicht  nachzuweisenden  Meineides.  Er  fühlte 
sich  sicher  und  setzte  sogar  durch  nachstehende  Angaben  seiner 

Engel,  Oescbicbte  des  ninmlnatenordens.  22 


338     — 


Karrheit  oder  gemeinen  Gewissenlosigkeit  die  Krone  auf,  iiaclv 
dem  beim  Kurfürsten  der  Hinweis  mif  den  Giftmord  des  Prinzen 
guten  Boden  gefunden  hatte  und  dieser  mehr  wissen  wollte» 
namentlich  wer  die  drei  waren,  die  die  Rede  in  betreff  des  jungen 
Prinzen  liätten  schiessen  lassen. 

»Nachdem  diese  3,  das  Gesicht  von  Deponenten  weck  ge- 
wendet hatten,  so  können  sie  der  Stimm,  Statur  und  Kleidung 
uacJi,  ihm  so  licmessen  werden,  dass  es  ohnfehlbor  der  Apo- 
thekei'  von  der  Rosengasse  März  und  Baron  Montgelas  gewesen 
seyen,  welches  auch  dadurch  Ijestriti^et  wird,  rlass  mit  Gelegen- 
heit der  verwittweten  Frauen  Churfürsten  Durelilcht.  Reise,  der 
Professor  Baader  naclithin  zu  Zweybrücken  eine  Loge  und  Illu- 
minaten  Versammlung  gestiftet,  wozu  er  den  Montgelas  weilland 
hinunter  kommen  Hess,  und  zum  Meisler  den  entwichenen 
Kreuzer  und  zum  Provinzialoberen  den  Hofmeister  der  hei*zogl. 
zweybrückischen  Edelknaben  gemacht  hat,  welch  beide  im  Be- 
düifnungsfall  chimische  pi'oduete  an  März  und  Steixner  ange- 
wiessen  woi-den,  Deponent  aber  sich  kaum  glauben  machen 
lassen,  dass  diese  chimischen  Producte  nicht  den  Vei^and  einiger 
Massenhauserischen  Rezepte  haben  solften. 

Weiteres  seye  nichts  gewisseres,  als  dass,  wenn  S.  Chur- 
furstl  Durchhmcht  diesem  Ungeheuer  nicht  zuvor  kommen,  die 
Illuminaten  ihre  sach  mit  Gift  und  Düleh  durchsetzen 
trachten  werden,  wovon  ersteres  durch  ihre  ha]>enden  niedi- 
cos  und  Apotheker,  2tens  aber  durch  ein  erst  im  vorigen  Jahr 
gemachten  Specialauftrag,  dass  sich  jeder  in  der  Dult  (d.  i.  Markt- 
tag)  ein  Stillet  ankaufen  und  zum  Gehrauch  für  den  Orden, 
stets  gebi^auchen  sollen,  (!??)  ganz  leicht  bewerkstelligt  werden 
kann:  (!??)  wie  sie  denn  wirklich  einen  mit  derley  Stülelwaaren 
versehenen  Dultstand  ganz  aufgekauft  haben. 

Se.  Churfürsth  Durchlebt,  dürfen  sich,  so  tonge  Illuminaten 
bey  Cliurfürsll,  und  Kürehengelden,  und  solchen  Plätzen  auch 
im  Ministeria  sizen,  überzeugt  halten,  dass»  nachdem  dieser 
l.ändcrtnusch  diesen  Herren  nicht  gelungen  hat,  selbe  das  Land 
und  den  llen-n  in  so  unermassliche  Schulden  hineinstecken, 
ihre  heiligste  Maxime  ist,  dass  Serenissimus  selbst  einen  Länder 
tausch'*')  anzutragen  bemüssigt  wären.   Wie  dann  auch  Kreuzer 


*}  Er  wird  hier  erinnert,  dass  Karl  Tlieodor  selbst  den  Undertauscb  sehr 
ersehnte,  um  König  von  Burgund  zu  werdea.  Möndl  Mieint  das  nicht  ge* 
wusst  zu  haben. 


—    380 


k: 


ion  zu  Zweybrücken  mit  solchen  Manipulationen  den  Anfang 
gemacht  hat. 

Und  dürfen  sich  S,  Churfürslh  DurchK  die  bislierige  Scho- 
lung    ihres   Lebens    nur  von   darum    erhalten    glauben,    weill 
i  solches  die  Herren  ihre  soclie  hey  dem  Nachfolger  noch 
mehr  verschümmert   werde.     Sollte   den    Illuminaten   aber   der 
verfluchle    Streich   gelingen    die   durchlauchtigsten  Prinzen   von 
weybi'ücken    zu    erst   aus    der  Welt    zu   schaffen   können,    so 
ittel  Deponent  Si\  Churfüi'stl.  DurcliL  möchten   dann    auf  sich 
wohl    acht    haben    und    auch    allenfahls    das    durchlauchtigste 

K;weybrückische  Haus  warneu  oder  warnen  zu  dürfen  erlauben. 
Endlich  zeiget  Deponent  untei-tlianigst  gehorsamst  an,  dass 
n  der  Stadt  ein  Brief  rollire,  den  er  selbst  gesehen  (!?)  die 
Schrift  aber  nicht  gekannt  und  dessen  Formalia,  die  Illuminaten 
bedanken  sich,  für  die  Entlassung  des  Massenhausen,  die 
commissarrios  und  jene,  so  zu  diesen  prozess  gehoifen  haben, 
werden  schon  nach  und  nacli  mit  Gift  aus  der  Welt  geschafft 
werden;  und  zwar  mittels  eines  Pulvers,  welches  auf  einen 
Brief  gestreuet  wird,  dieser  Brief  w ird  in  Gegenwart  eines  und 
des  andern  Commissary  oder  andern  Illuminaten  Feind  geöffnet 
und  ihm  die  Streuh  ganz  künstlich  in  das  Gesicht  gebraust 
werden,  wodurch  dann  der  Effect  erscheinen  wird.  Sollte  aber 
diesem  Schröeken  kein  Glauben  beygemessen  werden  wollen, 
10  möchte  man  es  an  der  unbedeitenden  Kreatur  auf  Gottes 
"Erdboden  dem  Baron  Mayer  in  der  Kaufingergasse  probiren. 
^m  Deponent  bittet   um  gute  Verwahrung  seiner  Aussage  als 

^feonst  seine  Sache  in  den  Justiz-Dirasteiys*)  und  auch  vielleicht 
sein  Leben  in  grösster  Gefahr  stehet,  beschlüsset  hiermit  seine 
Aussage  und  unl erschreibet  selbst  auf  nochmaliges  Vorlesen 
eigenhändig.  Theodor  von  Mändk 


I 


•: 


Der  Aufbau  der  ganzen  Angelegenheit,  die  allmählige 
Steigerung  der  Aussagen,  die  schliesslich,  nachdem  der  Kur- 
fürst gefangen  war,  sich  in  den  nachträglichen  Lügen  bis  zur 
grotesken  Unverscliämlheit  steigern,  beweisen  in  sich  voll- 
kommen die  Absicht,  den  Kurfürsten  in  Furcht  zu  erhalten*  War 
is  auch  Wahnsinn,  so  halte  es  doch  Methode  —  und  Erfolg, 
denn  alsbald  begann  die  inquisitorische  Verfolgung  nach  spa- 
nischem Muster. 


*)  Mändl  wusste,  dass  er  dort  mit  seinen  Lugen  nicht  Erfolg  haben  könnt«* 


SE2* 


—    340    — 


Bie  OrdeiiskaBse.    (leiBtllcIie  ak  lllmiiiiiaten. 

Die  Kassenverhältnisse  des  Ordens  erregten  das  ganz  be- 
sondere Interesse  des  Kurfürsten,  Er  liess  daher  den  Ordens- 
kassierer Kanonikus  Herlel  mehrfach  verhören  und  schtiesslich 
in  den  Neuturm  einsperren,  um  von  ihm  genauen  Ausweis  über 
Einnahmen  und  Ausgaben,  sowie  über  V^erbleib  der  Ordenskasse 
zu  erhalten.  IlerteK  dessen  sonstige  Aussogen  nichts  Neues 
über  das  von  uns  schon  Verhandelte  entliallcn,  gibt  denn  auch 
eine  Schilderung  der  lUuniiniiten-  sowie  Logenkas.se  und  den 
Schlussstand  dieser  Kassen  an.  Er  beruft  sich  darauf,  dass 
seine  Angaben,  da  ihm  alle  Unterlagen  fehlen  und  nur  sein  Ge- 
dächtnis als  Hilfsmittel  ihm  zu  Gebote  steht,  in  den  Ziffern  nicht 
genau  sein  können. 

Nach  ihm  war  der  llluminaten-Urden  oder  Provinz  Cassa- 
Rest  zum  Beschluss  des  Illumiiiaten  Jahres  1784,  das  am 
20.  März  1785  endete,  an  Borschaft  8—900  fl. 

Von  diesem  Geide  erhielt  Weishaupt  500  fl.  Der  gewesene 
Stödioberrichter  Fischer  250  ft.,  die  übrigen  100  fl.  beiläufig  ver* 
schiedentlich  ausgegeben  vom  März  bis  AugnsL  An  Aussen* 
standen  gab  es:  an  Darlehen  11  725.  —  und  an  Forderungen  an 
Mitgliedsbeiträgen  fl,  1800.  — 

In  Betrnclit  zu  ziehen  ist  hier  natürlich  nur  der  Bnrstand.  — 

Die  lllominaten-Loge  besass  1785  on  Cassa  res  t  1000  fl. 

Von  diesem  Gelde  wurden  250  M.  für  den  Marquis  Constanzo 
und  25  fl.  für  andere  Ausgaben  zurückbehalten,  500  fl.  für  den 
Weishaujit  zur  Fortsetzung  seiner  Reise  und  der  Rest  zu  275  fl. 
für  seine  in  Ingolstadt  zui*ückgelassene  Frau  und  Kinder  ge- 
schickt. Aussenstände  250  fl,  E)arlehen  nn  Graf  Savioli;  900  H. 
aussenstehende  Mitgliederbeiträge,  Rezeptions-Tax-Gebühren, 


Hertel  klagt  in  seinen  Aussagen  über  die  schlechten  Ein- 
gänge der  Beiträge;  viele  zahlten  gar  nicht  oder  nur  wenig,  die 
Aussenstände  mussten  schliesslich,  weil  zu  hoch  angewachsen, 
gestrichen  werden.  Auch  die  Logen  waren  schlechte  Zahler, 
so  z.  B.  zahlten  zwei  neue  Logen  für  ihre  Constitutions-Urkunde 
gar  nichts. 

Da  die  Angaben  über  Rinnahmen  und  Ausgaben  des  Ordens 
interessante  Einblicke  über  dessen  Tätigkeit  und  Ausbreitung 
geben,  so  ist  es  angebracht,  einen  Teil  wörtlich  wiederzugeben. 


—     341     — 


'weil  dadurch  alle  übeririebenen  Schilderungen  von  der  Macht 
des  Ordens  am  besten  widcrleji;!  werden.     Es  heisst  dn: 

Von  der  Illuminaten  (»rden  oder  Provinz  Cassa  in  BayeriL 
Einnahmen  bey  dieser  Cassa. 

a)  Von  dem  Ordensstifter  und  jeden  Areopogiten  1779  im 
Juoy  beiläufig  ad  fundiam  cosso  1  Ducaten.  Was  Zwackh 
zuvor  erlegt  hat  kommt  in  den  Rechnungen  vor, 

b)  Von  der  Logen -Gasse:  Vermöge  des  Vergleichs  mit  der 
Loge  von  16  Mitgliedern,  welche  den  doppelten  Tax  be- 
zahlten beyloufig  400  11  wie  schon  gemeldet  wurde, 

c)  An  Vorschussgeldern  zu  einem  Anlehen  für  den  Grafen 
Portio  in  Mannheim  haben  einige  llluminaten,  Zwackh  25  fl. 
oder  50  fl.  Berger  25  11.  Hertei  50  (1  Cossandey  20  fl.  Grün- 
berger  und  andere,  die  auf  einer  besonderen  Liste  stunden, 
300  eUicIie,  90  fl.  zusammengeschossen,  für  welche  man 
dem  Grafen  Portio  einen  Schein  auf  die  Gesellschaft  aus* 
stellen  lies,  damil  er-  den  Individuen  nicht  obligiret  seyn 
dürfte. 

d)  für  die  Illuminaten  Grade  wurde  nichts  bezahlt,  die  Ein- 
nahmen bey  den  Minerval  Versammlungen  aber  waren, 
für  die  Receptions-Inilation  und  die  Introduction  1  Ducaten 
oder  1  Carolin  oder  3  Ducaten,  für  das  MinervaMnsigne 
2  fl.  24  X  und  was  bey  jeder  X'ersammlung  an  Almosen 
und  Strafgelder  z.  B.  für  das  unterlassene  quibus  licet 
12  oder  14  X  einging.  Der  monatliche  Beitrag  der  Miner- 
valen  w^ar  50  X  und  der  Illuminaten  1  fl.,  wenn  sie  nicht 
bey  der  Loge  zaiilten  oder  dispensirt  waren.  Von  den  Illu- 
minaten weiss  ich  einen  einzigen  (Attila)  der  nnstott  des 
monatlichen  Beytrages  olle  Quartale  6  fl.  15  X  im  letzten 
Jahre  zu  geben  anfing. 
Die  Ausstände  bey  allen  Minerva h\'ersam ml ungen  werden 

vermöge  derselben  Hecluiungen  von  177U — 1785  über  1500  fl.  aus- 
machen. Was  deductis  deducendis  bey  den  1779  bis  81  in 
Münclien,  dann  1782  bis  84  zu  Burghausen,  Straubing,  Regens- 
burg und  [.andsberg  constituirten  und  zu  Erding,  Amberg  und 
Aichach  angelegten  Minerval-Versammlungen  übrig  blieb,  w^urde 
alle  ([uortnl  oder  lialhe  Jaln*  meistentlieils  von  den  Superioren 
an  die  Provinz  Directoi'es  oder  dem  Pi"Ovinz-quaestor  eingeschickt, 
die  Minet'val  Versamminngen  zu  Preysingen,  Ingolstadt  und  Neu- 
bui-g  haben  ihre  Gelder  in  loco  verwenden  können. 


—    342    — 

Die  zwey  ersten  auswärtigen  Mi  nerval- Versammlungen  zu 

Eichstätt  und  Frankfurt  standen  zwar  anfangs  unter  der  Direc- 
tion  der  hiesigen  Areopogiten  und  fragten  einmal  an,  ob  sie 
ihren  Cassa  Rest  einschicken  müsslen.  Es  wurde  ilinen  aber 
von  der  Illuminaten-Versanimlung  rescribiret,  dass  sie  solche 
behalten  sollten  und  1787  wurden  beyde  Versammlungen  ihren 
Provinzen  überlassen. 

Die  besondere  Einnahme  von  Mitgliedern,  welclie  ausser 
den  MinervabVersammlungen  anfangs  recipii'et  wurden  und  was 
einige  Ausländer,  die  unter  der  Direction  des  Superior  Salla 
standen,  weil  sie  an  ihre  Provinz  noch  nicht  angewiesen  werden 
konnten,  bezahlten  oder  vielmehr  ausständig  blieben,  63  fl.  I 
und  es  f\. 

Von  den  Gassen  der  Provinzen  (denn  jede  Provinz  halte 
eine  eigene  Cassa)  wurde  an  die  hiesige  nichts  abgegeben,  so, 
wie  diese  auch  nichts  an  jene  geschickt  hat.  Der  Provinz  Direk- 
tor stellte  zwar  einmal  an  den  Provinzial  Constanzo  das  An- 
suchen um  50  rt.  jöhrhclien  Beytiijg  zum  Untei^uilte  eines  Secre- 
tarius  für  die  Provinz  Inspection.  Man  machte  ihm  Hoffnung, 
Es  wurde  aber  nichts  bezahlt. 

Das  Project  der  Are(»})agiten  von  einer  allgemeinen  Cassa 
und  Universal-Archiv,  dann  die  von  Areopagil  Iliilo  (Knigge) 
in  seinem  schottischen  Rittergrade  und  Freymaurer-Constitutions- 
Buche*)  projectirte  Abgaben,  wie  auch  seine  verschiedenen  Pro- 
messen, welche  er  in  letzteren  Briefen  an  Weisliaupt  und 
Zwackh  äussert,  blieben  das,  was  sie  waren  —  Projecten  — 
Promessen.  Aber  dessen  Drohungen  fingen  mit  seinem  Aus- 
tritte aus  dem  Ilh-t>rden  1783  an,  in  Erfülhmg  zu  kommen* 

Wie  viele  Illumiiiaton  und  Minervalen  ihi'en  monatlichen 
Beytrag  ganz,  oder  halb,  oder  gar  nicht  erlegt,  oder  bey  der  Loge 
bezahlt  lioben,  wann  ein  jeder  zu  zahlen  anling  und  wieder  auf- 
hörte. Die  Zahl  der  Mitglieder  nahm  mit  den  Jahren  zu  und 
ab  und  von  Zeit  zu  Zeit  wurden  einige  introducirt,  einige  dimit- 
tirt,  einige  in  die  Loge  inscribirt,  ob  und  was  ein  jeder  Minerva! 
bey  der  Heception,  Initation  und  Introduction  gegeben  (die 
Minervalen  wTiren  meist  junge  Leute,  welche  nichts  bezahlen 
konnten  und  deren  Mehrei'e  vom  Orden  unterstützt  wurden)! 
ferner  wieviel  die  Minerv,  Versammlungen  von  ihren  Einnahmen 
nach  Abzug  der  Ausgaben  hätten  einschicken  können,  zeigen  die 


I 


•)  Ein  solches  Manuskript  aus  Zwackhs  Nactilass  in  Händen  des , 


—     343     — 


Minerv.  Rechnungen  an.  Welelie  Minei'v.  Versammlungen  aber 
ihre  Abgeben  eingeschickt  haben  und  wie  oft,  kömmt  in  den 
JOrdens  Rechnungen  vor. 

Es  ist  nielit  möglich,  dieses  üus  dem  K<»pfe  anzugeben. 

2.    Ausgaben  von  der  Illuminoten  Ordenscasse. 
o)  Der  Ordenssüfter  wird  von  1779—85  in  allem  3  bis  400  fl. 
empfongen  haben. 

b)  Ein  jeder  der  liiesigen  Areopagiten  {Calo,  Scipio,  Celsus  et 
Mnrius)  erhielt  für  die  bescmdereo  Ausgaben  wegen  dem 
t*rden  1779  bis  Febr.  85  jährlicli  50  H. 

c)  Der  Provinzial  Constanzo  aber  vom  Jänner  1783  bis  Febn  85 
inclusive  monatlieh  25  fl.  Unterhalts-Bevtrag.  Was  er  1782 
empfing,  kann  ich  mich  nicht  erinnern. 

d)  Vergütungen  der  Rciseuiikosten,  z.  B.  dem  Areop.  Philo» 
als  er  1781  hier  war,  Beytrag  50  fl. 

e)  An  Gratificotionen  und  Unterstützungen  für  andere  Mit- 
glieder: 

Diese  bestimmten  in  den  ersten  Jahren  die  Areopagiten, 
in  den  letzten  die  Provinz  Directores.  Sie  wurden  ent- 
weder gleich  bei  dem  Minei'val  Magistrat  bezahlt,  z.  B.  dem 
Superioi*  Tropponegro  60  iL,  dem  Miner-val  Dillis  20  fl.  oder 
von  der  Ordenscasse  z,  B.  dem  Areop.  Sohm  für  das  co- 
piren  der  Reproehenzettel;  84  fl.  dem  Miirerval  Haberl,  als 
er  in  Wien  practizirle,  oder  durch  den  I^roviuz  Director  von 
den  an  ihn  eingeschickten  Minerval-Versammlungsabgaben 
z.  B.  dem  111.  Drexl  34  fl.,  dem  Minerval  Senner  jun.  etliche 
Monat  8  IL 

Für  die  Unkosten  der  Ordens-Correspondenz.  Diese  führte 
in  den  letzten  Jahren  der  Provinzial  Constanzo  fast  ganz 
allein  und  konnte  die  Auslagen  dafür  von  den  erhaltenen 
Mi  nerval' Abgaben  abziehen. 


Es  folgen  nun  noch  mehrere  Positionen,  welche  die  Ordens- 
Ausgaben  angeben,  jedoch  von  keinem  wesentlichen  Interesse 
sind,  da  sie  rein  allgemeine  Geschäftsausgnben  enthalten. 

Diese  wahrheitsgemässen  Angaben  zeigen  deutlich,  dass 
im  Illuminatenorden  wirklich  keine  Reichtümer  gesammelt 
wurden,  die  zu  verbrecherischen  Zwecken  benutzt  werden 
[konnten  und  dass  Baron  Mändls  Angaben  in  der  Luft  hingen. 
lertel  hat  auch  Glauben  beim  Kurfürsten  gefunden  und  wurde 


—     314     - 


infolgedessen  am  10.  Mai  1788  laut  Belehl  mit  der  \'erwarnung 
entlassen,  duss,  falls  sicli  über  kurz  oder  lang  herausstelle» 
Arrestant  sei  nicht  mit  der  Wohi^heit  herausgegangen  oder 
mache  sich  im  geringsten  verdachtig,  in  Zukunft  der  llluminaten- 
sekte  neuerdings  mit  Worten  oder  Werken  anzuhängen,  so  wird 
man  ihn  wieder  in  den  Arrest  bringen  und  nicht  sobald  enl* 
lassen.  —  E)ie  ihm  gehörigen  beschlagnalimten  (lelder  wurden 
laut  Befehl  \om  17.  Mai  1788  zurückerstatlet,  jedoch  niclit  ohne 
Abzug  der  gemachten  Auslagen.  Hertel  blieb  weiterhin  un- 
behelligt, die  Verwarnung  brauchte  nicht  betätigt  zu  werden, 

Durcli  die  eoldeckteii  Namenslisten  war  es  oftenkundig, 
dass  sehr  viele  Geistliche  dem  Orden  anhingen,  eine  Erscheinung, 
die  natürlich  in  höheren  klerikalen  Kreisen  sehr  missbebig  an- 
gesehen wurde  und  den  Fürsüiischof  von  Regensburg  veran- 
lassten, ein  Vei'bol*)  für  alle  Geistlichen  zu  erlassen. 

Die  Freimaurerzeitung  Nr.  58  und  Folge**)  berichtet  über 
dieses  Verbot  folgendes: 

Neuwied,  d,  19.  Juli  1787. 

Auszug  eines  Schreibens  vom  Donaustrom 
d.  d.  den  9.  Jul. 

Wer  sollte  glauben,  dass  man  im  Jahre  17S7  noch  Ketzer 
machen  würde?  Und  dennoch  geschieht  es.  Ganz  küi'zlich  er- 
liess  der  Herr  Fürstbiscliof  von  Regensburg  einen  Hirtenbrief 
gegen  die  Illuminoten,  den  ich  wegen  seiner  Merkwürdigkeil 
liier  beyfüge.  Nun  muss  die  Religion  zum  Deckmanlei  der  Ver- 
Inigung  dienen,  w^cil  sonst  die  Feinde  des  Illuminatismus  in 
einer  schändlichen  Blosse  erscheinen  würden.  Befremdend  ist 
es  eben  nicht,  dass  der  Herr  Fürstbischof  von  Regensburg  sich 
zu  diesem  Schritt  entschloss.  Dieser  würdige  Oberhirt  hat  seine 
ganze  Familie  in  Raiei'n,  und  zieht  anselmliche  Finkünlle  aus 
demselben.  Der  wolilverschrieene  Herr  Pater  Frank  smII  es 
sogar  dahin  gebracht  liaben,  dass  man  allen  Bischöfen  des 
Bairischen  Kreises  mit  Spen'ung  ihrer  Temporalien  drohete, 
wofern  sie  sich  nicht  nach  seinen  Absicliten  fügten.  Demun- 
geachtet  konnte  wedei-  der  vorlreffhche  Herr  Frzbischof  zu  Salz- 
buT^,  noch  die  Herren  Bischöfe  zu  Passau,  Freys ingen***)  und 

*)  Ein  Originalabdryck  im  Besitz  des  Autors. 
••)  Ebenfalls  im  Besila  des  Autors. 
•**)  Welcher  Irrtum   de.^  SciireÜJ^rs   hier   vorliegt,    beweisen    die   päpst- 
lichen Briefe. 


I 


—     345    — 


^. 


'Eichstädt  zu  ähnlichen  Schritten  bewogen  werden.  Dreymal  ver- 
suchte es  schon  Pater  Frank,  den  letztem  zu  einer  Inquisition 
gegen  die  llluminalen  zu  bereden.  Man  bot  ilim  sogar  Soldaten 
an,  w^enn  das  Volk,  welches  von  der  Unschuld  dieser  Männer 
überzeugt  ist,  etwa  einen  Aufstand  erregen  sollte.  Da  sich  die 
eben  genannten  Herren  Bischöfe  nicht  dazu  verstanden,  so  ver- 
breiteten die  Jesuiten  ein  Ideal  eines  Hirtenbriefes,  welches  sie 

uf  die  unverschämteste  Weise  dem  Herrn  Fürstbischof  von 
Freysingen  unterschoben.  Ein  Ideal,  welches  ganz  den  Stempel 
Frankischer  Rlietorik    trägt    und  von  Widersprüchen    wimmelt. 

o  nennt  es  die  Illuminaten   bald  eine  Socianische  Seele .  bald 

eisten,  bald  gar  AÜieisten,  zum  Beweise,  dass  ilu-e  Hasser 
bst  noch  nicht  wissen,  warum  sie  sie  verdammen.    Rachsucht 

nd  Eigennutz  sind  die  einzigen  Triebfedern,  welche  ihren  Fall 
verursacht  haben.  Selbst  der  Herr  Fürstbischof  von  Freysingen 
fand  ihre  Lehre  rein,  als  er  die  Geistlichen  seines  Sprengeis 
darüber  zur  Rede  stellte,  und  er  denkt  zu  christlich,  als  dass 

r  Unschuldige  auch  nur  kränken  könnte.  Das  Mandat  des 
Herrn  Fürstbischofs  von  Regensburg  lautet  folgendei^eslalt. 

Des  Hochwüi^digsten  Fürsten  und  Heri-n, 

tHerrn   Maximilian    Prokop,    Bischofes    zu    Regensburg, 

las  Heil  Rom.   Reichs  Fürsten  etc,  Grafen  von  Torring- 

Uttenbach,  Herrn  auf  Torring  und  Dengling,  des  hohen 

Ritterordens    St.    Georgii    Grosskreuz,     und    infulierteu 

*Dbstes  zu  Straubing  etc.    Wir  Suffraganeus,   Praeses 

lonsistorii,  Vice-Prases,   tX'ficialis,   und  andere  zu  den 

geistlichen  Sachen  geoi'dnete  Röthe  elc. 

Es  ha,t  sich  der  llluminatismus  dergestalt  verbreitet,  dass 

sogar    der    geistHche   Stand    nicht    ganz    davon    befreyet, 

andern  ein  Theil  des  Cleri  tarn  secularis  quam  regularis,  damit 

angesteckt  ist,  und  noch  einige  derselben  gegen  das  ansdrück- 

»liche  landesherrliche  Verboth  dieser  Sekte  anhangen,  und  selbe 

nach    iln^en    hochstverdorbenen   Grundsätzen  zu  verbreiten   sich 

^beeifern. 

f  Damit  nun   diese  für  den  Staat,  Religion,  und  gute  Sitten 

sehr  gefälu^iciie    und    schädliche   Sekte   in  Unserm    Bisstluime 

t gänzlich  unlei'drücket  und  ausgerottet  werde:  so  befehlen  Wir 
anmit  in  virlate  sanctue  (Jbedientiae,  dass  jeder  sowohl  Sekuhir- 
pls  Hegularpriester,  der  dem  Illuminotismo  beygethan  ist,  dieser 
Sekte  sogleich  entsage,  und  dass  jeder  Dechant  auf  seine  unter- 


gebene  Kapitularen,  auch  jeder  Pfarrer  auf  seine  Mitkapitularen, 
OrdensgeisHiclie  und  Gesellpriester  besiändig  ein  wachbares 
Auge  habe,  und  jene,  welche  sich  durch  freye  Derikungs-  und 
Lebensart,  oder  sonst  mit  Worten  und  Werken  des  Illuminatismi 
verdächtig  machen,  sogleich  unmittelbar  anlier  anzeige,  und  von 
allen  Vorfallen  umständliche  Nachriclit  erthcile:  wo  Wir  noch- 
hin  nicht  eminngeln  werden,  nach  gepHogencr  Untersuchung  der 
Sache,  mit  geistliclien  Strafen  und  Censuren  nach  Vorschrift 
der  geistlichen  Hechle  gegen  die  Ungehorsamen  zu  verfahreti 
und  selbe  schärfest  zu  bestrafen. 

Gleichwie  aber  der  Illuminatismus  dadurch  in  Unserm 
Bisslhume  Wurzel  gefasst  hat,  weil  von  subalternen  Obern  auf 
die  Disciplin  kein  wochsames  Augenmerk  gewendet  worden  ist; 
so  befehlen  Wir  nn  mit  ernslgemessenst  allen  Declianten  und 
Pfarrern,  über  die  Kirchendisciplin,  DiÖzesanverordnungen,  und 
die  mehrfällig  erlossenen  Generalien  nicht  mir  genauest  zu  in*; 
vigiliren,  sondern  aucli  die  Ueberü-eler-  derselben  ebenfalls  so- 
gleich anhero  namhaft  zu  machen,  und  über  derselben  Vei^ehen 
umständlichen  Bericht  zu  erstatten. 

Gegenwartiges  Generalmandot  haben  sämmtliche  Declianten 
ihren  Kapitularen  zu  kommuniziren,  welche  selbes  ihren  Geselb 
priestern  publiziren  sollen,  damit  sich  keiner  mit  einer  Unwissen- 
heit diessfalls  entscliuldigen  könne.  Gegeben  im  geistlichen 
Rathe  zu 
Regensburg,  d.  Slsten  May  1787. 

Valentin  Anton  L.  B.  de  Schneid. 

Episcopus  Corucensis,  SufTraganeus,  Preeses 

Consistorii,  eSc  Eeclesiae  cathedralis  summus  Scholasticus. 
Andreas  Mayer,  Ss.  Theol.  Ltc.  Consil 
EccL  v.  Notarius  Apostolicus. 


Das  andere  Schriftstück  tldeal  eines  Hirtenbriefes  etc.« 
nannt,  zeigt  auf  dem  Titelblatte  die  Bemerkung: 

»bereits    in    seinem    Sechs   Monatlichen    Entstehen,    noch| 
aber  nicht  aus  verstopfter  Quelle  in  seiner  Existenze.«  — 

Daraus  seheint  hervorzugehen,  dass  von  den  Or-densfeinderi 
der  Bischof  \.  Freysingen    möglichst   gezwungen   werden   sollte,, 
eine   ahnliche  Schimpferei   und  Verdonnerung   der   Hluminaton] 
bekannt  zu  gehen,  wie  dieses  Ideal  eines  Hirtenbriefes  enthält. 
Der  Bischof  mag  jedoch   über  die   Folgen  seines   Hriefwechselsj 


347 

nach  Rom  selbst  erschreckt  gewesen  sein  und  wünschte  nicht 
noch  mehr  Ol  ins  Feuer  zu  giessen.  Er  verhielt  sich  deswegen 
solchen  Anzapfungen  gegenüber  passiv,  zum  grössten  Missmule 
seiner  Angreiter, 

I  Die  Erscheinung  nun,   dass  so  viele  Geistliche   sich    dem 

Orden  anschlössen,  hat  einen  sehr  einleuclitenden  Grund,  wenn 
man  sich  in  Erinnerung  ruft,  wns  Kluckhohn  (s.  Seite  10)  über 
den    Zustand    abergläubischer   Gebräuche    sagt    —    Denkende 
Köpfe,  und  wer  würde  wogen  zu  behaupten,  dass  gei'ode  der 
geistliche  Stand  nicht  solche  jederzeit  aufzuweisen  hat,  durften 
in  jener  Zeit  sich  gar   nicht    oflentUcli   über  vorliandene   Miss- 
brauche in  der  Religion  äussern,  die  Kirche  verlangt  unbedingten 
rlehorsam   und  Glauben   an   solche  Salze,  die  sie  als  Wahrheit 
ausgibt  Wissenschüft  und  Gedankenfreiheit  mussten  dernzufolgo 
zu  allen  Zeiten  sich  verbergen,  wenn  das  Dogma  mit  Richtbeil, 
Galgen  und  Scheiterhaufen  seine  unbezwingliche  Herrschaft  be- 
hauptete,  —   aber   nur    verbergen,    sie    konnten    nicht    vertilgt 
werden.     In  den  ältesten  Zeiten   hatte  die  Prieslerscbaft  selbst 
Kin  den  geheimnisvollen   Mysterien    ihre   tiefere  Erkenntnis   der 
Öffentlichkeit   verborgen,    in    denen    des    Mittelnlters    und  jener 
Periode,  die  hier  geschildert  ist,  war  sie  jedoch  wieder  Sklave 
Bihrer  Unwissenheit  gewurden,   die  ein  freies  Denken    verboten 
^kiid  so   flohen  jene  Priester,    die    nun    einmal    ketzerische   Ge- 
BnaTiken  nicht   unterdrücken   konnten,   in  den  Schoss   geheimer 
^Gesellschaften,    hoffend,    dort   eine   nicht   vertrocknete   Geistes- 
nahrung zu  tinden. 

Hier  in  dem  Kreise  von  Männern,  die  durch  ein  gleiche« 
Ziel  zusammengeführt  wurden,  konnte  ein  ofTenes  WoH  ge- 
■sprochen  und  angehört  werden,  ohne  schwere  geisthche  Pönitenz 
auf  sich  zu  laden.  Den  Inhalt  von  Schriften  konnten  sie  er- 
fahren, die  zu  lesen  strenge  verboten,  —  kurz,  viele  Dinge 
konnten  in  der  Loge  von  anderer,  als  der  eigenen  einseitigen 
Breite  betrachtet  werden.  Das  musste  reizen  und  wirkte  auch 
für  jene  Geistlichen  anziehend,  die  recht  gut  wussten,  dass  sie 

Idem  Volke  nicht  immer  das  boten,  was  in  ihrer  eigenen  Seele 
schlummerte,  weil  sie  die  Allgemeinheit  für  unfähig  hielten, 
höhere  Wahrheiten  zu  begreifen. 
Der  illuminatenorden  stand  jedoch  in  dem  Rufe,  die  Lehren 
das  Urchristentums  zu  bewahren  und  sein  Prieslergrad  war 
auch  dazu  angetan,  diesen  Gedanken  zu  bestärken,  trotzdem 
nicht  bewiesen  werden  kann,  dass  Weishaupt  eine  «solche  Ab- 


348 


sieht  verfolgte.  Im  Gegefileil,  Weishaupt  ist  darüber  sehr  ver- 
wundert und  sagt  kopfseliültelnd:  »Ich  hätte  nicht  gedacht,  dass 
ic]i  noch  ein  neuer  Religio risstifter  worden  würde.«  —  M^'ohl 
über  steht  es  fest,  dass  Knigge  in  den  von  ihm  ausgearbeiteten 
Ritualen  den  Gedanlven  ausstreute»  der  (h^den  sei  im  Besitze 
jjiter  üherbi'aL'hter  Geljeimnisse.  —  Die  Freimaurerei  beansprucht 
für  sich,  nocli  heute  als  ein  Hort  aitchristlieher  Symbolik  an- 
geseljen  zu  werden.  Die  in  den  Logen  gepflegten  Legenden 
wuitien  ganz  nach  dem  geistigen  Standpunkte  ihrer  Vertreter 
und  Mitglieder,  teils  auf  Salomo,  teils  auf  Christus  gedeutet, 
es  ist  daher  das  Beginnen  Knigges,  schon  damals  eine  ener- 
gische Schwenkung  nach  der  christlichen  Seite  auszuführen, 
keineswegs  verwunderlich,  nur  fand  er  dabei  nicht  bei  Weis- 
haupt die  erhofite  ganzliche  Zustimmung. 

Durch   dieses  Beginnen    musslen  jedoch  Geistliche  jeden- 
falls  sympathisch  berührt  werden,  zumal  eine  Profonation  reli- 
giöser  Gel^räuche  alisolut  nicht  vorkam  und  angstlich  vermieden 
wau'de.     Alle  diese   Dinge,  zu  denen  nicht  w^enig  auch  die  da- - 
maligen  politischen  Zustande,  durch  die  weltlichen  Machtbefug- ^ 
nisse  der   regierenden   FürstbiscliÖfe,   die   manclimal    mehr  Be- 
Wegungsfreiheit  in  einzelnen  Diözesen  gestatteten,  beitrugen,  er- ■ 
klären  den  Zuzug  von  Geistlichen  zwangslos.  | 

Natürlich  war  das  nicht  nach  dem  Geschmack  der  kirch 
liehen  und  weltHclien   Gewalthaber;   die  durch  den   Klerus  auf 
den  unbedingten  Gehorsom  der  Bevölkerung  i'echnen,  ist  dieser 
zu   autgeklärt,    so   würde    dem   Volke    mit   Siclierheit    ebenfalls 
helleres  Licht  gegeben. 

Es  wurde  dahei\  um  sich  zu  vergewissern,  dass  die  Seuche 
des  Illuminotismus  niclit  unter  der  Geisiliclikeit  weiter  um  sich 
greife,  das  so  ungemein  l>eliebte  Mittel  der  un versehenen  Visi- 
tationen auch  hier  angewandt,  wie  aus  dem  michfolgenden,  für 
die  damaligen  Zustände  sehr  charakteristischen  Brief,  der  an 
den  Fürstbischof  von  Regensburg  gerichtet  ist,  und  aus  dem  sn 
recht  klar  ersiclitlich  ist,  wie  unholtbar  diese  geworden  \\aren, 
hervoi'geht. 

Unsere  Freundschaft  zuvor: 

Hochwürdiger    in    Gott  Vatter,    besondei*s    lieber   Freund Ij 

Wir  finden  selbst  rathsam  zu  seyn,  dass  die  Bischöflichen  V^isi*! 

tationes   bey.  den    Pfarrern    und   andere    untergebene    Diocoseal 


I 


349    — 


Geistlichkeit  allemal  unversehener  Weise  von^^enolimen  werden^ 
und  verlangen  dalier  nicht,  das,  wenn  solclie  nur  die  Spiritae 
alio,  oder  disciplinaria  betreften,  bey  Uns,  oder  Unserem  geisN 
liehen  Rath  eine  vorläufige  Anzeige,  oder  requit^ition  hierin  ge- 
schehe. 

y  Wir  werden  auch  Euer  Liebden  mit  dem  weltlichen  Arm 
allenthalben  wo  er  immer  nöthig  seyn  mag,  durch  Unsere  noch* 
geordnete  Obrigkeiten  hierin  zu  unterstützen  niclU  ermoogeln. 
Es  steht  Euer  Liebden  denn  hieriüichst  frey  die  Visitation  auf 
Unsern  teutschen  und  lateinischen  Schulen  quo  ad  Religioneni 

Hl  mores  in  dero  Dioces  vorzunehmen. 

^  Wir  gedenken  hierzu  weder  einen  Commissarius  bey  zu 
ordnen,  noch  sonst  ein  Hinderniss  liierin  zu  machen,  oder  dem 
Unsrigen  dergleichen  zu  gestatten,  sondern  vielmehr  hey  einem 
so  löblich,  als  gcmeinnüzigen  Werk  oll  benöthigen  \'orsclmb  zu 
geben   und  verbleiben  Euer  Liebden  mit  allem   guten  wohlbey- 

Iethan. 
k       München,  Carl  Theodor 

I      d.  IL  September  1787-  (unterschrieben  mit  allen 

I  seinen  Titeln.) 

Man  sieht,   wohin  das  Schulwesen   jener  Zeit,    das   unter 
Ickstöü  einen  so  schönen  Aufschwung  genommen  hatte,  wieder 
P||eraien  war,  dass  es  gänzlich  dem  Obscurantentum  wieder  aus- 
geliefert  wurde  und    seufzend   auf  den  Retter  aus   solcher  Not 
warten  mussle. 


Die  Aiisbreitimg  des  Ordens, 

Die  Frage:  Wie  weit  hat  sich  der  Orden  zur  Zeit  seiner 
istcn  Blüte,  also  bis  kurz  vor  der  bayrischen  Verfol/^iings- 
zeit  erstreckt?  ist  heule  nicht  leicht  zu  beantworten.  Tatsache 
ist,  dass  in  ganz  Üeutsehlünd  Verbindungen  angeknüpft  worden 
waren,  auf  Grund  der  freimourerischen  Beziehungen,  ob  jedoch 
diese  zu  einer  grösseren  Tätigkeit  sich  aufwnrfen,  ist  sehr  schwer 
zu  bestimmen.  Nur  wenige  Dokumente  existieren  als  Nachweis» 
denn  es  ist  natürlich,  dass  solche  in  der  Verfolgungszeit  in 
Bayern  vernichtet  wurden,  um  nicht  verdächtigt  zu  werden  und 


—     350     - 

äussere  Verbindungen  ziemlich  schroff  abgebi-ochen  wurden.*) 
als  sicli  die  Skandolsuclit  erhob  und  dem  Orden  und  deren 
Leiter  alle  erdenklichen  Schlechtigkeiten  ondichtete.  lin  Laufe 
der  Zeit  sind  dann  die  betreffenden  Schriften  von  den  Lugen 
als  minderwertig  missachtet  und  beseitigt  worden,  so  dass  eine 
Aufklärung  heute  ungemein  erschwert  ist. 

Den  besten  AnhaU  gibt  immer  noch  die  von  Knigge  aus- 
gearbeitete National- Direktions-Tabelle  vom  Deutschland,  doch  ist 
dabei  zu  bedenken,  dass  die  in  dieser  Tabelle  angegebenen  Land- 
striche nicht  alle  von  Illuminaten  bevölkert  waren,  sondern  dass 
man  hoffte,  durch  die  schon  vorhandenen  Beziehungen  in  diesen 
werbend  mit  Erfolg  vorgehen  zu  können.  Knigge  war  jedoch 
zu  praktisch,  um  aussichtslos  Einteilungen  zu  schafften,  es  kann 
daher  immer  angenommen  werden,  dass  in  den  genannten  Städten 
aussicIitsvoUe  Beziehungen  vorhanden  waren. 

Das  Oberhaupt  des  Ordens  w^ar  der  Geheime  Areopag  mit 
dem  Ordensgeneral  Weishaupt  on  der  Spitze.  Diese  ernannten 
den  National-Oberen,  zu  dem  in  letzter  Zeit  Graf  Stollberg  zu 
Neuwied  ausorsehen  war.  Dieser  National-Direktion  unterstanden 
nun  laut  Tabelle  3  lnspektionen,  die  sich  wieder  in  ProvinziaU 
Direkliuneii  oder  Prafekturen  teilten.  Zur  ersten  Inspektion  ge- 
liörte  Bayern,  Schwaben,  Fronken;  zur  zweiten:  die  Kurrheini- 
schen Kreise»  die  Oberrheinischen  und  Westfälischen;  zur  dritten 
Inspektirm  gehörte  ober-  und  Niedersachsen. 

Die  Frovinzial  Direktionen  erhielten  nun  w^ieder  Schottische 
Direktorien,  denen  die  Städte  dieser  Bezirke  unterstanden.  Diese 
Städte  alle  anzuführen,  ist  zwecklos,  da  sicher  nicht  überall 
Illuminaten  lebten,  sondern  diese  Städte  der  Zukunflsarbeit 
wegen  genannt  sind,  die  schottischen  Direktorien  dürfen  jedoch 
wohl  meistens  als  Bestand  habend  anzusehen  sein.  Die 
Tabelle  gibt  folgende  an: 

In  Bayern:  München,  Salzburg,  Regensburg,  Freysingen. 
Schw^aben:  Augslmrg,  Stuttgart,  Oettingen,  Kai*lsruhe. 
Kranken:  Eichstädt,  Würzburg,  Bayreuth,  Meinungen. 
Kurrheinischer  Kreis:    Mannheim    oder   Heidelberg,   Mainz,] 

Cobtenz  oder  Trier,  Bonn  oder  Cöln. 
Oberrheinischer  Kreis:  Kassel,  Wetzlar,  Frankfurt,  Darmstadt,) 
Speyer. 

*)  Die  ersten  Minerva I-Grade  befinden  sich  z«  B.  noch  iit  der  Freimaurer-J 

Loge  zu  Emden  im  OrtginalmanusknpL 


—     351     — 


Westfälischei"  Kreis:  Neuwied»  Münster,  Paderljorn,  Olden- 
burg, 

Obersachsen:  Dresden  oder  Leipzig,  Berlin,  Weimar  oder 
Gotha,  Dessau. 

Niedersochsen:    Horrnover,   ßraunschweig,   Bremen,  Strelilz. 


I 


I 


Zieht  man  von  diesen  Schottischen  Direktorien  selbst  die 
Stfidte,  die  miteinander  durch  »oderc  verbunden  sind,  als  zweifel- 
hafte ab,  weil  aus  diesem  *oder<  hervorgeht,  dass  zur  Ent- 
stehung der  Tabelle  noch  keine  Klarheit  herrschte,  wohin  das 
Direktorium  zu  verlegen  sei,  so  bleibt  dennoch  ein  ganz  be- 
deutender Wirkungskreis  übrig,  in  dem  nach  dem  IlUuminaten- 
systeni  des  Schottenritus  gearbeitet  wurde.  Da  jedoch  unter 
den  Andreasrittern,  dem  lUuminatus  major,  die  kleineren  Blu- 
minaten  und  Minervole  standen,  aus  denen  letzteren  Miner- 
valkirchen  (so  hiessen  deren  Versammlungen)  gebildet  wurden, 
so  ergibt  sich,  dass  die  Organisation  sehr  weit  sich  ausbreiten 
konnte  und  jedenfalls  auch  ausgebreitet  hatte. 

Der  Ankläger  Staack,  dessen  Ausfülirungen,  wie  wir  später 
sehen  werden,  zwar  keineswegs  immer  zutreffende  sind,  gibt 
im  Jahre  1803  über  die  Ausbreitung  des  Ordens  beachtenswerte 
Daten  anT^ilso  zu  einer  Zeit,  in  der  die  Richtigkeit  derselben 
noch  nachzuprüfen  möglich  war,  denen  jedoch  meines  Wissens 
uiclit  widersi>rochen  wurde.  Diese  Daten  mögen  darum  hier 
einen  Platz  ünden. 

Er  sagt  Seite  316.  Der  Triumph  der  Philosophie. 


»Man  kann  sich  von  der  weiten  Ausbreitung  einen  Begriff 
machen,  wenn  man  aus  der  Oi-densgeographie  nur  die  einzige 
Inspeclion  Dacien  ausliebt,  welche  in  vier  sogenannte  Präfec- 
turen  abgelheilet  war.  Von  diesen  enthielt  die  erste  (Lydien), 
welche  Hessenkassel,  Hersfeld,  Waldeck  und  einen  Theil  der 
Wetterau  begriff,  aussei'  Kossel  (Gordium)  Marburg  (Lueejum), 
Friedberg  (Myracium)  und  Wetzlar  (Sebaste),  noch  16  nicht  un- 
beträchtliche t  *e!*ter,  worin  Illuminaten  sich  befanden,  die  zweyte 
PrÖfektur  (Epirus),  welche  Frankfurt,  das  Fuldaische,  dns  Hanau- 
ische. Solmsische  und  Ysenburgsche  begriff,  entliielt  ausser 
Frankfurt,  Fulda,  Hanau  und  Offenbach  noch  8  Oerter,  Die 
dritte  (Peloponnesus)  die  dns  Darmstädtsche,  Homburgsche, 
Weilburgschc,  Usingische  und  Sanrbrücksche  begriff,  zählle 
ausser  Darmstudt  (Lysti*a),  Giessen  (Eudoxias),  Homburg  (An ti um). 


—    352 


Weillmi'g  (Bersabe)  und  Wiesboden  (Leucopolis)  auch  noch 
8  (»erter.  Die  vierie  (Apulien)  begriff  das  Herzogthum  Zwey- 
brücken,  die  Bisthümei'  Speier  und  Woi-ms,  das  Sälmische  und 
Leiningische,  und  enthielt  aussei-  Zweybrücken  (Sodom)  Speier 
(Issus),  Worms  (Elis)  noch  9  Städte. 

Um  die  Zeit,  als  diese  geographische  Eintheilung  gemacht 
wurde,  befanden  sich  in  Wetzhir  allein  26  Illuminoten,  zu  Cassel 
sieben,  zu  Marburg  sechs  zu  Speier  neune,  zu  Frankfurt  22  u.  s.w. 
und  so  war  es  verhällnisinässig  an  andern  Orten.  —  —  — 


I 


Nach  dem  Auslande  hat  sich  ausser  nach  Osterreich  der| 
Orden  kaum  bedeutend  ausgedehnt,  Alle  Andeutungeli  hier- 
über, die  aus  den  Briefen  der  Originalschnften,  sowie  des  Nach- 
trags hierzu  her\'orgehen,  sind  nur  fromme  Wünsche.  Weis- 
baupt  selbst  war  stets  der  Meinung,  dass  der  (Jrden  erst  im 
Inlande  erstarken  müsse,  und  stellte  sicli  darum  solchen  Ab- 
sichten entgegen.  Auch  Knigge  schreibt  z.  B.  über  Frankreich 
in  einem  Bericht  vom  Juli  1782:  >Hier  rathe  ich  noch  vorerst 
nichts  zu  unternelmien.  Ehe  ich  nicht  die  Gescljäfte  vom  Halse 
habe,  lasse  ich  sogar  alle  Vorschläge  in  Elsass  und  Lothringen 
liegen.    — 

Werui  auctj  einige  Ausländer  dem  Orden  angehörten,  oh 
nun  als  Maurer  oder  lUuminalen,  so  kann  danms  noch  lange 
nicht  auf  eine  regelrechte  Ordens-firganisation  im  Auslande  ge- 
schlossen werden,  die  unter  dem  Szepter  des  Spartocus  stand. 
Knigge  wäre  der  Mann  gewesen,  solche  Ausbi'eitung  zu  in- 
szenieren, die  jedoch  durcli  seinen  Austritt  und  die  bald  deraut 
ausbrechende  starke  Ordensverfolgung  völlig  in  die  Brüche  ging.  — 

Fragt  man,  wer  gehörte  altes  dem  Orden  seiner  Zeit  an, 
so  kann  man  mit,  Fug  und  Recht  sagen,  der  grösste  Teil  der 
damals  bekannt  gewordenen,  nach  Aufklärung  strebenden  Geister. 
Viele  fühlten  sich  zwar  nicht  lietriedigt  und  verloren  das  Inter-| 
esse  bald,  weil  die  Scbulmaniei*  der  ( »rdensführung  ihnen  nicht 
behagte,  andere  wieder  wurden  durch  die  Angritte  abgeschreckt, 
ein  bedeutender  Teil  empfing  jedoch  wertvolle  Anregungen  für 
die  weitere  Lebenslaurbahn  und  fand  Gelegenheit,  sie  in  dea 
umwalzenden  Ereignissen  späterer  Jahre  zu  verwerten. 

Es  heisst,  der  Orden  sei  von  vielen  Füi'stcn  beschützt 
worden,  die  Mitglieder  desselben  waren.  So  sehr  gross  war  die 
Anzahl  fürstlicher  Personen  nicht,  sie  besteht  aus  folgenden: 


Carl  August  v,  Sachsen -Weimar. 


Eine  grosse  Anzahl  von  Angehörigen  des  Adels  zählte  j© 
doch  zu  den  Ordensmifghedern,  diese  alle  nach  den  noch  von 
handenen,  wenn  auch  nicht  erschöpfenden  Listen  aufzuzahlen, 
würde  den  umfang  dieses  Werkes,  ohne  wesentlielieu  Vortei 
für  den  Leser,  bedeutend  vergrössern,  es  kann  daher  davon  Ab 
stand  genommen  werden. 


—    856     — 


I 

I 


ment  zeigt  das  Datum  Weimar,  den  11.  Februar  1783  und  ist 
dem  schon  mehrfach  envähnten  Br  Bode  ausgestellt  und  be- 
händigt worden,  auf  dessen  Veranlassung  auch  der  Herzog  von 
Gotha  und  der  Prinz  August  von  Sachsen,  G_oethe  sowie  Hßi'der 
fast  zur  gleichen  Zeit  eintraten.  Dass  Goethe  einen  lebhaften 
Anteil  an  dem  Orden  genommen  hätte,  ist  nicht  erwiesen  und 
infolge  der  bald  eintretenden  Verbote  auch  nicht  anzunehmen. 
Sein  Interesse  dürfte  bald  erlahmt  sein  und  die  liluminaten-Zu- 
gehöngkeit  schlief  dann  ein,  während  die  der  Fi'eimaurerei  be-^ 
stehen  blieb.  Wohl  aber  dürfte  atizunehmen  sein,  dass  Weis- 
haupt, als  er  in  Gotha  lebte,  zumal  er  mit  dem  Weimarer  Hof 
Beziehungen  unterhielt,  Goethe  persönlich  nicht  fremd  geblieben 
ist.     Hierfür  sind  Beweise  jedoch  nicht  vorhanden. 

Gehörte  Goethe  dem  Orden  unler  dem  Namen  Aboris  on; 
so  ist  die  Frage  naheliegend,  ob  Schiller  nicht  ebenfalls  Illu- 
minat  war.  Es  ist  das  nicht  anzunehmen,  obschon  er  mit  Illu- 
minaten  eng  befreundet  war,  unter  anderen  auch  mit  Bode, 
Schillei-  schreibt  an  Körner  aus  Weimar  am  10.  Sept.  1787,  im 
Anschluss  an  das  Seite  227  bereits  wiedergegebene  Urteil  über 
Weishaupt:  »Bode  hat  mich  sondirt,  ob  ich  nicht  Maurer  werden 
wollle.  Hier  hält  man  ihn  für  einen  der  wichtigsten  Menschen 
im  ganzen  (trden.     Was  vveisst  du  von  ihm?*  — 

In  Selnllers  Briefen  finden  sich  jedoch  weitere  Andeutungen 
nicht,  folglich  scheinen  die  Bemühungen  Bodes  vergebliche  gd^ 
blieben  zu  sein.  Die  Frage,  ob  Schiller'  Itluminat  \\'m\  ist  daher 
zu  verneinen,  trotz  der  in  jener  Zeit  manchmal  auftauchenden 
gegenteiligen  Behauptung. 

Ausserhalb  des  Adels  gehörten  dem  Orden  viele  Gelehrt 
und  Schnftstellci%  sodann  Künstler  und  Theologen  an.  Aus" 
Handwerkerkreisen  linden  sich  gar  keine  Namen  veraeichnet. 
Dieser  Umstand  kann  auch  dadurch  zu  erklären  sein,  dass  die 
Vertreter  des  Handwerks  damals  als  mindergefährliche  Menschei 
angesehen  wurden,  die  in  Listen  anzuführen  von  der  Regierung 
als  unnötig  erachtet  wurde,  wenigstens  tinden  sich  in  den  amt 
liehen  Listen  deren  Namen  nicht.  Ordenslisten  aus  jener  Zeit 
ausser  den  bei  dem  ei^chlagenen  Lanz  gefundenen,  exislierei 
nicht  mehr. 


—     357     — 


Illnmiuatlsiniis  nnd  Freimaurerei. 

der  vert3lTeiitlichten  (h-densgeschrchte  Zwacklis  haben 
wir  bereiLs  ersehen,  in  welch  innigem  Zusammenbringe  der 
Orden  mit  der  Freimaurerei  stand,  und  dass  unter  der  Bezeich- 
nung Illuminaten-Freimaiirerei  eine  ganz  besondere  Richtung  zu 
verstehen  ist,  die  naher  zu  beleuchten  der  Mühe  wert  ist.  Es 
existiert  noch  zu  Händen  des  Autors  das  beroits  von  Hertel  er- 
wähnte durch  Knigge  verfasste  Freymäurer-Constitutionsbuch 
und  dieses  gibt  Einblicke,  namentlich  in  die  Absichten  Knigges, 
die  einfach  darauf  hinausgingen,  die  gesamten  damaligen  Frei- 
maurer zu  lUuminaten-Freimaurer  umzuwandeln.  Diese  Ab- 
sicht würde  höchstwahrscheinlich  gelungen  sein,  wenn  die 
Ordensveifolgung  nicht  ausgebrochen  wäre.  Es  ist  daher  mehr 
als  wahrscheinlich,  dass  diese  auch  aus  dem  Grunde  entstanden 
ist,  einer  solchen  Machtentfaltung  vorzubeugen.  Jedenfalls  war 
es  dringendstes  Interesse  jener  Obern,  die  den  Rosenkreuzer- 
Orden  leiteten,  die  damals  von  ihrer  Bedeutung  herabgesunkene 
zersplitterte  Freimaurerei,  nicht  plötzlich  durch  den  Illuminaten- 
orden wieder  geeint  und  in  ihrer  Organisation  zentralisiert  zu 
sehen,  als  dann  allerdings  zu  fürchtende  Macht.  Der  Plan,  den 
Knigge  erdacht  hatte,  war  unbedingt  schlau  und  wirksam,  die 
Mittel,  das  Vertrauen  der  Brüder  zu  erringen^  geradezu  genial; 
das  Conslitutionsbuch  gibt  darüber  genügende  Aufklärung,    Um 

I jedoch  dessen  Inhalt  zu  würdigen,  ist  es  notwendig,  uns  vorher 
kurz  umzusehen,  wie  es  mit  der  Freimaurerei  in  jener  Zeit  aussah. 
Karl    Gotthelf,    Reiclisfreiherr    v.    Hund,    halte   Mitre   des 
18.  Jahrhunderts   das  System    der  sogenannten   strikten   Obser- 
^vanz  aufgebracht,  das  dazu  dienen  sollte,  den  Tempelherrnorden, 
y dessen  heimliches  Fortbestehen  ihm   glaubhaft  gemacht  worden 
und  zu  dessen  Heermeister  er  ernannt  sein  wollte,  durch  Hilfe 
der   Freimaurerei   wieder  zu    seinem   früheren    Glänze   zu    ver 
helfen,     Rat'on  Hund  spielte  in  jener  Zeit  in  der  Geschichte  der 
■Freimaurerei  eine   merkwürdige  Rolle   dadurch,   dass  er   seine 
Ernennung    sowie    Auskünfte    durch     unbekannte    Obere,     die 
strengen   Gehorsam   —   daher  strikte   Observanz    —   verlangten, 
erhalten    haben  wollte.     Dieser  Umstand  brachte  ihn  spater  in 
den  Verdacht  eines  Schwindlers,  der  er  jedoch  nicht  war,  viel- 
mehr ist  er  als  ein  leichtgläubig  Betrogener  anzusehen,  der  in 
seiner  Schwärmerei  sogar  sein  bedeutendes  Vermögen  unfruclrt- 
Ibaren  Ideen  opferte.     Die  »strikte  Observanzt   fand  Boden  und 


^ 


—     358 


viele  Logen   tiTiten  dem  System  dieser  Tempelherrn   unter  dem 


Heeri 


Hund   bei.     Es 


ichi 


ich    dadurch 


I 


rme ister   v 

dass  über  den  3  Joluninisgraden  der  allgemeinen  Freimaurerei 
der  schottische  Meistergrad  eingeführt  wurde»  der  noch  heute 
üblich  ist,  und  darüber  drei  weitere  Grade;  1.  Maitre  elu  oder 
Chevalier  de  Toigle.  2.  Chevalier  illustre  oder  Tempüer.  3.  Cheva- 
lier sublime.  Spater  wurden  diese  Grade  wieder  abgeändert. 
Uns  interessiert  nur  bei  diesen  Unlersuchungeo  der  Schotlen- 
meister,  der  seit  jener  Zeit  eng  mit  der  Freimaurerei  verbunden 
ist  und  weisen  wir  auT  diesen  Umstand  hin.  Der  Tempelherrn- 
Orden*)  verliel  später  wieder  und  wurde  1782  auf  dem  Konvent 
zu  Wilhelmsbad,  den  Knigge  besuchte,  verlassen.  Inzwischen 
war  Herzog  Ferdinand  w  Braunschweig,  der  dem  v,  Hundschen 
Tempel herrnsystem  als  Amicus  und  Protektor  beigetreten  war, 
1772  zum  Gi'ossmeister  aller  schottischen  Logen  unter  dem  Titel 
Magnus  Superior  ordinis  per  Germaniam  inferiorem  envahlt 
und  am  2L  Oktober  in  Bi'aunsehweig  eingesetzt  worden.  Der 
Herzog  wurde  ebenfalls  von  den  französischen  und  italienischen 
Kapiteln  als  Grossmeister  anerkannt."  1782  rief  er  den  Konvente 
von  Willielmsbad  ein,  weil  er  das  Tempelherrnsystem  als  irrig 
erkannt  hatte,  infolgedessen  wurde  beschlossen  es  aufzuheben 
und  dafür  den  Gi-ad  der  Ritter  der  Wohltätigkeit  einzuführen. 
Er  blieb  nunmehr  Generalgrossmeister  aller  Provinzen  der! 
Ritter  der  Wohltätigkeit  und  der  rektifizierten  Freimaurerei,  so 
dass  er  letztere  gänzlich  beherrschte.  1783  trat  der  Herzog  dem 
lliuminatenorden.bei  und  dazu  dürfte  ihn  wohl  sicher  der  Um* 
stand  bewogen  haben,  dass  der  Sehottengrad  als  Andreasgrad 
von  Weishaupt  aufgenommen  und  laut  dem  Constitutionsbuch  von 
Knigge  derartig  beai'beitet  woi-den  war,  dass  die  früheren  An- 
hanger der  strikten  Obsen^anz  sicher  interessiert  und  für  das^ 
Illuminalensystem  eingenommen  werden  mussten,  Knigge  hatte 
ganz  besondei-en  Wert  auf  die  Organisation  der  Scliotten-Direk 
tonen  gelegt,  denen  die  anderen  Logen  unterstanden.  Seine* 
National-Dir*ektions  Tabelle  von  Deutschland  beweist,  wie  ziel- 
bewusst  er  vorging.  Hr  wusste,  dass  hier  allen  Freimaurern 
die  Tür  zur  Verbindung  mit  dem  Illuminatenorden  weit  ge- 
öffnet wurde,  einmal  diese  Schwelle  übertreten,  wurde  es  dann 
leicht,    die    geeigneten   Personen   auch   dem   Orden    zuzufüht^n 

•)  über  alle  diese  Dinge,  die  liier  nur  berölirt  werden,   gihl  Lennings 
Allgemeines  Handbuch  der  Freimaureroi,  Leijj/jg  190Ö/01,   Max  Hes&es  Verl 
genaue  Auslcunfl. 


—    360     — 


beträchüichen  Städten  seines  ihm  angewiesenen  Dlstricts,  Logen 
der  drey  ersten  Fr.  Mr.  Grade  angelegt,  und  in  solchen  gute, 
moralische,  angesehene,  wohlhabende  Leute  aufgenommen 
werden,  w^enn  diese  euch  sonst  zu  unsern  hohem  Zwecken 
nicht  brauchbar  sind. 

2.  Die  ConstiluUon  muss  das  geheime  Capittel  in  der 
Landes  Sprache,  nach  dem  Formular  (Beylage  A.)  auf  den  welt- 
lichen Namen  des  Meisters  vom  Stuhl  ausfertigen,  der  zuerst 
dieses  Amt  bekleiden  solL 

3.  Sind  schon  Logen  der  andern  sogenannten  Freymaurer- 
Systemen  dort  etablirt;  so  soll  man  entweder  daneben  eine  ächte 
anlegen»  oder  wenn  dies  wegen  Unbeti*öchtlichkeit  des  Ortes 
oder  anderer  Umstände  wegen,  nicht  anginge;  so  soll  man  in 
jener  Loge  heimlich  das  Übergewicht  zu  erhalten,  und  dieselben 
entweder  zu  reform iren  oder  zu  sprengen  suchen.  J 

4.  Will  Jemand  das  Recht  der  Erleuchten  Obern,  Logen" 
zu  errichten,  bezweifeln,  so  sagt  man  ihm,  man  erlaube  ihm 
das  gern.  Das  gute,  neue,  w^ahre  sey  allein  acht,  und  wennJ 
er  irgendwo  etwas  besseres,  wichtigeres,  nützlichers  für  die  Welt, 
neueres  und  wahreres,  mit  eben  so  leichter  Mühe  erhalten  könne, 
so  solle  er  dahin  gehen  und  nur  sagen,  er  seye  von  uns  be- 
trogen. 

5.  Man  soll  unsern  Leuten  wohl  einprägen,  dass  sie  sich 
hüten,  ohne  ausdrückliche  Erlaubnis  der  Obern,  keine  von  den 
sogenannten  Logen  zu  besuchen,  welche  von  England  aus,  oderl 
sonst  constituirt  worden  sind,  und  welche,  ausser  einem  unter* 
schriebenen  und  untersiegelten  Briefe,  einigen  Sinnbildern, 
welche  sie  gar  nicht  oder  ganzlich  falsch  verstehen,  und  einigen 
niclitssagenden  Ceremonieii,  von  der  wahren  Freymaurerey,  ihren 
hohen  Zwecken  und  ihren  höchsten  Obern  nichts  wissen.  Auch 
kann  aus  sehr  viel  Gründen,  nicht  leicht  jemand  von  ihnen,  ob-j 
gleich  sehr  würdige  Männer  darunter  sind,  bey  unsern  Logen- 
versnmmlungen  zugelassen  w'erden.  Nur  eine  Loge  ist  in] 
Deutschland,  die  nicht  melir  mit  unsern  höchsten  Obern  inj 
Verbindung,  aber  doch  aus  achter  Quelle  constituirt  worden  ist.] 
Allein  sie  arbeitet  nicht  mehr 

6.  Obgleich  jeder  Minerval   Freymaurer   werden  muss,   so' 
muss  er  doch  nicht  merken,  dass  man  ihn  dazu  bew^egen  will, 
und  dass  seine  weitere  Beförderung  davon  abhängt,  sondern  esi 
muss  wo   möglich  der  W^unsch   bey  ihm  ganz  von  sich   selbst 
entstehen.     Bittet    er    nun    um   die   Erlaubnis   Freymaurer   zu 


361 


* 
* 


I 
I 


werden,  so  entdecket  man  ihm,  dass  der  0.  in  unmittelbarer 
Verbindung  mit  der  einzigen  ächten  Maurerey  stehe  und  man 
ihm  die  Mittel  zu  dieser  zu  gelangen  erleichtern  könne. 

7.  Das  Capittel  soll  sorgen,  dass  diejenigen  von  unsern 
Leuten,  welche  etwa  eingenommen  gegen  die  Freymaurerey  sind, 
nach  und  nach  von  diesem  Wiederwillen  zurückkommen,  und 
bey  ihnen  Lust  entstehe,  Maurer  zu  werden.  Man  kann  ihnen 
begreiflich  machen,  wie  wenig  wahrhaftig  erleuchtete  Freymäurer 
es  gebe,  und  dass  diejenigen  Logen,  welche  ihren  Widerwillen 
gegen  die  Sache  erregt  haben,  keine  ächte  Logen  sind,  möchten 
sie  auch  die  besten  Constitutionen  heben.  Die  Freymaurerey 
ist  keine  Kunst,  eine  Wissenschaft,  kein  Handwerk,  Sie  erfordert 
Studium.  Ihre  Ächtlieit  beruht  auf  Kenntnisse,  nicht  auf 
Verbriefungen.*) 

8.  Hat  ein  Minerval  sehr  wichtige  Gründe,  nicht  Öffentlich 
Frevmaurer  werden  zu  wollen,  als  welches  der  Präfect  beurteilen 
muss;  so  kann  er  auch  mit  Erlaubniss  der  Provinzial-Loge, 
heimlich  aufgenommen  werden. 

9.  (Ist  nebensächlich.) 

10.  Wenn  jemand  schon  in  einem  andern  System  Fr,  Mr, 
geworden  ist  und  zu  unsern  Logen  übergeht,  so  bezahlet  er  eine 
kleine  Taxe,  und  muss  uns  den  Gehorsam  durch  einen  Hand- 
schlag leisten.  Will  ein  solcher,  der  überhaupt  ein  Freymaurer 
unseres  Systems,  weiter  befördert  w^erden,  taugt  aber  zu  unsern 
hohem  Zwecken  nicht,  so  muss  man  ihm  dies  auf  eine  ge- 
scheide  Art  begreiflich  machen.  Dringt  er  dennoch  darauf,  mehr 
Freymaurer  Grade  zu  bekommen  und  scheint  geneigt  bey  andern 
Systemen  Aufklärung  zu  suchen;  so  kann  man  ihm  alles,  was 
er  in  solclien  Systemen  lernen  würde,  mitlfieilen;  hierbey  ist 
aber  zu  merken. 

a)  dass  man  ihn  nicht  betrügen,  sondern  im  voraus  sagen 
soll,  döss  er  keine  Befriedigung  in  diesen  Graden  finden 
wird.  Und  wenn  er  dennoch  Lust  hat,  sicti  einführen  zu 
lassen;  so  kann  ei*  wählen,  welches  System  er  kennen 
lernen  will. 

b)  Er  muss  ober  sodann  seine  Thorheit  mit  einigem  Geld  Er* 
läge  bezahlen. 


*)  Dieser   Satz    ist    ein    zweischneidiges   Schwert.     Alle    maureri sehen 

Schwindler,  wie  Cagliostro  und  Schrepferj  beliöupleten^  aussergewöhnliche 
^^  Kenntnisse  zu  besitzen  und  gründeten  hierauf  besondere  Logen.  Knigge  ver* 
B   folgt  hier  seine  Abaicht,  die  strikte  Observanz  an  sich  zu  reissen. 


—     362     — 

c)  Da  er  dann  die  Grade,   auf  Ansuchen   des  geheimen  Ca- 
pittets   von   der  Provinzial  Loge  versiegelt  zugeschickt  be- 
kommt, und  nachher  wieder  abliefern  muss. 
IL  Da  heut  zu  Tage  mit  der  KönigUchen  Kunst  viel  Spiel- 
werk getrieben,   und  manches  neue  System  erfunden   wird,  so 
sollen  die  Schottischen  Ritter  alle  unächte  Grade  sammeln,  und 
an   die    Provinzial    Loge    einschicken,    damit   man    jeden    Neu- 
gierigen befriedigen  könne. 

12.  u»  13.  enthält  die  Darstellung  von  Abgaben,  die  nach 
Herlei  Projecte  blieben, 

14.  Das  gelieime  Capittel  muss  sorgen,  dass  die  Logen  nie 
über  30  anwachsen,  und  dass  die  Beamten  Logen  die  übrigen 
immer  überstimmen  können, 

15.  Die  Logen  Verzeichnisse  bleiben  hier  liegen  und  es 
werden  nur  die  general  Extracte  daraus  an  die  Provinzial  Loge 
eingeschickt 

16.  Wenn  erfahrene  Freymaurer  zu  dem  O.  angeworben 
werden;  so  stehen  dieselben  unter  unmittelbarer  Leitung  der 
Schottischen  Ritter. 


Ganz  besonderes  Interesse  verdient  nun  der  Wortlaut  des 
Reverses,  den  jeder  zukünftige  schottische  Ritter,  bevor  er  auf- 
genommen werden  konnte,  unterschreiben  musste.  Derselbe 
lautet: 


»es    I 


Revers. 
Ich  endesunterzeich neter,  verbinde  mich,  vermöge  dieses 
Reverses,  dem  Hochwürdigen  Orden  der  Illuminaten,  als  in 
welchem  ich  bis  jetzt  die  beste  Befriedigung  für  mein  Hei-z,  so  j 
wie  für  meinen  \'erstand  gefunden  habe,  von  nun  an,  mein  ' 
ganzes  Leben  hindurch,  in  so  fern  treulich  anzugehören,  dass  ich: 

A.  Keinem  andern  Systeme  der  Fr.  Maurerey  oder  irgend  einer 
andern  geheimen  Verbindung  anhängen,  noch  für  solche 
arbeiten 

B.  Sondern,  so  lange  es  meine  Umstände  leiden,  für  iigend  eine    I 
dergleichen  Verbrüderung  thatig  zu  seyn,   ich   meine   Kräfte 
und  Kenntnisse  allein  diesem  Erlauchten  Orden  widmen  wolle. 

C.  Sollte  ich   aber  (welches  mir  jederzeit  frey  steht)  den  Orden 
ganz  verlassen  wollen,   dass  es  mir  dann  doch  nie  erlaubt    1 
seyn  soll,   mich  auf  eine   andere   dergleichen  geheime  Ver- 


—     363 


bindung    einzulassen, 
destomehr  für  billig: 


Ich    erkenne   diese   Forderungen    um 


L 


L 


Do  ich  bis  jetzt  nirgends  so  herrliche  Voi^chriften  zu 
meinem  und  der  Welt  Glück  als  hier  erholten,  auch 
nirgends  eine  bessere,  nützlichere  Freymourerey  gefunden 
habe,  nnithin 

2.  alle  Ursache  finde,  die  hohen  Obern  dieses  Ordens  als  die 
ächten  unbekonnlen  Obern  der  Freymourerey  anzuerkennen. 

3,  Da  mich  dieser  Erlauchte  Orden  nicht  abholten  will,  im 
Fall  meine  Bürgerlichen  Verhältnisse,  oder  Unzufriedenheit 
mit  den  erhaltenen  Kenntnissen  mich  dazu  bewegen  sollten^ 
aus  demselben  zu  treten 

meine  Obern  aber  mit  Hecht  fordern  können,  dass  ich  als- 
dann  nie  die  hier  erhaltenen  Anweisungen  zum  Nutzen 
anderer  Verbindungen  anwende,  sondern 

,  im  Gegentheil,  da  ich  von  der  vortrefliichen  Grundlage 
des  Ordens  der  llluminaten  und  von  desen  Bereitwilligkeit, 
jedes  Gute  anzunelimen,  nun  sattsam  überzeugt  bin,  es 
meine  Plticht  ist,  wenn  ich  irgendwo  wichtige  Kenntnisse 
erhalten  liiitte,  sie,  ohne  solche  zu  verratlien,  auf  die  von 
meinen  jetzigen  Obern  mir  vorgeschriebene,  allein  auf  das 
Glück  der  Welt  abzielende  Art,  anzuwenden,  und  also  zu 
Ausführung  der  Ordenszwecke  zu  nützen. 
Dies  alles  verspreche  ich  freywillig,  und  ohne  geheimen 
Vorbehalt  bey  meiner  Ehre  und  gutem  Namen. 


Nach  Unterschrift  dieses  Reverses  wurde  der  Kandidat  in 
die  Gemeinschaft  der  schottischen  Bitter  ritualgemäss  aufge- 
nommen. Das  Ritual  ist  im  Constitutionsbuche*)  enthalten;  es 
enthält  noch  mehrere  und  interessierende  Stellen,  die  wir  an- 
geben müssen,  um  zu  beweisen,  wie  zielbewusst  Knigge  in 
seinem  Plane  vorging,  die  Illuminaten-Freimaurerei  als  die  allein 
echte  hinzustellen.  Der  Beweis  liegt  in  dem  Wortlaut  des 
Schwures,  den  der  Kandidat  nunmclu^  leisten  musste  und  in  den 
Erklärungen,  die  er  nach  der  Aufnahme  erhielt.  l>er  Schwur 
n$nthält  auch  gleichzeitig  den  Beweis,  dass  dem  alten  Orden  zwar 
HUe   Beseitigung  eines    despotischen    Regimentes,    nicht  jedoch 

^B  ♦)  Das  vorliegende  ManuskripL  zeigt  die  Handschrift  Zwackhs  und  wurde 

"lilsher  sorgfSlÜg  in  der  Familie  bewahrt.    Es  dürae  zurzeit  kaum  ein  rvs^eites 

Exemplar  noch  vorhanden  sein.    Die  BchÜieit  dieses  Manuskriples  ist  zweifelios. 


—     364     — 

die  Absetzung  der  Fürsten  als  Ziel  vorschwebte.  Im  Grunde 
genommen  genau  das,  was  die  späteren  Geschlechter  durch  Auf 
Stellung  der  Conslitution  und  Volksvertretung  errungen  haben. 
Es  hat  daher  gerade  diese  Verpflichtung  des  schottischen 
Ritters  ein  grosses  historisches  Interesse  und  wir  geben  nach- 
stehend den  geforderten  Kid  in  wortgetreuer  Form  bekannt. 


Eltter  Eyd. 

Iclr  gelobe  und  schwöre  die  treueste  Erfüllung  des  vor 
einigen  Tagen  von  mir  ausgestellten  Revei-ses;  Ich  verspreche 
Gehorsam  den  Erlauchten  Obern,  Eifer  für  das  Wohl  des  Ordens. 
ich  verpflichte  mich,  so  viel  an  mir  liegt,  keinen  Unwürdigen 
zu  dem  Eintritte  in  die  geheiligten  Grade  dieses  Ordens  he* 
hülflich  zu  seyn.  Ich  verbinde  mich  zu  Aufrechterholtung 
der  alten  Freymaurerey»  gegen  die  After  Systeme,  nach 
meinen  Kräften  zu  wirken.  Ich  will  von  nun  an  der  Un- 
schuld, der  Armuth,  den  Nothleidenden,  und  jedem  gedrückten 
Redlichen,  wo  ich  Gelegenheit  dazu  flnde,  ritterlich  beystehen. 
Nie  will  ich  ein  Sclimeichler  der  Grossen,  kein  Niedriger  Fürsten 
Knecht  seyn,  sondern  nmthig,  aber  mit  Kluglieit,  für  Tugend, 
Freyheit  und  Weisheit  streiten;  dem  Aberglauben,  dem  Laster 
und  dem  Despotismus  will  ich,  wo  es  dem  Orden  und  der  Well 
wahrhaften  Nutzen  bringen  kann,  krätzig  wiederstehen;  Niemals 
werde  ich  das  Wohl  des  Ganzen  und  das  Glück  der  Well 
meinen  Privat  Vortheilen  aufopfern;  Meine  Brüder  will  ich  gegen 
Verläumdungen  mannlich  vertheidigen,  und  itn*  Bestes  als  das 
meinige  ansehen;  Ich  verspreche  ferner  der  reinen  wahren  Reli- 
gion und  den  Lehren  der  Freymaurerey  fleissig  nachzuspüren 
und  meinen  Ordens  Obern  Nachricht  zu  geben,  wie  weit  ich 
es  darin  gebrncht  habe;  Überhaupt  werde  ich  den  Erlauchten 
Obern,  als  meinen  treuesten  Freunden,  mein  Herz  eröffnen,  und 
den  Orden  so  lange  ich  ein  Mitglied  desselben  bin,  als  meine 
Haupt  Glückseligkeit  ansehn;  Übrigens  gelobe  icli  die  Erfüllung 
meiner  hauslichen,  geselligen  und  Bürgerliclien  Pflichten  meinem 
Herzen  heilig  seyn  zu  lassen.  So  wahr  mir  Gott  helfe  und  so 
lieb  mir  das  Glück  meines  Lebens  und  die  Ruhe  meines  Heinzens 
ist.  —  — 


Nach     diesem    Eid    erfolgte    der   Ritterschlag    durch 
Seh wertsch löge,  zu  denen  der  aufnehmende  Pröfekt  sagte: 


drei 


—     365     — 

Ich  schlage  dich  zum  Riüer  des  heiligen  Andreös  nach 
item  Brauche  unserer  Schottischen  Vorfahren,  durch  die  Kraft 
les  alten  Meisterworts.  Sey  ein  Kämpfer  für  Weisheit  und 
'Tugend,  durch  deine  Klugheit  den  Königen  gleich,  ein 
Freund  des  Fürsten  und  des  Bettlers,  wenn  sie  tugendhaft 
sind.  —  — 

Ich  schlage  dich  zum  schottischen  Ritter  im  Namen  unserer 

Erlauchten  Obern,  w^elche  die  Obern  der  achten  Freymourerey 

sind.     Sey   dem    Orden    treu,    streite    gegen    die    Verderl>nisse, 

w^elche  Dummheit  und  Bosheit  erzeugen,  und  forsche  der  Wahr- 

^beit  nach.  — 

"  Icli  schlage  dicli  zum  Ritter,  im  Namen  dieses  geheiligten 

Capitels  und  aller  Schotten  der  Erkänntnis  und  der  GewolL 
Stehe  auf,  und  beuge  nie  wieder  deine  Knie,  vor  dem,  der  ein 
Mensch  ist,  wie  du.  — 

Ife  Zweierlei   geht  aus  Schwur  und  Ritterschlag  klar   hervor. 

Erstens,  dass  es  die  Absicht  war,  das  Pflichtgefühl  für  Vater- 
land und  Familie  in  dem  Aufgenommenen  zu  wecken  und  diese 
Absiclit  kann  nur  allgemeine  Billigung  hen'orrufen,  zweitens, 
dass  man  ihm  eine  möglichst  hohe  Meinung  von  den  Obern 
beizubringen  suchte. 

Hier  stellen  wir  nun  auf  dem  gefahrlichen  Punkte,  der  in 

■  der  Geschichte  aller  derartigen  Vereine  seine  dunklen  Schatten 
geworfen  hat  und  in  der  Freimaurerei  sehr  böse  Folgen  durch 
abenteuernde  Schwindler  hervorrief.  Enttäuschung,  Zwiespalt, 
Feindschaft  und  Hass  entstehen  durch  eine  Art  Vergötterung 
der  Obern  gar  zu  leicht.  Von  vornherein  ist  der  Neuling  nur 
zu  sehr  geneigt,  seine  Obern  als  höchst  vollkommene  Menschen 
anzusehen,  sie  in  allen  Beziehungen  über  sich  zu  stellen  und 
wie  es  Weishaupt  selbst  (s.  Seite  59  und  60)  beschreibt,  ist  er 
durch  diese  hohen  Erwartungen  bereit,  alles  zu  tun,  was  sie  ver* 
langen  würden.  Diese  hohen  und  höchsten  Erwartungen  können 
jedoch  niemals  voll  befriedigt  werden,  sobald  der  erste  Rausch 
vorüber  ist  und  die  Obern,  die  doch  auch  nur  mit  menschlichen 
Schwächen  behaftete  Menschen  bleiben,  in  nähere  Berührung 
mit  den  Neulingen  treten.  — 

■  Es  wurden,  aus  klar  ersichtlichen  Gründen,  daher  die  un- 
bekannt bleibenden  Oberen  erfunden,  zu  denen  zu  dringen 
möglichst  unmöglich  gemacht  wurde.  Baron  Hund  t,  B.  dürfte 
niemals  seinen   wirklichen  Oberen  kennen  gelernt  haben,  und 


eben  deswegen  wird  er  auch  mit  solchem  unglaiibHchen  Eife 
das  System  der  strikten  Observanz  erfasst  haben.  Kein  anderes 
ist  so  sehr  geeignet,  die  Hoflnung  zu  envecken  und  immer 
wieder  anzufeuern»  doch  endlieh  gewürdigt  zu  werden,  dass  der 
hohe,  hehre,  leuclitende  Obere  aus  seiner  Verborgenheit  herab- 
steige, um  den  vertrauenden  Sterblichen*)  zu  beglücken.  Die  so 
bequeme  Entschuldigung  für  das  Nichterscheinen,  der  Suchende 
sei  noch  nicht  w^ürdig,  noch  nicht  reif  genug,  um  seinen  An- 
blick zu  ertrogen,  verfängt  immer  wieder"  und  für  seine  Unge- 
duld, Neugiej'de  oder  schwankendes  Vertrauen  fühlt  er  sich 
schliesslich  nur  gerecht  bestraft,  wenn  der  hohe  unbekannte 
Obere  noch  sein  Angesicht  verbirgt.  In  dieser  Weise  sind  die 
edelsten  Manner,  die  sonst  aufgeklärtesten  Köpfe  genarrt  worden 
und  —  werden  noch  genarrt, 

Knigge  war  augenscheinlich  bereit,  in  die  Fussstapfen  des 
Baron  Hund  zu  trelen  und  arbeitete  darauf  hinaus,  die  Illu- 
minaten-rtberen,  zu  denen  er  selbst  ja  gehörte,  als  die  bisher 
noch  immer  unbekannt  gebliebenen  Oberen  der  strikten  Obser- 
vanz hinzustellen.  An  dieser  Absicht  ist  auf  Kenntnis  des 
Ritualhuches  kein  Zweifel  mehr  möglich.  Nach  den  jetzigen 
Forschungen  wurde  wahrscheinlich  um  1742  das  System  der 
strikten  Observany^  in  Paris  gestiftet,  um  dadurch  die  Anhänger 
3er  Stuarts  und  ihre  Zwecke  zusammenzuhalten  und  zu  ver- 
bergen. C.  G,  von  Marscliall  (nach  Lenning  soll  das  ohne 
Zweifel  ein  M.  von  Bieberstein  auf  Herrengrosserslädt  in  Thü- 
ringen gewesen  sein)  wurde  darin  eingefülirt  und  durch  ihn 
V.  Hund  als  sein  Nachfolger  Wie  sehr  man  von  dei*  Existenz 
des  unbekannten  Grossmeisiers  überzeugt  war,  eigibt  der  Um- 
stund, dass  Herz^^g  Ferdinand  v.  Braunscliweig  1777  die  Er* 
klärung  abgab,  er  wolle  dos  grossmeisterliche  Ami,  zu  dem  er 
1772  !»erufen  worden,  nur  solange  verwallen,  las  der  wirkliche 
Grossmeisler  bekannt  gemacht  sei  und  sich  legilimierl  habe. 

Auf  dem  Konvent  zu  Wilhelmshad,  der  dem  Tempelherrn- 
System  ein  Ende  machte,  hatte  nun  Knigge  freies  Feld,  die  alten 
Hoffnungen  neu  zu  beleben  und  namentlich  durch  Bode  in 
Weimar,  der  mit  rillen  Fürsten,  die  Freimaurer  waren,  eng  liiert 


•)  Etwas  ganz  ähnliches»  nur  noch  in  schtimmerer  mystischer  Art, 
haben  wir  heute  in  den  indisclj-tlreosophischcn  Lehren,  mit  ihren  Mahatmas 
und  A<lepU>n,  Tausende  warten  sehnRüchtig  und  vergeblieh  auf  das  Ers^^hetnen 
dieser  Matjalmas  (Obere)  und  sind  immer  wieder  bereiL^  für  das  Nichterachcineri 
eiitschuidigende  Gründe  /.u  an  den. 


367     — 


den  ollen  Glauben  geschickt  zu  benulzen.  Die  Anlegung 
dessen,  was  echt  sei,  war  eine  Hintertüre,  durch  die  immer  zu 
entschlüpfen  möglich  war,  und  in  diesem  Sinne  konnten  sich 
die  Uluminatenlogen  wohl  füglich  als  echte  bezeichnen,  wenn 
nur  die  Forderung  Weishaupls,  die  auch  Zwaekh  so  hocli  her* 
vorhebt,  »nützliche  Kenntnisse  oller  Art  zu  sammeln«,  treu  er* 
füllt  wurde.  Dazu  war  aber  Knigge  wenig  geneigt,  ihm  war  es 
um  äussere n_€ilanz  zu  tun.  Es  kann  doher  nicht  genug  betont 
werden,  dass  der  Bruch  zwischen  ihm  und  Weishaupt  unver- 
meidlich war,  aus  den  zwischen  beiden  bestehenden,  völlig  ent- 
gegengesetzten Grundsätzen. 

Diese  Grundsatze,  die  sicherlich  sich  auch  um  den  Nimbus 
der  Echtheit  drehten,  kamen  aber  gerade  bei  Bearbeitung  des 
;hottisclien  Ritleigrades  schroff  zum  Vorschein.  Weishaupt 
ireibt  daher  auch  an  Zwaekh  (s.  Oiiginalschriften,  Nachtrag 
Seite  66):    * 

W  s Lassen  sie  mit  Erlheilung  des  Rittergrades  noch  auf  eine 
kurze  Zeit  Innstand  halten,  lassen  sie  solchen  neu  abschreiben: 
dabey  aber  lassen  sie  aus:  1.  den  Revers,  2.  das  Liebesmahl, 
3.  die  von  Philo  verfasste  kauder-welsche  halb  theosophische  An- 
rede*) und  Erklärung  der  Hieroglyphen.  Statt  dessen  erhalten 
sie  dieser  Tage  eine  von  mir  neu  verfasste  sehr  zweckmässige 
wichtige  Anrede.**)  Ich  habe  es  vor  nöthig  gefunden,  diese 
Abänderungen  zu  machen,  weil  dieser  Grad  offenbar  der 
elendste  von  allen  isl,  sich  sogar  nicht  zu  den  übrigen  schickt, 
alle  Achtung  der  Leute  (der  mit  jedem  Grade  w^achsen  sollte) 
vermindert,  und  wie  die  Beylage  zeigt,  den  M.  Aurelius  nebsl 
noch  mehr  andern  scheu  machte.  F.  und  mehr  andere  nennen 
es  jouer  la  religion,  und  sie  haben  recht.«  —  — 

In  dem  Formular  zu  einer  Logen-Constitution,  die  der  Orden 

ausgab,  heisst  es  absichtlich  gleich  im  Anfange,  um  die  Echt- 
heit zu  betonen: 

Wir  von  den  Erlauchten   Hochwürdigen   geheimen  Obern 
der  achten  alten  Freymaurerey  dazu  Bevollmächtigte,  unter  dem 

*)  Das  RituaUiuch  euthälL  diese  voU kommen.  Es  wird  dasei list  auf  den 
Fall  Lueifers  hingewiesen  und  die  ErreUung  de^  Menscheiigeschlechles  in 
mystischer  Art  dargcsleUL 

*•}  Diese  ist  im  Nachtrag  zu  den  Originalschrifleri  daselbst  U,  Abieil ung 
Seite  44  abgedruckt, 


—     368     — 


I 


unsichtbaren  SchuUe  der  geheimen  grossen  National  Loge,  imj 
Orient  von  Teutschland  etc*  etc.  — 

Späterhin  wird  gesagt  r 

Aber  denen  in  der  Irre  umher  wandelnden,  oder  von 
falscher  Lehre  in  der  Dunkelheit  erhaltenen  Freymäurern,  welche, 
unter  dem  Schutze  einer  erkauften  Constitution,  deren  die  wahre 
Weislieit  nicht  bedarf^  um  uns  her  arbeiten,  ohne  weder  die 
hohen  heiligen  Zwecke  des  Ordens,  noch  dessen  geheime  Obere 
zu  kennen,  weyhen  wir  unser  Mitleiden  und  biethen  ihnen  Schutz 
und  Erleuchtung  an.    Viele  sind  berufen,  aber  wenige  auserwählt 

Es  liegt  an  ihnen  uns  kennen  zu  lernen,     Niclit  leere  Ver-l 
briefungen,  NeinI  die  Güte  der  Sache  muss  für  unsere  Achtheit 
reden,  und  in  höhei*n  Graden,  in  dem  Heiligthum  des  Tempels, 
kann  jeder  treue  Maurer  einsehen  lernen,   wer  uns   berechtigt 
hat,  diese  Loge  zu  stiften.  —  —  ^ — 

Charakteristisch  ist  auch,  wie  boi  Erklärung  der  Maure- 
risclien  Hieroglyphen  die  Befeindung  der  Rosenkreuzer  als  Gold- 
macher festgehalten  wurde. 

Dem  Einzuweihenden  wurden  alle  Wertsachen  abgenommen» 
ein  symbolischer  Voi^ang,  der  auch  heute  noch  in  den  Jo- 
hannisgraden  üblich,  erklärt  wurde  jedoch  folgendes: 

Sie  wurden  alles  Metalls  beraubt,  theils  um  Ihnen  zu 
zeigen,  dass  sich  die  Wahrheit  weder  erkaufen,  noch  ertrotzen 
lasst,  theils  weil  dies  unglückliche  MetalL  nnd  vorzüglich  Gold 
und  Silber,  der  Menschheit  so  ungeheuren  Schaden  gebracht 
hat.  Halten  Sie  daher  diejenigen  sicher  für  falsche  Freymäurer 
und  Betruger,  welche  die  elende  Kunst,  Gold  zu  machen,  für  den 
einzigen  Zweck  unseres  (Jrdens  angesehen  wissen  wollen. 

So  tauschen  ganze  Gesellschaften,  welche  sich  für  die  Obertii 
der  Freymaurerey  ausgeben,  indem  sie  nach  und  nach  das 
Uebergewicht  in  unsern  Logen  zu  bekommen  trachten,  eine 
Menge  unwissender  Brüder,  welclie  sich  in  Bewegung  setzen, 
Geheimnisse,  die  sie  selbst  nicht  haben,  für  sie  aufzuspüre 
und  indess  von  nüzlichen  Arbeiten  die  Hände  abzuziehen. 


I 


puren,! 


Die  angegebenen  Stellen  sind  ebensoviele  Beweise  für  die 
unzweideutigen  Absichten  Knigges,  die  Herrschaft  an  sich  zu 
reissen  und  jedenfalls  wäre  ihm  dieses  auch  gelungen,  nachdem 
erst  die   Häupter   der  Freimaurerei,    dessen    hervorragendstes 


—     869     — 

Herzog  Ferdinand  von  Braunschweig  war,  gewonnen  wurden. 
Sicherlich  wird  man  vonf~5lärrdplinkte  des  Freimaurers  solches 
Vorgehen  verurteilen  müssen,  der  Ausbreitung  des  Illlu- 
minatenordens  war  es  jedoch  förderlich.  Der  jetzige  Illuminaten- 
orden bringt  diesen  Angelegenheiten  nur  historisches  Interesse 
entgegen,  da  seine  Bestrebungen  mit  der  Oi-ganisation  der  Frei- 
maurer nichts  mehr  zu  tun  haben. 


Das  Ende  des  Ordens. 

In  welcher  Weise  der  Kurfürst  immer  mehr  und  mehr  um- 
garnt worden  ist,  haben  die  bisher  dargestellten  Ereignisse  er- 
wiesen, es  ist  daher  nur  natürlich,  nachdem  sogar  Todesstrafe 
als  Schreckmittel  aufgestellt  worden  war,  dass  seine  Illuminaten- 
furcht  stets  schlimmere  und  ungerechtere  Urteile  hervorrufen 
musste.  Der  Fall  Pechmann  leitete  demzufolge  eine  ganze  An- 
zahl von  Willkürakten  ein,  die  schliesslich  durch  ein  Inquisi- 
tionsregiment gekrönt  wurden. 

Joseph  Freiherr  von  Pechmann  war  der  Schwager  Weis- 
haupts, stand  jedoch  dem  Orden  gänzlich  fern.  Der  auf  seinem 
Fideicommisgute  Brunn  sesshafte  Baron  erfreute  sich  eines  liebens- 
würdigen Vaters,  der  dem  Sohne  das  Leben  möglichst  schwer 
machte  durch  Gelderpressungen  allerhand  Art.  Um  seinem 
Sohne  eins  auszuwischen,  denunzierte  er  ihn  als  Illuminat. 
Infolgedessen  fand  sich  eine  der  beliebten  »un versehenen  Visi- 
tationen« unter  Aufgebot  militärischer  Gewalt  am  10.  Jan.  1788 
ein,  die  denn  auch  als  Resultat  eine  Abschrift  des  Briefes  von 
Herzog  Ernst  an  Weishaupt  (s.  Seite  212)  ergab,  und  eine  Dank- 
sagung für  die  Überlassung  gedruckter  Illuminatenschriften.  Trotz- 
dem nun  bereits  der  Gommissar  Gruber  die  bei  der  Visitation 
bewiesene  Bereitwilligkeit  des  Barons,  sein  Betragen  und  seine 
Geduld  rühmend  hervorhebt,  die  unterm  1.  Februar  tagende  Kom- 
mission feststellte,  dass  keine  Spur  daraufführe,  der  Beschuldigte 
sei  Illuminat  gewesen,  wurde  durch  Rescript  vom  15.  März  ein- 
fach erklärt,  »der  Denunziat  sei  nicht  ganz  rein  und  unschuldig 
befunden  worden,  sondern  habe  sich  straffällig  gemacht.« 

Baron  Pechmann  erhielt  einen  scharfen  Verweis  und  musste 
die  Visitationskosten  bezahlen. 

Ganz    besonders    unangenehm    war    dem   Kurfürsten    die 

Engel,  GMohiohte  des  Illuminatenordens.  24 


—     370    — 


Sympathie  des  Zweibrückener  Hofes  für  die  verfolgten  lUu 
miiiaten.  Die  Anstellung  des  Grafen  Montgelas  daselbst  erregte 
den  Zorn  des  Kurfürsten  und  verursachte  vergebliche  Versuche, 
ihn  zu  verdächtigen.  Wiederholt  wurde  Freiherr  von  V^ieregg 
nach  Zweibrücken  beordert,  um  den  Herzog  von  den  Schänd- 
lichkeiten der  lUumineten  zu  unterrichten.  Das  famose  Proto- 
koll über  die  Aussagen  des  Baron  Mändl  wurde  durch  ihn  über- 
reicht, namentlich  deswegen,  weil  in  diesem  Montgelas  stark 
verdächtigt  wird,  jedoch  ohne  Erfolg,  die  Stellung  des  Grafen 
blieb  unerschültert  Auch  der  Fürstbischof  von  Regensbui^ 
übersandte  seine  Verordnungen  dem  Herzog,  erzielte  jedoch  nur 
eine  recht  schale,  anscheinend  höfliche  Antwoil,  die  in  Anbe* 
tracht  des  UmStandes,  dass  gerade  der  Zweibrückener  Hof  seine 
I  Hand  schirmend  über  die  Verfolgten  hielt,  nur  als  bittere  und 
beissende  Ironie  heute  ausgelegt  werden  kann. 
Die  kurze  Antwort  lautet: 

Wir  sind  Euer  Liebden  für  die  gefällige  Mittheilung  der 
durch  dero  geistlichen  Rath  am  Slten  Mai  letzthin  getroffenen 
Verfügung  danknehm  igst  verbunden.  Euer  Liebden  weise  Vor- 
sorge J5ur  Eriialtung  und  Aufnahme  der  geistigen  Disziplin  ge- 
reicht  demselben  zum  besonderen  Ruhm  und  Vermehrt  in  Unsl 
die  Gesinnungen  der  Hochachtungsvollen  Ergebenheit,  womit  Wir 
Carlsberg,  d.  25ten  Aug.  1787. 


I 


Die  Bemühungen  des  Kurfürsten,  andere  regierende  Füi^sten 
in  seine  Fussstopfen  treten  zu  lassen  und  gleiche  Verfolgungen 
der  lUuminaten  in  ihren  Ländern  zu  veranlassen,  scheiterte  an 
dem   gesunden   Sinne  der  Souveräne.     Vergeblich  versandte  er  J 
en  alle  Höfe  Exemplai-e  der  euf  seinen  Befehl  gedruckten  Ori*  i 
ginalsehriften,    vergeblich    wurden   Verdächtigungen    und  War- 
nungen   ausgestreut.      Die   Gesandten    aller   Hofe    registrierten 
wolil    in    ihren   Berichten,    die   sich   in  jedem   Staatsarchiv  vor- 
finden, die  Verfolgungssucht  des  Kurfürsten,  jedoch  gelang  es 
nicht  nur  einen  Weltfürsten  zu  veranlassen,  gleiche  Massregel 
zu  ergreifen.     Die  Verfolgung  blieb  auf  Bayern  lokalisiert,  nahm 
jedoch  einen  immer  gehässigeren  Charakter  an,  namentlich  seit- 
dem  ein   gelieimes  Inquisitions-Kabinett,   bestehend   aus   Pate; 
Frank,   den    Räten    Lippert    und    Schneider,    nunmehr   ernannt; 
wurde  und  ihre  unheimliche  Tätigkeit  entfaltete. 

Vor  allen  Dingen  galt  es  ausfindig  zu  machen,  wer  etw; 
noch  hI^  Illuminat  verdächtig  sei.    Der  Spionage  und  Angeberei 


i 


-    371     — 

war  durch  die  verschiedenen  Dekrete  jeder  Vorschub  geleistet 
worden  und  ihre  Leistungen  finden  wir  denn  auch  in  einer  Liste 
aus  dem  Jahre  1791,  die  die  Nomen  der  noch  verdächtigen 
Münchener  Einw^ohner  enthöH.    Benannt  ist  dieselbe  wne  folgt: 

> Katalog  der  in  München  wirklich  noch  arbeitenden  Ulu- 
minaten  ihrer  Protectoren  und  auch  derjenigen,  welche  des  lllu- 
minatismus  höchst  verdächtig  sind.  Justificiret  nach  dem  letzten 
gnädigsten  Edickte  von  ihren  eigenen  »Mitgliedern  wie  sie  es  vor 
Gott  und  ihrem  Regenten  verantworten  können.« 

Das  Edikt,  worauf  hier  verwiesen  ist,  lautet  vom  15,  Nov.  1790. 

Dasselbe  beruft  sich  auf  die  früheren  Verordnungen7~äüch  auf 
die  Todesstrafe  und  beklagt  vor  allen  Dingen  das  Fortbestehen 
der  Zusammenkünfte.  Es  wird  mit  schwerster  Strafe  wieder 
gedroht,  wiederum  zu  Aniseigen  autgefordert,  selbst  wenn  er 
Mitschuldiger  sein  sollte  und  versichert,  dass  solche  Treue  und 
Gehorsam  mit  einer  angemessenen  Geldportion  oder  aber  nach 
Beschaflenheit  der  Umstände  mit  einer  anständigen  Versorgung 
mildest  belohnt  wird,  der  Mitschuldige  folglich  mit  gar  keiner 
Strafe  belegt,  sein  Name  auf  Verlangen  geheim  gelassen  wird. 
Zur  amtlichen  Verpflichtung  oder  Pflichtserinnerung  soll  niemand 
mehr  zugelassen  werden,  wenn  er  nicht  zuvor  eidlich  beteuert, 
dass  er  weder  jemals  ein  Mitglied  der  lUuminaten  oder  einer 
andern  dergleichen,  wie  immer  genannten  Sekt  gewesen,  noch 
zur  Zeit  sei,  auch  in  Zukunft  zu  keiner  treten  werde*  Dieser 
Amtseid  w^urde  auf  alle  Ämter  übertragen  und  von  allen  Be- 
amten gefordert.  — 

Die  Liste  enthält  nun  91  Namen  der  hervorragendsten 
Männer  in  München.  Jedem  Namen  ist  eine  erklärende  Notiz 
beigefügt.  Einige  der  Namen  wollen  wir  hier  anführen  nebst 
den  beigefügten  Notizen. 

Baader,  Professor  und  Leib-Medicus  der  Durclilaucht,  Chur* 
fürstin  Wittwe,  Uluminat,  ein  unkluger,  rauher,  stolzer 
Mann,  welcher  besonders,  w^enn  er  betrunken  ist,  das 
nicht  selten  vorkommt,  in  den  Schenken  öflentlich  den 
Materialismus  predigt. 
Berger,  Ke\Tsionsrath,  Uluminat,  einer  der  thätigsten  Glieder* 
Beermiller,  ehemaliger  Pfarrer,  Uluminat.  Verlor  wiegen 
schlechter  Auttührung  die  Pfari'ey.  dann  Schulinspect.  zu 
Amberg,   verführte  die  Jugend  und  wurde  kassirt,  jetzt 

24» 


—       372     — 

beständig  in  München,  seines  Ordens  Hauptmann  und 
Espion. 

Bettenkofer,  Hof  und  geistlicher  Rath,  Illuminat,  schwacher  Kopf, 
aher  getreu  seinem  t)rden. 

Dusche],  ehemaliger  Repelitor  in  Ingolstadt,  jetzt  bestandig  hier 
Illuminat,  hält  sich  ziemlich  ruhig. 

DuiVesne,  von,  Abb6e,  Illuminat. 

Dürrheim,  Graf  von,  Oberforstmeister,  Illuminat, 

Eckartshausen,  Hofrath  und  Archivarius,  einer  der  thätigsten 
Arbeiter,  Illuminat.*) 

Fraueoberg,  Baron  von,  Hofrath,  Illuminat. 

Frolinhüfer,  ehemaliger  Schulrath  dann  nach  Burghausen  wegen 
dem  Illuminatismus  als  Secretair  bestimmt,  ging  nicht 
hinunter,  weil  er  dem  Orden  hier  wichtigere  Dinste  zu 
leisten  hatte.  Lebt  jetzt  in  München  sehr  glaublich  von 
seinen  Ordensbrüdern  untLM-halten.  Besonders  thätig  und 
Enthusiast  lur  den  Orden. 

Halm,  ein  angeblicher  Kunsthändler  in  München.  Einer  der 
bedenkliolisten  Illuminaten,  der  in  Ordensgeschaften 
immer  hin  und  heii*eist. 

Hart,  Piiester,  in  der  churfürstL  Bibliothek.  Illuminat.  Einer 
der  wichtigsten  Männer  des  Ordens, 

Härtl,  Kanonikus  hei  U.  I.  Frau.  Illuminat,  In  beständiger 
Arbeit  für  den  Orden. 

Härtin,  Bischof.  Haupt  Protector  laut  Briefes  von  Priester  Beer- 
miller* und  andern  sichern  Anzeichen. 

Hep|>,  Hauptmann  bei  Piinz  Max. 

Heppenstein,  Hofrath,  Illuminat. 

Käser,  Legationssekretär  in  Regensburg,  meistens  hier  in  Ordens- 
geschaften. 

Kreitmayer,  Baron  von,  ehemalige]*  Hofrath,  jetzt  Revisionsralh, 

glaublich  Illuminat. 
Krenner,    Hofkammertiscalats  Rath»  jetzt    Eisenreich   in    Land- 

schaftsgeschäflen     beygeordnet.       Einer     der    thätigsten 

Glieder.     Illuminat. 

Lerchenfeld,  Graf  von,  Illuminat. 
Lerchenfeld,  Graf  von,  junior. 
Levden,  Baron  von,  Illuminat. 


*f  Vergleiche  später  den  Bericht  Montezans. 


i 


Wie  weit  diese  Liste  nun  Glaubwürdigkeit  beanspruchen 
kann,  ist  heute  nicht  mehr  festzustellen:  es  steigen  beim  Lesen 
der  Notizen  und  beim  Vergleichen  der  Stände  und  Berufsarten 
denn  doch  recht  viele  Bedenken  auf,  bezüglich  der  Richtigkeit 
dieser  Angaben.  Diese  Bedenken  werden  vermehrt,  wenn  man 
die  nach  Paris  gewanderten  Berichte  des  französischen  Ge- 
sandten studiert,  der  namentlich  den  Pnter  Frank  für  die  Ver- 
folgungen   verantwortlich   macht.     Er  schreibt  z.   B.   in   einem 


—    373    — 

Lipowsky,  geistlicher  Raths  Kanzelist,  Illuminat,  ein  liederlicher 

Mensch. 
Lodron,  Graf  von,  Revisionsrath,  Illuminat. 
Mayerhofen,  Hof-  und  geistlicher  Rath,  Illuminat. 
Nagorola,  Graf  von,  Oberst,  Illuminat. 
Odermath,  ehemaliger  Jesuitenbruder,  Bibliothekdiener  und  nun 

der  Hauptmann  für  den  Orden.     Illuminat. 
Oepfner,  ehemaliger  Hof  und  geistl.  Rath,  dann  Stadtoberrichter. 

Illuminat. 
Preising,  Max,  Graf  von,  Hofraths  Vicepräsident,  wenigstens  ein 

Hauptprotector  des  Ordens.  | 

Schiesel,  Hofpfistermeister  zu  München,  bei  welchem  noch  be-         I 

ständige  Zusammenkünfte  gehalten  werden,  da  sind  die         \ 

Hauptzusammenkünfte  des  Ordens. 
Schweiger,     Laterneninspector     und     Hofkammerrath,     Haupt- 

illuminat. 
Seeau,  Graf  von,  Illuminat. 

Seefeld,  Graf  von,  der  Ältere,  Churfürstl.  Geheimer  Rath,  ehe- 
mals Kammerpräsident. 
Spaner,  Graf  von,  Trabanten  Hauptmann,  Illuminat. 
Stubenrauch,  Vicedirector  bey  der  Hofkammer.    Man  behauptet 

er  sey  Illuminat. 
Sutner,  Stadtrath  in  München.     Illuminat. 
Thompson,   General,  Freymaurer  mit  dem  schottischen  Grade, 

glaublich  Illuminat. 
Vachiery,  Hofrathskanzler  und  Schulkurator.     Illuminat. 
Werner,  Revisionsrath,  Illuminat,  einer  der  thätigsten  Glieder. 
Werz,  Apotheker  in  der  Rosengasse. 
Wodizka,  Hofmusikus,  Illuminat. 
Zetwitz,  Stadtcommandant,  ehemals  Illuminat  und  noch  höchst 

verdächtig. 


—     374     — 

Bericht  vom  27.  April  1789  unter  anderem  folgendes,  das  in  der 
Übersetzung  wiedergegeben  lautet: 

Er  fasste  seinen  Herrn,  welchen  er  von  seiner  schwachen 
Seite  kannte,  bei  seiner  Vorliebe  für  feleinHche  Rechen  an*  Die 
lilüminaten  sind  dem  Fürsten  verabscheuungswert,  weil  man 
ihn  überredet  hat,  dass  sie  sich  über  ihn  lustig  machten,  weiter- 
hin, weil  er  sie  verfolgt  hat.  Der  Exjesuit  hat  sie  auf  die  Szene 
zurückgeführt  und  hat  kalkuliert,  dass,  indem  er  sich  des 
Widerwillens  des  Souveräns  bedient,  er  seinen  schwachen  Kredit 
wieder  erhält;  sein  Plön  ist  sehr  einfach  gewesen, 

Weiterhin  schreibt  Montezan  ironisch: 

München,  12.  Jan.  179L 
Es  ist  recht  nutzbringend  für  Frömmigkeitsaugenblicke, 
dass  der  Pater  Frank  sich  als  Chef  einer  geheimen  Kommission 
festgesetzt  hat,  deren  andere  zwei  Mitglieder  die  Räte  Lippert 
und  Schneider  sind.  Diese  Kommission  hat  den  ?  (penitre) 
Goetz  (Sachse)  ausgewiesen,  welcher  schon  abgereist  ist  und 
welcher,  sagt  man,  Alchimist  und  Martinist  war.  Pater  Ber- 
müller,  Kaplan  des  Palais  Max,  hat  die  selbe  mündliche  Order 
erhalten,  ober  er  hat  sieh  geweigert  zu  gehorchen  wenigstens 
will  er  geschriebene  Order  haben.  Der  Baron  v.  Öberndorf  und 
der  Kanzler,  welche  nicht  befragt  worden  waren,  moehen  Miene 
ihn  zu  unterstützen.  FJne  M^^niö  Asrenner  (?)  Frau  eines  Pro- 
fessors der  Rechte  in  Ingolstadt  hat  Order  erholten  auch 
München  zu  verlassen,  aber  sie  sucht  Zeit  zu  gewinnen. 

Die  Illuminalen  sind  die  Ursache  und  der  Vorwand  dieser 
Massnahmen.  Montezan. 

Durch    nachfolgende   Mitteilung    nach    Paris    wird   die   er* 

wähnte  Liste  ebenfalls  beleuchtet. 

München,  19.  Jan.  1791. 
Pater  Bcrmüller  hat  Befehl  erhalten  definitiv  München  zu 
verlassen,  es  ist  der  Kanzler  selbst,  weicher  es  ihm  angezeigt  hat. 
Herr  v.  Eckartshausen,  Archivar;  ist  durch  dieselbe  Ausweisung 
überrascht  worden;  er  hat  sicli  gerechtfertigt  und  er  bleibt. 

Montezan, 

Eckortshausen  war  schon  lange  nicht  mehr  Ordens- 
aogdhöriger,  man  hatte  ihn  still  gelien  lassen  als  zu  furchtsam. 


-    375     — 

wenn  er  trotzdem  noch  nach  Jahren  als  Illuminat  bezeichnet 
wurde,  so  gibt  das  eben  Anhalt  für  die  nicht  volle  Zuverlässig- 
keit der  Liste.  —  Dem  Kurfürsten  war  es  jedoch  genügend, 
wenn  nur  eine  Bezichtigung,  dem  Orden  anzugehöi*en,  vorlag. 
In  denn  Fall  Eckartshausen  schützten  diesen  vielleicht  die  Gründe 
der  pikanten  Enthüllungen  Chalgrins.  In  einem  andern  Falle, 
dem  des  Grafen  Pappenheim,  zeigt  sich  das  unbegrenzte  Miss- 
trauen des  Kurfürsten. 

H  Graf  Pappenheim,  Statthalter  zu  Ingolstadt,  gehörte  dem 

Orden  an,  leugnete  jedoch  später  seine  Zugehörigkeit  ob.  — 
Wie  nun  sich  so  vieles  auf  Erden  rächt,  traf  ihn  auch  für 
diese  Verleugnung  die  Vei^eltung.  Chalgrin  teilt  unter  dem 
dem  24.  April  1792  nach  Paris  mit,  doss  Graf  Pappenheim  gegen 
den  Kriegsminister  Belderbusch  intrigierte,  um  sein  Amt  zu 
erhalten.  »Letzterer  vereinigte  sich  mit  IVitcr  Frank  und  Pajjpen- 
lieim  wurde  Sn  Hoheit  als  Mitglied  und  seihst  als  Protector 
der  Ilhiminatensecte  denunziert.  Diese  r^erninziation  liatte  volle 
Wirkung,  v.  Pappenheim  wurde  verbannt  und  alle  Anstreng- 
ungen, ich  würde  selbst  sagen  Niedrigkeiten  (Cassesses),  welche 
Icr  machte,  um  sich  wieder  in  das  Vertrauen  des  Kurfürsten  zu 
setzen,  waren  verlorene  für  ilin,  blieben  ohne  Krfolg.t  — 
Eine  ganze  Reihe  von  Denunziationen  erfolgte  in  jener  Zeil. 
Niemand  war  sieher,  von  irgend  einem  Feind  als  Illuminat  be- 
ziehtet zu  werden  und  war  er  dem  InquisilorTrifoIium  nicht 
genehm,  so  wurde  ihm  sicher  der  Prozess  gemacht»  Was  nun 
über  das  Treiben  desselben  bekannt  geworden  ist,  klingt  so  un- 
glaublich und  schlagt  dem  heutigen  Gerechtigkeitsgefühl  deraiiig 
ins  Gesieht,  dass  wir  vorziehen,  diese  Dinge  auszugsweise  der 
^  Arbeit  Professor  Kluckhohns  zu  entnehmen,  um  nicht  etwa  dem 

■k Verdachte  ausgesetzt  zu  sein,  dass  diese  hier  interessiert  ein- 
seitig und  allzu  scliwarz  gescliildert  werden.  Der  schon  anfangs 
dieses  Werkes  genannte  und  zitterte  I^rofess(jr  Kluckhohn 
schreibt  in  seinem  Artikel  »Die  llluminatcn  und  die  Aufklarung 
in  Bayern*  nachstellendes: 


^  Am  übelsten  eriging